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Mittwoch, 26. August 2015

Interpol, Wiesbaden, 25.08.15

2 Kommentare

Konzert: Interpol
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum: 25.08.2015
Dauer: Interpol gut 75 min, Abay knapp 40 min
Zuschauer: rund 1.200



Mit Interpol und mir ist das so eine Sache. Die ersten beiden Platten sind Teil des Weltkulturerbes und werden immer Lieblingsalben bleiben. Aber einige der Konzerte der New Yorker, die ich in den letzten Jahren gesehen habe, hatten nicht annähernd die Wirkung, die ihre Musik auf Platte auf mich hat. Mir geht das sonst immer nur umgekehrt. Ich habe es schon oft erlebt, daß mich Konzerte enorm begeistert haben, die Studioaufnahmen aber viel schwächer waren. 


Vor dem Konzert habe ich überlegt, wie oft ich Interpol schon live gesehen habe. So genau fiel mir das nicht ein. Als ich im Kopf recherchiert habe, kam dabei raus, daß mich ausgerechnet die drei Festival-Auftritte der Amerikaner richtig begeistert haben. Die Shows in großen Hallen (Köln, Dortmund) waren mau. Eigentlich hätte ich also wieder fahren müssen, ich stand schließlich gerade vor einer recht großen Halle. Als das Konzert drei Stunden später vorbei war, war die neuentdeckte Regel wieder futsch. Interpol hatten ein fantastisches Konzert gespielt, sie können das also auch jenseits von Festivals.

Die aktuell eingeschobenen Club-Konzerte gehören noch zur El Pintor Tour, also zur Tour zum aktuellen Album. Das Cover der Platte war auch riesig im Bühnenhintergrund zu sehen, bevor die Band erschien, danach verschwand es im Nebel. Das war durchaus sinnbildlich. Normalerweise ist es ja so, daß eine Band, die eine aktuelle Veröffentlichung promotet, viele Lieder davon spielt. Wenn das Album schwach ist, muß man als Fan da durch und auf die nächste Tour warten, bei der nur noch ganz wenige der Stücke im Programm geblieben sind. El Pintor ist nicht schwach. Daß Interpol auf ihrer El Pintor Tour nur vier Lieder der Platte spielen bedeutet also.. ich weiß es nicht. Vom vierten Album Interpol stand kein Lied auf der Setlist, elf der siebzehn Songs kamen von den ersten beiden Platten. Von den überragenden also. Aus Marketing-Gesichtspunkten sicher eine Katastrophe, aus meiner Sicht wundervoll! Daß das El Pintor Cover hinter der Bühne während des Konzerts also ausgeblendet war, war offenbar Teil des Konzepts.


Bei meinem letzten großen Interpol-Konzert im Januar im Kölner Palladium hatte die Band lustlos gewirkt. Einzig der mir damals neue Bassist war aktiv. Nur war auch das leider genau falsch. Er poste wie ein Luftgitarren-Weltmeister (oder Bon Jovi-Mitglied) und wirkte wie ein Fremdkörper in der stylishen Band, die die Kühle ihrer Musik auch so gut auf die Bühnenpräsenz überträgt. Ein Bass-Hampelmann passt da wirklich nicht ins Bild. In Wiesbaden gab es nichts an ihm auszusetzen. Er scheint, auch wenn das eine widerliche Floskel ist, angekommen zu sein. Oder man hat ihn entsprechend geführt.

Spätestens ab Evil war das Konzert perfekt. Die Songauswahl stimmte, der Ton war hervorragend, die Stimmung in der Halle perfekt. Vielleicht waren das auch die Gründe, warum Sänger Paul Banks so redselig war. Er sprach fast nach jedem Lied mindestens ein "thank you". Von routinierter Lustlosigkeit war nichts zu spüren. Daß das Konzert für eines dieser Größenordnung so angenehm war, liegt auch stark an der fabelhaften großen Halle des Schlachthofs. Außer der Rockhal in Luxemburg kenne ich keine Konzertsaal dieser Deimension, der so angenehm für Konzerte ist. Mir graut vor zweimal Morrissey in den Pest- und Cholera-Sälen Palladium und Hugenottenhalle. Veranstaltet alles in Wiesbaden, dann machen Großkonzerte auch Spaß!


In Köln mochte ich zwei meiner Lieblinge (Leif Erikson und Stella...) gar nicht, weil sie lustlos runtergerotzt waren. Im Schlachthof bekamen sie die Aufmerksamkeit der Band, die sie verdient haben. Beide Stücke gehörten zu den Highlights! Aber auch Slow hands, Untitled, Narc und wie sie alle heißen waren überwältigend gut. Daß My blue supreme von El Pintor dagegen abfiel und The new zwar ein großartiges aber nicht unbedingt konzerttaugliches Lied ist... geschenkt! 

Vor dem Konzert hatte der Roadie die Becken des Interpol-Schlagzeugs noch mit einem Staubtuch gesäubert. Interpol sind Perfektionisten, folgt daraus wohl. Das Wiesbaden-Konzert war nah dran an einem perfekten Auftritt der Band!

Setlist Interpol, Schlachthof, Wiesbaden:

01: Say hello to the angels
02: Anywhere
03: C'mere
04: My blue supreme
05: Evil
06: Leif Erikson
07: My chemistry
08: Everything is wrong
09: The new
10: Take you on a cruise
11: Length of love
12: Pioneer to the falls
13: Narc
14: Slow hands

15: Untitled (Z)
16: Stella was a diver and she was always down (Z)
17: All the rage back home (Z)


Vor Interpol spielte Aydo Abay mit seiner neuen Band Abay. Ich muß gestehen, daß Aydos frühere Gruppen Blackmail und Ken zu meinen irrwitzig vielen Musiklücken zählen. Abays Musik (die der Band) ist Post Pop, sagt der Sänger. Sie ist aber vor allem alles andere als langweilig oder schlecht. Mir gefielen die vierzig Minuten sehr gut. Aydos tolle Stimme prägt die Musik, die lebt aber nicht nur von ihr. Das taugte sehr viel und hatte immer mal wieder Interpol-Momente, wenn vor allem bei den ersten Stücken schnell gespielte Gitarren zum Einsatz kamen. Gucke ich mir wieder an! 

