Posts mit dem Label Postrock werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Postrock werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 7. Dezember 2012

Hrsta, Matana Roberts, Thee Silver Mt. Zion, München, 21.11.12

0 Kommentare

Konzert: Hrsta, Matana Roberts, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra
Ort: Hansa 39, München
Datum: 21.11.2012

Vorbemerkung (von Oliver):



Auch in Paris gab es Konzertabende zur Feier des 15. Geburtstages von Constellation Records, aber ich habe es leider nicht dorthin geschafft. Zum Trost hier aber nun ein Bericht von Blogger-Wimbledonsieger (Sieg gegen Federer in fünf Sätzen) Eike Klien.* Erstveröffentlichung auf seinem Klienicum.

Drei Acts, die höchste Konzentration erforderten, die für sich stehend eigentlich genügten. Der Abend im Hansa 39 zu München, angesetzt als Teil der 15 Jahr Feier des kanadischen Labels Constellation Records, hatte es in sich. Die musikalische Güte, die das Unternehmen unter seinem Dach hütet, ist unbenommen, ihr Ausstoss zuweilen schwitzig und brachial. Was durfte man also erwarten? Viel! Was bekam man? Enorm viel! Zunächst starteten Hrsta, zuvorderst das Projekt von Mike Moya, den man auch als Gründungsmitglied von Godspeed You! Black Emperor kennt. Unter dem im Sanskrit getroffenen Bandtitel erzeugt er weirdfolkiges abseits von Klangsperenzchen, die durchsichtige Stimme tut dabei ihr Übriges. Mit Hilfe von Brooke Crouser (Jackie-O-Motherfucker), der neben einer E-Gitarre auch ein Tonbandgerät inkl. Effekten bediente, wurde ein eigenwilliger wie einnehmender Klangkosmos erarbeitet. Schleifen über Gitarrensaiten, Bögen, die sich über den Stahl zogen, entzerrt und getrieben, ausdrucksstarker Gesang, Liedformen, die sich wie von selbst ergaben. Das hatte was von Hohelied und priesterlicher Klage. Mit "Silver Planes" und "Holiday" blieben zwei beeindruckende songs aus dem recht kurzen Set in Erinnerung. Auch Moya schien noch nicht ganz warm gelaufen sein, da mussten er und sein Kompagnon bereits wieder die Bühne räumen. Die Band kann man, muss man im Auge behalten, wenn einem offene Arrangements, Soundfahrten und lichtes Spiel taugen. Mir hat es sehr gefallen. Vor allem diese Art von Understatement, obwohl man mit großer handwerklicher Kunst konfrontiert war. Das launige Gitarrenspiel täuschte allzu gern über die Meisterschaft hinweg. Das hatte Stil. 


Die Reihen lichteten sich kurzzeitig, doch schon bald huschte eine Erscheinung durchs alte Industriegemäuer. In rotes Tuch gewandet, mit Halstuch ausgestattet und einer schwarzen Weste, stiefelte in schweren Schuhen Matana Roberts auf die Bühne. Was für ein Anblick! Die Erzeugerin der letztjährigen Großtat "coin coin chapter one: gens de couleur libres" stand tatsächlich vor uns. Allein mit ihrem Alto Sax und aufgeräumt, offenherzig und zugewandt. Ein Ausbund an empathischer Hingabe. Freudige Erregung allenthalben, vorangetrieben durch ihr expressives Spiel, durch ihren Variantenreichtum, durch den ekstatischen Drang. Die Klappen ihres Instruments wurden geradezu geschlagen, ihr Schließen war wohl bis zum Ende des bemessenen Raums zu hören. Das Atmen der Künstlerin und das Blasen in ihr Saxophon wurden eins. Ein Atemzug entstand, aus dem heraus sich die Töne filterten. Klare Noten, gepresstes, Noten, die Hiebe erhielten, andere, die reingewaschen ans Ohr des Hörers gelangten, Noten, Noten, Noten. Auszüge aus dem benannten Album erklangen. Doch vielmehr war sie hier. Unterhielt, sprach an, rezitierte, mahnte und nahm ernst. Die Schnellschüsse, die Aalven schossen geradewegs ins Publikum und erhielten Rückstoss und dankbaren Applaus. Nicht zuletzt sang man gemeinsam den Refrain des Oscar Brown jr. Songs "Bid' Em In". Ein einvernehmliches Gestalten, da wir, wenn es das entsprechende Zeichen gab, sonor brummten und Roberts die Textzeilen sang, das vielfache "bid 'em in! get 'em in!" aber intonierten wir gemeinsam, ein Fest: 

"Bid 'em in! Get 'em in! That sun is hot and plenty bright. Let's get down to business and get home tonight. Bid 'em in! Auctioning slaves is a real high art. Bring that young gal, Roy. She's good for a start. Bid 'em in! Get 'em in! Now here's a real good buy only about 15. Her great grandmammy was a Dahomey queen. Just look at her face, she sure ain't homely. Like Sheba in the Bible, she's black but comely. Bid 'em in! Gonna start her at three. Can I hear three? Step up gents. Take a good look see. Cause I know you'll want her once you've seen her. She's young and ripe. Make a darn good breeder. Bid 'em in! She's good in the fields. She can sew and cook. Strip her down Roy, let the gentlemen look. She's full up front and ample behind. Examine her teeth if you've got a mind. Bid 'em in! Get 'em in! Here's a bid of three from a man who's thrifty. Three twenty five! Can I hear three fifty? Your money ain't earning you much in the banks. Turn her around Roy, let 'em look at her flanks. Bid 'em in! Three fifty's bid. I'm looking for four. At four hundred dollars she's a bargain sure. Four is the bid. Four fifty. Five! Five hundred dollars. Now look alive! Bid 'em in! Get 'em in! Don't mind them tears, that's one of her tricks. Five fifty's bid and who'll say six? She's healthy and strong and well equipped. Make a fine lady's maid when she's properly whipped. Bid 'em in! Six! Six fifty! Don't be slow. Seven is the bid. Gonna let her go. At seven she's going! Going! Gone! Pull her down Roy, bring the next one on. Bid 'em in! Get 'em in! Bid 'em in!"


