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Montag, 10. März 2014

Anna Calvi, Au Revoir Simone, St. Vincent, Paris, 14.02., 16.02., 18.02.14

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Konzerte: Anna Calvi, Au Revoir Simone, St. Vincent
Orte: Le Trianon, Le Trabendo, La Cigale, Paris
Daten: 14., 16. und 18.02.2014
Zuschauer: Anna Calvi und Au Revoir Simone ausverkauft, St. Vincent nicht ausverkauft
Konzertdauer: Anna Calvi: etwa 1 Stunde 10, Au Revoir Simone 1 Stunde 15, St. Vincent 1 Stunde 20

Klassischer Hattrick! Drei Konzerte in Folge, die ich alle als etwas gekünstelt, zu stark einstudiert und seelenlos empfand: Anna Calvi, Au Revoir Simone, St. Vincent. Wo ist da die Natürlichkeit geblieben? Ich bin sicher, daß jedes Konzert von diesen drei Acts auf der jeweiligen Tour exakt gleich klingt. Das ist fast wie Fließbandarbeit, die Konzerte sind handwerklich tadellos gemacht, werden aber dennoch irgendwie runtergeritten, ein aufgesetztes Lächeln (Au Revoir Simone), oder eine übertriebene Rockstarpose eingenommen (Anna Calvi, St. Vincent), aber echte Emotionen kommen da kaum auf. Zumindest nicht bei mir.

Nun, ich bin sicherlich etwas hart in meinem Urteil, aber das sind eben die Eindrücke, die ich von diesen Konzerten gewonnen habe. 

Gehen wir vielleicht mal chronologisch vor:

Anna Calvi im Trianon, 14.02.2014:

Anna Calvi spielte im wundervollen Theater Trianon gleich zwei ausverkaufte Shows hintereinander. Etwa 3000 Leute wollten also Anna live sehen, beindruckend.

Ich war beim ersten Konzert am 14. Februar dabei und von der technischen Klasse von Anna Calvi begeistert, aber in emotionaler Hinsicht letztlich kaum bewegt. Deutlich zu erkennen war hier, daß jedes Hochreißen der Gitarre, jeder Ausfallschritt, ja selbst die Mimik komplett einstudiert waren. Nun sah ich Anna Calvi nicht zum ersten Mal. Insgesamt komme ich auf mindestens 5 Konzertbesuche. Neu war allerdings, daß ich sie in einer solch großen Venue erlebte. War ich vorher immer nahe dran, stand ich dieses mal recht weit von der Bühne entfernt. Mein Platz war wahrlich nicht toll, ich stand außerhalb des eigentlichen Publikumsbereichs, umringt von vielen Leuten, mit mitelmäßigem Blick und an dieser Selle nicht perfektem Sound. Oliver Peel im Abseits. So oder so ähnlich war das.

Aber davon unabhängig erinnerte mich der Auftritt an etliche andere, die ich von Calvi bereits gesehen hatte. Das langweilte mich, obwohl sie wie immer hervorragend (wenngleich wahnsinnig theatralisch) sang, perfekt Gitarre spielte (der Wahnsinn, was sie da drauf hat!) und natürlich auch wie aus dem Ei gepellt aussah.

Hohes Niveau, das Abend für Abend abgerufen wird, aber nicht wirklich der Inbegriff für Rock'n Roll is wie ich ihn verstehe. Wo ist da Platz für Improvisation, für eine spontane Änderung der Setlist, für eine ungeplante Aktion, für irgend etwas in dieser Richtung? Nicht vorgesehen. Da wird keinerlei Risiko eingegangen. Alles muss perfekt sein. Genauso perfekt wie die Haare und die Klamotten. Hochglanzbluesrock für Modemagazine. Wenn Anna Calvi nicht so klein wäre, könnte sie selbst noch auf dem Catwalk laufen und unser Karl Lagerfeld würde mit seinen beknackten Halbhandschuhen dastehen und Beifall klatschen.

Wobei man definitiv nicht sagen konnte, daß nur die jeweiligen Alben Note für Note nachgespielt wurden. Da gab es durchaus längere Versionen mit ausgeprägten Gitarrenparts so zum Beispiel bei dem vorzüglichen I'll Be Your Man, das mit einem langen Instrumental begann und in der Folge zwischen explosiven Ausbrüchen und ruhigen, sinnlichen Phasen hin und her tänzelte.

Sehr sexy und PJ Harvyesk (aber auch stonerrockig a la Queens Of The Stone Age) Love Of My Life. Da stöhnte sie ähnlich wie eine Maria Sharapova auf dem Tennsicourt, fast so als würde sie ein Oliver Peel persönlich rannehmen.

Nach Piece By Piece kam bei Carry Me Over erneut sehr langer Instrumentalpart in der Mitte, der deutlich von der Albumversion abwich. Ähnliches Bild bei dem das offizielle Set abschließenden Love Wont Be Leaving.

Dazwischen coverte sie sehr sinnlich und sexy Bruce Springsteen (Fire) und liefert mit A Kiss To Your Twin eine hübsche Ballade ab.

Desire war sogar richtig groß, besonders die Harmoniumpassage am Anfang klang herrlich feierlich.

Was allerdings auffiel war, daß sich viele Stücke untereinander ähnelten. Die aufgebaute Dramatik wurde ein bißchen mit Ansage erzeugt, das folgte vieles einem ähnlichen Strickmuster zwischen ruhigen Passagen und feurigen Ausbrüchen.

Da ich das alles schon kannte, konnte mich Anna eben nicht wirlich aus der Reserve locken, selbst wenn ich die 2. Zugabe Blackout nach wie vor umwerfend fand.

Setlist Anna Calvi

01: Suzanne & I
02: Eliza
03: Sing To Me
04: Suddenly
05: Cry
06: Rider To The Sea
07: First We Kiss
08: I'll Be Your Man
09: Love Of My Life
10: Piece By Piece
11: Carry Me Over
12: A Kiss To your Twin (Ballade)
13: Fire (B. Springsteeen)
14: Desire
15: Love Won't Be Leaving

16: Bleed Into Me
17: Blackout
18: Jezebel

Au Revoir Simone, Paris, Le Trabendo, Paris, 16.02.2014


Die Show zum aktuellen Album von Au Revoir Simone hatte Christoph Konzerttagebuch ein paar Tage vor mir bereits in Köln gesehen. Er fand sie langweilig, belanglos, das synchrone Wippen der Sängerinnen machte ihn sogar seekrank. Er stellte die These auf, daß die Platten des weiblichen Trios toll seien, die Band live aber nicht überzeugen könne.


Und in der Tat, den Vorwurf der Belanglosigkeit kann man Au Revoir Simone durchaus machen. Wobei man dabei aber selbstverständlich die Alben mit einbeziehen sollte, denn die sind nun einmal eher leichte Kost, gar seicht wenn man besonders kritisch ist. Die Liveautfritte spiegeln letztlich nur den Charakter der Alben wieder, wobei ich finde, daß die drei Mädels aus New York das Beste aus dem Studiomaterial herausholen und live eher stärker als auf Platte sind. Sie wippen hinter ihren Keyboards wild rum, ja stimmt, aber was sollten sie sonst machen? Statisch bleiben wie Kraftwerk? Wäre cooler, aber auch spannender?