Links:


- aus unserem Archiv:
- Interpol, Barcelona, 28.05.15
- Interpol, Köln, 25.01.15
- Interpol, Hilvarenbeek, 20.06.14
- Interpol, Saint Cloud, 28.08.11
- Interpol, Barcelona, 26.05.11
- Interpol, Paris, 15.03.11
- Interpol, München, 12.03.11
- Interpol, Dortmund, 22.11.10
- Interpol, Paris, 17.09.10
- Interpol, Montreux, 16.07.08
- Interpol, Brüssel, 23.11.07
- Interpol, Paris, 21.11.07
- Interpol, Köln, 19.11.07
- Interpol, Hohenfelden, 17.08.07
- Interpol, Köln, 11.05.07
- Interpol, Paris, 10.05.07



Freitag, 15. Mai 2015

Motorama, Wiesbaden, 13.05.15

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Konzert: Motorama
Ort: Schlachthof, Wiesbaden (Kesselhaus)
Datum: 13.05.2015
Dauer: knapp 75 min
Zuschauer: ca. 220

 

Eigentlich wollte ich kommende Woche in Macclesfield Peter Hooks Gedenken an seinen vor 35 Jahren gestorbenen Frontmann Ian Curtis ansehen. Der Bassist wird in der Christ Church von Macclesfield alle jemals aufgenommenen Joy Division Stücke spielen. Daß ich nicht hinfahren kann, habe ich zwar sehr bedauert, ein Motorama-Konzert rückt meine Musikwelt aber schnell wieder zurecht.

Die Joy Division- (oder Smiths- oder Cure- oder Interpol- oder was auch immer-) Referenzen nerven Motorama sicher sehr. Sie sind auch unnötig, weil die russische Band ebenso einen eigenen Stil hat wie jede der angeblichen Blaupausen (und im Gegensatz zu Peter Hook & The Light hat Motorama einen Sänger, der gleichzeitig singen und Bass spielen kann).

Ich frage mich immer, was Motorama als Liveband so reizvoll macht. Ich habe die Russen vor zwei Jahren zum ersten Mal gesehen und seitdem keines ihrer Konzerte in Reichweite (und das ist ein dehnbarer Begriff) ausgelassen. Trotzdem haben deren Auftritte keinen Deut Reiz eingebüßt. Meine Vorfreude war also wieder riesig, obwohl die letzten Motorama Gigs gerade mal drei Monate her sind.


Im Februar war die Band aus Rostow am Don erstmals ohne Bassistin auf Tour. Die Frau von Sänger Vlad hat ein Kind bekommen und ist vorübergehend ausgestiegen. Die beiden bisherigen Gitarristen Vlad und Maxim teilen sich seitdem den Bass-Job. Spätestens beim zweiten Konzert in der neuen, kleineren Konstellation fehlte mir nichts mehr. Ob es Stücke gibt, die Motorama mit nur einer Gitarre nicht spielen können, weiß ich nicht. Vor der letzten Tour war die dritte Platte der Band (Poverty) erschienen, deren Lieder den Großteil der Konzerte ausmachen. Dafür sind viele alte Lieblinge aus dem Programm geflogen. Da Poverty aber wieder ein großer Wurf ist, ist das gut und gerne zu verkraften!


Seit Mittwoch sind Motorama wieder in Deutschland auf Tour. Am Samstag hatte die Band noch in Mexiko gespielt - am Ende einer Süd- und Mittelamerika-Tour, während der sie einige Male in Lima aufgetreten ist (vor bis zu 1.000 ausflippende Fans). Vom Anreise-Streß (Mexiko-Paris-Wiesbaden) war nichts zu merken, als die vier Musiker um viertel nach neun auf die Bühne des neuen Kesselhauses im Wiesbadener Schlachthof kamen. Wie üblich ging der Soundcheck ganz pragmatisch ins erste Lied über. Wären Motorama keine so großartige Band, wäre das (und die fehlenden Ansagen vielleicht) ein wenig störend, aber die Frage stellt sich ja nicht.


Das Kesselhaus, das die baufällige Räucherkammer als kleinen Saal des Schlachthofs abgelöst hat, ist ein wundervoller Konzertort, auf Anhieb ein neuer Lieblingsclub. Es war wohl nicht ganz ausverkauft, der Saal war aber fast voll. 

Motorama spielten am Anfang das gleiche Set wie bei den Konzerten im Februar. Impractical advice und Corona vom neuen Album, die ich beide schon sehr liebe, dann der große Hit To the south, Dispersed energy und Red drop von Poverty und dazwischen die Single She is there. Alles ohne große Pause nacheinander. 

Nach Red drop wurde es anders. Und spannend. Motorama haben einen riesigen Output an Veröffentlichungen (drei Alben, zwei EPs, mehrere Singles) und spielen regelmäßig trotz des riesigen Katalogs auch B-Seiten (heute Special day). Das Lied nach Red drop war aber neu, ich kannte es wenigstens nicht. Später kam noch ein zweites neuen Stück (mit "laaalala"-Text am Ende). Das erste neue Lied klang, als stamme es von der neuen Platte, es war toll! Der große Knüller war aber das zweite Stück, hoffentlich spielen das Motorama jetzt regelmäßig!

Neben den ganz besonderen Lieblingen To the south, Rose in the vase, She is there waren Special day und Heavy way die besten Lieder - ach, das ist albern, alle sind sagenhaft toll. Und sie klangen so gut wie nie! Motorama hatten kaum Equipment neben den Instrumenten mitgenommen. Sie spielten nicht vor Verstärker-Wänden, die Bühne sah eher so aus wie bei einer Vollplayback-Aufnahme einer Fernsehsendung, weil sie fast leer war. Auch wenn das My Bloody Valentine und J Mascis anders sehen, es braucht keine mannhohen Boxentürme für ordentlich Dampf!

