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Freitag, 19. September 2008

Futureheads & Lemonheads, Paris, 18.09.08

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Konzert: Futureheads & Lemonheads (Tahity Boy and the Palmtree Family)
Ort: La Maroquinerie, Paris (Inrocks Indie Club)
Datum: 18.09.2008
Zuschauer: gut gefüllte Maroquinerie


Doppelkopf-Runde heute abend in der Pariser Maroquinerie. Es ging aber nicht um ein Kartenspiel, sondern den Auftritt der beiden "Kopfbands", den Futureheads und den Lemonheads.


Die Protagonisten der Futureheads aus Sunderland hatte ich amüsanterweise schon mittags um 14 Uhr gesehen, als sie und ihre Roadies ihre schweren Kisten in die Maroquinerie buckelten, um kurze Zeit später den Soundcheck durchzuführen. Anlaß für mein frühes Erscheinen war jedoch nicht das Beiwohnen der Proben, sondern der exklusive Verkauf von Razorlight-Tickets, der am Schalter des kleinen Clubs stattfand. Johnny Borrell und seine Jungs werden aber erst am 6. Oktober hier aufkreuzen, um Songs des neuen Albums vorzustellen, Ross, Dave, Barry und Jaff von den Futureheads hingegen, waren schon am heutigen Abend des 18. Septembers an der Reihe.

Zunächst gehörte die Bühne aber den Franzosen Tahity Boy and The Palmtree Family. Deren "Chef" ist der kleingewachsene Lockenkopf Tahity Boy, der meistens hinter dem Piano agiert, singt und die mehrköpfige Kappelle, in der u.a. auch ein Querflöten - und ein Cellospieler vertreten ist, dirigiert. Die sechs Burschen boten einen Sound, der stark vom amerikanischen 60 ies Pop beeinflusst ist und Laune machte. Ihr Hit ist das Stück 1973, das man auch auf dem gelungenen Debütalbum Good Children Go To Heaven finden kann. Normalerweise hat darauf auch Jonathan Morali, der famose Sänger von Syd Matters, einen kurzen Gesangespart, aber Jonathan selbst war heute abend leider nicht mit dabei. Dafür hatte aber Audrey, eine Sängerin mit einer lieblichen Stimme, bei Not Only For The Weekend einen kurzen Gastauftritt. Da wir gerade von Gastauftritten reden: Kein Geringerer als Tunde Adebimpe von TV On The Radio hat in der Vergangenheit schon bei Auftritten von Tahity Boy mitgeholfen, u.a. sang er mit der Band live bereits einmal Blood In Your Eyes. Heute hatte Tunde aber wohl andere Verpflichtungen, schließlich hat seine Gruppe gerade eben erst ein neues (von Kritikern hochgelobtes) Album herausgegeben, mit dem sie bald auch in Paris auf Tour sein werden.

Nach gut 30 Minuten waren die Tahiti Boys dann mit dem Programm durch und wünschten uns noch einen schönen Abend.

Den sollten wir auch haben, schließlich standen mit den Futureheads und den Lemonheads ja noch zwei Topacts auf dem Programm.

Die Erstgenannten ließen sich dann auch nicht allzu lange bitten und starteten gewohnt fetzig und schwungvoll. Der Titel Walking Backwards war hierbei nicht allzuwörtlich zu nehmen, die vier Nordengländer gingen nämlich eher energisch vorwärts als rückwärts. Vor allem Ross, der dreitagebärtige Gitarrist und Barry Hyde, der Sänger mit der schnittigen Frisur wirbelten von Anfang wild über die Bühne. Barrys Bruder Dave hingegen, spielt seine Drums immer ohne großartig das Gesicht zu verziehen. Er ist diesbezüglich genauso gelassen wie Jaff, der schlacksige Bassist.

Das Set war gespickt mit knackigen, postpunkigen Fegern und ließ kaum Zeit zum Verschnaufen. Decent Days And Nights hatte ja einst schon Bono verzückt und dieser Hit vom ersten Album zog ähnlich gut wie der neue Knüller (a girl with a) Radio Heart.

