Posts mit dem Label Explosions In The Sky werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Explosions In The Sky werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 28. Oktober 2016

New Fall Festival, Düsseldorf, Tag 1, 27.10.2016

0 Kommentare

Konzert: New Fall Festival
Ort: Düsseldorf
Datum: 27.10.2016


Tag 1 - ohne Worte

Bereits um 18:00 Uhr begann das erste Konzert am Donnerstag. Eine Zeit, in der in Düsseldorf normalerweise die gegenüberliegende Börse gerade erst ihre Halbtagskräfte in die Abendsonne entlässt. Trotzdem füllte sich der Platz vor der mächtigen Johanneskirche bereits früh.

Grandbrothers bespielten das Gotteshaus, und das passte einfach. Die großartig restaurierte Kirche mitten auf dem Martin-Luther-Platz gelegen, wird nach den weiteren Umbauten im Stadtbild einen noch präsenteren Platz erhalten. Weniger Autos und mehr Ruhe könnten dann für das New Fall Festival ein zentraler Anlaufpunkt sein. 

Schon dieses Jahr finden diverse Konzerte hier statt, unter anderem zwei ausverkaufte Abende mit Agnes Obel. 

Grandbrothers jedenfalls machen laut Zeitungen mit viel Text und wenig Bildern "kontemporäre Klaviermusik". Das klingt langweilig und bemüht, und sollte als Bezeichnung für moderne Musik verboten werden. Denn schon der Aufbau, vor dem großen Jesuskreuz ist beeindruckend.

Ein schwarzer, geöffneter Flügel, aus dem gefühlt hunderte Kabel, befestigt mit Krokodilklemmen, herausragen und in ein Wirrwarr aus elektronischen Geräten münden. Unter zwei Stunden Aufbau ist das wohl nicht zu machen. Schon nach wenigen Minuten versuchen Erol Sarp und sein alter Studienkollege aus Düsseldorf (Lucas Vogel), den Prozess zur Erzeugung der Töne zu erläutern, ganz gelingt das nicht.

Egal, die Musik in diesem Raum klingt jedenfalls erhaben und druckvoll. Grandbrothers spielen auch diverse Stücke aus einem noch nicht fertig gestellten, zweiten Album. Ein Bruch entsteht dadurch nicht. Es ist sowieso vielmehr der Sound als solcher, der hier beeindruckt. 

Das Organische des Flügels, neben den verfremdeten Geräuschen des gleichen Instruments aus den Laptops. Ein wirklich interessanter und neuer Ansatz, der hier viel besser zum Ausdruck kommt als auf Platte. Die Musik ist weder zu rhythmisch und beatlastig, noch zu melodisch um zu langweilen. 

Ein toller Start in den Abend, begleitet durch das Lichtspiel der untergehenden Sonne an den bunten Kirchenfenstern. 

Dann schnell weiter zu Düsseldorfs Kunstmeile. Der Robert-Schumann-Saal befindet sich im Komplex des Museum Kunstpalast. Direkter Zugang zum Rhein mit Blick auf die komplette Altstadt machen den Park vor dem Museum schon zu einer Attraktion. 


Im mit Holz vertäfelten, voll bestuhlten Saal, betritt die Vorgruppe von Explosions in the Sky die Bühne. Oft ist es ja der eilig verpflichtete Lokal-Support, (also eine Band aus der Nähe des Ortes, die der Veranstalter dazubucht, um dem ganzen einen Rahmen zu geben) der einem den Musikabend gründlich vermiesen kann, doch das ist hier ganz anders.

Shipwrecks aus Köln, eine wirklich fabulöse Post-Rock Band, hätte wohl keinen besseres Publikum finden können, um diesen Abend zu eröffnen. Melodische Wall of Sounds, perfektes Timing und eine Ausnahmekünstler am Schlagzeug bieten ein durchweg großartiges Set ohne Schwächen. Unbedingt merken.


Explosions in the Sky konnten dann, mit besserem Licht (es gab eine wunderschöne Choreografie aus nur am Boden drehenden LED-Batterien und Nebel) und merklich lauterem und noch druckvollerem Sound, doch noch nachlegen. Allerdings klang das alles sehr professionell und ein wenig zu abgeklärt.

