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Mittwoch, 29. März 2017

Emily Millard, Karlsruhe, 16.03.2017

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Konzert: Emily Millard
Ort: Tempel in Karlsruhe
Datum: 16. März 2017
Dauer: 100 min
Zuschauer: knapp 40


Ich habe mich verliebt: In die Stimme und das neuste Album By Heron & By Season von Emily Millard aus Kanada. Da das Konzert schon fast zwei Wochen her ist, hatte das dort gekaufte Album gründlich Gelegenheit, über die Zeit für mich immer größer und toller zu werden und die Lieder sind mir inzwischen Freunde und Begleiter. Warum das schon wieder so lang dauert, das im Tempel erlebte wunderbare Konzert in ein paar Worte zu fassen? Es ist zum einen der Wunsch, der poetischen Magie der Lieder und dem kongenialen Ensemble einigermaßen gerecht zu werden. Es ist aber auch das Wissen, dass sich der Abend so tief eingeprägt hat, dass ich keine Sorge zu haben brauche, dass ich mich nach ein paar Tagen nicht mehr gut genug erinnern könnte. Nein, ganz im Gegenteil - beim lesen der Setlist sind fast alle kurzen und längeren Ansagen wieder da und zaubern mir ein Schmunzeln ins Gesicht.


Ich hatte schon das Vergnügen einigen kanadischen Sängerinnen und Sängern ins Netz zu gehen und automatisch stellte sich im Konzert bei mir die Neugier ein, das "typisch kanadische" heraus zu hören. Was vielleicht ein Urimpuls des einordnens ist, aber der Originalität von Kunst irgendwie auch ziemlich entgegensteht. Trotzdem ist da etwas in meinem musikalischen Ausschnitt von Kanada, was eine ganz besondere Verbundenheit zu Natur und den großen Lebensfragen in zwar zugänglichen aber doch auffällig anderen Liedern ausdrücken. Emily Millard war mit zuerst unter diesem Namen begegnet im November 2016 als sie mit David Simard als Duo übers weite Kanda gezogen war und in Werkstätten Station gemacht hatte. Aber ihre Musik kannte ich auch schon als Remix-Beitrag zu Wooden Peak unter dem bis dahin gebrauchten Namen Miss Emily Brown.


Die Überraschung in der Ankündigung des Abends für mich war eigentlich die große (fast schon üppige) Besetzung:

  Emily Millard (Tenorgitarre, Flügel, Autoharp) 

  Martha Rose (Geige und Gesang) 
  Jan Frisch (Gitarren und Gesang) 
  Moritz Brümmer (E-Bass, Cello und Gesang)
  Ben Brown (Schlagwerk).

Freudige Überraschung sollte ich wohl sagen, denn dies versprach, eine Vorstellung zu werden, die den Liedern einen ganz besonderen Rahmen geben würde. Und ich musste still schmunzeln als ich beim durchgehen der Namen feststellte, dass ich zwei der Herren schon in bester Erinnerung hatte und Martha Rose nun endlich von der unbedingt-ansehen-Liste verschwinden würde. Ein einziger Name war noch mit keinerlei Emotionen für mich verbunden: der Mann am Schlagwerk. 
 

Das Konzert begann dann eher so, wie ich mir Emily Millard Konzerte bis dahin vorgestellt hatte: Sie allein, ihr Gesang beschwörend betörend im Raum, als stiller Glanzpunkt eine Spieluhr dazu. So etwas bleibt mir im Gedächtnis... Ohne Pause zum Klatschen ging das ganze Ensemble über zu Hunter, das auf mich ganz ähnlich bezaubernd wirkte, nur mit mehr Farben in der Klangpalette. Als Stück des aktuellen Albums ist es mir inzwischen sehr vertraut, aber auch schon in dieser ersten Begnung war da ein aufhorchen und mehr wissen wollen angeregt worden. Hatte Emily für die ersten Stück die Tenor-Gitarre genutzt, nahm sie sich anschließend für Falcon die Autoharp. Das gibt immer eine gewisse musikalische Sprödigkeit finde ich, wobei die Musizierhaltung eher erzählend wirkt.
 

Für das nächste Stück Chainbreaker wechselte sie an den Flügel. Im warmen Ton des Instruments erschien das Stück tatsächlich wunderbar wiegend und tänzerisch. Mein erster richtiger WOW-Moment folgte beim ähnlich anschmiegsamen Stück Toxic town, das sich inzwischen auch als Lieblingslied der Platte für mich etabliert hat. Es schmeichelt und treibt und ist doch im Text so ganz und gar grau und herb.


