Sonntag, 5. November 2017

Wolf Alice, Köln, 02.11.17

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Konzert: Wolf Alice
Ort: Luxor, Köln
Datum: 02.11.2017
Dauer: Wolf Alice 75 min, The Magic Gang gut 25 min
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft




Ich glaube, man nennt den Stil von Wolf Alice Nu Grunge. Aber was weiß ich schon, ich mochte den alten schon nicht.* Eigentlich würde ich also alles meiden, was ein Etikett mit "Grunge" dran trägt. Dummerweise hatte ich Wolf Alice aber ganz unvorbereitet und daher unvoreingenommen beim End Of The Road Festival kennengelernt und mich spontan in Lieder wie den verloreren Elastica-Song Blush verliebt.


Irgendwann erschienen danach die ersten EPs, die in den Jahren danach Wahnwitzig wertvoll wurden. Um Wolf Alice entstand ein enormer Hype, vor allem in Großbritannien. In Deutschland wurde die Band vor allem durch die Riesenhallen-Tour als alt-J-Support bekannt. 2015 erschien die erste Platte My love is cool, vor anderthalb Monaten Nummer zwei Visions of a life, beide erreichten Platz zwei der britischen Charts. Der allgemeinen Charts, nicht der Indie-Hitparade. Ich höre die Platten nicht schrecklich oft, obwohl sie sehr gut sind, für mich sind Wolf Alice eine Live-Band. Gut, das sind die meisten, bei der Gruppe aus London gilt das aber besonders.


Als ich im Luxor ankam, liefen die Ramones (diese Band von den H&M-Shirts). Pünklich um acht stoppte die Kassette und The Magic Gang kamen auf die Bühne. Wenn ich nach dem Äußeren gegangen wäre und vom T-Shirt des Sängers auf den Musikstil geschlossen hätte, hätte ich richtig gelegen. Die mir unbekannte vierköpfige Gruppe aus Brighton machte ringelshirtartigen Indiepop, das erinnerte mal an Teenage Fanclub und war hörenswert und kurzweilig.

Setlist The Magic Gang, Luxor, Köln:

01: Lady, please
02: All this way
03: Only waiting
04: No one else
05: New banger (?)
06: Your love
07: Alright
08: How can I compete
09: All that I want is you


Was mich bei Wolf Alice erwarten würde, wusste ich. Zwar war es in den letzten Jahren nicht immer einfach, die Briten zu sehen, mal fielen Konzerte aus, weil Wolf Alice für Preise nominiert waren (gewonnen haben sie u.a. zwei NME-Awards, nominiert waren sie auch für den Mercury Prize), mal musste ich dafür wie erwähnt zu alt-J gehen.

Wolf Alice sind Frontfrau (und Gitarristin) Ellie Rowsell, Gitarrist Joff Oddie, Bassist Theo Ellis und Schlagzeuger Joel Amey. Ellie singt in zwei Mikros, eines verzerrt, eines normal. Das sieht immer ein wenig nach einer Pressekonferenz aus. Ellie und Bassist Theo wechseln ihr Aussehen von Konzert zu Konzert, das ich sehe. Ellie sah diesmal aus wie Eleven in der zweiten Hälfte von Stranger Things 2, Theo hatte mal wieder Haare und blieb das ganze Konzert lang weitestgehend angezogen. Die beiden Männer rechts und links der Sängerin bewegen sich während eines Auftritts irre viel und schwitzen ganz ordentlich. Ob das der Grund war, warum der Roadie unmittelbar vor Konzertbeginn noch mit Frischhaltefolie am Pedalbrett von Joff arbeitete, weiß ich nicht. Mir fiel aber keine andere Erklärung als Schweißschutz ein.

