Donnerstag, 28. Januar 2010

Rue Royale & Mièle, Paris, 27.01.10


Konzert: Rue Royale & Mièle (Reza)
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 27.01.2010
Zuschauer: leider nicht sehr viele, schade!
Konzertdauer: jeweils etwa 45 Minuten



Verfluchte Metro! Nicht nur Kondome behindern den Verkehr, sondern auch technische Probleme in der Pariser U-Bahn! Wäre alles normal gelaufen, hätte ich locker alle Bands des Abends sehen können, also auch Reza, der durch die letzte Oliver Peel Session bekannt geworden ist (héhé).

So aber kam ich etwa 45 Minuten später an als geplant. 20 mir ewig erscheinende Minuten steckte ich in der U-Bahn Station Invalides fest und musste dann zu Fuß Richtung Concorde latschen, um weiterzukommen. Ärgerlich.

Der Pariser Reza und seine Band war schon beim allerletzten Lied des Sets angelangt, als ich endlich eintrudelte.

Aber ich hatte den strapaziösen Weg wenigstens nicht umsonst zurückgelegt, denn es standen mit Rue Royale und Mièle noch zwei andere feine Bands auf dem Programm. Rue Royale legten gegen 21 Uhr 45 los. Entgegen des Namens handelt es sich hier nicht um eine französische Formation, sondern um das charmante Pärchen Ruth und Brookln Decker, die nicht nur in der Musik, sondern auch im Leben gemeinsame Wege gehen. Sie ist Engländerin, er Amerikaner und nach einer in England gefeierten Hochzeit leben sie nun seit ein paar Jährchen in Chicago.* Geht man von ihrer wunderbar warmen und harmonischen Musik aus, müßte die Ehe eigentlich absolut intakt sein, denn jedes einzelne Lied klang zärtlich, liebevoll und feierlich. Traumhaft wie sich ihre Stimmen übereinanderlegten, um sehnsuchtsvolle Balladen wie On And On oder Parachutes and Lifeboats zu intonieren. Perfekt, um sich die abgefrorenen (Mann, ist das wieder eine Schweinekälte!) Finger aufzuwärmen und die strapazierte Großstadtseele baumeln zu lassen. Ich genoss jedes Minute und fühlte mich wie in eine warme Decke gewickelt. Herlich, die süße, aber dennoch nicht zu überzuckerte Stimme von Ruth, die von der leicht rauchigen von Brookln ausbalanciert wurde. Daß sie aus England stammt, merkte man vor allem, wenn sie zwischen den hübschen Songs ein paar kurze Ansagen machte. Die Flèche d'or habe sich verändert, aber es sei toll wieder hier spielen zu dürfen, merkte sie schmunzelnd an und die Freude war ganz auf meiner Seite. Jammerschade, daß der Laden ziemlich leer war und große Lücken zwischen der Band und dem Publikum klafften. Ein weiterer Beleg dafür, daß unaufdringlicher und wenig Aufmerksamkeit heischender Folkpop nicht die großen Massen anzieht. Aber nicht schlimm, die beiden touren weiterhin fleißig (guckt euch die Liste der in den vergangenen Jahren absolvierten Gigs an, die ist beeindruckend!) und werden sich über kurz oder lang in der Indieszene ihren Namen machen. Jeder, der sie bereits gesehen hat, dürfte einen wunderbaren Konzertabend gehabt haben. Meinen habe ich mir im Übrigen noch durch den Kauf der hübsch gestalteten CD (selbstbetitelt) versüßt.



Tonträger der nachfolgend auftretenden Belgier Mièle konnte man aber leider keine erwerben. Dabei haben die Brüsseler bereits zwei Alben auf ihrer Habenseite. Der zweite Output lautet Le Jour et La Nuit und davon boten sie dem inzwischen nur noch sehr spärlich versammelten Publikum so einige Kostproben. Ursprünglich wohl lediglich ein Duo, bestehend aus Stéphane Daubery und der blonden Catherine De Basio, präsentierten sich Mièle heute als ausgewachsene Band mit zahlreichen hochkarätigen belgischen Musikern an Bord. Der Drummer Frank Baya steht auch bei Francois Breut in Diensten, der Bassist Mika Nagazi zupft hauptberuflich bei den in Frankreich enorm erfolgreichen Ghinzu die Saiten und der Gitarrist Cédric Castus hilft zusätzlich bei Soy Un Caballo aus. Mièle also so etwas wie eine belgische Supergroup und auch die Chansons konnten sich hören lassen! Ihr auf französisch gesungener Pop war zwar bisweilen süß wie Honig (daher der Name?), aber nie kitschig oder simpel. Insofern bestehen Parallelen zu Soy Un Caballo, die ebenfalls die Kunst beherrschen, Popsongs mit Stil und Charme zu schreiben, ohne in dümmliche Klischees zu verfallen. Zudem legt sich bei Mièle auch immer wieder eine zarte Melancholie über den Sonnenschein, so daß man wohlig an Françoiz Breut erinnert wird, die die Meisterin des in moll gehaltenen französischen Chansons ist. Und auch die rockige Seite wird nicht kaschiert, es gab durchaus Stücke die richtig fetzige Giatrrenparts hatten, z.B. Les Chiffres Rouges.

In gesanglicher Hinsicht wechselten sich Stéphane und Catherine immer wieder ab. Er mit seiner sanften Stimme, sie mit ihrem kindlichen und sehr sinnlichen Kehlchen (Jesus, herrlich!). Schwer zu sagen, was mir besser gefiel.

Ich werde Mièle aufmerksam weiterverfolgen, seit langem ist mir nicht mehr eine auf französich singende Formation untergekommen, die mir dermaßen gefiel!


- Videos:

On and On @ The Living Room Society
Balcony TV Session über den Dächern von Hamburg, These Long Roads

* aber inzwischen wieder in England, wenn ich das richtig verstanden habe.




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