Direkt vor mir spielte Jan Frisch abwechselnd auf der neben der Tenorgitarre groß wirkenden Akustikgitarre und einer E-Gitarre sehr virtuos auf. Bei Snake chamer  war ich ganz besonders fasziniert von den vielen Klangfarben, die er in aller Selbstverständlichkeit den sechs Saiten entlocken konnte.  Aber alle Musiker auf der Bühne steuerten auch immer wieder Gesangsparts bei.
 

Für As a cloud im herrlischsten Satzgesang fast acapella (nur mit etwas Rhythmus unterstrichen) wurde es auch für den letzten klar, dass sie auch das aufs Beste beherrschten - was für ein Fest! Danach leerte sich die Bühne und Emily spielte allein oder im Duo mit Martha einige ruhige Stücke. Zum Beispiel Timothy field, in dem vom Wind gestreicheltes Timothygras ganz nachfühlbar verbildlicht wurde. Ihre Nachfrage, wer gern Origami macht, wurde nicht sehr enthusiastisch beantwortet, aber ihr Origamilied ist doch ein ein wirklich hübscher Bonustrack mit einem kleinen Augenzwinkern. Im Konzert erinnerte er mich an Because the Origami vom Album Nightynight in seiner ruhigen Erzählhaltung.


Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die Erläuterung zum Lied Where is god. Es nimmt Gesprächsfetzen mit einer zweijährigen auf, die so wunderbar hellsichtig ins Zentrum treffen. Die Musik ist dabei sehr melancholisch und voller interessanter harmonischer Verschiebungen. Geige und Cello gaben mit Trillern einen Schimmer auf mein inneres Bild dazu. Für die letzten beiden Songs des regulären Sets wechselte Emily wieder an den Flügel. Bei Promise of spring wurde es ganz unheimlich und geheimnisvoll - für Eisblumen fast feierlich. Mit Satzgesang und beschwörender Percussion wurde noch einmal ein toller Höhepunkt inszeniert.
 

Die Stimmung und die Zustimmung im Publikum war bis dahin grandios gewesen. Zwei Stücke als Zugabe rundeten den Abend schließlich wunderbar ab: Granma's hands und World traveller. Das letzte Stück im Angedenken an die Urgroßmutter hat mich noch einmal ganz besonders angerührt und den Abend für mich für immer ins Herz gesenkt als wunderbare Erinnerung zum zehren und hegen und pflegen:
  By a thread of a dream my great-grandmother wove
  when she dreamed me and you up. She dreamed up our souls.
  She went hard through the night against men with machines
  against living and dying, what all of it means.

  She taught us to travel, she taught us to dream
  and here we are in great cities attempting great things



Setlist:
01: Ate the world
02: Hunter
03: Falcon (Soap)
04: Chainbreaker
05: Toxic town
06: Snake charmer
07: Paradise
08: As a cloud
09: Timothy field
10: Origami Valentine (Bonus)
11: The diary of Amy Briggs (T)
12: Where is God
13: Flashlight
14: Hourglass
15: Lonely spider (Lhasa de Sela) 
16: Promise of Spring
17: Eisblumen

18: Grandmother's hands (Bill Withers)
19: World traveller (T)

Showaufzeichnung in der aktuellen Besetzung aus Weimar
 

Deutschlandtour 2017
20.02. Berlin, Auster Club
01.03. Leipzig, Horns Erben   
02.03. Trier, Tuchfabrik
04.03. Weimar, Lichthaus  
05.03. Erfurt, Franz Mehlhose  

07.03. Jena, Café Wagner
08.03. Hamburg, Kukuun
09.03. Rostock, Peter-Weiss-Haus  
10.03. Einbeck, Kultur im Esel

11.03. Fulda, Backstage
12.03. Ulm, Sauschdall
14.03. München, Lebenslust
15.03. Stuttgart, Galao
16.03. Karlsruhe, Tempel
17.03. Aachen, Raststätte  
18.03. Düsseldorf, House Concert  
19.03. Plaidt, Wohnzimmer

23.03. Greifswald, Boddenhus  


Dienstag, 15. März 2016

Johanna Borchert, Karlsruhe, 22.01.16

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Konzert: Johanna Borchert Quartett
Ort: Tempel in Karlsruhe
Datum: 21. Januar 2016
Dauer: 90 min
Zuschauer: etwa 120