Es ist eine eiserne Regel, daß man Konzerte mit dem ersten Lied der aktuellen Platte beginnt, fast jede Band macht das so, wenn ein Album betourt wird. Wolf Alice sind da keine Ausnahme, Heavenward war das erste Stück des Abends, gefolgt vom Lied zwei von Visions of life, dem wuchtigen Yuk fu. Sie spielten am Anfang ohne Pausen. Zwischen Yuk fu und dem tollen You're a germ (erste Platte) blieb gerade mal Zeit für einen "I love you Theo" Zuruf. Wolf Alice haben mittlerweile so viel Material, daß sie wohl möglichst viel davon unterbringen wollten.** Apropos soviel Material und Theo...: der Bassist wechselte regelmäßig sein Instrument. Mindestens drei Bässe hatte er im Einsatz. Ich höre zwischen Bässen keinen Unterschied, es ist aber sicherlich musikalisch sinnvoll und keine Poserei. Mich erstaunte aber, daß teilweise von Lied zu Lied der Bass gewechselt wurde, das spricht für mich für sehr prefessionelles Herangehen an den Job.


Das Repertoire von Wolf Alice ist ein wenig speziell. Das stilistische Spektrum der Band ist riesig, man kann ihr wirklich nicht vorwerfen, nur Variationen des immer gleichen Lieds zu schreiben. Weil die Spanne so groß ist, vom Popsong zu ziemlich harten Rock- oder Grungeliedern, sind eben trotz der vielen großen Hits auch immer mal wieder Songs dabei, die mich nicht umhauen. Bei Konzerten ist das aber gar nicht dramatisch, weil die Bandlive fantastisch ist und sich das aufs Publikum überträgt (wäre das männlicher und daher rowdyhafter gewesen, wären wir mit blauen Flecken rausgegangen). 

Neben den offensichtlichen Hits wie Blush, Fluffy, Moaning Lisa smile und Bros gefiel mir Silk besonders gut, das hatte ich bisher gar nicht wirklich beachtet. Visions of a life, der Titelsong vom neuen Album, löste bei mir ZZ Top-Assoziationen aus, diese Gitarren... puh!

Auch wenn ich nicht jedes Lied gleich liebe, war das Konzert sehr gut. Mit Wolf Alice-Konzerten kann man nichts falsch machen, dafür würde ich sogar noch mal zu alt-J gehen.  

Setlist Wolf Alice, Luxor, Köln:

01: Heavenward
02: Yuk foo
03: You're a germ
04: Your loves whore
05: St. Purple & Green
06: Don't delete the kisses
07: Formidable cool
08: Silk
09: Lisbon
10: Planet hunter
11: Beautifully unconventional
12: Moaning Lisa smile
13: Sadboy
14: Space & time
15: Bros
16: Visions of a life
17: Fluffy

18: Blush (Z)
19: Giant peach (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Wolf Alice, Frankfurt, 03.09.16
- Wolf Alice, Köln, 12.02.16
- Wolf Alice, Offenbach, 07.02.15
- Wolf Alice, Larmer Tree Gardens, 30.08.13 


* und ich hatte da wirklich gute Gründe! Grunge haben Bands wie Galaxie 500 getötet, weil plötzlich alles so klingen sollte wie Nirvana.
** auf beiden Platten sind zwölf Lieder, meine iTunes-Sammlung umfasst 36 Stücke





Mittwoch, 1. November 2017

Inheaven, Köln, 27.10.17

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Konzert: Inheaven
Ort: MTC, Köln
Datum: 27.10.17
Dauer: 60min
Zuschauer: ca.60



Inheaven wollen berühmt werden. Ein legitimer Wunsch, nur kann das den Weg zur neuen Lieblingsband etwas erschweren. Schließlich möchte man die Band selber entdecken und nicht an jeder Ecke auf das nächste, große Ding aus England gestoßen werden. 

In Deutschland ist das aber natürlich noch kein Thema. Während der NME in England schon wieder vom "most dangerously excited debut album" fabuliert, versammelt sich im immer noch nach Klosteinen stinkenden MTC gerademal ein Publikum in doppelter Klassenstärke. 