Bei den Futureheads dauert kaum ein Lied länger als zwei bis 3 Minuten und so war man schnell mit dem Set durch. Highlights unter vielen Perlen waren The Beginning Of The Twist, die Zwischendurch- Single Area und natürlich Hounds Of Love. Das geniale Kate Bush Cover hatte mich damals auf die Sunderlander zum ersten Mal aufmerksam gemacht, deren Aufstieg auch nicht dadurch verhindert wurde, daß die Plattenfirma die Jungs nach dem zweiten kommerziell nicht sonderlich erfolgreichen Album News And Tributes sitzenließ. Die vier Sympathen haben sich unabhägig gemacht und mit This Is Not The World ein starkes drittes Album herausgehauen.

Der Abschluß kam aber noch einmal vom selbstbetitelten Debüt und der hatte es in sich: Carnival Kids und der schon fast traditionelle Schluss-Song Man Ray mischten die Maroquinerie noch einmal ordentlich auf und so war es nicht erstaunlich, daß viele hinterher meinten: "Mensch, die Futureheads, sind ja spitze, das hätte ich gar nicht erwartet!"



Setlist Futureheads, La Maroquinerie, Paris:


01: Walking Backwards
02: Meantime
03: Decent Days And Nights
04: Radio Heart
05: Work Is Never Done
06: Fallout
07: Area
08: He Knows
09: Skip To The End
10: Robot
11: The Beginning Of The Twist
12: Hounds Of Love
13: Carnival Kids
14: Man Ray

Ausgewählte Konzerttermine The Futureheads:

24.09.2008: Knaak, Berlin
25.09.2008: 59:1,München
26.09.2008: Abart, Zürich
12.11.2008: Debaser, Stockholm
13.11.2008: Sticky Fingers, Götheborg
16.11.2008: Roxy, Prag
17.11.2008: Proxima, Warschau
18.11.2008: Krakau
20.11.2008: Flex, Wien
29.11.2008: Astoria, London


Zusammen mit den Futureheads zogen auch ein paar junge Leute ab, zumindest war das mein Eindruck. Die Teenies hatten Unrecht, denn die Lemonheads sind zwar weniger energisch und stürmisch als die wesentlich jüngeren Futureheads, dafür aber einen ganze Ecke cooler und kultiger.

Schon nach den ersten Takten wurde deutlich, daß man gute Musik auch ohne große Effekte, mannigfaltige Instrumente und komplexe Strukturen hinbekommen kann. Eine Gitarre, ein Bass und ein Schlagzeug, that's it! Aber halt!, man muss natürlich auch eine solch markante Stimme wie Evan Dando haben, damit ein Schuh draus wird! Ganz lässig stand der (relativ) alte Knabe da mit seinem Iron Maiden T-Shirt (!), guckte permanent gen Himmel (suchte er die Erleuchtung von oben?) und zauberte simple aber effektive Melodien aus seiner Gitarre. Alles in allem: eine coole Sau! Seine Mitspieler: der Bassist Vess Ruthenberg, der seit geraumer Zeit den kranken Karl Alvarez ersetzt und der jung aussehende Drummer mit der vorstehenden Kinnlade namens P David Hazel. Die drei Kerle zauderten zwischen den Songs nicht lange und knallten dem Publikum einen Klassiker nach dem anderen um die Ohren. Überflüssig zu erwähnen, daß die Lautstärke an der Schmerzgrenze war, aber aufgrund der weniger intensiven Gitarrensoli nicht ganz an den Lärmpegel der Kollegen von Dinosaur Jr. heranreichte. Das Kultalbum von 1992 It's A Shame About Ray wurde von A bis Z durchdekliniert, nur die Miss Robinson ließ man außer acht. Schwer zu sagen, welches von den Stücken des Werkes mir am besten gefielen, ungemein catchy und charmant sind sie ja alle. Wenn ich doch drei aussuchen soll: Rudderless, Bit Part und Hannah & Gabi. Aber da könnte man wohl alle möglichen Kombinationen durchspielen. Auffallend war die starke Vernachlässigung von Liedern des Comebackalbums Lemonheads, lediglich No Backbone schaffte es in die Setlist, die Singleauskopplung Become The Enemy wurde hingegen ausgelassen. Aber das machte nichts, denn es gab ja noch zwei besondere Schmankerl von Car Button Cloth. "There's a disease going 'round the hospital, green green leaves falling from the trees", herrlich diese Zeilen von Hospital und auch If I Could I'd Tell You ist ein Ohrwurm erster Sorte, der schon fast zeitlos zu nennen ist. Überhaupt scheint mir zeitlos die richtige Beschreibung des Sounds von den Lemonheads zu sein, mögen auch einige lästern und den Kram als altbacken, simpel und bieder bezeichnen. Von dem direkten Charme, der von den Songs ausgeht, ist jedenfalls nichts verlorengegangen. Was die Band jetzt noch ausrichten kann, um die Rockgeschichte in Zukunft weiter fortzuschreiben ist zwar ungewiss, aber es geht doch nichts über die zahlreichen Evergreens der Amerikaner!