Mein persönliches Problem beim Konzert in Paris war eh ein anderes. In meiner Umgebung wurde sehr laut geplaudert. Drei Italienerinnen hinter mir plapperten ohne Unterlass, kommentierten ein ums andere Mal das gute Aussehen der New Yorkerinnen  auf der Bühe (kein Wort zur Güte der Lied hingegen) und sangen auch (leider falsch!) mit. Das nervte irgendwann so sehr, daß ich mich bald woanders hinstellte, aber auch da wurde ungeniert geschwatzt. Das Publikum fiel wirklich unangenehm auf. Optisch eine Mischung aus Hipstern und Modeblogerinnen (was ja eigentlich wurscht ist), vom Verhalten her einfach nur respektlos. Als ginge es nur ums Sehen und Gesehenwerden. Haben Au Revoir Simone ein solches Publikum verdient? Sind sie etwa gar selbst oberflächlich und arrogant? Au weia, das würde ich ihnen nicht unterstellen wollen! Nur weil sie hübsch sind, müssen sie noch lange keine kratzbürstigen Diven sein. Andererseits spielen sie auch perfekt die Rolle der drei dauerlächelnden Charme-Prinzessinen. Das gehört bei ihnen einfach dazu. Warscheinlich ist ihnen in der Tat oft zum Lächeln zumute, weil sie es lieben auf der Bühen zu stehen, aber ich bin auch davon überzeugt, daß sie selbst dann lächeln würden, wenn es ihnen mal nicht so gut geht (Tod der kleinen Katze oder so...) Anders als eine Scout Niblett die beim letzten Konzert mürrisch dreinblickte, weil sie kränkelte und keinen Bock hatte dies zu kaschieren.




Aber reden wir mal von den performten Songs. Waren die wirklich nur so mittelmäßig wie Christoph sagte? Weil das neue Album nicht so doll ist? Kann ich nicht bestätigen. Stücke wie Crazy, Just Like A Tree oder Someboy Who sind äußerst catchy und stehen den alten Nummern in nichts nach. Man musste freilich das aktuelle Album ein paar mal gehört haben, um das Material live vollends zu genießen. Also Belanglosigkeit hin oder her, die gespielten Lieder waren keineswegs schlecht und wenn das Publikum nicht so genervt hätte, wäre es möglich gewesen, sich diesem gezuckerten Dream Pop vollends auszuliefern.



So aber wurde der Genuß getrübt, wenngleich ich dieses Konzert von Au Revoir Simone als besser und berührender empfand als die Shows von Anna Calvi und von St. Vincent. In manchen Momenten wurde mir durchaus deutlich, warum ich diese Band mag und warum sie so viel Erfolg hat. Da wurde eine Unschuld und Sorglosigkeit vermittelt, die wohltuend wirkte und gute Melodien haben Erika, Anne und Heather sowieso. Wenn es so sahnig gerührt kredenzt wurde wie bei Another Likely Story oder The Lead Is Galloping ("just put your hands up") wurden gar hohe Gipfel erklommen. Dahinplätschernde Stücke wie Let The Night Win oder We Both Know waren aber in der Tat Rohrkrepierer.



Nach knapp einer Stunde wurde das offizielle Set mit dem flotten Shadows abgeschlossen, zum dem die Zuschauer deplatzierterweise mitklatschten. Hier wurde auch etwas Bass gespielt und der ansonsten durchgängig synthetische Sound um ein organisches Element bereichert.


Die erste Zugabe All Or Nothing war dann ein wirkliches Highlight, hier wurden gekonnt zackige Rythmen mit einem ohrwurmigen Refrain und melancholisch-luftigen Parts verbunden. Stay Golden im Anschluß daran sehr getragen und sentimental, bevor mit Knight Of Wands dann noch einaml das Tempo angezogen wurde.

Leider entsprach die Setliste bis auf das I-Tüpfelchen anderen Setlists der aktuellen Tour, was meine These bestätigt, daß da jeden Abend das Gleiche runtergeleiert wird. Kann man nach 4 Alben nicht zumindest ein wenig abwandeln?

Setlist Au Revoir Simone

01: More Than
02: Just Like A Tree
03: Gravitron
04: Another Likely Story
05: Tell Me
06: Let The Night Win
07: Only You Can Make Me Happy
08: We Both Know
09: The Lead Is Galloping
10: Anywhere You Looked
11: Crazy
12: Somebody Who
13: Shadows

14: All Or Nothing
15: Stay Golden
16: Knight Of Wands

St. Vincent, La Cigale, Paris, 18.02.2014


St Vincent stand am 18.02.2014 in der ehrwürdigen Cigale auf dem Programm. Ein wundervolles altes Theater in dem ich zuletzt Bill Callahan gesehen hatte. Heute setzte ich mich zum ersten Mal ganz nach oben auf den Balkon und hatte eine super Sicht.


Visuell wurde dann auch einiges geboten. Wobei mir persönlich der bloße Anblick der hübschen Annie gereicht hätte. Die Räkelnummer auf den weißen Treppenstufen, das übertheatralische Gitarrenspiel, die perfekt durchinszenierte Choreographie, die geprobten Tanzschritte, all dies hätte sie für mich nicht aufbieten müssen.

So erinnerte mich dann auch dieses Spektakel an jene großer Mainstream Pop Diven wie Madonna (der Song Prince Johnny erinert sogar musikalisch an die Ciccone) oder Gwen Stefani. Eine große amerikanische Show, die wenig Freiraum ließ für Natürlichkeit oder charmanten Amateurismus. Zugeben, aus künstlerischer Sicht war das gut gemacht, allein schon atemberaubend wie Annie mit ihren hohen Boots so flink laufen und hüpfen konnte und wie elegant und grazil sie sich in einer Szene die Treppenstufen runtergleiten ließ. Aber: wer brauchte das? Ich jedenfalls nicht.


Zumal mir auch die Musik nicht immer wirklich zusagte. Zwar war das Gitarrenspiel von Annie technisch brillant, aber das Ganze war mir viel zu funkig (Funk mochte ich noch nie), klang zu sehr nach Prince und David Bowie in der Glamphase, strotzte nur so vor (freilich gewollten) Disharmonien und Brüchen. Es wirkte, als wolle uns die Künstlerin auf fast streberhafte Weise zeigen, was sie alles so drauf hat. Dabei wussen wir doch alle längst, daß sie ein großes Talent ist. Mir persönlich hätten etwas eingängigere Lieder besser gefallen. Das neue Material sagte mir kaum zu.



So hatte das Konzert für mich dann auch die besten Momente, wenn alte und ohrwurmige Klassiker wie Cruel oder Cheerleader kamen, bei denen auch mal ein Refrain haften blieb. Ansonsten wurden oft Lieder zerhackt, überfrachtet und mutwillig ihrer Melodie beraubt. Kritiker stehen auf so was, kriegen eine feuchte Hose und schwärmen von der unglaublichen Kreativität, ich aber sehnte mich nach richtigen Songs. 



Schon der erste Titel Rattlesnake gab mir fast Kopfschmerzen und endete mit einem krachigen Gitarrenpart äußerster Theatralik. Besser aber Birth In Revers, der mit seinen abrasiven Riffs an die Gang Of Four erinnte.


Das für mich gelungenste Lied des neuen Albums war Huey Newton, da spielte Annie nämlich zumindest im ersten melancholischen Part ihre schöne Stimme aus, bevor der zweite Teil mit saftigen Gitarren aufwartete.

