Sonntag, 6. April 2008

The Futureheads & The Rifles, Wiesbaden, 05.04.08

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Konzert: The Futureheads & The Rifles (Visions Spring Tour)
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum: 05.04.2008
Zuschauer: viel zu wenige (höchstens halbvoll)
Konzertdauer: Die Mannequin 20 min., The Futureheads 53 min., The Rifles 50 min.


Oft habe ich mich schon gefragt, warum Kanada immer wieder Unmengen an brillanten Indie-Bands hervorbringt. Über viele von denen haben wir hier schon berichtet, z.B. über Arcade Fire, Immaculate Machine, Malajube, Pony Up!, Stars, Tegan and Sara, die Hidden Cameras, Tokyo Police Club, die New Pornographers und natürlich The Organ. Wie machen die das? Gibt es in kanadischen Schulen nur Indiefans als Radiomoderatoren und Musiklehrer? Oder ist das genetisch bedingt?

Glücklicherweise (fürs Selbstvertrauen anderer Länder) gibt es auch Ausnahmen. Billy Talent war eine, Die Mannequin die zweite. Das Trio aus Toronto macht eine Art von Rock, den ich nur schwer ertrage. Die Band besteht aus Sängerin Care Failure, Bassist Anthony Bleed und Schlagzeuger Ghostwulf (haha!). Care hatte eine Hot Pant an, Modell sehr knapp, ein taubengraues T-Shirt, Sportsocken, Chucks und hübsch gesträhnte Haare. Ihr Schlagzeuger trug ein
Futureheads Shirt, Anthony eines, das aussah, als stamme es von seinem Lieblingspub.

Als die Kanadier um 20.45 Uhr begannen, war der Schlachthof noch sehr leer. Der große Saal war schon im hinteren Teil durch Abtrennen eines Bereichs kleiner gemacht worden, leider lockte das zu 2/3 gute Lineup aber
selbst an einem Samstagabend viel zu wenige Leute nach Wiesbaden. Sehr, sehr schade! Zu Beginn von Die Supermodel standen in der ersten Reihe etwa 20 Leute, darunter eine Handvoll Fans (eine kleine Handvoll). Die nächsten 60% des Saals waren leer, die restlichen Zuschauer standen an den Getränke- und Merch-Ständen.

Care begann mit "Hi, we're Die Mannequin" - keine Reaktion. "Gleich kommen die Futureheads" - keine Reaktion. "Und danach die Rifles" - Stille. Ha! All die sicheren Tricks versandeten. Was die Band dann an Action lieferte, war schon sehr ok. Care kletterte mit einem Bein auf das Absperrgitter, stand mit dem anderen auf der Bühne, und spielte und sang weiter. Irgendwann gab sie Handclaps ins Publikum, mit der Bitte, die zu spielen. Gegen Ende tanzte die kleine punkige Frau zwischen den Fans (Zuschauern), stieg
dann auf die Bühne, spielte ein wenig mit ihrer Bierflache Gitarre, um die Flasche dann auf den Boden zu schmeißen. Die Show also ganz nett, während die Musik einfallsloser Schauderrock war. Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei.

Auch für Liebhaber von Bands mit Imperativ "Die" im Namen bietet Kanada etwas Gutes: Die Cowboy Die, die Band von Katie Sketchs kleinerer Schwester Shmoo.

Setlist Die Mannequin, Schlachthof, Wiesbaden:

01: The other Tiffany
02: Autumn cannibalist
03: Do it or die
04: New d song (?)
05: Five is father punk


Nach einer halben Stunde Umbau kam dann der Act, den ich Mittwoch in Köln bei
gleicher Gelegenheit als einzigen gesehen hatte, die Futureheads aus Sunderland in Nordengland. Für Nordengland gilt abgeschwächt das gleiche wie für Kanada, auch von da kommen unzählige großartige Bands. Die populärwissenschaftliche Erklärung dafür ist, daß viele der perspektivlosen Jugendlichen im ehemaligen Industrierevier im Norden entweder Fußball spielen (zwei Champions League Halbfinalisten werden schließlich von da kommen) oder Musik machen. Dann müßten aus dem Ruhrgebiet und dem Saarland aber auch viele tolle Künstler kommen. Und erfolgreiche Fußballvereine. Es scheint also andere Gründe zu geben. Vollkommen egal, wo die Gründe liegen, so lange es solche großen Bands wie die Futureheads gibt.

Die vier Engländer spielten ein abgewandeltes Set im Vergleich zu Köln. Sie begannen um 21.45 Uhr mit der neuen Single "
The beginning of the twist", die mir immer besser gefällt. Im Laufe ihres knapp einstündigen Konzerts spielten die Futureheads wieder die gleichen sieben neuen Songs, einige von denen hörte ich damit zum zweiten Mal. Aber auch in Wiesbaden gefielen die mir ausgezeichnet. Highlight ist und bleibt "Think tonight", alleine deswegen wir die neue Platte ein Pflichtkauf für mich.

