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Sonntag, 28. April 2019

Lisa Morgenstern, Dresden, 27.04.19

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Konzert: Lisa Morgenstern
Ort: Dreikönigskirche, Dresden
Datum: 27.04.2019
Dauer: 80 min
Zuschauer: ca. 115



Chameleon - Albumrelease

Im Februar 2017 war Lisa Morgenstern bei mir im Wohnzimmer. Im Rahmen der Crowdfundingaktion für ihr geplantes Album hatte ich das Konzert erworben. Damals kannte ich nur das vorherige Album „Amphibian“ und hatte Konzerte von Lisa gesehen, damals noch unter anderem mit Benni Cellini (Letzte Instanz). Bei uns spielte sie Solo, erstmals für mich mit Klavier und schönen alten Synthesizern, analog und mit vielen Kabeln und Drehknöpfen. Damals bekam ich eine erste Idee, wohin Lisas musikalische Reise gehen wird. An eine Veröffentlichung des Albums war vor 2 Jahren aber noch nicht zu denken, Lisa wollte sich Zeit nehmen und vor allem die richtigen Verbündeten für ihr Album finden.



So verging viel Zeit und die Fans mussten sich in Geduld üben. In letzter Zeit gab Lisa Morgenstern dann vermehrt Konzerte, darunter auch als Vorprogramm für Olafur Arnalds und sie hat lange schon den Termin für ein Konzert im September im Rahmen des Reeperbahnfestivals in der Elbphilharmonie angekündigt. Und dann kam vor ein paar Monaten endlich der Termin zum Releasekonzert in der Dreikönigskirche zu Dresden heraus. Möglicherweise ging es anderen ebenso: ich habe mein Wochenende umgeplant, Besuche verlegt, Tickets gekauft und große Vorfreude gespürt.



2 Stunden vor Beginn werfe ich einen Blick durch die Glaswand in das Kirchenschiff. Lisa und Miguel und die anderen sind mit dem Soundcheck beschäftigt, also störe ich sie nicht. Eine halbe Stunde vor Beginn erscheinen die ersten Gäste, das Foyer füllt sich langsam und die Stehtische werden belagert. Ich erkenne bekannte Gesichter, vermute Familie und Freunde der Künstlerin unter den Gästen, begrüße Miguel, der Lisa diesmal am Mischpult betreut. Vor zwei Jahren spielte er mit Lisa gemeinsam und hatte an den analogen Reglern in unserem Wohnzimmer beide Hände voll zu tun.



Wer Lisa Morgenstern kennt, weiß dass das Ambiente der Kirche wie gemacht ist für Lisas Musik. Kurz nach 20 Uhr gehen die Lichter aus, das Kirchenschiff wird dunkel und die Bühne in Lila getaucht. Die ersten beiden Titel hallen in die Dunkelheit. Es breitet sich Lisas neuer und doch schon vertrauter Sound aus, die Mischung aus Synthesizer, Klavier und der umwerfend spannungsreichen Stimme Lisas. Unter dem inzwischen hell strahlenden Altar ist sie mal Engel und mal das unsichtbare Tiefe. Einmal schwingt sich die Seele der Zuhörer fröhlich auf ins Licht und kurz darauf laufen Schauer den Rücken hinab, wölben sich die Poren zur Gänsehaut, wenn Lisa das tiefe Ende ihres Stimmumfangs erreicht. Die Töne aus Saiten, Tasten und Knöpfen untermalen und verstärken diese Stimmungen kongenial. Sie sind meist sparsam eingesetzt und drängen nie in den Vordergrund. Lisa spielt meist abwechselnd auf Klavier und Synthesizern und nach der Pause auch am Cembalo. In anderen Stücken liefern die Synthesizer die Grundstimmung der Titel und werden mit Klavier und durch Lisas Gesang ausgemalt und verstärkt.



In den sozialen Medien hat sich in letzter Zeit auch schon herumgesprochen, dass Lisa ihren bulgarischen Wurzeln nachforscht. Mittlerweile singt sie in Berlin in einem bulgarischen Frauenchor (Bulgarian Voices - https://www.bulgarianvoicesberlin.de). „Prituri“ ist ein Stück aus dessen Repertoire, das sie für den Chor arrangiert hat. Sie bringt es im zweiten Set nach Pause. Die Rolle des Chores übernehmen heute die analogen Klangerzeuger und Lisa schwingt sich mit ihrem Gesang zur tragenden Figur der bittersüßen Geschichte zweier Schäfer auf. Den Chor mit Lisa könnt Ihr am 21. August zum Pop-Kultur in der Berliner Kulturbrauerei erleben.



Das Set heute Abend kombiniert natürlich die Stücke ihres neuen Albums „Chameleon“ (C) und einige von „Amphibian“ (A) sowie neue oder nicht veröffentlichte Titel wie unter anderem „Chameleon“ selbst, der es offenbar nicht auf das gleichnamige Album geschafft hat.

Nach gut 80 Minuten und einer Zugabe wird Lisa mit viel Wärme herzlich von der Bühne verabschiedet und im Foyer beim Signieren ihrer CDs umringt.



Auf der Fahrt nach Hause kreisen meine Gedanken immer wieder um das Erlebte und wie sich alte und neue Lieder an diesem Abend zu einem Ganzen verwoben haben. Und ich frage mich gespannt, ob es mir gelingt, Lisa noch einmal in das Wohnzimmer der Scala zu locken. 