Die Band ist allerdings auch schon seit über einem halben Jahr auf Tour, eventuell war da auch etwas Müdigkeit im Spiel. Trotzdem gab es einen bunten Mix mit Schwerpunkt vom neuen, auf CD ja eher ruhigeren Album. Nach nur ca. 70 Minuten war dann allerdings auch schon ohne weitere Zugabe Schluss. 


Drei Bands ohne "Worte" (Gesang) an einem Abend hatte ich auch noch nie. Geschadet hat es gestern überhaupt nicht. Voller großer Melodien ging es durch den kühlen Nachthimmel zurück nach Hause. New Fall halt.

Setlist: Explosions in the Sky 

01: Wilderness
02: The Birth and Death of the Day
03: Yasmin the Light
04: The Ecstatics
05: First Breath after Coma
06: The only Moment we were alone
07: Catastrophe and the Cure
08: Your Hand in mine
09: Colors in Space
10: Disintegration Anxiety
11: The moon is down. 

Fotos: Explosions in the Sky/Michael Graef


Freitag, 10. Juni 2016

Explosions In The Sky, Barcelona, 01.06.16

0 Kommentare

Konzert: Explosions In The Sky
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 01.06.2016
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: einige tausend



Als Kind hatte ich eine Idee für Wetten Dass??? Ich war überzeugt davon, nur anhand des Geschmacks herauszufinden, aus was für einer Flasche oder Dose Fanta stammen würde, die ich vorgesetzt bekäme. Ich fand meine Wette nicht ganz fair, weil es ja wahnsinnig einfach war, Fanta aus Dosen, 0,2 l, 0,33 l oder 0,5 l Glas-, Plastik- oder den großen Glasflaschen, die es damals noch gab, zu unterscheiden. Weil die Sendung zu eklig und mein Sendungsbewußtsein zu klein waren, habe ich mich aber nie beworben. Im kleineren Rahmen haben wir den Fanta-Test Jahr(zehnt)e später an einem Silvesterabend nachgeholt, als das Flaschen- und Dosenangebot bei weitem nicht mehr so groß wie in der goldenen Fanta-Zeit in den 80ern war, als es noch Kräuter- und vor allem Apfel-Fanta gab (deren Verschwinden ein Verbrechen ist!). Mit nur drei oder vier Fanta-Proben war es natürlich vollkommen unmöglich, die nicht unterscheiden zu können! Trotzdem weiß ich bis heute nicht, ob ich das auch wirklich mit sieben oder acht gleichen Fantas aus unterschiedlichen Quellen gekonnt hätte oder ob Limo aus Dosen nur deshalb nach Dose schmeckt, weil unser Kopf das so erwartet. So wie er bei einer 0,2 l Fanta automatisch diesen Geschmack der Flüssigkeit mit dem abgesetzten Kram in den kleinen Flaschen vorhersieht. Am leckersten war Fanta damals übrigens aus den grünen 0,5 l Flaschen.

   
Mit Explosions In The Sky ist es irgendwie genauso. Ich bin felsenfest davon überzeugt, daß die texanische Band auf dem Primavera-Festival am besten ist. Genau wie Beach House oder The xx. Das sind Bands, die mir in Hallen oder Clubs oder bei anderen Festivals hervorragend gefallen, die aber eben nachts in Barcelona noch drei Nummern besser sind. Auch da kann mein Hirn fantasieren, das glaube ich aber nicht. Die sphärischen Klänge dieser Bands, seien es elektronische (The xx), eine Stimme (Beach House) oder euphorische Gitarren (Explosions In The Sky), passen perfekt zum Primavera-Gelände zwischen den modernen Hochhäusern und dem Meer, zum klaren Himmel, zu den T- und Poloshirts mitten in der Nacht. 


Explosions In The Sky spielten nach den langweiligen Air auf der Hauptbühne. Für den frühen Headliner-Slot wieder einmal eine gewagte oder kreative Ansetzung. Eine Postrockband zur besten Zeit auftreten zu lassen und nicht auf eine der eher nerdigen Bühnen zu verbannen, ist typisch Primavera. Weil sich die Massen schon früh für Tame Impala auf der gegenüberliegenden H&M oder dann nach Explosions In The Sky für LCD Soundsystem an der Heineken-Bühne gesammelt hatten, kamen vermutlich auch viele in den Genuß die Instrumental-Amerikaner zu sehen, ohne sie zu kennen. Denen boten sich ein paar Typen, die mit ihren Gitarren atemberaubende Soundwälle erzeugten, dabei das Tempo variierten wie ein guter Radrennfahrer, der seine Gegner zermürben will. In atemberaubender Schönheit!