Es ist immer ein wenig herausfordernd oder gar einschüchternd für mich einem besonderen Konzerterlebnis mit einigen Zeilen Prosa gerecht werden zu wollen. Und im Blätterrauschen um Johanna Borchert scheint es schon fast ein Wettlauf um die ausgefallensten Superlative zu sein - die alle ganz und gar gerechtfertigt sind, die ich aber nicht wiederkäuen mag, wenn ich hier über den Konzertabend in Karlsruhe berichte. Was die Leuchtkraft des Abends für mich ausmacht - ihr ganz eigenes, besonderes, überraschendes, sollte ich doch wenigstens in eigenen Worten beschreiben.


Ich war ihrer Musik im Jahr 2014 mit der CD FM Biography ins Netz gegangen. Mein Glück, dass mir diese eingeflüstert wurde, denn von mir aus hätte ich in dieser Richtung nicht gesucht. Und mein Glück, dass ich mich deshalb Anfang 2015 schon auf den Weg nach Frankfurt gemacht hatte für ein Solokonzert von Johanna Borchert. Ein überraschender, ein mitreißender Abend war das, der mir auch ein Stück weit die Augen öffnete, dass die mir so ans Herz gewachsene CD nur einen gewissen Ausschnitt der Musik darstellte. Und ein Abend, an dem ich - herrlich überraschend - eine Verbündete (wieder-)traf, mit der ich mich schon am Bühnenrand von MONO in Karlsruhe gefunden hatte.


Auf den Abend in der Quartettbesetzung war ich sehr neugierig und wirklich vorfreudig gespannt. Der Tempel ist ein sehr angenehmer Konzertort und einzig, dass für den Abend - oder vielleicht/hoffentlich doch erst in der Nacht?! - Blitzeis angekündigt war, war etwas verstörend. Auf dem kurzen Weg von der Straßenbahn zum Tempel dachte ich noch mit einem Lächeln an das lustige und überraschende Wiedersehen mit meiner MONO-Bekanntschaft vor einem knappen Jahr in Frankfurt, um kurz darauf in offene Arme zu laufen und einen freigehaltenen Platz in der ersten Reihe vor zu finden. Was für ein interessantes Netz aus Beziehungen schon um diese CD für mich gewachsen war.... Und anschließend ein Konzert, in dem ich auch ein Netz and Beziehungen und musikalischem Geben und Nehmen auf der Bühne erleben durfte. 


Dann neben Johanna Borchert (meist am Flügel) waren am Moog Synthesizer (und zum Teil an Bassgitarre) Jonas Westergaard, an den Drums Moritz Baumgärtner und an der Gitarre Peter Meyer auf der Bühne versammelt. Jeder für sich gestandener Musiker, besonders und eigenständig mit seiner Musik, seiner Interpretation, seiner Spielweise. Hatte ich den Solo-Abend mit Frau Borchert schon sehr genossen und "meine" Lieder der CD in der etwas spartanischen Fassung Gesang und Flügel geliebt - hier gab es natürlich ganz andere und wunderbare Möglichkeiten, sie live darzubieten.


Der Abend begann jedoch solo mit dem so eigenen Klang des präparierten Flügels und der Stimme von Johanna Borchert. Ein wenig herb, sehnsuchtsvoll und einfach ganz und gar ungewöhnlich. Auf einen Geschmack der Quartett-Qualitäten mussten wir aber nicht lange warten. Bei In a grain of sand gab es eine erste Begegnung mit dem fordernden und gleichzeitig lockenden Schlagzeug und einer sparsam eingesetzten und doch so wirksamen Gitarre. Und zwischen den so frisch aufgemischten und funkelnden Versionen von Soulmates, Desert Road und Lightyears wurden uns Neuigkeiten - zum Teil noch ohne Namen - untergemischt.



Als Finale des regulären Sets war mein Liebling FM Biography (mit einem Text von Agnieszka Wolny-Hamkało) eingeplant, der einerseits gebührend gefeiert wurde, aber unmöglich als Schlußpunkt hingenommen werden konnte. Und für mich war es wunderbar, in der Zugabe noch zwei so liebe Lieblingslieder zu bekommen und eine längere Geschichte zur Entstehung und Rezeption von Lullaby. Ein wunderbarer Abend fand damit einen runden Schluß und zum Glück war das Blitzeis noch westlich von Karlsruhe unterwegs als ich mich ängstlich und ein wenig eilig auf den Rückweg machte. 

