Donnerstag, 1. Oktober 2009

Norman Palm & Mai, Paris, 30.09.09


Konzert: Norman Palm & Mai

Ort: Le Pop In, Paris
Datum: 30.09.2009
Zuschauer: richtig viele, mehr gingen nicht rein! Also 80? 100?
Konzertdauer: Mai 30 Minuten, Norman Palm schätzungsweise 45 Minuten



Heute bekam ich Besuch aus Deutschland! Der talentierte Berliner Singer/Songwriter Norman Palm beehrte nämlich das schnuckelige Pop In, unweit des umtriebigen Oberkampf Viertels. Und weil selten Landsleute in Paris spielen*, stand ich natürlich auf der Matte. Außerdem mag ich Norman und seine Musik, seitdem ich beim letztjährigen Festival Top Of The Folks in Rennes auf ihn aufmerksam geworden bin. Mit mächtig Vorfreude im Bauch kam ich deshalb gegen 20 Uhr 30 am Ort des Geschehens an und traf direkt auf Norman, seine französische Bookerin und Franck, den sympathischen Indieplattenhändler. Sie unterhielten sich vor der Tür stehend auf englisch, aber eigentlich wäre das nicht nötig gewesen, denn Norman hat ein Jahr in Paris Design studiert und versteht und spricht die Sprache Molière's ganz ausgezeichnet. Ich wechselte ein paar Worte auf deutsch mit ihm, was die umstehenden Franzosen ein wenig belustigte. Sie behaupteten nichts zu verstehen, aber da muss man vorsichtig sein. Franzosen hatten schließlich fast alle ein paar Jahre deutsch in der Schule. Aber Frechheiten wurden ohnhein nicht ausgetauscht, sondern nur lobende Worte über die Location und Ähnliches. Norman war auch so nett, mir auf einer nahe gelegenen Steinmauer ein Interview zu gewähren, bei dem es viele interesante Dinge zu erfahren gab. Was genau, werde ich später ausführlich erzählen, aber eine lustige Begebenheit kann ich doch schon vorwegnehmen. Der Berliner hatte nämlich am Nachmittag beim Radiosender France Inter gespielt und dort auch Jane Birkin, eine französische Nationalheilige (obwohl eigentlich Engländerin), getroffen. Norman schien zunächst sehr angetan von der Chanteuse, als ich ihm aber erzählte, daß ich Tochter Charlotte Gainsbourg (Kind von Jane & Serge) schon einmal in einem Park gesehen hatte, war er fast ein wenig neidisch: "Oh, die hätte ich auch lieber getroffen!"

Die Stimmung hätte also relaxter nicht sein können und da im Pop In die Konzerte immer frühestens um 21 Uhr 30 beginnen, war auch noch genug Zeit für weitere Unterhaltungen vor der Türe. Gegen 9 Uhr ließ sich Johanna Wedin blicken, die unter dem Pseudonym Mai bereits ein Album (Still Need A Kiss, 2007) veröffentlicht hat und gerade dabei ist, das zweite Werk einzutüten. Johanna sieht genau so aus, wie man (n) sich eine Schwedin vorstellt: Hübsch, blond, blauäugig. Eine Augenweide! Aber auch ihre Musik ist wirklich nicht schlecht, wie sie kurze Zeit später im Keller des Pop In bewies. Zahlreiche Schweden, Franzosen, Japaner, Amerikaner, Italiener und auch ein paar Deutsche, hatten sich hier eingefunden und im Nu war es gerammelt voll. Die Meute wartete gespannt auf den Beginn, aber zunächst gab es erst einmal Tonprobleme zu lösen und knarzige Geräusche zu ertragen.

Nach Behebung dieser Störfaktoren konnte man aber dann reinste Wohlklänge genießen. Johannas weiche und sinnliche Stimme erfüllte das Kellergewölbe und zuckersüße Glöckchen wurden zum Schwingen gebracht, während ein Gitarrist das Ganze noch dezent untermalte. Our Ghost, so der Titel, war bereits ein gutes Beispiel für den Stil der in Paris lebenden Schwedin. Süß-sauer! Hinter den kindlich und leicht naiv anmutenden Liedern lauert ständig eine wohlige Melancholie, die vermutlich in langen schwedischen Nächten gereift ist. Aber so traurig ist Johanna zum Glück auch nicht und wenn sie eines ihrer hübschen Lieder beendet hatte, lächelte sie immer zufrieden und dankbar.

Highlights? Sicherlich das sentimentale Old Souvenirs, bei dem Johanna fast wie Cherylin MacNeil von Dear Reader klang oder auch Wedding Ballad. Schlecht war ohnehin kein einziges Lied und so erntete die Blondine am Ende auch den verdienten Applaus.

Nun war Norman Palm an der Reihe. Der Projektor, der auf ein paar Kisten stand, verriet schon, daß es auch etwas für Fans von visuellen Untermalungen geben würde. Im Gegensatz zu den meisten anderen hier war mir natürlich klar, um was es sich handelte, da ich das wunderhübsche CD Book schon seit ein paar Monaten mein Eigen nennen kann und und ich auch die entsprechende Liveumsetzung mittels Projektor schon in Rennes gesehen hatte. In Bilderbuchform hat der ehemalige Designstudent das Werk konzipiert und dieses wurde uns nun von Isabelle, der französischen Bookerin, an die Wand projeziert. Eigentlich übernimmt ansonsten immer eine aparte Finnin diesen Part, aber Norman erklärte schmunzelnd, daß sie nun einmal Kosten sparen müssten und die Verplichtung von Isabelle güsntiger sei, als die etatmäßige Finnin einfliegen zu lassen. Ein charmanter Auftakt! Der Charmefaktor wurde in der weiteren Folge noch dadurch gesteigert, daß die Bookerin oft zu flott in die Tasten des Macbooks tippte und die Bilder und Songtexte deshalb zu früh eingeblendet wurden. Sie wußte sich aber zu helfen und blätterte bei Bedarf einfach noch einmal zurück...

Was genau an die Wand gewurfen wurde, will ich aber im Detail gar nicht verraten, denn unsere Leser sollen schließlich das schlicht und einfach "Songs" bezeichnete Machwerk, das gerade noch einmal neu aufgelegt wurde (die ersten tausend Exemplare sind restlos vergriffen!) kaufen! Man kann mit dem Erwerb auch gar nichts falsch machen und ersteht eine Freude fürs Auge und fürs Ohr! Und dies sage ich, obwohl ich natürlich keine Provision bekomme. Mir geht es einzig und allein um die Unterstützung von guten Indiekünstlern und das ist Norman Palm allemal. Er verfügt über eine schöne Stimme, ein feines Guitarpicking und ämusante Texte, die tiefgründiger sind, als es auf den ersten Blick erscheint. Da geht es um Jungen die nicht weinen dürfen (natürlich rede ich vom The Cure Cover Boys Dont Cry), eine nette, aber doch unglaublich mittelmäßige Provinzstadt in Deutschland namens Middletown oder frei umherschwirrende Musik (Floating Around). Und die Bilder (ein paar Dinge darf man dann doch verraten), z.b. sich rasch fortbewegende Spermien oder ein Schild mit der Aufschrift: "Pommes Spezial ", sorgten immer wieder für Schmunzler im Publikum. Ob Franzosen das mit den Pommes Spezial verstehen? Hmm, dazu müssten sie schon ein gute Vorstellung von den kulinarischen Irrungen und Wirrungen der Teutonen haben! Welcher Franzose würde schon auf seine Fritten gleichzeitig Ketchup und Mayonaise machen? Andererseits: Frenchies, die gerade in Berlin waren, erzählen mir hinterher immer begeistert von der leckeren Currywurst und dem feinperligen Becks- Bier...

So hatten dann letztlich alle ihren Spaß und es machte auch gar nichts, daß gegen Ende der Projektor ausfiel und man fünf Minuten lang nur ein Testbild sah, bevor es mit bewegten Bildern weitergehen konnte.

Der Auftritt von Norman und seinem hervorragenden finnischen Multiinstrumentalisten (Melodica, Keyboard und tollerweise Steel Drum! ) Janne Lounatvuori kam sogar so gut an, daß eine Zugabe gegeben werden musste. Mit Girls Just Wanna Have Fun bekamen die entzückten Musikfans zum krönenden Abschluß eine weitere originelle Coverversion aus den 80er Jahren geboten.

Wow! Ich sollte häufiger Besuch aus Deutschland bekommen!


* Tokio Hotel und Rammstein, die häufig in Paris aufkreuzen, kann man natürlich nicht mitzählen!

Konzerttermine von Norman Palm:

04.10.2009: Deutsches Theater, Berlin
08.10.2009: Filmgalerie Krems, Österreich
10.10.2009: Volkshaus, Klagenfurt, Österreich
12.10.2009: B72, Wien, Österreich
13.10.2009: PPC, Graz, Österreich
15.10.2009: Club Bonsoir, Berne, Schweiz
29.10.2009: Schaubühne, Berlin
06.11.2009: Exit07, Luxemburg


Aus unserem Archiv:

- Norman Palm in Rennes hier
- Mai beim Festival les femmes s'en mêlent hier


Videos: Norman Palm - Boys Don't Cry
Oh Elisa



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