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Freitag, 9. Dezember 2011

Low, Paris, 02.12.11

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Konzert: Low
Ort: La Gaité Lyrique, Paris

Datum: 02.12.2011

Zuschauer: fast ausverkauft, etwa 650



Die Amerikaner Low sind eine jener Bands, die auf meiner Favoritenliste ganz weit oben stehen. Seit etlichen Jahren liefern sie ein hochkarätiges Album nach dem nächsten ab. Der letzte Output C'mon bildet da keine Ausnahme, er ist durchgängig gelungen. Leider aber spielen sie nur relativ selten in Europa und so muss man als Fan die wenigen Gelegenheiten nutzen, um in den Livegenuss der Sadcorler aus Duluth, Minnesota zu kommen.

Insofern ein Jammer, daß ich von dem Konzert in der Gaité Lyrique nur noch etwa 20 Minuten mitbekommen habe. Unser Umzug wirbelte sämtliche Planungen durcheinander und neben dem Einpacken, Entsorgen und Beschriften der Kisten blieb kaum Zeit für andere Dinge. Sauspät hatte ich mich deshalb auf den Weg zur Location gemacht und sah nur noch die beiden letzten Zugaben. Bitter. Dabei war meine Hoffung recht groß, mehr von dem Konzert zu erleben. Eine Woche zuvor hatte Bill Callahan an gleicher Stelle erst um 21 Uhr 45 begonnen. Heute aber war es ohne Vorgruppe bereits um 20 Uhr 30 losgegangen. Dennoch: selbst für 20 Minuten Low lohnte es sich, noch losgegangen zu sein! Die drei Musiker verstehen es einfach auf geniale Weise, eine dunkle, aber dennoch hoffnungsspendende Stimmung zu kreieren, die an Dichte und Intensität kaum zu überbieten ist. Die tiefe, leicht rauchige Stimme von Alan Sparhawk ist ohnehin der Hammer. Ihn nur ein paar Minuten zu hören, ist bereits ein Geschenk. Beim letzten Lied durfte aber seine Schlagzeug spielende Frau Mimi Parker den Gesangespart übernehmen und ihr ätherisches, sehr sanftes Organ hallte durch den ganzen Saal. Wie in Zeitlupe schritt das Stück voran, vielleicht deshlab haftet Low das Etikett Slowcore an. Ganz allmählich nahm Lullaby aber Fahrt auf, wurde eindringlicher, lauter, fordernder. Die Gitarre heulte pro gespielter Minute immer etwas forscher, der Bass polterte hektischer und Mimi schlug beherzter auf ihre Drums ein. Ein Hauch des New Wave Sounds von The Cure lag in der Luft. Gesungen wurde schon lange nicht mehr, nun sprachen ganz allein die Instrumente. Knisternde, fast magische Momente entstanden. Gegen Ende des insgesamt sicherlich 10 Minuten langen Schockers wurde wieder Fahrt rausgenommen und der Song klang ganz sachte aus. Applaus brandete auf, das Trio verließ nun endgültig die Bühne. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir geschworen, Low 2012 noch einmal komplett zu sehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Es wird uns doch wohl nicht noch einmal ein Umzug einen Strich durch die Rechung machen?

Setlist Low, La Gaité Lyrique, Paris:

01:Nothing But Heart
02: Nightingale
03: Try To Sleep
04: You See Everything
05: Done
06: Monkey
07: Witches
08: Especially Me
09: (That's How You Sing) Amazing Grace
10: Dinosaur Act
11: Shame
12: Majesty/Magic
13: In The Drugs
14: California
15: Murderer

16: Last Snowstorm Of The Year
17: Violent Past
18: Lullaby

Fotos: Archivpics. Aktuelle Fotos vom Konzert in der Gaité Lyrique hat Rober Gil, klick!

Aus unserem Archiv:

Low (Alan Sparhawk solo), Paris, 24.03.11
Low, Paris, 05.05.07






Freitag, 25. März 2011

Low (Alan Sparhawk solo), Paris, 24.03.11

2 Kommentare

Konzert: Low (Alan Sparhawk solo), Sans Piles Session by Magic
Ort: le Truskel, Paris

Datum: 24.03.2011

Zuschauer: 100 vielleicht?

Konzertdauer: 30 Minuten



Wieder ein neuer Beleg dafür, daß in Paris konzerttechnisch so einiges geboten ist. Kein Geringer als Alan Sparhawk von Low spielte in dem kleinen Pub namens Truskel (kennt ihr alle von meinen Peter Doherty Konzertberichten) und präsentierte die nagelneuen, noch nicht veröffentlichten Lieder des am 12. April erscheinenden neuen Albums C'Mon. Und das gratis!

Als ich gegen 18 Uhr 25 vor dem Truskel erschien, standen da aber seltsamerweise nur maximal 10 Leute vor verschlossener Tür. Ob die Geschichte zu schlecht promotet war? Ich selbst hatte erst am Vortag zufällig davon Wind bekommen. Vielleicht war es Absicht und man wollte einfach nicht zu viele Leute hier haben, denn die Platzkapazität ist sehr begrenzt. Wie auch immer, als ich zusammen mit ein paar Freuden und Bekannten nach Türoffnung eintrat, konnten wir uns die besten Plätze frei aussuchen. Wir stellten uns natürlich gleich ganz nach vorne, um gut zu sehen und befanden uns direkt hinter dem Kameramann, der für die Internetseite des Printmusikmagazins Magic die Songs filmen sollte. Unter der Reihe "Les Sans Piles Sessions" (pile= Batterie, sans piles also ohne Batterien= Akustiksessions) wird man demnächst dort die Videos finden können. Zuvor hatten in den vergangenen Jahren schon Größen wie Jay Mascis, Au Revoir Simone (Archivfoto) und Camera Obscura an der Sache teilgenommen.

Heute ging es schließlich um 19 Uhr los. Alan Sparhawk erschien komplett in schwarz gekleidet (Hemd, Krawatte, Hose, Schuhe alles black) auf der kleinen Bühne und wünschte uns, daß unser Tag großartig sein würde ("I wish that your day will be grand!"). Ich war so nah dran, daß ich ihm in die weiße Gitarre hätte greifen können. Die Intimität war atemberaubend. Schon beim ersten Song bestach Sparhawk durch seine feste, markante, eindringliche Stimme und sorgte für offene Münder. Wow! "La classe" wie der Franzose in solchen Augenblicken zu sagen pflegt. Auch textlich wurden früh Highlights gesetzt: "you try to sleep, then you never wake up , try to sleep don't look at the camera." Genau in diesem Moment guckte Alan ironischerweise genau in die Linse meiner Kamera und ich sah seine stechenden blauen Augen. Fast schien es, als schiele er etwas, aber seine Blicke gingen trotzdem komplett durch mich hindurch. Selten ist man Musikern so nah wie heute.

Mit Nightingale ging es weiter. Eine schöne kleine Gitarrenmelodie eröffnete diesen verwunschenen Song, "Nightingale don't you cry", wunderbar melancholisch pluckerte das Lied voran, während Sparhawk immer wieder den Refrain mit weit aufgerissenem Mund intonierte und beim Gitarrenspiel immer energischer wurde. Es schien, als würde er auf einer Bergwiese stehen und den Hang hinunter singen. Es hallte selbst hier im Truskel.

Witches schloß sich an, ein dichter, wolkenverhangener Song mit einem kuriosen Tex": " all you guys, try to act like Al Green, you're all weak." Besonders die Zeile "you're all weak", sang Sparhawk mit herrlich verächtlichem Tonfall.

Kurz vor Ende dann noch ein Cover (Sparhawk: "the guys from Magic ask me to do one cover") eines Reggae Songs. Die Heptones kannte ich vorher noch nicht, obwohl sie in ihrer Sparte sicherlich Kult sind. "Rasta cool, rasta cool", sang der Mormone immer wieder...

Mit Nothing But Heart wurde schließlich prima abgeschlossen. "I would be your king, but you wanna be free." hieß es dort eingangs. Ein sehr langsames, dafür um so intensiveres Lied. "I'm nothing but heart" intonierte Sparhawk mehrfach und wurde dabei im Verlaufe immer inbrünstiger. Sein definiertes Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, die Nackenmuskel waren bis zum Platzen angespannt und der Sänger war in einer Art Parallelzustand. In diesem Moment hatte er sicherlich vergessen, daß er gerade in einer kleinen Pariser Kneipe ist, beglotzt von einem inzwischen sehr zahlreichen Publikum.

Nach einer halben Stunde war schließlich Schluss und das Ziel der Veranstaltung wurde mühelos erreicht: ich bin sehr neugierig auf das Album C'Mon geworden, das sicherlich ziemlich anders klingen wird, als die heutige abgespeckte Version.



