Posts mit dem Label Brüssel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Brüssel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 21. Mai 2024

Adrianne Lenker - Königlicher Circus - Brüssel - 03.05.2024

0 Kommentare

 


Konzert: Adrianne Lenker
Ort: Königlicher Circus Brüssel
Datum: 03.05.2024
Dauer: 90 min.
Zuschauer: ca. 2.500 sold out



Brüssel präsentiert sich an diesem Freitag von seiner "Schokoladen"-seite. Mein Hotel liegt direkt an der sonstigen Anlaufstelle für Konzertgänger, dem Botanique, einem ehrwürdigen Tropenhaus an einem kleinen Park, mitten in der Innenstadt. Sofort kommen alte Erinnerungen an dort besuchte Konzerte auf. Normalerweise hätte ich das Konzert von Adrianne Lenker auch hier verortet. 

Mittlerweile spielt sie Solo aber fast größere Venues als mit ihrer Band Big Thief. Ein voller Terminkalender mit drei Tourneen ist für 2024 schon bestätigt. Es gibt aber auch wirklich viel Neues zu hören. Das aktuelle Album (Bright Future) ist nicht nur beim Rolling Stone ein Kritikerliebling. Eine wirklich tolle Platte, spröde und melodisch im besten Sinne und auch bisher mein Favourit in diesem Jahr. 

Konzerte im Königlichen Zirkus von Brüssel sind mindestens so schön wie im Botanique. Was gäbe ich für eine ähnliche Location in Köln oder dem Ruhrgebiet. Vergleichbar vielleicht am ehesten mit der Tonhalle in Düsseldorf bietet diese runde Arena aber viel mehr Pop-und Rockkonzerte. In den letzten Jahren wurde dann nochmal modernisiert. Heute ist der kleine Innenraum nicht bestuhlt und das Publikum scheint besonders gespannt und voller Vorfreude. 

Nicht immer sind Konzerte in großen Städten mit knisternder Spannung versehen. Zu viele Versanstaltungen machen etwas Event-Müde, aber heute spürt man das Knistern und die Erwartung. 

Adrianne Lenker betritt die karge Bühne (zwei handelsübliche Lava-Lampen stehen bereit), diverse Gitarren und ein Klavier sowie eine Geige werden das Gerüst der Show bilden. Die Frage, ob es auch Songs von Big Thief zu hören gibt, beantwortet sich sofort. Sie startet mit "The only place" und schon bald folgen das fantastische "Simulation Swarm" und "Pretty things".

 

Dabei muss sie den Song leider abbrechen. Obwohl es sich um ein rein akustisches Konzert handelt, werden dreimal Personen im Publikum ohnmächtig und müssen von den Ordnern huckepack aus dem Saal getragen werden. Das habe ich auch noch nicht oft erlebt. 

Dabei bleibt die Künstlerin immer ruhig, erkennt die Situation sogar selber und gibt allen Zeit und Raum, die Lage zu klären. Die ersten Hälfte des Sets bestreitet sie ganz alleine und meine Zweifel, ob dies in einer Halle mit fast 3.000 Zuschauern funktionieren kann, sind schnell verflogen. Es ist großartig. Besonders unter dem Aspekt, das die Setlisten sich jeden Abend verändern und es kein "Best-Of" Programm ist, das hier geboten wird. 

Aber wahrscheinlich macht gerade dieser Reiz das Spiel von Adrianne Lenker so schön und einzigartig. Sie reagiert auf Zurufe, spielt "Jonathan" und stimmt ihre Gitarren nach den Songs, die ihr gerade in den Sinn kommen. Bei anderen Künstlern würde man das fahrig oder schlecht vorbereitet finden, hier passt es.


Im zweiten Set kommt dann das Piano und die Violine dazu, es gibt mehr Songs von ihren Solo-Alben und besonders "Evol" und "anything" gelingen hervorragend. 

Als einzige Zugabe dann heute "symbol". Wie wenig es braucht, um eine unvergessliche Stimmung zu erzeugen, wenn man es dann kann.  Ein Abend zum Staunen und Geniessen geht zu Ende. Nach ein paar belgischen Bieren geht es wieder vorbei am tropischen Park zum Hotel, diesmal mit einem breitem Grinsen der Freude.


Dienstag, 15. Oktober 2019

New Order, Brüssel, 14.10.19

1 Kommentare

Konzert: New Order
Ort: Forest National, Brüssel
Datum: 14.10.2019
Dauer: knapp 110 min
Zuschauer: vielleicht 5.000




Als wir im frühen Abendverkehr vor einen Ampel in Brüssel standen, wartete neben uns eine große Limousine auf Grün. Trotz des sommerlichen Wetters - 24 Grad - waren die Scheiben des Wagens hermetisch geschlossen. Aus dem Inneren hörten wir Wagner, dann die ersten Takte von Age of consent von New Order, dieses Überstück ihrer zweiten Platte, deren Titel Power, corruption & lies irgendwann das offizielle Motto der Präsidentschaft von Donald Trump sein wird. Obwohl die Isolierung des Fahrzeugs so gut war, daß die Musik bei uns nur sehr gedämpft ankam, löste das Lied Freude aus. Vielleicht macht der Fahrer ja gleich mal die Scheiben runter, dann ist es perfekt!


So brillant, wie mir die auf dem Rückweg in den Kopf gekommene Idee, den Bericht eines schlecht-erlebten Konzerts pfiffig zu schreiben, jetzt erscheint, so gut waren die New-Order-Soundleute auf die große Brüsseler Konzerthalle Forest National vorbereitet. Um nicht schon eine Stunde vor dem Support im Innenraum stehen zu müssen, saßen wir zunächst oben auf einer der Tribünen. Selbst da klangen Stolen aus China enorm wuchtig und klar. Die Stimme des Sängers war nicht mein Ding, es passte aber inklusive der Hintergrundvideos sehr gut zu New Order. Licht und Sound versprachen Großes für New Order.

Das Licht blieb gut, der Klang furchtbar. Wir standen mittlerweile unten, sahen uns die Visuals von Turmspringern an, sehr ästhetisch aber auch sehr riefenstahling, zunächst schwarz-weiß, dann plötzlich farbig, was ich als Warnung empfand, daß Nazi-Symbolik nicht mit dem Ende der Schwarz-Weiß-Zeit verschwunden ist. Ich hätte da gerne (zu Wagner) weiter drüber nachgedacht, wurde aber mit dem Beginn von Age of consent in die Konzertwirklichkeit zurückgeholt. Es war leise, es war dumpf, es klang nach billigsten Ohrstöpseln, tief in den Ohren. "Das gibt sich nach ein, zwei Liedern!" Haha, Konzertexperte! Nichts gab sich. Irgendwann lange in der zweiten Stunde hatte der Mischer plötzlich immerhin den Lautstärke-Regler in der Bedienungsanleitung gefunden. Da hatte ich schon lange abgeschaltet und über so Dinge wie die ersten Termine des nächsten Arbeitstags nachgedacht. Das Konzert war mir schon egal. Oder wie Jette Joop es ausdrückte, es touchierte mich nicht.