Alle Bilder

Setlist:
01: Solo Impro + Solo (Gesangs-Teil von Behind Moonshine)
02: In a grain of Sand
03: Soulmates
04: NEU - Arbeitstitel: When a bird...
05: Desert Road
06: Wide Land
07: NEU - Arbeitstitel: Identity
08: NEU - Miracolous Clouds
09: Lightyears
10: FM Biography


11: It's been a while (Z)
12: Lullaby (Z)

 

Aus unserem Archiv:
Johanna Borchert, Frankfurt, 05.02.15  


Freitag, 20. Februar 2015

Anette Askvik, Karlsruhe, 19.02.15

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Konzert: Anette Askvik und Band
Ort: Tempel in Karlsruhe
Datum: 19. Februar 2015
Dauer: 80 min
Zuschauer: etwa 70


Die Musik der Sphären war den alten Griechen tief im Weltbild verankert. Die wunderbaren Proportionen des Firmaments mussten harmonischen Klang produzieren. Wir können ihn nur mit unseren Ohren nicht hören. In der Ankündigung des Abends Singing Stars mit Anette Askvik war davon die Rede, dass sie Zugang zu Daten der NASA bekam und aus ihnen Musik destilliert hat. Klingt das spannend?...!!!


Als ich auf dem Weg in den Westen der Stadt einen Tweet (siehe unten) in meiner Timeline fand, der den Klang der Zahl pi erweckt sah, musste ich doch ein bisschen schmunzeln. Das wäre den guten Griechen dann doch zu weit gegangen. So irrational war Harmonie in ihrer Welt nicht. Oder - wie der Isländer Jóhann Jóhannsson - eine IBM 1401 zum Instrument (*) zu erklären. Das sind wohl eher "Torheiten" der Neuzeit...


An dem Abend im Karlsruher Tempel waren neben der norwegischen Sängerin Anette Askvik noch 

Elisa Herbig - Cello
Joern Erik Aahlsen - Gitarre/Elektronik
Julie Falkevik Tungavag - Keyboards/Piano
Stephan Salewski - Drums/Xylophon


auf der Bühne versammelt. Ohne großes Brimborium begann das Konzert auf den Punkt. Für einen Donnerstag Abend war mir das hoch willkommen. Auch wenn ich für die Musik, die mir geschenkt wurde, gewiß eine kurze Nacht verschmerzt hätte.


Das Programm sah schließlich nur ein Stück vom Debut-Album Liberty vor: Das erste Lied des Abends - Without permission. Erst in der zweiten Zugabe (nicht auf der Setlist) gab es doch noch ein Stück vom Debut. Nicht dass ich das im Laufe des Abends registriert hätte - es war meine allererste Begegnung mit der Musik der Norwegerin. Ich hatte zuvor nur ein Video gesehen und mich von dem Versprechen Musik der Sterne locken lassen. 


Das erste Stück war mit geisterhaftem Gesang unterfüttert und stellte gleich die größte Stärke der Musik in den Mittelpunkt: die Stimme von Anette. Wenngleich das vielleicht falsch verstanden werden kann. Es war nicht eigentlich eine Sololeistung mit Bandbegleitung. Zu jeder Zeit war klar, dass es sich hier um ein gemeinsam (und harmonisch) geschaffenes Musikerlebnis handelte. Außer dem Mann an den Schlegeln sang z.B. jede und jeder in schönstem Satzgesang. Elisa (Cello) und Juli (Tasten) waren fast ständig in Augenkontakt miteinander oder mit Anette. Ein schönes besonders in Erinnerung gebliebenes Beispiel war für mich das Lied vom kleinen Vogel, das die drei Frauen als zweite Zugabe allein vortrugen.


Die ersten beiden Stücke bekamen gar keine Pause für Applaus und die Überleitungen und Ansagen waren auch später sehr sparsam. Ich fand das eigentlich sehr passend, weil damit die Konzentration auf die Musik sehr stark gebündelt wurde. Vor dem dritten Song meinte Anette "The universe outside and inside" wären gleichermaßen faszinierend für sie. Musikalisch war es für mich eine wahre Entdeckung. In jedem Stück fand sich eine Prise der versprochenen Sphärenmusik - diesseitig und jenseitig zugleich. Das Cyndi Lauper cover hätte ich im nebenbei-hören wahrscheinlich gar nicht erkannt, so anverwandelt war es ihr. 