Setlist 
01. Atlas (C)
02. Codex (C)
03. Answers (C)
04. My Room (A)
05. Nocturne (A)
06. Colours (new)
07. Chameleon (N)
08. My Boat (C)

09. Journey to the end of the night (C)
10. Waltz of a Loner (C)
11. Prituri (bulgarisches Volkslied)
12. Glass (new)
13. At the top of a tree (C)
14. Levitation (C) 

15. Deflowering (C) (Z) 

Aus unserem Archiv
Lisa Morgenstern, Adorf, 11.02.17
Lisa Morgenstern, Berlin, 02.04.15
Lisa Morgenstern, Freiberg, 29.10.14
Lisa Morgenstern, Berlin, 14.09.14


Montag, 16. Juli 2018

Steven Wilson, Dresden, 14.07.18

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Konzert: Steven Wilson
Ort: Junge Garde Dresden
Datum: 14.07.2018
Dauer: 150 min
Zuschauer: ca. 1500

Endlich war es der 14. Juli und die Vorfreude auf mein drittes Steven Wilson-Konzert - noch dazu unter freiem Himmel in einer der schönsten Freilichtbühnen mindestens in Sachsen war riesig. Bei Ankunft im Großen Garten waren nur wenige Leute unterwegs, obwohl wir spät dran waren. Auch die Wiese vor der Garde war leer, nicht mal ein öffentlicher gastronomischer Betreuerwagen war geöoffnet. Am Einlass war kaum Andrang. Hmm... Bevor hier überhaupt etwas anbrennen sollte, ging es gleich zum Merch. Hier entspann sich ob der leeren Ränge ein kleiner Dialog mit dem Händler. Seiner Meinung nach ist Dresden nach wie vor ein Tal der Ahnungslosen und Steven Wilson ist eben nicht Roland Kaiser. Dennoch waren wir uns einig: Respekt vor Steven Wilson und den Aufrechten, die dada waren und bei 5000 Plätzen immerhin ein gutes Drittel füllten. Mich beschleicht bei wenig gefüllten Konzertstätten immer ein Unwohlsein, weil ich nicht weiß wie Künstler mit sowas umgehen und darauf reagieren. 


Als Steven Wilson und seine Begleitband die Bühne betraten wurden sie bejubelt und lautstark begrüßt. Und der Meister ging sofort ans Mikro für ein paar Begrüßungsworte und los ging's mit Nowhere now und Pariah vom neuen Album mit Ninet Tayeb auf der Videoleinwand. Dann stöberte Steven Wilson in der Fundgrube seiner Schätze bis mit Refuge mein Höhepunkt des Abends kam, der Texte wegen und wegen der dazu eingespielten nahegehenden Videobilder. 


Steven Wilson nutzte die Bühne, um von Seite zu Seite und von Kollege zu Kollege zu wandern und zu tanzen, er dirigierte das Publikum und spielte mit uns. Im Verlaufe des Abends war dies meine größte Überraschung: ich hatte das Gefühl einen verwandelten Steven Wilson vor mir zu haben. Ganz im Gegensatz zu den Konzerten der Vergangenheit ist aus ihm ein Entertainer geworden, der sich die T-Shirts der Fans ansah und kommentierte, ein ABBA-Fan nicht weit von einem Sodom-Shirt, Bandbreite halt! Und dann sah er das SAGA - T-shirt. Er erzählte, dass er die Band nicht kannte, bevor ihn ein Interviewer fragte, ob er richtig liege mit der Vermutung nach Saga-Einflüssen in Steven Wilsons Musik. Dafür erwähnte er seine Wurzeln wie Ashra Tempel und Neu!, von denen letztere hier kaum bekannt waren. Steven Wilson entschuldigte sich dafür, dass er uns unsere eigenen musikalischen Wegbereiter nahegebracht hatte. Aber Saga blieb der running gag des Abends.


Zur Musik: Steven Wilson spielte natürlich die Songs des aktuellen Albums ergänzt durch eine Reihe Titel aus seinem schier unerschöpflichen Katalog bis hin zu Porcupine Tree-Songs aus den Anfangsjahren dieses Jahrtausends. Und: ich hatte hier schon Abende erlebt, an denen es mir fast die Trommelfelle zerschoss, heute jedoch war die Anlage aufs Beste ausgesteuert und das Zuhören ein Genuss. Die Begleiter glänzten in Soli und als ganzes Ensemble und wurden bei den passenden Gelegenheiten gefeiert.


Nach der Pause brachte Steven Wilson den bekannten und obligatorischen Hinweis, dass er ja bestuhlte Konzerte nicht mag. Wer's glaubt... Und er wundert sich immer wieder, warum die Säle voller Stühle sind und bat Leute mindestens zu Permanating aufzustehen und zu tanzen. Da standen aber eh schon fast alle. Und irgendwie schien er es zu genießen, das Publikum zu fordern und zu unterhalten - halt eine ganz neue Erfahrung.
Vielleicht hat seine musikalische Entwicklung hin zu To the bone auch dazu geführt, dass die enorme Verbreitung des Albums und seiner Musik auch Steven Wilson geöffnet hat. Alle auf und vor der Bühne fühlten sich sichtlich gut. 


Und so kam dann auch mit Ancestral der vorerst letzte Song, denn man müsse ja hier pünktlich um 22:30 zum Ende kommen, so dass mit dem Applaus für die Zugaben auch nicht allzu viel Zeit vertan wurde. Schnell kam die Band wieder auf die Bühne. Er als unbekannter Künstler verspüre nicht den Zwang, dass er seine nicht vorhandenen Hits spielen müsse. Sagte es und spielte: The sound of muzak (2002) und Song of unborn (2017) waren die perfekte Klammer und fassten den Abend noch einmal eindrücklich zusammen.