Wenig Glamour also, obwohl die Bühne mit viel Gedöns wie Plastikblumen und einer USA-Flagge ?! aufgehübscht wurde. Das Album der Band erschien auf Julian Casablanca`s Label CULT RECORDS und ist wirklich gelungen.

Auf der Bühne ist der Sound zunächst auch wenig anders als auf CD. Hier stehen allerdings zwei sehr extrovertierte Musiker (Bassistin Chloe und Sänger James Taylor) dem unscheinbaren Drummer und zweiten Gitarristen gegenüber. 



Chloe bemüht alle Rockgesten der letzten 50 Jahre auf Stadionniveau, was auf Dauer etwas ermüdend wirkt. James Taylor hat das Mikro im Liam-Gedächnismodus aufgebaut und schaut daher ständig an die Decke. Aber kommen wir zur Musik, und die ist über weite Strecken wirklich gut.

Klar, hier gibt es nichts neues zu entdecken, das alles ist Retro im unterhaltsamsten Sinne. Viele Bassläufe erinnern an die Pixies, ebenso wie der oft zweistimmige Gesang. Dann wird es wieder etwas rockiger oder ruhiger, aber immer im klassischen Indie-Gewand. 



Das besondere der Songs, sie sind unglaublich eingängig und voller runder Melodien. Daher ist die Hoffnung berechtigt, das sich Inheaven von den, auf Dauer langweiligen UK-Hypes der letzten Jahre, wie z.B. den Circa Waves schon bald absetzen können. 



Ob aber heute mit tollen Songs wie "Regeneration" oder "Bitter Town" überhaupt noch eine Karriere außerhalb des geschlossenen Festivalzirkusses möglich ist, bleibt abzuwarten. 

Vielleicht kommen Inheaven 15 Jahr zu spät, vielleicht sind sie aber doch die Band, die dem Genre einen neuen Impuls verleihen kann. Halten wir die Augen offen.

Fotos: Michael Graef



Jetstream Pony, Hamburg, 28.10.17

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Konzert: Jetstream Pony
Ort: Astra Stube, Hamburg
Datum: 28.10.2017
Dauer: 37 min
Zuschauer: ca. 60



Sängerin Beth Arzy fluchte schon passend zur Hafenstadt wie eine Matrosin! Es gab keinen Whiskey in dem kleinen Club, außerdem spielte Altona 93 am Sonntag nicht wie geplant; Gründe genug, ordentlich rumzutoben! Hätte ich die Musikerin nicht neulich mit ihrer anderen Band The Luxembourg Signal in Köln erlebt und als schrecklich nett kennengelernt, hätte mich das vielleicht eingeschüchtert. Weil sie aber kein "Drecksschwien" ist, was sie gerne behauptet, haben wir uns vor und nach dem Konzert über unsere gemeinsamen Lieblinge Slowdive, Galaxie 500 oder Belle & Sebastian unterhalten, wobei meine Anekdoten zwar ganz gut, bei weitem aber nicht so toll wie Beths waren. Nerds unter sich.

Aber ich war auch wegen der Musik da.


Jetstream Pony sind wieder einmal eine Indie-Supergroup. Neben Beth (Aberdeen, Tembling Blue Stars, The Luxembourg Signal) sind in dieser neuen Band Kerry Boettcher (Turbocat // Bass), Sara Boyle (Shelley Mack Band // Schlagzeug) und Shaun Charman (The Wedding Present, The Popguns, The Fireworks // Gitarre). Shaun spielte auf Wedding Presents Debütalbum George Best, das David Gedges Band gerade live aufführt. Auch Kerry ist popgeschichtlich aufregend, sie ist die Namensgeberin des Cinerama-Hits Kerry Kerry. Falls ich da keinem Vor-Halloween-Gag aufgeflogen bin. 