Hatte das Konzert also musikalisch ein paar gute Momente, irritierte mich durchgängig die Kühle, die von dem Vortrag ausging. Ich merkte quasi nie eine direkte Verbindung zwischen Musikerin und dem Publikum und hatte den Eindruck, daß man in jeder Stadt der Tour exakt das Gleiche sehen würde.

Vielleicht gab es auch deshalb diese seltsame Phase, in der Anne scheinbar spontan Fragen in die Runde warf, obwohl sie noch nicht einmal die Antworteten abwartete. Ob jemand schon einmal das Gefühl gehabt hätte, die eigene Hand gehöre jemand anderem, war eine der Fragen und ein paar Leute im Publikum hoben ihren Arm in die Höhe. Ich war mir sicher, daß sie exakt die gleichen Fragen jedes Mal stellen werde, deshalb hörte ich da gar nicht richtig hin. Es wirkte, als wolle sie krampfhat versuchen, ihre kühle Show etwas aufzulockern.

Nach den gespielten 80 Minuten war ich deshalb nur mittelmäßig begeistert. Das Publikum tobte, aber ich war mir nicht sicher, ob ich St.Vincent in absehbarer Zeit noch einmal live sehen wollte. Ihre Entwicklung geht leider Eichtung Showstar und somit gen Mainstream. Eher nix für mich. Schade.

Setlist St. Vincent

01: Rattlesnake
02: Digital Witness
03: Cruel
04: Birth In Reverse
05: Regret
06: I Prefer Your Love
07: Pieta
08: Laughing With A Mouth Of Blood
09: Surgeon
10: Cheerleader
11: Every Tear Disappears
12: Prince Johnny
13: Year Of The Tiger
14: Black Rainbow
15: Marrow
16: Huey Newton
17: Bring Me Your Lovers
18: Northern Lights
19: Krokodil

20: The Bed
21: Your Lips Are Read 







Dienstag, 11. Februar 2014

Au Revoir Simone, Köln, 10.02.14

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Konzert: Au Revoir Simone
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 10.02.2014
Dauer: Au Revoir Simone 75 min, Luca Vasta 25 min
Zuschauer: gut 200

 

Es gibt Band, die ich auf Teufel komm raus lieben möchte, bei denen das aber nicht gelingt. Deren Musik mir eigentlich toll gefallen müsste, es aber nicht tut. Musiker, von denen viele Freunde, die einen ähnlichen (und guten) Geschmack haben, schwärmen, die mir aber egal bleiben. Au Revoir Simone sind keine von denen. Ich mag die! Ich mochte das amerikanische Elektropop-Trio schon immer, seine Platten, vor allem die ersten, sind Lieblinge.


Leider sind Au Revoire Simone offenbar aber eine der Bands, die auf Platte spannender als live sind - das Konzert in Köln war über weite Strecken langweilig und kam auch nicht ansatzweise an den Charme heran, den die drei Amerikanerinnen aufihren Alben versprühen. Vielleicht lag es daran, daß bis auf ein Lied nur Stücke von den letzten beiden Platten gespielt wurden (und die schlechter als die Vorgänger sind). Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, das Lieblinge wie A violent yet flammable world oder The lucky one mich genauso kalt gelassen hätten wie die meisten der heute gespielten. Vielleicht sind Au Revoir Simone aber auch einfach keine gute Liveband. Dabei gibt es ja durchaus viele Gruppen, die einen ähnlichen Stil haben, den aber auch spannend auf der Bühne umsetzen können. Still Corners zum Beispiel, auch wenn der Vergleich vielleicht ein wenig hinkt. 


Ich mochte auch das Rumgetanze der drei Sängerinnen nicht. Besonders die Ausfallschritte der mittleren Keyboarderin bei Just like a tree waren furchtbar. Bei anderen Liedern, bei denen alle drei synchron wippten, hatte ich Angst, seekrank zu werden. Das ist alles nicht weiter schlimm, wenn die Musik spannend ist. Dann fällt mir so etwas kaum auf. Wenn die Lieder aber schon nur so dahinplätschen, fallen andere Dinge ins Auge - und die waren bei Au Revoir Simone nicht vorteilhaft. Und dabei meine ich nicht mal den miesepetrigen Blick der brünetten Sängerin. 


Ich mag Au Revoir Simone, daran ändert auch das Konzert nichts. Die zweite Hälfte wurde ja auch besser als die erste (aber auch nicht spannend). So, und jetzt trete ich auch nicht weiter nach!

Setlist Au Revoir Simone, Gebäude 9, Köln:

01: More than
02: Just like a tree
03: Gravitron
04: Another likely story
05: Tell me
06: Let the night win
07: Only you can make you happy
08: We both know
09: The lead is galloping
10: Anywhere you looked
11: Crazy
12: Somebody who
13: Shadows

14: All or nothing (Z)
15: Stay golden (Z)
16: Knight of wands (Z)

Ein wenig muß ich doch noch nachtreten. Es gab noch eine Vorgruppe. Luca Vasta nennt sich die in Remscheid geborene Sängerin, die mit drei Begleitern am Anfang (erstes Lied) noch ganz ok klang, nach harmlosen Pop, der sogar einigermaßen zu Au Revoir Simone passte. Danach glitt das kurze Programm der Frau mit VIVA-Hintergrund in etwas ab, das in einen Club wie das Gebäude 9 überhaupt nicht passt. Denn die nachfolgenden Stücke klangen alle nach Rihanna, oder besser nach dem, was ich für Rihanna halte. Außer Umbrella kenne ich von der nämlich nichts, aber die vorgetragenen Lieder waren alle so, als könnten sie auch bei DSDS gespielt werden. Ich mochte das nicht. Das mittlere der fünf (?) Lieder kannte ich plötzlich, hielt es für ein Cover, allerdings ein dreistes, denn ein Teil des Gesangs kam vom Band. Es schien aber ein eigenes Luca Vasta Stück zu sein, für das - Achtung! - ein Smart mit angebauter drehbarer Mini-Litfaßsäule an der Straße vor dem Gebäude 9 Werbung machte! Das Lied ist in einem Fernsehspot zu sehen und wird Luca Vasta vermutlich eine Karriere verschaffen. Aber ohne mich.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Au Revoir Simone, Wien, 03.10.13
- Au Revoir Simone, Wien, 03.10.13
- Au Revoir Simone, Paris, 20.04.09
- Au Revoir Simone, Paris, 18.04.09
- Au Revoir Simone, Paris, 26.02.07

 
 




Mittwoch, 9. Oktober 2013

Waves Vienna Festival, 03.10.13

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Konzert: Waves Vienna Festival
Ort: verschiedene Locations am Donaukanal
Datum: 03.10.2013