Immer, wenn ich dachte, jetzt wird es doch mal poppig "normal", setzte das Programm ein überraschendes und gern von mir angenommenes Ausrufezeichen. Bei Wild Wind dachte ich: Das ist jetzt das Finale, das mit Schmiss und Bums uns alle heimschicken will (auch Anette ging an eine Trommel). Hier war schon einmal Schluß mit schüchtern. Aber danach blieb Anette allein mit dem Schlagzeuger auf der Bühne und sang von Sternenmusik begleitet das Stück, was mir als absoluter Höhepunkt in Erinnerung bleiben wird. Innig und stark - in der Welt verwoben und in der Zeit. Unerhört.


Natürlich war eine Zugabe dran. Und was für eine wir bekamen! Supernova war fast wie eine kurze Sinfonie. Sich stetig zu einem Höhepunkt entwickelnd, in dem es dann wirklich laut wurde und nicht klassisch harmonisch blieb. Ein musikalischer Vulkanausbruch. Ich kann mir schon denken, dass sich die Band das prima als Schluss des Abends vorgestellt hatte (Rausschmeißer!). Aber noch ließen wir uns nicht abschütteln. Eins wollten wir noch - und kriegten wir auch. Und auch das eine wunderbare Erinnerung mit der richtigen Balance von schönem Klang und fremd schrägen Anklängen, die unser Leben nicht glattziehen und verniedlichen.


Setlist:
01: Without permission
02: Maybe I can
03: In our hearts it is love
04: Define me
05: Time after time (Cyndi Lauper cover)
06: Not forgotten
07: Once
08: Don't you wish
09: Wild wind
10: Natten ser

11: Supernova (Z)

12: The bird song (Z) 



Tourdaten:
17.02 Café Haag Kino Arsenal & Kino Atelier, Tübingen
18.02 Karl-Schubert Gemeinschaften, Filderstadt
19.02 Kulturzentrum Tempel - Karlsruhe 
20.02 Kulturladen KFZ Marburg,
21.02 Studentenclub Kasseturm e.V. Weimar, support cayoux
22.02 Musik zwischen den Welten Dreikönigskirche, Dresden 


(*) "The computer's memory emitted strong electromagnetic waves and by programming the memory in a certain way and by placing a radio receiver next to it, melodies could be coaxed out - captured by the receiver as a delicate, melancholy sine-wave tone." (Liner notes Jóhan Jóhannsson)



Freitag, 9. Mai 2014

Mine, Karlsruhe, 08.05.14

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Konzert: Mine und Band (support: Curlyman)
Ort: Tempel in Karlsruhe
Datum:  8. Mai 2014
Dauer: 85 min
Zuschauer: etwa 150 (recht voll)


Mine mit Band. Für mich eine neue Erfahrung, denn bisher hatte ich sie nur Solo und mit ganz großer Besetzung gesehen. So besonders Band-affin bin ich nicht, da stets die Gefahr besteht, dass das Schlagzeug alles zudeckt (leidvolle Erfahrung...). Insofern war meine Erwartung an den Abend im Tempel etwas gemischt. Natürlich war es höchste Zeit für ein Wiedersehen und der Tempel ein prima Ort dafür. Aber würde die Bandfassung den wunderbaren Erinnerungen an das Masterkonzert nicht an den Kragen gehen?


Ich muss diese Sorge hier aussprechen, aber die Antwort wohl auch nicht zu spannend machen, denn Mine mit Band erwies sich als gnadenlos grandios!  Das hat sicher seinen Grund in den tollen Bandmitgliedern:

Martin Haller – Gitarre, Synthies und Gesang
Vroni Frisch – Bass, Gesang

Sebastian Kraus – Drums, Akkordeon, Metallophon
Sarah Inanc –  Gesang, Geige, Metallophon 


aber auch an der Art, wie Mine ihre Lieder je nach Besetzung immer neu kleidet und schmückt. Mit Band ging vieles mehr nach vorn, aber für jedes der Lieder genauso, wie es seiner  inneren Natur entsprach. 


Die so geliebten innigen Stücke gab es mit Geige und Metallophon und rhythmischer Akzentierung. Sie waren auch so sehr innig und filigran. Und etwas herrlicheres als das rotzig rockige und doch auch Abgründe und das darüber springen einfangende Findelkind kann es nicht geben - was war das für ein Fest und was war das für ein Spielfreude auf der Bühne. Wunderbarer Moment des Abends.