Sonderlich komplex ist die Musik der Texaner nicht. Aber trotz der Einfachheit der Melodien ist sie nicht banal und wird erstaunlicherweise niemals langweilig. Bei Air hatte ich noch eine Konzertnachbarin, die ihren Kopf an ihren Freund gelegt hatte und weggenickt war. Die Stücke von Explosions In The Sky sind vermutlich viel zu erhaben, um zum Einschlafen zu ermutigen.

EITS spielten viele Stücke ihres letzten Albums The Wilderness, das im April erschienen ist. Ich kannte es natürlich noch nicht, das war aber auch vollkommen egal. Eigentlich war sogar egal, was für Stücke die Band spielte. Alles wäre toll gewesen! Ein ganz besonderer Knüller war aber das Abschlußstück The only moment we were alone mit seinem irren Ende! 

Fanta trinke ich seit vielen Jahren nur noch in Ausnahmefällen. Explosions In The Sky werde ich auch bei ihrem nächsten Primavera-Auftritt wieder sehen!

Setlist, Explosions In The Sky, Primavera Festival:

01: Wilderness
02: The birth and death of the day
03: The ecstatics
04: Catastrophe and the cure
05: Colors in space
06: Your hand in mine
07: Disintegration anxiety
08: The only moment we were alone


Links:

- aus unserem Archiv: 
- Explosions In The Sky, Paris, 30.01.12
- Explosions In The Sky, Haldern, 13.08.11
- Explosions In The Sky, Barcelona, 27.05.11
- Explosions In The Sky, Paris, 20.05.11




Mittwoch, 1. Februar 2012

Explosions In The Sky & Papier Tigre, Paris, 30.01.12

1 Kommentare

Konzert: Explosions In The Sky & Papier Tigre
Ort: Le Casino de Paris

Datum: 30.01.12
Zuschauer: fast ausverkauft, geschätzte 1200
Konzertdauer. Explosions In The Sky etwa 85 Minuten, Papier Tigre etwa 40 Minuten



Neulich habe ich mein erstes Radioninterview gegeben. Eine der Frage lautete: "Wo geht denn das Publikum besser mit, in Paris oder in Berlin?" Ich antwortete, daß das in etwa gleich sei und in beiden Ländern nicht unbedingt die euphorischsten Zuschauer anzutreffen seien. Ich ergänzte, daß wohl in England am meisten abgeht.

Nach dem Pariser Konzert von Explosion In The Sky (Foto) ist mir noch einmal deutlich geworden, daß ich recht hatte und die Franzosen wirklich oft sehr lahmarschig und hüftsteif sind. Es herrschte nämlich fast durchgängig eine maue, träge Stimmung und dies obwohl die Band aus Texas vorne ihr Allerletztes gab und die Leute mit epischen Gitarren und Schlagzeugsalven geradezu beschoss.



Ein anderer Nachteil bei Pariser Konzerten: sie fangen viel zu früh an! Die Vorgruppe wurde heute wieder deutlich vor 20 Uhr in den Ring geschickt und da verpasste ich fast zwansgsläufig die Hälfte des Sets. Was ich aber noch von Papier Tigre aus Nantes mitbekam, war atemberaubend. Eine beinhart agierende Band, tight wie sau, motiviert bis in die Haarspitzen und angriffslustig wie ein gereizter Bulle. Die drei Heißsporne ließen es wirklich krachen, kredenzten eine groovige Mischung aus Mathrock, Post-Hardcore und Indierock und versohlten mir damit gehörig den verpoppten Hintern. Sie schossen durchgängig aus allen Rohren, beeindruckten aber auch mit vielen Ideen und abrupten Brüchen, so daß das Ganze nie zu vorhersehbar war. Und hinter der rauhen Schale konnte man durchaus eine sanften Kern in Form von schönen Melodiebögen finden.



Die meisten Stücke stammten vom letzten Album The Beginning And End Of Now, aber es gab auch Songs von einem neuen, im April erscheinden Opus. Auf Bandcamp kann man in zahlreiche Werke von Papier Tigre reinhören:




Setlist Papier Tigre, Casino de Paris, Paris

01: Restless Empire
02: Office Hours
03: Afternoons
04: Demand
05: Intelligent Horses
06: Wandering Cage
07: Pricing
08: A Killer Gets Ready
09: I'm Someone Who Dies
10: Home Truth


Um kurz vor neun standen dann die Texaner Explosions In The Sky auf der Bühne. Zur Überraschung Vieler ergriff der äußerst rechts stehende Gitarrist (der hübsche, der mit den braunen Haaren) das Mikro und sagte in einem sehr odentlichen Akzent auf französisch: "Bonsoir Paris, nous sommes Explosions dans le Ciel, enjoy the show."

