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Montag, 17. Februar 2014

I Like Trains, Brüssel, 16.02.14

2 Kommentare

Konzert: I Like Trains (10th Birthday Tour)
Ort: Botanique (Rotonde), Brüssel
Datum: 16.02.2014
Dauer: I Like Trains gut 85 min, Her Name Is Calla 40 min
Zuschauer: ca. 150 (wohl ausverkauft)



Vor zehn Jahren hießen I Like Trains aus Leeds noch iLiKETRAiNS und spielten ihre ersten Konzerte. Das Bandjubiläum nutzen die "guys in trains" (Her Name Is Calla Sänger Tom Morris) für eine kurze Tour durch Großbritannien und ausgewählte Orte auf dem Festland. Gottseidank gehörte Brüssel zu diesen und in Brüssel mit der Rotonde im Botanique der wohl schönste Konzertort, den ich kenne. Wir wären also vollkommen verrückt gewesen, uns dies entgehen zu lassen, obwohl I Like Trains in den letzten Jahren nicht mehr den gleichen Stellenwert für mich hatten wie am Anfang.


Mein erstes Konzert der Nordengländer war 2007 im Gebäude 9, es war bereits ihr zweiter Auftritt in Köln. Damals waren iLiKETRAiNS-Konzerte ein ganz besonderes Spektakel. In der Anfangszeit gehörte der Hornist und Videokünstler Ashley Dean noch zur Band, dessen Hauptaufgabe Filmprojektionen zu sein schienen, die die Geschichten, die die Lieder erzählen, optisch unterstützen. Jedes Video begann mit einem Ort und einer Jahreszahl, beispielsweise "Belgrade, 1992" vor A rook house for Bobby und erklärte, worum es in den Liedern geht, und das lohnte sich! Die Titel des Debütalbums Elegies to lessons learnt und der grandiosen EP Progress reform erzählen vom großen Feuer in London, vom Pestausbruch in Derbyshire oder vom mißglückten Attentat auf König George III (der die amerikanischen Kolonien verloren hat und den die Briten uns wegen seiner Herkunft aus dem Hause Hannover heute noch übel nehmen). Diese Kombination, die historischen Hintergründe, düster vertont und durch Filme erklärt, machte die ersten iLiKETRAiNS Konzerte zu Ereignissen. Als die Band Anfang 2008 Get Well Soon in Frankfurt supportete, sagte Konstantin Gropper anschließend, er komme sich mit seiner Musik nach der Vorgruppe wie eine Mallorca-Band vor.


Nachdem der Hornist die Band verlassen musste und die nächsten Platten mehr und mehr von der tiefschwarzen Melancholie einbüßten, ging die Faszination für I Like Trains (so heißen sie seitdem) bei mir ein wenig flöten. Die Band aus Leeds ist weiterhin überdurchschnittlich gut, sie ist aber nicht mehr im wahrsten Sinne des Wortes herausragend. Allerdings ist dies eine unter Umständen ungerechte Kritik, denn Auftritte wie der im Sonnenschein in Haldern vor ein paar Jahren oder der I Like Tea als Band-Merch oder die Option, mit der Band im Rahmen einer Crowdfunding Aktion Scrabble zu spielen, machen sie auch ohne die besonderen Konzerte zu einer außergewöhnlichen Band.


Als vor einigen Tagen angekündigt wurde, im Rahmen der Geburtstagsshows die Debüt-EP komplett zu spielen, strahlte mein Herz. Diese erste längere Veröffentlichung enthält einige wundervolle Perlen, und ein paar von denen hatte ich bei meinen bisher sieben Konzerten noch nicht sehen dürfen. Und so standen wir um kurz nach neun in der Rotonde des ehemaligen botanischen Gartens Brüssels, hatten das sehr gute Vorprogramm von Her Name Is Calla gesehen und bekamen mit Terra Nova das erste Stück der EP um die Ohren gespielt! 


Terra Nova erzählt die Geschichte des tragischen Rennens zum Südpol aus der Perspektive des Briten Robert Scott - "exploration's last great prize". Scott erreichte den Pol, kam aber einen Monat nach dem Norweger Amundsen an und starb mit seiner Crew auf dem Rückweg. Auch das zweite Stück No military parade handelt von diesem furchtbaren Scheitern und vertont dies fabelhaft. Terra Nova allerdings mit seinem dramatischen Aufbau, mit den vielen Gitarren gehört zu den besten Stücken Musik, die ich kenne. Das in diesem wundervollen Raum mit seiner Hörsaal-Charakteristik, seinem tollen Licht und der hervorragenden Akustik war einzigartig! Aber Terra Nova gehört zum Standard-Repertoire der Band und war daher bei weitem nicht das spannendste Lied des Abends.


Nach No military parade kam getreu der Albumreihenfolge A rook house for Bobby, das auch immer gespielt wird und die Geschichte des ehemaligen Schachweltmeisters (und Wirrkopfs) Bobby Fischer erzählt, der 1992 während des Bosnienkriegs einen Rückkampf gegen seinen alten Rivalen Boris Spasski im mit Sanktionen versehenen Belgrad spielte und seitdem ´nicht mehr in seine amerikanische Heimat einreisen durfte. Auch A rook house for Bobby endet in herrlichen Gitarrenwände und gehört zu meinen großen Lieblingen. Danach begann der besonders spannende Teil des Abends.


Keines der nächsten Lieder hatte ich bisher live gesehen, nicht Citizen, nicht The accident und vor allem nicht die beiden Oberknüller Stainless steel und The Beeching Report. Während Citizen und The accident sehr schön aber im Vergleich unspektakulär sind, ist Stainless steel mit seinen Anfangszeilen "Please don't go into the kitchen. That's where the knives are" der düstere Höhepunkt der EP. Das lang ausgedehnte Instrumentalfinale war atemberaubend schön! Aber es wurde noch besser...

Absoluter Höhepunkt des Abends war nämlich The Beeching Report. Dr. Beeching war Chef der British Railways, der in den 60er Jahren von der Regierung beauftragt wurde, die hoch dezifitäre Eisenbahngesellschaft zurück in die Erfolgsspur ('tschuldigung) zu bringen. Sein "Beeching Report" von 1963 führte zur Schließung tausender Kilometer Bahnstrecke (und zu sehr schönen I Like Trains Jutetaschen, auf denen diese gestrichenen Linien den Umriß Großbritanniens nachzeichnen). Das Mantra "Reform, reform" macht das Lied seit jeher zu einem Highlight. Die Liveversion unter Einbindung der Her Name Is Calla Musiker war unvergleichbar schön!

Nach knapp 40 Minuten war die EP gespielt - und ich restlos begeistert.