Was für so ziemlich jede mitteleuropäische Stadt gilt, trifft auf Wien besonders zu: Winter sind nicht so lustig. Kann natürlich sein, dass ich bei der Kleidungswahl noch ein wenig in Sommernostalgie schwelgte (ein komisches Präteritum) und gleich zum Island-Pullover hätte greifen sollen, aber so oder so sind 5° ein bisserl wenig.
Nur gut, dass sich mittlerweile schon fast alle Festivitäten ins Innere verzogen haben und Festivals auch wenn sie so heißen, nichts mehr mit Outdoor zu tun haben. Das erste Oktoberwochenende wartet da traditionell mit großem Veranstaltungsgebot auf, wenn man will, kann man es gar auf zwei Großereignisse reduzieren: das höchst originäre Konstrukt "Wiener Wiesen" und das "Waves Vienna". Beide betonen im Namen schon den Bezug zur Hauptstadt, doch die jeweils transportierten Weltvorstellungen liegen eher weit auseinander, einzig die Liebe zum Bier eint die beiden Zielgruppen. Den Raum zwischen Donaukanal und Prater dominieren ein Wochenende lang also Dirndl, Lederhosen, Waves-Umhängetaschen und Timetable-Booklets.
Warum ich hier so herumschwafle über die Wiesen, wo doch eh jeder weiß, dass es nicht um Bierzeltbelustigungen gehen wird? Weiß ich auch nicht so genau. Wohl deshalb, weil Kollegin Ursula in ihrem Bericht über das Waves schon einiges erzählt hat. Und weil ich heuer keine lustigen musikalischen Sozialisierungsversuche von angeheiterten Wiesenbesuchern vorm Fluc und Beschwerden über die Lautstärke (von der Wiesen ans Waves wohlgemerkt) erleben durfte, aber doch so gerne darüber schreiben würde. Und natürlich auch, um einfache Dichotomien herzustellen, á la Orwells "Vierbeiner gut, Zweibeiner böse". Alle Vierbeiner lesen also bitte trotz langatmiger Einleitung weiter, es wird nämlich endlich musikalisch.

Dem Manchester-Boy Magic Arm war nämlich die Ehre (oder Bürde, je nachdem) überlassen, den Abend im Odeon zu eröffnen, einem wunderschönen, sehr großen Theater, das zu der frühen Uhrzeit (dreiviertel sieben) erst eine Handvoll Early Birds angelockt hatte. Wie durch Zauberhand allerdings hatte der bärtige Kollege schnell eine atmosphärische Dichte geschaffen, in den Pausen zwischen den Songs glänzte er zwar nicht als großer Erzähler, vermittelte aber das Gefühl, sich gerne mit dem Publikum auszutauschen und sich über jeden einzelnen zu freuen. Die zu erzählenden Geschichten nahmen sich in musikalischer Form sowieso ganz hervorragend aus, wurden von sehr verspielten Arrangements begleitet und ein besonderes Faible hatte der hinter dem Alias steckende Marc Rigelsford fürs Loopen. Bisweilen erinnerten die Klangwelten des Magic Arm da stark an jene von A Thousand Fuegos.
 

Die Kurzweiligkeit des Konzerts ist zum Teil sicher auch auf die Spontaneität des Künstlers zurückzuführen, der in den Pausen oft umdisponierte, andere Songs als geplant spielte und seinen Mitstreiter Ben, der nach drei Songs erstmals die Bühne betreten hatte, abwechselnd auf die Bühne zitierte und wieder wegschickte. Auf nette Art und Weise natürlich, der Typ ist grundsympathisch, aber doch irgendwie verwunderlich, dass er seinen Kollegen nicht auf der Bühne haben wollte, wenn ein Song ohne dessen Beteiligung auskam. Platz wäre da jedenfalls genug gewesen. Ob die acht Tage, die die beiden zu diesem Zeitpunkt schon gemeinsam auf Tour waren, bereits Abnutzungserscheinungen verursacht hatten? Am Tag zuvor hatten die beiden jedenfalls in München in einer Garage oder Werkstatt gespielt, was Ben zu dem berechtigten Kommentar hinriss, das Odeon sei doch ein wenig ein anderes Kaliber. Ziemlich genau nach 45 Minuten war das Konzert jedenfalls vorüber, eine kurze Verbeugung und weg waren sie. Ein schöner Start ins Festival, recht lange sacken konnte ich diesen aber nicht, da im doch ein Stückchen entfernten Flex Amatorski anstanden.

Eine Viertelstunde deren Konzerts hatte ich bei Ankunft zwar schon verpasst, die restliche halbe Stunde war aber so dermaßen gut, dass sie dieses kleine Ärgernis schnell vergessen ließ. Dabei hatte ich mich erst am gleichen Tag zum ersten mal mit Amatorski beschäftigt, war zufällig auf den Namen im Timetable gestoßen und natürlich gleich an die kürzlich im Konzerttagebuch verfassten Lobeshymnen auf eine Band dieses Namens gedacht. Amatorski klingt ja sprachlich ziemlich slawisch eigentlich, hatte ich mir gedacht, und  einen musikalischen Import Olivers von seiner Russlandreise vermutet. Im Timetable stand allerdings ein (BE). Belgien und Slowenien waren nämlich die heurigen Gastländer im Rahmen des Veranstaltungscredos "East meets West".
Für Amatorski gilt "Post-Rock meets Schüchter-Pop", zwei musikalische Hängematten, in die
ich mich besonders gern flausche. Wie ein Mangalitza-Schwein (einfach weils ein schöner Name ist) suhlte ich mich im musikalischen Schlamm der Belgier und verlor dabei jeglichen Bezug zum Rundherum. Wobei der Begriff Schlamm die Tonart, die Amatorski anschlagen, ja gänzlich verfehlt. Aber in der Konsistenz gleicht er dem Konzert gewissermaßen, so dicht und einhüllend, richtig wärmend war es. Außerdem haben Amatorski spirituell angehauchte Metaphern wie "engelsgleich" und "überirdisch" sicher schon hundert Mal gehört. Also passt Schlamm irgendwie doch ganz gut. Heißt ja außerdem auch "Perlen vor die Säue" oder? Und ich glückliche, tagebuchschreibende Sau, die dieses Konzert fast verpasst hätte, erlebte also eine sphärische Welt aus Glockenspiel, samten vorgetragenem Schlagzeug, komplex ineinandergreifender Instrumentierung und gehauchtem Gesang.
Dadurch, dass die Band rund um Sängerin Inne zwischen den Songs kaum zum Publikum sprach (dafür oft Instrumente bzw. Plätze wechselte, die Bühne war wohl zu viert mit soviel Equipment doch etwas eng), entwickelte sich eine ganz eigene Atmosphäre, die man nicht zwangsläufig mögen muss. Für viele ist ein Konzert ja erst dann richtig gut, wenn möglichst viel interagiert wird und der Kontakt zwischen Publikum und Band ausgereizt wird, aber ich habs halt hin und wieder gern so schwelgerisch, weltvergessen. Und die Leute rundherum - auffallend viele ältere und professionell wirkende, mit Akkreditierungen ausgestattete Männer übrigens, wohl Leute aus dem Business - schienen mehrheitlich diesen Ansatz zu teilen, den filigranen Songs wurde durch äußerstes Schweigen Respekt erwiesen, ganz am Ende bei Never Told tänzelten glückselige Gesichter durch den Raum (also die Körper zu den Gesichtern), durch die nebelverhängte Bühne verabschiedeten sich die etwas schüchternen Belgier leider schneller, als man überlegen konnte, was "Zugabe" wohl auf flämisch heißen möge. Zauberhaft gutes Konzert, das Hunger auf sehr viel mehr macht, heißt in diesem lustigen Kauderwelsch jedenfalls Amatorski, das steht schon mal fest. Zum Glück hatte die Band in einem Anflug auf Gesprächigkeit vor dem letzten Song schon versprochen: "See you very soon!"

