Dienstag, 15. März 2011

Mogwai, Köln, 14.03.11


Konzert: Mogwai
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 14.03.2011
Zuschauer: deutlich mehr als erwartet, aber nicht ganz ausverkauft
Dauer: Mogwai 90 min, RM Hubbert lange 40 min


Wahnsinnig viel Lust auf dieses Konzert hatte ich nicht mehr, ich war nämlich beleidigt, daß Mogwai vom zunächst angesetzten Bürgerhaus Stollwerck in die immer weniger gemochte Live Music Hall verlegt worden waren. Und das nicht etwa, weil das (schöne) Stollwerck ausverkauft gewesen wäre, die LMH wurde einfach frei, denn Beady Eye wurden (Überraschung!) zu groß für die und zogen ins Ewerk. Als dann noch das Angebot kam, Efterklang stattdessen zu sehen, war ich fast so weit. Am Ende siegte aber die Neugier auf mein erstes Mogwai Konzert, und auf die Frage, ob es mir leichter fiele als meinem Blogger-Kollegen Oliver, nach dem Konzert einzuschätzen, wie Mogwai sich live geschlagen haben.

Komplizierter Satz - einfache Antwort: nein, das fällt mir nicht leicht.

Ich weiche dem aber zunächst noch etwas aus. Als wir in der Halle ankamen, war sie schon voller als gedacht und befürchtet. Wir fanden trotzdem weit vorne noch Platz, genau rechtzeitig, um das Vorprogramm von Beginn an zu erleben. RM Hubbert, ein Gitarrist aus Glasgow, setzte sich auf einen Stuhl und begann, instrumentale Akustikgitarrestücke zu spielen. Die Lieder klangen sehr spanisch, RM klopfte immer wieder auf sein Instrument, zupfte zum Teil atemberaubend schnell und wäre in jedem Flamenco- oder Salsa-Laden begeistert aufgenommen worden. Ich mache mir nichts aus spanischer Gitarrenmusik und langweilte mich wahnsinnig. Einzig mein Wunsch, nicht nach jedem Lied Olé zu brüllen, hielt mich wach. RM redete viel in wunderbaren schottischen Singsang, er erzählte oft, um was es in den Liedern gehe (da fehlt mir bei Instrumentalstücken leider die Phantasie - die sind schön oder nicht schön, die handeln aber von nichts). Mal erzählte er stumm von seinem Hund, mal arbeitete er in einem Lied den frühen Tod seiner Eltern auf. Das wirkte zwischen den Liedern sympathisch, manchmal rührend (wenn er zum Beispiel erklärte, daß das Publikum eigentlich sein Therapeut sei, er als Schotte diese günstige Art der Therapie liebe). Aber es war leider zwischen den Ansagen so unendlich langweilig und unpassend.

Es wurde zehn nach zehn, bis Mogwai schließlich auf die Bühne gingen. Die Schotten haben bekanntlich vor ein paar Wochen ihr neues Album mit dem tollen Titel Hardcore will never die, but you will veröffentlich und dafür gute Noten geerntet.

Mit dessen Opener White noise begann der Abend. White noise ist recht schnell und enorm melodisch und damit nicht untypisch für die Stücke des neuen Albums. How to be a werewolf ist weiteres gutes Beispiel für die flotten Mogwai Melodien auf Hardcore will never die... Oder San Pedro, das durchaus auch von den Thermals stammen könnte (die machen ja mittlerweile auch solche Balladen). Die drei gefielen mir von den neuen Stücken gestern am besten - bis gegen Ende You're Lionel Ritchie noch einmal richtig punktete.

Mogwai spielten vom neuen Album immerhin sieben Titel. Der Rest des Programms wurde mit Stücken aller früheren Platten mit Ausnahme des Debüts bestritten.