Setlist
Set 1:
Nowhere Now
Pariah
Home Invasion
Regret #9
The Creator Has a Mastertape
Refuge
People Who Eat Darkness
Ancestral

Set 2:
Don't Hate Me
Permanating
Song of I
Lazarus
The Same Asylum as Before
Vermillioncore 

Sleep Together

Encore:
The Sound of Muzak
Song of Unborn

stevenwilsonhq.com

Sonntag, 22. April 2018

Line Bøgh, Adorf, 20.04.18

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Konzert: Line Bøgh
Ort: Scala Adorf
Datum: 20.04.2018
Dauer: 80 min
Zuschauer: 19

Line Bøgh und Christian Gundtoft kommen aus Dänemark nach Adorf, sie sind gerade im Rahmen einer Deutschlandtournee in der Gegend. Beide leben in einem Vorort von Kopenhagen in einer alten Fabrik. Dort arbeiten sie mit anderen Künstlern, haben ein Studio für ihre Musik und die Entwicklung der Visuals und ein Atelier/Galerie für Christians Kunst. Das klingt nach einem kreativen Platz zum Entwickeln neuer Ideen, den wir uns unbedingt einmal anschauen werden.


Wir erwarten einen audiovisuellen Abend. Der Soundcheck ist einer der kürzeren in diesem Hause, das Anbringen einer großen Leinwand und der Aufbau des Beamers beanspruchen eher etwas mehr Zeit. Christian erzählt, dass sich bisher in jeder Location eine Möglichkeit für die Leinwand fand. Das Set ist in jedem Falle wohnzimmertauglich. Bei uns waren beispielsweise die Galerieleisten hilfreich. Dann wurden der Beamer eingeschaltet und auf dem Fussboden verschiedene Positionen des Keyboards mit Klebeband für das Konzert markiert. Weiter habe ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts gezeigt bekommen, was irgendwelche Schlüsse auf die Bilder das Abends zuließ.


Kurz vor halb Neun haben wir die Jalousien heruntergelassen und uns in die Dunkelheit begeben. Neben den Instrumenten wie Keyboard, Omnichord kamen nun Beamer, iPad und Apple Pencil zum Einsatz.


Line stand wörtlich im Fokus. Sie wurde meist angestrahlt vom Licht des Beamers. Ihre Musik wird im Internet als ArtPop bezeichnet. Ich erlebe sie als elfenhafte Lieder um Liebe, das Leben und Einsamkeit - gespielt mal mit Keyboard, mal mit Omnichord. Line hat sie sparsam arrangiert, hier steht bei der Musik immer auch der Gesang und damit der Text der Lieder im Mittelpunkt.



Ummalt wird Line von Christian. Während des Konzertes arbeitet er auf dem iPad mit ProCreate und erschafft spontane Szenen um Line herum. Er malt und löscht und malt neu, manches fügt er zu vorbereiteten Szenen hinzu. Manchmal spielt Line, nur das Mikrofon in der Hand, mit dem Licht und ein Spot verfolgt sie auf ihren Wegen vor der Leinwand. Immer untermalt Christian die Lieder von Line sehr gefühlvoll und oft nahegehend. Der eine oder andere Seufzer aus dem Publikum war bei den melancholischen Stellen ebenso zu hören wie die Ahs und Ohs bei besonders beeindruckenden Stellen.


Diese Art der Präsentation von Live-Musik hatte niemand im Publikum je gesehen - so zauberhaft und professionell und immer passend zu den Liedern. Für einen kurzen Bühnenumbau wurde ein Film eingespielt, ein Video zu einem ihrer Lieder „I know a Place“, in dem man Line und ihr von Christian gezeichnetes alter ego beobachtet. Danach spielt sie das Lied noch einmal live in einer Solofassung mit Omnichord.


Im Gegensatz zu Konzepten, bei den Filme oder Bilder eingeblendet werden, entsteht hier fast alles live und zeigt damit auch die große Kunstfertigkeit von Christian Gundtoft und die perfekte Symbiose von Musik und Malerei, wenn Christian die gesamte Leinwand von außen nach innen ganz langsam schwärzt und genau zum Ende des Songs auch das letzte Fleckchen Helligkeit verschwindet. Das sind die Momente an diesem Abend, wo es dann immer einen Wimpernschlag länger dauert, bis man sich endlich entschließt zu klatschen. Wir sehen die Skyline einer Großstadt an der Leinwand, einen Sternenhimmel der allmählich von großen Bäumen zugewachsen wird, die Geschichte zweier Liebender oder auch einmal lesen wir die Story von 2 Menschen, die es nie schaffen, sich zu begegnen obwohl sie immer auf der Suche sind („Give Sophie a Shot“).


Da Line in ihren Konzerten nicht gern über ihr eigenes Merch-Angebot spricht, haben die beiden auch dafür einen kurzen und sehr humorvollen Werbefilm gedreht.


Die meisten Songs des Abends stammen vom 2017er Album „Like Fire Like Fire“ und einige weitere vom 2013er Album „SOMETHING ELSE AND SOMETHING ELSE AND SOMETHING ELSE AGAIN“. Das Cover von „Like Fire Like Fire“ hat wiederum Christian Gundtoft gestaltet. Christian ist selbst bildender Künstler und malt neben dem iPad auf Papier und Leinwand. Zu Hause in Dänemark hat er großformatige Arbeiten hängen und ausgestellt. Auf der Tour hat er kleinere Papierarbeiten dabei. 

Line und Christian spielen 2 Sets und eine Zugabe und werden zu Recht für diesen einzigartigen Auftritt gefeiert - bis spät in die Nacht! 