Schauplatzwechsel und raus in die Kälte once again. Zum Glück nur zehn Minuten lang im Eilschritt und nicht länger - so wie die Bands auf dem Red Bull Brandwagen, der hundert Meter vom Flex positioniert war. Der hatte letztes Jahr (damals am Praterstern aufgestellt) gar nicht so schlecht funktioniert, allerdings war da auch das Wetter besser und der Platz doch deutlich belebter als der Donaukanal, wo die Leute vorbeieilten, um schnell wieder ins Warme zu kommen.
So allerdings spielten die zwei für diesen Tag angesetzten Bands in ziemlicher Kälte und vor publikumstechnischer Minimalbesetzung. Vielleicht hätte man da einfach schon am Nachmittag beginnen sollen, wo die Konkurrenz der anderen Bühne sich noch in Grenzen gehalten hätte...

Im Odeon ist es aber schön warm und Frida Hyvönen konnte also in einem sehr luftigen, farbenfrohen Kleid auftreten. Von der schwedischen Songwriterin erlebte ich nur mehr die letzte Viertelstunde, die zwar musikalisch nicht ganz meinen Nerv traf (oder Amatorski zuvor waren einfach zu gut, auch möglich), aber dafür ein wenig mehr auf der Entertainment-Schiene unterwegs war als die Belgier.
Ein Apfel, der auf ihrem Klavier lag, dürfte als Running Gag eine große Rolle gespielt haben, auch mit ihrer Begleitung an den Backvocals erlaubte sie sich den einen oder anderen Scherz, der letzte Song Dirty Dancing blieb mir auch spaßig in Erinnerung. Er handelte von der alten Jugendliebe, die man irgendwann aus den Augen verliert und dann plötzlich als Rauchfangkehrer vor der Tür steht. Erinnern an vergangene Zeiten - Dirty Dancing mit dem kohlschwarzen Homie, schönes Wortspiel. Vergangene Zeiten müssen aber gar nicht so lang her sein, es reicht auch das Jahr 2007, als Frida Hyvönen mit Au Revoir Simone in den USA unterwegs gewesen sei und die nachfolgende Band sehr schätzen gelernt habe, man möge doch bitte bleiben.


 

Kein Problem - von denen hatte ich mir sowieso sehr viel versprochen. Viele andere taten das ebenfalls, denn der Saal füllte sich deutlich und bald waren alle Sitzplätze besetzt. Die Umbauphase bescherte der Bühne eine auf drei Pulte reduzierte Möblierung, die dann bald von den drei Mädchen in Beschlag genommen wurden. Die im Hintergrund montierten Leinwände wurden (im Unterschied zu farbenfroheren Visuals bei den Künstlern zuvor) anfänglich hauptsächlich grau-weiß bestrahlt, das weiße Bühnenlicht tauchte die Bühne in eine etwas düstere Atmosphäre und dürfte ein schönes Fotomotiv abgegeben haben. Ich fand den Anblick der fünf Fotografen, die am Steinboden vor der Band im Halbkreis saßen, lagen und sich verrenkten, sehr unterhaltsam. Wie fünf Raubtiere, die potenzielle Beute belagern. Rein fotografische Beute natürlich...
Optisch ansehnlich, rissen mich Au Revoir Simone jedoch nicht völlig mit, das Konzert geriet deutlich beatlastiger als ich es von den CDs gewohnt war und generell regierte etwas mehr die hippe Coolness als die Spielfreude, schien mir. Trotzdem bleiben die Songs der Brooklyner Band ausgesprochen gut, treibend und ausgelassen zugleich, gehen leicht ins Ohr und die abwechselnd eingesetzten Stimmen sorgen irgendwie für den Eindruck, bei jedem Song eine neue Person entdecken zu können.
Relativ am Ende gabs dann ein Cover von Mazzy Star, war halt kein ausgefallenes, sondern Fade into You, eh klar. Das war eigentlich recht gut und damit, die leicht distanzierte oder entrückte Coolness des Songs zu transportieren, taten sich die New Yorker auch nicht allzu schwer. Generell finden sich zwischen diesen beiden Bands einige Parallelen bzw. gemeinsame Vorlieben, Mazzy Star sind halt im Endeffekt doch gitarrenlastiger. Und eigentlich gefiel mir dieses Cover fast am Besten am gesamten Konzert, denn das abschließend präsentierte Shadows, auf das ich mich sehr gefreut hatte, erfasste mich nicht völlig. Soundtechnisch war das Konzert gegen Ende hin dafür nach einigen Adaptierungen sehr überzeugend und auch nicht mehr ganz so dumpf und unausgewogen wie zu Beginn. 


 Nach einem kurzen Besuch im Flex, um jemand abzuholen und 10 Minuten CSS (been there, done that), ging es dann ins Fluc, wo eine Labelnight anstand und die heimischen Velojet ihr mittlerweile viertes Album, glaub ich, vorstellten. Die Location war relativ voll und die Sicht auf die Bühne daher für mich eher eingeschränkt, ich hatte die Band aber zwei Wochen zuvor schon in ihrer Heimatstadt bei einem bumvollen Konzert - Heimspiel nennt man sowas wohl - erlebt und daher auch eine ungefähre Ahnung, was sich da so abspielt. Die vier wagen mit dem neuen Album Panorama nämlich gewissermaßen einen Neuanfang, allerdings eher in vermarktungstechnischer Hinsicht, das Album erscheint nämlich auf einem neuen Label, ist in Finnland aufgenommen worden und besonderer Wert wurde diesmal auf Vinyl gelegt. Die Songs sind von gewohnt hoher handwerklicher Qualität. Mit ihrer Mischung aus Indie-Rock, leicht melancholischem Songwriting und eingängigen Vocals werden Velojet zwar vermutlich nicht reich und berühmt, aber das Herzblut und die Energie, die sie in Musik und Liveauftritte stecken, macht die Band höchst sympathisch. Mit einer guten Stunde Auftrittszeit zwischen dreiviertel elf und dreiviertel zwölf hatten sie auch einen der besten Slots des ganzen Festivals und aufgrund geografischer Lage des Fluc auch kaum Konkurrenz zu dieser Zeit.
Vor allem Sänger Réne nutzte diesen Umstand und feierte mit dem Publikum ein Freudenfest, animierte es zum Mitsingen, der Schweiß rannte ihm von der Stirn und so erging es auch dem Publikum. Neben neueren Songs wie Angeldust, Cold Hands und Away! Away!! kamen gegen Ende hin auch einige wenige Stücke älteren Datums hinzu. Irgendwann kam dann mein Lieblingssong vom neuen Album, The Sea is the Ocean is the Sea. Eine interessante Gleichung!

Mathematisch auf einen Nenner kam ich allerdings nicht mit der Vorliebe der Band, die schönen gelben Vinyls wie beim Diskuswurf durch den Raum zu schleudern und derart zu verschenken, wie sie es schon beim erwähnten Konzert in Steyr geschehen war. Ein bissi mehr Liebe, herst!
Zu Ende ging das Konzert dann mit dem Klassiker I follow my Heart, das zu einer etwa zehnminütigen Version ausgebaut wurde und zur Manifestation der Livequalitäten der Band geriet. Alles in allem ein sehr gelungenes Release-Konzert der Band, für mich auch gleichzeitig das letzte des Abends.