Explosions dans le Ciel das klang in der Tat noch eine Ecke poetischer als der eigentliche englische Bandname, der aber im Übrigen perfekt gewählt ist, weil er so treffend beschreibt, was man als Hörer empfindet, wenn man dem Funken sprühenden, bunt perlenden instrumentalen Gitarrensound der Amerikaner zuhört.


Und es dauerte auch nicht allzu lange, bis - bildlich gesprochen- die ersten Feuerwerkskörper explodierten- und die Zuschauer in die Galaxie beförderten. Wie erwähnt genossen die Pariser eher still und andächtig und selbst das bei Postrockkonzerten so häufig gesehene energische Kopfschütteln in den wilden Passagen blieb fast komplett aus. Im positiven Falle waren die Leute in eine Art hypnotische Trance verfallen, im negativen langweilten sie sich zu Tode. Letztere Variante war aber eher unwahrscheinlich und selten, obwohl es ein paar Leute gab, die in weniger dichten Phasen anfingen, Mails über ihre Smartphones zu verschicken und ihre Facebook Seite zu checken. Womit wir bereits bei zwei Kritikpunkten wären. Es gab sie in der Tat, die etwas langatmigen, unspektakulären Passagen und ein guter Bekannter äußerte hinterher noch eine andere Beschwerde. Er fand die Stücke nicht hinreichend überraschend konstruiert, meinte, die jeweilige Exlosion der Gitarren sei oft absehbar und einer bestimmten Logik folgend.


Beide Kritikpunkte waren nicht völlig an den Haaren herbeigezogen, vermochten jedoch nichts an der Tatsache zu ändern, daß die positiven, die packenden, die berauschenden Momente deutlich überwogen. Es war erneut beeindruckend, wie leidenschaftlich die Amis zu Werke gingen, Gitarren über Gitarren türmten, dann mal wieder innehielten, nur um kurz später wieder loszupoltern und mit 300 Sachen und einer unbeschreiblich epischen Wucht nach vorne zu galoppieren. Allein das bildschöne, ästhetische und heroisch- kraftvolle Catastrophe and The Cure hätte mir ausgereicht, um von einem guten Abend zu sprechen. Aber es kamen ja noch so viele andere Perlen. Das nachfolgende The Only Moment We Were Alone klang ungemein feierlich und wahnsinnig tröstlich und Be Comfortable, Creature belegte, daß auch das aktuelle album Take Care Take Care Take Care so schlecht nicht sein kann. Greet Death im Anschluß war dann sicherlich das metallischste, aggressivste Stück, das mich ein wenig an Glasgow Mega Snake von Mogwai erinnerte.



Die Hymne überhaupt war aber natürlich The Birth And Death Of Day und wer Phantasie und Vorstellungskraft besaß, konnte sich das wundervolle Naturspektakel der auf- und untergehenden Sonne vor seinem geistigen Auge ins Leben rufen.

Als zehntes und letztes Lied dann noch einmal neues Material und zwar Let Me Back In, das über 10 Minuten lang wohlig prickelte, wunderbar Tempo und Stimmungen wechselte und klar machte, daß es nicht nötig ist, Texte zu singen, um starke Emotionen beim Hörer zu wecken. Ein himmlisches Stück und ein sehr guter Abschluss unter ein gelungenes Konzert. Wären doch bloß die Leute etwas enthousiastischer gewesen! Seltsamerweise wurden sie erst so richtig lebhaft, als es zu spät war. Nicht wissend (Blödmänner!), daß Explosions In The Sky nie Zugaben geben, klatschten sie noch 10 Minuten lang vergeblich rum, um die Gruppe noch einmal auf die Bühne zu bewegen.