Setlist Low, Le Truskel, Paris:

01: Try To Sleep
02: Nightingale
03: Witches
04: Cool Rasta (The Heptones Cover)
05: Nothing But Heart

Aus unserem Archiv:

Low, Paris, 05.05.07



Sonntag, 6. Mai 2007

Low, Paris, 05.05.07

2 Kommentare

Konzert: Low
Datum: 05.05.2007
Ort: Café de la Danse
Zuschauer: voll


Low habe ich das letzte Mal 2005 beim Festival "Le Printemps de Bourges" gesehen, als sie ihr Album "The Great Destroyer" vorstellten. Damals teilten sie sich die Bühne mit Ray LaMontagne und Piers Faccini. Mir hatte ihr Auftritt nicht schlecht gefallen, aber ich war auch nicht so begeistert, dass ich gleich all ihre Platten haben musste. Seitdem ist es still um Low geworden, von Depressionen, dieser schlimmen Krankheit (und keiner Charakterschwäche!) war die Rede und so war ich erfreut zu hören, dass Mimi Parker (Gesang und Drums) und ihr Mann Alan Sparhawk (Gesang, Gitarre) mit einem neuen Album im Gepäck, "Drums and Guns", auf die Bühne zurückkehren würden.

Das aktuelle Opus hatte ich erst am Abend zuvor zum ersten Mal gehört, war aber erstaunlicherweise auf Anhieb begeistert. Ich sage erstaunlicherweise, weil Alben von Low nicht gerade zu dem eingängigsten Stoff zählen, den die Alternativ-Szene zu bieten hat. Oft erschliessen sich die Werke erst nach dem x-sten Hördurchgang, entfalten dann aber um so nachhaltiger ihre wahre Grösse und Schönheit. Mit hohen Erwartungen begab ich mich also Richtung "Rue de la Lappe" einer szenigen Ausgehmeile im Bastille-Viertel. Am Ort des Geschehens eingetroffen, musste ich zu meiner Überraschung feststellen, dass vor der Tür keine Menschenseele mehr stand.

Sollten Low etwa bereits ohne mich angefangen haben? Nein zum Glück nicht, denn als ich meinen Blick Richtung Bühne schweifen ließ, erspähte ich eine Sängerin, die nur mit einer Klampfe bewaffnet, ruhige Folk-Songs vortrug. Irgendetwas wunderte mich allerdings beim Anblick der langhaarigen Brünetten: sie hatte so verdammt männliche Züge, wenn man genauer hinsah... Aber die Stimme, kaum ein Zweifel, war doch eher weiblich hoch. Oder? Ähem, als die "Dame" ein paar Sätze an das Publikum richtete, erkannte ich meinen Irrtum. Die "Dame" war ein Typ! Am Merchandising-Stand erfuhr ich dann auch später den Namen: Death Vessel. Vielleicht hätte ich auch lieber eine Brille aufsetzen sollen, wie das intellektuell wirkende Publikum, das um mich rumstand, dann wäre mir ein solcher Patzer eventuell nicht passiert. Nun gut, kann ja passieren!

Als Death Veesel die Bühne verliess, hatte ich ein wenig Zeit, mich umzusehen. Zu meiner Freude erkannte ich Robert Gil, den tollen Konzertphotographen und auch einen Burschen, den ich schon oft auf Konzerten gesehen habe. Ein ziemlich fülliger Typ, allerdings gesegnet mit einem exquisiten Musikgeschmack, denn zuletzt war er auch bei Arab Strap, Arcade Fire und The Silver Mt. Zion. Da konnte eigentlich nichts schiefgehen, mit meinem Dickerchen als Garant für gute Konzerte...

War dann auch diesmal wieder so, denn Low waren fabelhaft, wie erwartet. Sie legten gleich mit "Sandinista" los (hat das was mit dem gleichnamigen Album von The Clash zu tun?) und schufen sofort eine schwül-warme Atmosphäre, die irgendwie sehr gut zu dem Konzertsaal passte. Im Widerspruch zu seinem Namen (übersetzt: Tanzcafé), ist das Café de la danse, eher einem Vorlesungssaal an einer Uni ähnlich und auch das Publikum war entsprechend gesetzt (im wahrsten Sinne des Wortes, hier tanzte nämlich keiner) und eher ab dem Alter 25-30 +. Mit meinen 35 Lenzen war ich also weniger fehl am Platz als z.B. bei den Arctic Monkeys. Die warme, knisternde Atmosphäre zog sich in der Folge durch das ganze Set. Mimi Parker, die Drummerin streichelte gar manchmal ihr Musikgerät und sang dazu weich und sanft. Alan, ihr Mann, sang ebenfalls einfühlsam und gemächlich die oft düsteren, zynischen Texte. Zuweilen liess er aber durchaus auch mal seine Gitarre laut aufjaulen und sorgte somit für rockige Momente, vor allem in einer härteren Version von "Breaker". Insbesondere seine Stimme hatte es mir angetan, so intim, so wehklagend, aber auch so kämpferisch und zornig. Man höre sich nur mal "Take your time" an, welches an dritter Stelle gebracht wurde! Ein fast esoterisches, hypnotisches Lied, bei dem bei mir so allerlei Bilder im Kopf abliefen. Zum Beispiel, dass ich mich im Hochgebirge befinde und mir im Schneidersitz den Sonnenaufgang ansehe. Welch anrühriges Stück! Auch die anderen Leute im Publikum hatten wohl Traumbilder im Kopfe und so sah man so einige (wenn man denn die Augen offen hatte), die mit geschlossenen Augen wie in Trance mit ihren Köpfchen wippten. Diese Geste hatte ich zuletzt bei The Silver Mt. Zion gesehen. Toll! Nach dem Song "Sunflowers" liess dann auch einer der Träumer von den Vorlesungssitzen einen - wie er fand - lustigen Kommentar ab. "Royal", also königlich, schallte es von einem der hinteren Plätze. Er wollte allerdings damit eher verzweifelt Wahlkampf betreiben, als Beifall spenden, denn die Kandidatin der Sozialisten beim morgigen Finale um die Präsidentschaft heisst eben nun mal Royal. Ségolène Royal. Diese Zweideutigkeit erkannten auch einige im Publikum und schmunzelten vereinzelt. Angespornt von dieser Zustimmung brachte unser Witzbold den Spruch dann immer mal wieder. Ich hielt das aber für vergebene Liebesmühe, da eh nur Wähler von Frau Royal im Raum sassen, also keine potentiellen Sarkozy-Wähler beeinflusst werden konnten. Als Deutscher und somit nicht in Frankreich Wahlberechtigter konnte ich mich allerdings aus den politischen Themen elegant raushalten und mich auf die Musik von Low konzentrieren. War auch eh besser so, denn die Amerikaner aus Minnesota, die auch noch von dem jungen Bassisten Matt Livinston und am Anfang von einer Streicherin begleitet wurden, boten ein überaus feines Programm.

Denn nicht nur Songs von dem neuen Album wurden gespielt, sondern auch Titel von "The Great Destroyer" (dem ersten Album auf dem vorzüglichen Sub Pop Label (Nirvana)), "Trust" und "Songs for the dead pilot". Alles also sehr ausgewogen, musikalisch erlesen und geschmackvoll. Vielleicht mal abgesehen von dem - zumindest dem Titel und dem Text nach- eher vulgären Stück "Pissing", bei dem ich die Songzeile " Pissing on my toes" heraushören konnte. Überhaupt die Texte: selbst Textmuffel wie Christoph sollten die sich mal anhören! Zum Beispiel bei "Murderer". Da heisst es: "you may need a murderer, someone to do your dirty work." Ist das nicht großartig? Du brauchst vielleicht einen Killer, jemanden der Deine Schmutzarbeit erledigt. Muss man erst mal drauf kommen! Bei solch vorzüglichen Parolen und entsprechend fabelhafter Musik wurde mir dann auch nie langweilig, trotz einiger schleppender Stücke und sage und schreibe fünf (!) Zugaben.

Low ist eine der besten Bands der Welt, das ist mir heute klar geworden! Und wem sich ihr recht sperriges Werk noch nicht so richtig erschlossen hat, der muss sich einfach mehr Zeit nehmen und die Alben öfter hören. Irgendwann macht es schon "klick". Und dann kann man von Low gar nicht genug bekommen...

Setlist Low:

01: Sandinista
02: In Silence
03: Take Your Time
04: Sunflowers
05: In Metal
06: Belarus
07: Starfire
08: Dragonfly
09: Hatchet
10: Silver Rider
11: Pissing
12: Violent Past
13: Murderer
14: Breaker (heavy version)

15: (That's how you sing) Amazing Grace (Z)
16: Will The Night (Z)
17: ?
18: When I Go Deaf (Z)
19: In The Drugs (Z)

Konzerttermine Low:

07.05.2007: Amsterdam
22.05.2007: Winterthur
23.05.2007: München (Ampere)
24.05.2007: Wien

von Oliver



 

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