Mir haben die Lemonheads auf jeden Fall einen gelungenen Abend beschert, auch wenn die Meinungen im Freundes-und Bekanntenkreis hinterher geteilt waren. Die einen Hälfte fand es gut bis sehr gut, die andere nörgelte über den angeblich verwirrten und grenzwertigen Zustand von Evan Dando. Aber was wollen die eigentlich, der Knabe hat es halt in der Vergangenheit bunt getrieben, da ist man halt manchmal etwas fahrig!? Die famose Stimme und die gekonnten Gitarrenriffs nimmt ihm aber niemand. Und die Songs erst recht nicht...


Setlist Lemonheads, La Maroquinerie, Paris :

01: Rockin Stroll
02: Confetti
03: It's A Shame About Ray
04: Rudderless
05: My Drug Buddy
06: The Turnpike Down
07: Bit Part
08: Alison's Starting To Happen
09: Hannah & Gabi
10: Kitchen
11: Ceiling Fan In My Spoon
12: Frank Mills
13: It's About Time
14: No Backbone
15: Ride With Me
16: Tenderfoot
17: Hospital
18: If I Could Talk I'd Tell You
19: Into Your Arms

20: The Great Big No


Ausgewählte Konzerttermine der Lemonheads:

22.09.2008: Melkweg, Amsterdam
23.09.2008: Botanique, Brüssel
24.09.2008: Jazzhaus, Freiburg
25.09.2008: Forum, Bielefeld
27.09.2008: Reeperbahn Festival, Hamburg
28.09.2008: KB, Malmo
29.08.2008: John Dee, Oslo
30.09.2008: Debaser, Stockholm
02.09.2008: Pumpehuset, Kopenhagen
03.10.2008: Kulturkirche, Köln
04.10.2008: Postbahnhof, Berlin
06.10.2008: Flex, Wien
07.10.2008: Rockhouse, Salzburg
08.10.2008: Musicdrome, Mailand
09.10.2008: Circolo Degli Artisti, Rom
11.10.2008: Spazio 211, Turin
13.10.2008: Musikzentrum, Hannover
14.10.2008: Scheune, Dresden
15.10.2008: Alte Feuerwache, Mannheim
16.10.2008: Manufaktur, Schondorf
17.10.2008: K4, Nürnberg
19.10.2008: Kofmel, Solothurn
21.10.2008: Teatre Lloseta, Mallorca

Fotos von Evan Dando und seinen Lemonheads hier

Hospital live in Bristol 2007
If I Could Talk I'd Tell You im Videoclip




Montag, 15. September 2008

The Futureheads, Köln, 14.09.08

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Konzert: The Futureheads (& Timid Tiger)

Ort: Luxor, Köln
Datum: 14.09.2008
Zuschauer: knapp 100
Dauer: The Futureheads ca. 65 min, Timid Tiger ca. 30 min


Wir haben uns hier schon häufig über die Ungerechtigkeit der Musikbranche aufgeregt, daüber, daß Bands, die den großen Erfolg verdient hätten, um jede Platte kämpfen müssen, während die Mikas oder Anastacias dieser Welt mit jedem noch so schlechten Lied im Radio hoch- und runtergedudelt werden. Ginge es gerechter zu, wären die Futureheads Superstars, die große Hallen füllten. In dieser Pfui-Bah-Welt reicht es leider an einem Sonntagabend nur für ein paar Handvoll Zuschauer, obwohl sich eigentlich rumgesprochen haben sollte, wie exzellent die Livequalitäten der Nordengländer sind.