Dabei war die Setlist nicht unspannend. Ich hatte mich bewußt nicht vorbereitet aber gehofft, endlich einmal Shellshock zu hören und bin jetzt heilfroh, daß es nicht im Programm war.


Die Güte eines Konzerts hängt ja immer von so vielen Faktoren ab. Von der Form der Band, der eigenen Form und Einstellung, vom Saal, von der Unangenehmheit der Konzertnachbarn oder eben von Sicht und Klang. Daß es heute nicht der Saal war, hatten wir bei der Vorgruppe erlebt. Es war die schlechte Tagesform des Soundmanns, vielleicht auch ein ausgefallener Soundcheck, anders kann ich mir das eigentlich nicht erklären. Die Güte von Konzertberichten hängt dagegen vor allem von der Lust ab, sie zu schreiben.

Setlist New Order, Forest National, Brüssel:

01: Age of consent
02: Regret
03: She's lost control (Joy Division)
04: Disorder (Joy Division)
05: Academic
06: Your silent face
07: World
08: Tutti Frutti
09: Subculture
10: Bizarre love triangle
11: Superheated
12: Fine time
13: Plastic
14: True faith
15: Blue Monday
16: Temptation

17: Decades (Joy Division)
18: Love will tear us apart (Joy Division) 

Links: 

- aus unserem Archiv:
- New Order, Brüssel, 06.11.15
- New Order, Paris, 14.09.12
- New Order, London, 12.08.12
- New Order, Scheeßel, 24.06.12
- New Order, Berlin, 21.06.12
- New Order, Brüssel, 17.10.11





Mittwoch, 1. November 2017

Ride, Brüssel, 30.10.17

0 Kommentare

Konzert: Ride
Ort: Boatnique, Brüssel (Orangerie)
Datum: 30.10.2017
Dauer: Ride ca. 110 min, Dead Horse One 25 min
Zuschauer: ausverkauft



Englische Shoegaze-Helden in der Orangerie des Botanique in Brüssel, klingt vertraut. Erst vor drei Wochen spielten Slowdive in der belgischen Hauptstadt, jetzt Ride. Beide Bands verbindet auch daneben vieles. Die erste Karriere lief ähnlich, das Ende wurde vom Druck eingeleitet, sich musikalisch dem Geschmack der Massen anzupassen. Beide Bands verschwanden Mitte der 90er Jahre, als Britpop alles überrollte. Die zweite Karriere begann zwanzig Jahre später mit Festival-Auftritten (bei denen jeweils das Primavera eine wichtige Rolle spielte). Beide Bands nutzten die Gelegenheit (und natürlich auch die Gagen), um neue Musik zu machen, in diesem Jahr erschienen neue Alben.

Ride waren bei allem Reunion-Kram etwas später dran als Slowdive. Also war es konsequent, daß auch das Brüssel-Konzert drei Wochen später stattfand.


Im Gegensatz zu Slowdive hatten Ride eine sehr gute und passende Vorgruppe mitgebracht: Dead Horse One aus Valence in Frankreich. Dead Horse One sind eine Shoegaze-Band, die sehr viel Spaß machte. Dead Horse One spielten mit zwei Gitarristen, Bassist, Schlagzeuger und Keyboarder. Der Bassist und der wie Claude-Oliver Rudolph aussehende Gitarrist, sangen abwechselnd. Ich kannte keines der Lieder, war aber sofort angefixt, die Musik der Franzosen war hervorragend und extrem kurzweilig. Dummerweise war der Auftritt aber auch kurz, nach 25 Minuten war das Set vorbei.

Mir gefiel vor allem Hopper vom Debütalbum Without love we perish (2016), das Mark Gardener produziert hat. Vielleicht blieb mir das Lied aber auch wegen dieser Serie neulich besonders im Kopf, gut waren alle sechs Songs, die Dead Horse One spielten.

Wenn man sehr weit für ein Konzert fährt, sind Vorgruppen fast immer extrem lästig, die Franzosen waren das Gegenteil.

Setlist Dead Horse One, Botanique, Brüssel:

01: He goes down
02: Hopper
03: I love my man
04: Mesmerize me
05: Season of mist
06: By my side



Um kurz nach neun kam das erste Ride-Lied zunächst vom Band, Integration tape vom neuen Album Weather diaries. Im Gegensatz zu Slowdives Slowdive habe ich Rides Platte bisher kaum gehört. Das ist der Fluch des übermächtigen Albums der Kollegen aus Reading. Ich kann eben immer nur eine Platte gleichzeitig hören, und das war nun mal meist Slowdive.

Das Konzert (mein erstes von Ride in einem Club) begann mit dem Album-Opener Lannoy Point, einem sehr tollen Stück, das sich dramatisch steigert. Wie auf Platte ging es mit Charm assault weiter. Wir standen (einem Profitipp folgend) rechts von Mark Gardener und hatten damit freien Blick auf ihn, den mit Abstand energischsten Teil der Band. Der Co-Sänger trug diesmal keinen Hut (Männer und Haare...). Neben Marks Tanz-Moves gab es aber eine Menge mehr zu sehen. Vermutlich könnten Musikwissenschaftler Dissertationen über die Effektgeräte vor dem Frontmann schreiben. Die meisten Musikgeschäfte haben wohl weniger Geräte im Programm. 


Rechts neben Mark Gardener (vom Saal aus) stand Steve Queralt, der vermutlich der coolste Bassist ist, den ich seit Jahren erlebt habe. Steve hat für einen Bassisten ähnlich eindrucksvoll viele Knöpfe und Pedale vor sich stehen, er steht aber während der Lieder hinten vor den Verstärkern und spielt Bass. Ohne dabei zu tanzen. Nur Bass. So wie C.J. (glaube ich) bei meinem einen Ramones-Konzert. Etwa so wie der Kehrwert des Bassisten von Minor Victories, der bei Konzerten mehr Kilometer als Fußballer zurücklegt.


Bevor das Konzert begonnen hatte, klebten bei Steve und Mark unterschiedliche Setlisten. Im Botanique gibt es keinen Fotograben, man steht direkt an der Bühne. Wir hatten einen guten Blick darauf, was das ausgelegt wurde und bekamen einen großen Schrecken, als aus der 20-Lied-Liste eine mit 16 wurde. Wir wussten, daß Ride aktuell immer mehr neue Stücke spielen, aus sehr gut unterrichteten Kreisen hatten wir erfahren, daß auch eine Premiere stattfinden würde. Wenn von 16 Liedern knapp die Hälfte neu sein würden, würden einige wichtige alte Lieblinge fehlen (Mathematik, kannste nichts machen).


Die neuen Lieder spielten Ride am Anfang und gegen Ende des Sets, dazwischen kam viel von EPs und den Platten vor Tarantula. An Dreams burn down, Taste oder Seagull kommen nicht alle von den neuen Stücken ran. Das ist auch der entscheidende Unterschied meiner Wahrnehmung von aktuellen Slowdive- und Ride-Konzerten. Bei Slowdive ist die aktuelle Platte - je nachdem, mit wem man spricht - die zweitbeste der Band. "Je nachdem, mit wem man spricht" deshalb, weil ich Leute kenne, die sie für die beste nach Souvlaki und Leute, die sie für die beste nach Pygmalion halten. Bei Slowdive gilt: je mehr neue Songs desto besser! Und wenn dann 40 days wegfällt? Egal! Meine Begeisterung für Weather diaries ist verglichen mit dem Frühwerk bei Ride kleiner. Vielleicht kommt das noch, der Wurf war aber eine Spur kleiner als der von Slowdive.