Setlist Explosions In The Sky, Casino de Paris, Paris

01: Postcard From 1952
02: Catastrophe And The Cure
03: The Only Moment We Were Alone
04: Be Comfortable Creature
05: Greet Death
06: Six Days At The Bottom Of The Ocean
07: The Birth And Death Of The Day
08: Your Hand In Mine
09: Let Me Back In

Aus unserem Archiv:

Explosions In The Sky, Haldern, 13.08.11
Explosions In The Sky, Barcelona, 27.05.11
Explosions In The Sky, Paris, 20.05.11
Papier Tigre, Paris, 20.11.07



Samstag, 20. August 2011

Explosions In The Sky, Haldern Pop Festival, Rees-Haldern, 13.08.11

2 Kommentare

Konzert: Explosions In The Sky

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals
Datum: 13.08.2011, 0 Uhr 45

Zuschauer: ein paar Leute waren schon gegangen, als es losging...



"Explosions In The Sky are next" hatte Ober-Fleet Foxes Robin Pecknold nach dem Ende der absolut gelungenen Show seiner Band gesagt und dabei einen vielversprechenden Unterton in seiner Stimme gehabt, so als würde die Zuschauer Großes erwarten.

Die Fleet Foxes Fans von Explosions In The Sky? Wirklich? Nun, zumindest haben beide in den zwei letzten Jahren etliche Festivals rund um den Globus gemeinsam bestritten, da ist es kein Wunder, wenn eine Folkband aus Seattle, die für ihre wundervollen Harmoniegesänge bekannt ist, Zugang zum epischen, instrumentalen Gitarrenrock einer Truppe aus Texas bekommt. Musikfans sollten ohnehin offen für alle möglichen Stile sein, sich auf ein Genre festzulegen zeugt von Verbohrtheit und Voreingenommenheit.


Last Known Surroundings from Explosions in the Sky on Vimeo.



Aber wer kann etwas mit Instrumentalmusik anfangen? Meine Frau jedenfalls nicht! Immer wenn ich im Urlaub die neue CD Take Care Take Care Take Care im Auto laufen lassen wollte, meckerte sie: "können wir nicht was anderes hören? irgend etwas mit Gesang?" Überflüsig zu sagen, daß mich diese Nörgeleien nervten. Im Falle von Explosions In The Sky stehe ich nämlich auf dem Standpunkt, daß auch ganz ohne Lyrics alle denkbaren Stimmungen perfekt ausgedrückt werden. Die Palette der Emotionen reicht von Hoffnung über Aufbegehren bis hin zur Euphorie, aber auch Momente des Innehaltens, des Träumens, des Besinnens werden wunderbar vertont. Durch den Wechsel von ruhigen hin zu stürmischen Passagen und das Variieren von Tempo und Lautstärke durchläuft der Hörer ein schaurig-schönes Wechselbad der Gefühle und fühlt sich am Ende überglücklich, schwerelos und unendlich berauscht. Zumindest mir ergeht es so.

Ob die Halderner beim Auftritt der Texaner ähnliche Glücksmomente empfanden, mag ich zumindest bezweifeln. Ein Teil des Publikums schien sich ein wenig zu langweilen, als die monumentalen Gitarrenwände hochgezogen wurden und wuchtigste Schlagzeugsalven abgeschossen wurden. Ihnen fehlte wohl der Zugang zu dieser Art von Musik, die so heroisch, ästhetisch und stolz ist wie keine Zweite. Aber diese Musik hatte kein Gesicht, die Visagen der Bandmitglieder hatte man hinterher schnell wieder vergessen und wenn einem einer der Burschen beim Pizzastand über den Weg gelaufen ist, fiel das sicherlich niemandem auf. Und dies obwohl die Explosionsinthesklyer wesentlich dynamischer, theatralischer und bewegunsgfreudiger ihren Sound darbieten als die enorm hüftsteifen und statischen Kollegen von Mogwai. Besonders cool, war daß der vermeintliche Chef der Band (der rotblonde, vom Haarausfall geplagte Kerl in der Mitte) manchmal sogar Luftgitarre spielte. Ich habe ihn genau beobachtet, manchmal flog seine Hand an den Saiten vorbei, die Aktion diente nur der Unterstreichung der Dramatik, musikalisch hatte sie keine Bedeutung. Aber natürlich wurde auch richtig gespielt. Und wie! Gleich mit drei Gitarren und einem Bass wurde einem die Birne windelweichgeklopft und wenn das Schlagzeug losgaloppierte, donnerte es aus dem Hintergund wie verrückt. Die ganze zuvor aufgebaute Spanung entlud sich in einem Gewitterhagel, den der Niederrhein so nocht nicht erlebt hatte (siehe Video beim Rockpalast), es schepperte und krachte aus allen Ecken und die Protagonisten auf der Bühne schrammelten sich in einen veritablen Rausch. Köpfe flogen, Gitarren wurden in die Luft gerissen und der Schweiß tropfte den modernen Helden in Rinnsälen von der Stirne. Extase pur, zumindest oben auf der Bühne. Unten im Publikum ging es indess gemächlicher zu. Ein heftiges Kopfnicken war das höchste der Gefühle, mehr Enthusiasmus war den Haldenern nicht zu entlocken. Dennoch bin ich überzeugt, daß die Fans keineswegs entäuscht und neue Anhänger hinzugewonnen wurden. So manch einer äußerte sich hinterher euphorisch auf Facebook und wer das epische Konzert gesehen hat, wird die Begeisterung nachvollziehen können.