Sonntag, 11. Februar 2018

Winter Pop, Leipzig, 07.02.18

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Konzert: Arpen, Orph, Sea+Air
Ort: Schaubühne Lindenfels, Leipzig
Datum: 07.02.2018
Dauer: 30, 50 Winter Pop, Leipzig, 07.02.18, 30 min
Zuschauer: 130

Das Winter Pop Fest ist eine tolle Idee, an einem Abend in des Winters Kälte mit einem kleinen Musikfest Wärme in die Herzen zu bringen. Die Bandauswahl ließ einen spannenden Bogen erwarten und für mich gab es kein Halten im Vorverkauf, weil immerhin 2 Künstler des Abends schon in der Scala gespielt haben und ich mir ihre aktuellen Projekte ansehen und anhören wollte.

Die Schaubühne Lindenfels liegt im aufstrebenden Plagwitz, das Ambiente eines morbiden Saales und das dezent wechselnde Bühnenlicht gaben dem Abend die heimelige Atmosphäre.

Ein paar Zuschauer hätten es gern mehr sein können, immerhin war der Saal mit den optimistisch gerechneten 130 Besuchern leider nicht gut gefüllt. Sie verloren sich etwas im Saal und mussten am Ende ausdrücklich nach vorn gebeten werden.




Arpen
Arpens selbstbetiteltes Soloalbum im Ohr freute ich mich auf sein Trio mit Philipp Rumsch und Jakob Müller. Sie eröffneten den Abend mit einem minimalistischen Set. Zwei Soundtüftler und Arpen spielten sparsam arrangiert Titel verschiedener Phasen. Zumindest einer war aus Arpens Soloalbum, es waren dann noch ältere sowie ein ganz neues Stück dabei. Meist begannen sie mit knarzenden sich steigernden Beats und bauten sich dann wie Gewitterwolken in die Höhe. Vor allem im letzten Titel, bei dem, als er verklang, Arpen über die schwindenden Töne sein Leid oder seinen Ärger rausschrie so jedenfalls mein Eindruck. Das waren 30 beeindruckende Minuten des Openers.





ORPH
Der zweite Act des Abend war gleichzeitig meine größte Vorfreude. Immerhin spielt Steffi Narr bei ORPH. Sie war mit ihrem Trio Coucou bereits zu Gast in der Scala. Nun war ich sehr gespannt auf ihr Projekt ORPH, von dem ich nicht wusste, dass sie bereits 2012 ein Album herausgebracht haben. Sie wurden zu Beginn des Abends als ScienceFiction Pop gekündigt. Was ich empfand, war eine wunderbare Mischung aus Zukunftsmusik und aus der Zeit gefallenem Bühnenoutfit der spanischen Eroberung Amerikas. Mit der Beleuchtung der Bühne ergab dies träumerische 50 Minuten mit den pyramidenförmigen Tränen von Simba. ORPH spielt verträumte Melodien, kompakte Arrangements aus Gitarrenband mit Keyboardsamples, Trompete und großer Trommel Augen- und Ohrenweide.




Das neue Album gab es 2 Tage vor dem offiziellen Release. Ich wünsche ihm ein großes Publikum. ORPH bringt definitiv eine eigene Farbe in die Szene!




Sea + Air
Eleni Zafiriadou (Vocals, Harpsichord, Organ Bass Pedal) und Daniel Benjamin (Vocals, Gitarre, Drums und Percussion) spielen ihren einzigen Clubgig in diesem Jahr in Deutschland zum Winter Pop Fest in Leipzig. Sie stiegen mit Songs aus Evropi ein (Lady Evropi) und My Hearts Sick Chord (Do Animals Cry?) in den Abend ein. Sea + Air haben eine eigene Ausstrahlung, die mich in die Songs zog. Sie haben ihre eigene Instrumentenwelt um sich herum aufgebaut, Eleni links und Daniel rechts auf der Bühne. Passte etwas nicht in einem der Songs, flogen schonmal im Spaß die Trommelstöcke über die Bühne. Angekündigt waren auch neue Songs, aber da ich noch eine lange Heimfahrt und einen frühen Start in den nächsten Bürotag vor mir hatte, habe ich die Schaubühne nach einer halben Stunde Sea+Air gegen Mitternacht schon verlassen müssen.




Schade, ohne die technischen Verzögerungen am Anfang des Abends hätte ich mehr von den beiden hören und sehen können.

Die erste Auflage des Winter Pop Fests ist gelungen, die Idee wunderbar und ruft nach einer Fortsetzung im nächsten Jahr.


Aus unserem Archiv:
Arpen, Karlsruhe, 30.11.14 


Orph, Beverungen, 25.05.12 
Orph, Mannheim, 19.05.12


Sea + Air, Storkow, 22.08.15
Sea + Air, Karlsruhe, 03.10.13
Sea + Air, Ludwigsburg, 30.11.13
Sea + Air, Karlsruhe, 21.07.13
Sea + Air, Mannheim, 31.05.13 
Sea + Air, Darmstadt, 03.03.13 
Sea + Air, Köln, 24.10.12

Dienstag, 30. Januar 2018

Moonmind, Adorf, 26.01.18

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Konzert: Moonmind
Ort: Scala Adorf
Datum: 26.01.2018
Dauer: 75 min
Zuschauer: 30


Wir haben Susann Grossmann in den letzten Jahren bei mehreren Gelegenheiten erleben dürfen und zuletzt beim Parksommer Chemnitz vereinbart, dass sie auch mal in der Scala spielen möge. Im letzten Herbst wurde dann ihr Projekt Moonmind öffentlich, eine EP und ein Video (https://vimeo.com/249919438 ) dazu entstanden. Und nun fand das Konzert zum EP-Release in Adorf statt und markierte zugleich den Start der Releasetour. 


Mit 30 Gästen war die Scala richtig gut gefüllt und gab den perfekten Rahmen dazu. Susann hatte Hendrik Sieber mitgebracht, der sie am Bass und an Keyboards und Sounds begleitete. Sie starteten ihr Konzert mit Songs von Susanns Solo-Alben der vergangenen Jahre und brachten dann ihre neuen Songs vom gemeinsamen Projekt Moonmind. Susann spielte so auch einige Lieder am frisch gestimmten Klavier, Hendrik sorgte am Bass und an den Tasten für eine dezente Begleitung und trug damit wesentlich zur Farbigkeit der Musik bei. Ein paar Tastentupfer hier, ein paar Basslinien da und manchmal auch mit der Stimme als Harmonie – all das machte die Musik von Susann noch spannender, als sie mit ihren Melodien und Texten ohnehin schon ist und fesselte das Publikum. 


So wurden beide nach dem Konzert auch für Zugaben auf die Bühne zurückgerufen und spielten das letzte Lied ganz ohne Strom und Verstärkung, was noch einmal eine ganz andere Facette zur Wirkung brachte: Susann und Moonmind haben in ihrer puren akustischen Präsenz ein Fundament, auf dem sie ihr musikalisches Haus bauen, welches schon für sich allein Menschen begeistert. 


Der Abend war für mich textlich intensiv, musikalisch sehr abwechslungsreich und spannend und in der Atmosphäre der Scala wieder einmal ein Hochgenuss. 

moonmind-band.de





Sonntag, 26. November 2017

Me And Oceans, Chemnitz, 24.11.17

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Konzert: Me And Oceans
Ort: Boden der Tatsachen, Chemnitz
Datum: 24.11.2017
Dauer: 75 min
Zuschauer: 25+


4. Etage, Maisonette - irgendwo in Chemnitz. Der Boden der Tatsachen ist eine Adresse für sorgfältig ausgewählte und stets besondere Wohnzimmerkonzerte. Zu Gast heute Abend ist Me And Oceans.

Ich saß während des Konzertes da und ließ kurz meine Erlebnisse von Wohnzimmerkonzerten Revue passieren: was ist typisch? Singer/Songwriter, Gitarre, mal Cajon, mal Keyboard, auch schon mal eine Band. Der heutige Abend war im Rückblick einer der bisher ungewöhnlichsten dieser Art in solch einer Umgebung.



Me And Oceans alias Fabian Schütze gastiert mit seinem Hörerlebnis „MIR“ - Briefe an Juri (Wolkow). Die Bühne meist in blau getaucht wie das Innere einer Raumstation, ein Stück Leinwand als Fenster zur Welt - zur Erde. Musikalisch wird er begleitet von seinem Computer. Maxim Pritula liest als Einspielung die Briefe an Juri, teils in deutsch, teils in russisch.

In Szene gesetzt wird das Ganze mit Postkarten, Fotos und Live-Zeichnungen passend zu Liedern, Briefen und Zeit. Fabian hat viel zu tun im Cockpit. Und wir sitzen im Kontrollzentrum des Sternenstädtchens und verfolgen Juris Erdumrundungen in der MIR, die Zwiegespräche mit seinen Mitfliegern, die Sorgen seiner Freundin Sofia, die Geburtstagswünsche seiner Kosmonautenkollegen und Wissenschaftler oder auch die Anweisungen für die Durchführung der Experimente durch die Akademie der Wissenschaften.



Fabians Lieder zu den Briefen durchweben die Kapitel. Sie widerspiegeln das Gedankengebäude Juris in der Erdferne. Manchmal sind es auch Songs über kritische und lebensgefährliche Situationen, in denen sich die Mitbewohner der MIR selbst versichern, dass Juri schon alles in den Griff bekommen wird. Und wenn Juri sagt, er kann es reparieren, dann kann er es auch reparieren! Der Fels in der Brandung: Juri auf der MIR und Fabian auf dem Boden der Tatsachen!



Die Landung ist dann so unsanft wie das Aufprallen der Sojuskapseln in der kasachischen Wüste: wir sind zurück in der Novemberwirklichkeit in Chemnitz, ein bisschen traurig, dass so ein Flug auch immer ganz plötzlich zu Ende ist.



Glücklicherweise werden wir als Zugabe und Mutprobe musikalisch von Fabian Richtung Weihnacht nach Hause geschickt.

Das alles war eine Gefangennahme des Publikums im besten Sinne, so eingesaugt in eine Geschichte habe ich mich selten gefühlt. Ich habe eine wahnsinnig intensive Geschichte, eine fesselnde Performance von Me And Oceans erlebt und kann allen Lesern, die diese Geschichte noch nicht kennen, nur wünschen, dass sie einen dieser Abende von Fabian einmal selbst erleben dürfen.



Aus unserem Archiv 
Me And Oceans, Dresden, 07.09.14
Me And Oceans, Karlsruhe, 10.02.14 




Sonntag, 19. November 2017

Hello Piedpiper, Scala Adorf,17.11.17

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Konzert: Hello Piedpiper
Ort: Scala Adorf
Datum: 17.11.2017
Dauer: 150 min
Zuschauer: 39



Der 17.11.2017 sah das 50. Konzert in der Reihe Scala Wohnzimmerkonzerte. Dabei haben wir mit 39 Gästen den Besucherrekord mindestens eingestellt. Und auch zum 50. haben wir wieder neue Gäste begrüßen dürfen. Schön dass Ihr immer noch und immer wieder zu uns kommt, denn nur Euch – unserem Publikum – ist es zu verdanken, dass wir dieses und weitere Konzerte veranstalten und Künstlerinnen und Künstler einladen können.



Frida Lou eröffnete den Abend. Nach ihrer Herbsttour spielte sie nun wieder einmal zu Hause. Nach mehreren Konzerten im herbstlichen Sachsen war dies eine Rückkehr zu den Anfängen ihrer Auftritte. Inzwischen merkt man ihre die Souveränität auf Bühne an ,die durch die Konzerte gewachsen ist. Ebenso ist es mit den Songs, die sich über die Zeit entwickelten und ihre Form und Ausdrucksweise immer mal wieder veränderten. Und fast ist es schon eine Tradition, dass Frida Lou in den Scala Konzerte immer wieder neue Lieder vorstellt wie auch an diesem Abend.



Jonas Zorn ist Bandmember von Hello Piedpiper und leitete mit einem Set langsam über zur Band des Abends. Er ist Solist an Gitarre und Gesang mit eigenen Liedern und Album „Correlates of Heart“. Sein filigranes Gitarrenspiel und eine sehr schöne Stimme zog uns in seinen Bann genauso wie seine Geschichten, die er vor und mit seinen Liedern erzählte. Bemerkenswert finde ich seine Erdverbundenheit, ausgedrückt in den Liedern über die Städte, in denen er aufwuchs und zeitweilig lebte, auch in dem Lied über seine Kindheit und die Erinnerungen an seinen Vater.



Nach kurzer Pause für Sauerstoff und Getränkenachschub waren Hello Piedpiper auf der Bühne für den Hauptteil des Abends.


Fabio war vor 4 Jahren mit seinem Album „Birdsongs = Warsongs“ solo auf Tour und bei uns zu Gast. In der Zwischenzeit haben wir ihn mehrfach gesehen und gehört und die Entwicklung zum neuen Album „Raucous Tide“ verfolgt. Unser heimlicher Wunsch, dass er dieses mit Band aufnehmen möge, ging in Erfüllung. Und dass er nun mit Band auf Tour ist und das Album vorstellt, empfinde ich als großes Glück für uns, denn es ist selten in diesen Zeiten, da eine Tour mit Band auch immer wieder ein finanzielles Wagnis für die Künstler ist. Hello Piedpiper spielten das gesamte Album im Verlaufe des Abends durchsetzt mit bekannten Liedern von Fabios Soloalbum. Es war ein musikalischer Leckerbissen. Songs, die die Strukturen von Strophe und Refrain so geschickt verstecken, dass sie kaum auffallen. Harmoniebrüche und unerhörte Wendungen. Lieder die einladen zum Augenschließen und uns mit auf Reisen nahmen. Kapitän Fabio brachte uns mit seiner Crew wohlbehalten über die rauen Gezeiten bringen. Wir fanden ein musikalisches Juwel, das durch die große Besetzung so richtig zum Leuchten gebracht wurde.



Es war ein würdiger Abend für das Jubiläum.




Aus unserem Archiv:
Hello Piedpiper, Dresden, 30.09.16
Hello Piedpiper, Pforzheim, 05.02.16
Hello Piedpiper, Karlsruhe, 26.10.14
Hello Piedpiper, Dresden, 06.09.14
Hello Piedpiper, Reutlingen, 22.04.14
Hello Piedpiper, Gießen, 21.04.14
Hello Piedpiper, Sindelfingen, 14.09.13
Hello Piedpiper, Karlsruhe, 07.06.13
Hello Piedpiper, Köln, 22.10.12 


Frida Lou, Adorf, 22.10.16 


Dienstag, 31. Oktober 2017

Konzerttips für Sachsen, November 2017

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Es wird kälter draußen und die Säle füllen sich. Das Angebot für den November ist riesig und bringt für mich 3 großartige Abende. In allen Städten gastieren wunderbare Künstlerinnen und Künstler und so ist sicher für jede und jeden etwas dabei.



Chemnitz
03.11. Herra Mäkikuisma @Kaffeesatz
03.11. Ridge Walk @aaltra
03.11. DOTA im Duett @Atomino
04.11. She Owl @Lokomov
06.11. Fox and Bone @Inspire
08.11. Grande Royale @aaltra
08.11. Sarah Lesch @Atomino
08.11. Beatconnect @Oberdeck
10.11. Fagelle @Atomino
10.11. lucid REM @ODRADEK
11.11. 18 Jahre Atomino @Atomino
17.11. Hello Piedpiper @Scala Adorf
17.11. Souht of Blue @aaltra
20.11. Joseph Myers @Inspire
22.11. South of Blue @Oberdeck
27.11. Bad Temper Joe @Inspire
30.11. The Hirsch Effekt @Atomino
30.11. Flut @Lokomov


Dresden
01.11. Fox and Bones @Blue Note
02.11. My Baby @Beatpol
03.11. Cor + Larrikins @Beatpol
03.11. Nashville Pussy @Scheune
04.11. Wednesday13 @Beatpol
05.11. Algiers @Beatpol
05.11. Mari Mana @Blue Note
08.11. Nighthawks @Jazzclub Tonne
10.11. The Vagrants @Blue Note
11.11. Versengold @Alter Schlachthof
11.11. Ansa Sauermann @Scheune
11.11. Intergalactic Lovers @Ostpol
12.11. Mark Lanegan Band @Beatpol
14.11. Carrousel @Beatpol
17.11. Wolves in the Throne Room @Beatpol
17.11. Crippled Black Phoenix @Scheune
18.11. Andrea Schröder @Beatpol
18.11. Oporto @Blue Note
21.11. The Dead South @Beatpol
23.11. Martin Kohlstedt @Beatpol
23.11. Ryan Tennis @Blue Note
25.11. Tenside + Brothers In Arms @Beatpol
28.11. Sophia @Beatpol
29.11. Flut @Beatpol


Leipzig
01.11. Helmut – o u r w a l l s @Horns Erben
02.11. Mari Mana @Horns Erben
02.11. Mogwai @Täubchenthal
02.11. Stefan Saffer @Pool Garden
06.11. Low Roar + Holden @UT Connewitz
06.11. Her @Neues Schauspiel
07.11. Amenra @Werk 2
07.11. Bonobo @Haus Auensee
08.11. Mister Me @Täubchenthal
09.11. Jante @Pool Garden
09.11. Manfred Maurenbrecher @Neues Schauspiel
10.11. Odd Beholder @noch besser leben
10.11. Meret Becker & The Tiny Teeth @UT Connewitz
11.11. Epic Fail @Täubchenthal
11.11. LOBA @Pool Garden
12.11. Van Holzen @Täubchenthal
13.11. Archive @Werk 2
13.11. Lotte @Täubchenthal
14.11. Triggerfinger @Werk 2
15.11. Bukahara @Werk 2
15.11. Jan Weiler @Täubchenthal
15.11. Scala & Kolacny Brothers @Haus Auensee
16.11. Hello Piedpiper @Horns Erben
16.11. BrewSebs @Pool Garden
17.11. Kofelgschroa @Horns Erben
19.11. Sierra Kidd @Täubchenthal
21.11. Stilbruch + Freunde @Täubchenthal
21.11. Asgeir @Werk 2
22.11. Vona @Täubchenthal
23.11. Zola Jesus @UT Connewitz
23.11. Lukus Meister @Pool Garden
23.11. Coppersky @Werk 2
23.11. Django 3000 @Täubchenthal
24.11. Andrea Schröder @UT Connewitz
24.11. Antiheld @Neues Schauspiel
24.11. David Judson Clemmons @die naTo
24.11. Julian Le Play @Täubchenthal
24.11. 108 Fahrenheit @Horns Erben
25.11. Waves of Joy @noch besser leben
26.11. Martin Kohlstedt @UT Connewitz
29.11. Still Trees @Pool Garden
30.11. Vera Jonas @Pool Garden
30.11. Thom And The Wolves @noch besser leben


Zwickau
01.11. Pippo Polina Trio @Alter Gasometer
03.11. Wiesner @Alter Gasometer
10.11. Keimzeit Akkustik-Quintett @Alter Gasometer


Reichenbach i.V.
02.11. Ove @HAPPENING by realitätsverlust
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Montag, 15. Mai 2017

Apples in Space, 13.05.17, Adorf

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Konzert: Apples in Space
Ort: Scala Adorf
Datum: 13.05.2017
Dauer: 100 min
Zuschauer: 25

Eine Art Heimspiel



Im September 2015 waren APPLES IN SPACE mit ihrem Debütalbum bereits in Bandbesetzung bei uns zu Gast und haben uns einen umjubelten Abend beschert. Damals haben wir sie entdeckt auf Tour mit Element of Crime und seitdem ins Herz geschlossen. Inzwischen sind füllen sie Clubs in ganz Deutschland. Daher war ich sehr stolz, dass die Berliner mit ihrem neuen Album im Gepäck extra für das Scala-Konzert nach Adorf gekommen waren. Und es sollte ein weiterer umjubelter Abend vor vollem Hause werden. In Windeseile waren das Auto entladen, die Bühne aufgebaut und der Soundcheck absolviert. Es blieb noch etwas Zeit für Kaffee und Kuchen, dann füllte sich die Scala bereits und wieder mussten die Bierbänke zusätzlich aus dem Keller geholt werden.


Wie schon vor wenigen Wochen in Leipzig begann die Band ihren Abend mit Songs vom ersten Album mit Ophelia als Opener. Ich hatte noch die Setlist von Leipzig und gab sie Phil als Gedankenstütze, die dann um 1-2 Lieder ergänzt zu einem der längsten Sets der Apples wurde.


Es folgten I was the moon, The old man and the country, Vespa bevor eingeleitet von Shame die neuen Songs an die Reihe kamen. Wieder ergab sich diese Reihenfolge als sehr spannungsreich für diejenigen, die die Alben kennen, da sich so die Erwartung auf die neuen Lieder steigerte. Gleichzeitig wachsen die älteren Songs am Spiel der Band und so klingt das ganze Set am Ende wie aus einem Guss. Frische und abwechslungsreiche Arrangements sorgten ebenso wie die Dramaturgie des Abends für anhaltende Spannung im Publikum. Das ist einfach ganz großes Kino, wie Jonathan nach dem ersten Drittel zu The house is empty now vom Schlagzeug zu den Tasten wechselt und Phil und Julie dann ein akustisches Set abliefern, um dann mit Upon this wave den Abend in kompletter Band souverän und ansteckend nach Hause zu spielen. Was zurückblieb waren Begeisterung und verzückte Blicke, was begann war eine lange Nacht an den Lagerfeuern der Seelen.


Als Phil, Julie, Janusz und Jonathan am Sonntag nach Hause fuhren, war es fast ein bisschen, als wenn die eigenen Kinder das Haus verlassen. Das Schöne an dieser Idee ist, dass sie ganz sicher mal wiederkommen.


