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Sonntag, 19. Juni 2016

Wolf Parade, Hilvarenbeek, 17.06.16

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Konzert: Wolf Parade
Ort: Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek
Datum: 17.06.2016
Dauer: knapp 60 min
Zuschauer: ziemliches volles Zelt



London, Helsinki, Hilvarenbeek, Aarhus, Westmeath. Wer die beste aktive kanadische Band sehen wollte, musste reisen. Als ich Wolf Parades Schwester Band Sunset Rubdown (die zweitbeste nicht mehr aktive kanadische Band) zum ersten Mal gesehen habe, musste ich dafür nach Wetzlar fahren. Die anderen westeuropäischen Termine der damaligen Tour waren Haarlem, Vlissingen und Schorndorf. 


Es erfordert also ein gewisses Maß an Hingabe, Wolf Parade oder Sunset Rubdown live zu sehen. Nach zwei oder drei Liedern war die Mitte des Zuschauerraums ein Knäuel aus pogenden und mitsingenden Fans. Wolf Parade waren also offenbar für viele der Grund, in den Safari Park nach Hilvarenbeek zu fahren und eine der wenigen Chancen zu nutzen, die gerade aus einer fünfjährigen Pause zurückgekehrte Gruppe live zu sehen. 


Eigentlich muß ich nicht viel zu diesem Konzert sagen. Mit dem ersten Keyboard-Ton von Spencer Krug begann eine berauschend gute Musik-Stunde. So simpel der Rider der Kanadier sein mag (auf der Bühne standen nur einige Sixpacks Bierdosen), so komplex sind die Melodien der Stücke. Keyboarder Spencer (der das auch bei Sunset Rubdown macht) und Gitarrist Dan Boeckner teilen sich den Songwriter-Job und singen ihre jeweiligen Lieder. Dans Stimme ist toll und passt perfekt zur Sorte Musik, die Wolf Parade machen (was auch immer das für eine sein mag). Sein Kollege hat die schräge Stimme in der Band. Und schräg ist in diesem Fall wundervoll!


Viel verrückter als seine Stimme ist Spencers Keyboard-Spiel. Er liegt über seinen Instrumenten und balanciert mit seinem rechten Bein den Hocker nach hinten. Immer, bei jedem Lied. Einmal verlor er seinen Sitz, da fiel der hin, nach dem letzten Lied kickte er ihn absichtlich weg. 

Wolf Parade spielten Songs von den drei Platten Apologies to the Queen Mary, At Mount Zoomer und Expo 86, von der dritten EP (EP 3) und zwei von der neuen vierten EP (EP 4).... und jetzt ist mein Bericht wieder viel zu sachlich geworden. Das Konzert, jede einzelne Minute war atemberaubend! Es war wild, laut, schnell und intensiv. Obwohl in der Mitte wild getanzt wurde und dadurch große Lücken vor der Bühne waren, versuchten immer wieder Crowdsurfer ihr Glück - und landeten auf dem Boden, einer ziemlich laut. Er stand aber schnell wieder auf und sang weiter. Natürlich waren das alles keine Leute, die die Band interessant fanden und deshalb da waren. Das war der Wolf-Parade-Fanclub Europa-West.

Ich habe keine Ahnung, warum Wolf Parade so selten gebucht wird, warum niemand den Mut hatte, die Band auf eines der deutschen Festivals zu buchen. Oder eine Clubshow zu veranstalten.