Das Publikum hatte die Band eigentlich schon im Moment des Betretens der Bühne gewonnen. Von da an waren alle sehr ruhig und aufmerksam - ganz wenige Bargeräusche ab und zu oder Flaschen-Kegeln. Und der Applaus war wohlwollend und zunehmend enthusiastisch. Und eigentlich schon bei Rot das erste mal total euphorisch.


Überhaupt - auf neue Lieder hatte ich ja schon so ein bisschen gehofft - aber auch gebangt. In welche Richtung würde es weitergehen mit Mine? Würden wir musikalisch "Freunde bleiben"? Vorgestellt wurden uns an dem Abend vier Neulinge, die alle nur das tollste erwarten lassen für den Tonträger. Schon das erste - Pusteblumenfeld - war so sehr Mine, wie ich nur hoffen konnte, dann ein expressivstes Rot mit ganz minimalen Stilmitteln (und einer grandios performenden Mine) - das explodierende Findelkind. Da bleibt mir nur ein anerkennendes und um Atem ringendes WOW.


Natürlich machte Mine von der Chance Gebrauch, sich den Rapper of the day auf die Bühne zu holen - Curlyman hatte eröffnet (da war ich noch japsend unterwegs, um wenigstens rechtzeitig zu Mine im Tempel anzukommen) und konnte im Set einige schöne Akzente setzen.



Dass das Publikum Mine zunehmend regelrecht feierte, zeigte sich auch daran, dass sie erst nach einer zweiten Zugabe gehen durfte und anschließend eine sehr lange Schlange glücklicher Menschen am Merchstand wartete. Es sah schon so aus, als hätte sie daran auch ein bisschen Freude gehabt. Und wer nun neugierig geworden ist auf das neue Material - unbedingt selbst live ansehen! Und alle Freunde einpacken...



Setlist
01: Hinterher
02: Kann Sie es tragen
03: Raus Raus Raus
04: Pusteblumenfeld
05: Ziehst du mit
06: In meinem Kopf
07: Mein Freund
08: Rot
09: Blätter
10: Du scheinst
11: Nicht für mich
12: Findelkind
13: Lauter
14: Der Mond lacht

15: B-Seite (Jan Delay cover) (Z)
16: Und dann (Z)

17: Herzverleih (Z)

Tourdaten
09.05. Wiesbaden Schlachthof
31.05. Darmstadt Schlossgrabenfest
22.06. Mainz Johannisnacht


Aus unserem Archiv:
Mine, Karlsruhe, 19.09.13
Mine, Mannheim, 15.06.13
Mine, Freiburg, 21.05.13
Mine, Karlsruhe, 09.05.13 



Dienstag, 1. Oktober 2013

Vereinsheim Baldu V, Karlsruhe, 19.09.13

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Vereinsheim Baldu #5 mit den Gästen Saint Lu, Mine und Matteo Capreoli
Ort: Tempel in Karlsruhe
Datum: 19. September 2013
Dauer: 120 min
Zuschauer: etwa 300





Schon seit Juni 2012 gibt es die Veranstaltungsreihe Vereinsheim Baldu. Erstmals aufmerksam wurde ich aber darauf erst mit Ausgabe 4 im Mai 2013 (mit Kat Frankie und Francesco Wilking) und das auch erst im Nachgang. Veranstaltet wird diese besondere Konzertreihe im Tempel in Karlsruhe von

Tommy Baldu | David Maier | Nico Schnepf | Rouven Eller | Haegar

und wird von ihnen beschrieben als Wohnzimmer für die Sinne.  




Als ich im Tempel ankam, wurde mir schnell klar, dass dieses Angebot von den Karlsruhern sehr gut angenommen wird, denn bis auf den letzten Platz war alles besetzt und es standen noch viele Leute in den Ecken. Aus den Gesprächen entnahm ich, dass es das letzte Mal sogar noch voller gewesen sei. 



Die Bühne befindet sich für diese Konzerte stets in der Mitte des Raumes und besteht aus einem Kreis der Künstler mit Musikern und den Visuals. Der Soundmann saß etwas abseits. Das Publikum sitzt ringsum, auch auf dem erhöhten Teil des Raumes der sonst als Bühne dient. Das schafft eine ganz eigene Athmosphäre, die mir sehr gut gefiel. Die singenden Gäste der fünften Ausgabe waren

Saint Lu, Mine und Matteo Capreoli

und die gewissermaßen traditionellen Gäste Dominik Krämer und Arthur Braitsch an Bass und Gitarre.




