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Mittwoch, 18. September 2019

Drahla, Paris, 16.09.19

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Konzert: Drahla
Ort: Le Badaboum, Paris
Datum: 16.09.2019
Zuschauer: etwa 250

Post Punk scheint wieder recht angesagt zu sein. Fontaines D.C. laufen gut, The Murder Capital ebenfalls und mit Drahla hat nun eine Band aus Leeds seit etwa 2 Jahren für  Aufhorcher gesorgt. Für das Konzert entschied ich mich sehr kurzfristig, Black Midi die in der Boule Noire spielten, waren ausverkauft und für Drahla hatte jemand einen Gästelistenplatz für mich übrig.

Von dem Konzert zurückkommend kann ich sagen, dass ich dafür auch Geld ausgegeben hätte, denn das Konzert war wirklich stark!

Erst hatte das Trio ein wenig langsam begonnen, aber spätestens ab dem dritten Lied kamen ihre kurzangerissenen Riffs, der knackige Bass und das wuchtige Schlagzeug voll zum Tragen. Es machte sich sicherlich bezahlt, dass Drahla in den letzten Jahren Erfahrungen als Vorgruppe von solchen guten Acts wie Ought, Metz oder The Notwist sammeln durfte.



Die Band besteht aus der Gitarristin und Sängerin Luciel Brown, dem Bassisten Rob Riggs und dem Drummer Michael Ainsley. Luciel sang leider am Seitenrand der Bühne und nicht in der Mitte, was schade war, denn so verlor sie etwas an Bühnenpräsenz. Zudem war sie ziemlich weit von Batist Rob entfernt, der mit seiner Vokuhila-Frisur und seinem dünnen Körper optisch ziemlich auffällig war. Schlagzeuger Michael war gut zu sehen, weil in der Bühnenmitte ein Loch klaffte und er deshalb nicht verdeckt wurde. Der Kerl gefiel mir richtig gut, es spielte so druckvoll, aber auch so abwechslungsreich. Teilweise gab es einen Rhythmus der an Mathrockbands denken liess. Durch sein lautes Spiel wurde allerdings leider die angriffslustige Punkstimme von Luciel  manchmal etwas übertönt.



Stilistisch dachte ich teilweise an Siouxsie and The Banshees,  an Sonic Youth, aber auch an die Gang of Four, denn es gab punkig-funkige Passagen wie bei der Band von Andy Gil und Jon King.

Das Trio performte die Stücke ihres Debütalbums Useless Coordinates, darunter den Kracher Pyramide Estate. Wie etliche andere Titels des Abends auch, war es ein sehr tighter Track, sehr intensiv und roh, mit knapp 2 Minuten aber auch extrem kurz.



Faux Text an fünfter Stelle war schon ein etwas älteres Lied. Sinnlich der Gesang, brummelnd der Bass, brachial das Schlagzeug, melodisch die Gitarre, ein Hit der leider in kommerzieller Hinsicht keiner geworden ist. Stimulus For Living gleich danach hatte auch Hitqualitäten und war vermutlich mein Lieblingsstück im Set.

Anekdoten gab es keine zu erzählen, die Band spielte die meisten Sachen ineinander übergehend und war ansonsten wortkarg. Das allerdings passte zum Sound.

Ein gutes Konzert!

Setlist:

TG
Primitive Rhthm
Pyramid Estate
Form Of Luxury
Faux Text
Stimulus For Living
Invisible Sex
Features Of Reverse
Unwound
Fictional Decision
Circuit
Twelve Divisions Of The Day
React/Revolt


Samstag, 16. November 2013

ChameleonsVox, Paris, 08.11.13

2 Kommentare

Konzert: ChameleonsVox
Ort: Le Nouveau Casino
Datum: 08.11.2013
Zuschauer: sehr gut gefüllt, quasi ausverkauft, um die 400 Leute also
Konzertdauer: etwa 75 Minuten


In den 1980ern musikalisch sozialisiert zu werden, heißt nicht automatisch jede gute Band mitbekommen zu haben. Im Gegenteil, da viel Schrott in jenem Jahrzehnt produziert wurde und meine Geschmacksknospen auch noch nicht sonderlich gut ausgeprägt waren, hörte ich viel Italo-Disco, die Pet Shop Boys und Michael Jackson. Nicht aber Wedding Present, And Also The Trees, The Wake oder The Chameleons, um die es hier gehen soll. Das war einfach zu speziell, so daß es nicht im kommerziellen Radio lief und damit auch nicht an meine ungeübten Ohren drang. Das Internet gab es noch nicht und so waren die einzigen Post Punk und New Wave Bands, die ich kannte The Cure, New Order und Sixouxsie and The Banshees.

Erst in den frühen 2000er Jahren habe ich mich ausführlich in das Werk von Joy Division eingearbeitet und da ich wegen der dürftigen Diskografie der Kultband aus Manchester Nachschub brauchte, stieß ich irgendwann zwangsläufig auch auf The Chameleons. Deren leicht pathetischer Gitarrensound entzückte mich auf Anhieb außerordentlich! Das klang weniger monoton als Joy Division, war melodischer, euphorisierender, trotz der omnipräsenten Schwärze und den düsteren Texten. Später las ich dann, das Interpol -eine meiner Lieblingsbands-, maßgeblich von The Chameleons beeinflußt wurden, was man recht deutlich raushört.

Allerdings hatte ich schnell ein Problem. Da ich spätestens mit dem Beginn dieses Konzertagebuchs hier zum Konzertnerd mutierte, gaben mir CDs deutlich weniger als Liveauftritte. Aber wo und wann die Chameleons noch mal live sehen? Die spielten doch gar nicht mehr. Ich musste mich mit den Alben trösten und linderte meine Bedürfnisse durch den Konsum von Livevideos auf Youtube als die Chameleons beispielsweise 1985 im Camden Palace spielten. Da konnte man merken, wie stark Mark Burgess und seine Kollegen auf der Bühne waren, wie viel Feuer und Leidenschaft in ihren Gigs steckten, was sie für ein intensives Lebensgefühl vermittelten. Verflucht, diese Band musste ich wenigstens einmal in meinem Leben live sehen!


2012 erregte dann eine Meldung mein Interesse: The Chameleons würden beim Primavera Festival in Barcelona spielen. Ich musste mehrfach überprüfen, um es sich um die richtigen Chameleons handelte, schließlich kamen mehrer Gruppen auf die Idee, diesen Namen zu wählen (deshalb irgendwann auch einmal die Bennung in The Chameleons UK). Aber es stimmte tatsächlich, es war die Band, die ich meinte. Aus Zeit-und Kostengründen schaffte ich es aber nicht nach Spanien. Und Christoph, der vor Ort war, schaute sich den Auftritt von Mark Burgess, der inzwischen als Chameleons Vox firmierte, noch nicht einmal an, so daß ich auch keinen Bericht zu lesen bekam.

2013 sollte ich dann aber endlich meine Chance bekommen. Kurz nach den großen Sommerferien las ich irgendwo die frohe Botschaft: "ChameleonsVox en concert au Nouveau Casino, 8 novembre 2013". Ich strich mir den Termin sofort dick und rot in meinem Kalender an.