Leider hat mir einmal mehr die Arbeit einen Strich durch ein vollständiges Waves-Wochenende gemacht, das Erlebte hat aber einmal mehr von der ambitionierten Umsetzung des Festivals überzeugt. Schlicht großartig, was da jedes Jahr auf die Beine gestellt wird - und jährlich kommt etwas dazu. Für Musikdiskurs-Interessierte sei daher auch gleich die superb besetzte Konferenzschiene des Festivals herausgehoben, von Panels zum slowenischen Musikmarkt, Feedback-Sessions mit Musikexport-Chefs aus ganz Europa (und Island vor allem
♥) und Diskussionen zu Vermarktungsstrategien von Indielabels war da so ziemlich alles dabei. Sollte man sich alles im Hinterkopf behalten - es muss ja nicht jedes Jahr das Primavera sein! (Also eigentlich schon, aber das Waves kann man als ideale Ergänzung ja trotzdem dazunehmen!) Das nächste Waves kommt nämlich ganz bestimmt. Aber bis dahin fließt noch ein wenig Wasser die Donau hinunter... 

aus unserem Archiv:

- Frida Hyvönen, Fontenay-Sous-Bois, 18.12.12
- Frida Hyvönen, Rennes, 21.03.09
- Frida Hyvönen, Paris, 08.12.08
- Frida Hyvönen, Paris, 12.12.06
- Au Revoir Simone, Paris, 20.04.09
- Au Revoir Simone, Paris, 18.04.09
- Au Revoir Simone, Paris, 26.02.07
- Amatorski, Stuttgart, 04.10.13
- Amatorski, Frankfurt, 30.09.13
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13 (Christoph)
- Amatorski, Wiesbaden, 07.02.13 (Gudrun)


Vielen Dank für die Fotos vor allem an Patrick!


Sonntag, 6. Oktober 2013

Waves Vienna Festival, Wien, 03.10.13

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Konzert: Waves Vienna Festival
Ort: Odeon, Wien
Datum: 03.10.2013
Dauer: Magic Arm 45 min, Frida Hyvönen 45 min, Au Revoir Simone 45 min
Zuschauer: anfangs 30, am Ende ca. 250

 

von Ursula von neulich als ich dachte 

Wenn man das Wiener Odeon betritt, erscheint es als ideale Konzertlocation: Ein prachtvoller Säulensaal schafft eine feierliche Atmosphäre, während bequem gepolsterte Zuschauerplätze auf einer kleinen Tribüne eine gute Sicht garantieren und schmerzende Füße vermeiden. Ganz automatisch richtet man seine volle Konzentration auf das Bühnengeschehen, und die Akustik stimmt auch. 

Am Eingang des Gebäudes steht etwas von "Börse", und tatsächlich handelt es sich um die ehemalige Rohstoffbörse, die im 2. Weltkrieg beschädigt wurde: Bis 1989 wurde das Gebäude überhaupt nicht genutzt, dann übernahm es die Theatergruppe Separations Ensemble und erweckte es zum Leben. Zum Glück, denn sämtliche Künstler, die wir gestern dort sahen, waren voll Lob für den schönen Auftrittsort. 


Der erste von ihnen, Magic Arm, wurde von einer aufgezeichneten, englischsprachigen Stimme feierlich angekündigt, und erschien dann als eine Art Anti-Höhepunkt: ein einzelner bärtiger Mann mit einem vollgepacktem Rucksack, als käme er gerade direkt vom Bahnhof. Auf der Bühne befanden sich bereits Gitarre, Keyboard und ein winziges Schlagzeug, in das auch ein Hartschalenkoffer eingebaut worden war. 

Die ersten Lieder, Is History, Daft Punk is playing at my house und You schuld know, trug der Künstler allein vor, wobei er sich beim letztgenannten auch selbst an der Mundharmonika begleitete. Er griff auch immer wieder auf die Loop-Technik zurück, um sich unterschiedlichen Instrumenten widmen zu können, während das vorherige quasi allein weiter spielte oder er mit sich selbst im Duett sang. 

Nach diesen drei Songs betrat ein weiterer junger Mann, der uns als Ben vorgestellt wurde, die Bühne, und nahm am Schlagzeug platz. Er begleitete den nächsten Song auf der Klarinette (Put your collar up), betätigte aber später ebenfalls das Schlagzeug, spielte Melodika (Six cold feet of ground) und pfiff (Tonight I walk Alone). 


Die beiden erzählten uns, dass sie am Vorabend in München in einer Art Werkstatt gespielt hätten, und das der Kontrast zum Odeon nicht hätte größer sein können. Außerdem sei man erst seit acht Tagen gemeinsam unterwegs. Die fehlende Routine erklärte vielleicht, dass der arme Ben nach drei Liedern die Bühne wieder verlassen musste, weil Mark das folgende Lied Warning Sign allein darbieten wollte. Dafür wurde Ben bei seiner darauf folgenden Rückkehr nochmals vorgestellt: "This is Ben, you've met him before". 

Aber gerade die sich gelegentlich ändernde Konstellation auf der Bühne sowie der Einsatz unterschiedlicher Instrumente - zusätzlich zu den bereits genannten wurde die Gitarre auch mit Geigenbogen bedient - ließ den Auftritt und die Präsentation des Album Images Rolling kurzweilig wirken, die 45 Minuten gingen schnell vorbei. Der Saal hatte sich zwischenzeitlich gefüllt, statt ca. 30 Zuschauern am Anfang waren wir nun eher 60. 

Setlist Magic Arm, Waves Vienna: 

01: Is history 
02: Daft Punk is playing at my house 
03: You should know 
04: Put your collar up 
05: Six cold feet of ground 
06: Tonight I walk alone 
07: Warning sign 
08: Great Life 
09: Widths and Heights 
10: Rested Bones 

Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit der Schwedin Frida Hyvönen. Diese kannte ich im Vorfeld überhaupt nicht, hatte aber im Programmheft gelesen, bei ihr sei alles - Lieder, Auftreten, Konversation- sehr "anders". Als die Künstlerin die Bühne in einer Art Elvis-Superhelden-Papageienkostüm betrat, dessen Schleppe von einer schwarzgekleideten Frau getragen wurde, begann ich zu verstehen, was der Programmheftautor gemeint haben könnte. 

Frida stellte uns ihre Kollegin als ihre beste Freundin Marlene vor und erklärte zusätzlich, dass sie normalerweise gerne erzähle, man aber heute nur 45 Minuten für den Auftritt habe und sie deshalb versuchen wolle, möglichst wenig zu sagen. Los ging es also mit dem ersten Song Djuna, bei dem sich Frida selbst am Flügel begleitete (was bei allen folgenden Liedern so bleiben sollte), wobei Marlen gelegentlich dazu trat und mitspielte. Anschließend begab sie sich auf die andere Bühnenseite, spielte dort Keyboard und sang häufig mit. 

Frida biss zwischen den einzelnen Liedern immer wieder von einem mitgebrachten Apfel ab - das hatte ich bei einem Konzert auch noch nie gesehen. Immerhin bekamen wir später das Angebot, ebenfalls abzubeißen, dem allerdings niemand nachkam. 