Bei der Setlist ging es übrigens quer durch den Garten und das neue Album wurde lediglich mit zwei Titeln gewürdigt. Dafür gab es mit Your Hand in Mine einen der schönsten und heroischsten Titel im Katalog der Texaner und mit The Birth And Death Of The Day einen hochmelodischen Hammer luftigster Gitarren, der in der Vergangenheit unzählige Male auf meinem Ipod lief.

Seht euch Explosions in The Sky an, wenn sie in eurer Nähe aufkreuzen und lasst euch verzaubern von Instrumentalmusik, die viel mehr sagt, alsso mancher schwache Singer /Songwriter mit gestelzten Texten!

Achso: die Fahne, die über einer Box hing war natürlich die Fahne von Texas und nicht von Chile, obwohl sie dieser sehr ähnelt.

Setlist Explosions In The Sky, Haldern Pop Festival 2o11:

01: Let Me Back In (Take Care, Take Care, Take Care)
02: Catastrophe And The Cure (All Of A Sudden...)
03: Last Known Surroundings
04: Your Hand In Mine (The Earth is...)
05: The Birth And Death Of The Day (All Of A Sudden I Miss Everyone)
06: Postcard Form 1952 (Take Care...)
07: The Only Moment We Were Alone (The Earth Is Not A Cold Dead Place)



Donnerstag, 2. Juni 2011

Explosions in the sky, Barcelona, 27.05.11

2 Kommentare
Konzerte: Explosions in the sky
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 27.05.2011
Zuschauer: zwei Drittel voll?
Dauer: 50 Minuten

Deerhunter vs. Explosions in the sky - das nenn ich Brutalität (frei nach Helmut Qualtinger)! Was tun, wenn zwei tolle Bands gegeneinander spielen, man beide noch nie gesehen hat? Eine gute Frage, die ich mir im Vorfeld des Festivals einige Tage lang gestellt hatte, am Ende entschied ich mich für das Post-Rock-Quartett aus Texas. Nicht, weil der Weg von Belle & Sebastian zu Deerhunter ungleich weiter gewesen wäre, sondern einfach weil ich schon gefühlte Ewigkeiten auf Explosions in the sky gewartet habe und vor allem weil ich endlich mal Your hand in mine live hören wollte.

Nachdem auch Kollege Christoph sich das nicht entgehen lassen wollte, war die steil ansteigende Stufentribüne vor der Ray Ban-Stage hochkarätig besetzt, der Zuschauerraum zwischen Tribüne und Bühne zu etwa zwei Drittel gefüllt. Ziemlich schade übrigens, dass dieses Jahr so wenig Interessantes auf der Ray Ban zu finden war, letztes Jahr war auf dieser schönen Bühne wesentlich mehr zu sehen gewesen.

Wenn mans genau nimmt waren Explosions in the sky sogar die einzige Band, die ich dort sah, und ausgezahlt hat sich das auf jeden Fall, wenn auch mehr drinnen gewesen wäre. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes, denn nach etwa 50 Minuten war Schluss (der Sänger sagte irgendwas auf Spanisch, vermutlich, dass man früher aufhöre, damit alle die Chance auf
Pulp hätten).

Bis dahin aber entsprach das Konzert meinen Erwartungen, träumerische Ambientmelodien und krachend-noisiger Post-Rock trafen hier aufeinander, alles mit unglaublicher Präzision vorgetragen und bei einem für Festivalverhältnisse Spitzensound (vermutlich sind Instrumental-Bands aber eh dankbare Aufgaben für Tontechniker?).