Setlist Wolf Parade, Best Kept Secret Festival, Hilvarenbeek:

01: You are a runner and I am my father's son (1)

02: Fancy claps (1)
03: Soldier's grin (2)
04: What did my lover say? (It always had to go this way) (3)
05: Shine a light EP1
06: C'est la vie way / Floating world EP 4
07: Cloud shadow on a mountain 3
08: Dear sons and daughters of hungry ghosts 1
09: Language city 2
10: This heart's on fire 1
11: I'll believe in anything 1
12: Kissing the beehive 2

Links:

- aus unserem Archiv:
-
Wolf Parade, Wien, 22.09.10
- Wolf Parade, Paris, 18.09.10
- Wolf Parade, Brüssel, 16.05.10
- Wolf Parade, Köln, 03.12.08


Dienstag, 28. September 2010

Wolf Parade, Wien, 22.09.10

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Konzert: Wolf Parade

Ort: Flex, Wien
Datum: 22.09.2010
Zuschauer: etwa 500


Ein Gastbeitrag aus Wien. Vielen herzlichen Dank nach Österreich!


Wolf Parade sind die beiden Masterminds Dan Boeckner und Spencer Krug, live noch mit Bassisten und Schlagzeuger verstärkt. Manch einer wird sich während dem Konzert im Wiener Flex gedacht haben, dass er die beiden aus British Columbia stammenden Herren schon einmal anderswo gesehen habe. Und das kann gut sein, denn sowohl Dan als auch Spencer haben unzählige Nebenprojekte, die nicht minderer Qualität sind! Handsome Furs, Sunset Rubdown oder Frog Eyes um nur einige dieser grandiosen Side-Projects zu erwähnen. Mit diesen waren sie auch schon desÖfteren in Wien gewesen. Doch nun zur Veranstaltung selbst. Um Punkt 21:30 betraten die 4 Herren die Bühne, sichtlich begeistert von der Besucheranzahl und den Besuchern selber. Kein Wunder, beehrten Wolf Parade doch erst das erste Mal Wien und das zweite Mal Österreich überhaupt. Zu Buche stand bis dato ein – Hören-Sagen zufolge – unvergesslicher Abend am Kremser Donaufestival. Die Jubelchöre des Publikums nahmen kein Ende und sprangen wie ein Funke auf die Band über, schon zu Beginn waren alle rundum zufrieden und glücklich. Ein großer Abend sollte ins Haus stehen, einer mit denen Wolf Parade ihre schier unwahrscheinlich große Beliebtheit noch ausbauen sollten.

So außergewöhnlich die Musik der Kanadier ist, so weit weg ist die Bandstruktur auch
von herkömmlichem Format entfernt.
Jedes Bandmitglied hatte seine fixe Rollenzuteilung und so hatte das ganze Konzert dadurch eine Art Theatercharakter. Bei jedem Songwechselten sich Dan und Spencer mit den Lead Stimmen ab und gaben dadurch denTracks ihre jeweils persönliche Note mit. Dies wirkte, als wären zwei Solokünstler anstelle einer zusammengeschweißten Band am Werke. Jeder wollte sein Ding durchziehen, ein Miteinander gab es nicht. Diese Tatsache machte sich aber keineswegs negativ bemerkbar.

Ganz im Gegenteil, die rockigeren Parts von Dan, gepaart mit den balladenähnlichen
Gesängen von Spencer, ergab eine schöne Symbiose, die dem Zuschauer sowohl Zeit zum Feiern, als auch zum Entspannen und Nachdenken bot. Dan bedankte sich während des Konzerts öfters für die Besucheranzahl und betonte, dass er nicht damit gerechnet hätte, dass so viele Leute kämen. Die Stimmung war grandios, was auch vermutlich daran lag, dass Wolf Parade fast ausschließlich Tracks ihrer beiden Erfolgsalben „Apologies to the Queen Mary“ und „At Mount Zoomer“zum Besten gaben und das neue Album „Expo 86“ nur sporadisch bespielt wurde. Eben dieses wurde von Dan mit einem verlegenen Lächeln als „weird“ bezeichnet.
Vermutlich wollten sie bei ihrem zweiten Österreich-Besuch dem Wiener Publikum nicht zuviel zumuten, denn wenn neue Tracks von neuen noch nicht veröffentlichten Alben bespielt werden, steht man als Band im Prinzip immer auf heißen Kohlen. Der finale Song „Kissing The Beehive“ ihres zweiten Albums läutete dann auch das Ende des Konzerts ein. Nach guten 90 Minuten verließ die Band schweißgebadet die Bühne, die Besucher tobten. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die beiden Herren aus Kanada Österreich nach diesem grandiosen Konzert baldigst wieder beehren, sei es als Wolf Parade, Sunset Rubdown, Handsome Furs oder vielleicht wieder einem gänzlich neuem Projekt.

