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Mittwoch, 1. November 2017

Ride, Brüssel, 30.10.17

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Konzert: Ride
Ort: Boatnique, Brüssel (Orangerie)
Datum: 30.10.2017
Dauer: Ride ca. 110 min, Dead Horse One 25 min
Zuschauer: ausverkauft



Englische Shoegaze-Helden in der Orangerie des Botanique in Brüssel, klingt vertraut. Erst vor drei Wochen spielten Slowdive in der belgischen Hauptstadt, jetzt Ride. Beide Bands verbindet auch daneben vieles. Die erste Karriere lief ähnlich, das Ende wurde vom Druck eingeleitet, sich musikalisch dem Geschmack der Massen anzupassen. Beide Bands verschwanden Mitte der 90er Jahre, als Britpop alles überrollte. Die zweite Karriere begann zwanzig Jahre später mit Festival-Auftritten (bei denen jeweils das Primavera eine wichtige Rolle spielte). Beide Bands nutzten die Gelegenheit (und natürlich auch die Gagen), um neue Musik zu machen, in diesem Jahr erschienen neue Alben.

Ride waren bei allem Reunion-Kram etwas später dran als Slowdive. Also war es konsequent, daß auch das Brüssel-Konzert drei Wochen später stattfand.


Im Gegensatz zu Slowdive hatten Ride eine sehr gute und passende Vorgruppe mitgebracht: Dead Horse One aus Valence in Frankreich. Dead Horse One sind eine Shoegaze-Band, die sehr viel Spaß machte. Dead Horse One spielten mit zwei Gitarristen, Bassist, Schlagzeuger und Keyboarder. Der Bassist und der wie Claude-Oliver Rudolph aussehende Gitarrist, sangen abwechselnd. Ich kannte keines der Lieder, war aber sofort angefixt, die Musik der Franzosen war hervorragend und extrem kurzweilig. Dummerweise war der Auftritt aber auch kurz, nach 25 Minuten war das Set vorbei.

Mir gefiel vor allem Hopper vom Debütalbum Without love we perish (2016), das Mark Gardener produziert hat. Vielleicht blieb mir das Lied aber auch wegen dieser Serie neulich besonders im Kopf, gut waren alle sechs Songs, die Dead Horse One spielten.

Wenn man sehr weit für ein Konzert fährt, sind Vorgruppen fast immer extrem lästig, die Franzosen waren das Gegenteil.

Setlist Dead Horse One, Botanique, Brüssel:

01: He goes down
02: Hopper
03: I love my man
04: Mesmerize me
05: Season of mist
06: By my side



Um kurz nach neun kam das erste Ride-Lied zunächst vom Band, Integration tape vom neuen Album Weather diaries. Im Gegensatz zu Slowdives Slowdive habe ich Rides Platte bisher kaum gehört. Das ist der Fluch des übermächtigen Albums der Kollegen aus Reading. Ich kann eben immer nur eine Platte gleichzeitig hören, und das war nun mal meist Slowdive.

Das Konzert (mein erstes von Ride in einem Club) begann mit dem Album-Opener Lannoy Point, einem sehr tollen Stück, das sich dramatisch steigert. Wie auf Platte ging es mit Charm assault weiter. Wir standen (einem Profitipp folgend) rechts von Mark Gardener und hatten damit freien Blick auf ihn, den mit Abstand energischsten Teil der Band. Der Co-Sänger trug diesmal keinen Hut (Männer und Haare...). Neben Marks Tanz-Moves gab es aber eine Menge mehr zu sehen. Vermutlich könnten Musikwissenschaftler Dissertationen über die Effektgeräte vor dem Frontmann schreiben. Die meisten Musikgeschäfte haben wohl weniger Geräte im Programm. 


Rechts neben Mark Gardener (vom Saal aus) stand Steve Queralt, der vermutlich der coolste Bassist ist, den ich seit Jahren erlebt habe. Steve hat für einen Bassisten ähnlich eindrucksvoll viele Knöpfe und Pedale vor sich stehen, er steht aber während der Lieder hinten vor den Verstärkern und spielt Bass. Ohne dabei zu tanzen. Nur Bass. So wie C.J. (glaube ich) bei meinem einen Ramones-Konzert. Etwa so wie der Kehrwert des Bassisten von Minor Victories, der bei Konzerten mehr Kilometer als Fußballer zurücklegt.


Bevor das Konzert begonnen hatte, klebten bei Steve und Mark unterschiedliche Setlisten. Im Botanique gibt es keinen Fotograben, man steht direkt an der Bühne. Wir hatten einen guten Blick darauf, was das ausgelegt wurde und bekamen einen großen Schrecken, als aus der 20-Lied-Liste eine mit 16 wurde. Wir wussten, daß Ride aktuell immer mehr neue Stücke spielen, aus sehr gut unterrichteten Kreisen hatten wir erfahren, daß auch eine Premiere stattfinden würde. Wenn von 16 Liedern knapp die Hälfte neu sein würden, würden einige wichtige alte Lieblinge fehlen (Mathematik, kannste nichts machen).


Die neuen Lieder spielten Ride am Anfang und gegen Ende des Sets, dazwischen kam viel von EPs und den Platten vor Tarantula. An Dreams burn down, Taste oder Seagull kommen nicht alle von den neuen Stücken ran. Das ist auch der entscheidende Unterschied meiner Wahrnehmung von aktuellen Slowdive- und Ride-Konzerten. Bei Slowdive ist die aktuelle Platte - je nachdem, mit wem man spricht - die zweitbeste der Band. "Je nachdem, mit wem man spricht" deshalb, weil ich Leute kenne, die sie für die beste nach Souvlaki und Leute, die sie für die beste nach Pygmalion halten. Bei Slowdive gilt: je mehr neue Songs desto besser! Und wenn dann 40 days wegfällt? Egal! Meine Begeisterung für Weather diaries ist verglichen mit dem Frühwerk bei Ride kleiner. Vielleicht kommt das noch, der Wurf war aber eine Spur kleiner als der von Slowdive.

Neben dem fantastischen Lannoy Point und Lateral Alice ist bei mir von den neuen Liedern besonders Cali hängengeblieben, ein großer Hit! Etwas später kam die Premiere von Impermanence, für das Mark Gardener noch Text-Hilfe brauchte. Irgendwie hatte man zwischen all seinen Effekten noch Platz für einen Notenständer und eine Leselampe gefunden. 

Nach dem Dreierblock Impermanence (bis dahin schwächstes der neuen Lieder), Lateral Alice und All I want (mit diesem komischen Anfang) folgten drei Knüller: OX4, Vapour trail und Drive blind mit dem tollen Krach-Teil in der Mitte. 

Wir waren wegen dieser Setlisten-Tausch-Sache noch unsicher, ob es das gewesen sein sollte. Nach Drive blind kamen die vier Musiker aber zurück. Die erste Zugabe war White sands vom neuen Album - das achte Lied von Weather diaries. Und das, das ich am späten Abend am wenigsten gebraucht hätte. Die 20, 25 Minuten danach allerdings schon! Like a daydream, Leave them all behind und Chelsea girl beendeten den Abend.

Fast zwei Stunden lang spielten Ride. Auch die Band aus Oxford ist keine Nostalgie-Gruppe, sie ist aktuell und frisch. Und trotz der vielen älteren Männer im Publikum waren auch wieder einige überraschend junge da. Neben uns stand ein kleiner Junge, der seine Fäuste im Takt auf die Bühne schlug oder nach den Songs in die Höhe riss. Lohn für seine Begeisterung: Andy Bell ging quer über die Bühne, um ihm die Hand zu geben!

Weniger Glück hatte ein Mann neben uns, der sich nach dem regulären Set eine der Setlisten griff. Der Techniker der Band deutete ihm, sie zurückzulegen, was er machte. Sein anderer Nachbar nutzte die Gunst der Stunde und schnappte sie sich - ein wenig sehr arschig.


Setlist Ride, Botanique, Brüssel:

01: Lannoy Point
02: Charm assault
03: Seagull
04: Weather diaries
05: Taste
06: Unfamiliar
07: From time to time
08: Dreams burn down
09: Cali
10: Twisterella
11: Impermanence
12: Lateral Alice
13: All I want
14: OX4
15: Vapour trail
16: Drive blind

17: White sands (Z)
18: Like a daydream (Z)
19: Leave them all behind (Z)
20: Chelsea girl (Z)

Links:


- aus unserem Archiv:
- Ride, Barcelona, 29.05.15



Sonntag, 8. Oktober 2017

Slowdive, Brüssel, 07.10.17

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Konzert: Slowdive
Ort: Botanique, Brüssel (Orangerie)
Datum: 07.10.2017
Dauer: Slowdive gut 95 min, Blanck Mass gut 40 min
Zuschauer: 700 (ausverkauft)




Das Konzertjahr 2017 ist vorbei. Naja, nicht im wörtlichen Sinne, es kommen noch irre viele Shows, auf die ich mich sehr freue. Allerdings - um Julia Engelmann zu zitieren: "besser wird's nicht!" Das ist keine gewagte Prognose, 2017 gehört Slowdive, auf Platte wie auf Bühnen.

Das Konzert in Brüssel war das letzte auf dem europäischen Festland, die Band tourt jetzt durch Großbritannien, reist dann in die USA, nach Japan und nach Australien. Danach plant Slowdive neue Musik, sofern die Band die Lust nicht verlässt. 

Auf das Brüssel-Konzert habe ich mich besonders gefreut. Lieblingsband im Lieblingsclub! Daß musikalisch nichts schief gehen würde, wusste ich. Dafür habe ich die Shoegazer jetzt oft genug gesehen. Wenn man Slowdive nachmittags um zwei auf einen Rasthof stellen würde, würden sie da ein perfektes Konzert spielen.


Wir waren früh da, das Konzert war ausverkauft, da ist früh nicht dumm. Früh im Saal bedeutete aber auch, den Support Blanck Mass noch einmal zu sehen. Blanck Mass ist die eine Hälfte von Fuck Buttons und live sehr sehr langweilig. Jedenfalls war der Support für etwas gut: ich habe entdeckt, daß Zeit nicht linear verläuft. Je länger es dauerte, desto mehr dehnte sich die Zeit, ich guckte immer häufiger auf die Uhr. Irgendwas mit Gravitation, glaube ich. Daher kommt wohl auch der Bandname.


Bei Slowdive-Konzerten gucke ich nie auf die Uhr. Es gibt ja ab und zu diese Kunstprojekte, 24 Stunden irgendetwas ununterbrochen aufzuführen. Wenn die Lannister-Stiftung irgendwann mal den Instrumental-Part von Golden Hair 24 Stunden lang spielen lässt, bin ich dabei!


Im Vergleich zu Hamburg gab es keine Überraschungen. Die Setlist war die gleiche, meine leise Hoffnung, daß Falling ashes schon Teil des Live-Sets sein würde, erfüllte sich nicht. Aber es war ja auch so schon perfekt. Die neuen Lieder sind in jeder Hinsicht auf Augenhöhe mit den alten Lieblingen. Wenn man Slowdive heute für sich entdeckt, wird man wohl nicht sagen können, welche Songs nach einer jahrzehntelangen Pause und welche in der ersten Hochphase der Band entstanden sind. Da in Brüssel wieder viele jüngere Zuschauer waren (auch wieder mehr Frauen übrigens), waren darunter sicher viele neue Fans. Aber auch die alten werden nicht sagen können, daß Sugar for the pill oder No longer making time schlechtere Songs als Crazy for you oder 40 days sind. Es ist also vollkommen egal, was Slowdive spielen, die Band kann nichts falsch machen.



Einen kleinen Unterschied gab es schon zu Hamburg: das jüngste Lied im Liveprogramm, Don't know why, das im Uebel & Gefährlich noch etwas stolperig klang, funktionierte deutlich besser. Es ist neben Souvlaki Space Station aber trotzdem das Lied im Set, das mich am wenigsten berührt.


Ab When the sun hits (das gelbe Licht am Ende!) waren Hamburg und Brüssel gleichermaßen atemberaubend. 
 
When the sun hits. Alison. Sugar for the pill. Golden hair. No longer making time. Dagger. 40 days. Da ist keine Luft nach oben. Wenn nächste Woche die Smiths ein Überraschungskonzert in Köln spielen (Vorgruppe Lush), werde ich dreimal überlegen müssen, ob das besser sein kann. 

Das zweitbeste Konzert des Jahres sehe ich übrigens auch in der Orangerie des Botanique: Wolf Parade in ein paar Wochen. Bis dahin habe ich vermutlich noch Dagger im Ohr, das wunderschöne Lied über die gescheiterte Liebe zwischen Neil und Rachel, das sie erst 2014 zum ersten Mal live gespielt haben. "The world is full of noise yeah, I hear it all the time!"

Setlist Slowdive, Botanique, Brüssel:

01: Slomo
02: Catch the breeze
03: Crazy for you
04: Star roving
05: Slowdive
06: Souvlaki Space Station
07: Avalyn
08: Don't know why
09: Blue skied an' clear 
10: When the sun hits
11: Alison
12: Sugar for the pill
13: Golden hair (Syd Barrett Cover)

14: No longer making time (Z)
15: Dagger (Z)
16: 40 days (Z)

Links:

- aus unserem Slowdive-Archiv:
- Slowdive, Hamburg, 04.10.17
- Slowdive, Dortmund, 29.09.17
- Slowdive, Mannheim, 18.06.17
- Slowdive, Den Haag, 31.03.17
- Slowdive, London, 20.12.14 
- Slowdive, London, 19.12.14
- Slowdive, Genf, 09.09.14
- Slowdive, Saint-Malo, 15.08.14
- Slowdive, Hilvarenbeek, 21.06.14
- Slowdive, Barcelona, 30.05.14
- Slowdive, London, 19.05.14



Sonntag, 1. Februar 2015

Waxahatchee, Brüssel, 31.01.15

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Konzert: Waxahatchee
Ort: Botanique, Brüssel (Witloof Bar)
Datum: 31.01.2015
Dauer: 46 min
Zuschauer: ca. 80*



Wenn man von Köln aus anderthalb Stunden nach Brüssel zu einem Konzert fährt, das um kurz vor neun bereits vorbei ist, man aber das Gefühl hat, alles richtig gemacht zu haben, war es wohl ein guter Auftritt. 

