Donnerstag, 3. Oktober 2013

Rue Royale, Paris, 26.09.13

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Konzert:Rue Royale
Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 26.09.2013
Zuschauer: 23
Konzertdauer: 1 Stunde


Flugzeug verpasst! In Warschau! Wie schade, daß dieses Mißgeschick dem großen niederländischen Lautespieler Jozef van Wissem passierte. Das Konzert im Pariser Espace B am 26. September konnte er sich somit knicken und wir Fans, die wir sehnsüchtig auf den Auftritt des langhaarigen Saitenvirtuosen gewartet hatten, schauten in die Röhre.

Zum Glück war aber der zweite Act des Abends so gut, daß ich trotzdem ins Espace B fuhr. Rue Royale, dieses wundervolle anglo-amerikanische Duo und Ehepaar standen ebenfalls auf dem Programmzettel und durch den Ausfall Jozefs wurden Brookln und Ruth Decker prompt zum uneingeschränkten Headliner. Ihre Spielzeit wurde auf nunmehr 1 Stunde erhöht. Da konnte man nicht meckern, zumal wir Pariser Rue Royale seit mindestens 2 Jahren nicht mehr auf einer Bühne genießen durften. In Deutschland touren sie regelmäßig und ausgiebig, in Frankreich sind sie sehr rar.

Da standen sie nun also da, der schnauzbärtige Bursche mit Gitarre unterm Arm und die Pedale der Drums mit dem Fuß bedienend, die am Arm tätowierte Dame hinterm Keyboard und oft mit Percussions in der Hand, manchmal aber auch einhändig und im Stehen Schlagzeug spielend. Schon toll, was man mit zwei Händen und Füßen so alles machen kann, vor allem wenn es so wundervoll klingt wie bei Rue Royale!

Allein die Stimmen der beiden. Seine männlich herb, rauh, ihre unglaublich lieblich und zuckersüß, was beim Übereinlanderlegen der Gesangesorgane einen absoluten Wohlklang ergab. Manchmal hatten sie auch jeweils ihre eigenen Gesangesparts und es fiel mir schwer mich zu entscheiden, was schöner war, ihr Gesang oder seiner.

Gespielt wurden überwiegend Stücke des fantastischen neuen Albums Remedies Ahead. Schon der Opener Set Out To Discover kam dufte rüber, mit seinem treibenden Ryhthmus, seiner sanften Melancholie und den Bildhübschgesängen und stand stellvertretend für die hohe Qualität des gesamten Sets. Da gab es nämlich keinen einzigen Langweiler, keine Rohrkrepierer, keine Füllmasse. Jedes einzelne Lied war brillant und wunderschön.

Ich fragte mich, an welche Bands ich erinnert wurde und dachte nur an die Allerbesten. An Syd Matters und seine intimen choralen Gesänge mit tiefer tröstender Stimme, an Low und ihre schwarzen Folkrockperlen, an Sparklhorse und seine depressiven Schmachtfetzen.

Der Sound war herrlich warm und dicht, passte perfekt in das kleine Espace B, das leider nicht besonders gut gefüllt war. Diejenigen, die nicht da waren, verpassten mit Parachutes And Lifeboats auch ein Highlight vom ersten Album und zudem Flightline, eine betörende Ballade vom zweiten Album Guido To An Escape, gesungen von ihr und ihrer butterweichen Stimme. Noch schöner, weil mysteriöser aber sogar Halfway Blind, ebenfalls vom Zweitling.

Die Spielzeit ratterte nur so runter und ehe man sich versah, war auch schon der Moment des letzten Songs gekomme. Brought Up Somewhere Else hieß er und entließ uns mit packenden Melodien und wunderschönen Harmoniegesängen im Kopf in die Pariser Nacht.

Was Jozef van Wissem wohl in dieser Zeit gemacht hat? Ob er wohl noch in Warschau festsaß? Man weiß es nicht so genau...