Im Publikum waren einige Engländer, was - wie üblich - der Stimmung sehr gut tat. Die Briten erkannte man daran, daß sie bei allen Liedern, auch den neuen, eifrig
mitsangen. Aber dem nur halbvollen Saal geschuldet, war die Stimmung höchstens ziemlich gut. Das fiel der Band natürlich auch auf. Vor "Decent days and nights" sagte Sänger Barry:"At this point I would say put on your dancing shoes but you left them at home." Etwas später wurde dann in der Mitte zwar noch getanzt und gepogt, weil da aber so viel Platz war, war das alles sehr entspannt.

Toll war natürlich wieder "Hound of love", das live trotz all der oh-ohohs traumhaft ist. Andere Höhepunkte im Set sind zum Beispiel "Area", "
Decent days and nights" oder "Skip to the end" gewesen. Wobei alles Gespielte auffällig homogen war. Statt "Meantime" spielten die Futureheads in Wiesbaden das in Köln noch von der Setlist gestrichene "Carnival kids" vom Debütalbum "The Futureheads". Danach folgte nur noch (nur noch? Blödsinn!) "Man ray" und es gilt, was schon im Gebäude 9 galt: Die Futureheads sind eine ganz großartige Band mit riesigen Hits, die aber irgendetwas falsch gemacht haben muß, daß sie nicht den gleichen Erfolg wie andere Bands ihrer Generation hat, zu unrecht! Dieses Schicksal teilen sie mit anderen unterbewerteten Bands wie The Coral.

Setlist The Futureheads, Schlachthof, Wiesbaden:

01:
The beginning of the twist
02: Area
03: A to B
04:
This is not the world
05:
Decent days and nights
06: Broke up the time
07: Think tonight
08: Skip to the end
09: Everything's changing
10: Stupid and shallow
11: Hounds of love
12:
Hard to bear
13: The girl with the radio heart
14: He knows
15: Carnival kids
16: Man ray

Schon an den Band-T-Shirts im Saal sah man, wer der Headliner des Abends ist, nämlich unzweifelhaft die Rifles. In der Publikumsguns zumindest. Wie das musikalisch sein würde, war noch zu beurteilen, von den neuen Liedern der Band aus London kannte ich nämlich bisher keines. Wie die Futureheads veröffentlichen auch die Rifles demnächst ein neues Album, allerdings erst ihr zweites, das dem Debüt "No love lost" von 2006 folgt.

Eine erste neue Single war auch der Startsong des Konzerts, ein Lied namens "Talking", das mich noch nicht sonderlich überzeugen konnte. "No love lost" enthält eine ganze Menge großer Hits wie "Local boy", "Repeated offender", den Hidden track "Fat cat", "One night stand" oder "She's got standards". Daher war ich schon gespannt, auf die künftigen Hits der neuen Platte. "Talking" reicht an diese Qualität nach dem ersten Hören nicht heran. Ob die Band den neuen Titeln auch noch nicht traut, weiß ich natürlich nicht, es machte aber schon ein wenig den
Eindruck, denn sie spielte erst einmal vier Garanten für Stimmung ("She's got standards", "One night stand", "She's the only one" und "Hometown blues"). Die Stimmung war aber überhaupt nicht das Problem. Trotz teilweise wahnsinnig viel Platz vorne im Saal, kamen die Londoner prima an. Am meisten Spaß verbreiteten die Engländer im Publikum, die vorher schon einige Fangesänge auf die Rifles abgefeuert hatten. Mein Liebling dabei war Elgars "Land of hope and glory" umgedichtet in "We-he follow The Rifles", dem einer immer ein "and The Cribs" nachbrüllte.

Nach den vier Hits folgte mit "Toe rag" das nächste (mir) neue Lied, eine Ballade, die
ein ziemlicher Langweiler war, also auch nicht das neue "She's got standards". Danach wieder zwei alte und gute Lieder, bevor "Fool to sorrow" folgte (möglich, daß das Lied "Romeo & Juliet" heißt, die kommen darin nämlich vor, und unter dem Namen kursierte das Lied wohl schon im Netz). Von den mir unbekannten Liedern war das ganz eindeutig das schönste, es hätte auch auf "No love lost" gepasst. Direkt danach spielten die Rifles mit "The great escape" einen weiteren Neuling, ganz nett, aber auch nicht mehr.

Dem sehr guten (alten) "Repeated offender" folgte der fünfte und letzte neue Track der Band, "I could never die", auch nicht der kommende Hit, denn auf den wartete ich vergeblich. "Robin Hood", das nach dem Spitznamen des Gitarristen benannt ist, beendete nach vielleicht 40 Minuten das flotte Set. Natürlich fehlte aber noch "Local boy", das die zweite Zugabe nach dem akustischen "Narrow minded social club" wurde. "Local boy" widmete Sänger Joel den Block lautstarker Engländer. Er drehte
dann das Mikro zum Publikum, damit wir den Refrain singen würden. In England funktioniert das zweifelsfrei, in Wiesbaden trotz der englischen Gäste nicht. Es war dann wohl auch mehr Ironie als Höflichkeit, als Joel das Ergebnis mit einem trockenen "Beautiful" kommentierte.