Bei During the years flippte Vlad für seine Verhältnisse extrem aus. Er schrammelte mindestens eine Saite seiner Gitarre durch, was die Zugaben beeinflusste. Sie könnten nur noch ein Lied mit Bass und Keyboard spielen. Das wurde das herrlich monotone und düstere Write to me. Dabei stand Vlad lange am linken Bühnenrand, er hatte ja nichts zu tun, bevor der Gesang einsetzte.


Ich freue mich zwar wieder darauf, wenn Bassistin Irene Parshina* wieder dabei ist, die Band hat auf ihre Mutterschutz-Pause aber perfekt reagiert, indem Vlad (bei den meisten der Lieder) und Maxim (beim Rest) Bass spielen.

Müssen wir euch noch auffordern, Motorama in den nächsten Tagen anzugucken? Sicher nicht, oder?


Setlist Motorama, Schlachthof, Wiesbaden:

01: Impractical advice
02: Corona
03: To the south
04: Dispersed energy
05: She is there
06: Red drop
07: neu
08: Heavy wave
09: Lottery
10: Rose in the vase
11: Old
12: Similar way
13: Special day 
14: neu
15: Ghost
16: Alps
17: During the years

18: Write to me (Z) 

Tourdaten Motorama, Mai 2015:

15.05.15 Berlin (Magnet) 

16.05.15 Dresden (Beatpol) 
17.05.15 Jena (Café Wagner) 
18.05.15 Münster (Gleis 22) 
19.05.15 Nürnberg (K4 Zentralcafé) 
20.05.15 Köln (Blue Shell) 
21.05.15 Oberhausen (Druckluft) 
22.05.15 Mannheim (Maifeld Derby Festival) 
23.05.15 Krems (AT) (Jazzkeller)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Motorama, Straßburg, 14.02.15
- Motorama, Esch-sur-Alzette, 11.02.15
- Motorama, Frankfurt, 03.06.14
- Motorama, Mannheim, 31.05.14
- Motorama, Luxemburg, 26.02.14
- Motorama, Paris, 13.12.13
- Motorama, Köln, 25.09.13
- Motorama, Paris, 19.09.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Esslingen, 05.03.13
- Motorama, Paris, 25.02.13
- Motorama, Paris, 27.11.12 


* oder Irina? Bei Instagram heißt sie Irene




Dienstag, 18. November 2014

The miserable rich, Wiesbaden, 17.11.14

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Konzert: The miserable rich
Ort: Räucherkammer im Schlachthof Wiesbaden
Datum: 17. November
Dauer: etwa 120 min
Zuschauer: etwa 150


English version...
 
Das letzte Album von The Miserable Rich ist voller Geistergeschichten. Nun sind sie auf kurzer Geistertour durch deutschsprachige Gebiete: Sonntag Hannover, Montag Wiesbaden, Dienstag Nürnberg und Mittwoch Graz. Ich spreche von einer Geistertour, weil sie sich schon 2013 von der Bühne verabschiedet und The Miserable Rich zu Grabe getragen hatten. Aber ich kann hier schon verraten: Ihr Konzert in Wiesbaden war genau so (wenig) gespenstisch wie die Musiker miserable sind.


Der Konzertabend begann schon sehr viel versprechend. Während sich die Schlange vorm Eingang zur Räucherhalle zu bilden begann, tönte es von drinnen lautstark: Ringing the Changes war unsere Musikuntermalung und zauberte allen ein Lächeln ins Gesicht. Gleichzeitig war es die Bestätigung, die richtige Wartegemeinschaft gefunden zu haben (vorher hatte ich mich schon einmal versehentlich für Maxim eingereiht). Den Gesprächen konnte man entnehmen, dass hier viele Fans auf einen besonderen Abend warteten und in der Stunde bis zum Konzertbeginn füllte sich die Räucherkammer sehr gut. Vor der Bühne waren drei Bankreihen aufgestellt, dahinter und an der Bar stand man dicht an dicht.


Ich hatte die Gruppe aus Südengland beim Orange Blossom Special 2012 in Beverungen in mein Herz geschlossen. Sie standen am ersten Abend als letzte auf der Bühne und legten eine so leichtfüßige und zugleich heißblütige Show hin, dass ich mich sofort verliebt hatte. Als nun die kleine Abschiedstour angesagt wurde, hatte ich mir den Abend in Wiesbaden gleich fest vorgemerkt. Die Gelegenheit wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Seither war meine Vorfreude ständig gestiegen. So ging es wohl nicht wenigen im Raum. Als  kurz nach 20 Uhr die Musiker die Bühne betraten wurden sie jedenfalls mit lautem Jubel willkommen geheißen:

Jim Briffett: Guitarre
Rhys Lovell: Kontrabass
James de Malplaquet: Gesang
William Calderbank: Cello
Martin Deering: Schlagzeug

Mike Siddell: Violine

Musikalisch begannen sie das Konzert sozusagen ganz am Anfang - das erste Stück der ersten Platte. Mit den so markanten Streichern. Und von ebendieser Scheibe gab es über den Abend verteilt noch sechs weitere Songs, die noch genauso toll sind wie vor Jahren und denen man anmerkt, dass sie sich seitdem auch weiterentwickeln durften.



Zunächst sah es danach aus, als wollten sie ihr nettes und eigentlich auch typisches Geplänkel sehr beschränken. An einem Montag wöllten sie die Geduld des Publikums nicht überstrapazieren und uns bald wieder heimschicken können. Trotzdem waren die knappen Ansagen allesamt sehr lustig. James versuchte es über weite Strecken mit deutsch und machte sich lustig über die reichen Wiesbadener, deren weggeworfene Möbel noch gut genug sind, um in Berlin verkauft zu werden. Da wären sie im Schlachthof wohl bestens aufgehoben. Einigen Spott mussten wir Deutschen für den Ausdruck Affengeil einstecken.


Erst sehr spät durfte Will eine seiner unnachahmlich mäandernde Geschichten erzählen und wurde natürlich lachend dafür zurechtgewiesen. Unerwartet gab es zu den Trennungsliedern aus dem Publikum einen Wunsch: Glückwünsche für ein Goldenes Hochzeitspaar. Als die sechs Musiker die Summe der Jahre ihrer längsten Beziehung zusammenzogen, gab das ziemlich viel weniger als 50 Jahre und ehrliche Bewunderung für die Jubilare.



In der notierten Setlist hatte ich schon viele mir liebe Lieder entdeckt und so verging das Set eigentlich viel zu schnell und sprang für mich persönlich fast nur von Höhepunkt zu Höhepunkt: Chestnut Sunday, Laid up in Lavendar, Let me fade und On a certain night - dann Oliver. Das Finale war gut inszeniert auf den Knaller Under Glass hin, der mit ordentlich Bums abgefeiert wurde. "Our last song" angekündigt, aber wer das glaubt, glaubt wohl jeden Mist ... Wir waren ja ohnehin schon klüger, denn Ringing the Changes war noch nicht dran gewesen. Und so wurde die Band noch einmal herausgebeten für zwei schmissige Hits. 


Danach war aber noch niemandem nach Tschüss sagen. Die Band kam von der Bühne und zelebrierte Pisshead und Muswell. Nicht wenige stimmten beherzt mit ein. Aber am Rande war inzwischen die Unruhe schon ziemlich groß, sodass die Innigkeit hier ein bisschen litt. Die Band versuchte, nun einen Schlussstrich unter den Abend zu ziehen, musste sich aber doch noch einmal  für zwei weitere akustische Stücke ins Publikum begeben.


Erst danach zerstreute sich die Schar in alle Winde um die Mär unserer deutsch-englischen Walpurgisnacht mit den Männern aus Brighton in die Welt zu tragen.

Setlist:
01: Early Mourning
02: Pegasus
03: Chestnut Sunday
04: The time that's mine
05: Boat Song
06: For a day
07: Laid up in Lavendar
08: The Mouth of the Wolf
09: Let me fade
10: On a certain night
11: Oliver
12: Tramps
13: Over and Over (Hot Chip-Cover) 
14: Under Glass

15: Monkey (Z)
16: Ringing the Changes (Z)
17: Pisshead (Z, im Publikum)
18: Muswell (Z, im Publikum)

19: Button my lip (Z, im Publikum)
20: Imperial Lines ? (Z, im Publikum) 

Aus unserem Archiv: 

The Miserable Rich, Beverungen, 25.05.12
The Miserable Rich, Mannheim, 19.05.12
The Miserable Rich, Paris, 01.06.09


Alle Fotos:


Samstag, 3. Mai 2014

We Invented Paris, Wiesbaden, 24.04.14

2 Kommentare

Konzert: We Invented Paris
Ort: Schlachthof, Wiesbaden (Räucherkammer)
Datum: 24.04.2014
Dauer: 85 Minuten
Zuschauer: ca. 120



We Invented Paris ist eine Band, deren Bekanntheit und Erfolg ich nicht so recht einschätzen kann. Ich sah die jungen Schweizer erstmalig beim Maifeld Deby 2012, mittlerweile ist schon ein zweites Album erschienen. Der Schlachthof hatte ihnen als Konzertsaal die kleine "Räucherkammer" zugedacht, was nicht dafür sprach, dass mit gewaltigem Andrang gerechnet wurde. Der kleine Saal füllte sich dann immerhin bis zum Auftritt der Vorband Abel & Cain recht ordentlich. Zu besagter Vorband habe ich wenig zu sagen, ihre Musik erschien mir belanglos und das Publikum geradezu übertrieben freundlich gesinnt - obwohl von Begeisterung wenig zu spüren war, kam man den Jubelaufforderungen des Sängers höflich nach und posierte bereitwillig mit dem Tourmaskottchen, einem Weinkühler.



Als dann - leider erst gegen 22 Uhr - We Invented Paris die Bühne betraten, stieg die allgemeine Begeisterung deutlich an, und gerade in den ersten Reihen fanden sich zahlreiche textsichere junge Mädchen, die offensichtlich Sänger Flavian Graber ziemlich gerne mochten. Man kann also festhalten: We Invented Paris haben eine deutsche Fanbasis.

Was dann folgte, war neben einem Konzert auch so eine Art Medley aller Extras, die man in einem Konzert als Band auf einmal bringen kann: Nach "Sleeptalker", zu dem Gitarrist Bruce Klöti und Bassist Fabian Langer den Rhythmus auf Holzkisten schlugen, erzählte Sänger Flavian Gerber zu den folgenden Liedern einfach ein bisschen, etwa, über den schweizerischen Wissenschaftler Auguste Piccard aus dem gleichnamigen Lied, oder (vor "Mont Blanc") darüber, dass man als Promotion für das zweite Album "Rocket Spaceship Thing" in Karlsruhe Luftballons mit Postkarten aufsteigen ließ, deren Finder das Album umsonst bekommen sollten - und die sich sogar aus Schweden und Italien meldeten.



Zu "Bubbletrees" bekamen wir dann selbst Ballons, die massenhaft Richtung Publikum geworfen wurden und während des Songs in der Luft gehalten werden sollten, was auch sehr eifrig beherzigt wurde. In einem derart kleinen Raum führte das zu echtem Stress und einer Art Massentanz.

Nachdem uns vor "Bohème", dessen französischer Refrain mir seltsamerweise noch heute, drei Tage später, im positiven Sinne durchs Gehirn spukt - vielleicht, weil er so oft wiederholt und besonders eifrig mitgesungen wurde - erzählt worden war, dass We Invented Paris ihre Musik zu Beginn im Rahmen von Wohnzimmerkonzerten bekannt gemacht hatten, wurde es nach dem ebenfalls augelassenen "Philosopher" Zeit für eine weitere Abwechslung: Die Band verließ die Bühne, und Flavian gab in der Mitte des Raums und alleine, an einem Akkordeon, das er sich angeblich vor acht Jahren geliehen hatte, "Requiem" zum besten. Dafür hatten sich nahezu alle Zuschauer auf den Boden gesetzt.



Danach ging es zurück auf die Bühne, wo mit "Treeless", "Polar Bears", "Farmer" und "Iceberg" noch vier weitere Songs vorgetragen wurden, dann war aber natürlich noch nicht Schluss.

Mit "Zeppelins" kehrte die Band nochmals zurück auf die Bühne und spielte mit "Nothing to say" und "More" noch zwei weitere Songs, wobei das Quartett zu "More" zunächst gemeinsam das Schlagzeug bearbeitete und Flavian selbst im Publikum mittanzte. "More" wollte anschließend auch das Publikum und erklatschte einen weiteren Song, den We Invented Paris gemeinsam wieder in der Mitte des Raums a capella vortrugen, nämlich "Silence" - auch hier war der Name Programm, denn anschließend war endgültig Schluss - nicht ohne die Aufforderung, das neue Album am Merchandisestand zu kaufen, an dem es auch "so Hipsterkram" zu kaufen gebe, und herzlichen Dank an Soundmann, Vorband, Management und Publikum.

Insgesamt ein schöner Konzertabend mit einer freundlichen Band, der nur vielleicht allzuviel Abwechslung zwischen schnellem Abrocken auf der Bühne und a capella-Stücken aufwies.



Setliste We Invented Paris, Schlachthof, Wiesbaden:

01: Sleeptalker
02: A View That Almost Kills
03: Auguste Piccard
04: Everyone Knows
05: Dance On Water
06: Mont Blanc
07: Bubbletrees
08: Bohème
09: Philosopher
10: Requiem
11: Treeless
12: Polar Bears
13: Farmer
14: Iceberg

15: Zeppelins (Z)
16: Nothing To Say (Z)
17: More (Z)

18: Silence (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
We Invented Paris, Mannheim, 19.02.14
- We Invented Paris, Rüsselsheim, 20.07.12
- We Invented Paris, Rüsselsheim, 20.07.12
- We Invented Paris, Mannheim, 19.05.12

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht




Mittwoch, 2. April 2014

Franz Ferdinand, Wiesbaden, 30.03.14

1 Kommentare

Konzert: Franz Ferdinand
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum:30.03.2014
Dauer: Franz Ferdinand 100 Minuten, Teleman 25 Minuten
Zuschauer: ca. 2000 (ausverkauft)





Franz Ferdinand war eine dieser Bands, bei denen ich irgendwie bereits unbesehen wusste, dass mir musikalisch gefallen würde, und ihr erstes Album leitete 2004 für mich eine Erneuerung meines Interesses an aktueller Musik ein. Viele der spannenden Bands im Kielwasser des "Kaiser Franz" sind längst wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden - beispielsweise spielten am selben Abend We Are Scientists im kleinen Kölner Luxor. Von etlichen dieser Bands kommt auch einfach nichts sonderlich Gutes mehr. Anders bei Franz Ferdinand, ihre Alben weisen eine relativ gleichbleibend hohe Qualität auf, und sie schaffen es nach zehn Jahren immerhin noch, den Schlachthof auszuverkaufen.



Dass seit dem Debütalbum mittlerweile zehn Jahre ins Land gegangen sind, konnte man am Publikum erkennen: Die Studenten von heute hören offenbar etwas anderes, hier waren die Berufstätigen angerückt. Und vielleicht wegen des etwas fortgeschrittenen Altersdurchschnitts im Publikum gab es beim ausverkauften Konzert fast überhaupt nicht gedrängelt - die meiste Zeit konnte ich in der dritten Reihe vor der Bühne prima sehen.




Zunächst befanden sich dort nicht Franz Ferdinand sondern Teleman, ein Nachfolgeprojekt der britischen Band Pete and the Pirates. Ich hatte die Vorgängerband vor einigen Jahren im Rödelheimer Yellowstage gesehen und war nicht sonderlich beeindruckt gewesen. Teleman ist Pete and the Pirates minus zwei Personen, und auch ihre Musik konnte mich nicht packen.

In etwa 30 Minuten spielte die Band, nachdem uns Sänger Thomas Saunders mit "Hello Weisbaden! [sic] begrüßt hatte, sieben Titel. Sicherlich stammten viele davon vom Debütalbum "Breakfast", das erst am 26. Mail erscheint. Teil des Sets waren die Single "Cristina" und zum Schluss "Lady Low" und "Steam Train Girl", für eine detaillierte Setliste reichen meine Kenntnisse - und mein Interesse - nicht.


Andere finden Teleman aber extrem super, denn nicht nur wurden sie später lobend von Franz Ferdinan-Sänger Alex Kapranos erwähnt, sie haben es in der jüngeren Vergangenheit auch ins Vorprogramm von Suede und in Großbritannien auch vor Metronomy geschafft.

Nach dem Ende des Teleman-Sets wurde der hintere Teil der Bühne enthüllt, in dessen Mitte sich die Projektion einer gewaltigen stilisierten Uhr befand, um diese herum konnte man links und rechts jeweils eine Dia-Imitation eine Flughafen-Abflugtafel sehen, auf der stellenweise nach und nach Flughafenkürzeln aufleuchteten.


Als dann das schottische Quartett die Bühne betrat, musste ich sofort an dessen angeblichen Kunsthoschschul-Hintergrund denken (Wikipedia weiß nichts dazu, die Setliste in Comic Sans spricht irgendwie auch dagegen ...), denn alle vier trugen an sich individuelle, aber sehr seltsam schwarzweiß gemusterte Kleidung. Wann hatte ich eigentlich zum letzten Mal eine Band mit deutlich als solchen erkennbaren "Bühnenoutfits" gesehen? Da fällt mir nur Erdmöbel ein.

Vorab hatte mein Freund bereits vergangene Setlisten recherchiert und mir gesagt, die Reihenfolge der Songs des Abends stünde im Grunde fest, nur "Darts of Pleasure" werde eventuell zu einem anderen als dem vornotierten Zeitpunkt gespielt. Diese Ankündigung sollte sich als größtenteils korrekt erweisen jedoch anders als erwartet - später mehr dazu.


Mit diesem scheinbaren Wissen achtete ich zunächst nicht weiter auf die im Smartphone vorab gespeicherte Liste, denn das auf der Bühne Gebotene schien damit übereinzustimmen: Alte Hits, neuer Hits und immer wieder beim Beginn eines neuen Songs der Gedanke "Ach stimmt, das Lied haben die ja auch! Schön!" Franz Ferdinand begannen äußerst temporeich: "Bullet", "The Dark of the Matinée", "Tell Her Tonight", "Evil Eye", "No You Girls" und "Do You Want To" jagten einander. Gut, dass das Tempo anschließend bei "Fresh Strawberries" und "Walk Away" ein wenig reduziert wurde.