Ich hatte Waxahatchee, das Projekt der Amerikanerin Katie Crutchfield, noch nicht live gesehen, mein Wunsch, das zu ändern, war aber so groß, daß ich keine Sekunde nachdenken musste, als ich die Ansetzung im Botanique beim neujährlichen Konzertsuchen entdeckt hatte. 

Im Frühjahr erscheint das dritte Waxahatchee-Album. Die ersten beiden nach der (musikalischen) Trennung von Zwillingsschwester Allison, mit der sie als P.S. Eliot aktiv war, sind wundervoll. Wie das Konzert in Brüssel sein würde... ich hatte keine Ahnung! Daß Katie mit Band nach Europa kommen würde, dachte ich nicht, dafür wäre der Aufwand sicher zu groß. Als wir in die Witloof Bar im Keller des ehemaligen Königlichen Botanischen Gartens kamen, standen auf der Bühne zwei Mikros und ein Verstärker. 


Es war noch nicht einmal Viertel nach acht, als Katie Crutchfield alleine auf die Bühne kam. Sie begann mit drei Stücken von ihrem Debütalbum American Weekend. Anders als auf Platte fehlte der "im Schlafzimmer aufgenommen"-Charme, was mich überhaupt nicht störte. Katies Stimme ist viel zu schön, um sie zu verzerren und dämpfen! Es war von Beginn an wundervoll!

Danach kam ein Block mir unbekannter Stücke. Zunächst spielte Katie ein Lied ihrer Band Great Thunder (mit Keith Spencer), Chapel of pines. Danach rief sie ihre Schwester Allison auf die Bühne, um mit ihr "a couple of new songs" zu spielen. Allison stellte sich ans zweite Mikro und sang bei den beiden neuen Liedern Under a rock und Blue nur die Refrains mit. Beide Titel gefielen mir sehr. Blue pt. II (von der zweiten Platte, das damit also älter als Blue ist - ich liebe so etwas!) sangen beide Schwestern synchron. Bei einem der Refrains nach einer kleinen Pause schien es mir, als habe Allison den Text vergessen. Sie stieg erst nach einer Weile wieder ein. Katie hatte aber offenbar auch gepatzt. Nach dem Stück sagte sie, sie seien Zwillinge. "We fucked that song up at exactly the same time, it's magic!"

Sehr viel mehr Ansagen gab es von der Sängerin nicht. Ab und zu etwas wie "das ist neu" oder "jetzt kommen alte Lieder", mehr Kommunikation gab es leider nicht. Wenn ich etwas bemäkeln müsste (wegen der Glaubwürdigkeit bla bla), dann das. Aber wenn die Musik stimmt, ist es mir ganz ehrlich egal, ob vorne viel geredet wird - und die Musik stimmte!


Nach den drei gemeinsamen Stücken ging Allsion wieder weg. Den Rest des Konzerts bestritt Katie alleine. Bühnenshow-Fans kamen nicht auch in der zweiten Hälfte nicht auf ihre Kosten. Katie spielte ihre schlicht arrangierten Gitarrenmelodien und sang dazu mit geschlossenen Augen. Wenn sie nicht sang, ging sie einen Schritt nach hinten und senkte den Kopf auf die Gitarre - auf die eine Gitarre, die sie benutzte. Das klingt unspektakulär, diente aber vielleicht auch der Verdeutlichung der Schönheit der Stücke.

Im zweiten Teil des Konzerts spielte die Frau aus Alabama noch ein weiteres neues Lied (Half moon). Nach etwa vierzig Minuten beendete das wunderbare I think I love you ("and I think I love you but you'll never find out") das Konzert. Obwohl nicht allzu viele Zuschauer im Backstein-Gewölbe der Witloof Bar waren, waren die umso zufriedener, schien es. Katie kam zu einer Zugabe zurück und spielte ein weiteres Lied von ihrem Debüt, Noccalula, in dem auch die (für mich) spannende Frage beantwortet wird, wie der Fluß, nach dem die Band benannt ist denn ausgesprochen wird, der Waxahatchee Creek kommt darin nämlich vor. "x" oder "ch"? Bitte  auf American Weekend nachhören! Und die zweite gleich hinterher! Und dann bitte Karten für die Tour im Mai und Juni kaufen!

Drei Stunden Aufwand für 46 Minuten Konzert? In diesem Fall ein sehr guter Deal!

Setlist Waxahatchee, Botanique, Brüssel:


01: Michel
02: Catfish
03: Grass stain
04: Chapel of pines (Great Thunder)
05: Under a rock (neu)**
06: Blue (neu)**
07: Blue pt. II**
08: American weekend
09: Tangled envisioning
10: Bathtub
11: Half moon (neu)
12: Peace and quiet
13: I think I love you

14: Noccalula (Z)

* brauchte ich Hilfe für
** gemeinsam mit Allison Crutchfield



Montag, 17. Februar 2014

I Like Trains, Brüssel, 16.02.14

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Konzert: I Like Trains (10th Birthday Tour)
Ort: Botanique (Rotonde), Brüssel
Datum: 16.02.2014
Dauer: I Like Trains gut 85 min, Her Name Is Calla 40 min
Zuschauer: ca. 150 (wohl ausverkauft)



Vor zehn Jahren hießen I Like Trains aus Leeds noch iLiKETRAiNS und spielten ihre ersten Konzerte. Das Bandjubiläum nutzen die "guys in trains" (Her Name Is Calla Sänger Tom Morris) für eine kurze Tour durch Großbritannien und ausgewählte Orte auf dem Festland. Gottseidank gehörte Brüssel zu diesen und in Brüssel mit der Rotonde im Botanique der wohl schönste Konzertort, den ich kenne. Wir wären also vollkommen verrückt gewesen, uns dies entgehen zu lassen, obwohl I Like Trains in den letzten Jahren nicht mehr den gleichen Stellenwert für mich hatten wie am Anfang.


Mein erstes Konzert der Nordengländer war 2007 im Gebäude 9, es war bereits ihr zweiter Auftritt in Köln. Damals waren iLiKETRAiNS-Konzerte ein ganz besonderes Spektakel. In der Anfangszeit gehörte der Hornist und Videokünstler Ashley Dean noch zur Band, dessen Hauptaufgabe Filmprojektionen zu sein schienen, die die Geschichten, die die Lieder erzählen, optisch unterstützen. Jedes Video begann mit einem Ort und einer Jahreszahl, beispielsweise "Belgrade, 1992" vor A rook house for Bobby und erklärte, worum es in den Liedern geht, und das lohnte sich! Die Titel des Debütalbums Elegies to lessons learnt und der grandiosen EP Progress reform erzählen vom großen Feuer in London, vom Pestausbruch in Derbyshire oder vom mißglückten Attentat auf König George III (der die amerikanischen Kolonien verloren hat und den die Briten uns wegen seiner Herkunft aus dem Hause Hannover heute noch übel nehmen). Diese Kombination, die historischen Hintergründe, düster vertont und durch Filme erklärt, machte die ersten iLiKETRAiNS Konzerte zu Ereignissen. Als die Band Anfang 2008 Get Well Soon in Frankfurt supportete, sagte Konstantin Gropper anschließend, er komme sich mit seiner Musik nach der Vorgruppe wie eine Mallorca-Band vor.


Nachdem der Hornist die Band verlassen musste und die nächsten Platten mehr und mehr von der tiefschwarzen Melancholie einbüßten, ging die Faszination für I Like Trains (so heißen sie seitdem) bei mir ein wenig flöten. Die Band aus Leeds ist weiterhin überdurchschnittlich gut, sie ist aber nicht mehr im wahrsten Sinne des Wortes herausragend. Allerdings ist dies eine unter Umständen ungerechte Kritik, denn Auftritte wie der im Sonnenschein in Haldern vor ein paar Jahren oder der I Like Tea als Band-Merch oder die Option, mit der Band im Rahmen einer Crowdfunding Aktion Scrabble zu spielen, machen sie auch ohne die besonderen Konzerte zu einer außergewöhnlichen Band.


Als vor einigen Tagen angekündigt wurde, im Rahmen der Geburtstagsshows die Debüt-EP komplett zu spielen, strahlte mein Herz. Diese erste längere Veröffentlichung enthält einige wundervolle Perlen, und ein paar von denen hatte ich bei meinen bisher sieben Konzerten noch nicht sehen dürfen. Und so standen wir um kurz nach neun in der Rotonde des ehemaligen botanischen Gartens Brüssels, hatten das sehr gute Vorprogramm von Her Name Is Calla gesehen und bekamen mit Terra Nova das erste Stück der EP um die Ohren gespielt! 


Terra Nova erzählt die Geschichte des tragischen Rennens zum Südpol aus der Perspektive des Briten Robert Scott - "exploration's last great prize". Scott erreichte den Pol, kam aber einen Monat nach dem Norweger Amundsen an und starb mit seiner Crew auf dem Rückweg. Auch das zweite Stück No military parade handelt von diesem furchtbaren Scheitern und vertont dies fabelhaft. Terra Nova allerdings mit seinem dramatischen Aufbau, mit den vielen Gitarren gehört zu den besten Stücken Musik, die ich kenne. Das in diesem wundervollen Raum mit seiner Hörsaal-Charakteristik, seinem tollen Licht und der hervorragenden Akustik war einzigartig! Aber Terra Nova gehört zum Standard-Repertoire der Band und war daher bei weitem nicht das spannendste Lied des Abends.


Nach No military parade kam getreu der Albumreihenfolge A rook house for Bobby, das auch immer gespielt wird und die Geschichte des ehemaligen Schachweltmeisters (und Wirrkopfs) Bobby Fischer erzählt, der 1992 während des Bosnienkriegs einen Rückkampf gegen seinen alten Rivalen Boris Spasski im mit Sanktionen versehenen Belgrad spielte und seitdem ´nicht mehr in seine amerikanische Heimat einreisen durfte. Auch A rook house for Bobby endet in herrlichen Gitarrenwände und gehört zu meinen großen Lieblingen. Danach begann der besonders spannende Teil des Abends.


Keines der nächsten Lieder hatte ich bisher live gesehen, nicht Citizen, nicht The accident und vor allem nicht die beiden Oberknüller Stainless steel und The Beeching Report. Während Citizen und The accident sehr schön aber im Vergleich unspektakulär sind, ist Stainless steel mit seinen Anfangszeilen "Please don't go into the kitchen. That's where the knives are" der düstere Höhepunkt der EP. Das lang ausgedehnte Instrumentalfinale war atemberaubend schön! Aber es wurde noch besser...

Absoluter Höhepunkt des Abends war nämlich The Beeching Report. Dr. Beeching war Chef der British Railways, der in den 60er Jahren von der Regierung beauftragt wurde, die hoch dezifitäre Eisenbahngesellschaft zurück in die Erfolgsspur ('tschuldigung) zu bringen. Sein "Beeching Report" von 1963 führte zur Schließung tausender Kilometer Bahnstrecke (und zu sehr schönen I Like Trains Jutetaschen, auf denen diese gestrichenen Linien den Umriß Großbritanniens nachzeichnen). Das Mantra "Reform, reform" macht das Lied seit jeher zu einem Highlight. Die Liveversion unter Einbindung der Her Name Is Calla Musiker war unvergleichbar schön!

Nach knapp 40 Minuten war die EP gespielt - und ich restlos begeistert.

Der Kür-Teil des Abends bestand - auch das war zu schön, um wahr zu sein - ausschließlich aus Liedern vom Debütalbum! Twenty five sins machte den Anfang. "This time the French are not to blame" - für das große Feuer in London zwischen dem 2. und 5. September 1666. Dieses Stück hatten I Like Trains in Brüssel geschrieben. Es folgte The deception mit meiner Lieblingsgeschichte (hier ganz kurz: Ende der 60er Jahre fand ein Segelrennen um den Globus statt, bei dem einer der Teilnehmer durch die Durchsage falscher Standortdaten betrügen wollte und sein Scheitern mit Selbstmord beendete - auch die Geschichte zweier anderer Teilnehmer erzählen I Like Trains in Liedern). Death of an idealist handelt von einem britischen Parlamentarier, der seinen Tod vortäuschte, um in Australien zu leben.

Die letzten beiden Stücke spielte I Like Trains ohne Pause. A voice of reason (über das gescheiterte Attentat auf George III.) und Spencer Perceval (über das gelungene Attentag auf den britischen Premier Minister - letzte Worte: "I am murdered") gehören immer zu den Höhepunkten eines I Like Trains Konzerts! 

Ich hätte danach gar nicht mehr gebraucht. Alles war gesagt. Der Rest konnte nur eine Fußnote sein. 

Drei Fußnoten wurden es. A father's son vom zweiten Album und Mnemosyne und Reykjavik vom dritten (und aktuellen). Jedes ist für sich gesehen gut. Aber im Vergleich zum düsteren, überragenden Frühwerk sind die eher fröhlichen späteren Stücke fallen sie ab.

Here's to ten more years, I Like Trains! Normalerweise bekommt zwar das Geburtstagskind die Geschenke, in Brüssel fühlte ich mich reich beschert! Das Konzert war atemberaubend schön und wird hoffentlich auf DVD erscheinen. Und wenn mich noch mal jemand müde belächelt, daß ich sonntags nach Brüssel fahre, um eine unbekannte englische Band zu sehen, statt vor dem Fernseher den 90000. Tatort zu gucken, werde ich zurücklächeln und "Reform, reform" vor mich hinsingen.

Setlist I Like Trains, Botanique, Brüssel:

01: Terra Nova
02: No military parade
03: A rook house for Bobby
04: Citizen
05: The accident
06: Stainless steel
07: The Beeching Report
08: Twenty five sins
09: The deception
10: Death of an idealist
11: The voice of reason
12: Spencer Perceval

13: A father's son (Z)
14: Mnemosyne (Z)
15: Reykjavik (Z)


Ein Bericht über Her Name Is Calla und Fotos folgen! 

Setlist Her Name Is Calla, Botanique, Brüssel:

01: Pour more oil 
02: The roots run deep 
03: Meridian arc 
04: I was on the back of a nightingale 
05: Navigator 
06: New England

Links:

- aus unserem Archiv:
- I Like Trains, Köln, 29.10.12
- I Like Trains, Wien, 24.10.11
- I Like Trains, Köln, 19.01.11
- I Like Trains, Haldern, 15.08.09
- I Like Trains, Köln, 06.03.09
- I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06




Freitag, 5. April 2013

Daughter, Brüssel, 04.04.13

6 Kommentare

Konzert: Daughter
Ort: Botanique, Brüssel (Orangerie)
Datum: 04.04.2013
Zuschauer: 700 (ausverkauft)
Dauer: Daughter gut 80 min, Bear's Den 35 min



Es ist kein großes Geheimnis, daß ich - daß wir - seit letztem Jahr dem Londoner Trio Daughter restlos verfallen sind. Natürlich sind Elena, Remy und Igor auch lange kein Geheimtipp mehr, schon 2012 verkauften Daughter Konzert auf Konzert aus. Auch die aktuelle Tour, deren Station heute der große Saal des Botanique in Brüssel war, hat einen enormen Zuspruch. Entweder sind die Konzerte ausverkauft oder sie werden hochverlegt (in Köln z.B.). Die erste Tour nach Veröffentlichung des Debütalbums If you leave bei 4AD vor drei Wochen läuft also ausgezeichnet!

Die Karte für Brüssel hatte ich gekauft, lange bevor die deutschen Termine angekündigt worden waren. Da ich sie schon hatte, konnte ich ja auch hin, zumal das Botanique einer der tollsten Orte für Konzerte ist, die ich kenne.


Mein Timing war gut, ich kam unmittelbar vor Beginn der Vorgruppe um acht an. Bear's Den hatte ich sehen wollen, die Anfahrt, besonders das letzte Stück durch die Innenstadt der Hauptstadt sind allerdings häufig unberechenbar. Als ich in den Saal kam, war die Orangerie, der größte der drei Konzerträume des ehemaligen botanischen Gartens (mit angeblich Platz für 700 Besucher) noch nicht sehr voll. Das änderte sich schnell, als das englische Folktrio auf die Bühne kam. 


Ob Bear's Den ein glücklich gewählter Name für eine solche Band ist, weiß ich nicht, er steht ja schließlich irgendwie für Vorurteile, Folkmusikern gegenüber (viele Haare, strenger Geruch), ich mag ihn aber. Ganz sicher ist der Stil der Gruppe aber clever. Ihre schmissigen Lieder haben viel von dem, mit dem man (vor allem Mumford & Sons) zur Zeit groß punkten kann. Es dauerte zwar vier Songs, bis zum ersten Mal rhythmisch mitgeklatscht wurde, das wird sich aber schnell ändern, Bear's Den werden groß, wenn sie nicht alles falsch machen. Ich mochte den Auftritt, dem Nörgler in mir fehlte aber das Originelle der Band. Da halfen auch die zwei Banjos des bärtigen Musikers rechts nicht.


Der Umbau für Daughter verriet einige Änderungen. Gitarrist Igor und Sängerin Elena haben die Plätze getauscht, vermutlich, weil hinter Igor Platz für einen zusätzlichen Musiker gebraucht wurde. Der Tourmusiker spielte vor allem bei den neuen Stücken (also denen der Platte) Keyboard, Gitarre und Bass, hatte bei den meisten der EP-Lieder Pause.


Daughter verstehen es enorm gut, die Atmosphäre ihrer Musik auch live umzusetzen. Zentrale Bedeutung dabei hat sicher Elenas wundervolle Livestimme, die - ich versuche immer wieder zu erklären, daß das etwas Tolles ist - aufregend gelangweilt klingt! Dazu kommen die wundervollen Gitarren von Igor und Elena und das vermutlich ganz und gar nicht herkömmliche Schlagzeug von Remi (mal klackerte er wie ein Uhrwerk nur auf dem Rand einer Trommel, mal lag sein Handtuch als Dämpfer auf dem Instrument. Wie viele Musiker doch froh wären, so eine Stimmung mit ihren Stücken im Studio zu erzeugen; Daughter schaffen das auch auf der Bühne!

Und das, obwohl man Elena zwischen den Lieder anmerkt, wie wenig
professionell-abgebrüht die Bandmitglieder offenbar noch sind. Da ist nichts davon zu merken, daß sie immer größere Säle ausfüllen. Elenas Ansagen, bei denen kein Satz ohne Kichern oder lautes Lachen auskommt, wirken so, als gelten sie ein paar Freundinnen. "Warm hier drin, oder? Ich schwitze wie verrückt! Aber ich mag das so." Irgendwann fiel der Bass des vierten Manns während eines Lieds mit großem Getöse um. Igor entschuldigte sich dafür und für ein paar ihn störende Soundprobleme (von denen aber im Saal nichts zu hören war). "Der Bass ist umgefallen? Habe ich nicht gehört!" Und das immer wieder kichernd und mit ihrer herrlich tiefen, Singsang-Stimme - wundervoll! Es sollte Elenas Ansagen auf Band geben, ich würde sie mir als perfektes Mittel gegen schlechte Laune immer wieder anhören!

Nur einmal kam die Pausen-Elena auch während eines Stücks durch. Bei Candles, einem meiner Lieblinge, vergass die Sängerin den Text. Sie setzte wieder neu an, es klappte aber auch da nicht so recht. Danch, als das Lied durchgestanden war, ging sie kurz zu ihren Kollegen und besprach etwas. Das ursprünglich vorgesehene Lifeforms (es stand auf der Setlist, die auslag - und nicht wie in Luxemburg auf Elenas Hand notiert war) wurde ersatzlos gestrichen. Ob das an Unsicherheit oder zu wenig Zeit lag, weiß ich nicht, es war jedenfalls schade!

Nach 75 Minuten beendete Home mein drittes hervorragendes Daughter-
Konzert. Die Engländer spielen keine Zugaben, das wusste ich. Auf meinem Weg durch den knallvollen Saal Richtung Ausgang und viel zu langer Heimfahrt sah ich aber, daß die Band zurückkam. "Wir versuchen etwas, das wir neulich fürs Radio gespielt haben." "Etwas" war eine Kombination aus einem Bon Iver (Perth) und einem Hot Chip Cover (Ready for the floor); zusammen ein Lied, das nach einem homogenen Stück klang, und nach einem von Daughter - sagenhaft!

Der Abend hat mich in meiner Meinung bestärkt, daß Daughter höchstens mit The xx vergleichbar sind. Beide Bands verbindet eine Menge, auch wenn das musikalisch nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist. Vorrangig sind beide aber mit einem originellen, eigenen Stil auf der Bildfläche erschienen und werden da nicht so schnell wieder verschwinden! Auch hier bei uns nicht - Montag geht es weiter.

Setlist Daughter, Botanique, Brüssel:

01: Winter
02: Love
03: Amsterdam
04: Tomorrow
05: Landfill
06: Run
07: Still
08: Candles
09: Human
10: Smother
11: Shallows
12: Youth
13: Home

14: Perth / Ready for the floor (Bon Iver / Hot Chip Cover) (Z)

Tourdaten Daughter (Auswahl):

08.04.: Bürgerhaus Stollwerck, Köln (ausverkauft)
09.04.: Festsaal Kreuzberg, Berlin (ausverkauft)
15.04.: Knust, Hamburg (ausverkauft)
16.04.: Zoom, Frankfurt (ausverkauft)
17.04.: Mascotte, Zürich (ausverkauft)
19.04.: Café de la Danse, Paris (ausverkauft)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Daughter, Luxemburg, 10.11.12
- Daughter, Paris, 07.11.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12
- Daughter, Haldern, 11.08.12 


Sonntag, 23. September 2012

Best Coast, Brüssel, 22.09.12

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Konzert: Best Coast
Ort: Botanique, Brüssel
Datum: 22.09.2012
Zuschauer: 150 (ausverkauft)
Dauer: Best Coast 65 min, PAON 30 min


Nach dem Ausflug ins Stadion heute wieder ein normales Konzert. Zum Abschluß ihrer Europatour spielten Best Coast heute in der Witloof Bar, dem kleinsten Saal des Botanique in Brüssel.

Vor zwei Wochen hätte ich Best Coast noch zu den Bands gezählt, die ich auf Teufel komm' raus lieben möchte, die aber, wenn ich ganz ehrlich bin, diesem Wunsch nie ganz gerecht wurden. Paradebeispiel ist das zweite Album, auf das ich mich extrem gefreut hatte, das ich dann aber beim ersten Hören ziemlich langweilig fand. Auch mein erstes Best Coast Konzert beim Bowlie 2010 war gut, es fehlte aber irgendetwas zu einer besseren Bewertung.

In den letzten Tagen habe ich The only place intensiver gehört und plötzlich viel mehr schätzen gelernt. Das Album klingt zwar immer noch glatter als das Debüt, es gefällt mir aber immer besser. Gutes Timing, mir die Platte noch rechtzeitig schöngehört zu haben.

In der Witloof Bar im Keller des Botanischen Gartens hatte ich vorher erst ein Konzert gesehen, Los Campesinos! mit Vorgruppe Vampire Weekend. Ob es nur an der Erinnerung lag oder da wirklich etwas dran ist, weiß ich nicht, die belgische Vorgruppe PAON, die um kurz nach acht eröffnete, klang Vampire Weekend nicht unähnlich. Zumindest nicht der Version der späteren Shooting-Stars, die wir damals in Brüssel erlebt hatten. Da fehlten nämlich die afrikanischen Elemente in der Liveumsetzung der Stücke, übrig blieb ein sympathischer Indie-Pop, der aber nicht schrecklich außergewöhnlich war. Etwa so würde ich PAON auch beschreiben. Begeistert hat mich die Stimme des (Haupt-) Sängers und Gitarristen/Bassisten der Band, es war also keine vergeudete halbe Stunde, allerdings auch keine sehr aufregende.

Auch um kurz nach neun war der Kellerraum nicht richtig voll - der Club war aber ausverkauft. Das liegt wohl vor allem an der Architektur des Saals. Der Raum wird nämlich von zwei breiten Säulenreihen durchzogen, was den meisten Platz rechts und links der Mitte sichteingeschränkt oder sichtlos macht. Also läßt man nicht furchtbar viele Leute rein, was es für die Besucher auch bei ausverkauftem Konzert noch sehr bequem und angenehm macht.

Ich hatte keine rechte Vostellung, wie groß die Bandbesetzung sein würde. Hinten stand ein Schlagzeug, also würden Bethany Cosentino und Bobb Bruno nicht alleine auftreten. Es wurde allerdings noch eine weitere Effektbatterie aufgebaut und zum Soundcheck erschien ein weiterer Musiker, der vor allem Bass aber auch immer wieder eine dritte Gitarre spielen sollte.

Das größere Lineup machte sich natürlich musikalisch bemerkbar. Es war nicht nur laut im Kellergewölbe, die Stücke der neuen Platte klangen auch weniger glatt als auf dem Album, was mir sehr gut gefiel. Ob die Band ihre älteren Sachen auch lieber mag, weiß ich natürlich nicht, Best Coast eröffneten jedenfalls mit einigen Stücken vom ersten Album Crazy for you. 

Es wurde aber auch mit den Liedern von The only place deutlich, daß qualitativ keinerlei Unterschiede zwischen alt und neu bestehen, wenn sie live gespielt werden. Alles eine Frage der Produktion. So waren einige der besten Titel des Abends neu, The only place beispielsweise oder Why I cry.

Ziemlich genau eine Stunde brauchten Best Coast, um ihr 17 Lieder umfassendes Programm zu spielen. Schlußpunkt dabei war die wundervolle Single Boyfriend. Und anschließend gab  es sogar solch einen Applaus, daß die Band zu einer Zugabe wiederkam (zum Nirvana Cover About a girl). Das ist doch selbstverständlich, oder? Daß eine Band eine Zugabe spielt? Ja, schon. Allerdings war die Stimmung so ruhig während des Konzerts, wie ich mir das an manchem filigraneren Abend wünschte. Es gab nach jedem Stück höflichen (und durchaus begeisterten) Applaus, mehr aber auch nicht. Sängerin Bethany, deren Dutt nicht Konzertfrisur des Jahres werden wird, sprach irgendwann davon, daß das das weltrekordleiseste Konzert sei, das sie je gespielt hätten. Als sie sich am Anfang geografisch urkomisch um Kopf und Graben geredet hatte ("wir haben noch nie in Brüssel gespielt - oder?" - "gestern waren wir in Gent, ist das in Belgien?"), regte sich im Publikum nicht. "Zwei Leute haben mir zugehört!"

Es war trotzdem ein wirklich schöner Abend, der mich meinem Wunsch, Best Coast so richtig zu lieben, eine Ecke nähergebracht hat.

Setlist Best Coast, Botanique, Brüssel:

01: When the sun don't shine
02: Crazy for you
03: Goodbye
04: Last year
05: Summer mood
06: The only place
07: No one like you
08: How they want me to be
09: Why I cry
10: Let's go home
11: Our deal
12: Do you still love me like you used to
13: Something in the way
14: Up all night
15: I want to
16: When I'm with you
17: Boyfriend

18: About a girl (Nirvana Cover) (Z)


Mittwoch, 4. April 2012

Los Campesinos!, Brüssel, 03.04.12

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Konzert: Los Campesinos!
Ort: Botanique (Rotonde), Brüssel
Datum: 03.04.2012
Zuschauer: vielleicht 150, nicht ganz voll
Dauer: LC! 70 min, Tall Ships 28 min


Los Campesinos! Konzerte sind immer gut, meistens sogar deutlich besser. Das heutige gehörte nur zur ersten Kategorie. Die Waliser haben mich schon oft extrem verzückt, zuletzt bei unserem letzten Zusammentreffen vor zwei Jahren. Seitdem ist einiges passiert, leider vor allem Dinge, die den Spaß auf ein normales Niveau zurückstuften. Nach Schlagzeuger Ollie (nicht freiwillig) ist zuletzt auch Geigerin Harriet ausgestiegen. Mit Aleksandra sind damit drei Gründungsmitglieder nicht mehr dabei. Aleks' Ausstieg wurde durch die Schwester von Sänger Gareth (Kim) gut kompensiert. Für Harriet gibt es allerdings keinen Ersatz, und ihre Geige fehlte mir heute immer wieder sehr.

Das größere Problem ist allerdings ein außerordentlich verzwicktes. Gareth hat offensichtlich zwischen den letzten beiden Platten Romance is boring und Hello sadness Gesangsunterricht genommen. Er singt auf Hello sadness tiefer und weniger schief. Auch live hat sich sein Singen entsprechend geändert. Wäre der Frontmann ausgetauscht worden, wäre der Unterschied zu früher ähnlich. Eine Gesangsausbildung ist nicht verkehrt und wäre beispielsweise allen Kandidaten und Siegern von DSDS zu gönnen. Bei einer Band, die von ihrer musikalischen Versponnenheit lebt, geht damit aber ein wichtiges Merkmal verloren. Pavement oder die Pixies wären mit der Stimme von James Blunt sicher keine meiner Lieblingsbands geworden. Mir scheint das bei Gareth keine natürliche Stimmveränderung zu sein, für den Stimmbruch ist er zu alt. Vermutlich hat der Sänger seinen Anteil am Schmerzensgeld von Budweiser fürs Verwenden von You! Me! Dancing! für eine Werbung in diese außerordentlich doofe Idee investiert. Besser hätte er es zum Frisör getragen...

Dazu kommt, daß seine neue Singstimme zwar tiefer aber nicht genauer ist, ich mochte das gar nicht.

Und dann wirkten die sieben Waliser müde. Hey! Ich hätte Grund dazu, ihr seid aus Paris rübergefahren worden. Ellen, immer noch die weltcoolste Bassistin, schien nicht viel Spaß zu haben aber auch Kim wirkte ein wenig lethargisch. Müde oder überspielt, ich kann es nicht beurteilen. Im Vergleich zu den bisherigen Konzerten, die ich von ihnen gesehen habe, war das heutige eine Ecke schlechter. Ein Blick auf die Setlist zeigt aber dann doch, warum auch "schlechter" noch besser ist, als so viele andere Konzerte, die ich im Laufe eines Jahres sehe:

Setlist Los Campesinos!, Botanique, Brüssel:

01: By your hand
02: Romance is boring
03: Death to Los Campesinos!
04: Hello sadness
05: Letters from me to Charlotte (RSVP)
06: Life is a long time
07: We are beautiful, we are doomed
08: Songs about your girlfriend
09: There are listed buildings
10: Knee deep at ATP
11: Straight in at 101
12: To Tundra
13: You! Me! Dancing!
14: The sea is a good place to think of the future
15: Baby I got the death rattle

16: Sweet dreams, sweet cheeks (Z)

Ein echter Bericht folgt, falls ich mal wieder wach werde.

Links:

- aus unserem Archiv:
Los Campesinos!, Barcelona, 26.05.10
Los Campesinos!, Köln, 13.03.10
Los Campesinos!, Paris, 18.12.08
Los Campesinos!, Köln, 10.11.08
Los Campesinos!, Brüssel, 09.11.08
Los Campesinos!, Melt!, 20.07.08
Los Campesinos!, Paris, 04.03.08
Los Campesinos!, Paris, 03.03.08
Los Campesinos!, Haldern, 01.03.08
Los Campesinos!, Köln, 27.02.08
Los Campesinos!, Paris, 11.11.07
Los Campesinos!, Brüssel, 04.11.07
Los Campesinos!, London, 17.06.07



Sonntag, 11. März 2012

School Of Seven Bells, Brüssel, 10.03.12

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Konzert: School Of Seven Bells
Ort: Botanique (Rotonde), Brüssel
Datum: 10.03.2012
Zuschauer: 170 bis 200 (fast ausverkauft)
Dauer: SVIIB 75 min, Vega 40 min


Pah! Exklusive Deutschland-Show von School Of Seven Bells in Berlin? Es gibt auch andere Hauptstädte mit B.

Das Botanique, das Kulturzentrum im ehemaligen Botanischen Garten der belgischen Metropole, ist einer der schönsten Musikclubs, die ich kenne. Läge Brüssel näher, ich wäre ganz regelmäßig in einem der drei Säle des Botanique. School Of Seven Bells spielten im schönsten der drei Räume, in der Rotonde, dem kreisrunden Saal mit den aufsteigenden Sitzbänken an den nicht-Bühnen Rändern.

Erst dachten wir, das Publikum sei ausschließlich wegen der lokalen Vorgruppe Vega da, viele sahen einfach zu sehr nach Mitschülern oder Eltern und Tanten aus. Da während der 40-minütigen 80er Jahre Show aber niemand von seinem Sitz aufstand, war das offenbar eine Fehldeutung. Vega waren so etwas wie eine Liebeserklärung an die Communards, Erasure und Elho-Neonkleidung. Ich fand es weitestgehend fies, muß aber gestehen, daß Vega zum einen enorm professionell auftraten und zum anderen nicht viel Phantasie dazu gehört, sich die Belgier in großen Sälen voll mit Partyvolk vorzustellen.

Diese großen Clubs werden School Of Seven Bells nie bespielen - auch mit ihrem dritten Album nicht. Vor zwei Jahren hatte ich die New Yorker schon einmal gesehen, nachdem ich ihre erste Platte Alpinisms sehr lieben gelernt hatte. Seitdem will ich School Of Seven Bells lieben, so recht will mir das aber nicht gelingen. Ich mag das Duo Alejandra Deheza und Benjamin Curtis sehr, so richtig springt aber der Funken auch heute wieder nicht über. Langsam fürchte ich, SVIIB werden keine Lieblingsband mehr.

Aber Schluß mit dem Genörgele, es war wirklich kein schlechtes Konzert, es war nur eben kein überragendes. School Of Seven Bells haben einige sagenhaft tolle Hits, es gab aber auch einige Stücke, die dagegen deutlich abfielen.

Seit dem Ausstieg von Alejandras Zwillingsschwester Claudia sind School Of Seven Bells ein Duo, live werden sie allerdings von zwei weiteren Musikern unterstützt, von einer Keyboarderin und einem Schlagzeuger. Nach der Nacht ermittele ich vermutlich auch noch ihre Namen, dafür bin ich gerade zu müde (speziell die Keyboarderin wirkte aber auch nicht sehr charismatisch...).

Ganz lustig war der Start des Konzerts, denn da spielte die Band jeweils das erste Lied der drei Platten. Beste Lieder des Abends waren die letzten fünf Stücke des Konzerts: I L U, Lafaye, My cabal und die beiden Zugaben Half asleep und Sempiternal/amaranth! Und Frisur und Auftreten von Frontfrau Alejandra!

Mehr morgen im Laufe des Tages! Ich muß jetzt einen neuen Sportdirektor suchen!

Setlist School Of Seven Bells, Botanique, Brüssel:

01: Intro
02: Iamundernodisguise
03: The night
04: Windstorm
05: Bye bye bye
06: Love play
07: White elephant coat
08: White wind
09: Low times
10: Scavenger
11: I L U
12: Lafaye
13: My cabal

14: Half asleep (Z)
15: Sempiternal/amaranth (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- School Of Seven Bells, Paris, 29.08.09
- School Of Seven Bells, Paris, 02.03.09



Montag, 17. Mai 2010

Wolf Parade, Brüssel, 16.05.10

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Konzert: Wolf Parade (& Surfer Blood & Warpaint)
Ort: Orangerie, Botanique, Brüssel (Les Nuits 2010)
Datum: 16.05.2010
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: Wolf Parade 90 min, Surfer Blood ca. 40 min, Warpaint 40 min


Daß das erste Lied eines langen Konzertabends gleich das beste ist, hatte ich lange
nicht mehr. Dabei hatte ich bisher noch nie von Warpaint gehört, geschweige denn Musik der amerikanischen Frauenband. Warpaint trat als zweite von vier Gruppen eines langen Festivaltags im Brüsseler Botanique auf. Grund für den (recht) spontanen Sonntagsausflug war bei mir vorher ausschließlich Wolf Parade, vom Rest wollte ich mich überraschen lassen.

Der ehemalige Botanische Garten der Hauptstadt beherbergte heute den letzten
Abend einer Veranstaltungsserie ("Les Nuits"), die jede Nacht zig Bands in den Sälen des Kulturzentrums sowie in einem Zelt vor dem Bau bot. Wieviel los war, zeigte sich an der eindrucksvollen Batterie von Tourbussen, die die Rue Royale zuparkten.

Wir kamen wegen eines langen Staus am Anfang der Tour eine Stunde später an, als ursprünglich geplant. Also spielten Warpaint schon (oder eher noch). Vorher war mir das egal, ich war schließlich nicht wegen der Vorgruppen da. Die zweieinhalb Lieder, die die vierköpfige Band aus Los Angeles spielte, vor allem das überragende
Billy Holiday, hinterließen mich auf der einen Seite glücklich, eine aufregende, mir neue Band gesehen zu haben, auf der anderen Seite traurig, nicht alles gehört zu haben.

Warpaint klingen roh, minimalistisch, singen zum Teil mindestens zu dritt und erinnerten mich an viele
Bands, die ich mag. An Sky Larkin, an Siouxsie & The Banshees, an Lovers Love Haters, an Ipso Facto*, an Lowood - ohne aber wie ein Abklatsch eines dieser Lieblinge zu klingen. Mehr kann ich nach zwei Lieder nicht sagen, muß ich aber auch nicht, von denen werden wir nämlich noch hören!

Setlist Warpaint, Les Nuits 2010, Botanique, Brüssel:**

01: Warpaint (neu)
02: Stars
03: Beetles
04: Polly
(neu)
05: Bees (neu)
06: Billy Holiday
07: Elephants

Teil drei (für uns zwei) bestritten Surfer Blood aus dem ölreichen Florida. Auch diese
diesmal rein männliche US-Band war mir neu und konnte mich überraschen. Das tat sie aber leider nur teilweise. Der Auftritt der fünf Amerikaner litt nämlich schrecklich unter der sehr schlechten Livestimme von Sänger John Paul Pitts. Irgendwann räusperte der junge Musiker sich kräftig. Ob ein Frosch im Hals der Grund für die vielen schiefen Töne war, glaube ich allerdings nicht. Die Theorie meiner Konzertbegleiterin, John befinde sich im Stimmbruch, war da glaubhafter.

Schade, denn die Debütplatte der Floridajungs soll gut sein. Und daran zweifele ich
keinen Moment, denn der vierzigminütige Auftritt bot definitiv auch einige sehr gute Lieder. Für ein gutes Konzert wäre aber auch eine gute Stimme nötig.

Optisches Highlight der Band war der Keyboarder Marcos Marchesani, dessen unglaublich vielen hohen Haare wild mit ihm durch die Gegend flogen, während er Tasten oder Trommel und Kuhglocken verprügelte. Der Surfer Blood Rest sah aus, wie man als junge US Band halt aussieht. Hier ein Holzfällerhemd, dort ein natürlich ironischer Schnauzbart - man kennt das. Auch bei John dachte ich das. Der Musiker sah aus wie ein Missing Link zwischen Jack Penate und Loney Dear Emil.

Setlist Surfer Blood, Les Nuits 2010, Botanique, Brüssel:

01: Fast Jabroni
02: Take it easy
03: Floating vibes
04: Harmonix
05: Twin Peaks
06: Swim
07: Anchorage
08: Catholic pagans

Wolf Parade, die Band aus Montréal, hinter der vor allem das Duo Spencer Krug und Dan Boeckner steckt, hatte ich schon einmal gesehen, bei einem Konzert im Kölner Luxor, bei dem ein Weckmann eine wichtige Rolle spielte. Gebäck kam heute nicht vor, das Konzept des Konzerts war aber das gleiche wie damals: Dan ist der Gitarren-, Spencer der Keyboard-Frontmann; die Gruppe
quasi ein zweiköpfiger Wolf. Und das wird konsequent durchgezogen. Immer abwechselnd singen die beiden Bandleader die von ihnen geschriebene Stücke. Ein Dan-Lied, dann eins von Spencer - und immer so weiter. Erst bei den Zugaben verließen sie den Rhythmus aber dazu später.

Erstaunlicherweise haben Wolf Parade seit 2005 drei Alben aufgenommen. Ungewöhnlich darum, weil beide Musiker in zig anderen Bands und Projekten arbeiten. Über eine der Spencer Krug Gruppen, die phänomenalen Sunset Rubdown, haben wir mehrfach geschrieben. Aber es gibt eben noch viele andere. Trotzdem fand man Zeit und Muße, mit Expo 86 das dritte Studioalbum aufzunehmen, das in Kürze erscheinen wird. Und auch Expo 86 ist bereits im Internet aufgetaucht, man hätte es also mit der nötigen Downloadenergie kennen können. Da mir die glücklicherweise fehlt, waren mir die neuen Lieder komplett unbekannt.

Und ehrlich gesagt fällt es mir nicht leicht, nach dem ersten Mal ein profundes Urteil über die vielen gespielten Titel von Album drei zu fällen. Dafür sind die Songstrukturen zu komplex. Die vielen Rhythmusänderungen sorgen bei mir dafür, daß es eine Weile dauert, bis ich mir die Lieder erarbeitet habe. Wolf Parade spielten sechs Titel von Expo 86 - und sie entschuldigten sich anschließend dafür, so viel Neues gebracht zu haben.

Da Wolf Parade aber kein Festival-Programm, sondern ein ausgewachsenes Set spielten, gehörten auch reichlich alte Lieder dazu. Und immer abwechselnd Dan, Spencer, Dan... Das war toll, wie es überhaupt ein tolles Konzert war, das den weiten Weg voll und ganz rechtfertigte! Auch wenn ich noch nichts zu den neuen Liedern sagen kann, dann doch soviel, daß sie alle so klangen, als hätten sie sehr schnell den gleichen Stellenwert wie alte Hits vom Schlage von
You are a runner and I am my father's son oder California dreamer.

Als die vier Musiker nach Ende des Sets wiederkamen und drei Lieder ankündigten, gab ich die Nachtruhe endgültig auf. Drei Wolf Parade Stücke sind eben eine knappe halbe Stunde. Aber wenn dann Sachen wie
Kissing the beehive, das eine von beiden geschriebene Lied, dabei sind, gibt es Wichtigeres als Schlaf.

Gute Nacht!

Setlist Wolf Parade, Les Nuits 2010, Botanique, Brüssel:

01: Soldier's grin
02: You are a runner and I am my father's son
03: Palm Road (neu)
04: In the direction of the moon (neu)
05: This heart's on fire
06: What did my lover say? (It always had to go this way) (neu)
07: It's a curse
08: Dear sons and daughters of hungry ghosts
09: Ghost pressure (neu)
10: California dreamer
11: Pobody's nerfect
12: I'll believe in anything

13: Cave-O-Sapien (neu) (Z)
14: Shine a light (Z)
15: Kissing the beehive (Z)

* Die sich aufgelöst haben. Daher gibt es kein Debütalbum, auf das ich so lange schon warte. Das erklärt es.
** Thanks to Laura!




 

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