Der Kür-Teil des Abends bestand - auch das war zu schön, um wahr zu sein - ausschließlich aus Liedern vom Debütalbum! Twenty five sins machte den Anfang. "This time the French are not to blame" - für das große Feuer in London zwischen dem 2. und 5. September 1666. Dieses Stück hatten I Like Trains in Brüssel geschrieben. Es folgte The deception mit meiner Lieblingsgeschichte (hier ganz kurz: Ende der 60er Jahre fand ein Segelrennen um den Globus statt, bei dem einer der Teilnehmer durch die Durchsage falscher Standortdaten betrügen wollte und sein Scheitern mit Selbstmord beendete - auch die Geschichte zweier anderer Teilnehmer erzählen I Like Trains in Liedern). Death of an idealist handelt von einem britischen Parlamentarier, der seinen Tod vortäuschte, um in Australien zu leben.

Die letzten beiden Stücke spielte I Like Trains ohne Pause. A voice of reason (über das gescheiterte Attentat auf George III.) und Spencer Perceval (über das gelungene Attentag auf den britischen Premier Minister - letzte Worte: "I am murdered") gehören immer zu den Höhepunkten eines I Like Trains Konzerts! 

Ich hätte danach gar nicht mehr gebraucht. Alles war gesagt. Der Rest konnte nur eine Fußnote sein. 

Drei Fußnoten wurden es. A father's son vom zweiten Album und Mnemosyne und Reykjavik vom dritten (und aktuellen). Jedes ist für sich gesehen gut. Aber im Vergleich zum düsteren, überragenden Frühwerk sind die eher fröhlichen späteren Stücke fallen sie ab.

Here's to ten more years, I Like Trains! Normalerweise bekommt zwar das Geburtstagskind die Geschenke, in Brüssel fühlte ich mich reich beschert! Das Konzert war atemberaubend schön und wird hoffentlich auf DVD erscheinen. Und wenn mich noch mal jemand müde belächelt, daß ich sonntags nach Brüssel fahre, um eine unbekannte englische Band zu sehen, statt vor dem Fernseher den 90000. Tatort zu gucken, werde ich zurücklächeln und "Reform, reform" vor mich hinsingen.

Setlist I Like Trains, Botanique, Brüssel:

01: Terra Nova
02: No military parade
03: A rook house for Bobby
04: Citizen
05: The accident
06: Stainless steel
07: The Beeching Report
08: Twenty five sins
09: The deception
10: Death of an idealist
11: The voice of reason
12: Spencer Perceval

13: A father's son (Z)
14: Mnemosyne (Z)
15: Reykjavik (Z)


Ein Bericht über Her Name Is Calla und Fotos folgen! 

Setlist Her Name Is Calla, Botanique, Brüssel:

01: Pour more oil 
02: The roots run deep 
03: Meridian arc 
04: I was on the back of a nightingale 
05: Navigator 
06: New England

Links:

- aus unserem Archiv:
- I Like Trains, Köln, 29.10.12
- I Like Trains, Wien, 24.10.11
- I Like Trains, Köln, 19.01.11
- I Like Trains, Haldern, 15.08.09
- I Like Trains, Köln, 06.03.09
- I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06




Dienstag, 30. Oktober 2012

I Like Trains, Köln, 29.10.12

5 Kommentare

Konzert: I Like Trains
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 29.10.2012
Zuschauer: rund 200
Dauer: gut 80 min
 


So verwirrt hat mich lange kein Konzertabend mehr zurückgelassen. Die Frage, wie der Auftritt von I Like Trains heute im Gebäude 9 war, ist leicht zu beantworten, er war hervorragend. Aber warum? Hätte ich die Setlist vorher gekannt, wäre ich vielleicht zu Hause geblieben, zumindest wäre ich aber enttäuscht gewesen. Von meinen Lieblingen, die, das muß ich fairerweise gestehen, fast ausnahmslos von der Debüt-EP und -Platte stammen, spielten die Nordengländer kaum etwas. Dafür lag der Schwerpunkt, zumindest in meiner unmittelbaren Wahrnehmung auf dem zweiten Album, das zweifellos mit Abstand das schlechteste der Band ist. Diese programmatischen Schwächen wurden dann sicher durch brillanten Sound weggewischt? Nein, wurden sie nicht. Der Klang war weitestgehend ok, manchmal schlechter aber nie besser.


Trotzdem war es ein tolles Konzert. Keine Ahnung warum! Vielleicht bin ich toleranter geworden und sehe ein, daß eine Band gefälligst die Stücke spielen darf, auf die sie Lust hat und nicht die, die ich hören will. Und daß, wenn man wie I Like Trains seinen Stil fließend ändert, man als Band lieber das neuere, aktueller dem eigenen Geschmack entsprechende Material mag. Wären I Like Trains noch in der Stainless steel Phase (düsterer geht es nicht), klänge auch das dritte, wieder gute Album schließlich sehr viel dunkler. Oder es liegt an meinem miesem Gedächtnis. Ich weiß zwar noch, wie I Like Trains (als iLiKETRAiNS) damals waren (irre toll!), habe da aber wohl nur noch vage Erinnerungen, die nicht ausreichen, das heutige Konzert blaß erscheinen zu lassen.

Ich glaube, meine Verwirrtheit konnte ich gut darstellen, Erklärungen habe ich aber nicht. Es bleibt also die Erkenntnis, daß es ein sehr gutes Konzert war.

Warum auch immer.

Ok, ich trete noch mal nach... Die ausgelassenen Hits ergäben eine schöne Setlist:

- Twenty five sins
- A divorce before marriage
- Stainless steel
- The deception
- We go hunting
- We all fall down
- Victress
- The Beeching Report
- Spencer Perceval
- Death of an idealist

I Like Trains traten um kurz nach zehn auf. Ihre Eisenbahner-Jacken scheinen sie endgültig eingemottet zu haben, die Musiker trugen schwarze T-Shirts und Hosen. Das Lineup scheint unverändert zu den Konzerten, die ich zuletzt vor zwei Jahren gesehen hatte. Also Schlagzeug und bei drei Gitarren und Bass bei den älteren Liedern bzw. zwei Keyboards und zwei Gitarren bei den neueren (vereinfacht). Allerdings täuschte das einige Male. Bei Stücken, bei denen ich sicher war, daß bei ihnen Keyboards eingesetzt würden, gab es prlötzlich nur Gitarren. Der elektronisch klingende Rhythmus wurde einzig und allein vom überragenden Schlagzeuger Simon Fogal erzeugt.

Einer der Clous der ersten Tournees waren die bildlichen Unterstützungen der Songs. Die alten Lieder erzählen alle Geschichten von Tragödien und von großem Scheitern. Da ist 25 sins, die Geschichte des großen Feuers in London erzählt ("this time the French are not to blame"), Terra nova über das Rennen zum Südpol ("explorations last great price") oder mein Liebling, das Doppel The deception und Victress, zwei Lieder über unterschiedliche Teilnehmer eines Segelrennens um die Welt Ende der 60er Jahre, bei dem einer der Skipper betrogen hat (The deception), ein anderer (der der "Victress") sich von ihm wegen dessen falscher Positionsangaben verfolgt fühlte und sein angeschlagenes Boot weitertrieb, bis es sank. Diese Lieder untermalten I Like Trains mit eigens dafür gemachten Filmen, die die düsteren Geschichten (und den düsteren Klang) perfekt ergänzten.