Die Band schien ausgesprochen - mit Ausnahme des Bassisten Bob Hardy - gut gelaunt und geradezu übermotiviert, gesprochen wurde aber abgesehen von dem bereits erwähnten Teleman-Lob wenig. Nick McCarthy wechselte immer wieder zwischen seiner Gitarre und einem Keyboard und sang auch ausgiebig mit - dass am Anfang von "Tell Her Tonight" seine Stimme zu hören ist, war mir vor dem Konzert gar nicht bewusst. Nach "Stand on the Horizon" wechselte er für vier Lieder komplett ans Keyboard.

Als in der Mitte des Sets "This Fire" angestimmt wurde, stupste mein Freund mich an - anders als ich hatte er gemerkt, dass hier eine deutliche Abweichung von unserer angenommenen Setliste vorlag, in dieser war der Song nämlich erst bei den Zugaben aufgetaucht. Die in Wiesbaden gespielte Version war extra lang und ein Highlight des Abends. Alex und Nick animierten das Publikum zum Mitsingen und ließen ähnlich wie zu Beginn des Konzertes nun wieder einen X nach dem anderen folgen: "This Fire", "Take Me Out", "Love Illumination", "Michael" und "Ulysses".


Bei dieser einen Änderung der Setliste blieb es aber nicht, denn nachdem die Band ihr Set mit "Outsiders", zu dem alle Mitglieder gemeinsam aufs Schlagzeug eindroschen (scheint momentan irgendwie Trend zu sein, bei Radiohead und The Notwist wurde das auch so gemacht), beendet hatte, begannen die Zugaben ganz normal mit "Right Action", dann ergriff Nick das Wort - auf Deutsch: "Wir haben jetzt noch etwas ganz Besonderes für Euch vorbereitet. Vielleicht habt Ihr es ja schon gehört: "Erdbeermund"!


Und so spielte die Band die abgedrehte, deutschsprachige, von Nick gesungene B-Seite zu "Wild Starwberries", für die Alex ans Keyboard wechselte, wobei das Publikum eher verwirrt als begeistert schien. Aber immerhin, mir gefällt es, wenn Bands von ihrer Setliste abweichen und etwas anders machen, statt jeden Abend genau das Gleiche durchzuziehen. Und eine Live-Premiere eines Liedes hat man auch nicht jeden Abend (für uns war es in dieser Woche allerdings schon das zweite Livedebüt eines Songs).


Wegen "Erdbeermund" musst aber wohl "Darts of Pleasure" mit seinem deutschen Quatschtext "Ich heiße superphantastisch, ich trinke Schampus mit Lachfisch" von der Setliste weichen, vielleicht wäre es für die Band sonst allzuviel des Deutschsprachigen gewesen. Das Set endete mit "Jacqueline", das irgendjemand gewidmet wurde, der es gecovert hatte, dann folgte als letztes Lied sehr passend "Goodbye Lovers & Friends" mit seiner letzten Textzeile "Goodbye lovers and friends… you can laugh as if we’re still together but this really is the end".

Mit dem Konzert haben Franz Ferdinand bewiesen, was eigentlich auch zu erwarten gewesen war: Die Band veröffentlicht nach wie vor tolle neue Songs, die alten sind aber ebenfalls überhaupt nicht abgenudelt oder peinlich. Die Band hat offensichtlich nach wie vor Spaß an dem, was sie tut und kann damit ihr Publikum begeistern. Beim nächsten Mal möchte ich aber bitte gerne auch noch "Darts of Pleasure" hören ..


Setliste Franz Ferdinand, Schlachthof, Wiebaden:

01: Bullet
02: The Dark of the Matinée
03: Tell Her Tonight
04: Evil Eye
05: No You Girls
06: Do You Want To
07: Fresh Strawberries
08: Walk Away
09: Stand on the Horizon
10: Can't Stop Feeling
11: Auf Achse
12: Brief Encounters
13: Lucid Dreams
14: This Fire
15: Take Me Out
16: Love Illumination
17: Michael
18: Ulysses
19: Outsiders

20: Right Action (Z)
21: Erdbeermund (Z)
22: Jacqueline (Z)
23: Goodbye Lovers & Friends (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Franz Ferdinand, Köln, 12.03.14
- Franz Ferdinand, Barcelona, 31.05.12
- Franz Ferdinand, Minehead, 11.12.10
- Franz Ferdinand, Paris, 17.03.09
- Franz Ferdinand, Köln, 14.03.09
- Franz Ferdinand, Stockholm, 15.11.08
- Franz Ferdinand, Melt!, 19.07.08

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Freitag, 28. Februar 2014

The Notwist, Wiesbaden, 24.02.14

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Konzert: The Notwist
Ort: Schlachthof Wiesbaden
Datum: 24.02.2014
Dauer: The Notwist 110 min, Aloa Input gut 40 min
Zuschauer: ca. 1300


Alle guten Dinge sind vier: The Notwist im Wiesbadener Schlachthof




The Notwist habe ich in den letzten Jahren bereits dreimal live gesehen, genauer gesagt in Frankfurt, Düsseldorf und beim Mannheimer Maifeld Derby. Obwohl mir die Konzerte stets gut gefallen haben, fand ich es immer eher schwierig, etwas Sinnvolles darüber zu schreiben. Nun habe ich meinen vierten Auftritt am vierten Veranstaltungsort erlebt, dieses Mal im Wiesbadener Schlachthof. Das Besondere dieses Mal: Die Band hat mittlerweile ein brandneues Album, Close to the Glass. Einiges daraus konnte man bei den letzten beiden Konzerten schon live auf der Bühne hören, aber jetzt ist das Material komplett und "offiziell". Zum anderen stellte Wiesbaden den Eröffnungstermin einer längeren Tournee da und bot somit quasi die "Premiere" der Platte nach ihrem Erscheinen.




Im Schlachthof begegneten wir zunächst einem altersmäßig etwas fortgeschrittenen Publikum und dann der Vorband Aloa Input. Die drei jungen Männer senkten nicht nur den allgemeinen Altersdurchschnitt, sondern hatten auch eine sehr nette Bühnendeko, die aus drei Aufstell-Leinwänden bestand, auf die Beamer Verschiedenes - wie einstürzende Hochhäuser, wachsende Blumen oder schwimmende Fische - projizierte. Cico Beck, Marcus Grassl und Florian Kreier waren jedoch selbst auf der sehr dunkel gehaltenen Bühne kaum zu erkennen.



Musikalisch wusste die Band auch zu unterhalten und erinnerte mit manchen Songs etwas an They Might Be Giants oder den noch folgenden Hauptact. Ihre Musik wird häufig mit dem Begriff "New Weird Bavaria", umschrieben, jedoch war die Live-Darbietung nicht so schräg und seltsam wie auf ihrem Debütalbum "Anysome". Einen ihrer Songs, "Rubbish", mussten sie allerdings zweimal anfangen. Nach ihrem Set sah ich Aloa Input am Bühnenrand stehen und begeistert den Auftritt der Hauptband beobachten.





Ich habe immer Probleme, wenn mich helle Lichter anblinken, das hatte aber leider vorab niemand The Notwist verraten. Die Bühne war zum einen mit Scheinwerfern dekoriert, die zu verschiedenen Zeitpunkten farbige "Lichtstreifen" an die Decke warfen. Farblich besonders stimmig bei "Neon Golden". Zum anderen gab es auch noch eine Art Stehlampen mit zeitweise blinkenden Leuchtdioden, die zwar eigentlich ganz gut aussahen, deren Licht bei Einsatz mich aber regelmäßig zwang, den Blick zu senken.





Dabei ist The Notwist ja durchaus eine Band, bei der es viel zu sehen gibt: Da werden zwischendurch (etwa bei This Room") Platten aufgelegt (sogar mehrere übereinander), zwei Geigenbögen parallel am Vibraphon eingesetzt, und selbstverständlich nutzte Martin Gretschmann, vor allem bei Titeln aus dem Album "Neon Golden", auch wieder seine modifizierten Wii-Controller zur Steuerung seines Equipments.





Nach den ersten Titeln "They follow me" und "Close to the glass", beide vom neuen Album, folgte mit "Kong" die aktuelle Single, die live beim Publikum sehr gut ankam und deutlich dynamischer war als in der Studio-Version. Wenig später wurde auch das neue "Into another tune" anders, weil sehr lang ausgespielt. Die Evergreens "Neon Golden" und "Pilot" flossen, quasi als Doppellied ohne Unterbrechung, ineinander über, wobei "Pilot" an sich auch munter zwischen der regulären Version und dem "Different Cars And Planes"-Remix hin und her sprang. Hier wurde es mitunter so elektronisch und beat-lastig, dass man sich an Underworld erinnert fühlte. Andererseits steigerten sich "Gloomy planets" und "Gravity" zu gitarrig-noisigen Höhepunkten und zeigten die andere Seite von Notwist auf.





Nach "Gravity" verließ die Band das erste Mal die Bühne, ließ sich aber bereitwillig zurückrufen und spielte noch drei weitere Songs, darunter das hinter mir sehr lautstark geforderte "Consequence". Andere Zuschauer hatten jedoch weitere Wünsche, die ich nicht so recht verstand. Als die Band abermals weggegangen und zurückgekehrt war (die geschriebene Setliste endete nach "Consequence"), wurden wieder besonders laut Liedtitel gerufen, in meiner direkten Nachbarschaft rief jemand "Spielt mal was Lautes, oder seid Ihr dafür zu alt??". Die Band war sichtlich unentschlossen und wechselte Blicke, schließlich sagte Markus Acher, man werde es versuchen (jemand im Publikum rief "Das ist wie Fahrradfahren!"), bei Textschwierigkeiten müsse das Publikum eben helfen. Es folgten mit den krachigen "One dark love poem" und "Puzzle" die mit 19 und 22 Jahren ältesten Titel des Abends. Die Band hatte mit der unvorbereiteten Darbietung, der sich noch "Chemicals" (auch schon 16 Jahre alt) anschloss, offenbar keinerlei Probleme, allerdings gefiel mir dieser Teil des Sets musikalisch am wenigsten - wobei mich die Spontaneität der Band sehr beeindruckte und das Konzert "besonders" machte.





Nachdem das Publikum nun immer noch nicht genug hatte, folgte als allerletzte Zugabe noch das wieder ruhigere "Gone Gone Gone" von "The Devil, You & Me", dann war endgültig Schluss. Wie gesagt, ich finde es immer schwierig, über Konzerte von The Notwist zu berichten, weil ich eigentlich nur ohne viele Worte sagen möchte, dass es prima war. War es nämlich wieder, dieses Konzert war vielleicht sogar mein bestes.




Setliste:

01: They follow me
02: Close to the glass
03: Kong
04: Boneless
05: Pick up the phone
06: Into another tune
07: This room
08: Gloomy planets
09: Neon golden
10: Pilot
11: Casino
12: Gravity

13: One with the freaks (Z)
14: Run run run (Z)
15: Consequence (Z)

16: One dark love poem (Z)
17: Puzzle (Z)
18: Chemicals (Z)

19: Gone gone gone (Z)


Fotos: Dirk von Platten vor Gericht

Links:

- aus unserem Archiv:

- The Notwist, Wiesbaden, 24.02.13 (Christophs Bericht)
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Frankfurt, 22.06.12
- The Notwist, Nijmegen, 22.01.12
- The Notwist, Paris, 20.01.12
- The Notwist, Köln, 14.04.09
- The Notwist, Hamburg, 23.08.08
- The Notwist, Melt!, 19.07.08


Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Dienstag, 25. Februar 2014

The Notwist, Wiesbaden, 24.02.14

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Konzert: The Notwist
Ort: Schlachthof Wiesbaden
Datum: 24.02.2014
Dauer: The Notwist 110 min, Aloa Input gut 40 min
Zuschauer: rund 1.300


 
"Am Anfang einer Tour brauchen die immer etwas, um richtig gut zu sein," sagte mir ein Freund, der seit 25 Jahren The Notwist Konzerte sieht. "Lass uns trotzdem nach Wiesbaden fahren!"

Im Schlachthof in Wiesbaden fand das Auftakt-Konzert der Notwist-Tour statt, die die bayerische Band quer durch Europa und anschließend Nordamerika führen wird. 


Meine Erfahrung mit Konzerten der Weilheimer ist weitaus geringer. Aber auch mir ist bewußt, aus wie vielen kleinen Elementen jedes einzelne Stück der Band besteht und wie schwierig es sein muß, diese in der Qualität, die The Notwist an jedes einzelne Fitzelchen ihrer Kunst anlegen, wiederzugeben. Mein kleinstes The Notwist Konzert bisher fand 2012 in Nijmegen statt (naja, beim Lüften-Festival waren auch nicht sehr viel mehr Menschen). Wir standen in dem winzigen Saal so nah an den Musikern, daß wir die immense Arbeit beobachten konnten, die notwendig ist, um die vielen kleinen Geräusche zu erzeugen, aus denen sich die Lieder zusammensetzen.

Als die ersten drei Lieder gespielt waren - They follow me, Close to the glass und Kong vom neuen Album - waren meine Bedenken weg. Die Notwist-Masterminds müssen mit sich zufrieden gewesen sein, alles klang perfekt! Von fehlender Routine mit dem neuen Material war nichts zu spüren. Der Abend würde also toll werden!

Und das wurde er, oh ja!


Die neue Platte, an der die Band 18 Monate gearbeitet habe, ist wieder einmal ein großer Wurf. Ein paar der Stücke sind seit einer Weile Teil des Liveprogramms (Casino z.B. und wahrscheinlich auch They follow me). Der Rest - vier weitere Stücke - überzeugten genauso. Ganz fantastisch ist Kong, mir gefiel aber Into another tune mit seinem unwiderstehlich treibenden Rhythmus und dem nochmal toller treibenden anderen Rhythmus am Ende am besten. Nicht unbedingt ein Stück aus der ersten Reihe aber eine sagenhafte Perle!


Nach dem Dreierblock zu Beginn kamen viele der großen Songs der neueren Band-Phase. Besonders auffällig dabei waren die ineinander gespielten Neon golden (dessen Liveversion mir nicht so gut wie ältere gefiel) und Pilot. Aber herausragend in dieser Konzertphase war das wunderschöne Gloomy planets.

Daß das alles schon ein solch großes Vergnügen war, liegt natürlich in allererster Linie an der Band. Der perfekte Sound und das tolle Licht sorgten aber dafür, daß deren Kunst nicht verpuffte. Ich war noch nie in der (nicht mehr ganz so) neuen Halle des Schlachthofs und sie begeisterte mich sofort. Das Rhein-Main-Gebiet ist nicht bekannt für gute mittelgroße Konzertsäle (die Stadthallen des Umlands sind gruselig!), die Wiesbadener Schlachthofhalle ist ein echter Qualitätssprung! Weil die Halle schön breit ist, staute es sich auch nicht so fies wie beispielsweise in der Live Music Hall oder schlimmer in der Essigfabrik in Köln.

Mit Gravity endete nach gut 65 min der erste Teil. Daß es Zugaben geben würde, war klar. Wie viel Spaß The Notwist dieser Abend offenbar bereitete, erst nach und nach. 

Es ging weiter mit One with the freaks, bevor mit Run run run das letzte neue Stück gespielt wurde. Run run run hat einen tollen Vibraphon-Beginn, überzeugte aber auch danach voll und ganz...! Danach noch Consequence und niemand wäre auch nur ansatzweise unzufrieden gewesen, wenn die Saalmusik angegangen wäre.


Aber die Bayern kamen zurück, wussten aber nicht recht, was sie spielen sollten. "Wir könnten ein älteres Stück spielen, das wir lange nicht gespeilt haben. Wenn ich den Text nicht mehr weiß, müßt ihr laut mitsingen," warf Sänger Markus Acher ein. Bruder Michael entgegnete "das ist doch wie Fahrrad fahren!" Das Lied - One dark love poem von Nook - funktionierte ausgezeichnet! Das ließ sie offenbar verwegen werden, es ging nämlich noch weiter. Mit Puzzle von 12 mit genauso vielen lauten Gitarren und Chemicals von Shrink. Und dann war Schluß. Jedenfalls für viele, die den Saal verließen. Da aber weder Licht noch fremde Lieder angingen, blieben wir und bekamen als siebte Zugabe das wundervolle Gone gone gone

Nein, The Notwist können auf dieser Tour nicht mehr besser werden. Aber jedes Konzert, bei dem sie halbwegs so gut wie beim Auftakt sein werden, ist ein grandioses!

Daß das extrem empfehlenswerte Phono Pop Festival in Rüsselsheim The Notwist am frühen Abend als Headliner bekanntgegeben hatte, war dann noch das Sahnehäubchen auf einem sagenhaften Eisbecher!

Setlist The Notwist, Schlachthof, Wiesbaden:

01: They follow me
02: Close to the glass
03: Kong
04: Boneless
05: Pick up the phone
06: Into another tune
07: This room
08: Gloomy planets
09: Neon golden
10: Pilot
11: Casino
12: Gravity

13: One with the freaks (Z)
14: Run run run (Z)
15: Consequence (Z)


16: One dark love poem (Z)
17: Puzzle (Z)
18: Chemicals (Z)

19: Gone gone gone (Z)

Vergessen habe ich noch die ausgezeichnete Vorgruppe Aloa Input, die mir viel Spaß gamecht haben und die hier besser beschrieben werden, als ich es könnte!

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Düsseldorf, 03.10.12
- The Notwist, Frankfurt, 22.06.12
- The Notwist, Nijmegen, 22.01.12
- The Notwist, Paris, 20.01.12
- The Notwist, Köln, 14.04.09
- The Notwist, Hamburg, 23.08.08
- The Notwist, Melt!, 19.07.08



 

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