Aus unserem Archiv:

Apples in Space, Adorf, 20.09.2015
Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.2015
Apples in Space, Köln, 03.03.2015
Apples in Space, München, 10.04.2013




Samstag, 22. April 2017

Apples in Space, Leipzig, 21.04.17

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Konzert: Apples in Space
Ort: Moritzbastei Leipzig
Datum: 21.04.2017
Dauer: 90min
Zuschauer: ca. 50



Erfrischend und erwachsen


Apples in Space sind eine meiner Lieblingsbands seit ihrem Gastspiel 2015 in unserem Wohnzimmer. Es braucht zur Begründung keine Worte, das Erlebte ist ausschlaggebend. 3 Wochen vor dem nächsten Konzert in der Scala haben Katrin und ich die Chance für einen Überraschungsbesuch in Leipzig genutzt. Die Apples sitzen im Innenhof der Moritzbastei und spielen sich ein. Nach dem kalten Ostern ist es der erste milde Nachmittag. Die Begrüßung ist pure Freude übers Wiedersehen und Freude auf dieses und die nächsten Konzerte. Ich bin heute sehr neugierig auf die Titel des neuen Albums, neugierig auf die Art ihrer Präsentation, bisher kannten wir ja nur den halbakustischen Wohnzimmerauftritt. Und das neue Album zeigt noch so viel mehr musikalische Einflüsse der Kollegen Janusz und Jonathan auf die Songs.



Das Fazit gleich vorweg: Die Apples haben sowohl mit dem neuen Album als auch auf der Bühne eine erstaunliche Entwicklung zu einer großen Band hinter sich. Da sind die Dramaturgie der Setlist, die abwechslungsreich arrangierten Songs des Abends, die die verschiedenen Aufmerksamkeitsspannen des Publikums bedienen und die Spannung immer wieder ansteigen lassen. Schon der Einstieg ins Konzert ist unüblich. Die meisten Bands starten mit Titeln ihres aktuellen Albums und holen dann die Fans mit den bekannten älteren Stücken erst später ab. Die Apples gehen den Abend genau andersherum an und erobern den Saal zunächst gleich mit 3 Titeln des 1. Albums (Apples in Space), bevor sie auf fulminante Art Fahrt mit den ersten Titeln des aktuellen Albums (The Shame Song) aufnehmen.



So geht es temporeich und schweißtreibend zum Mittelteil, den Julie und Phil nach einer Unterstützung von Jonathan an den Tasten dann allein bestreiten und die akustischen Momente Gänsehaut erzeugen (Manor Hotel).



Phil und Julie stehen im Scheinwerferkegel allein mit ihren teilweise herzzerreißenden Songs Paper Town und Upon This Wave. Da werden große Gefühle in eruptive Musik gegossen und ganz leise dargeboten. Ich bin berührt von der bewundernswerten Souveränität, die die beiden mit ihrer hochdramatischen Songarchitektur hier ausspielen. Sie bannen das Publikum dabei mit großen Gesten wie den Ausflügen von Phil und seiner Gitarre vor die Bühne oder Julies schmachtende Blicke in Phils Richtung.



Wieder vereint auf der Bühne treibt die Band den Abend in Richtung Ziel. Bei der Tour de France würde man von einer Bergankunft sprechen – hier zogen die Apples mit den letzten Titeln noch das Tempo an und ließen das Publikum in Nachhall der letzten Songdonner allein zurück im Saal, so schnell verließen sie den Raum.


Sie ließen sich dann auch nicht lange bitten, um für 2 Zugaben wiederzukommen, erst Phil und Julie zu zweit und mit einer ganz ruhigen Fassung von Ophelias Song. Den Schlusspunkt setzte die Band mit Tin Can Odyssey unter den grandiosen Abend einer Band, der ich nur allergrößte Aufmerksamkeit wünsche.



Fazit, zweiter Teil: Alte und neue Songs klangen für uns wie aus einem Guss. Die szenischen Schmankerl waren geschickt gesetzt und zeugten von einem großem Einfühlungsvermögen der Band und ihrer Kenntnis über die Wirkung ihrer Musik. Wie Janusz bestätigte, sind diese Punkte auch Gegenstand längerer Diskussionen, sicher ein Ausdruck der Sorgfalt, die die Band diesbezüglich gegenüber ihrem Publikum umtreibt.
Nach einem Schwatz über die Mühen in den Ebenen des Musikbusiness in der nicht mehr ganz so milden Leipziger Frühlingsnacht, sind Katrin und ich mit einem leuchten im Herzen wieder heimgefahren. Zum Glück für uns sind es diesmal nur 3 Wochen bis zum nächsten Konzerterlebnis mit Apples in Space.


Setlist
01. I Was The Moon *
02. The Old Man & The Country *
03. Vespa *
04. Shame **
05. All My Things **
06. November **
07. The House Is Empty Now *
08. Manor Hotel **
09. The Never Read Letter *
10. Paper Town *
11. Upon This Wave **
12. Because The Nights Are Empty **
13. Technical Failure **
14. Farewell, Little World *
15. Behind Closed Doors **

16. Ophelias Song (Z) *
17. (A Tin Can) Odyssey (Z) **

* vom Album “Apples in Space” (2015)
** vom Album “The Shame Song“ (2016)


Aus unserem Archiv
Apples in Space, Adorf, 20.09.2015
Apples in Space, Karlsruhe, 13.09.2015
Apples in Space, Köln, 03.03.2015
Apples in Space, München, 10.04.2013

 

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