Jetstream Pony haben bisher eine Single veröffentlicht. Like you less & Had enough (das ist alles andere als eine B-Seite!) erschien beim tollen Augsburger Label Kleine Untergrund Schallplatten, das uns schon so großartige Bands wie The BV's, Zimt und Endlich Blüte beschert hat und auf dem die neue Luxembourg Signal Platte erschienen ist. 


Jetstream Pony klingen eine ganze Ecke schrammeliger als die anderen Bands, von denen ich Beth kenne. Aber schrammelig und roh ist natürlich absolut nicht verkehrt! Ich mochte es vom ersten Lied an!

Nach diesem ersten Lied kam die Single Like you less, eines von zwei Liedern, die ich kannte. Und schon ganz am Anfang sagte die Sängerin, daß sie a) wirklich gerne einen Whiskey hätte und b) aufs Klo müsste. An der Schnaps-Lage ließ sich nichts ändern, die andere Sache schon. Nach Ready to let you go (jaja...) ging es wohl nicht mehr. "Musst Du die Gitarre stimmen, Shau? I really have to pee" - was uns zum Lachen brachte, das habe ich bisher noch nicht bei Konzerten erlebt. "Is that bad? Is that wrong?" und weg war sie. Ihre Band jammte in der Zwischenzeit etwas.

Nach der Pause spielten Jetstream Pony das Lied, in das ich mich spontan verliebt habe: Self-destruct reality, ein echter Riesenhit! Der Rest war auch toll, die Single-Lieder, vor allem auch die B-Seite Had enough sind großartig, Self-destruct reality aber der Star!

Danach kamen zwei weitere Besonderheiten: ein neues Lied, das auch für sie - wie Beth uns vorher gesagt hatte - neu war. "This is a new one and I fucking don't know it!" Es (Close to you) klappte aber sehr gut!



Danach wechselten Beth und Kerry die Plätze. Die Band spielte einen Turbocat-Song (A tribute to Wanda and Zena), der eine Ecke düsterer als der Rest war. Danach war wie befürchtet schnell Schluß. "This is the last one. Alles ist scheiße, there is no whiskey, no football." Had enough galt aber wohl nur für die Sängerin, wir wollten mehr. "We don't know anymore!" - "Like you less!" - "If we keep playing you'll like us less! This is stupid. This is the single again. Go the fuck home!"

Setlist Jetstream Pony, Astra Stube, Hamburg:

01: Out of reach
02: Like you less
03: Not the one
04: Bury me
05: Coming with me
06: Ready to let you go

07: Self-destruct reality
08: Close to you
09: A tribute to Wanda and Zena (Turbocat Cover)
10: Had enough



 




Tipp: New Fall Festival 2017, Düsseldorf und Stuttgart

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Gefühlt ist der Sommer gerade vorüber, da locken schon die Herbstfestivals in die Hallen der Stadt. Besonders das seit letztem Jahr auch in Stuttgart stattfindende New Fall Festival begeistert uns seit Jahren mit vielen Konzerttagebuch-Lieblingen als Künstlern und besonderen Spielorten als Besucher.


Jedes Jahr gibt es neue Spielstätten zu entdecken, gerade in Düsseldorf kehrt mit der Tonhalle, nach einem Jahr Abstinenz, der wohl schönste Ort für Konzerte zurück. 



Wie für diese Halle gemacht erscheinen Michael Kiwanuka`s elegischer Soulrock und Glen Hansard`s überbordende Spielfreude (in Düsseldorf leider schon ausverkauft), sowie die Pianoklänge von Tom Odell.

Nicht weniger beeindruckend wird das Ganze in der Stuttgarter "Liederhalle" oder der "Carl-Benz Arena". Anna Ternheim besucht dort mit ihrem Gastspiel das "Stuttgarter Schloss", ebenso wie die aufstrebende, junge Alice Phoebe Lou, die in Düsseldorf gleich in der "Johanneskirche" auftritt.

