Montag, 27. August 2007

The Jesus And Mary Chain, Rock en Seine, 25.08.07



Konzert: The Jesus And Mary Chain
Ort: Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 25.08.2007
Zuschauer: etliche Tausend vor der Hauptbühne


Die Schotten The Jesus And Mary Chain hatten ihre stärkste Phase in den 80er Jahren, als ihr erfolgreichstes und von den Kritikern hochgelobtes Album "Psychocandy"herauskam. Da ich aber in dieser Zeit scheußlich poppige Musik (Pet Shop Boys, Nena), guter Mucke vorzog, ist dieses und auch die kommenden Alben komplett an mir vorbeigegangen. Erst fast 20 Jahre später habe ich mich mit der guten Kompilation "21 Singles" den Draht zu der Band hergestellt. Beim Hören dieses Werkes stellte ich dann aber schnell fest, daß ich eigentlich Hits wie "Just Like Honey" schon vorher konnte, jedoch nicht zuordnen konnte. Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich aber nicht, daß die Band noch einmal auftreten würde, schließlich wurde die Kapelle 1999 im Streit aufgelöst...


Beim Stöbern durch englische Musikzeitschriften stieß ich aber im Konzertteil auf eine Werbung für das tolle amerikanische Festival Coachella und... ich glaubte es kaum, The Jesus And Mary Chain sollten u.a. neben Arcade Fire und Interpol Headliner sein! Wahnsinn! Von dem Auftritt der Oldies auf dem im Frühjahr stattfindenden Festival las man anschließend im NME fast nur Gutes. Meine Neugierde war geweckt und wurde noch weiter angefeuert durch das Auftauchen der Schotten im Line-Up von Rock en Seine 2007. Wie würden mir die alten Säcke gefallen, fragte ich mich, wird das jetzt eine Reunion für die Kohle, oder stehen musikalische Ambitionen dahinter?


Um es gleich vorab zu sagen, Jesus And Mary Chain haben mich nicht enttäuscht, im Gegenteil, sie rechtfertigten ihre Nomierung. Der Sound war während des heutigen Auftrittes viel heavier und noisiger, als ich das erwartet hatte. Zuckersüße Titel wie "Some Candy Talking" und "Just Like Honey" können einen da schnell in die Irre führen...


Im Grunde genommen hatte ich oft den Eindruck, daß die schüchtern wirkende Band mit ihrem Stil die Blaupause für in den 90ern erfolgreiche Bands wie z.B. Oasis war, daß sie bloß nicht die Kohle gemacht haben, die andere dann später machten. Unfaires Musikbusiness! Vielleicht liegt es daran, daß Sänger Jim Reid, der wie ein Englisch-Lehrer wirkt, nicht unbedingt das Zeug zum Rockstar hat. Wobei das heute gezeigte höfliche Benehmen damals wohl überhaupt nicht gang und gebe war. Bei Wikipedia ist zu lesen, daß die Brüder Reid (neben Jim war auch sein Bruder William Mitgründer), Journalisten und Fotographen während ihrer Auftritte beschimpft und bespuckt haben sollen und manchmal nur ganze 10 Minuten auftraten!


Ich kann bezeugen, daß meine Kamera an diesem Sommertage nicht mit Speichel überzogen wurde, heutzutage scheint Jim Reid nämlich vollkommen höflich und zuvorkommend!


Gespielt wurden im Übrigen natürlich Klassiker wie "Between Planets", oder eben "Just Like Honey", ob neue Stücke dabei waren entzieht sich aber meiner Kenntnis. Auf jeden Fall scheint sicher, daß Frisches von den Schotten kommen wird, denn sie basteln bestätigten Gerüchten zufolge an einem neuen Album. Man darf gespannt sein, wie gut diese CD sein wird, der Auftritt bei Rock en Seine hat mir auf jeden Fall schon einmal Lust darauf gegeben.


Setlist The Jesus And Mary Chain, Rock en Seine:

01: You Trip Me Up
02: Head On
03: Far Gone & Out
04: Sidewalking
05: Snakedriver
06: Happy When It Rains
07: Some Candy Talking
08: Between Planets
09: Blues From A Gun
10: Cracking Up
11: All Things Must Pass
12: Teenage Lust
13: Just Like Honey
14:Reverence






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