Trotz des selbst auferlegten Redeverbots bekamen wir einiges erzählt, so handelt das Lied Farmor von Fridas Großmutter, bei der sie als Kind viel Zeit verbrachte. Das darauf folgende Picking Apples erzählt, wie die Künstlerin am Haus der mittlerweile verstorbenen Großeltern vorbeifuhr und dort spontan die Apfelbäume aberntete - sollte der mitgebrachte Apfel etwa eine Anspielung auf diese Geschichten über ihre Familie sein? 


Auch für das Kostüm bekamen wir eine Erklärung: Frida hatte es sich in Russland designen lassen, als "a mix between the Pope and a rainbow". Da sie bei der Materialwahl auf Seide bestanden habe, sei das Endergebnis sehr teuer geworden, so dass sie nun quasi gezwungen sei, es für die gesamte Tournee zu tragen. 

Vielleicht wegen des doch nicht ganz vermeidbaren Redeflusses geriet die Künstlerin dann doch noch in Zeitnot: Während auf der Setliste bereits im Vorfeld drei Lieder durchgestrichen worden waren, musste sie auch das dort noch vermerkte Terribly Dark weglassen und beendete das Konzert mit Dirty Dancing, einem Song über die Wiederbegegnung mit ihrer Jugendliebe. 

Auch dieses Konzert erwies sich durch die Skurrilitätenkabinett des Auftritts, aber auch durch die Geschichtenlastigkeit der Lieder als ausgesprochen kurzweilig. Das Publikum war mittlerweile auf etwa 150 Personen angewachsen. 

Setlist Frida Hyvönen, Waves Vienna: 

01: Djuna! 
02: Birds 
03: Once I was a serene teenaged child 
04: I drive my friend 
05: Farmor 
06: Picking apples 
07: Saying Goodbye 
08: You never get me right 
09: Dirty Dancing 


Weiter ging es mit den Headlinern dieses Abends im Odeon, den New Yorkerinnen Au Revoir Simone. Aus irgendeinem Grund halfen nur Heather (schwarzhaarig) und Annie (brünett) beim Aufbau der Synthesizer - vielleicht fühlte sich Erica (blond) mit ihrer Entscheidung, im Gegensatz zu ihren dunkel-schick gewandeten Kolleginnen eine unförmige weiße Karottenhose zu tragen, doch nicht so wohl? Heather hatte mit auffälligen Haarreif, Minirock und kurzem T-Shirt bereits beim Auftritt von Frida Hyvönen vor uns gesessen, was uns aber erst klar wurde, als wir sie nun wieder sahen. 

Wenig später fanden sich alle drei Bandmitglieder hinter ihren Keyboards von Nord, Roland und Korg ein und begannen zu spielen. Aber so richtig wollte der Funke nicht auf mich überspringen, denn anders als ihre Vorgänger erwiesen sich Au Revoir Simone zunächst als nicht sonderlich unterhaltsam. Es gab nicht nur quasi keine Kommunikation mit dem Publikum, auch der Gesang fiel meist, insbesondere, wenn Heather involviert war, allzu leise aus. 

Am meisten Unterhaltung bot noch Annie, die nach wenigen Liedern ihre Pumps auszog und am mittleren Keyboard seltsame Verrenkungen veranstaltete. Nachdem Au Revoir Simone zunächst Songs ihres neuen Albums Move In Spectrums präsentiert hatten, kündigten sie einen Song einer ihrer Lieblingsbands aus den 90ern an: Bei der (leider auch nicht sonderlich gelungenen) Mazzy Star-Coverversion Fade into you teilten sich die drei Damen den Gesang, griff Annie zum Bass und lief spielend auf der Bühne hin und her. 

Ab der neuen Single Crazy wurde aber alles besser: Die Songs wurden stärker und Heathers Stimme hörbarer. Für die letzten drei Songs - auch Au Revoir Simone waren letztlich vom strikten 45-Minuten-Zeitlimit überrascht - könnte ich mit einem Mal verstehen, was die Leute (inzwischen mussten es weit mehr als 200 geworden sein) an der Band finden. Beim letzten Song Shadows griff zur Abwechslung Erica zum Bass. 

Anschließend hätte man im Foyer noch mit sämtlichen Künstlern des Abends sprechen können. Die Au Revoir Simone-Damen überraschten dabei, indem sie, die auf der Bühne so distanziert gewirkt hatten, nun mit großer Begeisterung und Freundlichkeit ihre (anscheinend ausschließlich männlichen) Fans begrüßten. 

Setlist Au Revoir Simone, Waves Vienna: 

01: Just like a tree 
02: Gravitron 
03: Only you can make you happy 
04: We both know 
05: Knight of wands 
06: Let the night win 
07: Fade into you (Mazzy Star Cover)
08: Crazy 
09: Somebody who 
10: Shadows 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Frida Hyvönen, Fontenay-Sous-Bois, 18.12.12
- Frida Hyvönen, Rennes, 21.03.09
- Frida Hyvönen, Paris, 08.12.08
- Frida Hyvönen, Paris, 12.12.06
- Au Revoir Simone, Paris, 20.04.09
- Au Revoir Simone, Paris, 18.04.09
- Au Revoir Simone, Paris, 26.02.07

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht
 



Donnerstag, 11. Oktober 2012

Erika Spring, Paris, 05.10.2012

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Konzert: Erika Spring
Ort: Le Café de la Danse Paris
Datum: 05.10.2012
Zuschauer: etwa 200
Konzertdauer: 30 Minuten


"Die Stewardess hatte die gleichen Schuhe wie ich und das fand ich total toll!"


Die erst am gleichen Tage aus New York angereiste Au Revoir Simone Sängerin Erika Spring scheint wirklich eine sehr humorvolle und nette Person zu sein. Anstatt sich, wie es üblich ist, darüber zu ärgern, daß eine andere Frau die gleichen Schuhe trägt  ("I think for  most women this is highly embarrasing") lächelte sie einfach diese peinliche Situation hinweg. Zeichen für ihre Lockerheit und Unverkrampftheit. Trotz ihres hübschen Äußeren ist Erika immer gänzlich unarrogant und natürlich und an ihren entwaffnenden Charme kommt kaum jemand ran. Sicherlich auch deshalb verzieh man ihr in Paris, daß sie nur knauserige 30 Minuten gespielt hat. Vorher waren ihre Begleitband Tezeo und dann Montevideo aufgetreten, aber Headlinerin war sie und da erhofft man sich eigentlich in der Regel ein einstündiges Konzert. Aber sie hat nun einmal bisher erst ein paar Songs geschrieben, die sich zum Großteil auf ihrer ersten EP (schlicht Erika Spring EP betitelt) befinden, die es exklusiv im Café de la Danse zu kaufen gab.


Stücke, die natürlich die elektropoppige Handschrift ihrer (nach wie vor existierenden) Band Au Revoir Simone trugen, aber dennoch zumindest leicht anders klangen. Größter Unterschied zu ihrer 3- Mädchengruppe  war sicherlich der Einsatz einer hübsch melodischen elektrischen Gitarre, die der Sache eine organischere Note gab. Warum allerdings ein Drummer gebraucht wurde, der auf eine in der 80 er Jahren sehr beliebte Schaltflache (wie heißen diese Dinger, synthetische Drums?) einhieb, erschloss sich mir nicht so ganz. Man hätte sein Spiel sicherlich durch einen Computer ersetzen können.


Erika Spring live also ein Trio, welches aber noch nicht allzu lange zusammen performt. Und das merkte man auch an einigen Stellen. Da schlichen sich immer wieder kleine Fehlerchen ein und ein Prince Cover ("Take Me With You") ging sogar gänzlich in die Hose, klang ungewollt schräg und wenig harmonisch.



Das zweite Cover des Sets, When Tomorrow Comes nach den Eurythmics, wusste aber zu gefallen. Die zuckersüße Stimme von Erika trug viel dazu bei, den in die Jahre gekommenen Song zu verfeinern und ihn luftiger und leichter erscheinen zu lassen. Auch sonst war es meistens die Stimme der New Yorkerin, die Highlights setzte. Der Zartschmelz in ihrem Gesang war einfach oft unwiderstehlich und besorgte mir träumerische Gedanken. Ich dachte daran wie es wohl wäre, mit Erika auf einer blumenreichen Sommerwiese zu liegen und ihren Arm mit einem Grashalm zu streicheln. Ob sie es zuließe, daß ich ihren Nacken küsse?...

Zeit, den Traum zu Ende zu träumen, hatte ich aber dann keine mehr. Stücke wie Like A Fire und die abschließende Single 6 More Weeks waren so cremig gerührt und catchy, daß die halbe Stunde wie 10 Minuten erschien. Zugaben gab es dann leider auch keine mehr und wer wie ich die beiden Vorbands verpasst hatte, musste sich an diesem Abend mit sehr wenig Musik begnügen. Allerdings haben die Stücke auf jeden Fall Potential. Auch solo sollte man Erika Spring also nicht aus den Augen und den Ohren verlieren! 

Setlist Erika Spring, Café de la Danse, Paris:

01: Hidden
02: Happy At Your Gate
03: When Tomorrow Comes (Eurythmics Cover)
04: New Song
05: Take Me With You (Prince Cover)
06: Like A Fire
07: 6 More Weeks


Montag, 20. April 2009

Au Revoir Simone, Paris, 20.04.09

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Konzert: Au Revoir Simone

Ort: Le Truskel, Paris (Sans Piles Session)
Datum: 20.04.2009

Zuschauer: recht volle Hütte, aber man konnte noch gut atmen
Konzertdauer: ca. 20-25 Minuten




Fast einen ganzen Tag konnte man heute mit den drei charmanten Grazien Annie, Heather und Erika von Au Revoir Simone in Paris verbringen und musste dafür noch nicht einmal Eintritt berappen! Vorraussetzung war lediglich, daß man einigermaßen gut informiert war und sich frühzeitig für die jeweiligen Gästelistenplätze beworben hatte.

Auftakt des für die drei jungen Amerikanerinnen sicherlich sehr anstrengenden Abends war ein kurzes Konzert im Pub Le Truskel, wo schon Peter Doherty für Furore gesorgt hatte (unsere Stammleser erinnern sich bestimmt noch daran). Trotz der Promostrapazen für das neue, heute in Frankreich offiziell erschienene Album Still Night, Still Light waren Annie, Heather und Erika bester Laune und sehr kommunikativ und nett. Noch kurz vor dem Auftritt plauderte Annie mit einer Gruppe von Fans, zu der auch ich gehörte und bedankte sich für die tolle Unterstützung, die das Pariser Publikum Au Revoir Simone am vergangenen Samstag im Alhambra zu Teil werden ließ. Sie wirkte dabei so natürlich und liebenswürdig, wie man sich das nur sehr selten erlebt. Man redete auf einer Augenhöhe und sie gab den Leuten das Gefühl, eine gute Freundin zu sein. Auch die anderen beiden Mädchen, Heather und Erika hatten diese "Girl Next Door -Attitüde". Nach dem Konzert gesellte sich Erika zu uns, ohne daß man Anstrengungen unternehmen mußte, sie anzusprechen. Sie ging schnurstracks auf die Leute zu, erkannte sogar einen Freund von mir wieder, obwohl sie ihn schon vor fast 2 (!) Jahren das letzte mal als Zuschauer im Trabendo gesehen hatte! Ist das nicht unfassbar? Da tingelt diese Girlgroup seit 2-3 Jahren fast pausenlos durch die ganze Welt und dann erkennen sie noch Leute, die 23 Monate vorher im Publikum gestanden haben! Irre! Wir waren platt und zudem von ihrer Schönheit so geblendet, daß wir am Ende ein wenig rumdrucksten. Uns fiel plötzlich kein Gesprächstehema mehr ein und dennoch wich Erika nicht von unsere Seite. Am liebsten hätte ich den ganzen Abend und die ganze Nacht noch mit ihr geplaudert, aber Au Revoir Simone mussten schon wieder weiter, zu einer Black Session des Radiosenders France Inter und danach noch Platten im exklusiven Nachtclub Cha Cha Cha auflegen. Trotz dieses engen Zeitplans legten sie keinerlei Hektik an den Tag, waren total relaxt, alberten rum und freuten sich wie kleine Mädchen, als sie hörten, daß ich ihr Album in der Fnac bereits in der Hand hatte (Erika zu Annie: "Hey, unser Album gibt es schon bei der Fnac!) Am liebsten wären sie sofort zu den Champs Élysées gefahren, um sich selbst davon zu überzeugen.

Ach ja und ein wenig auf ihren Keyboards geklimpert haben sie im Truskel auch! Sie warnten schon einmal vor, daß sie technisch nicht wie sonst ausgestattet seien, aber mit viel Charme und Einsatz kompensierten sie diese Unzulänglichkeiten auf das Beste. Manchmal hatten sie Probleme, sich vor Lachen wieder einzukriegen, legten aber dennoch ein sehr ansprechendes Set hin, daß mich noch einmal ein wenig mehr mit dem neuen Werk vertraut machte.

Gleich zu Beginn performten sie das tolle Shadows, bei dem die glockenklaren Stimmen und die synthetische Untermalung auf Anhieb für Verzückung sorgte. "I hope your coming with me", trällerten sie und selbstverständlich kam ich mit auf die Reise in das Land der Träume, wo alle Frauen so nett und hübsch sind wie Annie, Heather und Erika! Ich ließ mich regelrecht berieseln von dem zuckersüßen Elektropop und war ziemlich bald wie hypnotisiert. Ich sah nur noch zarte Finger die durch Tasten glitten, kichernde Mädchengesichter und luftig lange Haare. Take Me As I Am? Klar, natürlich, würde ich sie nehmen, wie sie sind, sofort! Verändern müßte man nichts, rein gar nichts! Und sogar die Französischkenntnisse der New Yorkerinnen sind recht passabel, wie schon im Alhambra gab es auch heute zumindest zum Teil den neuen Song All Or Nothing in einer französischen Version, bevor mit dem alten Klassiker Stay Golden das kurze, aber wundervolle Konzert beschlossen wurde.

Schön war's! Merci les filles!

Setlist Au Revoir Simone, Le Truskel, Paris

01: Shadows
02: Trace A Line
03: Take Me As I Am
04: All Or Nothing/Tout Ou Rien (englisch & französische Version)
05: Stay Golden

- Videos: Trace A Line (Fd Session) @ La Vapeur, Dijon 2009, Stay Golden von der Blogothéque auf einer Straße in New York. Toll!
- Mehr Photos von Au Revoir Simone hier
- Das schreibt der Ausnahmeblogger Eike vom Klienicum zu Au Revoir Simone



 

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