Auch das Rahmenprogramm war top. Mit Timid Tiger hatten die Veranstalter eine aufregende Vorgruppe verpflichtet. Leider, leider wurde das aber eben nicht richtig honoriert. Immerhin sah es dann mit Beginn des Programms nicht mehr ganz kläglich aus, wie das eine Viertelstunde vor dem Start noch zu befürchten war.

Timid Tiger hatte ich noch nie gesehen, wohl aber ihren Sänger Keshav PuruShotham, der als John Goldtrain schon das Vorprogramm des wundervollen Los Campesinos! Konzerts ("Lukas Podolski never meant anything to me") im Frühjahr im Luxor bestritten hatte. Damals hatte mir die Musik des Supports gut gefallen, die Outfits waren allerdings ein wenig ungewöhnlich.

Jetzt trugen die Timid Tiger Mitglieder dunkle Kleidung, die mit rotem und grünem
Klebeband dekoriert war - ach, und Stirnbänder mit Federn.

Obwohl ich das Album der Kölner Band besitze, kannte ich nicht viele Lieder, das machte aber auch überhaupt nichts, denn die Musik ist quasi selbsterklärend. Timid Tiger spielen tollen Indie-Pop, abwechslungsreiche Stücke, eines klang zum Beispiel nach einem Hauch Ska, und verbreiten alleine so schon richtig viel gute Laune. Aber dabei muß es ja nicht bleiben...

Irgendwann zogen sich nämlich Keyboarder Evgeni und der Bassist (glaube ich)
Affenmasken auf, während Schlagzeuger Cristobal zum Hasen wurde. Keshav war zusätzlich zum Stirnband schon mit reichlich Glitzerzeugs im Gesicht und einem Prince-Sybol-Symbol ausgestattet, das ganze sah also herrlich bunt aus. Keshav verschwand irgendwann kurz und tauchte in neuem Outfit auf, in dem, daß er schon als John Goldtrain getragen hatte. Es wurde also noch eine Spur exzentrischer. Im Gegensatz zu anderen, bei denen die Konzentration auf das Drumherum die Musik leiden läßt, litt hier die Qualität nicht die Spur unter den Modefragen, es war richtig gut und hörenswert! Cartoon Pop nennen Timid Tiger ihren Stil. Seit ihrem Auftritt weiß ich ganz genau, was sie damit meinen!

Setlist Timid Tiger, Luxor, Köln:

01: Electric Island
02: Combat songs
03: Pretty saphire cat
04: On sunday
05: Let the city save us
06: Loveboat
07: House of love
08: My girl's a rascal
09: Miss Murray
10: Rabbit on fire

Es war kurz nach neun, bis alle Tiermasken, alles Konfetti, das Keshav verteilt hatte, und alle Tutanchamun-Büsten von der Bühne entfernt waren und die Hauptgruppe auftreten konnte. Als Headliner hatte ich die Futureheads noch nicht gesehen, nur zweimal im Rahmen Visions Spring Tour im - richtig - Frühling. In Köln hatte ich da die Engländer zum Headliner gemacht, weil ich nur ihretwegen da war und vor den Rifles den Abend wieder beendet hatte. Aber das zählt ja nicht richtig.

Der Beleuchter konnte gar nicht schnell genug die Lampen ausknipsen, so unspektakulär schnell kam dann die Band auf die Bühne. Dramaturgie war aber auch vollkommen unnötig, denn gleich mit Walking backwards vom aktuellen Album (was
man so aktuell nennt) war deutlich, wie das Konzert werden würde: flott, laut, schnell, energiereich und vor allem wahnsinnig gut. Die Musik der Band aus Sunderland zeichnet sich vor allem durch drei Stilelemente aus: schnelle Gitarren, kurze, abgehackte Riffs und an einen Kanon erinnernden Gesangsparts. Einer meiner Lieblinge der Band folgte gleich im Anschluß, Decent days and nights vom Debütalbum. Ein riesiger Hit! Wie schon vor einem halben Jahr in Köln spielten die vier Nordost-Engländer fast nur Lieder der ersten und dritten Platte und ignorierten das Mittelalbum bis auf Skip to the end total. Auch ich empfinde mittlerweile das zweite Album als schwächer als die beiden anderen. Es enthält aber auch einige sehr gute Songs, die ich zu gerne einmal live sehen würde.