Schon beim Open Source Festival 2017 waren Austra in Düsseldorf zu Gast, dort aber leider vor zu wenigen Zuschauern am frühen Nachmittag.  Konzerttagebuch-Urgestein Sophia präsentiert auf seiner laufenden Tour einen fantastischen Querschnitt seines fast 20-jährigen Schaffens. Von berührenden, akustischen Einlagen bis zu Mogwai-artigen Gitarrenwänden wird alles geboten. Ein Pflichtbesuch. 

Wie immer, wird es auch in jeder Stadt wieder einen lokalen "Bundesland"-Abend geben (Düsseldorf: Woman !!, Love Machine u.a. / Stuttgart: Rikas, Fibel, u.a.). Hier werden regelmäßig die Headliner der nächsten Jahre verhandelt. 



Anspruchsvollen Pop gibt es bei Tune-Yards aus Kalifornien und den Damon Albarn Lieblingen und Grammy Gewinnern von Amadou and Mariam. 

Musikalisch etwas entspannter geht es dann bei Olli Schulz (nur Stuttgart) und Megaloh zu, der hier mit kompletter Big-Band antritt. Das Düsseldorfer Programm hält mit Thurston Moore, Julian Baker und Destroyer noch weitere Indie-Hochkaräter bereit.

Genre-Ausreden verbieten sich also, die Qual der Wahl scheint das einzige Problem. 

Um die Entscheidung etwas zu erleichtern verlosen wir, mit freundlicher Unterstützung des Festivals, jeweils (1x2 Tickets) für die Konzerte von Austra und TuneYards in beiden Städten. (15.11.-Düsseldorf/16.11.-Stuttgart). Einfach eine e-mail mit Wunschstadt  an: gewinnen@konzerttagebuch.de. Die Gewinner werden dann ab 14.11.2017 benachrichtigt.

Ticketlink Düsseldorf und Stuttgart: Tickets New Fall



Düsseldorf:
Donnerstag, 16.11. 
Little Dragon | New Fall Düsseldorf 2017
Die Höchste Eisenbahn | New Fall Düsseldorf 2017
Mogli | New Fall Düsseldorf 2017
Julien Baker | New Fall Düsseldorf 2017
Austra + Tune-yards | New Fall Düsseldorf 2017

Freitag, 17.11.
Alice Merton | New Fall Düsseldorf 2017
Megaloh & Rhein Brass | New Fall Düsseldorf 2017
Sophia | New Fall Düsseldorf 2017
Tom Odell | New Fall Düsseldorf 2017
Fil Bo Riva | New Fall Düsseldorf 2017
Sudan Archives | New Fall Festival Düsseldorf 2017

Samstag, 18.11.
Glen Hansard | New Fall Düsseldorf 2017 (ausverkauft)
Kensington | New Fall Düsseldorf 2017 (ausverkauft)
Love A, Isolation Berlin, Gurr | New Fall Düsseldorf 2017 (ausverkauft)
Michael Kiwanuka | New Fall Düsseldorf 2017
Thurston Moore | New Fall Düsseldorf 2017
PopNRW Abend | New Fall Düsseldorf 2017
Lasse Matthiessen | New Fall Düsseldorf 2017

Sonntag, 19.11.
Anna Ternheim | New Fall Düsseldorf 2017
Destroyer | New Fall Düsseldorf 2017
Amadou & Mariam | New Fall Düsseldorf 2017


Stuttgart:
Mi, 15.11. Beethoven-Saal (Liederhalle)
Glen Hansard | New Fall Stuttgart 2017

Do, 16.11. Mozart-Saal (Liederhalle)
Megaloh & RheinBrass | New Fall Stuttgart 2017

Do, 16.11. Weißer Saal im Neuen Schloss
Alice Phoebe Lou | New Fall Stuttgart 2017

Fr, 17.11. Mozart-Saal (Liederhalle)
Die Höchste Eisenbahn | New Fall Stuttgart 2017