Live sehen Mogwai wie die meisten anderen Postrockbands
aus: mehr oder weniger zappelnde Gitarristen, manchmal auf dem Boden hockend und an den Effekten spielend, mehr passiert nicht. Von einer Bühnenshow zu sprechen, ist also verwegen. Abwechslungen bestanden ausschließlich darin, daß mal mehr (maximal drei) und mal weniger (einer) Gitarristen spielten. Oder ab und zu eine Geige eingesetzt wird. Man kann ein Mogwai Konzert also sicher auch mit geschlossenen Augen oder mit einem guten Buch, in der Ecke sitzend genießen, ohne zu viel zu versäumen; präsent wäre die Musik alleine schon wegen ihrer meist infernalischen Lautstärke.

So viel zur Beschreibung.

Auch wenn ich mit dieser Meinung vermutlich sehr alleine stehe und ordentlich Gegenwind bekomme, restlos überzeugt hat mich der Abend nicht. Und damit meine ich natürlich nicht die kleinen Pannen, die Verspieler, das verpatzte Ende eines Stücks oder die Probleme, die zum schnellen Abbruch der ersten Zugabe Auto rock geführt haben. Das ist alles vollkommen in Ordnung. Was mir fehlte, besonders im Vergleich zu den japanischen Mono, war das Gefühl, von dieser lauten Instrumentalmusik vollkommen gefesselt zu werden, begeistert und mit offenem Mund am Rand zu stehen. Ob es nur an der Halle, den 200 Konzerten, die zwischen Mono und Mogwai lagen oder meiner Müdigkeit lag, bezweifele ich. Auf Platte mag ich Mogwai lieber als Mono, live war es deutlich umgekehrt. Die Gründe dafür sind letztenendes egal, wie so oft entscheidet das Bauchgefühl und das urteilte während und nach der Show, daß es ein gutes, vielmehr ein solides Konzert war. Und daß Mogwai ganz sicher nicht meine liebste Liveband sind, ich mir aber vornehme, ihre Platten viel öfter zu hören, weil die schließlich großartig sind.


Setlist Mogwai, Live Music Hall, Köln:

01: White noise
02: Rano Pano
03: Letters to the Metro
04: Killing all the flies
05: I know you are but what am I?
06: How to be a werewolf
07: San Pedro
08: I'm Jim Morrison, I'm dead
09: George Square Thatcher death party
10: You're Lionel Ritchie
11: 2 rights make 1 wrong
12: Bat cat

13: Auto rock (abgebrochen) (Z)
14: Hunted by a freak (Z)
15: Christmas steps (Z)

Links und Fotos gleich!




6 Kommentare :

Feedbacker hat gesagt…

http://www.setlist.fm/setlist/mogwai/2011/live-music-hall-cologne-germany-4bd27776.html

Ich war mal so frei die Setliste hier einzutragen.

Nette Konzerbericht obwohl ich etwas anderer Meinung bin.... Wie geil war das denn??

Christoph hat gesagt…

Die bedienen sich eh schamlos überall, wo es Setlisten gibt und Trottel mitschreiben :-)

Julius hat gesagt…

Ich kann mich auch nicht wirklich zu einem Urteil der Livedarbietungen von Mogwai durchringen. Einmal (Linzer Hafen, open Air) waren sie gewaltig (und) gut, einmal eher "solide" (Rock Werchter). Bei den Alben tu ich mir auch leichter :)
Stimmts eigentlich, dass Mogwai auf dieser Tour Visual-Leinwände mithaben=

jann hat gesagt…

Hast du Fotos von dem Konzert und würdest du sie veröffentlichen? Ich habe noch welche vom Gig von vor 2 Jahren, könnte ich im Gegenzug hochladen...
greetz, jann

jann hat gesagt…

@Julius: Ja, hatten sie, die Filme sahen stellenweise ähnlich aus wie das jetzt veröffentliche Video zu "San Pedro"

optimo500 hat gesagt…

hab sie das 8. mal gesehen und das war mit abstand das lahmste konzert. die setlist war zu ruhig, der sound insgesamt zu leise und nicht gewaltig genug, wie immer in der live music hall. was du bei mono bekommen hast, bekommt man normalerweise von mogwai auch. jetzt geht's nochmal nach berlin, live music hall werde ich nie wieder machen.

 

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