Setlist Wolf Parade, Flex, Wien:

01: You Are A Runner And I Am My Father's Son
02: What Did My Lover Say? (It Always Had To Go This Way)
03: Palm Road
04: Dear Sons And Daughters Of Hungry Ghosts
05: Ghost Pressure
06: In The Direction Of The Moon
07: Fine Young Cannibals
08: Cave-O-Sapien
09: This Heart' On Fire
10: I'll Believe In Anything
11: Little Golden Age
12: Californian Dreamer

13: You Are A Runner And I Am My Father's Son
14: Shine A Light
15: Kissing The Beehive

Anmerkung: Bei den Fotos handelt es sich um alte Archivbilder von Christoph.

- Wolf Parade, Brüssel, 16.05.2010



Sonntag, 19. September 2010

Wolf Parade, Paris, 18.09.10

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Konzert: Wolf Parade

Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 18.09.2010
Zuschauer: restlos ausverkauft
Konzertdauer: 90 Minuten


Die (relativ) frischgebackenen Eltern Thomas und Christina aus Köln haben uns in Paris besucht und das gute Konzertangebot der Seine-Metropole genutzt. Das süße Kind war unterdessen bei meiner Frau in guten Händen. Soweit alles perfekt. Schönheitsfehler war allerdings, daß meine Akkreditierungsanfrage für Wolf Parade abgeschmettert worden war und es auch keine Karten mehr an der Kasse zu kaufen gab. Wie einen stinkenden Fischer wies man mich ab und ich zog angepisst von dannen. Aber ich bin wie ein Elephant, ich merke mir, wer mit mir koalieren will und wer nicht. Kann ja sein, daß jemand in der Zukunft mal auf meine Gästeliste bei einer Oliver Peel Session will...

Setlist Wolf Parade, Le Point Ephémère, Paris:*

01: You Are A Runner And I Am My Father's Son
02: Palm Road
03: What Did My Lover Say? (It Always Had To Go This Way)
04: Language City
05: Dear Sons And Daughters Of Hungry Ghosts
06: Ghost Pressure
07: Cave-O-Sapien
08: Fine Young Cannibals
09: Two Men In New Tuxedos
10: This Heart' On Fire
11: I'll Believe In Anything
12: Pobody's Nerfect
13: Californian Dreamer

14: Cloud Shadow On The Mountain
15: Modern World
16: Kissing The Beehive

* Danke an Christina, die demnächst auch noch ein par Zeilen zum Konzert beisteuern will. Es muss super gewesen sein!



Montag, 17. Mai 2010

Wolf Parade, Brüssel, 16.05.10

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Konzert: Wolf Parade (& Surfer Blood & Warpaint)
Ort: Orangerie, Botanique, Brüssel (Les Nuits 2010)
Datum: 16.05.2010
Zuschauer: fast ausverkauft
Dauer: Wolf Parade 90 min, Surfer Blood ca. 40 min, Warpaint 40 min


Daß das erste Lied eines langen Konzertabends gleich das beste ist, hatte ich lange
nicht mehr. Dabei hatte ich bisher noch nie von Warpaint gehört, geschweige denn Musik der amerikanischen Frauenband. Warpaint trat als zweite von vier Gruppen eines langen Festivaltags im Brüsseler Botanique auf. Grund für den (recht) spontanen Sonntagsausflug war bei mir vorher ausschließlich Wolf Parade, vom Rest wollte ich mich überraschen lassen.

