Mittwoch, 22. August 2007

Brand New, Hohenfelden, 19.08.07


Konzert: Brand New

Ort: Hohenfelden (Highfield-Festival)
Datum: 19.08.2007


"Was ist denn das für ein Musikstil", frage ich die hilfsbereite Verkäuferin am kleinen Stand von Saturn und zeige auf die CD von Brand New, auf der zwei Männer mit Totenköpfen zu sehen sind. "Äh, weiß nicht so genau", antwortet sie etwas verlegen. "Wenn es Emo ist, dann mag ich es nicht und das Cover sieht irgendwie seltsam aus", versuche ich ihr zu helfen.

Nach dem Auftritt der New Yorker Brand New kann ich in der Tat festhalten, daß es sich stilistisch irgendwie um Emo-Musik handelte, aber... das Konzert gefiel mir trotzdem ausgeprochen gut! Es war grandios! Ganz große Klasse! Wie ist das möglich, daß ich Musiker spontan in mein Herz schließe, obwohl sie eine Musikrichtung spielen, die mir eigentlich nicht sonderlich gefällt? Nun, weil ihr Sound viel zu komplex und vielseitig ist, um ihn in nur eine Schublade zu stecken und insbesondere Sänger Jesse Lacey dermaßen seine Lieder lebte, daß einem ein kalter Schauer über den Rücken laufen konnte. Ganz unscheinbar und schüchtern sah er aus, mit seinem karierten Holzfällerhemd, aber er war trotzdem unglaublich charismatisch und präsent. Fast erschrak man, wenn nach einer langen, eher schleppenden Einleitungsphase die Songs von einer Ballade in ungestüm rockende Monster umschlugen und Jessy Lacey sich die Seele aus dem Leib schrie. So auch beim fabelhaften Opener "Sowing Season", indem neben dem Aufschrei "Yeah" auch der Text aufwühlte. "I'm not your friend, your lover, or your family, yeah!", heißt es da und so wie das vorgetragen wurde, glaubte man Jesse den Text aufs Wort. Die meisten Stücke waren zu irgendeiner Phase sehr noisy, schlugen aber oft wieder in ruhigere Phasen um. All dies meisterten die Amerikaner höchst gekonnt. Oft hatte ich den Gedanken im Kopf, stilistisch seien Brand New der Missing Link - also das Verbindungsglied - zwischen den Foo Fighters bzw. Nirvana und Bright Eyes bzw. Elliott Smith und in der Tat werden diese Künstler auf der Vorgänger-CD "Deja Entendu" als Einfluss genannt. Von besagter "Deja Entendu", stammten dann auch zwei Lieder des Konzerts, nämlich "O.K., I Believe You, But My Tommy Gun Don't" (unglaublicher Titel!) und "Sic Transit Gloria... Glory Fades" (auch dies ein kurioser Titel!), während der Rest von "The Devil And God Are Raging Against Me" kam.

Leider hatten die Nordamerikaner nur 45 Minuten Zeit, um den Wechsel zwischen laut und leise zu zelebrieren, aber diese dreiviertel Stunde genügte, um tief in das Universum der Band einzutauchen. Am Ende gab es dann noch eine ganz und gar herzerweichende Szene, als sich Sänger Jesse auf den Boden sacken ließ, bis an den Bühenrand robbte und über dem Abgrund hängend weitersang. Was für ein Abschluss eines kurzen, aber intensiven Konzertes!

Setlist Brand New, Highfield:

01: Sowing Season
02: Millstone
03: The Archers Bows Have Broken
04 Okay, I Believe You But My Tommy Gun Don't
05: Sic Transit Gloria...Glory Fades
06: Jesus
07: Degausser



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