Der prinzipielle Ablauf des Abends war so, dass nacheinander die drei singenden Gäste das Mikro erhielten und diese Darbietungen vom Gastgeber David Maier umrahmt wurden. Alles sehr freundlich und stets in wechselnden Konstellationen einander unterstützend.


Es spricht für die besondere Atmosphäre, dass ich mich sehr wohl gefühlt habe, obwohl die Musik von Saint Lu und Matteo Capreoli sonst eher nicht meine volle Zustimmung erhielte. Die beiden haben tolle Entertainerqualitäten und ordentlich beeindruckende Stimmen. Aber ihre jeweilige Art Musik holt mich normalerweise nicht ab (Geschmäcker sind halt verschieden). 

Die Stücke von Mine waren in dieser intimen Atmosphäre wieder wunderbar und Gänsehaut pur, zumal die vier ausgewählten Stücken sowieso zu meinen liebsten gehören. Der Einstieg mit Der Mond war einfach nur grandios. Gleichzeitig schaute uns der Mond von allen vier Wänden in eindrucksvoller Projektion an.


Mein Freund im besoffenen Dreiertakt... Herrlich. Und Hinterher sehr tänzerisch verfremdet. Das heizte im Publikum ordentlich zum klatschen an. Besonders gefallen hat mir auch die Duettzugabe und ich habe mich in dem Moment gefragt, warum dieses gemeinsame Musizieren nicht noch mehr praktiziert worden war.



Tatsächlich schaffte es aber auch Saint Lu mit Lady of the Legend mich komplett zu beeindrucken. In meinen Notizen stehen hier zwei Ausrufezeichen, die ich nur für ganz besondere Momente reserviere.


Alles in allem also ein besonderer Abend und es war mir eine Freude, ihn miterlerbt zu haben. Die nächste Ausgabe des Vereinsheims ist für Januar 2014 geplant. Darauf freue ich mich schon.


Setlist:

1: David (Da) - ??
2: Saint Lu (SL) - I keep falling from your love
3: SL - Why do I need
4: Matteo Capreoli (Ma) - Hut auf
5: Ma - Plan B. 
6: Mine (Mi) - Der Mond lacht
7: Mi - Mein Freund
8: Da - Zu Besuch bei mir

Pause

09: Da - Weil du brennst
10: Mi - Nicht für mich
11: Ma - Kinder des Lichts
12: SL - ??
13: SL - Lady of the Legend
14: Mi - Hinterher
15: Ma - Laß das Werden einfach sein
16: Da - Wir tanzen


17: Duett Mine und David - Wenn ich bleib (Z)






Aus unserem Archiv:

Mine, Karlsruhe, 10. Mai 2013
Mine, Freiburg, 21. Mai 2013
Mine, Mannheim, 16. Juni 2013


Mehr Fotos:








Sonntag, 27. Januar 2013

Kat Frankie, Karlsruhe, 25.1.13

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Konzert: Kat Frankie mit Support Stella Veloce
Ort: Tempel in Karlsruhe
Datum: 25. 01. 2013
Zuschauer: sehr gut gefüllt, etwa 150
Dauer: 20 min + 75 min

  
Ich war an diesem Abend irgendwie miesepetrig in den Tempel gekommen. Ich war müde und aus einer Sitzung ging mir noch ein Satz nach, dass "allein Frau zu sein heutzutage ja für alles mögliche qualifiziere". Halb scherzhaft hingeworfen von einer jungen Frau in einer Runde von mathematisch hochgebildeten Männern. Meiner Meinung nach hätten diese nicht so beifällig zu diesem Satz nicken dürfen, denn 1) sie sollten eigentlich ein Gefühl dafür haben, was bei einer Verteilung von fifty fifty eine signifikante Abweichung darstellt und 2) waren alt genug es besser zu wissen (sie haben Töchter!). Ich habe als einzige andere Frau in dem Moment auch nix gesagt, weil mir echt nix in der passenden Tonlage einfiel und das ließ mir keine Ruhe.  Dazu passte mein Twitterfeed während der Straßenbahnanfahrt: #aufschrei. Alles nix Neues. Um so schlimmer...