Neben dem fantastischen Lannoy Point und Lateral Alice ist bei mir von den neuen Liedern besonders Cali hängengeblieben, ein großer Hit! Etwas später kam die Premiere von Impermanence, für das Mark Gardener noch Text-Hilfe brauchte. Irgendwie hatte man zwischen all seinen Effekten noch Platz für einen Notenständer und eine Leselampe gefunden. 

Nach dem Dreierblock Impermanence (bis dahin schwächstes der neuen Lieder), Lateral Alice und All I want (mit diesem komischen Anfang) folgten drei Knüller: OX4, Vapour trail und Drive blind mit dem tollen Krach-Teil in der Mitte. 

Wir waren wegen dieser Setlisten-Tausch-Sache noch unsicher, ob es das gewesen sein sollte. Nach Drive blind kamen die vier Musiker aber zurück. Die erste Zugabe war White sands vom neuen Album - das achte Lied von Weather diaries. Und das, das ich am späten Abend am wenigsten gebraucht hätte. Die 20, 25 Minuten danach allerdings schon! Like a daydream, Leave them all behind und Chelsea girl beendeten den Abend.

Fast zwei Stunden lang spielten Ride. Auch die Band aus Oxford ist keine Nostalgie-Gruppe, sie ist aktuell und frisch. Und trotz der vielen älteren Männer im Publikum waren auch wieder einige überraschend junge da. Neben uns stand ein kleiner Junge, der seine Fäuste im Takt auf die Bühne schlug oder nach den Songs in die Höhe riss. Lohn für seine Begeisterung: Andy Bell ging quer über die Bühne, um ihm die Hand zu geben!

Weniger Glück hatte ein Mann neben uns, der sich nach dem regulären Set eine der Setlisten griff. Der Techniker der Band deutete ihm, sie zurückzulegen, was er machte. Sein anderer Nachbar nutzte die Gunst der Stunde und schnappte sie sich - ein wenig sehr arschig.


Setlist Ride, Botanique, Brüssel:

01: Lannoy Point
02: Charm assault
03: Seagull
04: Weather diaries
05: Taste
06: Unfamiliar
07: From time to time
08: Dreams burn down
09: Cali
10: Twisterella
11: Impermanence
12: Lateral Alice
13: All I want
14: OX4
15: Vapour trail
16: Drive blind

17: White sands (Z)
18: Like a daydream (Z)
19: Leave them all behind (Z)
20: Chelsea girl (Z)

Links:


- aus unserem Archiv:
- Ride, Barcelona, 29.05.15



Sonntag, 8. Oktober 2017

Slowdive, Brüssel, 07.10.17

0 Kommentare

Konzert: Slowdive
Ort: Botanique, Brüssel (Orangerie)
Datum: 07.10.2017
Dauer: Slowdive gut 95 min, Blanck Mass gut 40 min
Zuschauer: 700 (ausverkauft)




Das Konzertjahr 2017 ist vorbei. Naja, nicht im wörtlichen Sinne, es kommen noch irre viele Shows, auf die ich mich sehr freue. Allerdings - um Julia Engelmann zu zitieren: "besser wird's nicht!" Das ist keine gewagte Prognose, 2017 gehört Slowdive, auf Platte wie auf Bühnen.

Das Konzert in Brüssel war das letzte auf dem europäischen Festland, die Band tourt jetzt durch Großbritannien, reist dann in die USA, nach Japan und nach Australien. Danach plant Slowdive neue Musik, sofern die Band die Lust nicht verlässt. 

Auf das Brüssel-Konzert habe ich mich besonders gefreut. Lieblingsband im Lieblingsclub! Daß musikalisch nichts schief gehen würde, wusste ich. Dafür habe ich die Shoegazer jetzt oft genug gesehen. Wenn man Slowdive nachmittags um zwei auf einen Rasthof stellen würde, würden sie da ein perfektes Konzert spielen.


Wir waren früh da, das Konzert war ausverkauft, da ist früh nicht dumm. Früh im Saal bedeutete aber auch, den Support Blanck Mass noch einmal zu sehen. Blanck Mass ist die eine Hälfte von Fuck Buttons und live sehr sehr langweilig. Jedenfalls war der Support für etwas gut: ich habe entdeckt, daß Zeit nicht linear verläuft. Je länger es dauerte, desto mehr dehnte sich die Zeit, ich guckte immer häufiger auf die Uhr. Irgendwas mit Gravitation, glaube ich. Daher kommt wohl auch der Bandname.


Bei Slowdive-Konzerten gucke ich nie auf die Uhr. Es gibt ja ab und zu diese Kunstprojekte, 24 Stunden irgendetwas ununterbrochen aufzuführen. Wenn die Lannister-Stiftung irgendwann mal den Instrumental-Part von Golden Hair 24 Stunden lang spielen lässt, bin ich dabei!


Im Vergleich zu Hamburg gab es keine Überraschungen. Die Setlist war die gleiche, meine leise Hoffnung, daß Falling ashes schon Teil des Live-Sets sein würde, erfüllte sich nicht. Aber es war ja auch so schon perfekt. Die neuen Lieder sind in jeder Hinsicht auf Augenhöhe mit den alten Lieblingen. Wenn man Slowdive heute für sich entdeckt, wird man wohl nicht sagen können, welche Songs nach einer jahrzehntelangen Pause und welche in der ersten Hochphase der Band entstanden sind. Da in Brüssel wieder viele jüngere Zuschauer waren (auch wieder mehr Frauen übrigens), waren darunter sicher viele neue Fans. Aber auch die alten werden nicht sagen können, daß Sugar for the pill oder No longer making time schlechtere Songs als Crazy for you oder 40 days sind. Es ist also vollkommen egal, was Slowdive spielen, die Band kann nichts falsch machen.



Einen kleinen Unterschied gab es schon zu Hamburg: das jüngste Lied im Liveprogramm, Don't know why, das im Uebel & Gefährlich noch etwas stolperig klang, funktionierte deutlich besser. Es ist neben Souvlaki Space Station aber trotzdem das Lied im Set, das mich am wenigsten berührt.


Ab When the sun hits (das gelbe Licht am Ende!) waren Hamburg und Brüssel gleichermaßen atemberaubend. 
 
When the sun hits. Alison. Sugar for the pill. Golden hair. No longer making time. Dagger. 40 days. Da ist keine Luft nach oben. Wenn nächste Woche die Smiths ein Überraschungskonzert in Köln spielen (Vorgruppe Lush), werde ich dreimal überlegen müssen, ob das besser sein kann. 