Der ehemalige Botanische Garten der Hauptstadt beherbergte heute den letzten
Abend einer Veranstaltungsserie ("Les Nuits"), die jede Nacht zig Bands in den Sälen des Kulturzentrums sowie in einem Zelt vor dem Bau bot. Wieviel los war, zeigte sich an der eindrucksvollen Batterie von Tourbussen, die die Rue Royale zuparkten.

Wir kamen wegen eines langen Staus am Anfang der Tour eine Stunde später an, als ursprünglich geplant. Also spielten Warpaint schon (oder eher noch). Vorher war mir das egal, ich war schließlich nicht wegen der Vorgruppen da. Die zweieinhalb Lieder, die die vierköpfige Band aus Los Angeles spielte, vor allem das überragende
Billy Holiday, hinterließen mich auf der einen Seite glücklich, eine aufregende, mir neue Band gesehen zu haben, auf der anderen Seite traurig, nicht alles gehört zu haben.

Warpaint klingen roh, minimalistisch, singen zum Teil mindestens zu dritt und erinnerten mich an viele
Bands, die ich mag. An Sky Larkin, an Siouxsie & The Banshees, an Lovers Love Haters, an Ipso Facto*, an Lowood - ohne aber wie ein Abklatsch eines dieser Lieblinge zu klingen. Mehr kann ich nach zwei Lieder nicht sagen, muß ich aber auch nicht, von denen werden wir nämlich noch hören!

Setlist Warpaint, Les Nuits 2010, Botanique, Brüssel:**

01: Warpaint (neu)
02: Stars
03: Beetles
04: Polly
(neu)
05: Bees (neu)
06: Billy Holiday
07: Elephants

Teil drei (für uns zwei) bestritten Surfer Blood aus dem ölreichen Florida. Auch diese
diesmal rein männliche US-Band war mir neu und konnte mich überraschen. Das tat sie aber leider nur teilweise. Der Auftritt der fünf Amerikaner litt nämlich schrecklich unter der sehr schlechten Livestimme von Sänger John Paul Pitts. Irgendwann räusperte der junge Musiker sich kräftig. Ob ein Frosch im Hals der Grund für die vielen schiefen Töne war, glaube ich allerdings nicht. Die Theorie meiner Konzertbegleiterin, John befinde sich im Stimmbruch, war da glaubhafter.

Schade, denn die Debütplatte der Floridajungs soll gut sein. Und daran zweifele ich
keinen Moment, denn der vierzigminütige Auftritt bot definitiv auch einige sehr gute Lieder. Für ein gutes Konzert wäre aber auch eine gute Stimme nötig.

Optisches Highlight der Band war der Keyboarder Marcos Marchesani, dessen unglaublich vielen hohen Haare wild mit ihm durch die Gegend flogen, während er Tasten oder Trommel und Kuhglocken verprügelte. Der Surfer Blood Rest sah aus, wie man als junge US Band halt aussieht. Hier ein Holzfällerhemd, dort ein natürlich ironischer Schnauzbart - man kennt das. Auch bei John dachte ich das. Der Musiker sah aus wie ein Missing Link zwischen Jack Penate und Loney Dear Emil.

Setlist Surfer Blood, Les Nuits 2010, Botanique, Brüssel:

01: Fast Jabroni
02: Take it easy
03: Floating vibes
04: Harmonix
05: Twin Peaks
06: Swim
07: Anchorage
08: Catholic pagans

Wolf Parade, die Band aus Montréal, hinter der vor allem das Duo Spencer Krug und Dan Boeckner steckt, hatte ich schon einmal gesehen, bei einem Konzert im Kölner Luxor, bei dem ein Weckmann eine wichtige Rolle spielte. Gebäck kam heute nicht vor, das Konzept des Konzerts war aber das gleiche wie damals: Dan ist der Gitarren-, Spencer der Keyboard-Frontmann; die Gruppe
quasi ein zweiköpfiger Wolf. Und das wird konsequent durchgezogen. Immer abwechselnd singen die beiden Bandleader die von ihnen geschriebene Stücke. Ein Dan-Lied, dann eins von Spencer - und immer so weiter. Erst bei den Zugaben verließen sie den Rhythmus aber dazu später.