Den Anfang machte ein Klassiker,
The only moment we were alone und irgendwie hatte dieses Konzert wirklich etwas Heimeliges, Wärmendes. Zugegeben verfalle ich Ambient-Musik und schwelgerischem Instrumental-Sound sehr leicht, dieses bewusste Raumlassen für die eigenen Gedanken kommt mir einfach sehr entgegen. Dennoch bzw. gerade deshalb war das überdurchschnittlich stark, was die Texaner da in den lauen Barcelonaer Himmel schickten.

Ein neuer Song folgte, abwechselnd wurden jetzt Neuheiten und Klassiker gespielt. Dass man dabei wenig Unterschied im qualitativen Format ausmachen kann, zeichnet Explosions in the sky nun mal aus, wenn auch
Catastrophe and the cure ganz zweifellos das Highlight darstellte.

Hier wurde es auch richtig laut, ganz wie Oliver fordert: "Die Ohren müssen schmerzen wie von einem geistesgestörten Blauwal vergewaltigt!" Allerdings brauche ich Lärm nicht über die gesamte Länge, gerade das entscheidende Spiel zwischen Laut und Leise ginge dabei verloren. Wäre aber immer noch besser als das eierlose Geflüster, das die Soundmenschen am Tag darauf Mogwai angedeihen ließen. Bitte, gehts noch? Analog zu Oliver: Wer nach Mogwai nicht mit dem Tinnitus seines Lebens heimgeht, war wohl am Klo. Oder am Primavera! Aber Genaueres dazu folgt an anderer Stelle.

Mit
Let me back in, dem Schlusssong des neuen Albums, endete auch das Set am Mittelmeer, ein phasenweise wirklich sehr starkes Konzert mit tollen und auch das Publikum verzaubernden Momenten (auch wenn auf den Stufen einige ihr wohlverdientes Mitternachtsschläfchen hielten), aber leider zu kurz (Deerhunter haben parallel dazu eineinhalb Stunden gespielt!) und ohne Your hand in mine. Großer, großer Kritikpunkt! Aber auch ein Grund mehr, sich beim nächsten Mal wieder für den Krach im Himmel zu entscheiden. Leider in nächster Zeit nur mehr in the US of A zu sehen, dafür mit den großartigen Antlers...

Setlist Explosion in the sky, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: The only moment we were alone
02: Last known surroundings
03: Catastrophe and the cure
04: Postcard from 1952
05: The Birth and the day
06: Let me back in

Aus unserem Archiv:
Explosions in the sky, Paris, 20.05.11

Die Bilder stammen von Tiago Macedo. ¡Muchas gracias!

Freitag, 20. Mai 2011

Explosions In The Sky, Paris, 20.05.11

1 Kommentare

Konzert: Explosions In The Sky

Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 20.05.2011
Zuschauer: ausverkauft (aber irgendwie gar nicht übermäßig voll)
Konzertdauer: 80 Minuten


"David Booooooowiiiiiiiiiieeeeeeeee!"

Diesen Reinruf eines französischen Konzertzuschauers gab es schon eine Weile nicht mehr. Dabei gehört er zum Standardrepertoire alberner Witzbolde, genau wie die Forderung :" à poil!" (ausziehen!) oder "Rock 'n Roll!".

Die spinnen die Gallier, müssen sich die Texaner von Explosions In The Sky gedacht haben, zumal der Reinruf ausgerechnet in einem ruhigen Moment erfolgte, wo Konzentration und Stille von Nöten war. Aber dadurch ließen sich die amerikanischen Postrocker nicht aus dem Konzept bringen. Motiviert bis in die Haarspitzen bauten sie sukzessive ihre monumentalen Gitarrenwände auf und ließen ihre Instrumente - ganz ihrem Bandnamen entsprechend - explodieren bis die Schwarte krachte! Ein Orkan fegte in diesen Momenten über die Köpfe der meist männlichen Besucher hinweg und die harten Burschen auf der Bühne untermalten die Dramatik durch wilde, headbangende Gesten und das Hochreißen ihrer "Waffen". Bei dem kurzgeschorenen blonden Typen in der Mitte hatte man gar den Eindruck, er würde seiner weit unten hängenden Gitarre von oben gewaltig die Fresse polieren. Explosions In The Sky entwickelten live genau jenen Bums und jene Dynamik, die man bei den faulen Säcken von Mogwai schmerzlich vermisst. Texas 3 Schottland 0, so in etwa würde das Ergenbnis zwischen den beiden Vertetern der jaulenden Gitarren in punkto Performance ausfallen.