Dass Matana das deutsche Publikum erkorte, zum besten, dass sie Liebe verteilte mit offenen Händen, dass sie viel zu kurz da war, geschenkt. Sie hielt hier inne, und nur das zählt. Wir haben sie mit allen Sinnen erfahren. Es bleibt kaum noch Platz für Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra. Und doch darf man das kanadische Ensemble keineswegs unter den Tisch fallen lassen. Nicht zuletzt, weil viele Zuschauer wegen ihnen gekommen waren. Und wenn bspw. "13 Blues For Thirteen Moons" erschallte, wusste auch der Letzte, worin die Faszination dieser Band liegt. Die dynamische Wucht, die nach zehrend langem Anlauf aus düsterem Schlagwerkpoltern, flehenden Geigenlauten, angedeuter Bassline, verhaltenem Gitarrenwirken und mahnendem Gesang entstand, pustete den befangensten Hirnkasten frei. Der Blues rollte so gewaltig, dass er sich locker in jeder Ecke der Halle breit gemacht hatte, als die letzte Sekunde schwerfällig verhallte. Doch die Musik ist diffiziler und akzentuierter, als diese Worte belegen wollten. Der Klangfarben sind viele trotz oder wegen des eingeschränkten Instrumentariums. Durchwirkte Kollektivarbeit, mal drohend, dann aufgeräumt und statisch, dann wieder von Efrims hellem Gesang dominiert, in der Violinenkontrolle gefangen, von der Drumsgebärde bedroht. Im Chor erfährt der Trotz Belebung, im Innehalten wächst die Spannung. Die vier arbeiteten sich in Reife und in Konzentration durch ihr Set. Auch eine gerissene Bassseite brachte sie nicht aus dem Konzept. Die Frage nach Fragen ins Publikum blieb leider weitgehend ungenutzt. Denn was sollte der gelockte Sänger schon auf "wo ist deine Jacke?" antworten? oder wie sollte er "warum seid Ihr so gut?" parieren? er antwortete "üben, üben, üben." 

* das Foto von Roberts stammt von Eike Klien, die anderen beiden sind Archivpics von Oliver Peel.


Mittwoch, 1. Februar 2012

Explosions In The Sky & Papier Tigre, Paris, 30.01.12

1 Kommentare

Konzert: Explosions In The Sky & Papier Tigre
Ort: Le Casino de Paris

Datum: 30.01.12
Zuschauer: fast ausverkauft, geschätzte 1200
Konzertdauer. Explosions In The Sky etwa 85 Minuten, Papier Tigre etwa 40 Minuten



Neulich habe ich mein erstes Radioninterview gegeben. Eine der Frage lautete: "Wo geht denn das Publikum besser mit, in Paris oder in Berlin?" Ich antwortete, daß das in etwa gleich sei und in beiden Ländern nicht unbedingt die euphorischsten Zuschauer anzutreffen seien. Ich ergänzte, daß wohl in England am meisten abgeht.

Nach dem Pariser Konzert von Explosion In The Sky (Foto) ist mir noch einmal deutlich geworden, daß ich recht hatte und die Franzosen wirklich oft sehr lahmarschig und hüftsteif sind. Es herrschte nämlich fast durchgängig eine maue, träge Stimmung und dies obwohl die Band aus Texas vorne ihr Allerletztes gab und die Leute mit epischen Gitarren und Schlagzeugsalven geradezu beschoss.



Ein anderer Nachteil bei Pariser Konzerten: sie fangen viel zu früh an! Die Vorgruppe wurde heute wieder deutlich vor 20 Uhr in den Ring geschickt und da verpasste ich fast zwansgsläufig die Hälfte des Sets. Was ich aber noch von Papier Tigre aus Nantes mitbekam, war atemberaubend. Eine beinhart agierende Band, tight wie sau, motiviert bis in die Haarspitzen und angriffslustig wie ein gereizter Bulle. Die drei Heißsporne ließen es wirklich krachen, kredenzten eine groovige Mischung aus Mathrock, Post-Hardcore und Indierock und versohlten mir damit gehörig den verpoppten Hintern. Sie schossen durchgängig aus allen Rohren, beeindruckten aber auch mit vielen Ideen und abrupten Brüchen, so daß das Ganze nie zu vorhersehbar war. Und hinter der rauhen Schale konnte man durchaus eine sanften Kern in Form von schönen Melodiebögen finden.



Die meisten Stücke stammten vom letzten Album The Beginning And End Of Now, aber es gab auch Songs von einem neuen, im April erscheinden Opus. Auf Bandcamp kann man in zahlreiche Werke von Papier Tigre reinhören:




Setlist Papier Tigre, Casino de Paris, Paris

01: Restless Empire
02: Office Hours
03: Afternoons
04: Demand
05: Intelligent Horses
06: Wandering Cage
07: Pricing
08: A Killer Gets Ready
09: I'm Someone Who Dies
10: Home Truth


Um kurz vor neun standen dann die Texaner Explosions In The Sky auf der Bühne. Zur Überraschung Vieler ergriff der äußerst rechts stehende Gitarrist (der hübsche, der mit den braunen Haaren) das Mikro und sagte in einem sehr odentlichen Akzent auf französisch: "Bonsoir Paris, nous sommes Explosions dans le Ciel, enjoy the show."

Explosions dans le Ciel das klang in der Tat noch eine Ecke poetischer als der eigentliche englische Bandname, der aber im Übrigen perfekt gewählt ist, weil er so treffend beschreibt, was man als Hörer empfindet, wenn man dem Funken sprühenden, bunt perlenden instrumentalen Gitarrensound der Amerikaner zuhört.


Und es dauerte auch nicht allzu lange, bis - bildlich gesprochen- die ersten Feuerwerkskörper explodierten- und die Zuschauer in die Galaxie beförderten. Wie erwähnt genossen die Pariser eher still und andächtig und selbst das bei Postrockkonzerten so häufig gesehene energische Kopfschütteln in den wilden Passagen blieb fast komplett aus. Im positiven Falle waren die Leute in eine Art hypnotische Trance verfallen, im negativen langweilten sie sich zu Tode. Letztere Variante war aber eher unwahrscheinlich und selten, obwohl es ein paar Leute gab, die in weniger dichten Phasen anfingen, Mails über ihre Smartphones zu verschicken und ihre Facebook Seite zu checken. Womit wir bereits bei zwei Kritikpunkten wären. Es gab sie in der Tat, die etwas langatmigen, unspektakulären Passagen und ein guter Bekannter äußerte hinterher noch eine andere Beschwerde. Er fand die Stücke nicht hinreichend überraschend konstruiert, meinte, die jeweilige Exlosion der Gitarren sei oft absehbar und einer bestimmten Logik folgend.


Beide Kritikpunkte waren nicht völlig an den Haaren herbeigezogen, vermochten jedoch nichts an der Tatsache zu ändern, daß die positiven, die packenden, die berauschenden Momente deutlich überwogen. Es war erneut beeindruckend, wie leidenschaftlich die Amis zu Werke gingen, Gitarren über Gitarren türmten, dann mal wieder innehielten, nur um kurz später wieder loszupoltern und mit 300 Sachen und einer unbeschreiblich epischen Wucht nach vorne zu galoppieren. Allein das bildschöne, ästhetische und heroisch- kraftvolle Catastrophe and The Cure hätte mir ausgereicht, um von einem guten Abend zu sprechen. Aber es kamen ja noch so viele andere Perlen. Das nachfolgende The Only Moment We Were Alone klang ungemein feierlich und wahnsinnig tröstlich und Be Comfortable, Creature belegte, daß auch das aktuelle album Take Care Take Care Take Care so schlecht nicht sein kann. Greet Death im Anschluß war dann sicherlich das metallischste, aggressivste Stück, das mich ein wenig an Glasgow Mega Snake von Mogwai erinnerte.



Die Hymne überhaupt war aber natürlich The Birth And Death Of Day und wer Phantasie und Vorstellungskraft besaß, konnte sich das wundervolle Naturspektakel der auf- und untergehenden Sonne vor seinem geistigen Auge ins Leben rufen.