Jetzt gab es auch wieder Filme und Animationen hinter der Bühne. Das hatte ich zuletzt vermisst. Die Videos waren hübsch, es fehlte ihnen aber der Pfiff von früher. Naja weitestgehend. Zu The shallows vom neuen Album lief ein Film, in dem offenbar eine Apple-Fabrik in China und viele iPhones vorkamen - vermutlich kein Werbevideo. Dazu leuchteten aber überall im Publikum Telefone auf, was sehr komisch war.

Wenig überraschend nach der kurzen Einleitung, daß mir A rook house for Bobby (über den tragischen Bobby Fischer) und The voice of reason (über denjenigen, der versucht hatte den englischen König zu töten, der dafür verantwortlich ist, daß in den USA solch ein dreckiges Englisch gesprochen wird) am Anfang mit Abstand am besten gefielen. Dagegen reichte meine Toleranz für Progress is a snake nicht mehr, das Stück von zweiten Album war das mit Abstand schlechteste der Show.

I Like Trains leben von den zuckenden Gitarrenwänden, von Tempowechseln, von den weit aufgerissenen Augen von Sänger David Martin beim Singen der Lieder (bei Sirens ("eyes wide open") war das besonders toll!).

Schade, schade, daß wir (Band und ich) einen in den entscheidenden Momenten dann doch so unterschiedlichen Geschmack haben. Wie gut wäre das Konzert erst gewesen, wenn statt einiger der mittelalten Lieder uralte gekommen wären! Spencer Perceval statt These feet of clay und The decpetion statt Progress is a snake...

Aber ich bin kein vollkommener Fundamentalist. Eines der großartigsten Stücke war Reykjavik vom aktuellen Album, dessen minutenlanges Gitarrenende am Ende des Sets sagenhaft gut war! Welch ein Knüller!

Es folgte leider nur noch Sea of regrets als einzige Zugabe. Das Lied ist das stärkste von der zweiten Platte, also war der Abschluß sehr gut, er kam aber unvermittelt, es hätte noch eine Weile weitergehen können. Da David das Gebäude 9 als ihr zweites Zuhause bezeichnete (ein Gefühl, das ich zu gut nachvollziehen kann)*, und weil er den Dom immer noch nicht besichtigt habe, kommen I Like Trains sicher bald zurück. Auch dann wird es wieder großartig, egal wie die vierte Platte werden wird!


Eines der Lieder, das mir fehlte (25 sins), griff wenigstens die Vorgruppe Der Rest thematisch auf. Auch die Hamburger Band mit den unterkühlten Ansagen und den manchmal sehr viel zu rockig klingenden Instrumenten sang über eine brennende Stadt. Heften geblieben beim gut halbstündigen Set des Trios sind mir aber vor allem die Zeilen "das Universum atmet, darum atme mit. Dieses eine Leben, ist alles, was wir sind" über die ich jetzt näher nachdenken muß.

Setlist I Like Trains, Gebäude 9, Köln:

01: Beacons
02: Sirens
03: A father's son
04: The shallows
05: A rook house for Bobby
06: We saw the deep
07: The voice of reason
08: The hive
09: Progress is a snake
10: We used to talk
11: Mnemosyne
12: Terra nova
13: These feet of clay
14: Reykjavik

15: Sea of regrets (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- I Like Trains, Wien, 24.10.11
- I Like Trains, Köln, 19.01.11
- I Like Trains, Haldern, 15.08.09
- I Like Trains, Köln, 06.03.09
- I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08

- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07

- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06

* ich war da aber auch lange nicht mehr auf den Toiletten 


Dienstag, 22. November 2011

I like Trains, Wien, 24.10.11

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Konzert: I like Trains

Ort: Chelsea, Wien
Datum: 24.10.2011
Zuschauer: schön voll
Dauer: etwa 90 Minuten

Dieser Bericht ist etwas spät, die zeitlose Schönheit von I like Trains dient hier als Entschuldigung.

I like Trains dürfte es in Wien gefallen, schon das zweite Mal in diesem Jahr stand ein Konzert in Wien an. Umgekehrt hat die Band aber auch einen sehr guten Stand beim hiesigen Konzertpublikum. Sehr oft war ich in den vergangenen Monaten auf Konzerten der Sorte Postrock/Ambient, die herzzerreißend mager besucht waren. An diesem Abend war das Chelsea dagegen ausgezeichnet gefüllt und das mit einem bunt gemischten Publikum. Sogar aus Slowenien war eine ganze Schar der Band nachgereist, die Vorfreude war den Lebhaften unschwer anzumerken.

Vorfreudig war ich auch, das letzte Mal habe ich I like Trains (damals noch als iLiKETRAiNS) am Haldern 2009 gesehen, irgendwann früh nachmittags und in der prallen Sonne. Nicht ganz optimale Bedingungen, um Musik und Ambiente parallel zu halten und es hatte dort auch fast jeder die Augen geschlossen, um das Konzert richtig genießen zu können.
Später trafen wir die Band am Autogrammzelt, hochsympathische Burschen. Die Autogrammkarten wurden mit Zeichnungen bestückt, umgekehrt konnte man der Band etwas in ein kleines Büchlein malen. Das Talent in dieser Disziplin ließ allerdings auf beiden Seiten zu wünschen übrig.

Kurz vor zehn kamen die Engländer auf die Bühne, nicht - wie sonst üblich - durch den Zuschauerraum, sondern durch die Seitentür aus dem Freien: ein Zeichen für die gute Auslastung des Chelseas an diesem Abend.
Ohne viel Umschweife wurde begonnen, Sirens stellte den Opener dar. "You sing to me, and I, I'm lost." Das Motiv der Sirenen aus der griechischen Mythologie, ein recht beliebtes übrigens (z.B. Radiohead - There There), fand auch recht schnell Anwendung auf den Konzertabend. I like Trains musizierten und man war hin und weg.

Auf großartige Versuche, sich mit dem Publikum zu unterhalten, wurde verzichtet. Bis auf ein paar Routinesätze war wenig drin, einzig eine Besucherin aus Slowenien wurde gefragt, ob denn eh alles in Ordnung sei, nachdem sie einen spitzen Schrei losgelassen hatte. Ja, war es - genannter Ruf erfolgte vor Begeisterung und das nicht zu Unrecht.
Die spärliche Wortgebrauch zwischen den Songs war allerdings hochgradig erfreulich, stellte er doch die Dichte des Abends sicher. Vor allem Übergänge wie von A Father's Son zu We Saw The Deep, die auch auf Platte ausgezeichnet funktionieren, kamen so zu ihrer vollen Geltung. Das gespielte Material stammte auch hauptsächlich vom letzten Album He Who Saw The Deep, vom Vorgängeralbum waren nur zwei Songs dabei.

Fünf Menschen waren I like Trains an diesem Abend, drei davon Gitarristen - einfach herrlich. Teilweise trugen sie Marine-Uniformen, Sänger David Martin eine mit zwei Goldbalken am Ärmel, der erste Gitarrist und der Bassist welche mit nur einem Streifen. Es scheint also eine deutliche Hierarchie in der Band zu geben. Oder ist die Verkleidung einfach reine Koketterie?
Völlig egal, das einzige was zählte, war das Konzerterlebnis - ein hervorragendes!

Bis zu dem Zeitpunkt, als die Engländer die Bühne verließen, schwelgte man in Gedanken, man ließ sich treiben und träumte.
Mit ihrer Rückkunft ging der Traum weiter, uniformiert war aber nur mehr Martin. Vielleicht geriet Spencer Perceval deshalb so entfesselt. Naja, müßige Spekulation. Fest steht: I like Trains sind live immer wieder fesselnd, ihre Musik ein Soundtrack zum Gedankenkino. Klingt durchschnittlicher als es ist, I like Trains sind perfektes Handwerk und ganz viel Herz. Wem das nicht reicht, kann ja zu den Kaiser Chiefs gehen, wenn er eine Band aus Leeds sehen will.

Setlist I like Trains, Wien:
01: Sirens
02: Progress Is A Snake
03: A Rook House For Bobby
04: A Father's Son
05: We Saw The Deep
06: Voice Of Reason
07: (New Song)
08: Terra Nova
09: When We Were Kings
10: (New Song)
11: Victress
12: These Feet Of Clay
13: Sea Of Regrets

14: Spencer Perceval (Z)


Aus unserem Archiv:

I Like Trains, Köln, 19.01.11
I Like Trains, Haldern, 15.08.09
I Like Trains, Köln, 06.03.09
I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06




Donnerstag, 20. Januar 2011

I Like Trains, Köln, 19.01.11

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Konzert: I Like Trains
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.01.11
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft aber sehr gut gefüllt
Dauer: I Like Trains gut 80 min, Delay Trees 45 min


Ich hasse solche Sprüche, aber I Like Trains waren früher wirklich besser. Ach, das stimmt so eigentlich auch nicht, die Band ist immer noch fabelhaft, nur das Songmaterial im Schnitt etwas schlechter geworden. Obwohl ich die zweite Platte der Nordengländer mitfinanziert habe (wie lange wollte ich diesen Satz schon schreiben!), ist es mir bisher nicht gelungen, sie so schön zu reden, daß sie in meiner Gunst ans Debüt Elegies to lessons learnt oder die fantastische EP Progress reform heranreicht. He who saw the deep enthält einige wundervolle Titel und wäre ohne die Bürde der ersten Veröffentlichungen ein herausragendes Album. Im Vergleich zu den Vorgängern ist es aber eben blasser. Wer am Anfang der Karriere gleich Meisterwerke präsentiert, muß sich danach eben daran messen und von hergelaufenen Bloggern kritisieren lassen.

Änliches galt auch für die finnische Vorgruppe Delay Trees.* Denn auch die begann furios, spielte einen grandiosen ersten Song, der sehr an I Like Trains erinnerte, um denn aber immer mehr in popige Belanglosigkeit zu gleiten. Dazu trug der Bassist einen Dutt! Einen Dutt! Trotzdem waren Delay Trees die mit Abstand beste finnische Band, von der ich jemals gehört habe.

Nachdem sie den Aufbau noch zivil gekleidet vorgenommen hatten, erschienen I Like Trains um 21.15 Uhr dann wieder in den gewohnten englischen Bahnuniformen. Zuletzt hatte ich I Like Trains in Haldern 2009 gesehen. Seitdem hat die Band aus Leeds ihr zweites Album veröffentlicht, mit dem sie - wie zur Zeit viele Künstler - neue Wege gegangen ist. Zur Finanzierung des Projekts nahmen I Like Trains Hilfe des Webdienstes Pledge Music in Anspruch; sie verkauften die Platte (digital) und viele lustige Andenken und sammelten damit im Vorfeld die Gelder, die sie fürs Veröffentlichung auf einem eigenen Label und eine Tour benötigten. Ein weiterer Teil der "erpledgten" Erlöse geht an eine wohltätige Organisation, ein Konzept also, bei dem weder die Band noch der Fan irgendetwas falsch machen kann.

Neben den vier mir bekannten Mitgliedern stand ein fünfter Musiker auf der Bühne. Ian, wenn ich das richtig verstanden habe, unterstützte die Band auf der Deutschland-Tour an Keyboards und dritter Gitarre. Ian (das behaupte ich jetzt so) verschwand in der Regel bei den alten Stücken, er hatte wohl nur die Lieder von He who saw the deep geübt, die allerdings gut, er fiel nicht negativ aus, also spielte er alles richtig.

Von den neuen Liedern gefielen mir
Sea of regrets, We saw the deep, These feet of clay besonders gut. Auch wenn ich sie als viel fröhlicher als ihre älteren Geschwister empfinde, sind das I Like Trains Lieder. Für die anderen Stücke brauche ich wohl noch etwas, sie sind mir zu fröhlich für I Like Trains, auch wenn das - wie in langen Diskussionen erlebt - wohl eine einsame Meinung ist.

Herrlich, wie düster es dann nämlich auch werden kann... I Like Trains spielten nämlich drei Lieder von ihrer ersten EP, das wundervolle Terra Nova über den Wettlauf zum Südpol, A rook house for Bobby, dem Schachgenie (und ein wenig
extrovertierten) Bobby Fisher gewidmet und Stainless Steel, meinen Liebling mit der finsteren Zeile über die Messer, die in der Küche liegen. Toll!

Toll war auch das Konzert insgesamt. Es kommt nicht
an die ersten Auftritte ran, die ich von den Nordengländern gesehen habe, aber das sind auch Messlatten, die verflucht hoch liegen.

Und ich habe noch ein neues Wort gelernt. Als Gitarrist Guy nämlich Stromschläge von seinem Mikro bekam, klärte Sänger David das auf: "Guy has been electrocuted."

Setlist I Like Trains, Gebäude 9, Köln:

01: Sirens
02: Terra Nova
03: Progress is a snake
04: When we were kings
05: A rook house for Bobby
06: Hope is not enough
07: Victress
08: A voice of reason
09: We saw the deep
10: A father's son
11: Stainless steel
12: These feet of clay
13: A divorce before marriage
14: Sea of regrets

15: Spencer Perceval (Z)

Links:

- I Like Trains, Haldern, 15.08.09
- I Like Trains, Köln, 06.03.09
- I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06
- I Like Trains?

* sensationeller Übergang!


Samstag, 15. August 2009

I Like Trains, Haldern-Festival, 15.08.09

4 Kommentare

Konzert: I Like Trains

Ort: Haldern-Festival
Datum: 15.08.2009
Zuschauer: schon recht viele am Mittag
Dauer: 38 min


Eine weitere der zahlreichen Lieblingsbands im diesjährigen Haldern-Linup! I Like Trains aus Leeds begeistern uns seit langem mit ihren düsteren hymnischen Songs, die nicht selten in wüstem Gitarrengeschrammel enden. David Martins Stimme ist eine der charismatischsten in der Indiemusikszene, die Lieder der Nordengländer dadurch unverwechselbar.

Zuletzt hatten I Like Trains eine Instrumental-EP (The Christmas Tree Ship) über eine Sturmnacht auf dem Lake Michigan, der mehrere Schiffe zum Opfer fielen, veröffentlicht. Seit 2008 spielten I Like Trains dann aber auch einige neue Lieder mit Text, die mir bei den
ersten Hören zu fröhlich klangen. "Fröhlich" darf dabei nicht falsch verstanden werden; Lieder wie Sea of regrets sind auch extrem düster und alles andere als Kirmesmusik. Aber im Vergleich zu Titeln wie The Beeching report, Stainless steel oder Twenty five sins fallen sie in Sachen Dunkelheit deutlich ab.

Dunkelheit ist ein gutes Stichwort... Von allen frühen Bands schien I Like Trains vorher diejenige zu sein, die am wenigstens zum Tageslicht passen würde. Aber wer hätte dann in der Knallsonne auftreten sollen? Besser so, als parallel zu irgendeinem anderen Highlight dann im Zelt.

Die vier verbliebenen Mitglieder der Band (sie waren einmal zu fünft, als sie noch iLiKETRAiNS hießen - das haben wir aber schon zu oft erzählt, das kann man in einem der letzten Berichte nachlesen) trugen ihre Eisenbahneruniformen, unter denen sie vermutlich schrecklich litten. Aber wenn man nun mal Züge mag...

Der Beginn war perfekt! Terra Nova, das Lied über das Wettrennen zum Südpol
1911/12. Ok, Südpol und Textzeilen wie "this is an awful place", sind vermutlich nicht meine ersten Assoziationen mit diesem Haldern-Samstag. Es passte aber trotzdem ganz wundervoll, Widerspruch hin oder her! Und es kam an! Vielleicht täuscht mich meine Erinnerung, ich konnte mich aber nicht an so frühe Auftritte erinnern, die ähnlich gut und konzentriert verfolgt wurden.

Nach diesem gelungenen Auftakt folgten drei neue Titel. Während S
ea of regrets und Sirens schon seit Ende letzten Jahres bzw. Frühling 09 im Liveprogramm sind, wurde We saw the deep zum ersten Mal beim Dour Festival vor knapp einem Monat gespielt. Sea of regrets habe ich mittlerweile ziemlich häufig gehört. Das scheppernde Schnellerwerden des Stücks gefällt mir sehr gut, es fällt aber immer noch gegenüber den Liedern der ersten Platte und EP ab. Sirens und We saw the deep fehlt mir noch der Pep. Besonders deutlich wurde das mit durch die beiden alten Hits The voice of reason und Spencer Perceval, die ineinander übergingen und das knapp 40minütige Set beendeten.

Zwei Botschaften blieben übrig. Für die, die I Like Trains zum ersten Mal gesehen haben; die können noch viel besser sein! Und für alle, die die alten iLiKETRAiNS geliebt haben; es ist gar nicht so schlimm, sie taugen noch als Lieblingsband. Spätestens mit den letzten Minuten von Spencer Perceval, den "I am murdered" Refrains und den zuckenden Gitarrenbwegungen von David am Ende ist alles gut!

Setlist I Like Trains, Haldern-Festival:

01: Terra Nova
02: Sirens (neu)
03: We saw the deep (neu)
04: Sea of regrets (neu)
05: The voice of reason
06: Spencer Perceval

Links:

Aus unserem Archiv:
- I Like Trains als Support der Sisters Of Mercy in Köln im März 2009
- I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06

- mehr Fotos von I Like Trains aus Haldern



Samstag, 7. März 2009

The Sisters Of Mercy, Köln, 06.03.09

23 Kommentare

Konzert: The Sisters Of Mercy (& I Like Trains)
Ort: E-Werk, Köln
Datum: 06.03.2009
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: The Sisters Of Mercy 85 min, I Like Trains 35 min


Wieder einmal solch ein Spontanentschluß, mit denen ich so oft schon großes Glück hatte. Mit den Sisters Of Mercy sollte eine meiner Lieblingsbands - vor 20 Jahren - im Kölner E-Werk auftreten. Das hätte noch nicht ausgereicht, nach Köln zu fahren. Doch eine meiner aktuellen Lieblingsgruppen, I Like Trains (früher: iLiKETRAiNS), sollte supporten; so war ich auch erst darauf aufmerksam geworden, daß Andrew Eldritch und Band auf Tour sind.

Im E-Werk war ich viel zu lange nicht mehr. Wie gut doch diese Kulisse zu dem passte, was ich erwartete! Meine ersten Wünsche wurden sofort erfüllt, denn das Publikum sah zu großen Teilen exakt so aus, wie sich das für ein Sisters Konzert (meiner Vorstellung nach) gehört. Schwarz ist das neue Schwarz... Lackhosen, Röcke, die man in Supermärkten oder Banken eher selten sieht, Sisters Of Mercy T-Shirts jeglichen Alters und Zustands und ganz wundervolle Frisuren. Bei den Ende dreißig bis Mitte vierzig Jahre alten
Männern fiel mir auf, wie pragmatisch doch Wave- oder Goth-Frisuren sind. Geheimratsecken sind bei Trägern dieser Stile nämlich kein akutes Problem, die Seiten sind wegrasiert, die Haare sehen ewig jung aus. Praktisch!

Das Publikum scheint sich aber doch verändert zu haben, denn ich bekam ein fachmännisches Urteil eines Nachbar mit, der seit den 80er zu der Band aus
Leeds geht (also zu der alten; I Like Trains kommen ja auch aus der nordenglischen Stadt): "Es ist weniger schwarz als früher." Nun denn!

Die weniger-schwarz-Aussage galt nicht für die Vorgruppe. I Like Trains, die im vergangenen Jahr einiges verändert haben (wir haben darüber geschrieben), trugen nicht mehr die vertrauten weißen Hemden mit Trauerflor. Sänger David Martin und seine Kollegen Gitarrist Guy Bannister, Bassist Alistair Bowis und Schlagzeuger Simon Fogal hatten dunkle Uniformen an. Ob das englische Bahn-Juppen waren, weiß ich nicht, eher sahen sie nach Marine-Jacken aus. David trug zwei Streifen am Arm, die andern einen, alles streng hierarchisch.

Um halb neun begannen I Like Trains mit Terra Nova. Mein dauerhaftes Einreden, ich sollte bloß die Band nicht mit der Zeit vor der Trennung von ihrem Hornisten (und der damit fehlenden visuellen Unterstützung der Lieder) vergleichen, scheint aufzugehen; der Auftritt, der folgte, fand ohne faden Beigeschmack statt. Das E-Werk
mit seiner kühlen Industrie-Architektur, heute mit sensationellem Licht ausgeleuchtet, der Nebel... all das passte vollkommen perfekt zur düsteren, beeindruckenden Musik der (jungen) Leedser - oder mit mehr Pathos: I Like Trains spielten so etwas wie den Soundtrack zum E-Werk und Terra Nova war der perfekte Song für dessen Beginn.

Das nächste Stück kannte ich nicht.
Divorce before marriage ist neu und wurde auf dieser Support-Tour, aber noch nicht im November vergangenen Jahres gespielt. Damals war mir bei einem der beiden im Pretty Vacant gespielten Lieder aufgefallen, daß es eine fröhlichere Melodie als die veröffentlichen I Like Trains Songs hat. Auch Divorce before marriage mit der Refrainzeile "Close your bright eyes" hörte sich eine Ecke weniger düster an. Es ist immer noch tieftraurig, nicht daß ich da falsche Eindrücke hinterlasse. Dafür sorgt schon Davids Stimme. Aber verglichen mit solchen Horror-Songs wie Stainless steel, ist Divorce before marriage lebensbejahend. Vermutlich handelt das Stück aber von einer unfassbar tragischen Geschichte, die ich aber leider noch nicht kenne. Bemerkenswert bei dem Lied war auch, daß Alistair und vor allem Guy (hierbei am Keyboard) eine ganze Background-Strophe gesungen haben. Vielleicht macht alleine das - nämlich die andere Stimmlage - schon einen helleren Eindruck.

Es folgte ein weiteres neues Lied. "Das ist unsere neue Single, sie heißt
A sea of regrets." Die Melodie des Stücks ist anfangs noch fröhlicher als die von Divorce before marriage. Ganz offensichtlich verändert sich die Band hier, was ich als schade empfände. Allerdings schlägt A Sea of regrets einen anderen Weg ein, denn das Stück wird schneller, dunkler und lauter, bis es nach ewigen Zeiten in den so typischen I Like Trains Gitarren mündet, gespielt von zappelnden Bandmitglieder. Fabelhaft, ohne Abstriche! Meine Gedanken vorher, daß diese optimistischen Songs ein Zugeständnis an den berechtigten Wunsch nach größerem kommerziellen Erfolg sind, spülte der herrliche Krach leicht und locker weg! I Like Trains haben sich weiterentwickelt, große Angst habe ich aber nicht vor dem wann auch immer kommenden Album.

Nach ein paar kleineren Problemen mit Davids Gitarre folgte ein grandioses The voice
of reason. Höhepunkt dieser 35 sehr guten Minuten war allerdings Spencer Perceval zum Abschluß, dieses ewig lange Stück über einen im 19. Jhd. ermordeten britischen Premier. Aufregend dabei war vor allem die zweite Stimme des Keyboarders und Gitarristen Guy. Auf Platte war mir nie so richtig aufgefallen, wie schön die Stellen gegen Ende sind, an denen David und Guy singen. Und irgendwann schrammelten sie wieder ihre Instrumente in Grund und Boden und hinterließen ein beeindrucktes E-Werk. Glaube ich zumindest. Es könnte aber auch sein, daß I Like Trains dem Publikum etwas zu düster waren - mir gefielen iLiKETRAiNS 2.0 sehr gut, und Applaus gab es reichlich.

Setlist I Like Trains, E-Werk, Köln:

01: Terra Nova
02: Divorce before marriage (neu)
03: A sea of regrets (neu)
04: The voice of reason
05: Spencer Perceval

Dann wurde es scheußlich...

Obwohl ich schon beim Opener Crash and burn dachte, daß irgendetwas ganz schrecklich schief laufe, wurde die wahre Qualität des Abends erst nach und nach deutlich. Ribbons (einmal ein Hit) und Train liefen auch noch vollkommen an mir vorbei, bevor sich langsam der Nebel senkte.

Sänger und (vormals) Mastermind Andrew Eldritch trug Glatze und die alberne
Sonnenbrille, die er immer schon hatte, Militaryhosen und ein schwarzes offenes Hemd. Ausgestattet war er mit einem Funkmikro, das er meist beidhändig benutzte. Begleitet wurde er von einem Gitarristen und einem Bassisten (auf der anderen Seite der Bühne; ich bin recht sicher, daß er Bass und nicht auch Gitarre spielte). Der Gitarrist, ein Schönling mit langer, lockiger Frisur, poste ohne Unterlaß mit einem Bein auf der Monitorbox und spielte Guitar Hero. Sein Bass-Kollege (Namen kenne ich nicht, mag ich aber entgegen anderer Gewohnheiten auch nicht raussuchen), eigentlich auch Glatzkopf, hatte ein paar Resthaare zu einer Igelfrisur gebastelt und eine Sonnenbrille "im Haar". Solche Typen sieht man sonst nur in Ballermann Reportagen auf Kabel 1 oder bei Big Brother. Offenbar hatte Igel mit Poser gewettet, wer die schlechteren Posen hinbekomme. Ich möchte das nicht entscheiden müssen, beide waren unerträglich. Andrew rannte in der Zwischenzeit über die Bühne und sang oder brüllte in sein Mikro.

Äußerlichkeiten, dachte ich noch. Aber das war es eben nicht, denn viel schlimmer als die Outfits waren die musikalischen Qualitäten. Da ich recht früh in der Sisters Geschichte ausgestigen bin, kannte ich wenige der späteren Sachen. Aber ich erkannte auch die so vertrauten Lieder kaum, weil sie so schäbig und seelenlos runtergespult wurden. Neben den drei Musikern gab es niemanden auf der Bühne. Bitte korrigiert mich, wenn ich die einfach übersehen haben sollte. Im dichten Nebel möchte ich das nicht komplett ausschließen, ich gehe aber nicht davon aus. Schlagzeug und alles andere
kam also vom Band. Vermutlich dachte sich Eldritch, was bei Madonna klappt, muß bei mir auch funktionieren.

Das Konzert lief dann also so ab, daß sich die drei Schießbudenfiguren nach einem Lied - und dem immer kleiner werdenden Applaus - wieder aufstellten, recht schnell das nächste Playback startete und die beiden von Right Said Fred und der Bon Jovi Imitator einstiegen, um schlechte Coverversionen der Sisters Of Mercy Lieder zu spielen. Heute morgen habe ich im Radio zwei Ausgehtips gehört. In Rüdesheim gab es ein Konzert der Coverband Die Fachärzte, irgendwo in der Nähe eine klingt-wie-U2-Band. Ich bin sehr sicher, beide haben das Programm ihrer Vorlagenbands besser drauf als die Sisters Of Mercy.

Ich war ganz froh, daß viele Lieder kamen, die ich nicht kannte, denn die waren zwar
schlecht, haben mich aber nicht enttäuscht. Songs wie Flood I dagegen waren schlicht eine Unverschämtheit. Ganz besonders gruselig hörte sich Marian an, dieser Knüller mit deutschem Teil-Text. Als Krönung hatte hier der alberne Gitarrist intensive Gesangsparts, die das Lied in Grund und Boden stampften.

Aber da war ich lange schon über den Punkt hinaus, mich zu ärgern. Mir war es egal, was da passierte. Mein einziger verbleibender Wunsch war, daß nicht 1959 gespielt würde, damit ich mein liebstes Lied der Band irgendwann noch einmal wertfrei hören kann.

Eine dreiminütige (!) This corrosion Karaoke Nummer belehrte mich dann noch einmal, daß es immer noch schlechter werden kann. Allerdings bin ich recht sicher, damit schon das ekelhafteste Livelied des Jahres gehört zu haben, auch wenn irgendwann noch LaFee kommen sollte.

Auch die beiden Zugabenblöcke sollten irgendwie überstanden werden. Eigentlich hielt mich aber schon ab der Mitte des Konzerts nur noch die Aussicht, durch das proppevolle E-Werk gehen zu müssen, davon ab, früher abzuhauen. Und eine gewisse Sensationsgier, nur wirklich über das schreiben zu wollen, was ich ganz gesehen habe.

Das beste Lied des Sets war
Vision thing, aber auch danach kam mit Temple of love noch ein echter Tiefschlag.

Mir taten all die Leute leid, die 50 oder 60 Euro für diese Unverschämtheit bezahlt haben! Die einen
musikalischen Selbstmord ihrer alten Lieblinge erleben mussten. Ich habe mich am Mittag noch über die Idioten totgelacht, die im Sommer in London Michael Jackson raus aus den Schulden helfen. Abends war ich einer von ihnen. Ähnlich wie bei Jacko war auch bei den Sisters Of Mercy der Nebel das einzig Echte.

Aber in jedem Dunkel gibt es dann auf wundersame Weise wieder ein Lichtlein. Denn ein wundervolles Lied sollte noch kommen: Where is my mind von den Pixies. Auch vom Band, nachdem die Sisters Of Mercy die Bühne verlassen hatten. Und ein schönes Fazit des Abends.


Setlist The Sisters Of Mercy, E-Werk, Köln:

01: Crash and burn
02: Ribbons
03: Train
04: Alice
05: Flood I
06: Floorshow
07: Anaconda
08: Marian
09: Susanne
10: Arms (neu)
11: Dominion
12: Mother Russia
13: Summer
14: First and last and always
15: This corrosion
16: Flood II

17: Something fast (Z)
18: Vision thing (Z)

19: Lucretia (Z)
20: Top Nite Out (instr.) (Z)
21: Temple of love (Z)

Aus unserem Archiv:

- I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06
- Fotos aus dem E-Werk





Samstag, 29. November 2008

I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08

3 Kommentare

Konzert: I Like Trains (früher: iLiKETRAiNS)

Ort: Pretty Vacant Düsseldorf
Datum: 28.11.2008
Zuschauer: ca. 70
Dauer: I Like Trains 65 min, Saboteur 50 min


Ach, ich bin hin- und hergerissen. Mir ist überhaupt nicht nach diesem nörgelnden "Hab ich es nicht gesagt?". Vielleicht muß man an I Like Trains, die früher (vor ein paar Monaten iLiKETRAiNS hießen) einfach unsentimentaler rangehen. Denn dann kann der Schluß des heutigen Konzertabends nur lauten: Die Zugliebhaber sind eine grandiose Liveband, die es versteht, atemlos düster-schöne Klangkulissen aufzubauen, wundervoll komplexe Melodien, die oft in sagenhaftem Gitarrengeschrammel münden. Was sind diese Menschen talentiert! Und wie gerne hätte ich es, wäre meine persönliche I Like Trains Konzertgeschichte einfach in anderer Reihenfolge verlaufen, wäre das gestern mein erster Auftritt der Nordengländer gewesen. Denn - und jetzt kommt das Aber (also ein Denn, um genau zu sein) - die beiden Male, die ich iLT vorher erlebt hatte, waren eben nicht nur grandiose Abende für die Ohren, es waren Gesamtkunstwerke, die ich in dieser Brillanz sonst nirgends erlebt habe.

In meinem Bericht vom sensationellen Konzertabend mit Get Well Soon in der Frankfurter Brotfabrik im April habe ich geschrieben:

Ab "A rook house for Bobby" wurden die Lieder durch eingeblendete Orts- und Zeitangaben vorgestellt. So wie die Visualisierungen der Songtexte durch Bilder und Animationen, gehören auch diese Vorstellungen zwingend zu den Bühnenshows der in weiße Hemden mit Trauerflor, schwarze Hosen und schwarze Krawatten gekleideten Musiker.

Und so ist es leider nicht mehr. Der Erzählcharakter eines iLT Konzerts fehlt vollständig. Natürlich berichten die Lieder immer noch von denselben tragischen Ereignissen, sicherlich auch die beiden neuen Stücke, die ich bisher nicht gehört hatte. Aber der flüchtige Zuhörer, der keine Textbooklets liest (Christoph), wird eben nicht durch die Bilder auf einer Leinwand und die vorangestellten Jahreszahlen darauf gestoßen, daß es bei
We all fall down um einen Pestausbruch in Eyam 1665 geht oder bei The voice of reason um einen Mordanschlag auf den englischen König George III. (der als Hannoveraner Export für den Verlust der amerikanischen Kolonien verantwortlich war, wofür die Briten uns heute wahrscheinlich ab und zu dankbar sind). iLiKETRAiNS Konzerte waren schlicht beeindruckende Meisterwerke, leider gehört diese Vortragsart aber jetzt der Vergangenheit an. Denn seit Hornist Ashley Dean nicht mehr Mitglied der Band ist, fehlen auch dessen multimediale Talente. Er war verantwortlich für all die aufregenden Visualisierungen.

Wenn I Like Trains schlecht geworden wären, würde ich mich von der Band abwenden und das Kapitel Leedser Züge abhaken. Sie sind aber weiterhin fabelhaft. Schafft man es also, das auszublenden, was bisher bei ihren Konzerten passiert ist, wird man weiter viel Spaß mit dieser weit überdurchschnittlichen Gruppe haben. Und den hatte ich dann auch größtenteils, auch wenn mich immer wieder große Anfälle von Schwermut plagten, Gefühle, die aber bei der Musik der Kerle eh ganz gut passen...

Soweit die Einleitung...

Im Pretty Vacant war ich vorher noch nie (der Club - Achtung, Kalauer - sagte mir also bisher nichts). Die Kneipe mit drunterliegendem Konzertkeller liegt mitten in der übelsten Jungesellenabschiedsgegend in Düsseldorf. Wir hatten damit gerechnet, daß es spät beginnen würde und waren einigermaßen überrascht, daß der Sänger der Vorgruppe, der vorher noch oben in der Kneipe stand, um Punkt neun nach unten in den Gewölbekeller ging. Wir folgten und kamen damit pünktlich zum Beginn von Saboteur in dem winzigen Kartoffelkeller an. Bei komplett ausverkauften Konzerten ist der kleine, durch eine Treppe sehr doof geteilte Raum sicher enorm unangenehm, voll wie heute ging es noch. Mir fiel allerdings schnell auf, die angenehm doch die rauchfreien Konzerte der letzten Monate waren. Auch wenn ich vermutlich einer der tolerantesten Nichtraucher der Welt bin, gibt es nichts Schöneres als Konzerte ohne Qualmerei.

Von Saboteur hatte ich bisher nichts gehört. Das wird sich aber schnell ändern, denn die Hamburger Band hat mich mit ihrem Indierock vollkommen überzeugt. Sicherlich hat auch die unglaublich sympathische Art von Sänger (und Bassist) Peterr Tiedeken eine Rolle gespielt, der immer wieder mit dem Publikum sprach und dabei nicht die Spur arrogant wirkte (da habe ich zuletzt anderes erlebt, Diva Dingsbums vor den Dirty Pretty Things zum Beispiel). Neben Peter gehören die Gitarristen Nils Kempen und Jan-Eike Michaelis, sowie Schlagzeuger Matthias Knoop zu Saboteur. Einer der beiden Gitarristen erinnerte mich wegen seiner Frisur und seines karierten Hemds an Neil Campesinos!. Musikalisch hatten die Hamburger aber keine Nähe zu meinen Waliser Lieblingen, als Referenzen werden bei ihnen gerne Sonic Youth, Yo La Tengo und Dinosaur Jr. genannt.

Die ersten beiden Lieder endeten ein wenig plötzlich, als wäre der Band kein anderer Schluß eingefallen, das war aber auch der einzige kleine Kritikpunkt. Ansonsten gefielen mir Saboteur außerordentlich gut. Änhlich wie I Like Trains danach, wurden Saboteur schleichend lauter im Verlauf des Konzerts. Neben mir hielten sich einige gegen Ende immer häufiger die Ohren zu, oder stopften die Stöpsel tiefer rein.

Peter tauschte irgendwann seinen Bass mit der Gitarre seines Nachbarn. Beim letzten Lied setzte sich der andere Gitarrist ans Schlagzeug und übergab sein Instrument dem Trommler. Dazu machte Peter Geräusche einer Dampflok ins Mikro. Ob das eine Hommage an die Hauptgruppe oder bloß ein charmanter Zufall war, weiß ich nicht. Ich werde es aber rausfinden, weil ich die frisch erschienene Debütplatte des Band kaufen werde. Eine gute "Entdeckung"!

Umgebaut wurde nicht viel, weil Saboteur das Equipment der Engländer benutzen durften (u.a. das Schlagzeug, bei dessen Bassdrum wir uns fragten, ob sie mormoriert oder bloß unglaublich dreckig war). Also benötigten I Like Trains nur Zeit zum Stimmen ihrer Instrumente, um dann ganz plötzlich mit Twenty five sins zu beginnen. Das, sowie die folgenden A rook house for Bobby und We all fall down waren vertraut und wundervoll!

Gitarrist Guy Bannister (der ohne Bart) drückte dann ein paar Knöpfe auf dem Keyboard, und es erklang Donnergrollen. Das Getöse war die Einleitung und Untermalung eines neuen Stücks. Das Lied, in dem die Zeile "Brave like lions" vorkommt, stammt nicht von der gerade veröffentlichten Weihnachts-EP The Christmas tree ship (auf 1.000 limitiert und wohl schon so gut wie vergriffen), sondern war ganz neu. Auffällig war für mich der fast schon fröhliche Grundrhythmus, der irgendwo komisch klang, denn David Martins Gesang ist düster wie gewohnt. Am Ende mündete
Brave like lions in lauten und intensiven Gitarren.

Gleich anschließend das nächste neue Lied. Dafür habe ich im Internet verschiedene Namen gefunden. Es heißt entweder Hope oder We forget to breathe (Oder etwa Hope we forget to breathe...? Wohl kaum). Hope (ist kürzer) gefiel mir sehr gut, es passte sich nahtlos in das bisherige Werk ein. Vermutlich werden wir das Stück auf der neuen Platte vorfinden, an deren Demos die Band gerade arbeitet. Leider weiß ich überhaupt nicht, welche Geschichte das Stück erzählt.

Zwischen den Songs redete David ziemlich viel. In Frankfurt hatte er ein paar Sachen erklären müssen, eine große Quatschtante war er aber bisher nicht, glaube ich. In Düsseldorf redete er einiges. Es war eben ein viel normaleres Konzert als die ersten, die ich sehen konnte. Zum Beispiel erzählte er von dem Kartenspiel, das alle Deutschen spielen, Danish Bastard. Das habe er in der Zeitung gelesen. Warum wir denn etwas gegen die Dänen hätten? Im Keller kannte aber keiner das Spiel. Ich auch nicht, nie gehört. Google wirft das hier aus. Hmmm. David und wir waren ziemlich verunsichert. Bis zum nächsten Mal sollten wir uns schlau machen! Er glaube, es sei das, was er als Shithead kenne.

Nach
The voice of reason folgte die B-Seite Victress, deren Geschichte untrennbar zu der von The deception zusammenhängt. Nur wurde dieses Lied leider nicht gespielt. Als Entschädigung gab es aber danach das sagenhafte Terra Nova (bestes Lied des Abends!) und Spencer Perceval ("This is our last song" - "Ohhhhhh..." - "It's a long one!")

Aber David, dessen Bart viel länger und spitzer geworden ist, kam mit Band zurück. Zugabe war
Before the curtains close, part two, das sie sehr gerne spielen. Und ich gerne höre - so wie diese Band, auch wenn so vieles so anders ist als vor einem halben Jahr. Wäre das gestern mein erstes Konzert der Nordengländer gewesen, wäre ich vollkommen begeistert gewesen. So war es immerhin ein sehr gutes Konzert ,und ich versuche sie künftig nicht mehr mit ihren früheren Auftritten zu vergleichen, das war eine andere Bandphase.

Setlist I Like Trains, Pretty Vacant, Düsseldorf:

01: Twenty five sins
02: A rook house for Bobby
03: We all fall down
04: Brave like lions (?) (neu)
05: Hope (bzw. We forget to breathe) (neu)
06: The voice of reason
07: Victress
08: Terra Nova
09: Spencer Perceval

10: Before the curtains close, part two (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06





 

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