Wenigstens tat der örtliche Nahverkehr seine Arbeit und ich verlief mich nicht und war etwa 20 min vor Beginn des Konzerts im Tempel am westlichen Ende von Karlsruhe. Ich war zum ersten Mal dort und vom Gebäude und dem Saal gleich positiv eingenommen. Zu meiner Freude fand sich noch ein Platz in der ersten Reihe für mich und bis 20:30 Uhr füllte sich der Saal bis an die Kapazitätsgrenze. Kat Frankie hatte ja 2012 mit der TVNoir-Tour schon Station in Karlsruhe gemacht und den Saal im Jubez gefüllt. Ich hatte mir geschworen, mir das Kat Frankie Konzert im Tempel nicht entgehen zu lassen. Daran musste ich mich am Abend aber ein paarmal selbst erinnern bevor ich mich auf den weiten Weg ans andere Ende der Stadt machte. Ich sagte ja schon, eigentlich war mir nicht nach feiern, sondern nach rummosern.

Leider sprach mich das experimentelle Cello-Looping-Set von Stella Veloce nicht an. Ich war ja wegen Kat Frankies Stimme hier und fühlte mich irgendwie etwas verklapst, zumal man dem Programm auch nicht entnehmen konnte, dass es ein Vorprogramm geben würde. Das bedeutete u.a. auch, dass ich bis zum Auftritt von Kat Frankie noch etwas über eine Stunde meinen trüben Gedanken nachhängen konnte.

Aber dann - endlich - trat Kat Frankie fast beiläufig an das Harmonium und sang das herzzerreissende Bina. Ja, dafür war ich gekommen! Die Welt sah schon wieder etwas freundlicher aus. Sie bot im  Verlaufe der nächsten Stunde ihre sehr eigenwilligen Songs, wo sie manchmal ein Crooner ist, andere Male fast unhörbar leise singt oder aber expressiv laut. Ihre Stimme schafft das alles überzeugend und jede Facette wirkt von Kat Frankie authentisch und angemessen gewählt.

Für etwa die Hälfte der Stücke hatte sie musikalische Mitstreiter

Hanno Stick - Drums
Chris Rodriguez - Bass, Vox
Stella Veloce - Cello, Vox
Mowat - Keyboard, Vox
Kathrin Hahner  (Miss Kenichi) - Vox


Eindrucksvoll fand ich z.B. vier Singstimmen nur begleitet von Schlagzeug (z.B. Please don't give me what I want) oder das spröde People am Keyboard. Besonders in Erinnerung bleibt mir auch The faint-hearted ones darüber, wie man in Berlin seine Jugend vorüberziehen lassen kann ohne es richtig zu merken. Und ich war mit meiner Begeisterung nicht allein. Alle Stücke wurden bejohlt und beklatscht und ohne eine zweite Zugabe kam Kat Frankie nicht von der Bühne.

In den Ansagen war sie unglaublich locker, offen und sympatisch. Und die Darbietung der Gruppe wirkte ganz natürlich kooperativ im Dienste der Musik, zumal sie mehrfach zusammen vierstimmig sangen. Das war für mich eine große Freude zu sehen und zu hören. 

Und an diesem Abend war es für mich eben auch ein überzeugend positiver Beitrag dazu, was Frauen für unsere Welt sein können, wenn man sie läßt und nicht rumschubst und klein macht.


Setlist:
Bina (*)
The Saint (**)
The Tops (***)
Please don't give me what I want (*)
Almost done (*)
Heels to the Board (*)
The Faint-hearted Ones (**)
The wild one (**)
Frauen verlassen (*)
People (**)
Too young (*)
Everything everything (***)
Oh Darling (*)
Blameless (***)
Zugaben 1
Ophelia (*)
Take care of him (*)
Zugabe 2
Walking on broken glass (Annie Lennox cover)


aus den Alben:
 (*) Please don't give me what I want (2012)
(**) The Dance of a stranger heart (2010)
(***) Pocketknife (2008)

weitere Tourdaten:
26 Jan     REUTLINGEN: franzK
27 Jan     KONSTANZ: Kulturladen
29 Jan     ERLANGEN: E-Werk
30 Jan     ERFURT: Museumskeller
31 Jan     GÖTTINGEN: Musa
01 Feb     POTSDAM: Lindenpark
02 Feb     ROSTOCK: M.A.U. Club
06 Feb     DRESDEN: Scheune
07 Feb     ZWICKAU: Alter Gasometer
09 Feb     INNSBRUCK: Treibhaus
10 Feb     AUGSBURG: Brecht Festival



 

Konzerttagebuch © 2010

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