Setlist

01: Set Out To Discover
02: Guide To An Escape
03: Parachutes & Lifeboats
04: Tiny Parcels
05: Pull Me Like A String
06: Flightline
07: Halfway Blind
08: Almost Ghostly
09: Shouldn't Have Closed My Eyes
10: Meant to Roam
11: Dark Cloud Canopies
12: Brought Up Somewhere Else 

Tourdaten Rue Royale:

15.10.  Morph Club – Bamberg
16.10.  Tuchlaube - Aarau
17.10.  Amboss Rampe - Zürich
18.10.  Portier - Winterthur
19.10.  Franz Mehlhose – Erfurt
22.10.  Stille Post - Görlitz
23.10.  Junges Theater – Göttingen
24.10.  Feinkostlampe – Hannover 

28.10.  Café Muffat - München
29.10. Stickerei, St. Gallen
31.10. Uebel & Gefährlich, Hamburg
01.11. Kassablanca, Jena
02.11. UT Connewitz, Leipzig
07.11. Heimathafen Neukölln, Berlin  

Rue Royale, Rüsselsheim, 21.07.12
Rue Royale, Göttingen, 28.05.12
Rue Royale, Karlsruhe, 24.01.13
Rue Royale, Köln, 28.01.12
Rue Royale, Karlsruhe, 16.03.11
Rue Royale, Paris, 27.01.10






Mittwoch, 2. Oktober 2013

Shout Out Louds, Mannheim, 01.10.13

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Konzert: Shout Out Louds (& Empire Escape)
Ort. Alte Feuerwache, Mannheim
Datum: 01.10.2013
Dauer: Shout Out Louds 80 min, Empire Escape 35 min
Zuschauer: ca. 450



Die Shout Out Louds aus Stockholm sind eine dieser Gruppen, mit der man nun wirklich nichts falsch machen kann. Ich hatte die Band um den immer traurig guckenden Sänger Adam Olenius 2007 in Haldern lieben gelernt und danach noch ein paarmal gesehen und nie ein schlechtes Konzert erlebt. Trotzdem hätte ich die aktuelle Shout Out Louds Tour nicht unbedingt gesehen, weil ich die Schweden ein wenig aus den Augen verloren hatte und gerade nicht unter Konzertarmut leide. Als der Support bekannt gegeben wurde, änderte sich meine Planung: die hochspannenden Empire Escape aus Berlin wollte ich nämlich ganz dringend wiedersehen, je früher desto besser. So kam ich nach Mannheim.


In Mannheim entsteht rund um das Maifeld Derby eine Musik- und Konzertszene, deren neuestes Kind der Derby Herbst ist. Der Abend mit den Shout Out Louds war die Eröffnungsveranstaltung dieser Reihe in der Alten Feuerwache. Ich wollte als Kind nie Feuerwehrmann werden, hätte ich diese Feuerwache schon gekannt, hätte ich vielleicht diesen Berufswunsch gehabt (statt Zöllner). Der große Saal, der früher die Garage war (oder wie auch immer man das nennt), ist einer der schönsten Konzerträume, die ich kenne. Alleine dafür hatte sich die Tour gelohnt. Als Zuschauer steht man an der Stelle, an der früher die Löschzüge auf Einsätze warteten, die Ausfahrttore an der rechten Außenwand sind noch vorhanden. Großartig!

Großartig ist ein schöner Übergang... Denn das beschreibt die Musik von Empire Escape auch sehr gut. Die Berliner Band hat Mitte September ihr Debüt Colours veröffentlicht und ist für mich die zur Zeit spannendste deutsche Band. Als ich Silhouettes zum ersten Mal gehört habe, war mein erster Gedanke, daß das Lied auch den Editors gut stünde. Als dann deren Album erschien, tat mir der Vergleich leid, weil die Engländer sich aus meiner Gunst gespielt hatten und ich ein so tolles Lied wie Silhouettes nun wirklich nicht mit den flachen neuen Stücken der Editors vergleichen wollte. Mittlerweile - nachdem ich auch die vor ein paar Tagen noch einmal atemberaubend gut erlebt habe - sehe ich vielmehr Gemeinsamkeiten mit Motorama beispielsweise. Dieser sagenhafte Melodienreichtum, die düsteren - aber nicht zu dunklen Lieder, die tiefe Stimme des Sängers - die Stücke machen mir kaum weniger Spaß als die der Russen. Es war also nur konsequent, daß mich auch Empire Escape live begeistert haben!

Empire Escape sind Sänger und Gitarrist Hendrik Schäfer, Gitarrist Julius Rothlaender, Bassist Ihno Homma, Schlagzeuger Michael Jobs und Live-Keyboarderin Katja Hubrich. Alle fünf trugen einheitlich schwarze Kleidung mit goldenen Quer- oder Längsstreifen. 


Das Konzert begann mit Oui vom Debüt-Album und mit vielen wunderbaren Gitarren! Besonders gut gefiel mir aber auch etwas, auf das ich sonst wenig achte: das energische Schlagzeugspiel. Der perfekt ausgemischte Sound rundete dies ab. Beim großen Hit Silhouettes danach wirkte das Schlagzeug noch wuchtiger, nicht dumpf oder nur laut, wuchtig. Das Stück ist aber ohnehin hervorragend und für mich eines der Lieder des Jahres.


Bei New York movie fiel mir erstmals die zweite Stimme von Gitarrist Julius auf, auch das ein fabelhaftes Element (wenn jetzt auch noch die Keyboarderin singen würde, wäre mein Glück vermutlich perfekt). Auch beim zweiten großen Hit The chemistry of colours sang Julius eine Zweitstimme. New York movie endete übrigens mit mogwaischen Gitarren. 

Vor Feathers sprang Hendrik ins Publikum, um eine CD zu verschenken. Sie machten das bei jedem Konzert. Beim ersten Auftritt, als sie noch nichts Eigenes hatten, bekam ein Glückspilz eine Roxette-Platte...

Als vorletztes spielten Empire Escape ein neues Stück (A sip of beauty), bei dem Sänger Hendrik plötzlich ausbrach und schrie! Wenn eine Band kurz nach der Veröffentlichung des Debüts live solche Perlen auspacken kann, ist das enorm velversprechend.

Bis dahin war das Konzert von vielen Gitarren und von einiger Lautstärke beherrscht. Das letzte Stück The past is a strange place fiel im Vergleich dazu aus der Reihe. Julius setzte sich ans Klavier, Keyboarderin Katja und Bassist Ihno stellten sich mit Handglockenspielen auf dessen Platz und spielten Doppelglockenspiel bei diesem ruhigen Abschlußsong. Er war ganz anders als der Rest, er war aber keinen Deut schlechter. Zwei Glockenspiele! Zwei!


Ein rundum großartiges Konzert! Wenn ich so besonders begeistert von einer Band bin, die noch zu wenige kenne, frage ich mich oft, ob ich hier richtig liege. Bei Empire Escape habe ich diese Zweifel wirklich nicht. Der Applaus der Leute um mich rum in der Feuerwache gab mir da recht. Ihr könntet das bitte auch überprüfen: seht euch Empire Escape bei ihrer Tour an, die Termine stehen unten!

Setlist Empire Escape, Alte Feuerwache, Mannheim:

01: Oui
02: Silhouettes
03: New York movie
04: Divine
05: Feathers
06: The chemistry of colours
07: A sip of beauty
08: The past is a strange place

Bericht Shout Out Louds folgt!

Setlist Shout Out Louds, Alte Feuerwache, Mannheim:

01: Sugar
02: Fall hard
03: Walking in your footsteps
04: Parents living room
05: Normandie
06: 14th July
07: Impossible
08: Very loud
09: Chasing the sinking sun
10: Hermila
11: Tonight I have to leave it

12: Walls (Z)
13: Please please please (Z)

14: Go sadness (Z)



Links:

- aus unserem Archiv:
- Shout Out Louds, Wien, 22.10.10
- Shout Out Louds, Köln, 20.08.10
- Shout Out Louds, Frankfurt, 29.03.10
- Shout Out Louds, Paris, 01.04.08
- Shout Out Louds, Köln, 18.09.07
- Shout Out Louds, Haldern, 04.08.07 
- Empire Escape, Köln, 16.09.12

Tourdaten Shout Out Louds mit Empire Escape:

02.10.13: Stuttgart, Wagenhallen  03.10.13: CH-Aarau, KiFF
04.10.13: AT-Graz, PPC
05.10.13: AT-Linz, Posthof

Tourdaten Empire Escape:

10.10.13: Oberhausen, Druckluft 
11.10.13: Münster, Eule 
12.10.13: Dortmund, Subrosa 
13.10.13: Offenbach, Hafen 2 
14.10.13: Hannover, Kulturpalast Linden 
15.10.13: Göttingen, Pools 
16.10.13: Oldenburg, Polyester 
17.10.13: Hamburg, Astra Stube 
18.10.13: Kiel, Die Pumpe 
19.10.13: Lübeck, Tonfink 
21.10.13: Halle, Goldene Rose 
22.10.13: Mainz, Schon Schön 
23.10.13: Ilmenau, BD Club 
24.10.13: Berlin, Privatclub 
26.10.13: Chemnitz, Weltecho 
27.10.13: Leipzig, Werk 2 (+ I AM IN LOVE) 

2014:
01.02.14: Dresden, Ostpol 
04.02.14: AT-Wien, B72 
05.02.14: AT-Graz, Spotting @ Postgarage 
06.02.14: München, Milla 
10.02.14: AT-Innsbruck, Weekender 
11.02.14: Reutlingen, franz.K 
12.02.14: Stuttgart, Café Galao 
13.02.14: Nürnberg, Club Stereo 
14.02.14: Saarbrücken, Sparte4 
15.02.14: Karlsruhe, Kohi 
16.02.14: Köln, Tsunami Club 
13.03.14: Hagen, Pelmke Noir 
15.03.14: Aachen, AZ 
21.03.14: Jena, Kassablanca 
22.03.14: Wolfsburg, Sauna Klub





Dienstag, 1. Oktober 2013

Kate Nash, Köln, 29.09.13

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Konzert: Kate Nash (& The Tuts)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 29.09.2013
Dauer: Kate Nash 90 min, The Tuts 30 min
Zuschauer: ausverkauft 



Kate Nash Berichte im Konzerttagebuch sind so eine Sache. Die englische Sängerin mit den tollen ersten Singles polarisiert nämlich wie kaum jemand sonst. Ich hatte Kate bislang dreimal zwischen 2007 und 2008 gesehen, in der Kantine in Köln, beim Melt und in Haldern, und das beste dieser drei Konzerte (das in Köln) war mäßig. Da sich die Sängerin aber eine riesige Fangemeinde mit ihren frühen Veröffentlichungen erspielt hatte, führten Verrisse zu bösen Beschimpfungen. Es waren zwar nicht Oliver und ich, die ein schauderhaftes Konzert wie das in Haldern zu verantworten hatten, aber wir schrieben eben darüber.


Mittlerweile ist viel Wasser den Rhein runtergeflossen und ich war neugierig, was Kate Nash eigentlich heute so macht. Das zweite und dritte Album hatte ich nach den Desaster-Konzerten nicht mehr gekauft, die Karriere nicht weiter verfolgt. Warum auch? Im vergangenen Jahr spielte die Britin dann ein Konzert in der Werkstatt in Köln, da hörte ich im Anschluß bessere Kritiken. Naja, jedenfalls war meine Neugierde größer als der Vorsatz nach Haldern 08, sie nie wieder sehen zu wollen. Ich stand also Sonntagabend im geliebten (und gerade als "hervorragende Spielstätte" vom Bund ausgezeichneten) Gebäude 9. Ich kam gerade noch rechtzeitig, um nicht ganz hinten zu stehen. Das Konzert begann schon um acht, was miche in wenig auf dem falschen Fuß erwischt hatte.


Die Vorgruppe, die auf die Bühne kam, kannte ich. Sie hatte im Juli das wundervolle Indietracks Festival eröffnet und dort das Publikum so nachhaltig beeindruckt, daß in meiner Wahrnehmung jeder zweite Zuschauer ein T-Shirt oder eine Jutetasche von ihr gekauft hatte: The Tuts aus West London.

The Tuts sind ein Trio, bestehend aus Sängerin Nadia Javed, Bassistin Harriet Doveton und Schlagzeugerin Beverley Ishmael. Ihr 60's- / Garagenrock gefiel mir ganz ausgezeichnet! Die Lieder kurz und schmissig, das Set dabei so clever aufgebaut, daß die Stücke immer flotter und lauter wurden. Die punkig-schnellen am Ende (Always hear the same shit oder Back up) gefielen mir dabei besonders, aber auch All too late z.B. war großartig!


Spaß machte aber auch das Drumherum. Die drei jungen Musikerinnen, die diesmal keine "Kriegsbemalung" wie in Ripley trugen, hatten große Freude am Auftritt und vermittelten dies auch. Dabei waren die Frauen noch angeschlagen vom Vortag. "We're on a detox today!" Am Vorabend hätten sie zu viel getrunken und seien über Kate Nash hergefallen.

Ein wirklich guter Auftakt! Die Tuts haben mich wirklich überzeugt mit ihrem knackigen, halbstündigen Auftritt! Wie gut der musikalisch zum Restprogramm passen würde, ahnte ich da noch nicht.

Setlist The Tuts, Gebäude 9, Köln:

01: Beverley
02: Tut tut tut
03: All too late
04: Worry warrior
05: I call you up
06: Dump your boyfriend
07: Always hear the same shit
08: Lying lover
09: Back up


Als ich mich noch für Kate Nash interessiert hatte, spielte die Engländerin hinter dem Klavier sitzend Popsongs. Heute war es eine Rockshow mit fliegenden Haaren und Riot-Grrrl Attitüde. Man hätte wieder Ohrstöpsel gebrauchen können, diesmal aber nicht, weil Kate "ever, ever, ever" kläffte, sondern weil ihr Konzert zum Teil enorm laut war. Gut, es sind fünf Jahre seit meinem ketzten Kate-Nash-Gig vergangen, dieser Auftritt heute hatte aber überhaupt nichts mehr mit der Frau von damals zu tun. The artist formerly known as Kate Nash...


Die Sängerin Version 2013 spielt (elektrische) Gitarre und wird von einer Schlagzeugerin, einer Bassistin und einer zweiten Gitarristin begleitet. Die dauerheadbangenden Frauen rechts und links von Kate Nash erinnerten mich während des Konzerts an weniger groteske Versionen der Haim-Schwestern.



Ich kannte aus geschilderten Gründen kaum etwas. Den Introsong vom Band (You don't own me von Lesley Gore) schon noch, die folgenden fünf Stücke hatte ich noch nie gehört oder verdrängt (Do-wah-doo war in Haldern sehr fies!). Ganz schrecklich war heute in dieser frühen Konzertphase nur die Reaktion des Publikums. Als die drei Bandmitglieder auf die Bühne kamen und ihre Instrumente griffen, klatschte niemand! Ich habe es versucht, bin damit aber verpufft. Wie entsetzlich unhöflich, nur den "Star" zu begrüßen und die lästigen Frauen an den Seiten und hinten nicht zu beachten. Ich kann mich nicht erinnern, das so deutlich schon einmal erlebt zu haben.


Hinter den Musikerinnen waren Bildschirme aufgebaut, die wie alte Fernseher dekoriert waren und auf denen dann die Videos liefen, die auf der Leinwand zu sehen waren.

Mit der Kate hinter dem Klavier hatte die Musik nichts mehr zu tun. Kate Nash spielte am Anfang bei jeden Lied Gitarre, danach immer mal wieder. Elektrische Gitarre. Jedes Lied war rockig bis punkig. Ach, wieder eine neue Sleater-Kinney  Gedächtnisband hätte ich gedacht, wenn ich die Sängerin nicht auch schon komplett anders erlebt hätte. Da hat sich jemand neu erfunden, nennen das bezahlte Journalisten, die sich solch tolle Bilder leisten können.



Die Musikerinnen trugen "Girl gang"-Kettchen, Kate dazu ein, nunja, sehr extrovertiertes Outfit, ein auffälliges Kleid, eine Frisur mit vielen falschen Haaren im Skunk-Design mit einem Krönchen. Ob das jetzt in Riot Grrrl Kreisen Street Credibility bringt, kann ich nicht beurteilen. Es war aber ein Blickfang, mal ganz neutral formuliert.



Mouthwash und Pumpkin soup in der Mitte kannte ich natürlich. Und drei weiter den großen Hit Foundations. Danach war es ein Auf und Ab. I'm a feminist, you're still a whore, das schneller und lauter wurde, bis Kate schrie, war eiens der besten Lieder des Konzerts, das ebenso schneller werdende OMYGOD! dagegen ziemlich mies.

Aber die guten Momente waren in der Überzahl. Das neue Gewand steht Kate Nash gut, ganz unabhängig von Überlegungen, wie authentisch solch ein kompletter Stilwechsel sein kann. 


Wie es auch sein kann, zeigte der Schluß. Als Kate nach dem regulären Set (das auch ein Cover des Fidlar Songs Cocaine enthielt, das Kate in Grrrl gang umgedichtet hatte) und der ersten Zugabe We get on (nur von der Gitarristin begleitet) alleine und ohne Instrument oder Begleitmusik ein Stück namens Lullaby for an insomniac anstimmte, fühlte ich mich unheilvoll in eine Dorfkirche auf dem Land versetzt, in der die beste Freundin der Braut, die immer von der Musical-Karriere geträumt hatte, ihrer Freundin ein Ständchen singt, bei dem alle weinen. Krachende Gitarren hätten diesem Lied extrem gut gestanden!


Die guten Szenen waren trotzdem sogar so deutlich in der Mehrzahl, daß mir die entsetzlich fiesen Soli der Bandmitglieder bei ihrer Vorstellung (die Gitarristin spielte allen Ernstes diese Hendrix US-Nationalhymne - kein Witz!) nicht das ganze Konzert versaut hatten, Wobei... vielleicht hatten die Nichtklatscher vom Anfang doch recht.

Setlist Kate Nash, Gebäude 9, Köln: 

01: Sister
02: Death proof
03: Kiss that grrrl
04: Do-wah-doo
05: OMYGOD!
06: Mouthwash
07: Pumpkin soup
08: I'm a feminist, you're still a whore
09: Fri-end
10: Foundations
11: 3am
12: Grrrl gang (Fidlar Cover - Cocaine)
13: Underestimate the girl

14: We get on (Z)
15: Lullaby for an insomniac (Z)

Links:

- aus unserem Archiv: 
- Kate Nash, Haldern, 08.08.08
- Kate Nash, Melt!, 18.07.08
- Kate Nash, Paris, 31.03.08
- Kate Nash, Köln, 06.12.07


Amatorski, Frankfurt, 30.09.13

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Konzert: Amatorski
Ort: Sankt Peter Café, Frankfurt
Datum: 30.09.2013
Dauer: 75 min
Zuschauer: gut 30 



Zugegeben, die Sinnfrage, warum ich so viele Nächte in düsteren Kneipen vor Bühnen verbringe, auf denen Bands spielen, von denen meine Freunde noch nie gehört haben (und auch nie hören werden), stelle ich mir selten. Die Antwort darauf wäre auch die immergleiche. Wegen solcher Konzerte wie heute. Ganz einfach.

Daß Leute, die sich nicht viel aus Musik machen, kleine Bands nicht kennen, verstehe ich. Gruppen, die hier vor 100 Leuten spielen, werden eben nur in einer sehr sehr kleinen Indie-Welt wahrgenommen. Daß allerdings auch ein Magazin wie die Intro eine der spannendsten Bands der letzten Jahren nicht kennt ("Nicht nur sind diese Motorama, die uns bisher nicht wirklich ein Begriff waren und nun da oben auf der Bühne ihrem eigenartig fröhlichen Post-Punk spielen, überraschend gut."), hat mich sehr verwundert. Die lesen uns offenbar zu wenig. Also liebe Intro, bitte mal notieren:


Amatorski sind eine junge Band aus Belgien, die ich Anfang Februar im Schlachthof in Wiesbaden gesehen hatte. Ich kannte die Belgier damals noch nicht, sie begeisterten mich aber so restlos, daß mir immer, wenn ich die besten Konzerte des Jahres im Kopf Revue passieren lasse, Amatorski sofort in den Sinn kommen.

Die vier jungen Beligier spielten heute im Sankt Peter Café in Frankfurt. Das Foyer der evangelischen Kirche war mit einigen Sitzgelegenheiten bestückt, es waren aber noch sehr wenige Besucher da, als ich kurz vor acht ankam. Um 20.15 erschienen die Musiker extrem schüchtern aus einem Seiteneingang und begannen mit einem sehr kurzen und einem längeren Instrumentalstück. 


Es war die gleiche Besetzung wie im Februar: Sängerin Inne Eysermans, Gitarrist Sebastiaan van den Branden, Keyboarder und Bassist Hilke Ros und Schlagzeuger Laurens van Bouwelen.

Obwohl die anderthalb Instrumentallieder schon toll waren, wurde die Stärke der Band erst bei Almost dancing richtig deutlich. Innes junger Gesang - zum Teil ganz leise dazugeloopt, wenn sie nicht sang - zu einer wundervollen Melodie. Wow! Ich kannte das Lied nicht, es war aber ein großartiger Auftakt.



Es folgten vier Titel vom Album TBC. Eigentlich mag ich darauf Soldier und Peaceful am meisten, heute waren aber 22 Februar und 8 November besonders beeindruckend. Bei 22 Februar hatte ich merkwürdige Assoziationen, für die ich von mindestens zwei Konzerttagebuch-Kollegen Prügel beziehen werde. Amatorski klingen manchmal wie eine coole, aufregende Version von Sophie Hunger, eine sehr coole und sehr aufregende! 8 November ist eine vollkommen unterschätzte Perle. Das Stück beginnt sehr leise und jazzig, es plätschert dahin. Irgendwann werden die vier lauter und lauter, die Melodie bleibt aber sehr ruhig und getragen, ruhig aber laut, kein Widerspruch. Vor allem Sebastiaans Gitarre schrammelt herrlich! Dazu erzeugen Keyboard und Becken schleifende Geräusche, die wie ein quietschendes Karussell im Wind klangen, im Hintergrund eine Glockenspiel-Kindermelodie. Oh, war das eindrucksvoll! 


Bei Warszawa, das wohl unveröffentlicht ist, das aber in Wiesbaden auch schon auf dem Programm stand, hatte ich den Eindruck, als habe Keyboarder Hilke das Glockenspiel-Ende ein wenig verpatzt, aber vielleicht sollte es auch so sein, es tat weder dem Lied noch dem Rest einen Abbruch.

Das nächste Lied Anthem war einer meiner heutigen Lieblinge! Das Stück hat einen kurzen Text, der immer und immer wiederholt wurde. Auch Anthem wurde im Verlauf lauter und ging in ein weiteres Lied über, das ich nicht kannte, Cyrk (polnisch für Zirkus), das schließlich leise ausfadete.

Sebastiaan hatte bis dahin immer wieder die zweite Stimme gesungen, die beiden folgenden Titel waren "echte" Duette mit Inne, ein Stilelement, das mir auch enorm gut bei Amatorski gefällt. Tiny bird ist auf einem Sampler erschienen, How are you? eine eigene Single. 


Nach einer guten Stunde verabschiedete sich Inne mit dem letzten Lied, einem neuen (I'll become a friend), um mit ihren Kollegen nach einer Minuten im Kircheninnenraum zurückzukommen. "Yeah, I lied. Every night I lie!" Diese feierliche Erklärung zur Zugabenlüge wurde durch einen lauten Schluckauf eines Zuschauers quittiert, was Inne herzhaft lachen ließ. Eine herrliche kleine Szene! 

Empty robots pt. 2, diesmal mit Gesang und das überragende Never told beendeten das Konzert, das die irre guten Eindrücke, die das in Wiesbaden hinterließ, kräftig bestätigte! Es war ein wundervoller Abend mit einer Band, die vor Talent nur so strotzt. Egal wie groß Amatorski werden, bei mir sind sie bereits riesig!
 

Setlist Amatorski, Sankt Peter Café, Frankfurt:

01: Empty robots pt. 1
02: Almost dancing
03: Soldier
04: Peaceful
05: 22 Februar
06: 8 November
07: Warszawa
08: Anthem
09: Cyrk
10: Tiny bird
11: How are you?
12: I'll become a friend (neu)

13: Empty robots pt. 2 (Z)
14: Never told (Z)

Links:

- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13



Vereinsheim Baldu V, Karlsruhe, 19.09.13

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Vereinsheim Baldu #5 mit den Gästen Saint Lu, Mine und Matteo Capreoli
Ort: Tempel in Karlsruhe
Datum: 19. September 2013
Dauer: 120 min
Zuschauer: etwa 300





Schon seit Juni 2012 gibt es die Veranstaltungsreihe Vereinsheim Baldu. Erstmals aufmerksam wurde ich aber darauf erst mit Ausgabe 4 im Mai 2013 (mit Kat Frankie und Francesco Wilking) und das auch erst im Nachgang. Veranstaltet wird diese besondere Konzertreihe im Tempel in Karlsruhe von

Tommy Baldu | David Maier | Nico Schnepf | Rouven Eller | Haegar

und wird von ihnen beschrieben als Wohnzimmer für die Sinne.  




Als ich im Tempel ankam, wurde mir schnell klar, dass dieses Angebot von den Karlsruhern sehr gut angenommen wird, denn bis auf den letzten Platz war alles besetzt und es standen noch viele Leute in den Ecken. Aus den Gesprächen entnahm ich, dass es das letzte Mal sogar noch voller gewesen sei. 



Die Bühne befindet sich für diese Konzerte stets in der Mitte des Raumes und besteht aus einem Kreis der Künstler mit Musikern und den Visuals. Der Soundmann saß etwas abseits. Das Publikum sitzt ringsum, auch auf dem erhöhten Teil des Raumes der sonst als Bühne dient. Das schafft eine ganz eigene Athmosphäre, die mir sehr gut gefiel. Die singenden Gäste der fünften Ausgabe waren

Saint Lu, Mine und Matteo Capreoli

und die gewissermaßen traditionellen Gäste Dominik Krämer und Arthur Braitsch an Bass und Gitarre.




Der prinzipielle Ablauf des Abends war so, dass nacheinander die drei singenden Gäste das Mikro erhielten und diese Darbietungen vom Gastgeber David Maier umrahmt wurden. Alles sehr freundlich und stets in wechselnden Konstellationen einander unterstützend.


Es spricht für die besondere Atmosphäre, dass ich mich sehr wohl gefühlt habe, obwohl die Musik von Saint Lu und Matteo Capreoli sonst eher nicht meine volle Zustimmung erhielte. Die beiden haben tolle Entertainerqualitäten und ordentlich beeindruckende Stimmen. Aber ihre jeweilige Art Musik holt mich normalerweise nicht ab (Geschmäcker sind halt verschieden). 

Die Stücke von Mine waren in dieser intimen Atmosphäre wieder wunderbar und Gänsehaut pur, zumal die vier ausgewählten Stücken sowieso zu meinen liebsten gehören. Der Einstieg mit Der Mond war einfach nur grandios. Gleichzeitig schaute uns der Mond von allen vier Wänden in eindrucksvoller Projektion an.


Mein Freund im besoffenen Dreiertakt... Herrlich. Und Hinterher sehr tänzerisch verfremdet. Das heizte im Publikum ordentlich zum klatschen an. Besonders gefallen hat mir auch die Duettzugabe und ich habe mich in dem Moment gefragt, warum dieses gemeinsame Musizieren nicht noch mehr praktiziert worden war.



Tatsächlich schaffte es aber auch Saint Lu mit Lady of the Legend mich komplett zu beeindrucken. In meinen Notizen stehen hier zwei Ausrufezeichen, die ich nur für ganz besondere Momente reserviere.


Alles in allem also ein besonderer Abend und es war mir eine Freude, ihn miterlerbt zu haben. Die nächste Ausgabe des Vereinsheims ist für Januar 2014 geplant. Darauf freue ich mich schon.


Setlist:

1: David (Da) - ??
2: Saint Lu (SL) - I keep falling from your love
3: SL - Why do I need
4: Matteo Capreoli (Ma) - Hut auf
5: Ma - Plan B. 
6: Mine (Mi) - Der Mond lacht
7: Mi - Mein Freund
8: Da - Zu Besuch bei mir

Pause

09: Da - Weil du brennst
10: Mi - Nicht für mich
11: Ma - Kinder des Lichts
12: SL - ??
13: SL - Lady of the Legend
14: Mi - Hinterher
15: Ma - Laß das Werden einfach sein
16: Da - Wir tanzen


17: Duett Mine und David - Wenn ich bleib (Z)






Aus unserem Archiv:

Mine, Karlsruhe, 10. Mai 2013
Mine, Freiburg, 21. Mai 2013
Mine, Mannheim, 16. Juni 2013


Mehr Fotos:








 

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