"Beautiful" ist auch mein Fazit. Die Rifles leben von ihren aufregenden Hits der ersten Platte. Sollten sie nicht die besten Lieder des Nachfolgers noch bewußt zurückhalten, wird Album zwei deutlich schlechter. In Wiesbaden waren sie solide. Die alten Songs funktionieren live gut, der musikalische Headliner waren an diesem Abend aber ganz sicher die Futureheads.

Philippe: Oliver va traduire!

Setlist The Rifles, Schlachthof, Wiesbaden:

00: Intro: Be my baby (The Ronettes)
01: Talking (neu)
02: She's got standards
03: One night stand
04: She's the only one
05: Hometown blues
06: Toe rag (neu)
07: Spend a lifetime
08: Peace & quit
09: Fool to sorrow (oder Romeo & Juliet?) (neu)
10: The great escape (neu)
11: Repeated offender
12: I could never lie (neu)
13: Robin Hood

14: Narrow minded social club (Z)
15: Local boy (Z)

Links:

- The Rifles 2006 in Köln (einer unserer ersten "Konzertberichte")
- die Futureheads vergangenen Mittwoch in Köln
- mehr Fotos von den Rifles, den Futureheads und Die Mannequin

Konzertbesucher von den Rifles könnten auch mögen:

- The View (ein paarmal)
- vielleicht die Dirty Pretty Things (in Paris)

Konzertbesucher von den Futureheads könnten auch mögen:

- die Maccabees (in Haldern)
- die Good Shoes (mehrfach)
- die Gang of Four in Paris
- die Rakes hier und da (leider immer gleich)



Samstag, 5. April 2008

Jonquil, Paris, 04.04.08

2 Kommentare

Konzert: Jonquil
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 04.04.2008
Zuschauer: ca. 150



Achtung: Heißer Tip aus England: Jonquil


So heißen die sechs Kerle und sie spielen einen begeisternden und innovativen Folk-Pop. Blogger-Freund Eike hatte schon vor Monaten von dieser hochinteressanten Band geschwärmt. "Oliver, Du mußt unbedingt auf das Konzert von Jonquil gehen, die spielen in der Pariser flèche d'or! Könntest Du mir bei dieser Gelegenheit einen Tonträger besorgen?"

Selbstverständlich wäre ich da gerne hingegangen und ich hätte auch die gewünschte CD besorgt, aber an jenem 28. Oktober 2007 spielten bereits andernorts die wiederauferstandenenen Waliser Young Marble Giants und da sich an deren Konzert auch noch ein längeres öffentliches Interview anschloß, mußte ich den Auftritt von Jonquil sausen lassen.

Aber heute gab es eine zweite Chance, die noch recht jungen Briten live zu erleben. Und wieder war die schöne Flèche d'or Austragunsort. Diesmal klappte alles wunderbar. Ich kam äußerst pünktlich in dem Laden an und auch die zwei Türsteher, die einem immer den Weg zum Eingang versperren, ließen mich problemlos passieren (warum die da stehen weiß ich nicht; sie kontrollieren weder die Tasche, noch sonst irgendetwas). Im Inneren war es noch sehr leer, vielleicht 20 Leute standen an der Bar, oder in der Gegend rum und verfolgten aus der Distanz die Performance der Schwedin Julie Venus. Was man zu Hören bekam, war ziemlich scheußlich. Zusammen mit einem Keyboarder, der passenderweise ein T-Shirt mit der Aufschrift "1985" anhatte, trug die hübsche Julie ein kitschiges und stark 80er Jahre angehauchtes Lied nach dem anderen vor. Zum Glück war wenigstens der Anblick der jungen Dame mit dem schönen Zopf erfreulich.

Im Anschluß füllte sich die Flèche d'or immer mehr und die Engländer von Jonquil hatten somit die Möglichkeit, ihre wunderbar arrangierten Folkpop-Kompositionen einem größeren Publikum vorzustellen. Die Band aus Oxford war zu sechst erschienen. Im Mittelpunkt stand ein recht fülliger blonder Sänger mit einem Zöpfchen, der es sich hinter der Orgel bequem gemacht hatte, später aber auch Gitarre und das Schifferklavier spielte. Seine Kollegen bedienten unter anderem solch wundervolle Instrumente wie Geige, Melodika und Querflöte und sorgten somit für einen herrlich warm und festlich klingenden Sound. Der typische Aufbau der Lieder beinhaltete einen verhaltenen und recht schleppenden Beginn und ein dramatisches und zackiges Finale, Chorgesänge und Handclaps inbegriffen. Natürlich kamen einem stilistische Assoziationen zu Arcade Fire in den Sinn, aber dieser Vergleich greift eindeutig zu kurz, um die Musik der Oxforder zu beschreiben. Stattdessen könnte man etliche andere gute Bands nennen, die gewisse Ähnlichkeiten zu Jonquil aufweisen: Bon Iver (auch hierüber hat Blogger-Freund Eike schon oft geschrieben), für die warmen Chöre, Beirut für den festlichen und geselligen Aspekt, Kissaway Trail für die himmelhochjauchzenden Passagen und Tunng (oder auch Grizzly Bear) für die knisternden und experimentellen Töne und Geräusche. Aber das Schöne war: Jonquil klangen insgesamt sehr eigenständig und neuartig! Besonders hervorzuheben ist das Lied "Lions", das auch auf dem gleichnamigen Album von 2007 vertreten ist. Sänger Hugo Manuel spielte hierzu auf famose Weise das Akkordeon und die anderen sangen inbrünstig mit, um einen herrlichen Chor zu bilden.. "And All The Towns we built, we built..., the lions could escape. So they could... in houses of their own." Schade nur, das das Lied so kurz war...

