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Donnerstag, 15. Dezember 2011

Jarvis Cocker, Paris, 14.12.11

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Buchlesung und Autogrammstunde: Jarvis Cocker
Ort: Rough Trade Store chez agnes b., Paris
Datum: 14.12.2011
Zuschauer: 70 vielleicht?


Das Comeback von Pulp scheint Jarvis Cocker anscheinend nicht vollständig auszulasten, so daß ihm noch Zeit für andere Projekte bleibt. Er hat ein Buch mit seinen Lyrics zusammengestellt, daß unter dem Titel Mother, Brother, Lover vertrieben wird.

Zur Lesung von Auszügen dieses Werkes, in dem 66 Texte (meistens von Pulp) zitiert und kommentiert werden, erschien Mister Cocker im Rough Trade Store zu Paris und signte hinterher artig Bücher, ließ sich abknipsen und plauderte ein paar Takte mit seinen Fans. Viele Mädchen standen Schlange, was wieder einmal beweist, daß musizieren etwas Erotisierendes haben muss. Oder finden Frauen Jarvis wirklich sexy? Wenn er z.B. genauso aussehen würde, aber Buchhändler oder Englischlehrer wäre und nie Musik gemacht hätte?

Gut, diese Frage müssen wir hier nicht klären, viel spannender ist ohnehin, ob Jarvis im Jahre 2012 eine Oliver Peel Session spielen wird. Diesbezüglich angebaggert habe ich ihn natürlich und er schien nicht abgeneigt, merkte aber an, daß er mit Pulp noch einige Termine hätte.

Josh T. Pearson hat seinen Bart übrigens auch Gassi geführt und ist mit ihm ebenfalls zu Jarvis gekommen. Die beiden Musiker kannten sich vorher nicht persönlich, kamen aber hinterher ins Gespräch und mussten es erdulden, daß ich geistesgestörter Blogger die beiden permanent abknipste. Josh bekam das Buch von Cocker geschenkt, ich musste dafür blechen. Blogger sind eben arme Hunde...

Bonne nuit de Paris!



Mittwoch, 2. September 2009

Richard Hawley, Paris, 01.09.09

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Konzert: Richard Hawley

Ort: Le Truskel Paris, Sans Piles Sessions de Magic rpm
Datum: 01.09.2009
Zuschauer: es war sehr voll
Konzertdauer: 25-30 Minuten



Die französische Musikzeitschrift Magic veranstaltet seit geraumer Zeit im kleinen Pariser Pub Truskel Akustiksessions, die gratis sind und sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Kein Wunder, finden sich doch illustre Gäste der Indieszene unter den Akteuren der letzten Sessions. Dieses Jahr haben beispielsweise bereits Au Revoir Simone, (auf dem Foto) Camera Obscura und Dinosaur Jr. (!) die Wände vibrieren lassen. Hautnah kann man seinen Idolen zusehen, wie sie ihre Hits ohne Verstärker zum Besten geben und wenn man nicht zu schüchtern ist, kann man natürlich hinterher auch noch ein wenig mit den Künstlern plaudern. Ein tolles Konzept also, das meine vollste Unterstützung hat. Aber ich bin natürlich nicht der einzige Fan der Sans Piles Sessions und so platzte das winzige Truskel heute wieder einmal aus allen Nähten. Wäre ich doch bloß eine viertel Stunde früher gekommen! Dann nämlich hätte ich mir ein Plätzchen in den ersten Reihen sichern können, so blieb mir aber nur der unvorteilhafte Standort im Eingansbereich. Von dort aus konnte ich von der Musik nicht viel hören und die Sicht auf Richard Hawley war von zahlreichen Köpfen verdeckt. Ich musste mich schon stark konzentrieren, um zumindest ein wenig von der wunderbar verrauchten Stimme des Kritikerlieblings aus Sheffield mitzubekommen. Welche Songs er sang, konnte ich leider nicht sagen. Letztlich war die Sache nach 6 Liedern und höchstens 25 Minuten Spieldauer auch schon wieder zu Ende. Leute, die günstiger postiert waren, berichteten mir, daß er 4 Titel von seinem brandaktuellen Album Truelove's Gutter und zwei ältere Stücke gespielt hatte. Aber auf der Internetseite von Magic wird man ja in Zukunft mindestens 3 Videos von dieser Session sehen können.

