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Montag, 12. März 2012

Feather Feather & Jae, Paris, 04.03.12

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Konzert: Feather Feather & Jae
Ort: Fabrique des Balades Sonores, Paris

Datum: 04.03.12

Zuschauer: etwa 30



Wow, das war wirklich wahnsinnig schön!


Ich hatte ja immer mal wieder löblich von den fleißigen, weitestgehend ehrenamtlich tätigen Konzertveranstaltern Les Boutiques Sonores berichtet. Die haben sich nun leicht umbenannt und heißen inzwischen Balades Sonores. Das klingt poetischer (Balades=Spaziergänge), aber witzigerweise haben sie nun zum ersten Mal eine richtige Boutique. Vorher verkauften sie bei ihren Konzerten, aber auch bei Festivals CDs von winzigen Indielabels oder teilweise selbt verlegte Scheibchen, hatten also immer nur einen Stand. Nun haben sie einen kleinen, sehr charmanten Laden angemietet, wo sie Vinyl, CDs, Kassetten (!), handgefertigte Jutetaschen, gestrickte Plüschtiere (handmade) und Plattenspieler (nur eine bestimmte Marke) verkaufen.

In diesem Shop, genannt La Fabrique, veranstalten sie auch ab und zu intime akustische Konzerte. Der Laden ist wirklich winzig und so passen nicht sehr viele Leute hinein. Erstaunlicherweise war es aber doch möglich, fast 30 Mitbürgerinnen und Mitbürger, Pariserinnen und Pariser und Nichtpariserinnen und Nichtpariser unterzubringen. Diese hatten irgendwoher Wind davon bekommen, daß hier und heute erlesene Konzerte stattfinden würden.

Den Auftakt machten Feather Feather. Ein neues Projekt des (eigentlich inzwischen in Austin/Texas lebenden) Philippe Beer Gabel, der Insidern als Frontmann der Pariser Indierock-Band General Bye Bye ein Begriff ist. Feather Feather klingen aber ganz anders als seine frühere Gruppe. Statt melancholischem Rock gibt es nun feinsten, barock wirkenden Kammperpop, mit Kantele, Violine und gleich zwei gecasteten Folksängerinnen aus den USA. Kantele? Gecastet? Nun, die Kantele hatte Philippe schon bei General Bye Bye ab und zu gespielt, nun aber hat er sich deutlich intensiver diesem finnischen, harfeähnlichen Nationalinstrument gewidmet. Er hat Kurse genommen, Songs auf diesem kuriosen roten Teil geschrieben und über die in Amerika sehr beliebte Webseite Cracklists nach Sängerinnen gesucht, die ihn musikalisch begleiten können. Er wurde nach intensiver Auswahl fündig und spielt nun mit Laura Jorgensen und Liz Tolan. An der Violine bezauberte Andrea Else. Laura hatte den Hauptgesangespart zu stemmen, während Liz lediglich das (himmlische) Lied Fingers in Painting beisteuerte. Philippe selbst sang allerdings auch häufig, obwohl er mit dem Zupfen der Kantele schon viel zu tun hatte.


Die entzückenden Lieder, teilweise Neuinterpretationen von Tracks von General Bye Bye, kann man sich in aller Ruhe bei Soundcloud anhören, deshalb will ich ausnahmsweise hier nicht weitere Ausführungen machen, sondern einfach den Hörgenuß empfehlen.

Rocketlauncher (live) by featherfeather

Fingers in Painting (live) by featherfeather

Na, reingehört? Ist Fingers In Painting nicht das wundervollste Stück Musik, was man sich vorstellen kann? Ich finde es zum Steine erweichen!

Setlist Feather Feather, Fabrique des Balades Sonores:


01: Rocketlauncher
02: Holly's Hands
03: Legs In The Dark (GBB)
04: A Murder Of Crows (GBB)
05: We Will Follow
06: Selfportrait (GBB)
07: Fingers In Painting


Nach Feather Feather spielten dann noch die Holländerin Jae und ihre Freundin Anat. Jae kennen meine Freunde schon von den Oliver Peel Sessions her und auch Fans der Blogothèque dürfte diese Dame ein Begriff sein, denn sie hat schon ein paar schöne Lieder mit dieser Videoseite eingespielt.