Und natürlich war auch der heutige Auftritt nicht von langer Dauer, wie so oft in der Flèche d'or, wo einer Gruppe selten über 40 Minuten Spielzeit eingeräumt wird.

Ein weiterer Höhepunkt des kurzen Sets: Das treibende "Whistle Low", das natürlich auch auf dem Album "Lions" drauf ist. Allerdings handelt es sich bei diesem Werk nicht um das Debütalbum der Gruppe, sondern um den zweiten Output. Diese Info hatte ich übrigens von dem sehr netten Geiger der Gruppe, der mir nach dem Konzert auch noch erzählte, daß sie im Moment im Tourbus "The Trials Of Van Occupanther" von Midlake rauf und runter hören, in den beiden letzten Jahren bereits bei dem stimmungsvollen Latitude-Festival neben solchen Größen wie Arcade Fire aufgetreten sind, im Sommer gerne nach Deutschland kommen würden und mit den aufstrebenden Youth Movies sehr gut befreundet sind (darüber hinaus auch mit Foals, die ja auch aus Oxford stammen).

Also: Nicht vergessen, sich die Lieder von Jonquil bei Myspace anzuhören!

Setlist Jonquil, La Flèche d'or, Paris (Reihenfolge unbekannt):

- Sudden Sun
- Baby, So Now Why No?
- Lions
- Here's To The Little Man
- Subtle Strains
- Magdalen Bridge
- Whistle Low

Konzertbesucher von Jonquil könnten auch mögen:

- Tunng in Haldern 2007
- Grizzly Bear in Paris
- Midlake in Paris
- Get Well Soon in Haldern 2007



Donnerstag, 3. April 2008

The Futureheads, Köln, 02.04.08

15 Kommentare

Konzert: The Futureheads
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 02.04.2008
Zuschauer: recht voll, aber bei weitem nicht ausverkauft
Konzertdauer: 55 Minuten


Vermutlich war das mein erstes Konzert, bei dem ich weder im Saal war, der auf meinem Ticket stand, noch eine der da genannten Bands gesehen habe. Aber das war alles andere als verkehrt.

Ursprünglich sollte die Kölner Station der Visions Spring Tour in der Live Music Hall und ohne die Futureheads stattfinden. Obwohl ich schon eine Karte hatte, wollte ich dann viel lieber nach Wiesbaden, um da im schöneren Schlachthof (Animal Peace: Nur als Konzertsaal) das bessere Lineup zu sehen. Erst wurde dann das Kölner Programm um die Futureheads erweitert, dann von der großen Live Music Hall ins viel kleinere aber schönere Gebäude 9 verlegt, zwei gute Gründe, die Karte nicht weiterzugeben.

Mit Mut zur Lücke kamen wir passend zu den letzten Aufbauarbeiten der Futureheads im Gebäude 9 an. Ich habe die Band aus Sunderland noch nie gesehen, nur mindestens einmal knapp verpasst, freute mich aber schon sehr über die drei
Mikros, die dau aufgebaut standen. Daß mehrere Bandmitglieder singen (wie etwa die "oh ohoh oh" Passagen beim Kate Bush Cover "Hounds of Love" ähh, "Hounds of luv" natürlich), macht einen der vielen Reize der vollkommen zu unrecht unterschätzten Band aus. Die beiden ersten Alben erreichten in England nur Platz 11 und 12, dabei ist vor allem das erste "The Futureheads" ganz hervorragend. Wenn man damit viele der Nummer eins Alben in den englischen Charts vergleicht, überkommt einen ein Gefühl von Ungerechtigkeit.

Um zehn vor zehn blinkte der Roadie mit der Taschenlampe und es konnte losgehen. Das Gebäude 9 war zu dem Zeitpunkt recht gut gefüllt, es war aber nirgendwo richtig gedrängt, also richtig angenehm (außer den unvermeidbaren Dingen, daß die kettenrauchendsten und die lautest quatschenden Leute immer in meiner Umgebung stehen). Ohne Anlauf begannen die vier Engländer mit dem Hit "Decent days and nights" vom Debütalbum. Gitarrist Ross Millard hatte dabei ein paar Probleme mit der Gitarre, die gegen Ende des Lieds ausgetauscht war (das ist das Problem bei schnellen und kurzen Stücken - bei Built to Spill hätte man vermutlich das Gebäude 9
während eines Lieds neu anstreichen können - es, funktionierte aber). Die zweite Gitarre gab dem ganzen dann doch den richtigen Sound.