Erstaunlicherweise haben Wolf Parade seit 2005 drei Alben aufgenommen. Ungewöhnlich darum, weil beide Musiker in zig anderen Bands und Projekten arbeiten. Über eine der Spencer Krug Gruppen, die phänomenalen Sunset Rubdown, haben wir mehrfach geschrieben. Aber es gibt eben noch viele andere. Trotzdem fand man Zeit und Muße, mit Expo 86 das dritte Studioalbum aufzunehmen, das in Kürze erscheinen wird. Und auch Expo 86 ist bereits im Internet aufgetaucht, man hätte es also mit der nötigen Downloadenergie kennen können. Da mir die glücklicherweise fehlt, waren mir die neuen Lieder komplett unbekannt.

Und ehrlich gesagt fällt es mir nicht leicht, nach dem ersten Mal ein profundes Urteil über die vielen gespielten Titel von Album drei zu fällen. Dafür sind die Songstrukturen zu komplex. Die vielen Rhythmusänderungen sorgen bei mir dafür, daß es eine Weile dauert, bis ich mir die Lieder erarbeitet habe. Wolf Parade spielten sechs Titel von Expo 86 - und sie entschuldigten sich anschließend dafür, so viel Neues gebracht zu haben.

Da Wolf Parade aber kein Festival-Programm, sondern ein ausgewachsenes Set spielten, gehörten auch reichlich alte Lieder dazu. Und immer abwechselnd Dan, Spencer, Dan... Das war toll, wie es überhaupt ein tolles Konzert war, das den weiten Weg voll und ganz rechtfertigte! Auch wenn ich noch nichts zu den neuen Liedern sagen kann, dann doch soviel, daß sie alle so klangen, als hätten sie sehr schnell den gleichen Stellenwert wie alte Hits vom Schlage von
You are a runner and I am my father's son oder California dreamer.

Als die vier Musiker nach Ende des Sets wiederkamen und drei Lieder ankündigten, gab ich die Nachtruhe endgültig auf. Drei Wolf Parade Stücke sind eben eine knappe halbe Stunde. Aber wenn dann Sachen wie
Kissing the beehive, das eine von beiden geschriebene Lied, dabei sind, gibt es Wichtigeres als Schlaf.

Gute Nacht!

Setlist Wolf Parade, Les Nuits 2010, Botanique, Brüssel:

01: Soldier's grin
02: You are a runner and I am my father's son
03: Palm Road (neu)
04: In the direction of the moon (neu)
05: This heart's on fire
06: What did my lover say? (It always had to go this way) (neu)
07: It's a curse
08: Dear sons and daughters of hungry ghosts
09: Ghost pressure (neu)
10: California dreamer
11: Pobody's nerfect
12: I'll believe in anything

13: Cave-O-Sapien (neu) (Z)
14: Shine a light (Z)
15: Kissing the beehive (Z)

* Die sich aufgelöst haben. Daher gibt es kein Debütalbum, auf das ich so lange schon warte. Das erklärt es.
** Thanks to Laura!




Donnerstag, 4. Dezember 2008

Wolf Parade, Köln, 03.12.08

6 Kommentare

Konzert: Wolf Parade
Ort: Luxor, Köln
Datum: 03.12.2008
Zuschauer: ca. 200
Dauer: Wolf Parade 90 min, Alter Me 40 min, Dag För Dag 30 min


Star des Abends war ein Weckmann, ein Hefegebäck*, das im Rheinland im November, Dezember sehr beliebt ist. Nicht so bei Wolf Parade Keyboarder und Sänger Spencer Krug. Der hatte nämlich offenbar Hunger und seinem Tourmanager angezeigt, daß er etwas essen wolle. Der brachte ihm dann den Weckmann. Spencer fragte uns ungläubig "you eat this?" und legte den Hefemann ab. Aber nicht lange, denn bevor Wolf Parade mit Grounds for divorce weitermachten, spielte Spencer mit dem Weckmann Keyboard und ließ die Hefebeinchen über die Tasten tanzen!