Heute gab es aber ganz neues, noch unveröffentlichtes und im Netz unauffindbares Material. Es stammte ausschließlich vom sehnlich erwarteten zweiten Album und wies schon die Stärken auf, die das erste Album Balls And Kittens so gut machten. Die starke poetische und kontemplative Kraft der Lieder, die vielen Brüche und Wendungen, die Eigenständigkeit von Jessica Sligter, die niemanden kopiert, sondern ihren ganz eigenen Weg verfolgt, die schönen Harmoniegesänge und die feinen Melodien, die aber nie zu rund und glatt geraten. Die Künstlerin, die auch Teil des Kollektivs Sacred Harp ist, wird hoffentlich damit endlich etwas bekannter werden. Mit dem Erstling reichte es bisher nur zum Kritikerliebling.



Also bitte mal alle merken: Feather Feather, Jae und für die Pariser und Gäste: La Fabrique des Balades Sonores!



Montag, 9. Mai 2011

Jae & General Bye Bye & Vessels, Paris, 08.05.11

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Konzert: Jae & General Bye Bye & Vessels

Ort: L'International, Paris
Datum: 08.05.2011
Zuschauer: 150 oder so


Gleich drei sehr ordentliche Konzerte und dies alles gratis, da konnte man wirklich nicht murren!





Und wenn es nach dem britischen NME geht, haben wir in Paris mit den Postrockern von Vessels eine der besten Bands des Jahres 2011 gesehen. Nun, die Schreiberlinge vom NME sind für ihre vollmundigen Kommentare bekannt, aber im Falle von Vessels kann ich die Begeisterung nach dem heutigen Gig im International gut nachvollziehen. Der Fünfer aus Leeds bot nämlich wirklich euphorisierenden, instrumentellen Gitarrenrock voller Eleganz und epischer Kraft und nagelte mich förmlich an die Wand. Seit 2005 elektrisieren Vessels mit diesem Wahnsinnssound, dürfen sich immer wieder über lobhudelende Kommentare in der Presse freuen, haben es aber bisher noch nicht geschafft, sich bei einem größeren Publikum Gehör zu verschaffen. Ob dies mit dem aktuellen Opus Helioscope, dem zweiten Longplayer, anders wird? Fraglich ist das, denn man hat ein wenig den Eindruck, daß etablierte Platzhirsche wie Mogwai, Explosions In The Sky oder Godspeed! You! Black Emperor den fetten, dollargespickten Kuchen alleine mampfen. Sie bespielen die großen Locations und teilen die Knete unter sich auf. Für die anderen beiben da nur ein paar Krümel und ranzige Kellerkonzerte übrig.

Sei's drum, Vessels sind auf jeden Fall eine Wucht. Sie bedienen sich nicht allein klassischer Postrockschemata (langsamer Aufbau, explosives Finale), sondern vermengen auch Elemente des Mathrocks und des Experimental Metal zu einem ungewöhnlichen Gemisch. Und auf der Bühne sind sie richtig agil und dynamisch, also das genaue Gegenteil von Mogwai. Das Pariser Publikum stand drauf und ich denke, auch die Zuschauer in Deutschland werden bei den kommenden Konzerten im Mai ihre helle Freude haben. Klarer Tip!

Empfehlungen kann ich auch für die Franzosen General Bye Bye und die in Oslo lebende Holländerin Jessica Sligter aka Jae aussprechen.

Fangen wir mit Jae an. Weltberühmt geworden ist sie durch eine Oliver Peel Session zu Beginn des Jahres. Aber auch kleinere, unbedeutendere Blogs wie z. B. die Blogothèque (freilich ein Scherz, ich liebe die Blogothekler, sie haben alles in Rollen gebracht!) mögen Jae und haben sie auch bereits gefilmt und gekonnt in Szene gesetzt. (Hier kann man sich das Ganze ansehen).

Dabei ist die Musik von Jessica keine leicht zu konsumierende Kost. Sie spielt keinen seichten Folk Pop à la Anna Ternheim (die ich bekanntlich schätze), sondern baut auch experimentelle Momente und Brüche in ihre sanft-melancholischen Songs mit ein. Begleitet wird sie seit einer Weile von ihrem Gitarristen Viljam, der auch dezent Harmoniegesänge mit beisteuert. Lieblich die Stimme von Jessica, nachdenklich, aber in manchen Phasen auch fest und nachdrücklich. Meist gemächlich das Tempo, als könne sie nichts aus der Ruhe bringen. Aber es gibt auch schnellere, fast fröhliche Stücke wie das famose Jims Place ("Everlasting hope for everlasting love"). Jims Place spielte Jae heute in Paris aber nicht, sie war schon mit ihrem künftigen Album beschäftigt, performte einige noch unveröffentlichte Songs. Auch diese erneut bewußt nicht auf Mainstream getrimmt, sondern teils spröde, aber dennoch verwunschen und zeitlos schön. Etwas irritierend allerdings, daß ihre Stimme so stark verzerrt wurde, so verlor sie ein wenig von ihrer herrlichen Naturreinheit.

Brillant war ihr Song Shots Being Fired, den man auch auf dem wundervollen Video von der Blogothèque genießen kann.

Insgesamt wurden heute acht betörende Stücke gespielt, die mir ob ihrer Komplexität und Eigenständigkeit erneut bewußt machten, welch großes Talent Jae ist. Kein Wunder, daß renommierte Musikmagazine wie Mojo und Uncut jeweils 4 Sterne für das Album Balls & Kittens, Draught & Strangling Rain springen lassen. Mit ihr sollte sich jeder einmal beschäftigen und wenn man schon dabei ist, auch ihrem anderen Projekt namens Sacred Harp Gehör schenken.



Morgen geht es hier mit General Bye Bye weiter. Stay tuned!

Ausgewählte Konzerttermine von Vessels (ohne Gewähr):

10.05.2010: Ziegel Oh Lac, Zürich
11.05.2011: Kulturladen, Konstanz
13.05.2011: Forum Stadtpark, Graz
17.05.2011: Werk II, Leipzig
18.05.2011: Kulturhaus III & 70, Hamburg
19.05.2011: Levee, Berlin
20.05.2011: Ekko, Utrecht
21.05.2011; Botanique, Brüssel (Les Nuits Botaniques)


Aus unserem Archiv:

Jae, Paris, 31.01.11
Jae, Paris, 30.01.11 (Oliver Peel Session mit Jae und General Bye Bye)




Dienstag, 1. Februar 2011

Jae, Paris, 31.01.11

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Konzert: Jae

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 31.01.11
Zuschauer: um die 30


Eigentlich wollte ich heute zur Black Session von Iron & Wine, aber die junge Holländerin Jessica Sligter alisa Jae schaute mich beim heutigen Soundcheck im Espace B so treuherzig an, daß ich einfach nicht nein sagen konnte. "Wouldn't you like to come to my show tonight, Oliver? That would be really great!"

So kam es, daß ich den ganzen Tag mit Jessica und ihrem musikalischen Partner Viljam Nybacka verbrachte. Erst sah ich ihnen beim Soundcheck zu und bekam mit, wie perfektionistisch sie dabei vorgingen (" a bit more vocals on the monitor please", "a bit less guitar", etc.), dann zogen wir zusammen weiter in ein uriges Restaurant, das mit deftigen Portionen aus der Region Sud -Ouest aufwarten konnte. Es lag ganz am anderen Ende der Metrolinie, so daß wir insgesamt 22 (!) U-Bahnstationen zurücklegen mussten, um dort anzukommen. Auch im Zug gingen sie noch einmal gedanklich die Abläufe durch und diskutierten leidenschaftlich, wie man diesen und jenen Part zu interpretieren habe. Musiker eben.

Vor dem Restaurant angekommen, standen wir dann eine Weile in der Schweinekälte, denn drinnen waren alle Tische von studentischem Publikum bevölkert. Der Keller flitzte mit riesigen Portionen durch den engen Raum und empfahl uns, eine halbe Stunde zu warten. Wir froren uns draußen den Arsch ab, fanden es später drinnen aber um so gemütlicher. Ein süffiger Roter sorgte für rosige Wangen und öffnete den Magen für die üppigen Teller, die wir serviert bekamen. Jessica nahm übrigens Confit de Canard, das kannte sie aus Holland nicht, aber es mundete ihr. Kurze Zeit später stieß auch eine amerikanische Freundin hinzu, die als Berufsbezeichnung spannenderweise "Malerin" angab. Sie hatte ein unverschämt charmantes Lächeln und erzählte, daß sie in Japan aufgewachsen sei. In dieser netten Runde, an unserem Tisch saß auch Philippe, der Sänger von GeneralBye Bye, fühlte ich mich pudelwohl. Nicht dran zu denken, mich nach dem Essen aus dem Staub zu machen und Richtung Maison Radio de France zur Black Session von Iron & Wine aufzubrechen. Zumal ich ohnehin schon zu spät dran gewesen wäre. Wir hatten uns so angeregt unterhalten, daß Jae und Viljam fast zu spät zu ihrer eigenen Show gekommen wären. Viljam (30) erzählte ein wenig von seiner Heimat Finnland, aber auch von Oslo und der dortigen Musikszene und Jessica (27) bekannte, daß sie drei Jahre nach Oslo gegangen sei, weil sie die den Vibe in Amsterdam nicht als inspirierend empfunden hätte. In der U-Bahn auf dem Weg zum Espace B quatschten wir weiter und waren von dem Wein schon ein wenig angetüdelt. Die Ente lag Jessica noch schwer im Magen, aber das konnte nicht als Ausrede dienen, sie musste jetzt ran, raus auf die Bühne, zeigen, was in ihr steckt!

Es war bereits gegen 22 Uhr, als Jessica und Viljam die Bühne erklommen. Zwei französische Vorgruppen waren bereits mit ihrem Programm durch. Jae spielte Lieder, die sie schon am Vortag bei der Oliver Peel Session zum Besten gegeben hatte. Hier und heute klang das Ganze aber ein wenig anders, weil nicht akustisch, sondern elektrisch und mit mehr Lautstärke gespielt wurde. Schon früh kam ein absolutes Highlight. Jim's Place konnte fast mit beatlesker Melodieseligkeit aufwarten und im ohrwurmigen und herzenserwärmenden Refrain ging es um Everlasting Love und Everlasting Hope, Schön! Jae's liebliche Stimme hatte ein wenig Feedback und schwebte wie im Kirchenchor durch den Raum. Ihr Gesang war Balsam für die Seele, er war so friedvoll, zärtlich, Ruhe und Hoffnung spendend. Ein Genuß. Bei In The Garden hatte auch Viljam einen längeren Vocalpart und sein dunkles Organ harmonierte wunderbar mit der Stimme von Jessica. Sein Gitarrenspiel erinnerte mich zuweilen an Nick Drake und bezauberte mich außerordentlich.

Stilistisch wird Jae teilweise wie die Norwegerin Hanne Hukkelberg unter Jazz verortet und wenn man die betörende Ballade I Still Owe The Morning hört, weiß man, daß dies nicht ohne Grund geschieht. Ansonsten ist Jae aber gar nicht so leicht zu kategorisieren, die Zeitschrift Uncut sprach kürzlich in seinem 4 Sterne Rating (!) von "Soft Psychedelic Folk" und verglich sie sogr seltsamerwiese mit Morrissey. Ich würde hingegen eher Rockettothesky, Olöf Arnalds, Laura Gibson, Sharron van Etten und eben Hanne Hukelberg als Referenzen nennen. Festzuhalten ist auf jeden Fall die experimentelle Note, die Jae ihrer Musik bisweilen verleiht, wenn sie beispielsweise ein Gedicht (The Egg) rezitiert, eine Pause von 30 Sekunden einlegt (bei dem bezaubernden Red Around The Eyes nach der Textzeile: "Now I have to pause a bit") oder aber (zum Amüsement des Publikums) krächzige Laute von sich gibt. Noch avantgardistischer ist ihr anderes Projekt Sacred Harp, mit dem Jessica im März nach Paris zurückkommen wird. Ich werde wieder dabei sein, einem solchen Talent wie Fräulein Sligter weiche ich einfach nicht von der Seite!

Setlist Jae, Espace B, Paris:

01: Gentle Friend
02: Over, The White Snow
03: Jim's Place
04: Red Around The Eyes
05: They Said
06: The Egg
07: Shots
08: The Garden
09: I Still Owe

Jæ (preview) | Take Away Show from La Blogotheque on Vimeo.


http://vimeo.com/19293877



Montag, 31. Januar 2011

Jae & General Bye Bye, Paris, 30.01.11

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Konzert: Jae & General Bye Bye

Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Paris, Oliver Peel Session # 34
Datum: 30.01.11
Zuschauer: 28


Nach der letzte Session, bei der 58 Leute unser Wohnzimmer bevölkerten, hat mich meine Frau (auf dem Foto, die Katze streichelnd) bezüglich der Zuschauerzahl hart an die Leine genommen. "Wenn das nächste Mal wieder so viele kommen, wird es nie wieder ein Konzert bei uns geben!", ließ sie durchblicken und ihrem strengen Gesichtsausdruck entnahm ich, daß sie nicht zu Scherzen aufgelegt war. Ohnehin hat sie bei uns das Sagen, sie ist neben unserem Kater der uneingeschränkte Boss im Hause. Ihr sardisches Temperament hat sie von ihrem Vater in die Wiege gelegt bekommen und wenn die Sarden wütend werden, dann gnade dir Gott! Habe ich Bock, ein Messer in den Rücken gerammt zu bekommen? Nö.

Konsequenz: wir fanden uns an diesem bitterkalten, aber sonnigem Wintertag in Paris in recht kleiner Runde wieder. Meine Frau hatte in der Einladungs E-mail unmissverständlich klargemacht, daß Leute die sich zu spät schriftlich melden, draußen bleiben müssen. So tröpfelten schließlich 25-30 Musikfans ein (darunter die bildhübsche Alice-Anne, Foto) und lümmelten sich auf dem von den Sessions völlig versifften Teppichboden. Rotweinflecke mustern das häßliche, ursprünglich hellbraune Teil und hinterlassen eine Art Kunstwerk im Stile des Art Brut. Vielleicht sollten wir die Teppichteile rausschneiden, von den jeweiligen Übeltätern unterschreiben lassen und bei ebay versteigern? Aber wer würde so was kaufen? Keine Sau. Na, gut, es gibt hirnverbrannte Leute, die den doofen Spickzettel von Jens Lehmann käuflich erworben haben, aber ein Stück Teppich von Oliver Peel? Dann doch lieber Katzenhaare von d'Artagan?!

Aber lassen wir diese absurden Gedankenspiele und kommen zur Musik, denn die war erneut hochklassig. Wie schon am letzten Wochenende wurde wieder holländisch gesprochen, zumindest vor und nach dem Konzert. Unsere gute Stube ist im Moment Anlaufstelle für Talente aus Amsterdam, nach den famosen Bird On The Wire nun die nicht minder talentierte Jessica Sligter alias Jae. Eigentlich dachte ich, daß die Folkeuse in Oslo leben würde, aber das stimmt so nicht mehr. Ihr Aufenthalt in Norwegen ist zu Ende und sie ist zur Zeit wieder in Holland. Dort scheint die Luft besonders inspirierend zu sein, jeder der sie heute abend erleben durfte, wird dies bezeugen können. Aber sie war nicht alleine auf der improvisierten Bühne, sondern spielte zusammen mit einem Gitarristen names Viljam. Ich glaube er ist Finne und er sprach auch gut deutsch. Die beiden schüttelten ein herrliches Set aus dem Ärmel. Ganz relaxt, ohne zu forcieren, ließ Jae ihre liebliche, naturreine Stimme erklingen (man höre Red Around The Eyes bei Myspace!) und erwärmte die Herzen der bedächtig zuhörenden Gäste. Diese waren zwar nicht so zahlreich wie sonst, dafür aber in Applaudierlaune. Selten gab es nach einem Konzert solch donnernden Beifall. Auch die Debüt CD Balles And Kittens, Draught And Strangling Rain fand reißenden Absatz und so kam es, daß ich selbst leer ausging und mir den Tonträger im Geschäft besorgen muss. Er ist übrigens bei dem norwegischen Label Hubro erschienen.

Vor Jae hatten die drei Pariser von General Bye Bye ein äußerst abwechslungsreiches, spannungsgeladenes und ungewöhnliches Konzert abgeliefert. Highlight war der Einsatz einer roten finnischen Harfe, dessen Name mir schon wieder entfallen ist. Ab und zu gab es aber auch pluckernde Diskobeats, melodramatische Songs im Stile von Blonde Redhead und eine Melancholie, die an Serge Gainsbourg und französiche Spielfilme der 1970er Jahre denken ließ.



Anmerkung zu dem Video von General Bye Bye: die Sängerin (eine Deutsche) mit der sensationellen Jane Birkin Stimme, die man im Clip sehen und hören kann, ist nicht mehr in der Band.



 

Konzerttagebuch © 2010

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