Als zehntes und letztes Lied dann noch einmal neues Material und zwar Let Me Back In, das über 10 Minuten lang wohlig prickelte, wunderbar Tempo und Stimmungen wechselte und klar machte, daß es nicht nötig ist, Texte zu singen, um starke Emotionen beim Hörer zu wecken. Ein himmlisches Stück und ein sehr guter Abschluss unter ein gelungenes Konzert. Wären doch bloß die Leute etwas enthousiastischer gewesen! Seltsamerweise wurden sie erst so richtig lebhaft, als es zu spät war. Nicht wissend (Blödmänner!), daß Explosions In The Sky nie Zugaben geben, klatschten sie noch 10 Minuten lang vergeblich rum, um die Gruppe noch einmal auf die Bühne zu bewegen.


Setlist Explosions In The Sky, Casino de Paris, Paris

01: Postcard From 1952
02: Catastrophe And The Cure
03: The Only Moment We Were Alone
04: Be Comfortable Creature
05: Greet Death
06: Six Days At The Bottom Of The Ocean
07: The Birth And Death Of The Day
08: Your Hand In Mine
09: Let Me Back In

Aus unserem Archiv:

Explosions In The Sky, Haldern, 13.08.11
Explosions In The Sky, Barcelona, 27.05.11
Explosions In The Sky, Paris, 20.05.11
Papier Tigre, Paris, 20.11.07



Samstag, 20. August 2011

Explosions In The Sky, Haldern Pop Festival, Rees-Haldern, 13.08.11

2 Kommentare

Konzert: Explosions In The Sky

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals
Datum: 13.08.2011, 0 Uhr 45

Zuschauer: ein paar Leute waren schon gegangen, als es losging...



"Explosions In The Sky are next" hatte Ober-Fleet Foxes Robin Pecknold nach dem Ende der absolut gelungenen Show seiner Band gesagt und dabei einen vielversprechenden Unterton in seiner Stimme gehabt, so als würde die Zuschauer Großes erwarten.

Die Fleet Foxes Fans von Explosions In The Sky? Wirklich? Nun, zumindest haben beide in den zwei letzten Jahren etliche Festivals rund um den Globus gemeinsam bestritten, da ist es kein Wunder, wenn eine Folkband aus Seattle, die für ihre wundervollen Harmoniegesänge bekannt ist, Zugang zum epischen, instrumentalen Gitarrenrock einer Truppe aus Texas bekommt. Musikfans sollten ohnehin offen für alle möglichen Stile sein, sich auf ein Genre festzulegen zeugt von Verbohrtheit und Voreingenommenheit.


Last Known Surroundings from Explosions in the Sky on Vimeo.



Aber wer kann etwas mit Instrumentalmusik anfangen? Meine Frau jedenfalls nicht! Immer wenn ich im Urlaub die neue CD Take Care Take Care Take Care im Auto laufen lassen wollte, meckerte sie: "können wir nicht was anderes hören? irgend etwas mit Gesang?" Überflüsig zu sagen, daß mich diese Nörgeleien nervten. Im Falle von Explosions In The Sky stehe ich nämlich auf dem Standpunkt, daß auch ganz ohne Lyrics alle denkbaren Stimmungen perfekt ausgedrückt werden. Die Palette der Emotionen reicht von Hoffnung über Aufbegehren bis hin zur Euphorie, aber auch Momente des Innehaltens, des Träumens, des Besinnens werden wunderbar vertont. Durch den Wechsel von ruhigen hin zu stürmischen Passagen und das Variieren von Tempo und Lautstärke durchläuft der Hörer ein schaurig-schönes Wechselbad der Gefühle und fühlt sich am Ende überglücklich, schwerelos und unendlich berauscht. Zumindest mir ergeht es so.

Ob die Halderner beim Auftritt der Texaner ähnliche Glücksmomente empfanden, mag ich zumindest bezweifeln. Ein Teil des Publikums schien sich ein wenig zu langweilen, als die monumentalen Gitarrenwände hochgezogen wurden und wuchtigste Schlagzeugsalven abgeschossen wurden. Ihnen fehlte wohl der Zugang zu dieser Art von Musik, die so heroisch, ästhetisch und stolz ist wie keine Zweite. Aber diese Musik hatte kein Gesicht, die Visagen der Bandmitglieder hatte man hinterher schnell wieder vergessen und wenn einem einer der Burschen beim Pizzastand über den Weg gelaufen ist, fiel das sicherlich niemandem auf. Und dies obwohl die Explosionsinthesklyer wesentlich dynamischer, theatralischer und bewegunsgfreudiger ihren Sound darbieten als die enorm hüftsteifen und statischen Kollegen von Mogwai. Besonders cool, war daß der vermeintliche Chef der Band (der rotblonde, vom Haarausfall geplagte Kerl in der Mitte) manchmal sogar Luftgitarre spielte. Ich habe ihn genau beobachtet, manchmal flog seine Hand an den Saiten vorbei, die Aktion diente nur der Unterstreichung der Dramatik, musikalisch hatte sie keine Bedeutung. Aber natürlich wurde auch richtig gespielt. Und wie! Gleich mit drei Gitarren und einem Bass wurde einem die Birne windelweichgeklopft und wenn das Schlagzeug losgaloppierte, donnerte es aus dem Hintergund wie verrückt. Die ganze zuvor aufgebaute Spanung entlud sich in einem Gewitterhagel, den der Niederrhein so nocht nicht erlebt hatte (siehe Video beim Rockpalast), es schepperte und krachte aus allen Ecken und die Protagonisten auf der Bühne schrammelten sich in einen veritablen Rausch. Köpfe flogen, Gitarren wurden in die Luft gerissen und der Schweiß tropfte den modernen Helden in Rinnsälen von der Stirne. Extase pur, zumindest oben auf der Bühne. Unten im Publikum ging es indess gemächlicher zu. Ein heftiges Kopfnicken war das höchste der Gefühle, mehr Enthusiasmus war den Haldenern nicht zu entlocken. Dennoch bin ich überzeugt, daß die Fans keineswegs entäuscht und neue Anhänger hinzugewonnen wurden. So manch einer äußerte sich hinterher euphorisch auf Facebook und wer das epische Konzert gesehen hat, wird die Begeisterung nachvollziehen können.

Bei der Setlist ging es übrigens quer durch den Garten und das neue Album wurde lediglich mit zwei Titeln gewürdigt. Dafür gab es mit Your Hand in Mine einen der schönsten und heroischsten Titel im Katalog der Texaner und mit The Birth And Death Of The Day einen hochmelodischen Hammer luftigster Gitarren, der in der Vergangenheit unzählige Male auf meinem Ipod lief.

Seht euch Explosions in The Sky an, wenn sie in eurer Nähe aufkreuzen und lasst euch verzaubern von Instrumentalmusik, die viel mehr sagt, alsso mancher schwache Singer /Songwriter mit gestelzten Texten!