Das zweitbeste Konzert des Jahres sehe ich übrigens auch in der Orangerie des Botanique: Wolf Parade in ein paar Wochen. Bis dahin habe ich vermutlich noch Dagger im Ohr, das wunderschöne Lied über die gescheiterte Liebe zwischen Neil und Rachel, das sie erst 2014 zum ersten Mal live gespielt haben. "The world is full of noise yeah, I hear it all the time!"

Setlist Slowdive, Botanique, Brüssel:

01: Slomo
02: Catch the breeze
03: Crazy for you
04: Star roving
05: Slowdive
06: Souvlaki Space Station
07: Avalyn
08: Don't know why
09: Blue skied an' clear 
10: When the sun hits
11: Alison
12: Sugar for the pill
13: Golden hair (Syd Barrett Cover)

14: No longer making time (Z)
15: Dagger (Z)
16: 40 days (Z)

Links:

- aus unserem Slowdive-Archiv:
- Slowdive, Hamburg, 04.10.17
- Slowdive, Dortmund, 29.09.17
- Slowdive, Mannheim, 18.06.17
- Slowdive, Den Haag, 31.03.17
- Slowdive, London, 20.12.14 
- Slowdive, London, 19.12.14
- Slowdive, Genf, 09.09.14
- Slowdive, Saint-Malo, 15.08.14
- Slowdive, Hilvarenbeek, 21.06.14
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14



Mittwoch, 10. Februar 2016

Suede, Brüssel, 06.02.16

0 Kommentare

Konzert: Suede
Ort: Ancienne Belgique, Brüssel
Datum: 06.02.2016
Dauer: 48 min & knapp 55 min
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft



Mein letztes Konzert im AB in Brüssel fand am 06.11.15 statt, New Order spielten vor ausverkauftem Haus - sieben Tage vor den Anschlägen von Paris. Einige der Täter hatten in unmittelbarer Nähe der Anspachlaan, in der das AB und viele Restaurants und Bars liegen, gelebt und geplant. In den Wochen nach dem Pariser Terror herrschte in Brüssel Ausnahmezustand, auch alle Veranstaltungen im Ancienne Belgique wurden gestrichen. Ganz ausblenden konnte ich die Gedanken an den vergangenen November nicht, als wir ins AB kamen, man guckt jetzt zum Beispiel eher nach den Notausgängen.

Mein persönlicher Schluß nach Paris ist, noch eine Spur bewußter zu leben. Und lieber mal ein Konzert mehr zu gucken. Bei Suede allerdings war das nicht nötig, zu dem Konzert wäre ich so oder so gefahren. 


Ende Januar veröffentlichte die britische Band ihr neues Album Night thoughts, dem zweiten nach der langen Pause von elf Jahren. Zur Platte erschien ein Film des Regisseurs Roger Sargent. Auf der aktuellen Tour spielen Suede die komplette neue Platte "mit Film" und danach ein normales Set, so weit war ich vorbereitet. Details, wie das aussehen würde, kannte ich nicht. Wobei das ja auch nicht schrecklich schwer vorzustellen ist. Da spielt eine Band und im Hintergrund läuft ein Film. Gab's schon mal.

Bei Night thoughts läuft das anders. Die Leinwand hing vorne an der Bühne und die Band begann um kurz nach halb neun hinter ihr. Auch das ist nicht neu, Sigur Rós haben bei ihrer letzten Tour auch so begonnen. Da fiel die Leinwand aber nach ein paar Minuten, bei Suede blieb er. Also sahen wir den Film und durchschimmernd die Band dahinter. In manchen Liedern wurden einzelne Musiker durch Spots hervorgehoben, manchmal sah man wegen der Farben der Bilder des Films mehr oder weniger von Suede.


Das war schon einmal grundsätzlich eine wunderbare Art eines Konzerts. Die Bilder, die der Film zeigt, abgestimmt auf die Songs, machte es aber erst zu einem einzigartigen Erlebnis. In Episoden zu den Liedern zeigt Night thoughts am Anfang einen Mann der durch ein Kornfeld an den Strand läuft, um dann ins Wasser zu gehen. Im Verlauf des Konzerts sieht man (und er) sein Leben auseinanderdriften. Dies ist zum Teil grandios dargestellt. In einer Szene (zu I don't know how to reach you) zwingt der Protagonist seine Ex-Freundin mit vorgehaltener Waffe ins Auto. Die Bilder wechseln mit Szenen aus der glücklichen Zeit der beiden, der Weg vom Haus zum Auto, das Einsteigen, die Fahrt. Suede spielen die Stücke zum Film ohne Pausen durch. Ein wenig hatte die Band die Funktion dieser Kino-Pianisten oder -orchester von früher.

Als Musikfilm wird sich Night thoughts sicher auch auf DVD lohnen, an die Brillanz der Aufführung mit Band hinterm Bildschirm wird das aber nicht ansatzweise herankommen.

Und musikalisch? Ich kannte die Platte vorher nicht und ich mag es, neue Musik live kennenzulernen. Natürlich passierte hier eine ganze Menge gleichzeitig, Band, neue Lieder, rempelnde Leute, Film. Einen richtigen Eindruck unter diesen Umständen zu bekommen, ist schwierig. Aufs erste Hören gefiel mir Night thoughts sehr gut. Irgendwo las ich, es sei das beste Suede Album seit Dog man star, das ist vermutlich arg verwegen. Aber es ist gut und hörenswert.

Knapp 50 min dauerte dieser erste Teil. Dann wurde die Leinwand entfernt, um nach einer knappen halben Stunde ein normales Konzert drauf zu packen. Naja, was bei Suede so normal ist...


Brett Anderson schwitzte sein Hemd bereits in den ersten Minuten durch. Hinter der Leinwand war sein Bewegungsspielraum arg eingeschränkt, als der Vorhang fiel, fielen auch die Hemmungen. Irgendwann war der Sänger öfter vor als auf der Bühne und rampensaute sich durch die knappe Stunde Best-of, die im Prinzip ein erster Zugaben-Block war, der nur aus Hits bestand. Einmal mittendrin wurde es leiser, als die Band The sound of the streets anstimmte. Brett Anderson gab zwischendrin seinem Gitarristen ein Zeichen, leiser zu spielen, was der erst übersah. Als das Winken heftiger wurde, folgte er. In Brüssel sind grundsätzlich viele Briten bei Konzerten. Daß das auch hier so war, zeigte die große Textsicherheit.


Die eigentlichen Zugaben begannen mit Everything will flow. "It's from a disliked album but it's a good song!" kündigte Brett an. Mit laut mitgegröhltem New generation endete das Doppelkonzert. Die erste Hälfte war wegen ihres Gesamteindrucks brillant, die zweite wegen all der Hits. Das war ein ganz und gar nicht verschenkter Abend!

Setlist Suede, Ancienne Belgique, Brüssel:

01: When you are young

02: Outsiders play
03: Tomorrow
04: Pale snow
05: I don't know how to reach you
06: What I'm trying to tell you
07: Tightrope
08: Learning to be
09: Like kids
10: I can't give her what she wants
11: When you were young
12: The fur and the feathers

13: Moving
14: Killing of a flashboy
15: Trash play
16: Animal nitrate
17: It starts and ends with you
18: Sometimes I feel I'll float away
19: The sound of the streets
20: So young
21: Metal Mickey
22: Beautiful ones

23: Everything will flow (Z)
24: New generation (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Suede, London, 30.03.14
- Suede, Köln, 21.11.13
- Suede, London, 30.03.13



Sonntag, 8. November 2015

New Order, Brüssel, 06.11.15

0 Kommentare

Konzert: New Order
Ort: Ancienne Belgique, Brüssel
Datum: 06.11.2015
Dauer: New Order gut 120 min, Hot Vestry knapp 30 min
Zuschauer: 2.000 (ausverkauft)



"Only God knows what this song is about. I have no bloody clue", erklärte Bernard Sumner nach Tutti frutti. "Generation's lost in space, trying to find the human race. We're living in a state of grace, where every scholar means a dollar." Geht mir auch so.

New Order stehen in meiner Musikwelt über jeder Kritik. Daß das neue Album Music complete nur arg durchwachsene Kritiken bekommen hat... egal. Der aus meiner Sicht kleinlich gestaltete Streit zwischen den Egos von Peter Hook und dem Rest ums künstlerische Erbe der frühen Jahre (und von Joy Division)... auch egal. Wenn New Order erreichbar spielen, möchte ich sie auch sehen. Da die Engländer seit Jahren nur noch in Berlin auftreten, war auch diesmal wieder nur Brüssel erreichbar. Allerdings sind die wundervollen Clubs der belgischen Hauptstadt perfekt für Bands wie New Order. Brüssel lockt immer viele Briten und die sorgen für gute Stimmung. Dazu ist das AB ein herrlich angenehmer 2.000er Laden. 

Wie in Benelux-Clubs üblich, war der Zeitplan vorher bereits bekannt. Nach einem DJ, der viel Kraftwerk spielte, begann das Liveprogramm um halb acht mit Hot Vestry, einer vierköpfigen Band (Sänger, Bassist, Keyboarderin und Schlagzeuger), die einheitliche Jacken oder Parkas (der Bassist) mit einem Wappen auf dem Ärmel und Bezeichnungen "Bleich 1" bis "Bleich 4" auf dem Rücken. Der Sänger zeigte darauf und nuschelte etwas davon, daß sie aus... habe ich leider nicht verstanden... stammten. Einmal Googlen später sah ich, daß Hot Vestry aus Macclesfield kommen. Ein Instragram Foto später der Hinweis, daß die Keyboarderin (Bleich 2) die Tochter von Gillian Gilbert und Stephen Morris ist. Mutter Gillian war nach dem Einstieg von Tochter Tilly bei Hot Vestry eine Weile Roadie der jungen Band.

Der kurze Auftritt von Hot Vestry war kurzweilig aber nicht lebensverändernd. Sänger Harry Ward (Bleich 1) sang anderthalb Lieder durch ein Megaphon, schwenkte zum Schluß eine belgische Fahne und war grundsympathisch. Der auffälligste Musiker war Schlagzeuger Joe Ward (Bleich 4), der verflucht tight war (wobei ich nicht genau weiß, was das bedeutet).

Um halb neun folgten dann Tillys Eltern - mit Onkel Barney, Phil Cunningham und Tom Chapman. Das Konzert begann mit einem der neuen Stücke. Singularity war ein okayer Start, es war vor allem ordentlich laut! Zu Singularity liefen B-Movie Filmausschnitte. Daß das Stück nur ok ist, wurde leider im direkten Vergleich zu den vier nachfolgenden Liedern deutlich. Ceremony, Crystal, Age of consent und 5 8 6 haben alle eine ganz andere Hutgröße. Ceremony, das Bindeglied zwischen Joy Division und New Order, das eines der größten Lieder überhaupt ist, Crystal, der vielleicht jüngste Riesenhit der Band und die beiden Knüller von der zweiten Platte Power, corruption & lies. Besonders beeindruckend war der Tempo- und Lautstärke-Wechsel am Ende von Age of consent, es war das beste Stück des Abends. Wundervoll bei Crystal war das Hintergrund-Video, in dem eine sehr junge Band (mit Sängerin - vielleicht die andere Tochter von Stephen und Gillian) das Lied spielte. Auf der Bassdrum stand der Name der Gruppe - Killers.

Das beste und am meisten hängenbleibende Lied der neuen Platte folgte nach diesen vier Schwergewichten. Restless ist wohl am ehesten das Lied von Music complete, das in ein paar Jahren noch Teil der Livesets sein wird. Aber spätestens bei Your silent face kurz später verblasste der Eindruck wieder. Die neuen NO-Lieder waren alle nicht wirklich verkehrt, im Vergleich zu den Vorgängern aber enorm zahn- und wirkungslos.

Mit Tutti frutti begann eine Phase, in der Bernard Sumner die Gitarre weglegte und tanzte. Gerade bei Tutti frutti, das mich an ABC erinnert (The night they murdered love), wäre da weniger mehr gewesen. Das und das folgende People on the high line waren die schwächste Phase im Konzert. 


Auch bei Bizarre live triangle hatte die Gitarre Pause. Dummerweise klappte das Funkmikro nicht zuverlässig, Barneys Gesang klang dadurch manchmal flach und schwankend. Das lag aber offensichtlich an der Technik. Bei Plastic fiel der Gesang anfangs nämlich komplett aus. 


Der Rest klingt auf dem Papier* brillant. Blue monday, The perfect kiss, True faith und Temptation. Eigentlich war er es auch. Allerdings war ausgerechnet bei Blue monday die Stimmung merkwürdig mies. Es gab das, was in Bundestags-Protokollen "höflicher Beifall" heißt. Und das bei einem der riesigen Hits. Merkwürdig. Vielleicht waren zu wenige Briten im Publikum. Unsere Nachbarn waren vor allem Belgier und Deutsche. Die Stimmung der Band war sehr viel besser. Barney griff Gitarrist Phil bei The perfect kiss beherzt in den Po und hatte dabei großen Spaß. Bei Blue monday saß er am Ende neben Gillian und spielte Keyboard.


Die Maxi-Version von True faith und das grandiose Temptation beendeten den New Order Part nach fast zwei Stunden. Die Zugaben gehörten Stephens und Bernards früherer Band. Es begann mit Atmosphere (mit dem alten Video dazu auf der Leinwand), das mir zu sehr nach New Order klang. Die aktuelle Love will tear us apart Version dagegen mag ich sehr. Das Laufband "Joy Division forever" war auch diesmal wieder sehr bewegend. New Order gehen mit dem Andenken an Ian Curtis, der ja auf tragische Weise New Order Gründer ist, sehr stilvoll um.**

Natürlich hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die Band ein neues Album mitgebracht hätte, das ein kommende Klassiker wäre. Aber auch so hat sich der Konzertbesuch wirklich sehr gelohnt.