Als der große Tag gekommen war, hastete ich fiebrigen Schrittes in die Location. Mit dabei meine Frau, die ich gezwungen hatte, sich das Ganze auch anzusehen, aus musikerzieherischen Gründen, denn bis vor kurzem glaubte sie, die Editors seien gut. Wir kamen genau pünktlich zum ersten Lied an, hatten beflissentlich die Vorgruppe The Cemetary Girlz ausgelassen. Im Leben muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren. Im Nouveau Casino war es saumäßig voll. Alte, verlebte Waver und ein paar jüngere Nachtschattengewächse bevölkerten die Location.

Um etwas zu sehen kletterte ich per Treppe nach oben, guckte mir den Gig von dort aus an. Der Standort war eigentlich super, allerdings gab es gleich neben mir eine Raucherecke, in der Leute hinter einer Glaswand rauchten bis ihnen die Lungen platzten. Ständig blies mir eine Rauchwolke in die Nase. Aber von solchen Widrigkeiten wollte ich mich nicht beeinflussen lassen. Zu lange hatte ich auf diesen Augenblick gewartet, jetzt wollte ich einfach nur genießen, Mark Burgess live zu sehen. Von den alten Chameleons war auch noch der ex-Drummer John Lever dabei (an der Gitarre!), allerdings sah ich die Musiker nicht, weil ich den modernen Kronleuchter des Nouveau Casino vor der Nase hatte. Der verhindert auch, daß ich vernünftige Fotos schießen konnte, aber darauf war an jenem Tage geschissen. War eh mehr was für die Ohren als fürs Auge, zumal die Musiker quasi durchgehend im Schummerlicht performten.

Aber wie sie performten! Der Sound: astrein! Die Stimme von Mark: wie früher (das heißt verraucht und etwas kurzatmig, aber so gut wie unverändert). Die Stimmung: bombig! Von Anfang an ging die Post ab und die Leute vorne tanzten friedlich Pogo. Nicht, um sich gegenseitig weh zu tun, sondern um zu den zackigen Ryhthmen voll mitzugehen. Es wurde wirklich hart und kompromisslos aufgespielt, das war kein seichter Pop fürs Radio, das war authentischer Post Punk, messerscharf, hundsgemein und wunderbar melancholisch.

Der erste Track, der so richtig ins Schwarze traf war Paper Tigers. Ein Kultsong der mit seiner markanten Gitarrenmelodie genauso stark klang wie damals. "too much makes me lazy, not enough and it makes me crazy", nörgelte Burgess vor sich hin und im Refrainteil mit Falsetteinschlag "they always keep themselves clean". Zeilen die ich auswenig kannte und laut mitsang.

Ein Highlight auch Soul in Isolation ("soul in isolation, I can hear you breathing down the hall"). Der Titel wurde voll und ganz ausgereizt und in einer speziellen Form gespielt. Mark Burgess machte sich einen Spaß daraus, Eleanor Rigby ("all the lonely people, where do they all come from?") und Get Back ("get back to where you once belonged") von den Beatles in sehr düsterer Weise reinzumischen, bevor er wieder zu dem eigentlichen Song zurückfand: "I'm alive in here, i'm alive in here" schrie er aus voller Kehle und die Leute in den ersten Reihen tanzten wie wild. 

Dann gab es mit Sycophants In Her Pants auch ein Stück von seiner vier Titel umfassenden neuen Ep, die ganz brauchbar, aber nicht überragend ist. An das alte Material kommt sie jedenfalls nicht ran und gerade jenes alte Material wollten wir Fans hören. Wir bekamen es natürlich auch in der Folge  wieder geboten. Bei Singing Rule Britannia wurden erneut Schnipsel von Klassikern verwurstet (White Riot von The Clash und Transmission von Joy Division: "dance, dance, dance to the radio!" schrien plötzlich alle), bevor Sekond Skin, die Leute dazu animierte, in einen Singalong einzustimmen. Mit Sicherheit ihr poppigstes Stück, aber auch unwiderstehlich gut und in höchstem Maße mitreißend. Dann aber wurde schon der Abgang geprobt und wäre das Konzert jetzt zu Ende gewesen, wäre ich ziemlich enttäuscht nach Hause gegangen. Es fehlten einfach noch einige ihrer stärksten Nummern. Die bekam man aber nun gleich im Dreier Pack. Monkeyland ("it's a trick of the light"), eine herrlich aggressive Version von In Shreds und das hymnische Don't Fall versetzten das Nouveau Casino in Ekstase. Es steppte wirklich der Bär, die Stimmung schäumte über, ein Typ kam sogar auf die Bühne und sprang von dort aus ins Publikum und allzu gerne hätte ich noch mindestens 20 Minuten mehr gehört und gesehen. Nach 75 Minuten war aber Schluß, schließlich ist Mark nicht mehr der Jüngste und muss seine Stimmbänder schonen. Er und seine neue Band hatten mich begeistert meine hohen Erwartungen definitiv erfüllt.


Wäre ich selbst jünger und spontaner, ich säße jetzt im Auto nach Deutschland, um mir die Shows in Köln, Berlin und Frankfurt anzugucken! Geht da hin, Freunde, ihr werdet es nicht bereuen!!

Setlist:

01: Swamp Thing
02: Looking Inwardly
03: Paper Tigers
04: Perfume Garden
05: Tears
06: Less Than Human
07: Feel The Need
08: Soul In Isolation
09: Sycophants In Her Pants
10: Singin Rule Britannia
11: Sekond Skin

12: Monkeyland
12: In Shreds
14: Don't Fall

Konzerttermine: 

15.11.2013: Sputnik Halle, Münster
16.11.2013: Blue Shell, Köln
17.11.2013: Bi Nu im Schlesischen Tor, Berlin
18.11.2013: Fundbureau, Hamburg
19.11.2013: Das Bett, Frankfurt



Freitag, 30. November 2012

Motorama, Paris, 27.11.12

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Konzert: Motorama (AV & El Perro del Mar)
Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 27.11.2012
Zuschauer: volle Hütte, wohl etwa 300
Konzertdauer: Motorama: 53 Minuten, El Perro del Mar gut 50 Minuten

 

Es war vor fast genau 10 Jahren. Frankreich stand im Tennis Daviscup Finale gegen Russland. Ich war im Stadion in Bercy live mit dabei. Mein erstes Daviscup Finale überhaupt, leider nicht als Spieler, aber immerhin als Zuschauer. Es läuft das letzte entscheidende Einzel zwischen Paul-Henri Matthieu und Mikhail Youzhny. Gesamt-Zwischenstand ist 2:2, wer jetzt dieses Match gewinnt, holt den Pott für sein Land. Der Franzose spielt zu Beginn sensationell gut, macht auf beiden Seiten Druck und führt schnell mit 2:0 Sätzen. Es ist fast langweilig, so drückend ist seine Überlegenheit. Es fehlt nur noch ein Satz, dann kann Frankreich die Champagnerkorken knallen lassen. Sieht nach einer Formsache aus. Dann aber steigert sich der Russe plötzlich. Youzhny ist ein großgewachsener, etwas tapsig wirkender Bursche mit Stoppelhaarschnitt und rundem Kopf. Seine enorm ästhetische einhändige Rückhand* kommt immer besser, er zieht sie nun immer häufiger durch. Er gewinnt den dritten Satz, verkürzt auf 1: 2 Sätze. Matthieu setzt noch einmal nach, will den Sack zumachen, scheint den vierten Satz und das Match jetzt doch zu gewinnen. Aber die Rückhand von Youzhny kommt in den entscheidenden Momenten gestochen scharf. Wie Laserstrahlen schießen die Bälle in die Hälfte von Matthieu, der den vierten Satz trotz vieler Chancen verliert. Nun kippt das Match komplett. Youzhny feuert aus allen Rohren und gewinnt auch den fünften und entscheidenden Satz und somit das Match. Russland ist Davis Cup Sieger.



Jetzt schäumen die Emotionen über. Matthieu weint wie ein kleiner Junge auf seinem Stühlchen,  Youzhny salutiert wie ein Soldat und wird von seinen Kollegen hoch in die Luft geworfen. Ein Konfettiregen rieselt von oben runter, Musik ertönt (David Guetta, igitt), Präsident Boris Jelzin ist auf dem Platz, jubelt mit den Russen. Die Franzosen im Publikum schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, ein paar Leute werfen aus Frust ihre Sitzkissen durch die Gegend. Ich selbst bin völlig konsterniert, habe mit meiner Wahlheimat Frankreich mitgezittert. Das Bild des weinenden Paul Henri Matthieu, es lässt mich lange Zeit nicht los. Er hat so toll gespielt und doch verloren. Er wird zwei Jahre brauchen, um wieder einigermaßen Anschluß zu finden und diese bittere Niederlage zu verdauen. Die Russen waren gnadenlos. Kampfstark und nervenstark. Brutal effizient. Und dennoch elegant dabei. Jushni verkörpert stilistisch die perfekte Mischung aus Power und feiner Technik.


Seltsamerweise musste ich beim Konzert von Motorama in Paris an genau dieses Tennismatch denken. Sicherlich lag es auch daran, daß mich Sänger Vladislav Parshin optisch stark an Mikhail Youzhny erinnerte. Gleiche Stoppelfrisur, gleicher runder Kopf, ebenfalls groß und schlank, und dennoch ein wenig tapsig wirkend. Amüsanterwiese hatte er zudem weiße Tennisschuhe von Reebok an. Seine Stimme (das Äquivalent zu den Schlägen Jushnis) ist ebenfalls eine Mischung aus Sensibilität, Feinheit und ungemeiner Power. Wenn er ruhig und gesetzt intonierte, klang er wie Stuart Staples, wenn er schrie, hatte man das Gefühl, den leibhaften Geist von Ian Curtis zu vernehmen. Das war Gänsehautfeeling pur und erinnerte mich an die alten Liveaufnahmen von Joy Divsion, bei denen Ian Curtis immer total ausgerastet ist. Irre!

Allerdings startete Parshin stimmlich zunächst ziemlich verhalten und bewegte sich auch nicht sonderlich viel. Die meiste Zeit klebte sein Mund nahe am Mikro und er sang mit geschlossenen Augen. Dann aber, es war gut eine halbe Stunde gespielt, schrie er urplötzlich ein paar Songzeilen aus voller Kehle. Er bekam einen wahren Tobsuchtsanfall, lief wie in Extase nach hinten und tickte völlig aus. In den letzten zwanzig Minuten des Konzertes hatte er sämtliche Blockaden gelöst, war aufgestachelt wie ein russischer Tanzbär. 


Dem Publikum blieb der Atem stocken, als er sich auf spektakuläre Weise wie tot auf den Boden fallen ließ und mit dem Kopf nach unten weitersang. Das kam so überraschend, daß der Effekt bei mir immens war. Ich war total elektrisiert, es war wie in einem Thriller. Mein Herz schlug wie verrückt und auch die Musik zu den Bildern war beeindruckend. Motorama spielten mit 300 Stundenkilometern, ballerten jetzt ihre besten Songs raus und brachten die Zuschauer zum Johlen.

Das Konzert brillierte aber nicht nur durch sein wildes Ende, sondern wusste durchgängig zu überzeugen. Da gab es so viele kleine Details, die zum Gelingen  beitrugen. Die ungeheuer frischen Twee Pop Gitarren, das wild nach vorne galoppierende Schlagzeug, der knarzige Bass, die unverschämt eingängigen Melodien, all dies machte zusammen mit der Grabesstimme von Parshin den Charme des Ganzen aus.




Für die gute Optik sorgte die einzige Frau in der Band. Irene Parshina, höchstwahrscheinlich die Schwester des Sängers. Ein zierliches Persönchen mit einem sexy Bleisitftrock und kessen Dum Dum Girls Strumpfhosen, zu denen sie hochglänzende schwarze Stiefeletten trug. Eine Augenweide, die aber auch ihren musikalischen Part gut spielte. Cool wie eine Hundeschnauze ließ sie ihr Instrument düster durch die Lieder brummeln und schuf so einen schönen Kontrast zu den fröhlichen Gitarren. Sie verzog das ganze Konzert über keine Miene, wirbelte aber gegen Ende ihr blondes Haar ein wenig durch die Luft.



Hinsichtlich des Songmaterials gab es logischerweise wenige Überraschungen. Das aktuelle zweite Album Calendar wurde fast komplett gespielt, zusätzlich gab es noch den ein oder anderen Song, der entweder vom ersten Werk Alps gestammt haben dürfte , ober aber ganz neu und unveröffentlicht war (One Moment wurde auf jeden Fall gebracht).

Highlights für mich Young River ("No one knows this place), To The South, Rose In The Vase (" I spend my days sitting in front of the fireplace, you spend your days dying like a rose in the vase) und Sometimes, bei dem es wie beim Tennis Tränen gab: "sometimes I want to count your tears". Ich muss zugeben, daß auch bei mir ein wenig salzige Flüssigkeit aus den Augen floss, denn obwohl ich zu den flotten Rhythmen und den überschwenglichen Gitarren  durchgängig tanzte, war die Musik doch immer auch von einer intensiven Melancholie durchzogen.




Mir kam ein Gedanke, der mir ziemlich gut gefiel: Motorama klingen, als wäre ein wenig Sonnenlicht in die dunkle Wohnung von Ian Curtis in Macclesfield eingefallen. So als würde es diesem schwer depressiven Menschen wieder etwas besser gehen, als könne er plötzlich wieder Farben sehen. Passend dazu das Cover zum Album, wo man einen friedlichen Bergsee erkennt, auf dem Ruderer ihre Kreise ziehen. Der Himmel ist blassblau, die Atmossphäre entspannt und idyllisch. Ian Curtis lebt in Motorama weiter, er ist neugeboren und wohnt nun in Rostov-on-Don am Kaukasus.

Und Frankreich und Russland haben sich wieder versöhnt. Diesmal spielt nicht Russland gegen, sondern für Frankreich. Talitres aus Bordeaux hat nämlich die Russen gesignt und wird mit ihnen noch glorreiche Tage erleben. Spätestens 2013 werden Motorma in der ganzen Welt explodieren und dann werden sich diejenigen glücklich schätzen, die an jenem 27. November 2012 im Point Ephémére waren.

Ein Wahnsinnskonzert! Mit Sicherheit mindestens genauso denkwürdig wie das Daviscupfinale 2002!

P.S: Ebenfalls spielten die Franzosen AV und die Schwedin El Perro del Mar. AV boten französischen Neo New Wave, der ok war, El Perro Del Mar unsäglich schlechten Elektro Pop. Dabei mochte ich ihr erstes Album sehr. Die Künstlerin hat sich definitiv in die falsche Richtung entwickelt, langweilte mich mit ihrem Lounge Dub zu Tode.

* Wikpedia sagt: "Youzhny has a unique backhand. Many consider his backhand to his best shot"


Freitag, 20. April 2012

And Also The Trees, Paris, 18.04.12

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Konzert: And Also The Trees
Ort: Le Divan Du Monde, Paris

Datum: 18.04.12

Zuschauer: geschätzte 420




Kennt ihr dieses Phänomen? Man hört über Monate hinweg begeistert Platten von einer bestimmten Band, legt sie dann bei Seite und ehe man sich versehen hat, sind über zwei Jahre ins Land gegangen und man hat sich überhaupt nicht mehr mit der Gruppe beschäftigt.

So jedenfalls ging es mir mit den kultigen Briten And Also The Trees, die heute im Divan Du Monde auf dem Programm standen. Die akustische CD When The Rains Come von 2009 habe ich rauf und runter gehört, aber auch das über diverse Alben verstreute Altwerk mit Hits wie Dialogue, Virus Meadow und Vincent Craine geradezu verschlungen.


Ins heutige Konzert im stilvollen Divan Du Monde ging ich jedoch unvorbereitet. Das neue Album Hunter Not The Hunted kenne ich nicht und auch die alten Sachen habe ich nicht mehr gehört. Aber das war eigentlich kein Problem, denn mit herrlich düsteren Zungenschnalzern wie Prince Rupert und The Beautiful Silence, die schon sehr früh gebracht wurden, kam ich schnell rein.

Hach, The Beautiful Silence, was für ein poetisches, verführerisches Stück Musik und dann auch noch dieser zarte "lalala"-singalong, schnell wusste ich, daß ich bei And Also The Trees und ihrem melodisch-melancholischen Gitarrensound richtig war!

Aber wie kamen die neuen Sachen rüber? An vierter Stelle in der Setlist wurde der Titeltrack des neuen Werkes Hunter Not The Hunted gespielt. Ein sehr sachter und friedvoller Song, eröffnet per Melodica von Emer Brizzolara, dem blonden Gift mit dem süßen Pferdeschwanz und dem knackigen Po (ja was denn? seit nicht so prüde!). Von Gesang konnte man im engeren Sinne nicht reden, das war eher spoken word, was der überaus charismatische Frontmann Simon Huw Jones, der mit seinem traditionellen weißen Manschettenhemd aufgelaufen war, da bot. Eine sehnsüchtige Ballade zum Träumen und Schwelgen, die auch am Ende nicht lauter und intensiver wurde. Burn Down This Town, ein anderes neues Lied, war stimmunsgmäßig nicht unähnlich.

Mit The Legend Of Mucklow wurden dann aber nicht sehr viel später punkigere und wildere Töne angeschlagen und als Dialogue an achter Stelle ertönte, hüpfte mein Herz in die Höhe. Die Gitarrenmelodie des ewig jung aussehenden Justin Jones (wie alt ist der Bursche? fast 50? was?) war wieder so was von unverschämt cathcy, der Gesang von Simon so toll tief und gothisch angehaucht und der von Ian Jenkins gezupfte Bass holperte so packend durchs Stück, daß ich vor Begeisterung innerlich bebte. Ein Mega Hit der New Wave Ära, der auch heute noch wahnsinnig aufregend und modern klingt. "All the things I said to you" croonte Simon, es war eine Wonne...


Danach flachte meine Konzentration nach und nach ab. Plötzlich wurde mir die Hitze im Raum bewußt und ich fühlte mich recht unwohl. Ich musste mich ein wenig bewegen und stieg über die Treppe in den oberen Bereich des Divan Du Monde. Leute in den Dreißigern, Vierzigern und mitunter Fünfzigern hingen auf gemütlichen Sofas ab, das Ganze hatte noblen Lounge-Charakter. Diejenigen, die saßen, konnten die Show jedoch gar nicht sehen, dazu musste man schon am Geländer stehen. Ich bestellte mir an der Bar einen Drink und erfreute mich an dem gespenstischen Vincent Craine mit seinen gelegentlichen lauten Ausbrüchen.

Dann kam mit Whiskey Bride noch ein sehr schöner neuer Titel, bevor der Klassiker A Room Lives In Lucy das offizielle Set glanzvoll beendete.

Von den insgesamt vier Zugaben ragte The Untangled Man heraus. Der hochaufgeschossene Simon machte mit seinen langen Armen ausladende Bewegungen und der Sound seiner Band wurde immer lauter und intensiver, bevor in der zweiten Hälfte auch vom Schlagzeug ein mächtiger Wumms von hinten mit hinzukam. Ein ganz exquister Titel, der die große Klasse der Briten unterstrich und wieder mal die Frage aufwirft, warum die nie Weltstars geworden sind. Nun, wahrscheinlich sind sie für die Masse einfach zu gut!

Setlist And Also The Trees, Divan Du Monde, Paris

01: Prince Rupert
02: The Beautiful Silence
03: Shaletown
04: Hunter Not The Hunted
05: What's Lost Finds
06: The Legend Of Mucklow
07: Burn Down This Town
08: Dialogue
09: Rive Droite
10: The Woman On The Estuary
11: Only
12: Vincent Craine
13: Whiskey Bride
14: A Room Lives In Lucy

15: Rip Ridge
16: Angel, Devil, Man And Beast
17: The Untangled Man

18: Gone...Like The Shallows

Aus unserem Archiv:

And Also The Trees, Paris, 30.10.09
And Also The Trees, Paris, 10.06.09
And Also The Trees, Paris, 21.09.08



Freitag, 20. Januar 2012

Echo & The Bunnymen, Paris, 19.01.12

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Konzert: Echo & The Bunnymen

Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 19.01.12
Zuschauer. nicht ausverkauft, aber gut besucht, mindestens 1000 also
Konzertdauer: gut 2 Stunden





Verfluchte Scheiße, was sollte das denn?! Echo & The Bunnymen fangen überpünktlich an? Ja waren wir denn hier bei den streberhaften Weichspülern von Coldplay? Eine ordentliche Rockband hat gefälligst zu spät zu kommen, launisch und unberechenbar zu sein! Das lob ich mir doch das Konzert von den Bunnymen vor gut sechs Jahren im Pariser Trabendo.* Da kamen sie wie es sich gehört fast eine Stunde zu spät auf die Bühne geschlichen.



Aber es ist halt alles nicht mehr wie es war. Wilde und ungezügelte Indiekonzerte werden zu Kindergeburtstagen, wo keiner sich daneben benimmt, niemand raucht und säuft bis die Schwarte kracht. Echo & The Bunnymen fangen um 20 Uhr 30 an, ein schlechter Witz! Ich kam eine geschlagene Stunde (!) zu spät, weil meine Rechnung wie folgt aussah: regulärer Beginn 21 Uhr + 30 Minuten einkalkulierte Verspätung der Band. Ich hasse es nämlich zu früh da zu sein, will sofort ins Geschehen eingreifen. Auch beim Sex verachte ich ein langes Vorspiel, will sofort losrammeln wie ein geiler alter Ziegenbock! (wenn meine Frau das jetzt lesen würde, auweia)

Nun ja, zumindest gab es für mich keine langatmige Warterei, sondern es ging gleich volle Pulle los. Als ich eintrat, wurde gerade Show Of Strength gespielt. Wie ich hinterher der Setlist entnehmen konnte, hatte ich satte 10 Songs verpasst, darunter absolute Klassiker und alte Lieblinge wie Villiers Terrace und Pictures On My Wall. Verfluchte Scheiße! Mein Zorn (den ich mir selbst zuzuschreiben hatte, wäre ich halt pünktlich gekommen, ich Depp!) verflog aber relativ bald, denn der Sound war richtig gut, die Gitarren herrlich schrammelig, das Schlagzeug wuchtig und präzise. Und der Gesang von Ian McCulloch? Sensationell gut! Nichts, aber auch gar nichts hatte seine Stimme von den alten Qualitäten verloren. Nach wie vor klingt sie herrlich verraucht, unbeschreiblich sehnsüchtig, greinend und durch Mark und Bein gehend.* "Over The Wall" schrie der abgehalfterte, Sonnenbrille tragende Knabe mit seinen pechschwarzen Klammotten in sein Mikro und mein Puls raste. Wow, da kam richtig geil rüber! Eine der stilprägenden Bands der Postpunk/New Wave-Bewegung Englands noch einmal mit ihren alten Hits zu hören, das hatte schon eine unwahrscheinlich intensive Wirkung. Ich stellte mir kurz vor, es sei Januar 1980 und ich stünde in der legendären Factory in Manchester, umringt von jungen, wutschnaubenden Punks beim Pogotanzen. Mit der Realität hatte das aber nichts zu tun. Obwohl Echo & The Bunnymen sicherlich genauso gut und messerscharf spielten wie früher, war das Publikum nicht mehr das Gleiche wie in den frühen Achtzigern. Hier und heute standen ausgemergelte, hüftsteife alte Böcke mit grauen Haaren und Falten in der Fresse rum und fühlten sich noch mal ansatzweise jung und an ihre Jugend erinnert. Typen wie ich also, bei denen das Leben seine Spuren hinterlassen hatte. Über die Frauen im Publikum reden wir am Besten gar nicht. Die waren erstens in der Minderheit und zweitens alt, bieder und verblüht. Hausmütterchen aus Wanne-Eickel (waren wir hier im schicken Paris?), die sich auch noch mal locker machten, so kam es mir fast vor. Aber das waren natürlich nur Äußerlichkeiten, das Hauptproblem war, daß das Publikum saumäßig lahm und die Stimmung entsprechend recht mau war. Dabei spielte die Band vorne wirklich tierisch gut auf, glänze mit einem rasiermesserscharfen Sound und optimaler klanglicher Aussteuerung. Aber es war nichts zu machen, die Post ging im Publikum nie ab, Crowdurfer gab es keine und Pogotänze auch nicht. Wie gerne hätte ich mich doch auf nette Weise mit ein paar Typen geprügelt, nur so zum Spaß. Die Musik war doch so herrlich aggressiv, da hätte das doch gepasst. Wenn ich Bock gehabt hätte, jemand Bestimmten in die Fresse zu ballern, wäre es der arrogante Typ mit seiner granatenhaft hübschen Freundin links von mir gewesen. Siegessicher hielt er seine nach einem Topmodel aussehende Puppe im Arm und grinste überheblich. Aber er war größer als ich, also ließ ich ihn in Ruhe und beschränkte mich darauf, seine Freundin dezent von hinten anzuglotzen.

Vorne wurde unterdessen munter das Programm abgespult, das da lautete "Echo The Bunnymen play Crocodiles and Heaven Up Here".* Von diesen beiden ersten Meisterwerken der Truppe aus Liverpool wurden alle Lieder gepielt und Ausfälle waren keine zu verzeichnen, was die enorme Qualität des Songmaterials eindrucksvoll unterstrich. Egal ob das morbide The Disease ("my life is a disease"), das gruftige, dreampoppige All My Colours oder das wahnsinnig aggressive With A Hip gespielt wurde, jeder Stoß war ein Treffer. Und dies obwohl sich McCulloch reichlich derangiert gebärdete. Zwischen den Liedern brabbelte er in einem unverständlichen Slang Sätze , die oft mit "Fuck" oder "Fucking" begannen und auch so endeten. "Fock (so sprach er das aus), fock, fock", bestimmt wurde dieses Fäkalwort 200 mal gebraucht. Der Rest waren Begriffe wie shit, crap etc. Es war köstlich das mitzuverfolgen. Ein paar Sachen verstand ich, zum Beispiel, daß sie heute in einer "focking televison show" ein "focking interview" gegeben hatten, das Paris eine "focking beautiful city" sei ("it's always rainig, Paris is like Manchester with nice bulidings"), überhaupt "the second most beautiful city in the world" (nach Liverpool natürlich) sei, daß seine Band Echo & The Bunnymen eine "focking great rock band" gewesen wären und das es sogar in absehbarer Zeit ein neues Album geben werde, das "focking amazing", ja mehr noch: "the best album ever written, by anybody", werden würde.

Manchmal unterbrach zwar diese Laberei von McCulloch ein wenig den Spielfluß, aber insgesamt war das dennoch eine tighte und knackige Sache. Die Jungs wussten einfach noch wie es geht, agierten so brillant, daß sich so manche Nachwuchsband noch mehr als eine Scheibe von der Klasse der Liverpooler abschneiden könnte. Kurzum, Echo & The Bunnymen sind eine essentielle Band und klingen heute noch alles andere als antiquiert. Mit dem Performen ihrer ersten beiden Alben hatten sie sich aber auf ihre düsterste Schaffensphase konzentiert, was danach kam war poppiger und lebensbejahender. So war es dann auch passend, daß Ian den abschließenden Song des Zugabeteils Lips Like Sugar als den "most sexy song I have ever written" bezeichnete. Zuvor hatte es noch das wundervolle Nothing Lasts Forever und den Klassiker The Killig Moon gegeben.

Alles in allem ein super Konzert. Wäre ich doch bloß pünktlich gekommen, verfluchte Scheiße!

* jeder Musikfan weiß, daß sie auch stark an die Stimme von Bono erinnert. Aber der U 2- Mensch hat alles geklaut. Bono, die Sackratte!

* aufgrund meiner ärgerlichen Verspätung für mich nur Heaven Up Here

Setlist Echo & The Bunnymen, Le Bataclan Paris, 2012:

01: Going Up
02: Stars Are Stars
03: Pride
04: Monkeys
05: Crocodiles
06: Rescue
07: Villiers Terrace
08: Pictures On My Wall
09: All That Jazz
10: Happy Death Men
11: Show Of Strength
12: With A Hip
13: Over The Wall
14: It Was A Pleasure
15: A Promise
16: Heaven Up Here
17: The Disease
18: AllMy Colours
19: No Dark Things
20: Turquoise Days
21: All I Want

22: Nothing Lasts Forever
23: The Killing Moon
24: LipsLike Sugar

* 15 November 2005, Siberia Tour, Setlist (Quelle: setlist.fm)

01: Going Up
02: With A Hip
03: Show Of Strength
04: Stormy Weather
05: Bring On The Dancing Horses
06: The Disease
07: Scissors In The Sand
08: All That Jazz
09: The Back Of Love
10: The Killing Moon
11: In The Margins
12: Never Stop
13: Villiers Terrace
14: Roadhosue Blues (The Doors)
15: Of A Life
16: Rescue
17: The Cutter

18: Nothing Lasts Forever
19: Walk On The Wild Side (Lou Reed)

20: Lips Like Sugar
21: Ocean Rain


Fotos 2 und 3 von Robert Loerzel, Chicago. Nicht von dem Pariser Konzert. Thanks, Robert!



Dienstag, 25. Oktober 2011

Peter Murphy (Bauhaus), Paris, 20.10.11

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Konzert: Peter Murphy (Bauhaus)
Ort: La Flèche d'or
Datum: 20.10.2011
Zuschauer: 350-400
Konzertdauer: etwa 75 Minuten


Der Gig von Peter Murphy in der Pariser Flèche d'or: ein Konzert für Nachtschattengewächse, fleischfressende Pflanzen, Vampire und Grufties. Hierzu eingeladen hatte mich meine Freundin Uschi, die eigentlich nicht sonderlich gothisch drauf ist und am liebsten Evan Dando und die Lemonheads mag. Da sie genau wie ich aber schon etwas betagter ist (40 +), kannte sie aus ihrer Jugend noch Bauhaus und vor allem den Hit aus den frühen 80 er Jahren She's In Parties. Lange ist's her und die Jahre sind auch an Peter Murphy nicht ganz spurlos vorbeigegangen. Der nach wie vor schlanke Mann mit den feinen Gesichtszügen hat inzwischen eine klitzekleine Plauze mit sich rumzutragen, ist aber immer noch sehr beweglich, agil und wahnsinnig charismatisch. Ein eleganter Herr mit Stil und famoser Baritonstimme, der zusammen mit seiner Band gegen 21 Uhr 30 die Bühne der Flèche d'or bestieg.

Zuvor war aber in Paris an anderen Schauplätzen auch noch so einiges geboten und so hatte ich mir als ehrgeiziges Ziel gesetzt, gleich drei Konzerte hintereinander zu sehen. Meine Pläne scheiterten kläglich, denn zum auf 19 Uhr angesetzten Showcase des Singer/Songwriters Joseph Arthur im schönen Fargo- Store kam ich zu spät und mir verblieb nur noch die Möglichkeit, ein Erinnerungsfoto des großgewachsenen und etwas derangiert wirkenden Burschen zu schießen. Ich hetzte also weiter quer durch die Stadt des Lichts und kam erneut erst nach der Schlacht an. In der schicken Modeboutique Irakli hatte die Kandierin Erin Lang eine kurzes Konzert (20 Uhr bis 20 Uhr 30) gegeben, von dem ich keinen einzigen Song mehr mitbekam. Man bot mir zum Trost aber immerhin gratis Champagner (den ich annahm) und einen verlockend aussehenden Schokokuchen (den ich ablehnte, weil ich zu fett bin) an. Außerdem hatte ich noch die Gelegenheit, ein wenig mit der sehr liebenswürdigen Erin zu plaudern und sie in ihrem geliehenen Designerfummel abzulichten. Dann zog ich per Metro weiter und kam zum Konzert von Peter Murphy... zu spät! Ich wollte alles und bekam fast nichts! Statt drei Konzerten hintereinander, bekam ich an jenem 20. Oktober nur ein halbes geboten. Bravo, gut gemacht, Ollie!

Immerhin konnte ich dem restlichen Gig von Meter Murphy aber so einiges abgewinnen. Der Sound war herrlich melancholisch und düster und die Bühnenpräsenz des in die Jahre gekommenen Sängers nach wie vor beeindruckend. Immer wieder suchte er den Kontakt zum Publikum, sah die Leute in den ersten Reihe stechenden Blickes an und drehte wie ein stolzer Gockel seine Runden. Stimmlich fand ich ihn absolut in Ordnung, obwohl er selbst sich später beim Publikum für sein heiseres Kehlchen entschuldigte.

Gespielt wurde nahezu auschließlich sein Solowerk, das ich nicht die Spur kannte. Für mich klang das relativ stark nach Killing Joke und den Sisters Of Mercy, aber auch nach den Einstürzenden Neubauten und anderen schwarzen Zeitgenossen. Allerdings waren die Stücke deutlich weniger depressiv und abstoßend, als man das hätte vermuten können. Manchmal war da Ganze fast poppig und ziemlich eingängig, vor allem wenn die Sachen des neuen Albums Ninth performt wurden.

Es war also nicht nur etwas für die gothischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, sondern auch für den "normalen" Indiemusikhörer geboten. Sehr schön auch der Einsatz der betörenden Geige, die der Geschichte Melancholie und Zartheit verlieh.

Schade insofern, daß schon relativ bald Schluß war und ich nur gut 30 Minuten des Konzertes gesehen hatte. Wegen seiner stimmlichen Probleme kürzte Peter auch den auch noch einmal etwa 10-15 Minuten dauernden Zugabenteil und verschwand in der Garderobe, freilich nicht ohne vorher den begeisterten Vampiren in den ersten Reihen die Hände geschüttelt zu haben.

Ein starker Typ dieser Peter Murphy. Danke nochmal an Uschi!

Setlist Peter Murphy, La Flèche d'or, Paris:

01: Velocity Bird
02: Peace To Each
03: Memory Go
04: I Spit Roses
05: Disappearing
06: Silent Hedges (Bauhaus)
07: Subway
08: Gaslit
09: Hurt (Ninch Inch Nails)
10: I'll Fall With Your Knife
11: All Night Long
12: His Circle And Hers Meet
(13: In The Flat Field)
14: The Prince And Old Lady
15: Uneven & Brittle

16: A Strange Kind Of Love
17: Huuvola





Konzerttip: Peter Murphy am 25. Oktober im Hamburger Knust! Vorher war er bereits in der Münchner Theaterfabrik und im Berliner Postbahnhof. Wer war dabei und schildert kurz seine Eindrücke?



Freitag, 13. Mai 2011

Wire, Paris, 11.03.11

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Konzert: Wire, Paris
Ort: La Machine du Moulin Rouge
Datum: 11.03.2011
Zuschauer: 600-700
Konzertdauer: etwa 1 Stunde 54 Minuten


Na, wunderbar! Aufgrund der technischen Panne bei blogger.com ist mein Konzertbericht über Wire, den ich noch unter größten Mühen in der gleichen Nacht geschrieben habe, in den Untiefen des Word Wide Web verschüttet gegangen! Ob er noch mal wieder auftaucht? Viel Bock, den Text aus dem Gedächtnis heraus zu reproduzieren habe ich nicht, und Zeit schon mal gar nicht. Och menno !!!!!!!!!



Samstag, 19. März 2011

Gang Of Four, Paris, 18.03.11

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Konzert: Gang Of Four

Ort:Le Trabendo, Paris

Datum: 18.03.2011

Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: 80-85 Minuten



"Punkrock ist nicht tot, Punkrock ist nicht tot!"

Wie recht Eddie Argos doch damit hatte. Zumindest wenn er den Spruch auf die kultige Gang Of Four bezogen hat, die in Paris ein s-e-n-s-a-t-i-o-n-e-l-l-e-s!!! Konzert ablieferte, das in die Musikgeschichte eingehen wird.

Donnerwetter!!! Mann, war das grandios! Es ging unfassbar der Punk ab, Jon King und Andy Gill stachelten die Pariser unerbitterlich auf und verwandelten das Trabendo schnell in einen Hexenkessel. Schon bei Ether (Lied Nummer drei) wurde wild Pogo getanzt und ich flog von links nach rechts. Meine Freundin Uschi, die anfänglich neben mir stand, sah ich erst nach dem Konzert wieder, so stark wurde ich von der Meute abgetrieben. An das Fotografieren war in vielen Phasen nicht zu denken, ansonsten wäre mein Apparat unweigerlich in die Brüche gegangen. Dennoch gelangen mir einige nette Schüsse, denn King und Gill hatten die geilsten Posen drauf. Fast schien es ein Wettbewerb zwischen ihnen zu geben: "Wer schaut finsterer drein? Gil fixierte die Fans in der ersten Reihe mit stechenden, hundsgemeinen Blicken, während King so irre glotzte, das ich Angst vor diesem Psychopathen bekam. Der großgewachsene Sänger zeigte oft mit seinem Finger auf einzelne Leute und intonierte dabei die zynischen, gesellschaftskritischen Texte mit einer Schärfe und Agressivität, die einem das Herz in die Hose rutschen ließ. Eine Rampensau par excellence, dieser alte Sack. Er verausgabte sich völlig, trieb seinen Puls auf ungesunde Höhen und schwitzte wie ein Schwein. Am Ende war sein weit geöffnetes Sträflingshemd völlig durchnässt. Lässiger war da der ungemein gutaussehende farbige Bassist. Der junge Schönling sah mit seinen Rastazöpfen aus wie der frühe Terence Trent D'Arby und spielte wahnsinnig gut.

Eine essentielle Band in überragender Form, ein Kulthit nach dem anderen, neue Stücke , die auch nicht übel waren und überraschend viele junge, unverschämt hübsche Frauen im Publikum, dazu eine Stimmung, die besser und wilder nicht hätte sein können. Was will man eigentlich mehr?

Selbst der in letzter Zeit so unglaublich kritische Konzertfotografenzar Robert Gil ließ als Bewertung vier Herzen aufgehen, das gibt es bei ihm ganz ganz selten.

Die Gang Of Four hat gezeigt, daß sie zu recht als einer der einflussreichsten Rockbands der letzten 30 Jahre bezeichnet wird. Ihr funkiger Postpunk klingt heute noch absolut modern (die vielen jungen Menschen im Publikum sind der beste Beweis dafür) und Franz Ferdinand wirken gegen die Viererbande aus Leeds fast wie Coldplay. Diese kurz angerissenen, rasiermesserscharfen Gitarrenriffs von Andy Gil waren damals revolutionär und haben auch heute nichts von ihrer funkensprühenden Wirkung verloren. Und dann sein herber Sprechgesang, so bitter, so zynisch, so pfurztrocken. Genial! Das größte Lob muss trotzdem an Hauptsänger Jon King gehen, denn es ist unglaublich, wie sich der inzwischen 55 Jahre alte Haudegen verausgabte. Er gab wirklich alles, wirbelte von Anfang bis Ende wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, spielte Melodica, nahm in einigen witzigen Szenen den jungen Bassisten in den Schwitzkasten und zerhackte am Ende wieder eine Mikrowelle, seine Paradedisziplin. Daß er bei allem Zynismus auch Humor und Charme hat, bewies er als er zur Zugabe zurückkommend mit einem Glas Wasser in der Hand darüber schwafelte, wie schön doch Paris und Frankreich sei. Auf französisch wohlgemerkt. Er erwähnte lobend Jean Paul Sartre, Jean Luc Godard und noch ein paar andere, während Andy Gil grimmig zu ihm rüberschaute und ihm zurief: "Oh shut up, man! " Das war Einleitung für das große, explosive Finale, den alles überragenden Encores.

Allein diese waren das Kommen wert, mit At Home He's A Tourist und Damaged Goods wurden den Leuten zwei Oberknaller um die Ohren gehauen, die definitiv das Geilste waren , was ich seit langem gehört habe. Alle Leute hüpften, gröhlten mit ("your kiss so sweet, you sweat so sour, sometimes I'm thinking that I love you, but I know it's only lust") und trampelten später noch minutenlang mit den Füßen auf den Boden. Die Helden des Abends, klatschten unterdessen zum Ende Hände der Fans ab und verschwanden abgekämpft aber glücklich in die Kabine.







John Peels (wer ist das eigentlich nochmal?) Lieblingslied war Teenage Kicks von den Undertones, Oliver Peels All Time Favorit heißt Damaged Goods.

Yeah, bayby!!!!!



Setlist Gang Of Four, Le Trabendo, Paris

01: You'll Never Pay For The Farm
02: Not Great Man
03: Ether
04: I Parade Myself
05: Paralysed
06: A Fruitfly In The Beehive
07:(Love Like) Anthrax
08: It Was Never Gonna Turn Out Too Good
09: What We All Want
10: Why Theory?
11: We Live As We Dream, Alone
12: To Hell With Poverty!
13: Do As I Say

14: At Home He's A Tourist


15: I Love A Man In A Uniform
16:
Damaged Goods


* Anmerkung: Etwa als 5. oder 6. Lied wurde zudem He'd Send In The Army gespielt, auf der getippten Setlist, die Fans am Ende ergatterten, war dieser Titel allerdings ebenso wenig vermerkt, wie die Zugaben.

Aus unserem Archiv:

Gang Of Four, Paris, 11.11.06




Dienstag, 15. Februar 2011

Detachments, Paris, 14.02.11

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Konzert: Detachments

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 14.02.11 (eigentlich 15.02., da um 0 Uhr 30 begonnen wurde)
Zuschauer: keine Ahnung
Konzertdauer: etwa 45 Minuten



Ohne Krimi geht die Mimie nie ins Bett! Und ohne Konzerti geht der Ollie auch nichts ins Bett! Ähem, ja...


Schon erstaunlich. In der Maroquinerie, einem eigentlich allgemein zugänglichen Ort werde ich an der Tür abgewiesen (auf die besonderen Umstände wegen des privaten Konzerts von PJ Harvey hatte ich hingewiesen), im Baron, dem nobelsten Laden mit der strengsten Tür, latschte ich allerdings problemlos an den Türstehern vorbei, ich stehe auf der Liste. Hier sollen anscheinend auch Mick Jagger und Bryan Ferry verkehren, wenn sie in Paris sind, aber heute trifft man in dem plüscheligen Laden mit den roten Lämpchen und dem heftigen Champagner- Ausstoß keinen Promi. Nicht, daß das wichtig für mich wäre, im Gegenteil. Ich komme hierhin nur um Konzerte zu sehen, George Clooney oder Angelina Jolie will ich nicht treffen, die sind mir egal. Nichts ist dämlicher als der Promikult. Überlassen wir so etwas doch lieber den klatschsüchtigen Amerikanern und den Engländern.

Amerikaner (genauer gesagt Amerikanerinnen) lümmeln sich auch auf den bequemen Sofas und auf der Bühne werden heute mit den Detachments Engländer spielen. Die Ami-Tussen sind gewohnt krass drauf. Eine der beiden ist höchstens 20, trägt eine fette Rolex am schmalen Handgelenk und 15 cm hohe Absätze. Bei ihrer Freundin ist alles falsch. Die Wimpern, die Nägel, wahrscheinlich auch der Busen.



Um 0 Uhr 30 geht es mit dem Konzert los. Die jungen Engländer Detachments stehen auf dem Programm. Ihr Stil: Neo-Post Punk. So zumindest kann man es bei last fm lesen. Wer ihre musikalischen Vorbilder sind, wird schnell klar: Joy Divion, The Chameleons, New Order, Depeche Mode, Front 242, etc. Obwohl ich großer Fan der englischen Post Punk Bands der später 1970 er Jahre bin, stehe ich den jungen Revivalgruppen skeptisch gegenüber. Glasgevas, die White Lies oder Delphic hasse ich wie die Pest. Mein Problem mit ihnen: der unerträgliche Bombast, das Pathos, die schmalzigen Bubblegum- Refrains. Auch hinsichtlich der Detachments bin ich zunächst recht mißtrauisch, zumal ihre Musik stark elektronisch geprägt und weniger gitarrenlastig ist. Aber im Laufe des Konzertes merke ich von Lied zu Lied, daß mir diese Band gefällt. Sie klingen erfeulich düster und morbide, übertreiben es nie mit dem Bombast und der Sänger ist sehr charismatisch. Mehr New Waver als er geht optisch nicht. Schwarzes Hemd mit schwarzer Krawatte, strenger Seitenscheitel, apathischer Blick. Vermutlich hat er schon als kleiner Junge die Posen von Ian Curtis einstudiert. Seine Stimme hat was. Sie klingt weniger nach Ian Curtis, dafür mehr nach David Bowie, dem Sänger der Psychedlic Furs oder Ian MucCulloch von Echo & The Bunnymen. Seine Begleitband ist hingegen unauffällig. Ein blonder Lockenkopf mit weißem Fred Perry Shirt am elektronischen Schlagzeug wie man es noch aus den 1980er Jahren kennt und ein dreitagebärtiger Bassist, der unscheinbar am rechten Bühnenrand agiert. Der Elektro- Punk der Detachments bringt ein paar Leute schlagartig zum Tanzen. Schon beim ersten Lied hüpfen ein paar Partymacher auf der winzigen Tanzfläche direkt vor der Nase des Sänger hin und her. Das wirkt recht albern, irgendwie wie Ringelpiez mit Anfassen. Die Band lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, spielt stoisch und kühl weiter. Ihre Songs singt abwechslungsreich, der elektronische Einschlag ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Am besten gefällt mir, wenn der Sänger Gitarre spielt, dann wird es punkig.

Nach gut 45 Minuten sind die Londoner mit ihrem Programm durch und haben mir erstaunlich gut gefallen. So gut, daß ich ihnen glatt ihre Debütalbum abkaufe, das kein Geringerer als James Ford (Arctic Monkey, Klaxons, Last Shadow Puppets etc.) produziert hat. Ich verfolge den weiteren Werdegang gespannt!

Ace!



Sonntag, 23. Januar 2011

Kim Novak, Paris, 20.01.11

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Kim Novak

Ort: L'International, Paris
Datum: 20.01.11
Zuschauer: 200 in etwa
Konzertdauer: circa 50 Minuten


Die bisher schönste Neuigkeit des noch jungen Musikjahres erreichte mich am Donnerstag. Die aus der Normandie stammende Indierockband Kim Novak hat leise still und heimlich eine neue EP herausgebracht, die sie auch löblicherweise im International zum Verkaufe feilboten. Als langjähriger Fan schlug ich natürlich sofort beherzt zu und trollte mich grinsend wie ein Honigkuchenpferd mit gleich zwei Exemplaren aus dem Laden. Zu Hause angekommen, saß aber nach den ersten zwei bis drei Hördurchgängen der Schock tief. Was war denn das jetzt für ein Stil? Galten Kim Novak nicht bis dato als die französische Antwort auf Interpol? Waren sie nicht die coolste New Wave Revival Band Frankreichs? Und liebte ich sie nicht gerade dafür? Von diesem Genre scheinen sie nun recht weit entfernt zu sein. Schluß mit dem grollendem Bass à la Peter Hook, vorbei die Gitarrenriffs à la Daniel Kessler. Und auch so düster wie vorher klingen sie nun zumindest auf dieser EP nicht mehr. Wir wollten mal was ganz Neues machen, verkündete Sänger und Gitarrist Jeremie mir gegenüber hinterher ganz laipdar. Und siehe da: wenn man das neue Machwerk oft genug gehört hat, offenbart sich einem die ganze Tiefe und Komplexität der neuen Stücke. Alles klingt unaufgeregter, relaxter, reifer. Keine schnell nervenden Ohrwürmer für die Indiedisco, sondern durchdachter Indiepoprock, der auf Effektheischerei verzichtet, dafür aber lange auf der Zunge perlt. Die Oberknaller der Ep sind Montego Bay und Love and Saved, die auch heute im International gespielt wurden.



Aber es gab noch eine weitere Neuigkeit zu vermelden und zwar keine geringfügige: Kim Novak sind nun wieder ein Quartett! Mit dem erst 20 jährigen Augustin spielt nun neben dem 21 Jährigen Bassisten Hugo ein weiterer Jungspund und verjüngt das Durchschnittsalter auf lediglich 25. Eine Teenieband, sieht man mal von dem Leader Jéremie ab, der Anfang 30 ist. Und wie stylish sie nun sind! Na gut, Jéremie, der einzige der von der damaligen Gründungsformation übrig geblieben ist, war das ja schon immer, aber nun laufen sie eben alle geschlossen in Skinny Jeans auf, die sie über ihren abgelederten Boots tragen. Cool as fuck, diese Band, man könnte fast meinen, es optisch mit den frühen Libertines zu tun zu haben. Folge dieser Verjüngungskur und des personellen Faceliftings: Ich fand mich von zuckersüßen, trendigen Frauen umgeben. Herrlich, ich fühlte mich wie ein Fisch im Wasser! Neben mir tanzte eine solch niedliche Blondine ab, daß ich meine Blicke nicht von ihr lassen konnte. Kurzhaarfrisur wie Madonna in "Susan verzweifelt gesucht", mandelförmige blaue Augen, hohe Wangenknochen, perfekte Zähne und kleine feste Brüste, die im Takt der Musik mitwippten. Am liebsten wäre ich rübergegangen und hätte ihr einen 10 minütigen Zungenkuss verpasst, aber ihr Macker stand gleich hinter ihr und außerdem bin ich ja verheiratet und treu. Oliver Peel ist schließlich nicht Bill Clinton oder Tiger Woods.

Achso, das Konzert. Gut wie immer natürlich und gespickt mit Liedern, die ich noch nicht kannte.
Keinen einzigen Song der EP hatte sie in meiner Anwesenheit zuvor schon einmal live gespielt und mit Best C und Falling Apart waren zusätzlich zwei mir unbekannte Stücke Teil des tollen Sets. Altbekannt hingegen hell funkelnde Juwelen wie Love Affair, New York, Cold Laws und der psychedelisch angehauchte Closer Somedboy New, mit dessen fulminanten Finale sie mich erneut ungespitzt in den Boden rammten.

Bei soviel Neuigkeiten wird es mir auch nach dem elften Konzert von Kim Novak nicht langweilig. Great!

Setlist Kim Novak, International, Paris, 20.01.2011:
01: Love Affair
02: Not So Sure
03: Montego Bay
04: Best C
05: Glory
06: Falling Apart
07: New York
07: Cold Laws
08: Loved & Saved
09: Somebody New

Aus unserem Archiv:

Kim Novak, Paris, 23.10.10
Kim Novak, Paris, 08.01.10
Kim Novak, Paris, 06.01.10
Kim Novak, Paris, 19.09.08
Kim Novak, Paris, 18.06.08
Kim Novak, Paris, 02.11.07
Kim Novak, Paris, 22.09.07
Kim Novak, Paris, 17.07.07
Kim Novak, Paris, 02.05.07
Kim Novak, Paris, 12.10.06




 

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