Habe ich noch was vergessen? Achso, spielte Richard Hawley nicht am Ende auch bei Pulp? Und zumindest für das erste Soloalbum in der Band von Jarvis Cocker? - Aber klar! Und wenn man aus einer Arbeiterstadt wie Sheffield kommt, dann pflegt man natürlich alte Freundschaften! Insofern nicht weiter erstaunlich, daß Jarvis himself, bekanntermaßen seit ein paar Jahren Wahl-Pariser, vorbeischaut, wenn sein alter Kumpel spielt. Forsch wie ich nun einmal bin, habe ich dann die Chance beim Schopfe gepackt und Jarvis von der Seite angesprochen. Ich lobte seinen Auftritt beim Berlin Festival (er wunderte sich darüber, daß die Sache letztlich drinnen stattgefunden hatte), leierte brav runter, wo ich ihn schon überall live gesehen hatte und ließ es mir auch nicht nehmen, ihn auf meine Oliver Peel Sessions hinzuweisen. Ob er nicht auch Lust hätte, mal in unseren vier Wänden zu spielen? Er schaute mich forschend an und meinte verschmitzt: "Oh, so this is just a concert for you, for one person?", woraufhin ich ihm natürlich erklärte, daß wir die beiden letzten Male 35 Leute waren, einen Hut rumgehen lassen würden und meine Frau leckere Häppchen zubereiten würde. Da hellte sich seine Miene auf und er sagte prompt: "So, why not?" Zur Not habe ich mir seine E-mail Adresse geben lassen und er schien wirklich nicht abgeneigt, den Gag mitzumachen. Cool wär's ja schon, oder etwa nicht??

Aber eigentlich wollte ich ja von Richard Hawley erzählen...



Sonntag, 9. August 2009

Jarvis Cocker, Berlin-Festival, 08.08.09

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Konzert: Jarvis Cocker
Ort: Main Stage, Flughafen Tempelhof, Berlin
Datum: 08.08.2009
Zuschauer: ca. 8000
Konzertdauer: ca. eine Stunde


Jarvis Cocker, mit seiner Hornbrille und seinen Tweed- oder Cordjackets der Inbegriff des britischen Intellektuellen, beehrte den inzwischen stillgelegten Flughafen Tempelhof mit seinem Besuch und hatte gleich zu Beginn auch schon den passenden Spruch parat: "Hello, welcome to the airport!" Ein schlagfertiger und charismatischer Bursche dieser Jarvis der mehrfach deutlich machte, daß er ein durchgeknallter Rockstar und kein handzahmer Teetrinker ist, den sich konservative Schwiegermütter erträumen. Seine Michael Jackson- Störaktion während der Britawards 1996 ist ja legendär und auch heute noch hat es der Mitvierziger faustdick hinter den Ohren. Anstatt mit fortschreitendem Alter vom Britpoper zum gediegenen Folksänger zu mutieren, zieht es Mister Cocker vor, zünftig zu rocken. Sein aktuelles, zweites Soloalbum nach der legendären Karriere mit Pulp ist deutlich vom Blues-und Hardrock der 70er Jahre infiziert und einige der heute performten Songs klangen konsequenterweise mehr nach Black Sabath als nach Dandy-Pop.

Gleich als zweites Lied des Sets schmetterten Jarvis und Band das Highlight des
neuen, von Steve Albini produzierten Albums Further Complications und zwar den in die Beine gehenden Stampfer Angela. Zuvor hatte der kesse Brite behauptet, seine Hände haben magische Kräfte und könnte die Vornamen der Besucher identifizieren, wenn er sie in die entsprechende Richtung lenke. Natürlich landete man nach etlichen anderen Namen irgendwann bei Angela und dies obwohl die Kanzlerin nicht im Publikum ausgemacht wurde. Ein witziger Gag, der noch durch den auf deutsch formulierten Satz: "Du riechst nach Nuttendiesel" (wer ihm wohl diesen Spruch beigebracht hatte?) getoppt wurde.

Ansonsten faselte der in Paris lebende Engländer davon, daß ein Saxofon nicht
unbedingt beknackt klingen müsse (der musikalische Beweis folgte auf dem Fuße), oder von Kuchen, der die Kinder dick mache, was natürlich eine glänzende Überleitung zu dem besten Lied des ersten Soloalbums, Fat Children, war. Leider überzeugte aber nicht jeder Song gleichermaßen und so waren ein paar durchwachsenere Phasen zu beklagen. Jarvis turnte zwar beweglich wie ein Gummimensch eine Stunde über die Bühne, strafte sich somit selbst Lügen ("I'm quite old") und performte Stücke wie Further Complications, I Never Said I Was Deep, oder Don't Let Him Waste Your Time, konnte damit aber selten absolute Euphorie im Publikum entfachen. Vielleicht waren die Zuschauer einfach zu jung, elektronisch musiksozialisiert und unreif, um vor dem intelligenten Songwriting und den etwas altmodischen Rocksongs einer britischen Musiklegende auf die Knie zu gehen. Die älteren Haudegen wie ich zum Beispiel, konnten der Sache aber so einiges abgewinnen. Zwischen etlichen hippen Elektronikacts auch mal eine leicht ergrauten Sänger zu erleben, fand ich persönlich erfrischend. Das Kompliment geht somit vor allem an die Programmveranstalter des Berlin-Festivals, die in den zwei Tagen eine ordentliche musikalische Mischung hinbekommen haben.

Links:

- Jarvis Cocker am 10.05.2009 in Paris
- und am 25.08.2007 bei Rock En Seine
- sowie im November 2006 in... Paris
- mehr Fotos von Jarvis beim Berlin Festival




Dienstag, 12. Mai 2009

Jarvis Cocker, Paris, 10.05.09

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Konzert: Jarvis Cocker

Ort: Galerie Chappe, Paris-Montmartre
Datum: 10.05.09
Zuschauer: vielleicht 200?
Konzertdauer: ca. 45 Minuten



Der in Paris lebende Engländer Jarvis Cocker hat eine ganze Woche lang in einer hippen Galerie am Fuße des Montmartre seine Fans mit zum Teil sehr spaßigen Einlagen verzückt. Jeweils zwischen 12 Uhr mittgas und 19 Uhr abends hat Jarvis mit seiner Band geprobt, Kinder zum Mitspilen eingeladen, eine Aktion: "bring your own instrument and play with us" ins Leben gerufen und sogar Yoga-und Pilateskurse (!) musikalisch beschallt. Zudem gab es Überraschunsgäste mit dem Highlight Au Revoir Simone am Samstag. Heather, Annie und Erika haben aktiv mitgejammt und ich ärgere mich jetzt noch schwarz, daß ich das verpasst habe! A propos verpasst haben: Von Jarvis (fast regulärem) Abschlusskonzert am Sonntag, das auf das neue Album Further Complication fokussiert war, habe ich nur noch ein einziges Lied (Angela) mitbekommen, weil man aus Rücksicht auf die Nachbarn das Programm spontan um eine Stunde nach vorne verlegt hatte! Schade, schade!

Aber mein Freund Angelo war extrem fleißig und jeden Tag vor Ort. Auf seinem Blog Rockerparis hat er alles ganz genau beschrieben und mit Fotos, Setlisten und Videos garniert. Hier ist sein Bericht vom letzten Tag und wenn ihr etwas stöbert, stoßt ihr auch auf seine anderen Reviews. Tolle Arbeit, Angelo!

Achso, ich persönlich hatte wenigstens hinterher die Möglichkeit, mit Jarvis ein wenig zu plaudern und mir ein Autogramm zu holen. Er war sehr aufgeschlossen und höflich, ohne jegliche Allüren und ließ sich geduldig abblitzen. Natürlich haben auch sehr viele Besucher die Gelegenheit genutzt, Jarvis aus nächster Nähe zu sehen.

Setlist Jarvis Cocker, Galerie Chappe, 10.05.2009 (merci a Angelo!):

01: Further Complications
02: Caucasian Blues
03: Leftover
04: I Nver Said I Was Deep
05: Homewrecker
06: Pilchard (Instrumental)
07: Holdstill
08: Angela

Links:

- Mehr Fotos werden nachgereicht.
- Video Jarvis Cocker Angela, live auf den Treppenstufen vor der Galerie Chappe, Paris Montmartre. Witzig! Bei Youtube findet ihr auch die ganzen anderen Videos, vor allem das zusammen mit Au Revoir Simone.
- Albumkritik Further Complications bei Spiegel Online
.

Ausgewählte Konzerttermine von Jarvis Cocker:

31.05.2009: Vega, Kopenhagen
02.06.2009: Fabrik, Hamburg
03.06.2009: Rockhal, Luxemburg
04.06.2009: Bataclan, Paris
06.06.2009: Ancienne Belgique, Brüssel
08.08.2009: Berlin Festival
21.08.2009: Frequency Festival, Salzburg

Aus unserem Archiv:

- Jarvis Cocker beim Festival Rock en Seine am 25.08.2007 hier
- uralt: Jarvis Cocker beim Festival des Inrocks in Paris, 12.11.2006 hier



Montag, 27. August 2007

Jarvis Cocker, Festival Rock en Seine, 25.08.07

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Konzert: Jarvis Cocker
Ort: Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 25.08.2007
Zuschauer: so einige

"Fat Children took my life", schallte es bereits bis zum Eingangsbereich des weitläufigen Geländes der Domaine Saint Cloud bei Paris, als ich in wilder Hast versuchte, so schnell wie möglich Richtung "Grande Scène" zum Konzert von Jarvis Cocker zu gelangen. Vorbei an der "Scène de l'Industrie, wo gerade der Engänder Calvin Harris sein Set begann, sprintete ich wie ein Kaninchen auf der Flucht, um wenigstens noch "Don't Let Him Waist Your Time" komplett mitzubekommen.

Völlig außer Puste kam ich schließlich schweißgebadet vor der Hauptbühne an und genoß in der Folge die witzigen (oft auf französich vorgetragenen) Ansagen und brillianten Lieder des Mannes aus Sheffield.

In Saint Cloud war es bereits kurz vor 19 Uhr, aber die Sonne schien noch herrlich über dem schönen Gelände und trocknete so zumindest ein wenig die Schlammspuren, die durch die heftigen Regengüsse vom Donnerstag verursacht worden waren. Der Auftrit des Ex-Pulp Mannes war mein erstes Konzert am heutigen zweiten Festivaltag, die Müdigkeit hatte meinem Vorhaben spätestens um 17 Uhr zu den guten Amerikanern Cold War Kids (die die kranke Amy Winehouse vertraten) da zu sein, einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Volle Konzentration nun also auf Jarvis, der sich in letzter Zeit ziemlich rar gemacht hatte. Um so schöner, daß er in seiner Wahlheimat Paris mit von der Partie war, was er auch zu schätzen wußte: "Je suis très heureux de jouer ici", sagte er folgerichtig auf französisch in seinem herrlichen englischen Akzent. Monsieur Cocker versuchte wirklich alles, um mit den Franzosen in ihrer Landessprache, der schönsten Sprache der Welt (zumindest nach Ansicht der Franzosen), zu kommunizieren. Nicht selten kam er allerdings hierbei ins Stottern, was aber dem Charme dieser Ansagen keinen Abbruch tat, im Gegenteil. Schließlich zählt der gute Wille und der war bei dem Engländer vorhanden. "Seit vier Jahren wohne ich jetzt hier in Paris, aber meine Sprachkünste sind noch verbesserungsfähig", meinte er fast entschuldigend.

Nichts zu beanstanden gab es hingegen an dem Set des Jacketträgers mit der Hornbrille, das war nämlich vorzüglich. Besonders schön: die Ballade "I Will Kill Again", bei der mir eine leichte Gänsehaut über den verschwitzten Rücken lief, vor allem als Jarvis herzerweichend und mit Inbrunst " And wouldn't it be nice for all the world to live in peace?", sang. Nachdem die Hymne verklungen war, wand sich Jarvis erneut an das Publikum und erklärte trocken: "i'm not criminal", don't take the title literally". Natürlich ist Jarvis kein Verbrecher, obwohl ihm der Schalk im Nacken sitzt und er es faustdick hinter den Ohren hat, was man aufgrund seiner Erscheinung - er wirkt mit Brille und Jacket wie ein Englischprofessor - nicht so ohne Weiteres vermuten würde. Unvergessen ist vor allem die Störaktion von Jarvis Cocker während eines Auftrittes von Michael Jackson, nach der er von der Polizei abgeführt worden war...

Aber abgesehen von "I Kill Again" gibt es durchaus Texte, die autobiographisch sein könnten und wörtlich genommen werden könnten, so z.B. in Tonite (O-Ton Jarvis: "rubbish title"), in dem der Hüne zu sanfter Musik Songzeilen wie "Let's have some drugs, let's have some sex", croonte.

Nicht autobiographisch, sondern als Hommage war allerdings das countryeske Stück "Big Stuff" zu verstehen, J. Cocker hatte es dem kürzlich verstorbenen Lee Hazlewood gewidmet. "C'est un homme, qui a fait des chansons très beaux", erläuterte er seine Sympathie für den Ex- Duettpartner von Nancy Sinatra. Aber nicht nur dieses Stück, bei dem er sich am Ende theatralisch auf den Boden fallen ließ, war neu für mich, sondern vor allem die Zugabe. Ich traute meinen Ohren kaum, als ich -bereits auf dem Weg zum Konzert von CSS - eine Cover-Version von "Paranoid" von Black Sabbath vernahm. Jarvis mag Ozzy, ist denn das zu glauben? Hmm, scheint zumindest in zu sein, die alten Heavys zu covern, überraschten mich doch schon die Flaming Lips mit einer Neuinterpretation von "War Pigs" bei ihrem letztjährigen Pariser Konzert.

Das es möglich war, einen solch wuchtigen Sound wie bei "Paranoid" zu produzieren, verdankte der Brillenträger übrigens seiner fünfköpfigen Band, in der allerdings Richard Hawley fehlte. Es war also zumindest musikalisch keine reine "One Man Show", wie es der dritte Titel des Sets vermuten ließ. Ansonsten natürlich schon...


Setlist Jarvis Cocker Rock en Seine:

01: Fat Children
02: Don't Let Him Waste Your Time
03: One Man Show
04: I Will Kill Again
05: Tonight
06: Big Julie
07: Big Stuff
08: Black Magic
09: Cunts Are Still Runnin' The World
10: Paranoid (Black-Sabbath Cover!)

Anmerkung: von meinem eigenen Bild, welches Jarvis in gebückter Pose zeigt, war ich eitlerweise so begeistert, daß ich es mir auf einen edlen Holzrahmen ziehen ließ. Von dem Ergebnis bin ich begeistert! Die kompetente Berliner Firma myfotoprint.de macht so etwas und versendet die Ware auf Anfrage auch gut verpackt zum Kunden. Natürlich müssen es keine Rockstars sein, man kann auch seinen Kater, sein Baby, oder seinen Hamster rahmen lassen, aber uns interessieren Musiker natürlich am meisten.



Dienstag, 14. November 2006

The Pipettes, Jarvis Cocker, Paris, 12.11.06

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Konzert: Tapes 'n Tapes, Arman Melies, Plan B, The Pipettes, Jarvis Cocker
Datum: 12.11.2006
Ort: La Cigale, Paris, Festival des Inrocks
Ausverkauft

Der dritte Festivaltag in Folge hinterließ auch bei mir Spuren und so mußte ich dem Kräfteverlust Tribut zollen. Die Aufnahmefähigkeit für fünf Gruppen war einfach nicht vorhanden und so mußte ich zu meinem Bedauern insbesondere die Amerikaner von Tapes 'n Tapes, die auf den Spuren von den Pixies wandeln, ausfallen lassen. Wie können die Veranstalter einen solchen Topact bloß auf 17 Uhr 30 legen? Weniger schmerzhaft war für mich der Verzicht auf den melancholischen französischen Chansonier Arman Melies und den britischen Rapper Plan B.

Der Einstieg in den heutigen Tag erfolgte somit mit dem Brightoner Girltrio The Pipettes. Zumindest in England haben sie schon für ziemliche Furore gesorgt und so war ich gespannt, ob der Hype denn wohl gerechtfertigt ist. Der rote Vorhang ging auf und Rose, Becki und Gwenno stürmten auf die Bühne. Zu meiner Überraschung ertönte nicht der Opener des Albums "We are the Pipettes" sondern ein flotter Song mit dem provokanten Titel "Sex". Sollte der Titel Programm sein? Nett anzusehen waren die drei ja ohne Zweifel, mit ihren buntgepunkteten Sixties-Kleidchen, übrigens alle mit dem gleichen Basismodell, aber jeweils individuell abgewandelt. Am schärfsten sah die große Blonde aus, wie heißt die denn und wie ist ihre Telefonnummer? Das Publikum kam allerdings nicht sofort in Wallung, sondern stand etwas phlegmatisch herum. Das änderte sich auch mit dem nächsten Song "Why did you stay" nicht wirklich und ich kann es vorwegnehmen, bis kurz vor Schluß sprang der Funke nicht über. Woran lag's? Vielleicht waren die Pariser noch etwas müde, möglich ist aber auch, daß den Leuten auffiel, daß sich die Songs letzlich doch alle sehr ähneln. Die Pipettes, die übrigens von einer vierköpfigen männlichen Backgroundband begleitet wurden, bemühten sich aber nach Kräften, Stimmung aufkommen zu lassen. Immer wieder animierten sie die Leute zu tanzen ("The best thing you can do in live") oder in die Hände zu klatschen. Sämtliche Hits wurden abgefeuert, aber weder "Judy", noch "Dirty mind" schafften es, die Halle in einen Dance-Floor zu verwandeln. Das Trio ließ aber nicht locker und so schafften sie es schließlich mit dem vorletzten und besten Titel "Pull shapes" die Menge aus der Reserve zu locken. Jetzt hätte es eigentlich so richtig los gehen können, aber es kam nur noch der letzte Song "We are the Pipettes", der ebenfalls sehr gut ankam. Ich fragte mich am Ende, ob es am Publikum lag, oder daran, daß sich das Konzept euphorischer Sixties-Pop doch zu schnell abnutzt.

Mit dem Ex-Pulpmastermind Jarvis Cocker stand nun nur noch ein Künstler aus. Ich wußte nicht so genau, was mich erwarten würde, denn sein Soloalbum war bis dato noch nicht erschienen. Der Opener, unter freundlichem Applaus der Besucher aufgenommen, fiel auf jeden Fall schon mal rockiger aus, als angenommen. Dann stelle sich der schlacksige Hornbrillenträger artig vor und vergaß auch während des ganzen Konzertes nicht, immer wieder französische Phrasen einzustreuen, was erwartungsgemäß nicht seine Wirkung verfehlte. Einmal fragte er zum Beispiel die Audienz, ob sie schon mal im Euro-Disney gewesen sei und ob das gut sei. An anderer Stelle ließ er sich zum illegalen Downloaden aus, ein Phänomen des modernen Lebens, wie er meinte. Er sprang dabei immer wieder vom Französischen ins Englische und zurück. Netterweise nannte er vorher immer jeden Namen der Lieder, denn man könne die Sachen mangels Veröffentlichung ja noch nicht kennen, es sei denn man hätte sie bereits illegal geladen. Sehr gut gefiel mir zum Beispiel "Heavy wheather", welches er allerdings als "Stormy wheather" ankündigte. Kennt er vielleicht selbst noch nicht so genau die Namen der Stücke? Fabelhaft war auch "One man show", welches er zum Aufhänger dafür nutzte, darauf hinzuweisen, daß das hier keine One man show sei, sondern daß auch die Band wichtig sei, die er daraufhin vorstellte. Für Schmunzler sorgte er mit einer Songzeile aus dem gelungenen "Tonite", die da lautete: "Let's have some drugs, let's have some sex". Ein Schlingel, der Jarvis, der hat's faustdick hinter den Ohren! Für den größten Beifall sorgte das opulente "Black Magic", bevor er mit dem provokanten Titel "Cunts are still running" das sehr schöne Konzert beendete. Jarvis, hör zu, ich kaufe die Platte im Original, o.k.?

Setlist Jarvis Cocker:
01: Fat children
02: Don't let him waste your time
03: Heavy Wheather
04: One man show
05: I will kill again
06: From.....to Ipswich
07: Tonite
08: Big Julie
09: Disney time
10: Big stuff
11: Black Magic
12: Cunts are still running the world

von Oliver



 

Konzerttagebuch © 2010

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