Ziemlich sicher hätte schon das gereicht, das Konzert der Kanadier zu einem der besten des Jahres zu machen. Aber das brauchte es nicht, denn auch musikalisch waren Wolf Parade herausragend.

Bis dahin war es aber ein mühevoller Weg, denn es gab zwei Vorgruppen, was mitten in der Woche wirklich nicht sein muß. Aber es ist in Köln ja üblich, daß Konzerte an Freitagen und Samstagen deutlich früher beendet sind als während der Woche. Es begannen Dag För Dag aus Stockholm, ein ziemlich exzentrisch aussehendes Trio. Kurz vor Beginn hatte noch jemand eine der Glitzerketten, die als Deko an den Mikroständern hing, abmontiert und hinter die Bühne gebracht. Dieses Ding trug dann Sängerin Sarah als Gürtel. Sie und ihr Partner Jakob hatten sich zusätzlich Glitzerstirnbänder gebastelt. Komplettiert wurde die Band von einem Schlagzeuger ohne Glitter.

Dag För Dag machen recht psychedelischen Indierock. Manches erinnerte aber auch ein wenig an Ipso Facto. Schlecht war das halbstündige Set der Schweden nicht, richtig umgehauen hat es mich aber auch nicht. Es waren gute Lieder dabei (aber auch an indianische Gesänge erinnernde Stellen, die so gar nicht mein Fall waren), richtig ist aber keines hängengeblieben, eher solche Sachen wie ihre nackten Füsse. Ich sollte mir noch einmal Lieder von ihnen anhören, denke ich.

Das unterscheidet Dag För Dag von den nachfolgenden Alter Me aus Dänemark, die bei mir glatt durchgefallen sind. Vierzig lange Minuten, die in meinen Augen absolut nicht notwendig waren (aber ich habe ja auch kein Label, das Künstler unterstützen muss). Die Dänen waren schrecklich belanglos und verstärkten meine Müdigkeit fatal!

Beim Umbau anschließend sah man, daß es stimmt, daß Wolf Parade ihre Europa Termine nur zu viert wahrnehmen. "Hadji couldn't make it," teilte uns Spencer mit. Die Gründe dafür seien aber zu kompliziert zu erklären. "Wenn ihr etwas hört, was nicht da ist, liegt das daran."

Die vier anwesenden Wolf Parade Mitglieder waren neben Keyboarder Spencer Gitarrist Dan Boeckner, Schlagzeuger Arlen Thompson und Gitarrist Dante DeCaro (der wie der junge Pete Sampras mit kanadischem Vollbart aussieht). Dan und Spencer, die beiden Gründer der Band, sangen abwechselnd, dabei ist Dans Stimme schon wirklich sehr gut und einprägsam, Spencers dagegen unglaublich charismatisch und dadurch ganz besonders. Dazu spielte der Mann trotz seines Hungers die Keyboards für mindestens anderthalb Musiker, wechselte dauernd eine oder zwei Hände zwischen den beiden übereinander aufgebauten Tastaturen. Obwohl er meist in irrem Tempo spielte, war die Präzision dabei verblüffend. Meine Lieblingsszene des Abends (bei der kein Hefegebäck beteiligt war), passierte bei irgendeinem Lied gegen Ende. Da klatschte Spencer ab und zu über seinem Kopf, um dann wieder schnell auf dem Keyboard weiterzuspielen. Der erste Griff nach dem Klatschen ging meist daneben, gleich die nächste Achtel- oder Sechzehntelnoten waren aber wieder genau die, die es sein sollten.