Fr, 17.11. Carl Benz Arena
Olli Schulz | New Fall Stuttgart 2017

Fr, 17.11. Straßenbahnwelt
Austra + Tune-Yards | New Fall Stuttgart 2017

Sa, 18.11. Carl Benz Arena
Tom Odell | New Fall Stuttgart 2017

Sa, 18.11. Straßenbahnwelt
BaWü Abend | New Fall Stuttgart 2017

Sa, 18.11. Mozart-Saal (Liederhalle)
Little Dragon | New Fall Stuttgart 2017

Sa, 18.11. Weißer Saal im Neuen Schloss
Anna Ternheim | New Fall Stuttgart 2017 (ausverkauft)

So, 19.11. Carl Benz Arena
Michael Kiwanuka | New Fall Stuttgart 2017


Aus unserem Archiv (Auszug):
Sophia, Maastricht, 23.04.16
Sophia, Heusweiler, 05.05.12
Sophia, Köln, 28.12.11
Sophia, Frankfurt, 15.05.10
Sophia, Wien, 29.09.09
Sophia, Köln, 12.02.09

Austra, Luxemburg, 07.08.13
Austra, Esch-sur-Alzette, 23.11.12
Austra, Köln, 24.05.12
Austra, Saint Cloud, 28.08.11
Austra, Köln, 25.06.11
Austra, Paris, 01.04.11
Austra, Paris, 20.01.11

Anna Ternheim, Frankfurt, 10.04.16
Anna Ternheim, Freiburg, 21.02.12
Anna Ternheim, Frankfurt, 19.02.12
Anna Ternheim, Köln, 11.02.12
Anna Ternheim, Berlin, 03.11.11
Anna Ternheim, Nyköping, 24.11.09
Anna Ternheim, Paris, 23.09.09
Anna Ternheim, Fribourg, 20.09.09
Anna Ternheim, Köln, 13.09.09
Anna Ternheim, Haldern, 14.08.09
Anna Ternheim, Paris, 29.04.09
Anna Ternheim, Frankfurt, 28.04.09
Anna Ternheim, Nijmegen, 24.04.09
Anna Ternheim, Stockholm, 08.12.08
Anna Ternheim, Paris, 01.10.07
Anna Ternheim, Köln, 26.09.07
Anna Ternheim, Heidelberg, 25.09.07
Anna Ternheim, Paris, 31.05.07
Anna Ternheim, Köln, 12.03.07
Anna Ternheim, Paris, 12.12.06

Olli Schulz, Karlsruhe, 19.11.12
Olli Schulz, Köln, 17.08.12
Olli Schulz, Mannheim, 18.05.12
Olli Schulz, Bad Homburg, 20.01.12
Olli Schulz, Köln, 22.08.10
Olli Schulz, Köln, 22.01.10
Olli Schulz, Köln, 29.04.09
Olli Schulz, Köln, 19.02.08

Thurston Moore, Paris, 23.08.14
Thurston Moore, Hyères, 28.07.12
Thurston Moore, Paris, 11.12.07

Spotify-Playlist des Festivals





Ride, Brüssel, 30.10.17

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Konzert: Ride
Ort: Boatnique, Brüssel (Orangerie)
Datum: 30.10.2017
Dauer: Ride ca. 110 min, Dead Horse One 25 min
Zuschauer: ausverkauft



Englische Shoegaze-Helden in der Orangerie des Botanique in Brüssel, klingt vertraut. Erst vor drei Wochen spielten Slowdive in der belgischen Hauptstadt, jetzt Ride. Beide Bands verbindet auch daneben vieles. Die erste Karriere lief ähnlich, das Ende wurde vom Druck eingeleitet, sich musikalisch dem Geschmack der Massen anzupassen. Beide Bands verschwanden Mitte der 90er Jahre, als Britpop alles überrollte. Die zweite Karriere begann zwanzig Jahre später mit Festival-Auftritten (bei denen jeweils das Primavera eine wichtige Rolle spielte). Beide Bands nutzten die Gelegenheit (und natürlich auch die Gagen), um neue Musik zu machen, in diesem Jahr erschienen neue Alben.

Ride waren bei allem Reunion-Kram etwas später dran als Slowdive. Also war es konsequent, daß auch das Brüssel-Konzert drei Wochen später stattfand.


Im Gegensatz zu Slowdive hatten Ride eine sehr gute und passende Vorgruppe mitgebracht: Dead Horse One aus Valence in Frankreich. Dead Horse One sind eine Shoegaze-Band, die sehr viel Spaß machte. Dead Horse One spielten mit zwei Gitarristen, Bassist, Schlagzeuger und Keyboarder. Der Bassist und der wie Claude-Oliver Rudolph aussehende Gitarrist, sangen abwechselnd. Ich kannte keines der Lieder, war aber sofort angefixt, die Musik der Franzosen war hervorragend und extrem kurzweilig. Dummerweise war der Auftritt aber auch kurz, nach 25 Minuten war das Set vorbei.

Mir gefiel vor allem Hopper vom Debütalbum Without love we perish (2016), das Mark Gardener produziert hat. Vielleicht blieb mir das Lied aber auch wegen dieser Serie neulich besonders im Kopf, gut waren alle sechs Songs, die Dead Horse One spielten.

Wenn man sehr weit für ein Konzert fährt, sind Vorgruppen fast immer extrem lästig, die Franzosen waren das Gegenteil.

Setlist Dead Horse One, Botanique, Brüssel:

01: He goes down
02: Hopper
03: I love my man
04: Mesmerize me
05: Season of mist
06: By my side



Um kurz nach neun kam das erste Ride-Lied zunächst vom Band, Integration tape vom neuen Album Weather diaries. Im Gegensatz zu Slowdives Slowdive habe ich Rides Platte bisher kaum gehört. Das ist der Fluch des übermächtigen Albums der Kollegen aus Reading. Ich kann eben immer nur eine Platte gleichzeitig hören, und das war nun mal meist Slowdive.

Das Konzert (mein erstes von Ride in einem Club) begann mit dem Album-Opener Lannoy Point, einem sehr tollen Stück, das sich dramatisch steigert. Wie auf Platte ging es mit Charm assault weiter. Wir standen (einem Profitipp folgend) rechts von Mark Gardener und hatten damit freien Blick auf ihn, den mit Abstand energischsten Teil der Band. Der Co-Sänger trug diesmal keinen Hut (Männer und Haare...). Neben Marks Tanz-Moves gab es aber eine Menge mehr zu sehen. Vermutlich könnten Musikwissenschaftler Dissertationen über die Effektgeräte vor dem Frontmann schreiben. Die meisten Musikgeschäfte haben wohl weniger Geräte im Programm. 


Rechts neben Mark Gardener (vom Saal aus) stand Steve Queralt, der vermutlich der coolste Bassist ist, den ich seit Jahren erlebt habe. Steve hat für einen Bassisten ähnlich eindrucksvoll viele Knöpfe und Pedale vor sich stehen, er steht aber während der Lieder hinten vor den Verstärkern und spielt Bass. Ohne dabei zu tanzen. Nur Bass. So wie C.J. (glaube ich) bei meinem einen Ramones-Konzert. Etwa so wie der Kehrwert des Bassisten von Minor Victories, der bei Konzerten mehr Kilometer als Fußballer zurücklegt.


Bevor das Konzert begonnen hatte, klebten bei Steve und Mark unterschiedliche Setlisten. Im Botanique gibt es keinen Fotograben, man steht direkt an der Bühne. Wir hatten einen guten Blick darauf, was das ausgelegt wurde und bekamen einen großen Schrecken, als aus der 20-Lied-Liste eine mit 16 wurde. Wir wussten, daß Ride aktuell immer mehr neue Stücke spielen, aus sehr gut unterrichteten Kreisen hatten wir erfahren, daß auch eine Premiere stattfinden würde. Wenn von 16 Liedern knapp die Hälfte neu sein würden, würden einige wichtige alte Lieblinge fehlen (Mathematik, kannste nichts machen).


Die neuen Lieder spielten Ride am Anfang und gegen Ende des Sets, dazwischen kam viel von EPs und den Platten vor Tarantula. An Dreams burn down, Taste oder Seagull kommen nicht alle von den neuen Stücken ran. Das ist auch der entscheidende Unterschied meiner Wahrnehmung von aktuellen Slowdive- und Ride-Konzerten. Bei Slowdive ist die aktuelle Platte - je nachdem, mit wem man spricht - die zweitbeste der Band. "Je nachdem, mit wem man spricht" deshalb, weil ich Leute kenne, die sie für die beste nach Souvlaki und Leute, die sie für die beste nach Pygmalion halten. Bei Slowdive gilt: je mehr neue Songs desto besser! Und wenn dann 40 days wegfällt? Egal! Meine Begeisterung für Weather diaries ist verglichen mit dem Frühwerk bei Ride kleiner. Vielleicht kommt das noch, der Wurf war aber eine Spur kleiner als der von Slowdive.

Neben dem fantastischen Lannoy Point und Lateral Alice ist bei mir von den neuen Liedern besonders Cali hängengeblieben, ein großer Hit! Etwas später kam die Premiere von Impermanence, für das Mark Gardener noch Text-Hilfe brauchte. Irgendwie hatte man zwischen all seinen Effekten noch Platz für einen Notenständer und eine Leselampe gefunden. 

Nach dem Dreierblock Impermanence (bis dahin schwächstes der neuen Lieder), Lateral Alice und All I want (mit diesem komischen Anfang) folgten drei Knüller: OX4, Vapour trail und Drive blind mit dem tollen Krach-Teil in der Mitte. 

Wir waren wegen dieser Setlisten-Tausch-Sache noch unsicher, ob es das gewesen sein sollte. Nach Drive blind kamen die vier Musiker aber zurück. Die erste Zugabe war White sands vom neuen Album - das achte Lied von Weather diaries. Und das, das ich am späten Abend am wenigsten gebraucht hätte. Die 20, 25 Minuten danach allerdings schon! Like a daydream, Leave them all behind und Chelsea girl beendeten den Abend.

Fast zwei Stunden lang spielten Ride. Auch die Band aus Oxford ist keine Nostalgie-Gruppe, sie ist aktuell und frisch. Und trotz der vielen älteren Männer im Publikum waren auch wieder einige überraschend junge da. Neben uns stand ein kleiner Junge, der seine Fäuste im Takt auf die Bühne schlug oder nach den Songs in die Höhe riss. Lohn für seine Begeisterung: Andy Bell ging quer über die Bühne, um ihm die Hand zu geben!

Weniger Glück hatte ein Mann neben uns, der sich nach dem regulären Set eine der Setlisten griff. Der Techniker der Band deutete ihm, sie zurückzulegen, was er machte. Sein anderer Nachbar nutzte die Gunst der Stunde und schnappte sie sich - ein wenig sehr arschig.


Setlist Ride, Botanique, Brüssel:

01: Lannoy Point
02: Charm assault
03: Seagull
04: Weather diaries
05: Taste
06: Unfamiliar
07: From time to time
08: Dreams burn down
09: Cali
10: Twisterella
11: Impermanence
12: Lateral Alice
13: All I want
14: OX4
15: Vapour trail
16: Drive blind

17: White sands (Z)
18: Like a daydream (Z)
19: Leave them all behind (Z)
20: Chelsea girl (Z)

Links:


- aus unserem Archiv:
- Ride, Barcelona, 29.05.15



 

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