Setlist New Order, Ancienne Belgique, Brüssel:

01: Singularity
02: Ceremony
03: Crystal
04: Age of consent
05: 5 8 6
06: Restless
07: Lonesome tonight
08: Your silent face
09: Tutti frutti
10: People on the high line
11: Bizarre love triangle
12: Waiting for the siren's call
13: Plastic
14: Blue monday
15: The perfect kiss
16: True faith
17: Temptation

18: Atmosphere (Joy Division) (Z)
19: Love will tear us apart (Joy Division) (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- New Order, Paris, 14.09.12
- New Order, London, 12.08.12
- New Order, Scheeßel, 24.06.12
- New Order, Berlin, 21.06.12
- New Order, Brüssel, 17.10.11

* bitte nicht ausdrucken
** ohne Peter Hook Wertung




Dienstag, 24. März 2015

Noel Gallagher, Brüssel, 22.03.15

0 Kommentare

Konzert: Noel Gallagher's High Flying Birds
Ort: Ancienne Belgique, Brüssel
Datum: 22.03.2015
Dauer:Noel Gallagher knapp 95 min, Paul Newsome knapp 30 min
Zuschauer: 2.000 (wohl ausverkauft)



Meinen Konzertbericht vom anderen Belgien-Konzert am Wochenende habe ich mit der Frage nach der Relevanz der aufgetretenen Band begonnen. Was einmal klappt, klappt auch ein zweites Mal. 

Vor einigen Tagen machte ein Foto von Liam Gallagher die Runde, auf dem der Ex-Oasis und Ex-Beady Eye Sänger mit einem Backstage Pass einer Show seines Bruders zu sehen war. Wäre ich Liam Gallagher, hätte ich mir bei dieser Gelegenheit die Frage nach meiner eigenen Relevanz gestellt. Da war ich der Sänger der "größten Band der Welt", die sich dann, nach einem Gitarrenmißgeschick bei Rock En Seine in Paris auflösen musste und ein paar Jahre später ist mein Bruder der große Star, der kontinuierlich Hits schreibt und keinen Sänger mehr neben sich braucht. Selbstzweifel kommen in einem Gallagherischen Weltbild vermutlich nicht vor, Backstage bei Noel wäre aber vielleicht eine schöne Gelegenheit dafür gewesen.

Das Umfeld des Konzerts war wie für Noel gemacht. Als wir nachmittags in Brüssel ankamen und das Auto in der Nähe des AB abstellen wollten, war der Boulevard kurz vor dem Club von querstehenden Polizeibussen gesperrt. Wegen der nahen Börse vermuteten wir Kapitalismus-Gegner, wie sich aber schnell rausstellte, waren es Anderlecht-Gegner. Der Hauptstadt-Club spielte am Sonntag im belgischen Pokal gegen Brügge (1:2). Zur Vorbereitung standen die Brügge-Boyz mit ihren Kurz- bis Nullhaar-Frisuren trinkend in den beiden irischen Kneipen gegenüber vom AB, wurden von hundert Polizisten bewacht und betrieben Hooligan-Folklore und schmissen Böller in U-Bahn-Stationen. Noel Gallagher, der den falschen der beiden Clubs aus Manchester mag, gefiel das sicher. Er fragte später, wie das große Spiel ausgegangen sei.


Noel Gallagher hatte schon in Düsseldorf einen Kumpel als Support dabei, den in den USA lebenden Paul Newsome. Paul trug Mütze, wurde von zwei Kollegen begleitet und spielte nette und harmlose Folkstücke, die sich sicher auch gut an einem Lagerfeuer machen. Ein Stück (She's the one) war sehr gut, der Rest tat nicht weiter weh (Setlist folgt). 
 

Als die Bühne für Noel Gallagher und seine High Flying Birds gerichtet war und alle Betrunkenen langsam wieder in den Saal gekommen waren, setzte ein fünfminütiges Gehupe ein. Vom Band lief statt einer Einlaufmusik der Mitschnitt des Autocorsos der City-Meisterfeier! 


Noel Gallagher variiert seine Konzerte kaum. Die Setlist ist vorher bekannt, es gibt keinerlei inhaltliche Überraschungen, wenn man vorher schon einen der anderen Auftritte gesehen oder davon gelesen hat. Da ich aber wie immer schlecht vorbereitet war und die neue Platte nur in kleinen Teilen kannte, war doch vieles für mich neu. 


Daß Noel drei Bläser auf seiner Tour mitnimmt, hatte ich gelesen. Sie kamen zu erstaunlich vielen Einsätzen und gaben den Liedern einen zusätzlichen Pfiff. 


Der Noel-Teil des Sets bestand zu etwa gleichen Teilen aus Liedern beider Platten. Eingestreut kamen die fünf Oasis Songs der aktuellen Tour: Champagne supernova, Fade away, Digsy's dinner und als Zugaben Don't look back in anger und The masterplan. Obwohl unter seinen Post-Oasis-Stücken einige bei sind, die sich nicht hinter den Vorgängern verstecken müssen, kamen die fünf Songs mit Abstand am besten an. Der Fluch der Weltkarriere.


Der Preis dafür, bei einem Britpop-Konzert halbwegs vorne zu stehen, sind Bierduschen, Tritte und in den Rücken springende Noel-Fan(innen). Das und stiernackige Tarnjacken-Träger gab es in unsere Umgebung reichlich. Bei Digsy's dinner kam es zu einem kleinen lokalen Pogoausbruch, vor dem ich von meinem Nachbarn mit zwei Konzerten Vorsprung schon gewarnt worden war.


Das Konzert war durchgängig kurzweilig. Ich hatte von einer langweiligen Phase in der zweiten Hälfte gelesen, empfand das aber nicht so. Natürlich sind nicht alle Stücke solche großen Hits wie die Ballad of the mighty I (zu dem meine Nachbarn einen "Johnny fucking Marr"-Sprechchor skandierten - der Smiths-Mann kam aber trotzdem nicht und ließ seine Gitarrenparts, die er auf Platte beisteuert, von Noel Gallagher spielen), aber Langweiler habe ich auch nicht ausgemacht. Neben der Ballad... und den Oasis-Stücken waren (Stranded on) The wrong beach und Lock all the doors die besten Lieder.

Am Nachmittag in Brüssel taten wir das, was drei Musik-Typen machen, wenn sie sich treffen: wir sprachen über Musik. Dabei kam die Frage auf, welche große Reunion wohl 2016 ansteht. Mein Tipp war Oasis. Nach dem Konzert glaube ich das nicht mehr. Dafür gibt es doch gar keinen Grund.*

Setlist Noel Gallagher's High Flying Birds, Ancienne Belgique, Brüssel:

01: Do the damage 
02: (Stranded on) The wrong beach 
03: Everybody's on the run 
04: Fade away (Oasis) 
05: In the heat of the moment 
06: Lock all the doors 
07: Riverman 
08: The death of you and me 
09: You know we can't go back 
10: Champagne supernova (Oasis) 
11: Ballad of the mighty I 
12: Dream on 
13: The dying of the light 
14: The mexican 
15: AKA... Broken arrow 
16: Digsy's dinner (Oasis) 
17: If I had a gun... 

18: Don't look back in anger (Oasis) (Z)
19: AKA... What a life! (Z)
20: The masterplan (Oasis) (Z)

Links: 

- aus unserem Archiv:
- Noel Gallagher, Düsseldorf, 19.03.15
- Noel Gallagher, London, 23.03.13
- Noel Gallagher, Paris, 25.08.12
- Noel Gallagher, Scheeßel, 23.06.12
- Noel Gallagher, Köln, 04.12.11
- Noel Gallagher, Köln, 04.12.11 (Soundcheck)
- Oasis, Düsseldorf, 04.02.09
- Oasis, Paris, 10.11.08


* also Elastica.