Meine Lieblinge von This is not the world sind Radio heart und vor allem das überragende Think tonight, weiterhin eines der besten Lieder des Jahres. Aber auch der Rest des Sets war überragend. Die beiden Gitarristen Barry und Ross verbeiten so unglaublich viel Spaß beim Spielen, feixen sich ununterbrochen an, machten Späße
über Liam Gallagher, ach, welch nette Band! Und dazu der wundervolle nordenglische Akzent!

Meine Lieblingsszene des Abends war eine kleine Panne: Während
Worry about it later ging irgendwas an Barrys Gitarre kaputt. Der aufmerksame Helfer rannte umgehend auf die Bühne und tauschte das Gerät aus - führte das Kabel für die neue Gitarre allerdings noch durch den Gurt der alten. Er fesselte sich also quasi. Um das zu lösen, musste er mühevoll den Gurt der alten Gitarre losmachen, während die Band und Barry munter weiterspielten. "Cool guitar change by the way", urteilte Ross in der nächsten Pause.

Nach Beginning of the twist spielten die Futureheads ausschließlich Lieder ihrer ersten Platte. Und wer die Platte kennt, weiß, daß Hounds of love, Carnival kids und Man Ray ein sagenhaftes Konzertende sind!

Noch schöner waren dann allerdings die Zugaben! Zunächst ein echter Knüller,
nämlich Le garage, das sie nach eigener Aussage sehr lange nicht gespielt hätten, und anschließend das ebenso tolle He knows (beide auch vom Debüt).

Welch guter Sonntagabend! Und vielleicht wird die Welt bis zum nächsten Futureheads Konzert ja gerechter und gibt der Band etwas mehr von der Anerkennung, die sie verdient, schließlich sind die Jungs aus Sunderland eine der besten britischen Bands unserer Zeit. Und verflucht sympathisch!

Setlist The Futureheads, Luxor, Köln:

01: Walking backwards
02: Decent days and nights
03: Robot
04: Radio heart
05: The city is here for you to use
06: Worry about it later
07: This is not the world
08: Work is never done
09: Think tonight
10: Hard to bear
11: Skip to the end
12: The beginning of the twist
13: Hounds of love
14: Carnival kids
15: Man Ray

16: Le garage (Z)
17: He knows (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Futureheads, Wiesbaden, 05.04.08
- The Futureheads, Köln, 02.04.08

- mehr Fotos dieses fabelhaften Konzertabends



Sonntag, 6. April 2008

The Futureheads & The Rifles, Wiesbaden, 05.04.08

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Konzert: The Futureheads & The Rifles (Visions Spring Tour)
Ort: Schlachthof, Wiesbaden
Datum: 05.04.2008
Zuschauer: viel zu wenige (höchstens halbvoll)
Konzertdauer: Die Mannequin 20 min., The Futureheads 53 min., The Rifles 50 min.


Oft habe ich mich schon gefragt, warum Kanada immer wieder Unmengen an brillanten Indie-Bands hervorbringt. Über viele von denen haben wir hier schon berichtet, z.B. über Arcade Fire, Immaculate Machine, Malajube, Pony Up!, Stars, Tegan and Sara, die Hidden Cameras, Tokyo Police Club, die New Pornographers und natürlich The Organ. Wie machen die das? Gibt es in kanadischen Schulen nur Indiefans als Radiomoderatoren und Musiklehrer? Oder ist das genetisch bedingt?

Glücklicherweise (fürs Selbstvertrauen anderer Länder) gibt es auch Ausnahmen. Billy Talent war eine, Die Mannequin die zweite. Das Trio aus Toronto macht eine Art von Rock, den ich nur schwer ertrage. Die Band besteht aus Sängerin Care Failure, Bassist Anthony Bleed und Schlagzeuger Ghostwulf (haha!). Care hatte eine Hot Pant an, Modell sehr knapp, ein taubengraues T-Shirt, Sportsocken, Chucks und hübsch gesträhnte Haare. Ihr Schlagzeuger trug ein
Futureheads Shirt, Anthony eines, das aussah, als stamme es von seinem Lieblingspub.

Als die Kanadier um 20.45 Uhr begannen, war der Schlachthof noch sehr leer. Der große Saal war schon im hinteren Teil durch Abtrennen eines Bereichs kleiner gemacht worden, leider lockte das zu 2/3 gute Lineup aber
selbst an einem Samstagabend viel zu wenige Leute nach Wiesbaden. Sehr, sehr schade! Zu Beginn von Die Supermodel standen in der ersten Reihe etwa 20 Leute, darunter eine Handvoll Fans (eine kleine Handvoll). Die nächsten 60% des Saals waren leer, die restlichen Zuschauer standen an den Getränke- und Merch-Ständen.

Care begann mit "Hi, we're Die Mannequin" - keine Reaktion. "Gleich kommen die Futureheads" - keine Reaktion. "Und danach die Rifles" - Stille. Ha! All die sicheren Tricks versandeten. Was die Band dann an Action lieferte, war schon sehr ok. Care kletterte mit einem Bein auf das Absperrgitter, stand mit dem anderen auf der Bühne, und spielte und sang weiter. Irgendwann gab sie Handclaps ins Publikum, mit der Bitte, die zu spielen. Gegen Ende tanzte die kleine punkige Frau zwischen den Fans (Zuschauern), stieg
dann auf die Bühne, spielte ein wenig mit ihrer Bierflache Gitarre, um die Flasche dann auf den Boden zu schmeißen. Die Show also ganz nett, während die Musik einfallsloser Schauderrock war. Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei.

Auch für Liebhaber von Bands mit Imperativ "Die" im Namen bietet Kanada etwas Gutes: Die Cowboy Die, die Band von Katie Sketchs kleinerer Schwester Shmoo.

Setlist Die Mannequin, Schlachthof, Wiesbaden:

01: The other Tiffany
02: Autumn cannibalist
03: Do it or die
04: New d song (?)
05: Five is father punk


Nach einer halben Stunde Umbau kam dann der Act, den ich Mittwoch in Köln bei
gleicher Gelegenheit als einzigen gesehen hatte, die Futureheads aus Sunderland in Nordengland. Für Nordengland gilt abgeschwächt das gleiche wie für Kanada, auch von da kommen unzählige großartige Bands. Die populärwissenschaftliche Erklärung dafür ist, daß viele der perspektivlosen Jugendlichen im ehemaligen Industrierevier im Norden entweder Fußball spielen (zwei Champions League Halbfinalisten werden schließlich von da kommen) oder Musik machen. Dann müßten aus dem Ruhrgebiet und dem Saarland aber auch viele tolle Künstler kommen. Und erfolgreiche Fußballvereine. Es scheint also andere Gründe zu geben. Vollkommen egal, wo die Gründe liegen, so lange es solche großen Bands wie die Futureheads gibt.

Die vier Engländer spielten ein abgewandeltes Set im Vergleich zu Köln. Sie begannen um 21.45 Uhr mit der neuen Single "
The beginning of the twist", die mir immer besser gefällt. Im Laufe ihres knapp einstündigen Konzerts spielten die Futureheads wieder die gleichen sieben neuen Songs, einige von denen hörte ich damit zum zweiten Mal. Aber auch in Wiesbaden gefielen die mir ausgezeichnet. Highlight ist und bleibt "Think tonight", alleine deswegen wir die neue Platte ein Pflichtkauf für mich.

Im Publikum waren einige Engländer, was - wie üblich - der Stimmung sehr gut tat. Die Briten erkannte man daran, daß sie bei allen Liedern, auch den neuen, eifrig
mitsangen. Aber dem nur halbvollen Saal geschuldet, war die Stimmung höchstens ziemlich gut. Das fiel der Band natürlich auch auf. Vor "Decent days and nights" sagte Sänger Barry:"At this point I would say put on your dancing shoes but you left them at home." Etwas später wurde dann in der Mitte zwar noch getanzt und gepogt, weil da aber so viel Platz war, war das alles sehr entspannt.