Achso: die Fahne, die über einer Box hing war natürlich die Fahne von Texas und nicht von Chile, obwohl sie dieser sehr ähnelt.

Setlist Explosions In The Sky, Haldern Pop Festival 2o11:

01: Let Me Back In (Take Care, Take Care, Take Care)
02: Catastrophe And The Cure (All Of A Sudden...)
03: Last Known Surroundings
04: Your Hand In Mine (The Earth is...)
05: The Birth And Death Of The Day (All Of A Sudden I Miss Everyone)
06: Postcard Form 1952 (Take Care...)
07: The Only Moment We Were Alone (The Earth Is Not A Cold Dead Place)



Freitag, 20. Mai 2011

Explosions In The Sky, Paris, 20.05.11

1 Kommentare

Konzert: Explosions In The Sky

Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 20.05.2011
Zuschauer: ausverkauft (aber irgendwie gar nicht übermäßig voll)
Konzertdauer: 80 Minuten


"David Booooooowiiiiiiiiiieeeeeeeee!"

Diesen Reinruf eines französischen Konzertzuschauers gab es schon eine Weile nicht mehr. Dabei gehört er zum Standardrepertoire alberner Witzbolde, genau wie die Forderung :" à poil!" (ausziehen!) oder "Rock 'n Roll!".

Die spinnen die Gallier, müssen sich die Texaner von Explosions In The Sky gedacht haben, zumal der Reinruf ausgerechnet in einem ruhigen Moment erfolgte, wo Konzentration und Stille von Nöten war. Aber dadurch ließen sich die amerikanischen Postrocker nicht aus dem Konzept bringen. Motiviert bis in die Haarspitzen bauten sie sukzessive ihre monumentalen Gitarrenwände auf und ließen ihre Instrumente - ganz ihrem Bandnamen entsprechend - explodieren bis die Schwarte krachte! Ein Orkan fegte in diesen Momenten über die Köpfe der meist männlichen Besucher hinweg und die harten Burschen auf der Bühne untermalten die Dramatik durch wilde, headbangende Gesten und das Hochreißen ihrer "Waffen". Bei dem kurzgeschorenen blonden Typen in der Mitte hatte man gar den Eindruck, er würde seiner weit unten hängenden Gitarre von oben gewaltig die Fresse polieren. Explosions In The Sky entwickelten live genau jenen Bums und jene Dynamik, die man bei den faulen Säcken von Mogwai schmerzlich vermisst. Texas 3 Schottland 0, so in etwa würde das Ergenbnis zwischen den beiden Vertetern der jaulenden Gitarren in punkto Performance ausfallen.

Aber nicht nur der körperliche Einsatz war tadellos, sondern auch die Präzison und Wucht, mit der die Heißsporne die epischen Instrumentalstücke ihrer Platten live interpretierten.

Dabei hatte ich anfänglich schon ein wenig Sorge, daß den Zuschauern erneut ein Noise-Konzert vorenthalten und stattdessen eine laue Ambientshow vorgesetzt würde. Ich vermisste zunächst ganz einfach die Lautstärke. Machen wir uns mal nix vor, bei einer Show ohne Gesang müssen die Instrumente wenigstens so höllisch laut sein, daß man das Gefühl hat, die Ohren seien von einem geistesgestörten Blauwal vergewaltigt worden. Wenn man nicht mit dem Tinnitus seines Lebens die Halle verläßt, ist irgend etwas schiefgelaufen. Diesbezüglich wurden meine Bedürfnisse wenigstens halbwegs befriedigt. Zwar hätte ich es gerne noch 100 Dezibel lauter gehabt, aber auch so piepsen meine Laucherchen beim Tippen dieser Zeilen zumindest ein wenig.

Aber Explosions in The Sky können glücklicherweise nicht nur brachial, sondern auch schön. Und melodisch. Verblüffend wie sie es schafften, mehrere Gitarren gleichzeitig zum Perlen zu bringen und atemberaubende Klanglandschaften zu errichten. Euphorisiert und regelrecht bekifft von diesen elektrischen Ohrorgasmen schrien ein paar Typen rum wie am Spieß. Immer wenn es dramatisch und ekstatisch wurde (also am Ende der Endlosstücke) stießen sie ihre befreienden Jubelschreie aus. Die Mädchen im Publikum waren da wesentlich zurückhaltender. Ihre Art, den epischen Bombastsound zu genießen, war es eher, mit geschlossenen Augen dazustehen und sich berieseln zu lassen.



So ging das Ganze fast 80 kurzweilige Minuten lang, in denen Stücke des neuen Outputs Take Care, Take Care, Take Care aber auch Einiges vom Vorgänger All Of A Sudden I Miss Everyone und zudem jeweils zwei Songs von The Earth Is Not A Cold Dead Place und Those Who Tell The Truth Shall Die, Those Who Tell The Truth Shall Live Forever (2001) zum Klingen gebracht wurden. Eine Zugabe wurde den Zuschauern jedoch enttäuschenderweise vorenthalten. Ohne noch einmal zurückzukommen, verabschiedeten sich die Amis winkenderweise vom Publikum und ließen ihre Texas-Fahne, aber keine Setlist zurück. Dennoch hat sie ein Zuschauer bei setlist. fm zusammengeschustert bekommen:

Setlist Explosiosn In The Sky, Bataclan, Paris (Quelle: setlist.fm)

01: Yasmin The Light
02: Last Known Surroundings
03: Catastrophe And The Cure
04: The Only Moment We Were Alone
05: Postcard From 1952
06: The Birth And Death Of The Day
07: Your Hand In Mine
08: Let Me Back In
09: The Moon Is Down

Konzerttermine Explosions In The Sky, Mai 2011 (ohne Gewähr):

22.05.2011: Fritzclub, Berlin
23.05.2011: Essigfabrik, Köln
24.05.2011: Ancienne Belgique, Brüssel
25.05.2011: Primavera Sound Festival, Barcelona
25.05.2011: Paradiso, Amsterdam

Andere Postrock Konzerte aus unserem Archiv*:

Mogwai, Paris, 17.03.11
Mogwai, Köln, 14.03.11
Mogwai, Cergy Pontois, 05.07.09
Mogwai, Paris, 28.10.08
Mogwai, Paris, 24.08.07
Sigur Rós, Paris, 15.11.08
Sigur Rós, Köln, 11.08.08
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 11.11.08
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 13.04.08
The Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 17.04.07
Red Sparowes, Paris, 16.10.10
Mono, Köln, 12.07.09
Mono, Cergy Pontoise, 05.07.09
Slint, Paris, 24.05.07
Isis, Cergy Pontoise, 05.07.09
Vessels, Paris, 08.05.11
Godspeed You! Black Emperor, Paris, 14.01.11
Saxon Shore, Paris, 12.0.10

* mehr unter dem Tag/Label Postrock



Montag, 9. Mai 2011

Jae & General Bye Bye & Vessels, Paris, 08.05.11

0 Kommentare

Konzert: Jae & General Bye Bye & Vessels

Ort: L'International, Paris
Datum: 08.05.2011
Zuschauer: 150 oder so


Gleich drei sehr ordentliche Konzerte und dies alles gratis, da konnte man wirklich nicht murren!





Und wenn es nach dem britischen NME geht, haben wir in Paris mit den Postrockern von Vessels eine der besten Bands des Jahres 2011 gesehen. Nun, die Schreiberlinge vom NME sind für ihre vollmundigen Kommentare bekannt, aber im Falle von Vessels kann ich die Begeisterung nach dem heutigen Gig im International gut nachvollziehen. Der Fünfer aus Leeds bot nämlich wirklich euphorisierenden, instrumentellen Gitarrenrock voller Eleganz und epischer Kraft und nagelte mich förmlich an die Wand. Seit 2005 elektrisieren Vessels mit diesem Wahnsinnssound, dürfen sich immer wieder über lobhudelende Kommentare in der Presse freuen, haben es aber bisher noch nicht geschafft, sich bei einem größeren Publikum Gehör zu verschaffen. Ob dies mit dem aktuellen Opus Helioscope, dem zweiten Longplayer, anders wird? Fraglich ist das, denn man hat ein wenig den Eindruck, daß etablierte Platzhirsche wie Mogwai, Explosions In The Sky oder Godspeed! You! Black Emperor den fetten, dollargespickten Kuchen alleine mampfen. Sie bespielen die großen Locations und teilen die Knete unter sich auf. Für die anderen beiben da nur ein paar Krümel und ranzige Kellerkonzerte übrig.

Sei's drum, Vessels sind auf jeden Fall eine Wucht. Sie bedienen sich nicht allein klassischer Postrockschemata (langsamer Aufbau, explosives Finale), sondern vermengen auch Elemente des Mathrocks und des Experimental Metal zu einem ungewöhnlichen Gemisch. Und auf der Bühne sind sie richtig agil und dynamisch, also das genaue Gegenteil von Mogwai. Das Pariser Publikum stand drauf und ich denke, auch die Zuschauer in Deutschland werden bei den kommenden Konzerten im Mai ihre helle Freude haben. Klarer Tip!

Empfehlungen kann ich auch für die Franzosen General Bye Bye und die in Oslo lebende Holländerin Jessica Sligter aka Jae aussprechen.

Fangen wir mit Jae an. Weltberühmt geworden ist sie durch eine Oliver Peel Session zu Beginn des Jahres. Aber auch kleinere, unbedeutendere Blogs wie z. B. die Blogothèque (freilich ein Scherz, ich liebe die Blogothekler, sie haben alles in Rollen gebracht!) mögen Jae und haben sie auch bereits gefilmt und gekonnt in Szene gesetzt. (Hier kann man sich das Ganze ansehen).

Dabei ist die Musik von Jessica keine leicht zu konsumierende Kost. Sie spielt keinen seichten Folk Pop à la Anna Ternheim (die ich bekanntlich schätze), sondern baut auch experimentelle Momente und Brüche in ihre sanft-melancholischen Songs mit ein. Begleitet wird sie seit einer Weile von ihrem Gitarristen Viljam, der auch dezent Harmoniegesänge mit beisteuert. Lieblich die Stimme von Jessica, nachdenklich, aber in manchen Phasen auch fest und nachdrücklich. Meist gemächlich das Tempo, als könne sie nichts aus der Ruhe bringen. Aber es gibt auch schnellere, fast fröhliche Stücke wie das famose Jims Place ("Everlasting hope for everlasting love"). Jims Place spielte Jae heute in Paris aber nicht, sie war schon mit ihrem künftigen Album beschäftigt, performte einige noch unveröffentlichte Songs. Auch diese erneut bewußt nicht auf Mainstream getrimmt, sondern teils spröde, aber dennoch verwunschen und zeitlos schön. Etwas irritierend allerdings, daß ihre Stimme so stark verzerrt wurde, so verlor sie ein wenig von ihrer herrlichen Naturreinheit.

Brillant war ihr Song Shots Being Fired, den man auch auf dem wundervollen Video von der Blogothèque genießen kann.

Insgesamt wurden heute acht betörende Stücke gespielt, die mir ob ihrer Komplexität und Eigenständigkeit erneut bewußt machten, welch großes Talent Jae ist. Kein Wunder, daß renommierte Musikmagazine wie Mojo und Uncut jeweils 4 Sterne für das Album Balls & Kittens, Draught & Strangling Rain springen lassen. Mit ihr sollte sich jeder einmal beschäftigen und wenn man schon dabei ist, auch ihrem anderen Projekt namens Sacred Harp Gehör schenken.



Morgen geht es hier mit General Bye Bye weiter. Stay tuned!

Ausgewählte Konzerttermine von Vessels (ohne Gewähr):

10.05.2010: Ziegel Oh Lac, Zürich
11.05.2011: Kulturladen, Konstanz
13.05.2011: Forum Stadtpark, Graz
17.05.2011: Werk II, Leipzig
18.05.2011: Kulturhaus III & 70, Hamburg
19.05.2011: Levee, Berlin
20.05.2011: Ekko, Utrecht
21.05.2011; Botanique, Brüssel (Les Nuits Botaniques)


Aus unserem Archiv:

Jae, Paris, 31.01.11
Jae, Paris, 30.01.11 (Oliver Peel Session mit Jae und General Bye Bye)




Samstag, 15. Januar 2011

Godspeed You! Black Emperor, Paris, 14.01.11

2 Kommentare

Godspeed You! Black Emperor

Ort: La Grande Halle de la Villette, Paris
Datum: 14.01.11
Zuschauer: ausverkauft, 4000!
Konzertdauer: fast 2 1/2 Stunden


Für den 14. Januar hatte ich eigentlich das Konzert von Joanna Newsom im Théatre des Bouffes Du Nord fest eingeplant. Aber daraus wurde nichts, weil die Harfenlady krankheitsbedingt absagen musste. Ich erfuhr davon erst an der Eingangstür des Theaters. Wie ein Depp stand ich da und wusste nicht, was ich mit dem angebrochenen Abend tun sollte. Vernünftig sein und brav nach Hause fahren zu Frau und Kater? Nö, pure Vernunft darf niemals siegen (wer sang das? Heino, oder?). Ich also ab in die Metro Richtung La Villette wo Godspeed You! Black Emperor aufspielen sollten. Gegen 21 Uhr 15 kam ich dort an. Spät, denn das Konzert der wiederformierten Postrock-Legenden hatte bereits begonnen. Dummerweise hatte ich auch keine Karte oder Akkreditierung für den ausverkauften Gig und so hoffte ich, zufälligerweise auf Leute vom Label oder Veranstalter zu treffen, die mich, den stadtbekannten Bloggertitanen Oliver Peel (lol), einschleusen. Vor dem Eingang lungerten aber nur noch Ordner rum, die Sache schien aussichtslos. Da sah ich plötzlich eine junge Frau anstürmen. Ich guckte genauer hin und stellte fest, daß es sich um meine Konzertgängerfreundin Meg handelte. Sie erblickte mich und fragte völlig verdattert: "Ist das Konzert etwa schon aus?" Ich verneinte und ließ durchblicken, daß ich keine Karte hatte. Da grinste sie und öffnete ihre Tasche. Eine ihrer Freundinnen konnte heute abend nicht und so hatte sie ein Ticket zuviel, das sie noch zu verhökern hatte. Ich zahlte ihr den regulären Preis, also 30 Euro. Wir mussten uns nun beeilen, Godspeed ließen es in der Halle ja schon längst krachen.

Drinnen angekommen, stießen wir auf eine riesige Menschenmasse. Angeblich soll die Location 4000 Leute fassen und die standen sich die Füße platt und glotzten auf eine Leinwand, auf die Videos projeziert wurden. Düstere Bilder offenbarten sich meinen fast vierzig Jahre alten Augen. Das schwarze-
weiße Geflimmer erinnerte unter anderem an einen Fluß schwarzen Wassers. Morbide. Die Band konnte ich allerdings von weitem nicht gut sehen, aber mir gelang es, mich Stück für Stück weiter nach vorne zu arbeiten. Aus der Ferne glaubte ich Jessica Moss (A Silver Mount Zion) an der Geige zu erblicken, was mich allerdings sehr verwunderte weil ich doch wußte, daß lediglich Sophie Trudeau als einzige Fiedlerin sowohl bei A Silver Mount Zion als auch bei Godspeed zum Line-Up gehört. Erst als ich ziemlich weit vorne angekommen war, war mir klar, daß dort natürlich Sophie und nicht Jessica agierte. Ihre Geige war ein ganz wichtiges Element innerhalb der sphärischen Soundlandschaften , die von einer siebenköpfigen Band hochgezogen wurden. Ihr klassisches Instrument klang verhallt, verzerrt, irgendwie irreal. Die Töne schwebten durch die riesige Halle und vermengten sich mit den mal kontemplativen, mal brachialen Gitarren und dem sich oft langsam anpirschenden Schlagzeug. Auffällig und ungewohnt die Positionierung der Band auf der Bühne. Niemand stand vorne im Mittelpunkt, sondern die Anordnung der Mitglieder war hufeisenförmig um die turmhohen Marschall-Boxen herum. Eine Hälfte der Musiker performte im Sitzen (darunter Obergodspeed Efrim), die andere Hälfte, so z.B Sophie und Kontrabassist Thierry Amar, im Stehen. Kommunikation mit dem Publikum? Null. Man ließ die wuchtigen instrumentalen Songs und die verstörenden Videos sprechen, das musste genügen. Jeder konnte sich selbst die Message, die hinter den ellenlangen Stücken verbarg, herleiten. Ging es um Gesellschaftskritik? Sicherlich, denn Godspeed sind für ihre anarchistischen und antikapitalistischen Äußerungen bekannt. Aus dem spektakulären Video mit den Flammen konnte man so einiges ableiten. Zunächst sah man auf der großen Leinwand nur zwei kleine Feuerquellen, als hätte jemand sich eine Zigarette mit einem Feuerzeug angezündet. Im Verlaufe aber entwickelten sich diese kleinen Flammen zu einem gewaltigen Inferno, in dem Städte, Industrieanlagen (und Atomkraftwerke?) niederbrannten Alles fackelte lichterloh. Was war das? Die Hölle auf Erden? Der Brand, der unseren Planeten für immer auslöscht?

Zu einem anderen Stück gab es ebenfalls eine fast abstoßend zu nennende Illustrierung. Ein Bagger schaufelte industriellen Unrat meterhoch auf und dies genau unter einer Brücke. Vermutlich ein Bild für die Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt, für die fatalen Folgen der Bauwut für unsere Lebensqualität. Und dann sah man später auch noch einen Mann mit grauem Jacket, der uns den Rücken zukehrend auf einer Bank saß. Sein Gesicht war nicht zu sehen und es war nicht klar, was er tat. Rauchte er? Irgendwie sehr befremdend das Ganze...


Erst gegen 23 Uhr, nach fast 2 1/2 Stunden Spielzeit, verklangen die letzten bizarren Töne und die Band verließ ohne sich groß feiern zu lassen wortlos die Bühne. Zu einer Zugabe kamen die Kanadier nicht mehr zurück. Als Zuschauer war man ziemlich verdutzt und etwas ratlos. Wie war diese Comeback-Konzert nun musikalisch zu bewerten. Ein Hammer? Ein einmaliges, nie dagewesenes Erlebnis? Nicht ganz. Zwar gab es immer wieder mal unglaublich packende Passagen, in der sich die ganze aufgebaute Spannung extatisch entlud und ein Bild von Dramatik Kraft, Erhabenheit, Freiheit und Schönheit im Kopfe hinterließ, aber auch Momente zähen Verweilens, in denen scheinbar nichts passierte. Als Zuschauer war man gefordert, musste sich konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren, wenn minutenlang lediglich düstere sphärische Töne durch die Halle schwebten. Auch Stehvermögen war verlangt, denn fast 150 Minuten lang stand man sich in der Grande Halle de la Villette die Füße platt. Ein paar Leute verließen im Laufe des Konzertes dann auch den vorderen Bereich (weil sie nach Hause wollten, oder weil es ihnen einfach viel zu laut war?), so daß ich immer näher und näher an die Bühne rückte. Dies erlaubte mir auch, die Musiker genauer zu sehen, was aber nicht viel änderte, denn ihre Mimik und Körpersprache gab so gut wie nichts her. Allesamt agierten sie stoisch, auf sich selbst konzentriert und ohne den Blick zum Publikum zu richten. Es war fast wie bei einem klassischen Orchester, obwohl im Falle von Godspeed ein vor der Band agierender Dirigent fehlte. Zwar gilt Efrim als Bandleader , tat aber rein gar nichts, um dies nach außen kundzutun. Die Musiker kannten ihren Part wohl allzu genau (faszinierend, wie merken sich sich das alles?), brauchten niemanden, der sie dirigiert. Als letztes Stück hatten sie BBFIII performt, was Kenner der Band (wozu ich nicht gehöre) als Höhepunkt des Konzertes bezeichneten. Zu Beginn hörte man hier wie auch bei anderen Tracks gesampelte Stimmen von einem Band, es klang nach Kriegsberichterstattung.

Die Fans verhielten sich aber hier und heute nicht kriegerisch, sondern friedlich. Einzig und allein am Merchandisingstand wurde hinterher ein wenig um den besten Platz gekämpft. Immer wieder erstaunlich, welch reißenden Absatz T-Shirts, CDs und Platten vor allem bei solchen Noise-und Postrockkonzerten finden und dies trotz gesalzener Preise von 20 Euro. Dies zum Thema Antikapitalismus. Und die wie im Rausch gekauften CDs hört hinterher meistens doch kein Arsch, weil man die bei den Konzerten erlebten Gefühle mit Musik aus der Konserve nicht reproduzieren kann...

Fotos folgen in Kürze.

Setlist Godspeed You! Black Emperor, Grande Halle de la Villette, Paris:

01: Hope Drone
02: Storm
03: Monheim
04: Albanian
05: Chart # 3
06: World Police And Friendly Fire
07: Dead Metheny
08: Rocket Fall On Rocket Falls
09: BBFIII

- Fotos von dieser Show Konzertfotografenzar Robert Gil, klick!


Artverwandtes aus unserem Archiv

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 11.11.08
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 13.04.08
The Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 17.04.07 (damals nur mit einem e)



Donnerstag, 16. Dezember 2010

Heresy Of The Free Spirit (Jozef van Wissem) & Damon & Naomi & Prim Undermind, Paris, 14.12.10

2 Kommentare

Konzert: Heresy Of The Free Spirit (Jozef van Wissem) & Damon & Naomi & Primordial Undermind
Ort: les Voûtes, Paris

Datum: 14.12.10
Zuschauer: vielleicht 70-80?


Verflucht! Hätte ich mir doch mehr Zeit gelassen, um zu wissen, wo die obskure Location "Les Voûtes" genau liegt. Abgehetzt und wieder recht spät dran, guckte ich nur ganz beiläufig auf einen Auszug von Google maps und sah, daß les Voûtes in der Nähe des Hausbootes Batofar gelegen seien. Ich notierte auch zur Sicherheit die (falsche, aber dennoch im Netz vermerkte!) Adresse 91 Quai Panhard et Levassor. Das würde ich schon finden, zur Not fragen.

Am Seine- Ufer in der Nähe der Bibliothèque François Mitterand angekommen, sah ich aber nur die mir bekannten Hausboote Dames de Canton und Batofar im Wasser schwimmen. Nichts deutete auf eine Undergound Location in der Nachbarschaft hin. Ich erkundigte mich nach "Les Voûtes", aber niemand konnte mir helfen. Die Leute, die im Batofar arbeiteten, schüttelten alle nur ahungslos mit dem Kopf. Seltsam war allerdings, daß sie noch nicht einmal den Quai Panhard et Levassor kannten, denn der lag in der Tat nicht weit entfernt. Man musste nur zurück auf die Uferstraße klettern, um ihn zu erreichen. Das half mir aber nicht viel, denn zunächst lief ich alter Trottel in die falsche Richtung und dann konnte ich partout keine Nummer 91 finden. Es gab sie einfach nicht! Der Quai hörte beiNummer 89 auf!! Meine Nachfrage bei den Leuten in den umliegenden Sushi-Restaurants ergab auch nichts. Les Voutes kannten sie nicht: "Noch nie gehört!" Ich latschte mehrfach die Gegend ab, rauf und wieder runter, ohne Erfolg. Ich fror unglaublich, denn es war eisig kalt in Paris in dieser trostlosen Dezembernacht. Einen Moment lang dachte ich daran, mit der U-Bahn wieder nach Hause zu fahren. Aber so leicht gab ich nicht auf! Ich schaute mir auf der Rückseite einer Bushaltestation einen Plan des Viertels an. Hinter dem letzten Gebäude des Quais war ein Ort eingezeichnet, der auf den mysteriösen Namen "Les Frigos", die Kühlschränke, hörte. Den Namen hatte ich schon einmal im Zusammenhang mit einer sagenumwobenen Underground-Location aufgeschnappt. Veranstaltete dort nicht etwa der Kerl, der auch in dem inzwischen wieder geschlossenen "Le Tunnel" (ich berichte hier von dieser saucoolen Location) Konzertabend organisierte? Ich war mir nicht sicher, aber mein Gespür sagte mir nun, daß Les Voutes irgendwo in der Nähe dieser Frigos liegen müssten. Ich erreichte einen gottverlassenen Autoparkplatz, zu dem ich über ein kleine Treppe gelangte. Meine alten Augen erblickten ein komplett mit Graffitti vollgeschmiertes Jugendzentrum, in dem noch Licht brannte. Ob ich hier richtig war? Menschen standen bei der Kälte keine draußen und der Name Les Voutes war auch nicht markiert. Ich zog frustiert wieder ab, in der Meinung, daß hier wohl auch nicht die gesuchten Konzerte stattfinden würden. Deprimiert kletterte ich die kleine Treppe wieder hoch und sah plötzlich zufällig den Flyer der Veranstaltung an einer Mauer hängen. Moment mal! Dann musste das Ganze doch hier irgendwo sein! Ich schlich zurück zu dem Zentrum und sah plötzlich einen Mann vor der Tür. Etwas verschüchtert fragte ich ihn nach les Voutes und er erklärte mir, daß ich einmal ganz um das Haus rumlatschen müsse, dann würde ich es schon sehen. Ich latschte und öffnete eine Tür, landete aber lediglich in einem großräumigen Café ohne Gäste. Der Wirt schickte mich ein Haus weiter und nun endlich, war ich dort, wo ich seit einer Stunde hinwollte! Nach Bezahlen des Eintrittspreises von 10 Euro gelang ich in einen röhren/tunnelförmigen Backsteinraum, an dessen Ende die Bühne war. Die Besucher saßen auf dem Boden oder auf den bequemen grünen Kinosesseln an der Seite. Ich entschied mich für den Sessel, taute nach der schlimmen Käte draußen schnell wieder auf und blickte nach vorne. Dort spielten gerade Damon und Naomi. Ein erlesenes Dreampop- Duo aus den USA und Gründungsmitglieder der Kultband Galaxie 500. Allerdings war ich hauptsächlich wegen des Lautespielers Jozef van Wissem und seinem Nebenprojekt Heresy Of The Free Spirit (Jozef plus zwei zusätzliche experimentelle Musiker) gekommen. Zu dumm nur, daß er mit seinem Set bereits durch war, weil er als Erster gespielt hatte! Hätte ich mir zu Hause den Plan nur etwas genauer angesehen, hätte ich die Loaction schnell gefunden und wäre pünktlich gekommen. So aber musste ich mit Damon und Naomi vorlieb nehmen. Deren Set war aber zumindest so schön, daß ich halbwegs vertröstet wurde. Ich kannte sie schon von einem früheren Konzert im Mains D'oeuvres und wusste, daß mich sehr langsame, ruhige und äußerst melancholische Musik erwarten würde. Darauf hätten sie 15 Jahre hingearbeitet, meinte dann auch Damon in einer witzigen Szene. "Von Jahr für Jahr versuchen wir langsamer und trauriger zu werden", erkärte er fast stolz und hielt hinterher auch musikalisch Wort. Die Stücke waren in der Tat alle in moll gehalten, schritten im Zeitlupentempo voran und schwebten förmlich durch den röhrenförmigen Raum. Der dreampoppige Charakter wurde noch dadurch unterstrichen, daß Naomi nur in Umrissen zu sehen war. Die Spots waren auschließlich auf Damon gerichtet.

Fragt mich bitte nicht nach Titeln, in dieser Hinsicht bin ich nicht fit. Ich weiß lediglich, daß sie Song To The Siren, ein Tim Buckley Cover gepielt haben. Am Merch gab's ne DVD, was für Romantiker zu Weihnachten, gelle?

Weniger romantisch dann aber Primordial Undermind. Ein kalifornisches, inzwischen in Wien lebendes Trio, das ich vorher nicht kannte, obwohl Wikipedia sagt, daß sie Kritikikerlieblinge und schon seit den späten 1980er Jahren unterwegs seien. Ihr beinharter Psychedelic Rock mit Postrockeinflüssen passte perfekt zur heutigen Underground Location. Instrumentelle Passagen wechselten sich mit Parts ab, bei denen gesungen wurde und auch beim Tempo, dem Grad der Verzerrung der Gitarre und des Basses und der Lautstärke variierten die drei sympathischen Raubeine wunderbar. Nicht selten wurde die Noisekeule geschwungen und die inzwischen nur noch relativ rar gesäten Zuschauer hatten ihre helle Freude an dem knackigen Set. Konsequenz der guten Resonanz beim Publikum war eine Zugabe, die mich fast die letzte U-Bahn verpassen ließ. Nur um Sackhaaresbreite erreichte ich den letzten Zug und tuckerte Richtung Heimat, wohlwissend, daß ich wieder einen guten Konzertabend in einer kultigen Location verbacht hatte. Und den Jozef van Wissem sehe ich dann halt wieder bei seinem nächsten Besuch in Paris!



Sonntag, 17. Oktober 2010

Red Sparowes, Paris, 16.10.10

0 Kommentare

Konzert: Red Sparowes
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 16.10.2010
Zuschauer: gut besuchte, aber nicht ausverkaufte Veranstaltung
Konzertdauer: keine Ahung, ich habe Raum-und Zeitgefühl verloren!


Boah, ey!!! Was für ein Hammer! Musik von einem anderen Stern, zelebriert von einer Postrockband aus Los Angeles namens Red Sparowes . Das war galaktisch, gigantisch, orgasmisch, besser als Sex! Die fünfköpfige Band mit dem süßen Mädel an der Gitarre hat mir die Birne matschig geklopft und beinahe mein Trommelfell gefetzt, aber die Sache war es wirklich wert! An einem Konzertabend an dem noch etliche andere Bands in der Pariser Maroquinerie auftraten ( Monno, Gnaw, Head Of Wantastiquet) war ich lediglich für Red Sparowes angereist. Zuvor hatte ich noch in Ruhe mit meiner Frau zu abend gegessen, bevor ich mir dann dieses himmliche Konzert zum Dessert einverleibt habe. Von Beginn an war ich von den komplexen und atemberaubend schönen Soundlandschaften gefesselt und genoß auch die hypnotisierenden Videos, die auf eine Leinwand projeziert wurden, in vollen Zügen. Man sah prachtvolle Landschaften, die Silhouette einer Großstadt, ein menschliches Auge, Pilze, die durch die Gegend flogen, Sterne, Krater, dürre Zweige, Totenköpfe, die Flut, eine Tageszeitung mit der Schlagzeile "The War On Terror", Explosionen, eine Dollarnote, Affen, Autobahnen bei Nacht, und allerlei anderes anregendes Zeug. Ein Fest für alle Sinne! Am schönsten waren aber natürlich die herrlichen Gitarrenmelodien, das Wechselspiel zwischen kontemplativen und dramatischen, metallischen Phasen und die ungeheure Wucht und Anziehungskraft, die von der spannend arrangierten, rein instrumentalen Musik ausging. Die gutinformierten Fans im Publikum schnalzten mit der Zunge und ließen ihre Köppe energisch vor- und zurückfliegen. Wie immer war der überwiegende Teil der Gäste männlich, aber es ist ja nix Neues, daß die meisten Weiber keine Ahnung von guter, harter Musik haben. Ohnehin scheißegal, denn das Mädchen auf der Bühne, war ja auch recht hübsch. Fast schüchtern zupfte sie an ihrer Gitarre, während die Herren da schon energischer und testosterongeschwängerter zu Sache gingen. Der tätowierte Basser riß sein Instrument immer mal wieder in die Höhe, der Drummer mit der Elvis Presley Tolle kloppte auf sein Fell wie so ein Gestörter und der Ober- Red Sparow sah mit seinen langen Locken schon so ähnlich aus wie Efrim Menuck von A Silver Mount Zion/ Godspeed You! Black Emperor. Leute mit Ahnung klärten mich darüber auf, daß der Bursche auch bei Isis aktiv gewesen war.

Hinsichtlich der gespielten Stücke verweise ich auf die Setlist, ich kannte das Material vorher nicht, ging aber froh und wie ein Honigkuchenpferd grinsend mit der aktuellen CD The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer und einem gewaltigen Tinnitus nach Hause.

Geil, ey, Alter!

Pour nos lecteurs francais:

Wouahh! Quelle claque ce concert des américains Red Sparowes! C'était de la musique venant d'un autre planète! Galactique, gigantesque, orgasmique, mieux que le sexe! Le Quintet de Los Angeles m' a totalement secoué et en passant presque détruit les tympans, mais ça valait le coup. Venant juste pour le set des Red Sparowes (j'avais raté les autres groupes avant) j'ai passé un samedi soir passionnant. Dès le début j'ai été captivé par les paysages sonores complexes et d'une beauté folle et j'ai également beaucoup aimé les projections vidéos. On y voyait de grands espaces hivernaux magnifiques, la silhouette d'une métropole, un oeil humain de près, des champignons flottant dans l'air, des étoiles, cratères, branches mortes, et autres têtes de morts, un journal avec "The War On Terror" en gros titre, des explosions, des dollars, des singes, des autoroutes de nuit et plein d'autres images stimulantes et hypnotisantes. C'était un spectacle qui faisait appel à tous les sens. Mais bien évidemment le plus beau furent ces murs de guitares mélodiques, ces changements de rythmes entre des phases comtemplatives et rêveuses, d'autres plus énervées voire métalliques et la puissance incroyable de cette musique dramatiquement orchestrée.

Le public s'en delecta en faisant le signe typique des concerts post-rock: mouvement rapide de la tête d'avant en arrière. Dommage qu'il n' y ait eu que peu de femmes dans le public, comme souvent malheureusement dans ce type de concert, mais pour compenser il y avait au moins une jolie jeune fille à la guitare sur scène. Elle restait plutôt discrète dans une attitude typiquement shoegaze, tandis que les hommes bougaient leurs corps et leurs cheveux longs dans le rythme. Le batteur était impressionnant aussi, avec sa frappe très lourde et précise. Le chef du groupe (également clavieriste chez Isis) ressemblait drôlement à Efrim, ce qui m'a rappelé que je dois vite me procurer des places pour le grand retour des Godspeed! Mais des groupes comme Red Sparowes prouvent d'une maniere impressionnante qu'il y a pleins de groupes postrock/noise fabuleux! Tout simplement renversant!


Setlist Red Sparowes, La Maroquinerie, Paris:


01: Buildings
02: Avalanche
03: Freeway
04: Elephant
05: LHR
06: Bassong
07: EEL
08: Kelpass
09: Alone
10: Mother


Ausgewählte Konzerttermine von Red Sparowes
(ohne Gewähr):

28.10.2010: Szene, Wien
29.10.2010: Kranhalle/Feierwerk, München
30.10.2010: PMK, Innsbruck
31.10.2010: Jubez, Karlsruhe





 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates