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Dienstag, 9. Juni 2015

Waxahatchee, Köln, 08.06.15

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Konzert: Waxahatchee
Ort: Blue Shell, Köln
Datum: 08.06.2015
Dauer: Waxahatchee gut 50 min, Pinkwash 30 min
Zuschauer: etwa 80



Es ist schon fast wieder ein halbes Jahr her, daß wir wegen eines 45-Minuten-Konzerts einer Amerikanerin mit komischen Namen nach Brüssel gefahren sind. Natürlich war das keine Schnapsidee, Waxahatchee begeisterte uns Ende Januar sehr. Waxahatchee war damals nur Sängerin Katie Crutchfield und bei drei Liedern zusätzlich ihre Schwester Allison.

Vor zwei Monaten erschien das neue, mittlerweile dritte Album der Frau aus dem Süden der USA. Die Tour zur Platte führte Waxahatchee in einige deutsche Städte, die vorerst letzte Station war heute in Köln. Ich hatte gelesen, daß es diesmal ein Konzert mit Band sein sollte. Da "Band" ein dehnbarer Begriff ist, hatte ich keine konkreten Vorstellungen, was genau passieren würde. 

Um 21:15 h begann zunächst einmal die Vorgruppe Pinkwash. Pinkwash* sind Waxahatchee Schlagzeugerin Ashley Arnwine und Sänger und Gitarrist Joey Doubek. Die beiden kommen aus Philadelphia und waren mir entschieden zu (hart)rockig. Hätte ich nicht hingesehen, hätte ich außerdem gedacht, daß Ashley singt. Joeys Gesang klang, als ahme ein Kind eine Frau nach. Nicht meine Tee-Tasse.


Als Waxahatchee - diesmal Katie und Allison, Ashley, eine Bassistin (Katherine Simonetti?) und ein Gitarrist (Keith Spencer?) - um fünf nach zehn auf die Bühne kamen, sah es anders als im Januar aus, es klang aber gleich. Das erste Lied (Chapel of pines von Katies Dritt- oder Viertband Great Thunder) spielte die Frontfrau ohne ihre Band, nur der Gitarrist spielte leise mit. Erst bei Under a rock (Eselsbrücke: Rock = laut) stiegen die anderen Musiker ein. Mir gefiel diese Bandversion der Waxahatchee-Musik noch einen Ticken besser als die Soloinstrumentierung in Brüssel. Wobei ich (ich kenne mein Gedächtnis) nicht ganz sicher bin, ob ich das nicht auch geschrieben hätte, wenn ich die beiden Konzerte in umgekehrter Reihenfolge erlebt hätte. Das beste Lied war nämlich Blue pt II, das Katie und Allicon gemeinsam sangen und das wieder nur von diesen beiden zarten E-Gitarren begleitet wurde, semiakustisch quasi.


Nach vier Liedern gab es ein Problem mit dem Klang. Der Soundmann schlug vor, eine kurze Pause zu machen und nachzubessern. Die Band verbrachte die Zeit mit ein paar Improvisationen. Als alles geflickt war, ging es weiter und klang (wie auch vorher) hervorragend.

Einzig, daß vom ersten Album so wenig gespielt wurde, störte ein wenig. Aber das ist wohl der Band-Sache geschuldet. Nach Ende des sehr kurzen Sets (gerade mal 40 min) ging die Band, nur Katie blieb auf der Bühne. Die Frau aus Alabama spielte als Zugaben noch drei Lieder alleine und nur das letzte (Noccalula) stammte von American weekend. Den Wunsch nach Liedern von P.S. Eliot kommentierte Katie mit "I don't remember these songs!"



Neben dem alles überstrahlenden leisen Blue pt II gefiel mir Peace and quiet von Cerulean salt ganz besonders. Das Ende des Stücks in dieser Bandfassung war wirklich fabelhaft!

Daß im Blue Shell vor allem "Fachpublikum" war, Leute, die man ganz regelmäßig bei guten Konzerten sieht, war kein Zufall. Daß das Publikum hinterher sehr zufrieden wirkte, auch nicht.




Setlist Waxahatchee, Blue Shell, Köln:

01: Chapel of pines (Great Thunder)
02: Under a rock
03: Misery over dispute
04: Waiting
05: The dirt
06: Lively
07: Brother Bryan
08: Less than
09: Poison
10: Grey hair
11: Blue pt II
12: Lips and limbs
13: Coast to coast
14: Peace and quiet
15: Bonfire

16: La loose (Z)
17: Tangled envisioning (Z)
18: Noccalula (Z) 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Waxahatchee, Brüssel, 31.01.15 

* "Pinkwash" bezeichnet in den USA den Versuch von Unternehmen, das Thema Brustkrebs (mit diesen in Amerika so beliebten aufgedruckten Schleifchen, in diesem Fall pinken) für PR-Zwecke zu mißbrauchen. Vielen Firmen, die dies betreiben, wird von politischen Aktivisten vorgeworfen, damit gerade von umwelt- und gesundheitsgefährdenden Produkten bzw. Produktionen abzulenken. Der Bandname ist eine Abrechnung mit diesem Zynismus (Joey hatte seine krebskranke Mutter 14 Monate lang gepflegt). 



Sonntag, 1. Februar 2015

Waxahatchee, Brüssel, 31.01.15

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Konzert: Waxahatchee
Ort: Botanique, Brüssel (Witloof Bar)
Datum: 31.01.2015
Dauer: 46 min
Zuschauer: ca. 80*



Wenn man von Köln aus anderthalb Stunden nach Brüssel zu einem Konzert fährt, das um kurz vor neun bereits vorbei ist, man aber das Gefühl hat, alles richtig gemacht zu haben, war es wohl ein guter Auftritt. 

Ich hatte Waxahatchee, das Projekt der Amerikanerin Katie Crutchfield, noch nicht live gesehen, mein Wunsch, das zu ändern, war aber so groß, daß ich keine Sekunde nachdenken musste, als ich die Ansetzung im Botanique beim neujährlichen Konzertsuchen entdeckt hatte. 

Im Frühjahr erscheint das dritte Waxahatchee-Album. Die ersten beiden nach der (musikalischen) Trennung von Zwillingsschwester Allison, mit der sie als P.S. Eliot aktiv war, sind wundervoll. Wie das Konzert in Brüssel sein würde... ich hatte keine Ahnung! Daß Katie mit Band nach Europa kommen würde, dachte ich nicht, dafür wäre der Aufwand sicher zu groß. Als wir in die Witloof Bar im Keller des ehemaligen Königlichen Botanischen Gartens kamen, standen auf der Bühne zwei Mikros und ein Verstärker. 


Es war noch nicht einmal Viertel nach acht, als Katie Crutchfield alleine auf die Bühne kam. Sie begann mit drei Stücken von ihrem Debütalbum American Weekend. Anders als auf Platte fehlte der "im Schlafzimmer aufgenommen"-Charme, was mich überhaupt nicht störte. Katies Stimme ist viel zu schön, um sie zu verzerren und dämpfen! Es war von Beginn an wundervoll!

Danach kam ein Block mir unbekannter Stücke. Zunächst spielte Katie ein Lied ihrer Band Great Thunder (mit Keith Spencer), Chapel of pines. Danach rief sie ihre Schwester Allison auf die Bühne, um mit ihr "a couple of new songs" zu spielen. Allison stellte sich ans zweite Mikro und sang bei den beiden neuen Liedern Under a rock und Blue nur die Refrains mit. Beide Titel gefielen mir sehr. Blue pt. II (von der zweiten Platte, das damit also älter als Blue ist - ich liebe so etwas!) sangen beide Schwestern synchron. Bei einem der Refrains nach einer kleinen Pause schien es mir, als habe Allison den Text vergessen. Sie stieg erst nach einer Weile wieder ein. Katie hatte aber offenbar auch gepatzt. Nach dem Stück sagte sie, sie seien Zwillinge. "We fucked that song up at exactly the same time, it's magic!"

Sehr viel mehr Ansagen gab es von der Sängerin nicht. Ab und zu etwas wie "das ist neu" oder "jetzt kommen alte Lieder", mehr Kommunikation gab es leider nicht. Wenn ich etwas bemäkeln müsste (wegen der Glaubwürdigkeit bla bla), dann das. Aber wenn die Musik stimmt, ist es mir ganz ehrlich egal, ob vorne viel geredet wird - und die Musik stimmte!


Nach den drei gemeinsamen Stücken ging Allsion wieder weg. Den Rest des Konzerts bestritt Katie alleine. Bühnenshow-Fans kamen nicht auch in der zweiten Hälfte nicht auf ihre Kosten. Katie spielte ihre schlicht arrangierten Gitarrenmelodien und sang dazu mit geschlossenen Augen. Wenn sie nicht sang, ging sie einen Schritt nach hinten und senkte den Kopf auf die Gitarre - auf die eine Gitarre, die sie benutzte. Das klingt unspektakulär, diente aber vielleicht auch der Verdeutlichung der Schönheit der Stücke.

Im zweiten Teil des Konzerts spielte die Frau aus Alabama noch ein weiteres neues Lied (Half moon). Nach etwa vierzig Minuten beendete das wunderbare I think I love you ("and I think I love you but you'll never find out") das Konzert. Obwohl nicht allzu viele Zuschauer im Backstein-Gewölbe der Witloof Bar waren, waren die umso zufriedener, schien es. Katie kam zu einer Zugabe zurück und spielte ein weiteres Lied von ihrem Debüt, Noccalula, in dem auch die (für mich) spannende Frage beantwortet wird, wie der Fluß, nach dem die Band benannt ist denn ausgesprochen wird, der Waxahatchee Creek kommt darin nämlich vor. "x" oder "ch"? Bitte  auf American Weekend nachhören! Und die zweite gleich hinterher! Und dann bitte Karten für die Tour im Mai und Juni kaufen!

Drei Stunden Aufwand für 46 Minuten Konzert? In diesem Fall ein sehr guter Deal!

Setlist Waxahatchee, Botanique, Brüssel:


01: Michel
02: Catfish
03: Grass stain
04: Chapel of pines (Great Thunder)
05: Under a rock (neu)**
06: Blue (neu)**
07: Blue pt. II**
08: American weekend
09: Tangled envisioning
10: Bathtub
11: Half moon (neu)
12: Peace and quiet
13: I think I love you

14: Noccalula (Z)

* brauchte ich Hilfe für
** gemeinsam mit Allison Crutchfield



 

Konzerttagebuch © 2010

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