Sonntag, 30. August 2009

Festival Rock en Seine bei Paris, 29.08.09


Konzert: Festival Rock en Seine
Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris
Datum: 29.08.2009
Zuschauer: ausverkauft



Zweiter Tag des Festivals Rock en Seine, das immer noch über die genauen Hintergründe der Oasis Absage vom gestrigen Freitag grübelte. Über die Seine-Brücke geht es für mich zum Gelände und wenn man die Augen nach rechts wandern lässt, sieht man die Skyline von La Défense. Für Paris ungewöhnlich modern, diese futuristischen Bürogebäude. Aber wer arbeitet heute schon, ist ja schließlich Samstag? Es sind doch ohnehin alle bei Rock en Seine!...

Der Beginn des Tages gehört den weiblichen Paradiesvögeln. Shingai Shoniwa von den Noisettes habe ich verpasst, aber zu der semmelblonden Mette Lindberg von The Asteroids Galaxy Tour bin ich zur Stelle.

The Asteroids Galaxy Tour:

Wie alt denn die Sängerin der dänischen Band sei, will ein etwa 50 jähriger Besucher von mir wissen. Bevor ich meine Vermutung äußern kann - mein Tip wäre 25 gewesen - raunt er mir zu: "Sieht aus wie meine kleine Tochter und die ist 15!" Er begründet dies mit den dünnen Beinchen, die Mette Lindberg in der Tat hat. Die dürren Stelzen hat sie in gelbe Leggings gehüllt und dazu trägt sie schwarze Turnschuhe von Adidas. Ihr Outfit ist wahrlich abgefahren, aber das ist auch schon der größte Aufreger, denn die mehrköpfige Band, die auch einen Saxofonisten und einen Trompeter zu ihrer Besetzung zählt, spielt recht belanglosen Pop mit einem Hauch Funk und Soul. Und den aus der ipod- Werbung bekannten Hit Around The Bend haben sie schon vor meiner Ankunft abgefeuert. Aus Dänemark bevorzuge ich Under Byen und Our Broken Garden. Diese Acts haben nämlich nicht nur eine attraktive blonde Frontfrau, sondern auch wirklich gute Musik zu bieten...

Jil Is Lucky:

Die Franzosen waren mir eigentlich als Folk-Band bekannt und zwar aufgrund ihres Indie Hits The Wanderer, der auch auf Videosendern wie MTV lief. Was ich gegen Ende des Sets zu sehen und hören bekomme, ist aber eher nosiger instrumentaler Rock. Eine qualitative Einschätzung ist mir noch nicht möglich, Fakt ist aber, daß Sänger Jil wirklich eine beknackt aussehende blaue Herzchen-Brille trägt, die man sogar für 5 Euro über die MySpace Seite der Gruppe beziehen kann. Wer's mag....

Dananananaykroyd:

Ich hatte mir extra vorgenommen, der schottischen Band mit dem unaussprechlichen Namen diesmal mehr Aufmerksamkeit als beim letzten Mal zu schenken. Vor ein paar Monaten hatte ich sie im Olympia im Vorprogramm der Kaiser Chiefs gesehen und erinnerte mich im Nachhinein eigentlich nur noch an zwei Schlagzeuger, viel Geschrei, eine niedliche Bassistin, aber kein einziges richtiges Lied. Heute fehlte aber die Bassistin und somit das einzig Gute an dieser nervigen Formation, denn der Rest war wie gehabt.

Billy Talent:

Der Name ist bei den Kanadiern nicht Programm. Talent sucht man nämlich bei den keifenden Typen vergeblich. Wenn die mit ihren mainstreamigen Stadionrock- Hits (Devil In A Midnight Mass, Fallen Leaves, Red Flag) loslegen, klingt es, als würde gerade eine Sau geschlachtet. Billy Talent überlassen wir gerne 16 jährigen Emo-Gören, die keinen Bock mehr auf Schule haben, oder den Redakteuren und Lesern der Visions.

Die Setlist von Billy Talent bei Rock en Seine 2009 dürfte so ähnlich ausgesehen wie beim Festival in Leeds*:

01: Devil In A Midnight Mass
02: The Ex
03: This Suffering
04: Line & Sinker
05: Rusted From The Rain
06: Saint Veronika
07: Surrender
08: Devil On My Shoulder
09: This Is How It Goes
10: The Dead Can't Testify
11: Diamond On A Landmine
12: Turn Your Back
13: Try Honesty
14: Fallen Leaves
15: Red Flag

The Horrors:

Der blanke Horror dieses Konzert der englischen The Horrors. Ha, da habe ich doch glatt einen Kalauer gerissen! Spaß beiseite, denn das Set der jungen Düsterrocker war wahrlich nicht übel. Angeführt von dem spindeldürren Faris Badwan, der nicht nur lange Füße, sondern auch eine ebenso lange Nase hat, verwandelten die ganz in schwarz gekleideten Jungspunde die herbstliche Wiese vor der Scéne de la Cascade in eine gespenstische Friedhofslandschaft (mit ein wenig Fantasie natürlich...).

Das Ganze erinnerte an englische Post-Punk Kultbands der frühen 80er Jahre wie The Chameleons oder Echo and The Bunnymen, aber stellenweise auch an die Stooges oder gar die deutschen Krautrocker Can.
Und kein Geringerer als Geoff Barrow von Portishead hat das hochgelobte zweite Album Primary Colours produziert. Von diesem Machwerk stammten dann auch die allermeisten Stücke des heutigen Konzertes und obwohl The Horros weit von der Genialität von Portishead entfernt sind, gefielen sie mir mit ihrem düsteren, nicht leicht konsumierbaren Stoff doch weitaus besser als häßliche Pathos- Bands wie Glasvegas oder die White Lies. Ich behalte The Horros weiterhin im Auge.

Setlist The Horrors:

01: Mirror's Image
02: Three Decades
03: I Can't Control Myself
04: New Ice Age
05: Scarlet Fields
06: Who Can Say
07: Sea Within A Sea

Yann Thiersen:

Bekannt geworden ist Guillaume Yann Tiersen durch den Soundtrack zum weltberühmten Film "Die wunderbare Welt der Amélie". Viel mehr wusste ich aber bis heute auch nicht zu dem klassich ausgebildeten bretonischen Musiker zu sagen. Was der Bursche mit seiner vielköpfigen Band allerdings aufs Parkett legte, war wahrlich vorzüglich! Abwechselnd an Gitarre und Geige agierend, baute der graugelockte Musiker einen komplexen Sound auf, der musikalisch nicht allzuleicht zu verorten war. Gesang gab es recht wenig, aber ab und zu konnte sich vor allem die hübsche Backgroundsängerin in Szene setzen. Ansonsten gaben die zahlreichen Instrumente den Ton an und schufen eine märchenhafte und dreampoppige Atmosphäre, die an Dichte und Dramatik kaum zu überbieten war. Stilistisch gab es einen teilweise ausgeprägten Hang zum Postrock, geprägt durch eine sich ständig steigernde Spannung, die sich gegen Ende der recht langen Stücke ekstatisch entlud. Freunde von Sigur Ros, Radiohead, Cyann et Ben und Syd Matters dürften ihre Freude an der Musik von Yann Tiersen haben. Da ich Fan der vorgenannten Formationen bin, war die Freude heute ganz auf meiner Seite! Eine echte Entdeckung!

School of Seven Bells:

Jede amerikanische Indie-Band, die etwas auf sich hält, residiert zur Zeit in Brooklyn. Diese Phänomen ist inzwischen schon so ausgeprägt, daß sich viele Kapellen überlegen, ob sie diese Mode mitmachen wollen, oder nicht lieber nach Nebraska gehen (obwohl da ja schon Connor Oberst und seine Saddle Creek Kumpels abhängen, also vielleicht doch am Besten gleich nach Arkansas...).

School Of Seven Bells kommen - wie sollte es auch anders sein - aus Brooklyn, haben aber das Privileg mit ihrem aktuellen Album Alpinisms durch Europa zu touren. Und das ist eine feine Sache, denn so kommt man auch in Frankeich in den Genuß des schönen Anblicks der beiden Deheza Schwestern!
Alejandra spielt Bass und singt, während Claudia am Keyboard klimpert und ebenfalls singt. Hahn im Korb ist der Gitarrist Benjamin Curtis (der Sohn von Ian, nein, nur ein Scherz!), der mit seiner Poppersträhne in der Mitte der Bühne rumwuselt. Der noisige Dreampop des sytlishen Trios kam dann schließlich auch trotz des recht reservierten und schweigsamen Auftretens der Akteure ziemlich gut an und auch ich erlebte ein wesentlich besseres Konzert als noch vor ein paar Wochen, wo ich die School Of Seven Bells bei einem recht sterilen Radiokonzert bei France Inter erlebt hatte.

Hörens-und sehenswert!

Setlist School Of Seven Bells, Festival Rock en Seine 2009:

01: Chain
02: No Disguise
03: Wirde For Light
04: White Elephant Coat
05: Connjur
06: Half Asleep
07: My Cabal
08: Sempiternal/Amaranth




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