Alle Bandmitglieder halten es so, wie das in ihrer kanadischen Heimat üblich ist, sie spielen in vielen anderen Gruppen und Projekten. Dan und seine Freundin sind die Handsome Furs, Spencer hat Sunset Rubdown, Arlen spielte schon bei Arcade Fire mit.

Die gespielten Lieder im Luxor sind schnell beschrieben. Sie waren einfach alle großartig! Ohne Ausnahme. Wolf Parade haben bisher zwei Alben (Apologies to the Queen Mary - dem Schiff - 2005 und At Mount Zoomer 2008) und ein paar EPs veröffentlicht. Mir haben
You are a runner and I am my father's son, Kissing the beehive, das irre lange Lied am Ende, Grounds for divorce, This heart's on fire und The grey estates besonders gefallen. Die Stücke stammten ausnahmslos von beiden Alben, wobei Wolf Parade vom aktuellen bis auf Bang your drum alle Titel spielten.

The grey estates war eine der drei Zugaben. Die letzte war dann ein Knockin' on Heaven's Door Cover, das durch Wolf Parade an Fiesigkeit verlor. Die Guns N' Roses Version spielten Dan, Spencer und Co., weil es ihr letzter gemeinsamer Abend mit Dag För Dag war. Die schwedische Band sei nämlich nett, aber auch vollkommen irre und habe einen kranken Humor. Ihre Musik sei so lala, hatte Spencer vorher irgendwann gesagt, und es war nicht rauszuhören, ob es vielleicht nicht doch ironiefrei gemeint war. Zur letzten Zugabe durften die Dag För Dags dann jedenfalls mit auf die Bühne und schmetterten alle gemeinsam "Knock, knock, knockin' on Heaven's Door". Auch der zweite Keyboarder, der Weckmann, durfte wieder mitmachen, verlor dabei aber ein Bein! Haifischbecken Musik!

Anderthalb ganz ausgezeichnete Stunden mit wahnsinnigen Liedern und einer Band, die mehr Zuschauer und Aufmerksamkeit verdient! Und Wachheit. Das war nämlich mein Problem. Ich konnte Wolf Parade leider nicht so genießen, wie ich es mir gewünscht hätte, weil Alter Me meiner Müdigkeit den Rest gegeben hatte. Daher habe ich es mir ein gutes Stück selbst versaut. Also nicht meine besten 90 Minuten, aber immerhin noch ganz hervorragende - nicht das Konzert des Jahres, aber wahrscheinlich Top 5.


Setlist Wolf Parade, Luxor, Köln:

01: You are a runner and I am my father's son
02: Soldier's grin
03: Call it a ritual
04: It's a curse
05: Dear sons and daughters of hungry ghosts
06: Language City
07: An animal in your care
08: Shine a light
09: Grounds for divorce
10: Fine young cannibals
11: California dreamer
12: This heart's on fire
13: Kissing the beehive

14: The grey estates (Z)
15: I'll believe in anything (Z)
16: Knockin' on Heaven's Door (Guns N' Roses Cover**) (Z)

Links:

- Fotos folgen (hier schon mal ein Vorgeschmack)

* 100 gr. Mehl wie einen Vulkan formen, etwas Hefe reinbröseln, lauwarme Milch drauf, und das mit einem Teil des Mehls verkneten. 20 Minuten warmstellen, abdecken und gehen lassen. Ein Ei, zerlassene Butter, etwas Zitronenaroma oder -abrieb, das restliche Mehl, Salz und Zucker und den lauwarmen ersten Teig verkneten und wieder gehen lassen. Einen Mann formen, eine schöne Tonpfeife in den Arm geben, zwei Rosinen als Augen reindrücken, mit Eigelb anpinseln und bei 200 Grad etwa 12 bis 15 Minuten backen.

** Ich weiß, daß auch die Guns N' Roses Version ein Cover ist. Aber die haben sie gecovert.



 

Konzerttagebuch © 2010

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