Montag, 16. März 2015

Warpaint, Brüssel, 15.03.15

0 Kommentare

Konzert: Warpaint
Ort: Cirque Royal, Brüssel
Datum: 15.03.2015
Dauer: Warpaint 73 min, The Garden 25 min
Zuschauer. vielleicht 1.500 



Nach dem tollen Auftritt von Warpaint im Sommer im WDR Sendesaal bei der c/o pop hatte ich beschlossen, sie auch im November noch einmal in Brüssel zu sehen. Der dortige Saal, der Cirque Royal, ist einer der schönsten Konzertsäle, die ich kenne. Der königliche Zirkus ist kreisrund und wirkt wie die kleine, von jedem Prunk befreite Schwester der Royal Albert Hall. Im Herbst kam mir meine Idee dann plötzlich weniger gut vor. Ich hatte die Amerikanerinnen in der Zwischenzeit noch zweimal gesehen - beide Konzerte waren sehr gut - wollte es aber nicht übertreiben. Sie vermutlich auch nicht, denn das Konzert wurde kurz vorher abgesagt, ein neuer Termin für das Frühjahr angekündigt. Da hatte ich wieder Lust.


Das Konzert am Sonntagabend in Brüssel ist Teil einer weiteren (kleinen) Europatour. Aus ihrer kalifornischen Heimat hatten Warpaint auch einen Support mitgebracht, The Garden, Zwillingsbrüder aus dem Orange County, die "conceptual punk" spielten, so ihre Selbstbeschreibung.  Fletcher & Wyatt Shears begannen mit einigem conceptual Gepose und spielten in den ersten knapp acht Minuten fünf Lieder. Manche der Stücke waren durchaus gut, sie hörten aber in der Regel nach spätestens zwei Minuten auf. Nichts gegen kurze Punkstücke (eines der besten Lieder der Menschheitsgeschichte ist auch nur 2:02 lang - allerdings kein Punk), die The Garden Lieder waren aber unfertige Fragmente (oder ich habe das Konzept nicht verstanden). 


Zu Lied sechs schaltete der dunkelhaarige Zwilling Musik vom Band an, sein blonder Drummerbruder Fletcher stand auf, machte eine Rolle vorwärts über die Bühne und begann mit dem Bruder schönste Ausdruckstänze. Ich bin Siegfried und ich bin Roy. Es war grotesk! Ihr Waldorfschulen-Tanz dauerte einige Lieder lang. Manchmal sang der Bassistenbruder ein paar Worte, mal setzte er sich ans Schlagzeug und spielte ein übertriebenes Playback. Ich vermute, die beiden hatten früher Ferienjobs in einer Piratenshow im heimatlichen Disneyland. Für den Cirque Royal reichte das nicht.


Nach "conceptual" kam gegen Ende wieder etwas "punk". Die letzten wirklich live vorgetragenen Liedchen waren dann auch wieder deutlich besser. Die Kombination aus Bass und Schlagzeug gefiel mir. Aber auch bei den letzten Stücken hatte ich oft das Gefühl, daß ein paar gute Ideen leider nicht weiter ausgearbeitet worden sind.

Wahrscheinlich haben Warpaint sie mit auf die Tour genommen, weil Wyatt und Fletcher ein paar ausgezeichnete Kartentricks beherrschen und jonglierend durch brennende Reifen springen können. So ein Flug und innereuropäische Busfahrten sind lang.

Während The Garden hüpften und tanzten, war der Cirque Royal noch ziemlich leer. Bis neun waren der Innenraum und auch viele der Tribünen so voll, daß es nicht mehr peinlich wirkte. Bis auf einige Lücken auf den oberen, steilen Tribünen und am Rand war der Cirque Royal voll. Von 2.000 möglichen waren vermutlich gut 1.500 Zuschauer da.

Das Konzert begann mit ein paar Minuten Verspätung. Daß mir Warpaint-Auftritte noch nicht aus dem Hals raus hängen, hängt vor allem damit zusammen, daß kein Konzert so ist wie das andere. Die Band variiert nicht nur die Setlisten, auch die Art, wie sie die Lieder spielen, ist immer anders. Elephants, das sie immer im Programm haben, gibt es in zig Versionen. Die Lieder weichen nicht von einander ab, weil Warpaint keine gute Musikerinnen sind, die sie nicht live zweimal gleich spielen könnten. Sie weichen vielmehr ab, weil die vier Frauen so exzellent sind und es können.



Das Brüssel-Konzert begann mit Warpaint, auch in einer Version, die ich noch nicht kannte. Trotz der vermutlich erst kurz vorher erfolgten Anreise wirkte die Band frisch und wach. Nur Bassistin Jenny Lee Lindberg wirkte auf mich angeschlagen. Sie verbrachte den größten Teil des Konzerts unter eine Kapuze, die sie auch aufbehielt, als ihr das Kapuzenshirt selbst zu warm wurde. Im Gegensatz zur Bassistin waren die beiden singenden Gitarristinnen Theresa Wayman und Emily Kokal sehr aufgekratzt, tanzten auffallend viel über die Bühne und schienen großen Spaß zu haben. 


Die erste Konzerthälfte bestand aus einigen der üblichen Verdächtigen (Undertow, Composure, dem Überhit Love is to die), bevor das "neue" No way out, das die Band neulich so vorgestellt hatte, das sie aber auch seit anderthalb Jahren spielt. No way out war sehr gut und ewig lang. Es folgte Intro und damit wieder eine Spielerei. Das Eröffnungsstück der aktuellen Platte würde ich - wäre ich die Band - auf allen Touren zu dieser Platte auch als erstes Stück spielen. Gleich gefolgt von Keep it healthy, da die beiden zusammengehören und ein perfekter Einstieg sind. Das ist der Band offenbar zu langweilig. Im Sommer hatte ich schon bei einem Konzert erlebt, daß Intro mittendrin gespielt wurde, da allerdings von Love is to die gefolgt. Im Cirque Royal spielten Warpaint das Intro / Keep it healthy Doppel. Dann das Doppel-Lied Disco // very und dann - auch das war mir neu - die beiden letzten Stücke der Debüt-EP (Burgundy und Krimson) quasi als Medley nacheinander (aber als ein Lied). Das war spektakulär! Und es passte perfekt, nicht nur, weil die beiden Farben so gut harmonieren.


Theresa kündigte danach noch zwei letzte Lieder an, wurde von Emily aber korrigiert, die sich vorher mit Schlagzeugerin Stella und Jenny Lee besprochen hatte. Ich weiß nicht, ob da die Müdigkeit Streichungen nötig machte. Jedenfalls war auch das letzte Stück Elephants so kurz wie lange nicht mehr (gerade mal fünf Minuten - oft ist es mehr als doppelt so lang). 

Nach den beiden Zugaben Bees und Biggy war endgültig Schluß.