Aber nicht nur der körperliche Einsatz war tadellos, sondern auch die Präzison und Wucht, mit der die Heißsporne die epischen Instrumentalstücke ihrer Platten live interpretierten.

Dabei hatte ich anfänglich schon ein wenig Sorge, daß den Zuschauern erneut ein Noise-Konzert vorenthalten und stattdessen eine laue Ambientshow vorgesetzt würde. Ich vermisste zunächst ganz einfach die Lautstärke. Machen wir uns mal nix vor, bei einer Show ohne Gesang müssen die Instrumente wenigstens so höllisch laut sein, daß man das Gefühl hat, die Ohren seien von einem geistesgestörten Blauwal vergewaltigt worden. Wenn man nicht mit dem Tinnitus seines Lebens die Halle verläßt, ist irgend etwas schiefgelaufen. Diesbezüglich wurden meine Bedürfnisse wenigstens halbwegs befriedigt. Zwar hätte ich es gerne noch 100 Dezibel lauter gehabt, aber auch so piepsen meine Laucherchen beim Tippen dieser Zeilen zumindest ein wenig.

Aber Explosions in The Sky können glücklicherweise nicht nur brachial, sondern auch schön. Und melodisch. Verblüffend wie sie es schafften, mehrere Gitarren gleichzeitig zum Perlen zu bringen und atemberaubende Klanglandschaften zu errichten. Euphorisiert und regelrecht bekifft von diesen elektrischen Ohrorgasmen schrien ein paar Typen rum wie am Spieß. Immer wenn es dramatisch und ekstatisch wurde (also am Ende der Endlosstücke) stießen sie ihre befreienden Jubelschreie aus. Die Mädchen im Publikum waren da wesentlich zurückhaltender. Ihre Art, den epischen Bombastsound zu genießen, war es eher, mit geschlossenen Augen dazustehen und sich berieseln zu lassen.



So ging das Ganze fast 80 kurzweilige Minuten lang, in denen Stücke des neuen Outputs Take Care, Take Care, Take Care aber auch Einiges vom Vorgänger All Of A Sudden I Miss Everyone und zudem jeweils zwei Songs von The Earth Is Not A Cold Dead Place und Those Who Tell The Truth Shall Die, Those Who Tell The Truth Shall Live Forever (2001) zum Klingen gebracht wurden. Eine Zugabe wurde den Zuschauern jedoch enttäuschenderweise vorenthalten. Ohne noch einmal zurückzukommen, verabschiedeten sich die Amis winkenderweise vom Publikum und ließen ihre Texas-Fahne, aber keine Setlist zurück. Dennoch hat sie ein Zuschauer bei setlist. fm zusammengeschustert bekommen:

Setlist Explosiosn In The Sky, Bataclan, Paris (Quelle: setlist.fm)

01: Yasmin The Light
02: Last Known Surroundings
03: Catastrophe And The Cure
04: The Only Moment We Were Alone
05: Postcard From 1952
06: The Birth And Death Of The Day
07: Your Hand In Mine
08: Let Me Back In
09: The Moon Is Down

Konzerttermine Explosions In The Sky, Mai 2011 (ohne Gewähr):

22.05.2011: Fritzclub, Berlin
23.05.2011: Essigfabrik, Köln
24.05.2011: Ancienne Belgique, Brüssel
25.05.2011: Primavera Sound Festival, Barcelona
25.05.2011: Paradiso, Amsterdam

Andere Postrock Konzerte aus unserem Archiv*:

Mogwai, Paris, 17.03.11
Mogwai, Köln, 14.03.11
Mogwai, Cergy Pontois, 05.07.09
Mogwai, Paris, 28.10.08
Mogwai, Paris, 24.08.07
Sigur Rós, Paris, 15.11.08
Sigur Rós, Köln, 11.08.08
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 11.11.08
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 13.04.08
The Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 17.04.07
Red Sparowes, Paris, 16.10.10
Mono, Köln, 12.07.09
Mono, Cergy Pontoise, 05.07.09
Slint, Paris, 24.05.07
Isis, Cergy Pontoise, 05.07.09
Vessels, Paris, 08.05.11
Godspeed You! Black Emperor, Paris, 14.01.11
Saxon Shore, Paris, 12.0.10

* mehr unter dem Tag/Label Postrock



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates