Dienstag, 3. März 2009

School Of Seven Bells, Paris, 02.03.09


Konzert: School Of Seven Bells

Ort: Maison de Radio France, Paris (Black Session Lenoir, France Inter)
Datum: 02.03.2009
Zuschauer: wie viele passen in das Studio 105? Keine Ahnung, ist konzipiert wie ein Hörsaal an der Uni.
Konzertdauer: 55 Minuten



Eine der zur Zeit spannendsten Gruppen ("un des groupes les plus éxcitants du moment") hat uns der sonore Moderator Bernard Lenoir in den heiligen Hallen des Radiosenders France Inter angekündigt und dem netten Onkel nimmt ja eigentlich eine Menge ab.

Was dann kam, war allerdings so spannend wie Golf im Fernsehen oder das Löhr-Center in Koblenz! - Nein, Spaß bei Seite, so öde war es natürlich auch nicht, aber der unglaublich kühle, fast sterile Sound von School Of Seven Bells hat mich zumindest am Anfang doch ziemlich abgeschreckt. Die jeweils recht langgezogenen Songs des Trios aus Brooklyn - ein ex-Gitarrist der Secret Machines und zwei bildhübsche glutäugige Zwillingsschwestern an Keyboard und Bass - schienen vom Band zu kommen, so makellos und keimfrei verpackt waren sie! Und dies trotz eines enormen Lärmpegels! Wenn Alejandra und Claudia Deheza nicht so gutaussehend gewesen wären, hätte ich prompt in den bequemen Sesseln des Radiosenders wegdämmern können. So gab es wenigstens für die männlichen Zuschauer etwas fürs Auge, allerdings waren alle drei Bandmitglieder so kühl wie ihre Musik und die schneebehangenen Berge auf ihrem Albumcover. (Nonverbale) Kommunikation zwischen den einzelnen Musikern? - Fehlanzeige! Die einzige, die ab und zu mal lächelte und auch drei Worte zum Publikum sprach ("Hi" am Anfang und "Thank you" am Ende), war die Bassistin mit dem Pony (nicht das junge Pferd, die Frisur meine ich natürlich!). Manchmal suchte sie auch ein wenig die Nähe zu dem blonden Gitarristen mit dem Popperscheitel. Die Keyboarderin allerdings, klimperte vor sich hin, als gehöre sie der Roboterband Kraftwerk an.

Nach circa einer halben Stunde Spielzeit ohne besondere Höhepunkte, kam ich aber etwas besser rein. Es gab nämlich ein Stück (welches das war? Hmm, werde es rausfinden...), bei dem endlich einmal der hübsche und liebliche Gesang der beiden Schwestern besser zu hören war, weil das Gitarrenspiel von Benjamin Curtis zum ersten Mal etwas reduzierter war. Zuvor hatten jeweils die noisige Elektrische verhindert, daß man den Gesang oder gar Textzeilen heraushören konnte. So etwas kennt man ja schon von My Bloody Valentine, aber es ist und bleibt irritierend, weil man immer den Eindruch hat, das Mikro sei zu leise eingestellt.

Die letzten drei Songs des Sets hoben sich allerdings wohltuend vom Rest ab. Half Asleep (Singleauskopplung), My Cabal und Sempiternal werden wohl auch nicht umsonst oft als beste Songs des Albums Alpinisms genannt,
das im Übrigen ganz hervorragende Kritiken bekommen hat. 9/10 Punkte im NME, 8.0 Punkte bei Pitchfork und etliche andere sehr positive Wertungen belegen eindrucksvoll wie hoch das Trio aus Brooklyn geahndelt wird.

Ich persönlich bin da aber nach dem ersten Liveerlebnis (und nach dem ersten zählbaren Höreindruck überhaupt) weniger euphorisch. Zwei hübsche Frauen mit lieblichen, wenngleich auf die Dauer eher eintönigen Stimmen und ein Poppertyp mit einer noisig-psychedelischen Gitarre ließen mich heute zumindest eher kalt. Aber ich glaube genau diese Kühle ist gewollt, das Albumcover mit der Gletscherlandschaft spricht Bände!

Ob ich bei School Of Seven Bells wohl auch noch auf den Geschmack komme? Vielleicht verbrigt sich hinter der eisigen Fassade ja doch noch eine faszinierende und spannende Band mit guten Liedern?!


Setlist School Of Seven Bells, Black Session # 294, Stuido 105 France Inter, Paris:

01: Face To Face On High Places
02: Iamundernodisguise (auf der Liste wirklich zusammengeschrieben)
03: Wired For Light
04: Chain
05: Connjur
06: White Elephant Coat
07: Caldo
08: Half Asleep
09: My Cabal
10: Sempiternal

Links:

- mehr Photos von School Of Seven Bells
- School Of Seven Bells - Original Videoclip Half Asleep
- White Elephant Coat live und akustisch. Sehr schön und ganz anders, als das was ich heute gehört habe
- Sempiternal live

Konzerttermine von School of Seven Bells:

03.03.2009: Paradiso, Amsterdam
04.03.2009: Ancienne Beligique, Brüssel
05.03.2009: Point Ephémère, Paris
07.03.2009: Gleis 22, Münster
08.03.2009: Bang Bang Club, Berlin
09.03.2009: Molotow, Hamburg
10.03.2009: Studio 672, Köln
12.03.2009: Flex, Wien
13.03.2009: Atomic Café, München

Pour nos lecteurs français:

Bernard Lenoir nous a annoncé un des groupes "le plus excitant du moment", venant tout droit de Brooklyn- "The place to be" dans le monde de la music indé actuel.

Mais mise à part un grand mur de son, monté par l'ex - guitariste de The Secret Machines Benjamin Curtis et deux soeurs jumelles ultra belles au clavier et à la basse (Alejandra et Claudia Deheza) il se passait d'abord pas grand chose. Il y avait un gros son, mais ça restait froid (visiblement c'était le but!) et stérile et le groupe - mise à part quelques éclats de sourire de la bassiste - ne communiquait pas entre eux.

Après une bonne demie heure sans morceau qui m'a réellement marqué, le concert s'est amélioré vers la fin et les deux soeurs jumelles ont eu l'occassion de montrer qu'elles ont vraiment des belles voix. Avant on pouvait à peine les entendre , parce que le bruit de la guitare était trop violent - du shoegaze à la My Bloody Valentine quoi, mais moins bon malheureusement!

Les trois dernières chansons m'ont finalement un peu consolés, notamment le single Half Asleep et la finale avec le bruyant Sempiternal.

Peut-être il faut écouter l'album Alpinisms plus souvent pour vraiment apprécier les titres de School Of Seven Bells ...







3 Kommentare :

Nummer Neun hat gesagt…

Na dann bin ich ja mal gespannt, sehe sie nächsten Freitag in München. Auf Platte (besser gesagt: Myspace) finde ich sie ja ganz gut. Aber ob das auch live fesseln kann?

oliver r. hat gesagt…

Möglicherweise kann das live fesselnd sein. Man muß bedenken, daß ich sie in einem Radiostudio gesehen habe und dort die Atmosphäre immer recht steril ist. Heute hätte ich die Gelegenheit gehabt, School Of Seven Bells noch einmal bei einem "normalen" Konzert zu sehen, habe es aber leider zeitlich nicht gepackt.

Berichte doch einmal, wie es in München war, würde mich interessieren.

Nummer Neun hat gesagt…

Ok, also nein: Richtig fesseln konnte mich die Band live nicht. Trotzdem war das Konzert durchaus gelungen, man muss sich auf die Musik einlassen, dann kann man dabei ganz wunderbar abschalten. Allerdings würde sich dafür wohl auch das Album anbieten, in der Live-Version kam da nicht "mehr". Sie haben kaum mit dem Publikum gesprochen, es gab nicht mal eine Zugabe.

Daher das Fazit: Schöne Musik, aber live muss man sie nicht unbedingt hören. Sehen aufgrund der Schwestern schon eher :)

 

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