Konzert: The Cardigans & Shout Out Louds
Ort: Maimarktgelände Mannheim (Zeltfestival Rhein-Neckar)
Datum: 22.06.2024
Dauer: The Cardigans 90 min, Shout Out Louds knapp 65 min
Zuschauer: rund 1.800
Sollte ich irgendwann größenwahnsinnig werden und ein Buch über mein Leben schreiben, wird es "A life more or less ordinary" nach dem fast gleichnamigen Film mit Cameron Diaz und Ewan McGregor heißen, das steht schon ewig fest. A life less ordinary erschien 1997 und war (damals) fantastisch. Da ich ihn seit mindestens 20 Jahren nicht gesehen habe, erinnere ich mich an wenig und weiß nicht, wie gut er gealtert ist. Ich erinnere mich aber an die Musik, an den Titelsong von Ash und an die Cardigans.
Im April waren die Shout Out Louds Headliner unseres Cologne Popfests. Dort spielten sie ihr wundervolles erstes Album Howl Howl Gaff Gaff komplett. Wir hatten schon vor Jahren versucht, die Band fürs Popfest zu buchen, waren aber auch schon da größenwahnsinnig ( -> A life more or less ordinary...). Als wir es für 2024 versuchten, war das trotz des größeren Saals auch erst noch vollkommen unrealistisch. Unsere Anfrage hatte die Band aber auf die Idee gebracht, eine kleine Jubiläumstour zur ersten Platte zu machen. Wir waren wieder im Spiel. Bis zum Popfest-Freitag mussten wir uns unzählige Male kneifen, ob die Band wirklich auf unserer Bühne stehen würde. Das Popfest-Konzert war wohl toll, ich aber viel zu hibbelig, um davon etwas mitzubekommen. Wie gut, dass es das Maifeld-Derby in Mannheim gibt!
Die erste Band des Abends, Telquist aus München, hatte ich verpasst. Mein Programm begann mit den Shout Out Louds aber auch schon um 18:30 Uhr. Anders als in Köln war nicht mehr der ursprüngliche Schlagzeuger der Band mit dabei. Für die ersten Termine wurde Eric Edman reaktiviert, diesmal war ein anderer Musiker dabei. Auch Keyboarderin Bebban Stenborg fehlte. Ihren Job übernahm Jennie Abrahamson (die 2012 bis 2014 Peter Gabriel auf dessen Welttour supportet hatte).
Gleich war der Aufbau des Konzerts: im Mittelpunkt stand Howl Howl Gaff Gaff - von The comeback bis Seagull, gefolgt von den beiden späteren Hits Impossible und Tonight I have to leave it.
Rund ums Zirkuszelt gab es die Ess-, Waffel- und Getränkestände vom Maifeld Derby, perfekt! Auch der Zeitplan war gut durchdacht. Weil das Konzert der Cardigans das einzige in Deutschland war, reisten dafür natürlich Leute weit an. Denen noch die Chance zu bieten, zeitig wegzukommen, ist eine von so vielen Annehmlichkeiten, die belegen, dass die Derby-Macher um Timo Kumpf es ihren Gästen angenehm machen wollen. In Deutschland ja leider alles andere als Standard.
Die Cardigans kamen um kurz nach acht auf die Bühne. Ich hatte keine Vorstellung, wie die anderen Bandmitglieder aussehen würden. Ich wusste, dass eines der verbleibenden Gründungsmitglieder einen Metal-Hintergrund hat und war überzeugt, dass das der Gitarrist mit dem umgekehrten Kreuz-Ohrring sein würde (Oskar Humlebo). Falsch. Der Bassist mit dem bunten Hemd und der Ähnlichkeit zu den Camera-Obscura-Männern war es (Magnus Sveningsson).
Die rockige Herkunft hört man live immer mal wieder raus, im Mittelpunkt steht aber natürlich Nina Perssons Stimme. Die Frontfrau trug erst einen grasgrünen Hosenanzug mit großer weißer Schleife um den Hals. Später im Konzert zog sie sich um und trug einen Spitzenrock (nein, wir werden nie ein Modeblog werden).
In das anderthalbstündige Konzert packten die Cardigans ganze 21 Lieder, darunter ihre unzähligen Hits. Ich muss gestehen, dass ich die Platten ewig nicht mehr gehört habe, trotzdem erkannte ich viel mehr als gedacht. Ach, es war toll. Wäre Popmusik doch heute noch so gut!
Auch die Cardigans spielten ohne Zugaben. Stattdessen liefen nach My favorite game über die beiden Leinwände "end credits", bei der neben den Bandmitgliedern auch alle anderen Teile des Teams genannt wurden, inklusive Stylistin und Fahrer. Alles in Schriftart "Cardigans", auch das stand dort. Wie liebevoll und wie repräsentativ für dieses Konzertereignis!