Ich hatte mir vorher (als Gegenmittel gegen meine vermutete Warpaint-Müdigkeit) eingeredet, daß der eigentliche Star des Abends ja der Saal sei und ich viel zu lange nicht mehr in dem Konzerte gesehen hatte. Das war aber Quatsch. Der Star sind die phänomenal guten Liveversionen der wundervollen Warpaint-Lieder. Immer wieder.

Setlist Warpaint, Cirque Royal, Brüssel:

01: Warpaint
02: Undertow
03: Love is to die
04: Composure
05: No way out
06: Intro
07: Keep it healthy
08: Disco // very
09: Burgundy / Krimson (Medley)
10: Elephants

11: Bees (Z)
12: Biggy (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Warpaint, Münster, 06.09.14
- Warpaint, Luxemburg, 25.08.14
- Warpaint, Paris, 24.08.14
- Warpaint, Köln, 20.08.14
- Warpaint, Ewijk, 29.06.14
- Warpaint, Mannheim, 31.05.14
- Warpaint, Barcelona, 29.05.14
- Warpaint, Köln, 23.02.14
- Warpaint, Den Haag, 16.11.13
- Warpaint, Larmer Tree Gardens, 31.08.13
- Warpaint, Rüsselheim, 20.07.12
- Warpaint, Rüsselsheim, 20.07.12
- Warpaint, Prag, 10.07.12
- Warpaint, Lüttich, 05.07.12
- Warpaint, Haldern, 13.08.11
- Warpaint, Köln, 28.06.11
- Warpaint, Amsterdam, 19.06.11
- Warpaint, Barcelona, 28.05.11
- Warpaint, Frankfurt, 11.11.10
- Warpaint, Paris, 06.11.10
- Warpaint, Brüssel, 16.05.10



Sonntag, 1. Februar 2015

Waxahatchee, Brüssel, 31.01.15

0 Kommentare

Konzert: Waxahatchee
Ort: Botanique, Brüssel (Witloof Bar)
Datum: 31.01.2015
Dauer: 46 min
Zuschauer: ca. 80*



Wenn man von Köln aus anderthalb Stunden nach Brüssel zu einem Konzert fährt, das um kurz vor neun bereits vorbei ist, man aber das Gefühl hat, alles richtig gemacht zu haben, war es wohl ein guter Auftritt. 

Ich hatte Waxahatchee, das Projekt der Amerikanerin Katie Crutchfield, noch nicht live gesehen, mein Wunsch, das zu ändern, war aber so groß, daß ich keine Sekunde nachdenken musste, als ich die Ansetzung im Botanique beim neujährlichen Konzertsuchen entdeckt hatte. 

Im Frühjahr erscheint das dritte Waxahatchee-Album. Die ersten beiden nach der (musikalischen) Trennung von Zwillingsschwester Allison, mit der sie als P.S. Eliot aktiv war, sind wundervoll. Wie das Konzert in Brüssel sein würde... ich hatte keine Ahnung! Daß Katie mit Band nach Europa kommen würde, dachte ich nicht, dafür wäre der Aufwand sicher zu groß. Als wir in die Witloof Bar im Keller des ehemaligen Königlichen Botanischen Gartens kamen, standen auf der Bühne zwei Mikros und ein Verstärker. 


Es war noch nicht einmal Viertel nach acht, als Katie Crutchfield alleine auf die Bühne kam. Sie begann mit drei Stücken von ihrem Debütalbum American Weekend. Anders als auf Platte fehlte der "im Schlafzimmer aufgenommen"-Charme, was mich überhaupt nicht störte. Katies Stimme ist viel zu schön, um sie zu verzerren und dämpfen! Es war von Beginn an wundervoll!

Danach kam ein Block mir unbekannter Stücke. Zunächst spielte Katie ein Lied ihrer Band Great Thunder (mit Keith Spencer), Chapel of pines. Danach rief sie ihre Schwester Allison auf die Bühne, um mit ihr "a couple of new songs" zu spielen. Allison stellte sich ans zweite Mikro und sang bei den beiden neuen Liedern Under a rock und Blue nur die Refrains mit. Beide Titel gefielen mir sehr. Blue pt. II (von der zweiten Platte, das damit also älter als Blue ist - ich liebe so etwas!) sangen beide Schwestern synchron. Bei einem der Refrains nach einer kleinen Pause schien es mir, als habe Allison den Text vergessen. Sie stieg erst nach einer Weile wieder ein. Katie hatte aber offenbar auch gepatzt. Nach dem Stück sagte sie, sie seien Zwillinge. "We fucked that song up at exactly the same time, it's magic!"

Sehr viel mehr Ansagen gab es von der Sängerin nicht. Ab und zu etwas wie "das ist neu" oder "jetzt kommen alte Lieder", mehr Kommunikation gab es leider nicht. Wenn ich etwas bemäkeln müsste (wegen der Glaubwürdigkeit bla bla), dann das. Aber wenn die Musik stimmt, ist es mir ganz ehrlich egal, ob vorne viel geredet wird - und die Musik stimmte!


Nach den drei gemeinsamen Stücken ging Allsion wieder weg. Den Rest des Konzerts bestritt Katie alleine. Bühnenshow-Fans kamen nicht auch in der zweiten Hälfte nicht auf ihre Kosten. Katie spielte ihre schlicht arrangierten Gitarrenmelodien und sang dazu mit geschlossenen Augen. Wenn sie nicht sang, ging sie einen Schritt nach hinten und senkte den Kopf auf die Gitarre - auf die eine Gitarre, die sie benutzte. Das klingt unspektakulär, diente aber vielleicht auch der Verdeutlichung der Schönheit der Stücke.

Im zweiten Teil des Konzerts spielte die Frau aus Alabama noch ein weiteres neues Lied (Half moon). Nach etwa vierzig Minuten beendete das wunderbare I think I love you ("and I think I love you but you'll never find out") das Konzert. Obwohl nicht allzu viele Zuschauer im Backstein-Gewölbe der Witloof Bar waren, waren die umso zufriedener, schien es. Katie kam zu einer Zugabe zurück und spielte ein weiteres Lied von ihrem Debüt, Noccalula, in dem auch die (für mich) spannende Frage beantwortet wird, wie der Fluß, nach dem die Band benannt ist denn ausgesprochen wird, der Waxahatchee Creek kommt darin nämlich vor. "x" oder "ch"? Bitte  auf American Weekend nachhören! Und die zweite gleich hinterher! Und dann bitte Karten für die Tour im Mai und Juni kaufen!

Drei Stunden Aufwand für 46 Minuten Konzert? In diesem Fall ein sehr guter Deal!

Setlist Waxahatchee, Botanique, Brüssel:


01: Michel
02: Catfish
03: Grass stain
04: Chapel of pines (Great Thunder)
05: Under a rock (neu)**
06: Blue (neu)**
07: Blue pt. II**
08: American weekend
09: Tangled envisioning
10: Bathtub
11: Half moon (neu)
12: Peace and quiet
13: I think I love you

14: Noccalula (Z)

* brauchte ich Hilfe für
** gemeinsam mit Allison Crutchfield



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates