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Samstag, 2. Juni 2012

Beach House, Paris, 29.05.12

3 Kommentare

Konzert: Beach House

Ort: La Maroquinerie, Paris

Datum: 29.05.2012
Zuschauer: ausverkauft, also 500

Konzertdauer: 90 Minuten




Bloggerzar Eike vom sensationell guten bayrischen Klienicum ist ein veritables Trüffelschwein. Der findige Bursche gräbt die wohlschmeckenden Edelpilze immer lange vor der ahnungslosen Meute aus und tut sich daran eine Weile gütlich. Ist aber die Meute endlich auch auf die Trüffel gestoßen, spuckt der Kerl das Zeug aus und haut schnell ab. Nichts stößt ihm übler auf, als Massentauglichkeit. So war er als einer der Ersten an Bon Iver und den Fleet Foxes dran, hat sich aber mit zunehmendem Bekanntheitsgrad der Musiker aus dem Staub gemacht. Man liest bei ihm nichts mehr von den einst hochgelobten Justin Vernon und Robin Pecknold. Mit Beach House war es sehr ähnlich. Eike war es, der mich mit seinen Posts zum ersten Album (2006) des Duos aus Baltimore auf Victoria und Alex aufmerksam machte. Zu diesem Zeitpunkt fristeten die Amis noch ein Schattendasein und auch als das zweite Album Devotion 2008 rauskam und ich beim Konzert in der Maroquinerie war (das Foto rechts satmmt aus dieser Zeit), waren die Ränge weistestgehend leer. Das änderte sich mit Teen Dream, dem dritten Opus von Beach House, gewaltig. Nun stürzte sich jede Lieschen Müller auf die leiernde Orgelmusik und den Hauchgesang von Victoria und alle waren hin und weg und voll des Lobes. So einige dachten gar ernsthaft, es handele sich bei Teen Dream um das Debütalbum der Gruppe. Der einsetzende Aufstieg war atemberaubend, "das Strandhaus" wurde jeden Tag ein Stück bekannter.

So war es dann auch nicht weiter verwunderlich, daß der vor Monaten bekannt gegebene Konzerttermin in der Maroquinerie zur Tour für das vierte Werk Bloom innerhalb weniger Tage restlos ausverkauft war. Ich selbst hatte nicht zugeschlagen und mich auch nicht rechtzeitig akkreditieren lassen. Deshalb wollte ich am 29. Mai eigentlich auch zu Julia Holter und The Dirty Three ins Trabendo gehen. Außerdem liefen so tolle Sachen wie Shellac im Bataclan oder Elvis Costello im Olympia. An Beach House dachte ich eigentlich gar nicht mehr.

Am Tage des Konzertes überkam mich dann aber plötzlich Wehmut, weil ich an die wunderbaren Auftritte von Beach House in der Vergangenheit dachte und das Gefühl hatte, sie nie wieder in einer solch kleinen Location wie der Maroquinerie sehen zu können. Über einen guten Bekannten bekam ich eine überschüssige Karte, zahlte dafür den regulären Preis von recht happigen 26, 40 Euro und war plötzlich mit von der Partie.

Am Orte des Geschehens herrscht eine entspannte Stimmung. Das Wetter war schön und die Musikfans nutzten das, um auf der Terrasse ein oder zwei Bier zum Warmmachen zu trinken. Der Vorgruppenact Porcelain Raft war den meisten ziemlich egal, auch mir, denn ich hatte den gutaussehenden Italo-Amerikaner Mauro Remiddi, der hinter dem Pseudonym steckt, bereits kürzlich im Café de la Danse gesehen und war nur mittelprächtig beeindruckt. Sein 1980 er Jahre Synthiesound erschien mir nicht unverpassbar, so daß auch ich erst einmal mit Freuden auf der Terrasse rumgammelte. Es war erstaunlich zu sehen, wie viele Promis aus der Musikszene vor Ort waren. Nicolas Godin von Air war zusammen mit seiner Freundin Ira, der ehemaligen Bassistin von CSS gekommen, aber auch Gaetan Roussel von Louise Attaque trieb sich hier rum, zudem noch Musiker von Nelson, Mai, Coming Soon, Victorine etc. Sie alle wollten Beach House sehen und bevölkerten spätestens um 21 Uhr den Keller des dort für 21 Uhr 15 angesetzten Konzertes. Viele Menschen erzeugen Wärme und so tropften mir schon vor Beginn der Show die Schweißperlen von der Stirne. Allerdings war es trotzdem noch einigermaßen erträglich, so extrem wie neulich bei Spain im Pop In wurde es nicht. Dennoch war Ausdauer erforderlich, die Show würde nämlich 90 Minuten lang werden.

Pünktlich um viertel nach neun ging es endlich los. Zum Einmarsch der drei Gladiatoren (es gab einen Drummer) lief Miami Vice Theme (von 1985) von Jan Hammer. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, daß auch der Sound von Beach House saumaßen nach den Eighties klingt? Wer weiß, auf jeden Fall war das amüsant und sympathisch, Zeichen dafür, daß sich die Band selbst nicht so ernst nimmt. Und die Bühnendeko, zwei Holzverschläge aus denen von hinten das Licht drang und so Streifen erzeugte, wirkte angenehm bescheiden und nicht zu überladen.

Leider konnte man das von dem Sound nicht immer sagen. Der war nämlich phasenweise wirklich etwas überladen und bombastisch, ließ die Subtilität und Verhuschtheit der ersten beiden Alben vermissen und flirtete immer mal wieder bedrohlich mit der Kitschgrenze. Dies bezog sich nicht nur auf die neuen Sachen, sondern umfasste auch das alte Material. Gila war kaum wiederzuerkennen, mit seinem wuchtigen Giattrenriff und dem schweren Schlagzeug klang es ganz anders als damals.

Aber ich will nicht nur meckern, schließlich sang Victora Legrand wieder einmal absolut sensationell. Diese tiefe und traurige, manchmal fast versoffenen und männlich wirkende Grabesstimme, die aber auch atemberaubende Höhen erklimmen kann und so herrlich zart und cremig gerührt ist, zog mir aufs Neue die Schuhe aus. Keine singt wie Victoria, das ist wirklich so. Auch nicht Mazzy Star, die immer wieder als Vergleich herangezogen wird. Nein, in deser Hinsicht gab es nichts auszusetzen, stimmlich war die wild gelockte Dame mit der übergroßen Anzugsweste allererste Sahne. Und ihre Jungs machten ihre Sache ebenfalls ausgezeichnet.

Was störte- und da bin ich leider wieder bei der Kritik -, war das Gefühl, daß die Band auf eine Sackgasse zusteuert. Ihr Sound lässt nicht viel Spielraum für Varianten und bei den Stücken des neuen Albums hatte man den Eindruck, daß dort im Wesentlichen Teile aus den alten Sachen wiederverwertet und in leicht veränderter Form zusammengesetzt werden. Auch auf das Konzert wirkte sich das aus, da schlich sich irgendwann eine gewisse Gleichförmigkeit und Monotonität ein. Immer wieder diese melancholische Orgel, ständig der traumverhaftete Sehnsuchtsgesang von Victoria, regelmäßig die flirrende Gitarre von Alex und durchgängig der Drumcomputer zusätzlich zu den Livedrums. Gerade der Mittelteil war davon betroffen.

Glücklicherweise wurde dann am Ende aber doch noch einmal deutlich aufgedreht und mit Wishes und Myth die besten Stücke des neuen Werkes serviert. Die Band verschwand im Anschluß flugs und ohne große Geste in die Kabine, kam dann aber ein paar Minuten später zu einem umjubelten Zugabenteil zurück. Nach Turtle Island klatschten die Leute zu 10 Mile Stereo sogar mit, ließ Victoria ihre Lockenmähne wie wild hin und her wirbeln und verletzte sich sogar leicht bei dieser ungestümen Aktion. Closer Irene schließlich wurde nach schleppendem Beginn am Ende fast noisig. Man erlebte nun eine Gruppe, die die letzten Kraftreserven in dieser Hitzeschlacht freimachte und sich nicht schonte, bis irgendwann fast extatische Ausmaße erreicht wurden.

Victoria hatte sich netterweise das ganze Konzert über erkundet, ob es den Leuten nicht viel zu heiß sei. Dies in einem sehr ordentlichen französisch, schließlich ist sie die Nichte des berühmten Michel LeGrand, selbst wenn sie in den USA aufgewachsen und somit keine echte Muttersprachlerin ist.

"Victoria we love you" schallte es nicht nur wegen ihrer Sprachkenntnisse aus einigen Kehlen und ich konnte die Leute verstehen, die Sängerin hat wirklich ein enormes Charisma, wirkte heute noch etwas unnahbarer und mysteriöser als sonst, weil sie weit hinten, fast an der Wand performte.

Wie sich Trüffelschwein Eike wohl heutzutage zu Beach House äußern würde? Wahrscheinlich gar
nicht. Ich bin ziemlich sicher, daß er das neue Album nicht gehört hat und mit dieser Verweigerungshaltung hat er zumindest zum Teil recht. Es finden sich darauf nämlich neben ein paar Perlen einige wirklich dürftige (überkitschige) Lieder und insgesamt ist das Werk zu flach und vorhersehbar geworden.

An meinem insgesamt doch recht guten Eindruck von diesem Konzert, der in erster Linie durch die stimmliche Brillanz und die Präsenz von Victoria zustande kam, änderte das trotz der im Text erwähnten Mängel freilich nichts, schließlich bewerten wir hier Konzerte und keine Alben. Wenn ich es in Noten ausdrücken müsste: 7/10.

Setlist Beach House, La Maroquinerie, Paris

01: Wild
02: Walk In The Park
03: Norway
04: Other People
05: Lazuli
06: Gila
07: Equal Mind
08: The Hours
09: Silver Soul
10: New Year
11: Zebra
12: Wishes
13: Take Care
14: Myth

15: Turtle Island
16: 10 Mile Stereo
17: Irene


Aus unserem Archiv:

Beach House, Köln, 14.11.10
Beach House, Paris, 04.11.10
Beach House, Frankfurt, 16.08.10
Beach House, Paris, 03.06.10
Beach House, Paris, 20.02.10
Beach House, Paris, 24.05.08



Sonntag, 11. März 2012

Still Corners, Berlin, 10.03.03

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Konzert: Still Corners
Ort: Comet Club, Berlin
Datum: 10.03.2012
Zuschauer: nicht ausverkauft ca. 100

Konzertdauer: 60 Minuten


Text und Fotos von Markus aus Berlin


Da stimme ich mich den Tag über mit der neuen CD von Still Corners ein - setze mich früh genug in die Straßenbahn - durchquere auf Schienen den Prenzlauer Berg - passiere die Bezirksgrenze zum Friedrichshain und träume vor mich hin, als mich die Großstadtrealität einholt. Ein stark alkoholisierter Rowdy kam in der Bahn auf mich zugesteuert, um sich dann mit seinen gefühlten 150kg auf meinen Schoß zu setzen. Der Musik von Still Corners sei Dank, war ich den Tag über so weichgespült, dass ich die Situation friedlich und entspannt lösen konnte. Ich schaffte es irgendwie mich aus der Masse dieses Menschen herauszuwinden und begab mich auf Sicherheitsabstand.Was hätte alles passieren können, wenn ich den Tag über Metallica oder Slipknot gehört hätte? Vielleicht haben mir Still Corners mein Leben gerettet.

Der kleine Comet Club war nicht ausverkauft - es fanden sich ca. 100 Andere außer mir dort ein. Hinter der Bühne war großes weißen Baumwolltuch aufgehängt. Als das Konzert um 21:30 losging, wurden auf dieses Tuch diverse experimentelle Videokunst-Filmchen projiziert, wie man diese auch schon aus den Videos der Band kennt. Mit dem Beginn des ersten Stückes „Graham´s Theme“ - einem reinen Instrumentalstück, begann auch das Wirken der Nebelmaschine. Sphärische Klänge, Nebel und fahles Licht werden sich das ganze Konzert über wie ein roter Faden durchziehen. Nachdem ich meinen persönlichen Horrorfilm schon in der Straßenbahn erlebt habe, war ich nun neugierig auf den Soundtrack der Londoner. Enya meets Goldfrapp. Ab dem dritten Lied setzte der Gesang von der zuckersüßen und feenartigen Sängerin Tessa Murray ein. Ihre langes blondes Engelshaar hing weit ins Gesicht. Sie hauchte jeden Ton und jede Silbe. Ein wahrlich wunderbarer Anblick. Der zweite Hälfte von Still Corners, Greg Hughes, war bis auf die zwei Zugaben am Ende des Konzertes hinter dem Schlagzeug.Unterstützt wurden die Beiden von Leon Dufficy an der Gitarre und sowie Luke Jarvis am Bass, die beide souverän und engagiert mitspielten.Es folgten noch weitere Lieder des aktuellen Albums - darunter auch das düsterschöne „I Wrote In Blood“ (mein persönlicher Favorit), welches aus den anderen Liedern deutlich herausstach. Und da haben wir auch schon meinen größten Kritikpunkt an der Musik des Duo´s: Die Lieder sind sich live zu ähnlich. Was daheim im Wohnzimmer noch als Untermalung gut funktionierte, verlor sich auf dem Konzert. So sehr ich mich auch bemühte mich auf die Musik einzulassen so sehr mißglückte mir dieses. Normalerweise schafft der Zwischenapplaus eine kurze und erwünschte Unterbrechung, um seinen vorherigen Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich auf ein neues Lied einzustellen. Bei Still Corners störte diese Unterbrechung eher. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Band eine Videoprojektion im Hintergrund nutzt. Wären doch die Lieder eine perfekte Hintergrundmusik. Nachdem das normale Set abgespielt wurde, verschwand die Band von der Bühne. Zu der Zugabe kamen dann noch Greg Hughes, der sich dieses Mal eine Gitarre nahm, Tessa Murray sowie Leon Dufficy, der sich ans Schlagzeug setzte. Das Trio spielte dann zwei Coverversionen - zuerst I´m On Fire von Bruce Springsteen sowie das großartige Eyes im Original von Rouge Wave. Da wünschte ich mir, dass sich Frau Murray öfter trauen würde, ihre schöne Stimme mehr zur Geltung zu bringen.

Am Ende des Konzerts hatte ich das Bedürfnis die anderen Newcomer aus London lautstark zu hören: Veronica Falls. Ich hätte mir gewünscht, sie wären direkt im Anschluss auf die Bühne gekommen. Dann wäre der Konzertabend perfekt gewesen. So hatte ich am Ende des Konzerts das Gefühl, als würde noch etwas fehlen - als hätte die Band es bei mir nicht geschafft einen nachhaltigen und bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sie blieben zu sehr im Hintergrund - trotz hoher Lautstärke, schönen Klängen und viel Engagement. Vielleicht ist es die Tragik von Filmmusik, dass sie nur mit den passenden Bildern einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen kann. Diese Bilder fehlten für mich. Der Rote Salon der Volksbühne und seine roten Sesseln und Sofas hätte der Musik sicherlich besser zu Gesicht gestanden, als der triste und fade Comet Club. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Setlist Still Corners, Comet Club, Berlin:

01: Graham's Theme
02: Memory Mood
03: Cuckoo
04: Endless Summer
05: Submarine
06. History Of Love
07: The White Season
08: I Wrote In Blood
09: Hunter
10: Blue Eyes
11: Into The Trees

12: I'm On Fire (B. Springsteen)
13: Eyes (Rogue Wave)






Sonntag, 26. Februar 2012

Phantogram, Paris, 24.02.12

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Konzert: Phantogram
Ort: La Flèche d'or (Inrocks Indie Club)
Datum: 24.02.2012

Zuschauer: ausverkauft, also 450 etwa



Manchmal habe ich den Eindruck, die Indie-Szene wird immer mehr Schick-Micki bzw. bling-bling wie man in Frankreich sagt. Mehr Modenschau und Projektionsfläche für eitle Szenepeople als ein Ort, wo sich Musikbegeisterte treffen. "Schuld daran" sind unter anderem Pitchfork und die hippe Elektrobewegung, wo oft nur das Coole, das Trendige, das Kurzlebige zählen.



Beim Konzert der Amerikaner Phantogram in der Pariser Flèche d'or hatte ich wieder einmal diesen Eindruck. Leute, die genau wissen, wie man Second Hand-Fummel mit Designerteilen kombiniert, bevölkerten den Laden und nervten mitunter wahnsinnig. Allein das Pärchen, das vor mir stand, war unerträglich. Er den Dreitagebart genau auf die richtige Länge gestutzt, mit Mützchen à la Enrice Iglesias und einem selbstverliebten Blick, seine Tussi treudoof und arrogant guckend. Ich ahnte schon, daß die mir auf den Sack gehen würden. So kam es dann auch. Die beiden tanzten wahnsinnig affektiert, schossen dann aber auch immer wieder Selbstportraits mit ihren i-phonen und schwätzten ungeniert laut rum.

In der Mitte vor der Bühne eine Horde junger Amerikanerinnen, die sich bewegten, als seien sie Eisprinzessinen und auf der Bühne ein hübsches Pärchen (+ ein Drummer), das elektronischen Dream Pop/Shoegaze kredenzte. 20 % Blonde Redhead, 10 % Mylene Farmer (wegen der dünnen Säuselstimme der Sängerin), 10 % My Bloody Valentine, 10 % Metric, 10% Julee Cruise, 15 & Crystal Castles, 10 % Lush, 10 & School Of Seven Bells und 5 % Jane Birkin, so die nicht unbedingt originelle musikalische Mischung. Eine regelrechte "Plage" an Dream Pop Bands mit verhuschtem weiblichen Gesang bricht seit dem Erfolk von Beach House über uns herein und wenn ich nicht grundsätzlich dieses Genre sehr mögen würde, schrie ich nach Hilfe. So aber bin ich hin und her gerissen. Einerseits mag ich die Einflüsse dieser jungen Bands, andererseits vermute ich, daß in dem ein oder anderen Fall kommerzielle Interessen überwiegen. Es ist allein schon nervig, daß man die Facebook Seite von Phantogram erst liken muß, bevor man die Lieder gratis im Stream hören kann und das Debütalbum Eyelid Movies wurde am Merch nicht wie sonst meistens üblich für 10, sondern für 15 Euro verkauft.

Zugeben muss ich aber, daß ich einigen Passagen des heutigen Konzertes eine Menge abgewinnen konnte. Zum einen war die bildhübsche (dieser fesche Pagenschnitt!) Sarah Bartel eine wirklich beeindruckende, ständig in Aktion befindliche Performerin, die die Texte mit Inbrunst intonierte und zum anderen war das Songmaterial oft hitträchtig. Mouthful Of Diamonds, 16 Years und When I'm Small, das prickelte phasenweise wie bester Champagner. Kühle Synthies trafen auf melodisch-melancholische Gitarren, während das Schlagzeug von hinten mechanisch schepperte. Obendrüber immer der sinnliche Hauchgesang von Sarah, also anziehend war es schon, keine Frage!




Bei der Zugabe wurden sie dann auch noch einmal ganz melancholisch und in einer der letzten Szenen rückten Joshua und Sarah ganz eng zusammen. Der Moment hatte etwas Intimes, etwas stark Knisterndes. Aber just in diesen Sekunden rief eine offensichtlich besoffene Amerikanerin ganz laut rein:" you're so hot, it's unbelievable" was die Magie völlig zerstörte.


Wie ich sagte, das Publikum ist manchmal blöd und affektiert und versteht nix von Musik. Mein persönliches Urteil zu Phantogram ist damit noch nicht gefällt. Die sind toll! Oder doch nicht? Ach, ich brauche da etwas Zeit...


Setlist Phantogram, Flèche d'or, Paris:

01: Intro
02: Bloody Plams
03: Running From The Cops
04: Mouthful Of Diamonds
05: As Far As I Can See
06: Turning Into Stone
07: 16 Years
08: You Are The Ocean
09: Don't Move
10: Turn It Off
11: Make A Fist
12: When I'm Small

13: Nightlife
14: Futuristic Casket



Mittwoch, 22. Februar 2012

Trailer Trash Tracys, Paris, 21.02.12

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Konzert: Trailer Trash Tracys
Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 21.02.2012

Zuschauer: ausverkauft, also mindestens 300


Nachdem mich meine neue Hausärztin kürzlich als massiv zu fett eingestuft hat, habe ich sofort das Heft des Handelns in die Hand genommen, einen Stepper gekauft und meine Ernährung konsequent umgestellt. Schluß jetzt mit Nutella und fetten Kebabs nach Konzerten! Ran an den Speck, rauf auf den Stepper!

Ich strampel also bis in die lichten Haarspitzen motiviert 40 Minuten lang auf der Foltermaschine auf unserer herrlichen Terrasse und fühle mich eigentlich ziemlich gut. Am Abend gegen 19 Uhr beutelt mich dann aber die Müdigkeit. Ich kann nicht anders, als auf dem Sofa etwas zu ruhen. Die Katze gesellt sich zu mir, legt sich auf meinen Bauch und wir pennen ein bißchen. Ein bißchen viel! Als ich aufwache, ist es fast 21 Uhr! Ich frage mich, ob es noch lohnt, zum Konzert aufzubrechen, gebe mir dann aber einen Ruck und renne los Richtung U-Bahn. Auf meinen Kopfhörern läuft Pulp, His 'n' Hers. Ein tolles Album, das ich irgndwie gar nicht oft genug gehört habe, hintenraus entdecke ich noch versteckte Perlen. Als ich über die Brücke des Canal Saint Martin laufe, ertönt gerade Happy Endings. Hoffentlich das Motto für den Rest des Abends?!


Ich erreiche den Club und treffe eine Bekannte, die zwar keine Karte hat, aber dennoch in das ausverkaufte Konzert reinkommt, weil sie hübsch und charmant ist und der gorillahafte Türsteher Mitleid mit ihr hat. Wir Männer haben es in solchen Situationen wesentlich schwerer...

Drinnen ist es eklig voll. Überall Menschen in dicken Winterjagen, die aneinander kleben und so noch mehr Wärme enstehen lassen. Wir kommen kaum durch, schaffen es gerade einmal drei Meter seitlich durchzurücken. Plötzlich vermisse ich meinen i-pod. Ich suche alle Taschen zehnmal durch, kann aber nichts finden. Er muss auf den Boden gefallen sein, oder jemand hat ihn mir aus der Tasche stibitzt. Wie auch immer, er taucht den ganzen Abend nicht mehr auf und ich bin entsprechend frustriert.


Dennoch versuche ich etwas von dem Konzert von Trailer Trash Tracys mitzubekommen. Auf eine Leinwand werden bunte abstrakte Bilder geworfen und vorne in der Mitte agiert eine männermordende Blondine mit einem feschen Kurzhaarschnitt. Eine richtige Diva! Suzanne Aztoria heißt sie und wird von drei Kerlen musikalisch begleitet.

Ester nennt sich das Debütalbum, das bei den Kritikern alsbald Vergleiche mit der (Alb)traumwelt von David Lynch, Dreampop- und Shoegaze Bands wie den Cocteau Twins, Beach House und My Bloody Valentine hervorrief und insgesamt sehr gut rezensiert wurde. Erfreulicherweise klingt das Ganze live aber nicht nur nach einem faden Aufguß, sondern gefällt durch Druck, massive Halleffekte, perlende Keyboards und die traumversunkene Stimme von Aztoria. Engelhard's Arizona heißt ein Song und an ein brütend heißes Wüstenklima wird man ob des düster schwülen Elektro- Sounds in der Tat erinnert. Wenn man jetzt noch halluzinogene Drogen einwerfen würde (wovon ich abrate), könnte man sich in andere Galaxien beamen.



Leider stehe ich aber immer noch so ungüstig -eingepfercht zwischen Leuten und vor mir ein Betonpfeiler-, daß das Ganze kein wirkliches Vergnügen ist. Erst ganz gegen Ende gelingt es mir, in die Nähe der Bühne vorzurücken und die Band bzw.
vielmehr die ganz klar im Mittelpunkt stehende Sängerin richtig zu erblicken. Sie trägt ein rotes langes Kleid, darüber ein marinefarbenes modisches Jeanshemd und merkwürdige globige gelbe Schuhe. Man glaubt sie fast in Hypnose, sie scheint halbwegs weggetreten zu sein. "Wegtreten" ist dann auch bald das Stichwort, denn die Band verlässt nun die Bühne.

Die erste Zugabe bestreitet Suzanne ganz alleine und trägt ein sehr verhaltenes Lied vor, das auch von Marlene Dietrich hätte stammen können. Dann kommt die gesamte Gruppe noch ein letztes Mal wieder und läßt das funkelnde Dies In 55 erklingen. Das Schlagzeug scheppert mechanisch, die Synthesizer orgeln die immer gleiche Sequenz und der Gesang hallt feierlich durch das Point Ephémère. Dieser Schluß hat etwas Bewegendes, die Sängerin scheint ziemlich gerührt und erleichtert zu sein, den Test Paris bestanden zu haben.


Ich bin jedenfalls neugierig geworden, kann mir aber noch kein stichhaltiges Urteil zu den Trailer Trach Tracys bilden. Vielleicht haben wir längerfristig Spaß an ihnen, vielleicht sind sie aber auch nur ein kurzlebiges Phänomen.

Setlist Trailer Trash Tracys, Point Ephémère, Paris

01: Moroder
02: You Wish You Were Red
03: Los Angered
04: Strangling Good Guys
05: Intro
06: Candy Girl
07: Black Circle
08: Engelhard's Arizona
09: Starlatine
10: Turkish Heights

11: I Love How You Love Me In The Flesh
12: Dies In 55



Mittwoch, 30. November 2011

Puro Instinct, Paris, 28.11.11

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Konzert: Puro Instinct
Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 28.11.11
Zuschauer. 150 oder so
Konzertdauer: 45 Minuten


Manchmal fühlte ich mich beim Konzert von Puro Instinct ja an Bananarama erinnert. Die 80 er ließen halt eben sehr deutlich grüßen. Dann kamen mir aber auch noch andere, gewagtere Asssoziationen. Ich musste an die seicht-romantische Musik denken, die in jenem wenig geschmackssicheren Jahrzehnt sämtliche Pornofilme untermalte. Das kitschige Gedudel sollte wohl anregend wirken, ich fand es damals (circa 1985) schon abtörnend und igendwie peinlich, fast so schlimm wie die obligatorischen Schnauzbärte der männlichen Hauptdarsteller.

Seitdem sind mehr als 25 Jahre ins Land gegangen und selbst junge Männer tragen allen Ernstes wieder Schnäuzer (hoffentlich mit einem Augenzwinkern und nur aus Jux?),Pornofilme gucke ich keine mehr (was denn? das stimmt!) und die Musik im Jahre 2011 klingt fast schon wieder als stamme sie aus den 80ern. Man muss sich nur von Pitchfork gehypte Acts wie Destroyer, Twin Shadow und Ariel Pink anhören, um zu verstehen was ich meine. Mit Letztgenanntem haben die beiden blutjungen Kaplan Schwestern auch bereits zusammengearbeitet, er gilt als eine Art Mentor. Zum Glück gefiel mir das Konzert von Piper (23, Gesang, Keyboard) und Skyler Kaplan (16!, Gitarre, Backgroundgesang) dann aber doch viel besser als der scheußliche Gig von Ariel Pink vor ein paar Monaten. Nicht auszuschließen, daß dies mit am süßen Aussehen der beiden Blondinen lag. Es gab aber noch andere, wichtigere Gründe. Da war zum einen das absolut eingängige Gitarrenspiel von Skyler, die berits heute mit Johnny Marr verglichen wird und sicherlich sämtliche Alben von The Smiths und The Cure gehört hat. Und dann gab es auch noch den verhuschten, verhallten Gesang mit dreampoppiger Note von Piper, der mir richtig gut ins Ohr ging. Schließlich waren auch einige Lieder absolut hitverdächtig. Allen möglichen (und unmöglichen?) Vergleichen mit Bananarama, Pornofilmsoundtracks und Girl Groups aus den 80 er Jahren zum Trotz, die Musik von Puro Instinct hatte eine absolut charmante und anziehende Seite. Hinzu kam, daß die beiden Schwestern mit viel Spielfreude, Unbekümmertheit und Spaß an die Sache rangingen, oft lachten und natürlich rüberkamen. Und Piper war eine absolut respektable Performerin, die wie es sich gehört, in der Mitte agierte (bei Dream Pop Bands hat sich ja die grausame Angewohnheit des auf der Seite Singens eingebürgert, siehe Warpaint), schon so manche verführerische Pose beherrschte und immer wieder lustig und kokett mit ihrem Köpfchen wackelte.

Schade fand ich allerdings, daß kein echter Drummer engagiert wurde, sondern ein Kerl hinten DJ-like an einem Drumcomputer hantierte, was der Sache eine recht sterile und künstliche Note verlieh. Gut allerdings der Bassist, der sich ebenfalls dezent im Hintergrund aufhielt und den beiden Mädels nie die Show stahl.

Selbst wenn das Konzert noch ein bißchen unausgewogen war, konnte man viel Talent ausmachen und eine Band für sich entdecken, die ein ziemlich guter Ersatz für die leider aufgelösten The Organ sind und sicherlich auch Fans von Warpaint gefallen dürften.

Ich verfolge die weitere Entwicklung gespannt!

Setlist Puro Instinct, Point Ephémère, Paris

01: Can't
02: Luv Goon
03: Everybody's Sick
04: Lost At Sea
05: Silky Eyes
06: Slivers Of You
07: High Road
08: California Shakedown
09: Babylon
10: Stilyagi





Freitag, 28. Oktober 2011

Sealight & Game & Watch, Paris, 24.10.11

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Konzert: Sealight & Game & Watch
Ort: L'International, Paris

Datum: 24.10.2011
Zuschauer: so einige, mindestens 150


Da hat mir das Mädel doch glatt Tränen der Rührung in die Augen getrieben! Wahnsinn! Das Mädel, das ich meine, heißt Aurélia, stammt aus Paris und war früher eine der beiden Sängerinnen der legendären Indierock-Band Hopper. Ihre damalige Kollegin Dorothée hat längst Karriere gemacht. Unter dem Pseudonym The Rodeo ist Letztgenannte bereits im Vorprogramm im legendären Olympia und als Hauptact im angesehenen Café de la Danse (Zuschauerkapazität gut 500) in Erscheinung getreten.

Um Aurélia war es aber ruhiger geworden. Seit nunmehr zwei Jahren arbeitet sie dennoch an ihrem neuen Projekt Game & Watch und seit der Veröffentlichung der ersten EP Orion Disaster vor ein paar Monaten hat die Geschichte deutlich mehr an Fahrt aufgenommen. Konzertauftritte häufen sich, die Fachpresse wird so langsam aufmerksam und auch le Cargo hat bereits eine seiner legendären Sessions mit Game & Watch abgedreht.



Game & Watch, das ist eigentlich eine vierköpfige Band, in der neben Aurélia drei Männer auf den Putz hauen. Klar im Mittelpunkt steht jedoch die burschikose Dame, die einfach ein unglaubliches Talent für die Bühne in die Wiege gelegt bekommen hat. Sie gibt immer ihr Allerletztes, schreit sich regelmäßig die Kehle aus dem Leib und tritt so ungekünstelt und kompromisslos auf, daß einem heiß und kalt wird. Eine Rockröhre (so hätte man das zumindest in den 80 er Jahren gesagt), die aber auch gefühlsbetont und fragil sein kann. Alles bei ihr kommt intiuitiv und aus dem Bauch raus, prasselt ungefiltert auf den Zuschauer ein und wühlt einen über alle Maßen auf. Dehalb auch meine zu Beginn erwähnten Tränchen. Aurélia vermittelt so unglaublich viel Emotionalität, hat so eine ungeheure Power, ein solches Feuer. Das haben auf internationaler Ebene nur wenige Ausnahmeerscheinungen wie Scout Niblett, Shannon Wright oder Liela Moss von The Duke Sprit.

Toll deshalb, daß sie zurück auf der Bühne ist und mit Sylvain, Gérald und Marco eine schlagfertige Truppe um sich hat. Eine Truppe, die aber nicht nur mit Energie, sondern auch Feingefühl zu Werke geht und solch hübsche Instrumente wie Melodica, Glockenspiel und Omnichord mit einbindet.

War also wirklich ein famoses und sehr intensives Konzert am Montag.




Aber auch vor Game & Watch wurde schon ganz fabelhafte Musik geboten. Kein Geringerer als Robin Guthrie von den Cocteau Twins hat die Debüt Ep namens Dead Letters von Sealight produziert.

Sealight, das ist das Projekt der Französin Sandra (früher Drou & The Candy Kid), ihres australischen Lovers Dave Olliffe (Heligoland) und des Drummers Marco, der auch bei Game & Watch aktiv ist. (er kam heute also gleich zwei mal hintereinander zum Einsatz!)

Sandra singt ätherisch schön, während Dave seine legendären melodischen Gitarrenwände hochzieht und Marco trommelt aus dem Hintergund dezent mit. Man nenne das Ganze Shoegaze, oder auch Dream Pop, Fakt ist auf jeden Fall, daß die Musik von Sea Light den Zuhörer in völlig andere Sphären beamt. Red Bull verfleiht Flügel, Sealight liefern gleich noch den Propeller mit! Da schwebt man wirklich über den weichen Schäfchenwolken als hätte man massenweise halluzinogene Pilze geschluckt und mit Wodka runtergespült. Wahrlich traumhaft!

Um das Ganze dann auch richtig genießen zu können, habe ich mich vorne auf der Bühne in eine kleine Ecke gehockelt, meine Daunenjacke ausgebreitet, es mir gemütlich gemacht und die Augen geschlossen. Meditieren zu Musik, schöner geht's kaum.

Zu hauchzarten Songs wie When The Rain Starts hieß es dann schwelgen, davontragen lassen, in die Tiefe der Musik hinabtauchen. Ein beinahe hypnotisches Erlebnis.




Das wolkenverhangene Dream Pop Set bewegte sich immer im Midtempo Bereich nahm am Ende aber mehr Fahrt auf. Bei White Walk bekam der Drummer mal so richtig Arbeit und am Ende waren alle drei Musiker schweißgebadet aber glücklich.

Wir werden sie in Paris noch öfter sehen, keine Frage, aber auch in Berlin werden Sealight sich bereits dieses Jahr blicken lassen: 14. Dezember Schokoladen Berlin. Save The Date!






Samstag, 23. April 2011

Asobi Seksu, Paris, 22.04.11

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Konzert: Asobi Seksu
Ort: La Flèche d'or, Paris, Inrocks Indie Club
Datum: 22.04.2011
Zuschauer: nicht sonderlich viele
Konzertdauer: etwa 1 Stunde


Boah, ey!!! Der Hammer! Asobi Seksu haben mich mit ihrem noisigen Dreampop in andere Galaxien gebeamt, das Konzert in Paris war ein Oberknaller.

Offebachä, nix wie hin zu Asobi Seksu heute abend!!

Setlist Asobi Seksu, La Flèche d'or, Paris:

01: Coming Up
02: Trails
03: Rasberry
04: Size
05: Perfectly Crys
06: New Years
07: Drummer
08: Thursday
09: Happy
10: Pink Light
11: Trance Out
12: J.A.M.C.

13: Red Sea

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Heresy Of The Free Spirit (Jozef van Wissem) & Damon & Naomi & Prim Undermind, Paris, 14.12.10

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Konzert: Heresy Of The Free Spirit (Jozef van Wissem) & Damon & Naomi & Primordial Undermind
Ort: les Voûtes, Paris

Datum: 14.12.10
Zuschauer: vielleicht 70-80?


Verflucht! Hätte ich mir doch mehr Zeit gelassen, um zu wissen, wo die obskure Location "Les Voûtes" genau liegt. Abgehetzt und wieder recht spät dran, guckte ich nur ganz beiläufig auf einen Auszug von Google maps und sah, daß les Voûtes in der Nähe des Hausbootes Batofar gelegen seien. Ich notierte auch zur Sicherheit die (falsche, aber dennoch im Netz vermerkte!) Adresse 91 Quai Panhard et Levassor. Das würde ich schon finden, zur Not fragen.

Am Seine- Ufer in der Nähe der Bibliothèque François Mitterand angekommen, sah ich aber nur die mir bekannten Hausboote Dames de Canton und Batofar im Wasser schwimmen. Nichts deutete auf eine Undergound Location in der Nachbarschaft hin. Ich erkundigte mich nach "Les Voûtes", aber niemand konnte mir helfen. Die Leute, die im Batofar arbeiteten, schüttelten alle nur ahungslos mit dem Kopf. Seltsam war allerdings, daß sie noch nicht einmal den Quai Panhard et Levassor kannten, denn der lag in der Tat nicht weit entfernt. Man musste nur zurück auf die Uferstraße klettern, um ihn zu erreichen. Das half mir aber nicht viel, denn zunächst lief ich alter Trottel in die falsche Richtung und dann konnte ich partout keine Nummer 91 finden. Es gab sie einfach nicht! Der Quai hörte beiNummer 89 auf!! Meine Nachfrage bei den Leuten in den umliegenden Sushi-Restaurants ergab auch nichts. Les Voutes kannten sie nicht: "Noch nie gehört!" Ich latschte mehrfach die Gegend ab, rauf und wieder runter, ohne Erfolg. Ich fror unglaublich, denn es war eisig kalt in Paris in dieser trostlosen Dezembernacht. Einen Moment lang dachte ich daran, mit der U-Bahn wieder nach Hause zu fahren. Aber so leicht gab ich nicht auf! Ich schaute mir auf der Rückseite einer Bushaltestation einen Plan des Viertels an. Hinter dem letzten Gebäude des Quais war ein Ort eingezeichnet, der auf den mysteriösen Namen "Les Frigos", die Kühlschränke, hörte. Den Namen hatte ich schon einmal im Zusammenhang mit einer sagenumwobenen Underground-Location aufgeschnappt. Veranstaltete dort nicht etwa der Kerl, der auch in dem inzwischen wieder geschlossenen "Le Tunnel" (ich berichte hier von dieser saucoolen Location) Konzertabend organisierte? Ich war mir nicht sicher, aber mein Gespür sagte mir nun, daß Les Voutes irgendwo in der Nähe dieser Frigos liegen müssten. Ich erreichte einen gottverlassenen Autoparkplatz, zu dem ich über ein kleine Treppe gelangte. Meine alten Augen erblickten ein komplett mit Graffitti vollgeschmiertes Jugendzentrum, in dem noch Licht brannte. Ob ich hier richtig war? Menschen standen bei der Kälte keine draußen und der Name Les Voutes war auch nicht markiert. Ich zog frustiert wieder ab, in der Meinung, daß hier wohl auch nicht die gesuchten Konzerte stattfinden würden. Deprimiert kletterte ich die kleine Treppe wieder hoch und sah plötzlich zufällig den Flyer der Veranstaltung an einer Mauer hängen. Moment mal! Dann musste das Ganze doch hier irgendwo sein! Ich schlich zurück zu dem Zentrum und sah plötzlich einen Mann vor der Tür. Etwas verschüchtert fragte ich ihn nach les Voutes und er erklärte mir, daß ich einmal ganz um das Haus rumlatschen müsse, dann würde ich es schon sehen. Ich latschte und öffnete eine Tür, landete aber lediglich in einem großräumigen Café ohne Gäste. Der Wirt schickte mich ein Haus weiter und nun endlich, war ich dort, wo ich seit einer Stunde hinwollte! Nach Bezahlen des Eintrittspreises von 10 Euro gelang ich in einen röhren/tunnelförmigen Backsteinraum, an dessen Ende die Bühne war. Die Besucher saßen auf dem Boden oder auf den bequemen grünen Kinosesseln an der Seite. Ich entschied mich für den Sessel, taute nach der schlimmen Käte draußen schnell wieder auf und blickte nach vorne. Dort spielten gerade Damon und Naomi. Ein erlesenes Dreampop- Duo aus den USA und Gründungsmitglieder der Kultband Galaxie 500. Allerdings war ich hauptsächlich wegen des Lautespielers Jozef van Wissem und seinem Nebenprojekt Heresy Of The Free Spirit (Jozef plus zwei zusätzliche experimentelle Musiker) gekommen. Zu dumm nur, daß er mit seinem Set bereits durch war, weil er als Erster gespielt hatte! Hätte ich mir zu Hause den Plan nur etwas genauer angesehen, hätte ich die Loaction schnell gefunden und wäre pünktlich gekommen. So aber musste ich mit Damon und Naomi vorlieb nehmen. Deren Set war aber zumindest so schön, daß ich halbwegs vertröstet wurde. Ich kannte sie schon von einem früheren Konzert im Mains D'oeuvres und wusste, daß mich sehr langsame, ruhige und äußerst melancholische Musik erwarten würde. Darauf hätten sie 15 Jahre hingearbeitet, meinte dann auch Damon in einer witzigen Szene. "Von Jahr für Jahr versuchen wir langsamer und trauriger zu werden", erkärte er fast stolz und hielt hinterher auch musikalisch Wort. Die Stücke waren in der Tat alle in moll gehalten, schritten im Zeitlupentempo voran und schwebten förmlich durch den röhrenförmigen Raum. Der dreampoppige Charakter wurde noch dadurch unterstrichen, daß Naomi nur in Umrissen zu sehen war. Die Spots waren auschließlich auf Damon gerichtet.

Fragt mich bitte nicht nach Titeln, in dieser Hinsicht bin ich nicht fit. Ich weiß lediglich, daß sie Song To The Siren, ein Tim Buckley Cover gepielt haben. Am Merch gab's ne DVD, was für Romantiker zu Weihnachten, gelle?

Weniger romantisch dann aber Primordial Undermind. Ein kalifornisches, inzwischen in Wien lebendes Trio, das ich vorher nicht kannte, obwohl Wikipedia sagt, daß sie Kritikikerlieblinge und schon seit den späten 1980er Jahren unterwegs seien. Ihr beinharter Psychedelic Rock mit Postrockeinflüssen passte perfekt zur heutigen Underground Location. Instrumentelle Passagen wechselten sich mit Parts ab, bei denen gesungen wurde und auch beim Tempo, dem Grad der Verzerrung der Gitarre und des Basses und der Lautstärke variierten die drei sympathischen Raubeine wunderbar. Nicht selten wurde die Noisekeule geschwungen und die inzwischen nur noch relativ rar gesäten Zuschauer hatten ihre helle Freude an dem knackigen Set. Konsequenz der guten Resonanz beim Publikum war eine Zugabe, die mich fast die letzte U-Bahn verpassen ließ. Nur um Sackhaaresbreite erreichte ich den letzten Zug und tuckerte Richtung Heimat, wohlwissend, daß ich wieder einen guten Konzertabend in einer kultigen Location verbacht hatte. Und den Jozef van Wissem sehe ich dann halt wieder bei seinem nächsten Besuch in Paris!



Dienstag, 7. September 2010

Karaocake, Paris, 06.09.10

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Konzert: Karaocake

Ort: le Baron, Paris
Datum: 06.09.2010
Zuschauer: keine Ahnung
Konzertdauer: ungefähr 45 Minuten

Chronique en français ci-dessous


Für den heutigen 6. September hatte ich mir zwei Konzerte herausgesucht, bei denen man sich auf eine Liste setzen lassen musste. Zum Konzert von Coco Rosie beim Radiosender France Inter kam ich , genau wie etwa 30 andere Pechvögel (Glückspilze?), nicht rein, aber im Nobelclub Baron lief es besser für mich. Die Pariser Elektro Popband Karaocake spielte dort und zeigte ein wundervolles Set voller dreampoppiger Sahnebonbons.

Bevor ich in den Genuß des Gratiskonzertes kam, musste ich aber erst einmal Geduld beweisen. Mindestens 30, wenn nicht gar 40 zähe Minuten saß ich vor meinem Tischchen und glotzte Löcher in die Luft. Der DJ spielte funkige Oldies und erst ganz allmählich tröpfelten die Leute ein. Als es um 0 Uhr 20 los ging, war der puffartige Club (diese roten Lämpchen überall) bei weitem nicht voll. Komischerweise änderte sich das schlagartig, als Karaocake mit ihrem Program durch waren, da drängelten sich die Damen der Schickeria mit ihren Stöckelschuhen auf der kleinen Tanzfläche...

Mein Unbill über diese typischen Begleitumstände im Baron verflog aber, als das französische Trio angefangen hatte und mich von Beginn an verzauberte. Karaocake bestehen aus der Sängerin und Songschreiberin Camille Chambon, dem Gitarristen (Bassisten) und Arrangeur Domotic und Charlotte Sampling (ein Mann namens Tom Gagnaire übrigens). Die drei jungen Künstler haben erst kürzlich für Aufsehen in der Indieszene gesorgt, als sie nämlich Ende August Au Revoir Simone im Nouveau Casino supporten durften. Und an Au Revoir Simone wird man auch desöfteren erinnert, wenn man Karaocake hört. Unschuldiger, höchst lieblicher Frauengesang, zarte, dreampoppige Keybordklänge und Songs, die sich ziemlich schnell im Ohr einnisten. Ihr größter Ohrwurm ist ohne Frage die vom Debütalbum Rows & Stitches ausgekoppelte Single It Doesn't Take A Whole Week, die bei mir in den Sommerferien rauf-und runterlief. Der Refrain ist unwiderstehlich und die Melodie unfassbar catchy. Diese Nummer spielten die Franzosen recht früh, aber damit hatten sie ihr Pulver längst noch nicht verschossen. Sie sind mehr als ein One Hit Wonder, legen es aber nicht auf Teufel komm raus darauf an, eingängig zu sein. Dezentere Stücke wie Bodies &Minds oder Brooklyn Bridge bewiesen dies. Verhuschte, sahnig gerührte Slows zum Abträumen. Löblich auch, wie abwechslunsgreich das Konzert war, welches wunderbar Stilrichtungen wie Dreampop, 60ies Pop und New Wave miteinander vereinte. Hier klang keineswegs jeder Song gleich, was auch maßgeblich an Domotic lag, der mal Gitarre, mal auf markante Weise Bass spielte (z.B. bei Change Of Plans) und zusamen mit seinem Kollegen Charlotte Sampling hübsche Chorgesänge beisteuerte. In den basslastigen Momenten wurde ich wohlig an die Young Marble Giants erinnert, wahrlich keine schlechte Referenz!

Der Abschluß noch einmal ohrwurmig. Medication hat sicherlich das Potential zur zweiten Single. Nach schleppendem Beginn bekam die Nummer richtig Dampf unter den Hintern und erfreute mit erfrischenden Songzeilen wie "We shall be allright for medication, drinking wine straight from the bottle "und einem ahaha-Singalong vom Feinsten.

Karaocake sind toll, genau wie ihr Label Clapping Music, das unter anderem auch solch innovative Bands wie Yeti Lane, François Virot und Clara Clara beheimatet.

Setlist Karaokake, Le Baron, Paris (merci à Camille):

01: High And High
02: Bodies & Minds
03: It Doesn't Take A Whole Week
04: Brooklyn Bridge
06: Never Sure
07: Change Of Plans
08: Homeland
09: Inwards
10: Medication

Pour nos lecteurs français:

Au début j'avais prevu d'aller à deux concerts qui marchent sur invitation: d'abord la Black Session avec Coco Rosie chez France Inter et ensuite le concert de Karaocake au club très select le Baron. Mais pour Coco Rosie il n'y avait rien à faire cette fois-ci. Une queue de 30 personnes attendaient devant la porte de la Maison de Radio France pour obtenir une place de dernière minute (en général,ça marche), mais comme il y avait beaucoup trop de monde, ils m'ont pas laissé entrer...


Mais pour le deuxième concert j'ai eu plus de chance! Au Baron les videurs commencent à me connaître et en plus j'étais sur la liste! Pas de problème pour passer donc et ça valait le coup! Karocake, c'est un trio de pop électronique français, emmené par l'attachante chanteuse et compositrice Camille Chambon, qui s'entoure de deux garcons, Domotic (guitare, basse, clavier) et Charlotte Sampling (clavier, et oui c'est un garçon qui se cache sous ce pseudo!) pour présenter leurs comptines douces amères en live. L'attente fut longue, mais à minuit 20 le rideau se levait enfin! Le groupe m'a aussitôt séduit avec ses chansons envoûtantes, rêveuses et entêtantes. Le tube It Doesn't Take A Whole Week qu'ils ont joué en troisième position p.ex. est imparable! Une voix très jolie et innocente, des nappes de synthé de toute beauté et un refrain irrésistible, ce morceau qui est sorti également en 45 tour vinyle a tout pour plaire. Mais les Karaocake ont aussi des morceaux moins directs, mais tout aussi passionnants. Leur style, qui est parfois proche de Au Revoir Simone (pas étonnant, vu qu'ils les ont soutenu en premiere partie au Nouveau Casino récemment!) est simple, mais loin d'être banal ou commercial. Il est rafraichissant de constater qu'ils varient leur répertoire (entre dream pop, pop 60ies ou New Wave) et aucune chanson ne ressemble vraiment aux autres. J'ai particulièrement aimé les titres avec plus de basse (joué par Domotic), puisque ils m'ont fait penser aux cultissimes Young Marble Giants, un de mes groupes préférés.

Dommage qu'il n'y ait pas eu encore un peu plus de gens pour écouter, la grande foule arriva bizarrement plus tard, et pourtant Karaocake, qui sont signé sur le super label Clapping Music ,est un groupe à suivre de très près! Allez les voir en concert, ça vaut le détour!

Shows à venir de Karaocake:

16 Sep 2010: Cave au poètes, Roubaix
5 Oct 2010: Point FMR, Paris
7 Oct 2010: 6 par 4, Laval
22 Oct 2010: 4 ècluses, Dunkerque
29 Oct 2010 Festival Novosonic Dijon
30 Oct 2010: Violon Dingue, Nantes
5 Nov 2010: Le Sainteux, Bordeaux
12 Nov La Lune Des Pirates, Amiens
20 Nov 2010: Au Bout Du Monde, Limoges
8 Dec 2010: L'Epicentre, Cherbourg
10 Dec 2010: Salle Ockegheim, Tours


- Mehr Fotos von Karaocake/plus de photos: klick!



 

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