Die Futureheads sind zu viert. Sänger und Gitarrist Barry Hyde, sein Bruder Dave am Schlagzeug, Gitarrist Ross Millard und Bassist David Craig. Barry trug eine schwarze Anzugweste über einem grauen T-Shirt und eine Frisur, die ich in den jungen Sting erinnerte. Als er dann etwas geschwitzt hatte, wurde sie zu
der Frisur, die Morrissey auf seinen ersten ersten Soloplatten hatte, später war das dann eine typische nordenglische Männerfrisur (in Köln sagt man beim Frisör, wenn man das will: "tuste mich einmal Fassong bitte").

Viel geredet wurde nicht, also vorne, hinter uns schon (Walker, überall). Aber Ansagen wie "We are the Futureheads from Northeast England" reichen ja auch als Programm. Und wenn dann bei Kontaktversuchen mit den Natives ("how do you call 'heart' in German?") als lauteste Antwort ein von überall gebrülltes "Yeah!" kommt, ist das auch keine schlechte Idee.

Nach "Decent days" folgte mit "Broke up the time" ein erstes Lied von der im Mai erscheinenden dritten Platte. Der Song ist einer der wenigen neuen, die ich schon kannte. Und klasse ist er. Mein neuer Liebling ist aber das nach "A to B" und dem als EP veröffentlichten "Area" gespielte neue "Think tonight". Gut, jetzt ist das Gebäude 9 nicht das Konzerthaus Dortmund, jedenfalls klanglich, also nicht der beste Ort, um ein neues Lied innerhalb
von zweieinhalb Minuten objektiv zu bewerten. Was aber verflucht egal ist, "Think tonight" ist eines der Lieder des Jahres, ganz sicher!

Danach folgte mit "
Skip to the end" das einzige Lied von "News and tributes", der zweiten Platte der Futureheads. Mögen die die nicht? Sie spielten gleich viele Lieder von der ersten und der dritten Platte, Area und "Skip to the end", irgendwie also sehr ausgewogen.

Zu den anderen mir neuen Sachen kann ich noch nicht viel Substantielles sagen, außer, daß sie sich nahtlos zu den sonst gespielten Stücken einpaßten. Wenn also auf
"This is not the world" schon einmal sieben so gute Lieder sind, kann die Platte nicht schlecht werden. Juchu!

Nicht gut war, daß es nach 55 Minuten vorbei war. "Man ray" war der Abschluß. Mich hat die Band live vollkommen überzeugt. Danach noch die Rifles zu sehen, wäre nicht nur aus Vernunftgründen (sie hätten erst um kurz nach elf begonnen, wenig vor dem Klingeln meines Weckers) falsch gewesen. Für deren neue Platte habe ich ja den Schlachthof in Wiesbaden. Die Futureheads haben gesonderte Aufmerksamkeit verdient - und bekommen, leider allerdings nicht vom kompletten Publikum, das wohl doch eher wegen der Rifles oder wem auch immer da war.

Setlist The Futureheads, Gebäude 9, Köln:

01: Decent days and nights
02: Broke up the time (neu)
03: A to B
04: Area
05: Think tonight (neu)
06: Skip to the end
07: Everything's changing (neu)
08: Meantime
09: Stupid and shallow
10: Hard to bear (neu)
11: Hounds of love
12: This is not the world (neu)
13: The girl with the radio heart (neu)
14: He knows
15: The beginning of the twist (neu)
16: Man ray

Links:

- mehr Fotos von den Futureheads in Köln

Konzertbesucher von den Futureheads könnten auch mögen:

- die Maccabees (in Haldern)
- die Good Shoes (mehrfach)
- die Gang of Four in Paris
- die Rakes hier und da (leider immer gleich)



Mittwoch, 2. April 2008

Shout Out Louds, Paris, 01.04.08

3 Kommentare

Konzert: Shout Out Louds

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 01.04.2008
Zuschauer: ein paar Hundert
Konzertdauer: 32 Minuten


"C'est pour les filles" - Das ist Musik für Mädchen!

Mein französischer Bekannter Pascal redete nach dem kurzen Konzert der Shout out Louds Klartext. Recht hatte er! Ich hätte es ähnlich formuliert und noch hinzugefügt: Musik für blonde, blauäugige Mädchen mit rosigen Wangen. Typ nette fleißige Schülerin oder Studentin im frühen Semester, die immer gut zuhört und alles brav notiert, was der Herr Professor erzählt. Von solchen Mädchen konnte man damals in der Schule immer gut abschreiben; sie gaben zwar ihr Heft nicht so gerne weiter, weil sie Angst hatten, das würde auffallen, wenn man nett gefragt hat, bekam man es aber dann doch.

Stimmt denn dieses Klischee mit den netten, blonden Mädchen? Aber na klar! In der propevollen Flèche d'or, in die das Konzert der Shout out Louds verlegt wurde (ursprüngliche Location: La Boule Noire), war ich eingekesselt von niedlichen und brav aussehenden Schwedinnen. Sie machten einen Großteil des Publikums aus. Der andere Teil stammte... aus Deutschland! Vor mir und hinter mir wurde meine Muttersprache geredet. Interessant, interessant, auf die Shout Out Louds fahren also hauptsächlich Deutsche und Schwedinnen ab! Klar, ein paar Männer waren auch da, allerdings überwiegend vom Typus: "rauche milde Sorte (wenn überhaupt) und rasiere mich elektrisch". Warmduscher könnte man auch sagen, aber diesen Ausdruck mag ich nicht sonderlich. Okay, mein guter Freund Philippe war auch da, aber der ist überall und außerdem steht er nicht auf Frauen. Macht ja nix, ich war schließlich auch dabei.

Allerdings gefiel es mir weniger gut als Philippe, der mir zuvor einen Aprilscherz aufgetischt hatte, als er sagte, ich käme zu spät, die Shout Out Louds hätten schon gespielt. Er war mal wieder eher da als ich und nutzte die Gelegenheit, um mich zu veräppeln. Genau wie die Schwedinnen um ihn rum, wippte der gute Phil während des Konzerts bei jedem Lied mit seinem Köpfchen mit und hatte seine helle Freude. War ja auch flott und melodiös, was da gespielt wurde, keine Frage. Allerdings auch ziemlich glatt und radiotauglich, sehr poppig halt eben. Wie so vieles, was aus Schweden kommt, es scheint als hätten die Leute da im hohen Norden Abba schon mit der Muttermilch aufgesogen. Abba habe ich schon als Kind gehasst und dieser Benny mit seinem Seitenscheitel war der erste Typ aus dem Fernsehen, dem ich gerne eine Sahnetorte ins Gesicht geklatscht hätte. Der alte Dauergrinser! Wurde später nur noch von Dieter Bohlen getoppt...

So mies und kitschig wie Abba sind die Shout out Louds natürlich bei weitem nicht. Allerdings gibt es auch hier einen Hauch Bubblegum-Pop, der mir nicht so richtig zusagt. Alles klingt ein wenig wie The Cure aus der "Close To Me" Phase. Und das ist die "happy"- Phase von The Cure. Ich steh nun einmal eher auf die depressiven Erstwerke. Ein bißchen Melancholie und Schwermut ist ja auch bei den Shout out Louds drin. Allerdings geht diese nie so weit wie bei Robert Smith und Konsorten. Hier wird eher geschmachtet als wirklich gelitten.

Kurzum: Die Shout Out Louds sind wie ihre Fans. Nett, brav, wohlerzogen. Sehr angenehm zu hören, da stört keine knarzende Gitarre. Aber wo bleibt das Feuer, die Leidenschaft?

Ich bevorzuge bei den schwedischen Künstlern eindeutig Loney, Dear. Der Mann gibt immer alles, ein Pfundskerl dieser Emil! Adam Olenius sieht allerdings besser aus. Fast wie ein Arzt, dem die Frauen vertrauen. Er sollte sich mal für eine Serie bewerben, falls die Band irgendwann keine CDs mehr verkauft.

Achso: Die beste schwedische Band heißt übrigens The Soundtrack Of Our Lives. Ist aber nur etwas für Naßrasierer und freche Mädchen!

Setlist Shout Out Louds, La Flèche d'or, Paris:

01: South America
02: Impossible
03: The Comeback
04: Your Parents' Living Room
05: durchgestrichen!
06: Normandie
07: Very Loud
08: Tonight I Have To Leave it

Anmerkung: Damit mich niemand fragt, warum ich denn dahin gehe, wenn ich nicht so auf die Band stehe: Konzerte in der Flèche d'or sind gratis! Und außerdem mag ich die Shout out Louds ja, die sind doch so...nett!

Links:

- die Shout Out Louds in Haldern 2007
- und in Köln im Stollwerck
- mehr Fotos von Adam und den Shout out Louds hier

Konzertbesucher der Shout Out Louds könnten auch mögen:

- Stars im Gloria in Köln 2008 (mit Links zu anderen Konzerten der Kanadier)
- Voxtrot in Frankfurt





Dienstag, 1. April 2008

Kate Nash, Paris, 31.03.08

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Konzert: Kate Nash (Vorgruppe: Mystery Jets)
Ort: La Cigale, Paris
Datum: 31.03.2008
Zuschauer: ausverkauft!
Konzertdauer: 75 Minuten (Mystery Jets 30 Minuten)


Hat ausgerechnet eine junge Frau aus England - dem Land des permanenten Regens - den Frühling nach Paris gebracht?

Es schien fast so. Nach morgendlichen Schauern lachte in Paris endlich mal die Sonne vom Himmel. Die Touris vor dem Eiffelturm hatten ihre Jacken ausgezogen und manche nahmen auf einer Parkbank gar ein kleines Sonnenbad.

Vielleicht liegt es an der frischen und beschwingten Musik, die Kate Nash macht, daß sich Petrus gnädig zeigte. Möglichweise aber hatte es auch mit der Bühnendeko von Miss Nash zu tun, den diese bestand aus einem blauem Himmel mit friedlichen Wölkchen.

Und genau vor dieser Kulisse sollten dann auch die Mystery Jets um 19 Uhr den Ball eröffnen. Die britische Band um den charismatischen Sänger Blaine Harrison hatte ich vor geraumer Zeit mal in der Pariser Maroquinerie gesehen und für sehr gut befunden. Damals noch mit dabei: Henry Harison, der ergraute Vater von Blaine am Keyboard und der Gitarre. Der Senior gehört aber nicht mehr zur Band und auch sonst gab es Veränderungen. Blaine zum Beispiel hatte schwarz (gefärbte?) Haare, damals waren sie noch blond. Noch auffallender war aber, daß er mit Krücken auf die Bühne gehumpelt kam. Was ist da passiert? Ein schlimmer Reitunfall? Ich weiß es nicht, Tatsache war aber, daß der Lockenkopf den Gig sitzenderweise absolvierte. Toll, daß er überhaupt auftritt! Weniger toll fand' ich allerdings vor allem das allererste Lied. Erneut fragte ich mich, was denn da passiert sei. Das klang ja fast nach den Klaxons und die kann ich nun einmal nicht leiden! Stampfende Beats, ein elektronischer Sound und eunuchenhaft hohe Gesänge. Ich glaubte gar, Ähnlichkeiten mit diesem scheußlichen "Golden Skans" auszumachen. Es handelte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Stoff von dem neuen Album "Twenty One", das in England bereits vor kurzem erschienen ist. Vielleicht lag es aber einfach nur an dem ziemlich stark übersteuerten Sound in der Cigale. Es dröhnte und schepperte, daß mir vorne fast die Ohren wegflogen. Ansonsten hätte ich mit Sicherheit Lied Nummer 2, das neue "Young Love" gemocht, denn es wurde zusammen mit der jungen Laura Marling eingespielt, von der ich eine Menge halte. Laura war aber leider nicht mit dabei. Stattdessen gab es aber immerhin einen perfekt französisch sprechenden Bassisten (Kai Fish), der sich im Namen der Gruppe erfreut zeigte, in der Cigale auftreten zu dürfen. Im Laufe des Sets wurde der Sound etwas besser und der leicht altmodische Charme, der dem ersten Album "Making Dense" innewohnte, blitzte an der ein oder anderen Stell auf. Auch das neue "Flakes" wußte zu gefallen und mit "Diamonds In The Dark" einer Singleauskopplung von "Making Dens" bekamen die vier Jungs nach einer halben Stunde Spielzeit auch noch einen ordentlichen Abgang hin. Ich hatte mir allerdings mehr von dieser eigentlich sehr guten Band versprochen. Was wohl Jack Penate von dem Auftritt hielt? Der überaus sympathische Engländer stand nämlich zusammen mit einer hübschen Brünetten im Publikum und blickte amüsiert auf die Bühne, auf der er selbst im letzten November beim Festival des Inrocks aufgetreten war.

War Jack Penate nicht sogar schon einmal mit Kate Nash zusammen? Ich glaube ja, zumindest gab es einmal ein Titelbild im NME, auf dem Jack und Kate gemeinsam posierten. Inzwischen turtelt Miss Nash aber wohl mit Ryan "The Cribs" Jarman. Und Herr Penate halt eben mit seiner neuen Flamme, die im Leopardenmantel erschienen war. Ich denke Jack hat eine gute Wahl getroffen, seine Neue ist ein steilerer Zahn als Kate. Klar, Kate ist süß und extrem nett, aber ich habe irgendwie den Verdacht, daß sie später aufgehen wird wie ein Hefekloß. Ihre Mutter stelle ich mir zumindest kugelrund vor und sie bestellt bestimmt diese geblümten Kleidchen auf den Shopping-Kanälen, wo mollige Models über den Catwalk laufen und die Moderatorin dann immer wiederholt, wie schlank doch diese Kleider machen würden. Hach, ich bin aber auch wirklich ein gemeines Arschloch! Dabei mag ich Kate Nash doch, mit der kann man bestimmt Pferde stehlen, die ist bestimmt superlocker und lustig! Und sie hat so ein charmantes Lächeln!

Zunächst einmal bringt mich die liebe Käthe aber in Rage, denn sie läßt sich fast eine geschlagene Stunde Zeit, bis sie endlich die Bühne mit dem himmelblauen Hintergrund betritt. Zuvor hatte ein grimmig dreinblickender Roadie ewig lange sämtliche Instrumente gestimmt. Wo blieb die Hauptperson des Abends? Mußte sie sich noch die Nägel lackieren? Oder die Frisur richten?

Möglich ist das. Um 21 Uhr 30 war dann aber endlich der Nagellack (dessen Farbe ich nicht mochte) getrocknet und Kate hatte auch die Haare schön (sie wuschelte diese während des Konzertes immer wieder durcheinander, vielleicht um wilder auszusehen?). Nach einem langgedehnten Intro: "Stop In The Name Of Love" (Before you break my heart) von den Supremes konnte es losgehen und zwar zunächst am Piano. Ausreichend gestimmt war dieses ja. Auch die anderen Instrumente, an denen sich ihre rein männliche Begleitband austobte. Die Herren blieben aber während des Gigs meist vornehm im Hintergrund und das war auch gut so. Wer war schon wegen ihrer Band gekommen? Aufgefallen ist mir aber der Schlagzeuger, der aussah, als sei er höchstens 18, dafür aber sein Instrument ordentlich vermöbelte.

Auch Kate selbst vermöbelte ihr Instrument regelrecht. So etwas sieht man ja am Piano eher selten. Die junge Frau tobte aber daran, daß man den Eindruck hatte, sie wolle es zum Zerbersten bringen. Wow, die Frau hat schon Temperament und Feuer! Jedes Lied wurde wesentlich schneller als auf dem Album "Made Of Bricks" gespielt und das gefiel einem Typen gleich hinter mir so gut, daß er permanent johlte und "yeaaaahhhh!" schrie. Der Kerl war mir ohnehin vorher schon unangenehm aufgefallen, weil er sich in eine nicht vorhandene Lücke gedrängelt hatte. Ein seltsamer Zeitgenosse, dabei schon mit Sicherheit über 30. Da schwärmt man doch nicht mehr so, oder? Ich meine, wir sind ja keine Schüler mehr und schreiben auch nicht mehr : "Ich liebe Simone, oder Iris" auf unser Mäppchen und malen Herzchen daneben, oder? Er wohl schon! Ich fragte mich, ob er nicht jeden Moment ein Schild mit "Kate I love you" nach oben halten würde. Dazu kam es aber nicht. Dafür hatte der Bursche aber allen Ernstes Blümchen für die Käthe dabei. Wie süß! Der alte Romantiker! Stehen Frauen auf so etwas? Der Kerl hat bestimmt damals den Mädchen auf dem Schulhof erzählt, daß er Pferde ganz toll findet, weil alle Mädchen Pferde irgendwie toll fanden. Insgeheim hat er sich bestimmt gedacht: "Ich mag die Viecher nicht, die machen mir Angst und riechen streng!" Was tut man(n) nicht alles, um Weiber rumzukriegen! Vielleicht hätte er lieber einen Vibrator mitbringen sollen? Die Blumen, die der Kerl nach "Mariella" auf die Bühne warf, bemerkte die Engländerin nämlich anfänglich gar nicht! Dumm gelaufen für den Romantiker! Die Masche zog wohl nicht. Oder doch?: "Paris is the most romatic city, you should be lucky!" Sagte die Käthe und sie klang aufrichtig dabei. Und als sie nach einem fulminanten "Foundations" die Bühne zum ersten Mal verließ, fand sie sogar die Blümchen. Hach, wie süß...

Zuvor hatte sie auch einige Neuheiten vorgestellt, "Seagulls" zum Beispiel. Bei der Ankündigung dieses Titels zeigte sie sich aber gar nicht von ihrer romatischen Seite. "The next song is called: I hate seagulls!" - "I fucking hate them" - "Me too, they are flying rats!", ruft eine Engländerin aus dem Publikum zurück. In dem Lied geht es auch noch um andere Dinge, die Kate nicht mag: " I hate being sick" beispielsweise, oder "rude ignorant bastards". Grobe, ignorante Scheißkerle mag sie also nicht, aha... Aber das sagen Frauen immer und nehmen sich dann prompt den größten Macho!

Auch das Lied nach "Seagull", die Ballade "Pick Pocket" ist neu und klingt nicht übel. Zumindest gefällt mir das Stück, das auch von den Kooks stammen könnte, besser als die etwas kitschige Ballade "Nicest Thing". Nach der ruhigen Passgae im Mittelteil wird aber wieder Gas gegeben. Im Grunde genommen ist es einfach: Wenn die Sängerin hinter dem Piano sitzt, wird es flott, hält sie die Gitarre (akustische, oder elektrische) in der Hand wird das Tempo gedrosselt. Ich bevorzuge ganz eindeutig die fetzigen Songs. Und davon gibt es am Ende gar drei hintereinander weg. "Mariella", "Moutwash" und der Riesenhit "Foundations", der schon an den ersten Klängen erkannt und frenetisch aufgenommen wird, beschließen nach knapp einer Stunde ein druckvolles Programm, bei dem Kate Nash wirklich alles gegeben hat und auch stimmlich überzeugen konnte. Oft mußte sie zwischen den Liedern erst einmal verschnaufen und sich die Haare richten (was in ihrem Fall durcheinanderwuscheln bedeutete), so hatte sie sich verausgabt. "Noch nie hätte sie sich so sehr wohlgefühlt und amüsiert während eines Konzertes" und ich glaube ihr aufs Wort. Romantische Frauen stehen nun einmal auf Paris und wenn das Publikum so sensationell gut mitgeht wie heute, läuft natürlich alles wie von selbst.

Kate Nash war da und mit ihr ist die gute Laune nach Paris gekommen. Und auch ein Hauch von Frühling. Wird er länger dauern als die fünfzehnminütige Zugabe?

Setlist Kate Nash, La Cigale, Paris:

01: Pumpkin Soup
02: Shit Song
03: Stitching Leggings
04: We Get On
05: Birds
06: Nicest Things
07: Seagulls
08: Pick Pocket
09: Paris
10: Skeleton Song
11: Mariella
12: Mouthwash
13: Foundations

14: Don't You Want To Share The Guilt (Z)
15: Merry Happy (Z)

Links:

- Kate Nash im Dezember 07 in Köln
- mehr Fotos von Kate Nash hier



 

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