Toll war natürlich wieder "Hound of love", das live trotz all der oh-ohohs traumhaft ist. Andere Höhepunkte im Set sind zum Beispiel "Area", "
Decent days and nights" oder "Skip to the end" gewesen. Wobei alles Gespielte auffällig homogen war. Statt "Meantime" spielten die Futureheads in Wiesbaden das in Köln noch von der Setlist gestrichene "Carnival kids" vom Debütalbum "The Futureheads". Danach folgte nur noch (nur noch? Blödsinn!) "Man ray" und es gilt, was schon im Gebäude 9 galt: Die Futureheads sind eine ganz großartige Band mit riesigen Hits, die aber irgendetwas falsch gemacht haben muß, daß sie nicht den gleichen Erfolg wie andere Bands ihrer Generation hat, zu unrecht! Dieses Schicksal teilen sie mit anderen unterbewerteten Bands wie The Coral.

Setlist The Futureheads, Schlachthof, Wiesbaden:

01:
The beginning of the twist
02: Area
03: A to B
04:
This is not the world
05:
Decent days and nights
06: Broke up the time
07: Think tonight
08: Skip to the end
09: Everything's changing
10: Stupid and shallow
11: Hounds of love
12:
Hard to bear
13: The girl with the radio heart
14: He knows
15: Carnival kids
16: Man ray

Schon an den Band-T-Shirts im Saal sah man, wer der Headliner des Abends ist, nämlich unzweifelhaft die Rifles. In der Publikumsguns zumindest. Wie das musikalisch sein würde, war noch zu beurteilen, von den neuen Liedern der Band aus London kannte ich nämlich bisher keines. Wie die Futureheads veröffentlichen auch die Rifles demnächst ein neues Album, allerdings erst ihr zweites, das dem Debüt "No love lost" von 2006 folgt.

Eine erste neue Single war auch der Startsong des Konzerts, ein Lied namens "Talking", das mich noch nicht sonderlich überzeugen konnte. "No love lost" enthält eine ganze Menge großer Hits wie "Local boy", "Repeated offender", den Hidden track "Fat cat", "One night stand" oder "She's got standards". Daher war ich schon gespannt, auf die künftigen Hits der neuen Platte. "Talking" reicht an diese Qualität nach dem ersten Hören nicht heran. Ob die Band den neuen Titeln auch noch nicht traut, weiß ich natürlich nicht, es machte aber schon ein wenig den
Eindruck, denn sie spielte erst einmal vier Garanten für Stimmung ("She's got standards", "One night stand", "She's the only one" und "Hometown blues"). Die Stimmung war aber überhaupt nicht das Problem. Trotz teilweise wahnsinnig viel Platz vorne im Saal, kamen die Londoner prima an. Am meisten Spaß verbreiteten die Engländer im Publikum, die vorher schon einige Fangesänge auf die Rifles abgefeuert hatten. Mein Liebling dabei war Elgars "Land of hope and glory" umgedichtet in "We-he follow The Rifles", dem einer immer ein "and The Cribs" nachbrüllte.

Nach den vier Hits folgte mit "Toe rag" das nächste (mir) neue Lied, eine Ballade, die
ein ziemlicher Langweiler war, also auch nicht das neue "She's got standards". Danach wieder zwei alte und gute Lieder, bevor "Fool to sorrow" folgte (möglich, daß das Lied "Romeo & Juliet" heißt, die kommen darin nämlich vor, und unter dem Namen kursierte das Lied wohl schon im Netz). Von den mir unbekannten Liedern war das ganz eindeutig das schönste, es hätte auch auf "No love lost" gepasst. Direkt danach spielten die Rifles mit "The great escape" einen weiteren Neuling, ganz nett, aber auch nicht mehr.

Dem sehr guten (alten) "Repeated offender" folgte der fünfte und letzte neue Track der Band, "I could never die", auch nicht der kommende Hit, denn auf den wartete ich vergeblich. "Robin Hood", das nach dem Spitznamen des Gitarristen benannt ist, beendete nach vielleicht 40 Minuten das flotte Set. Natürlich fehlte aber noch "Local boy", das die zweite Zugabe nach dem akustischen "Narrow minded social club" wurde. "Local boy" widmete Sänger Joel den Block lautstarker Engländer. Er drehte
dann das Mikro zum Publikum, damit wir den Refrain singen würden. In England funktioniert das zweifelsfrei, in Wiesbaden trotz der englischen Gäste nicht. Es war dann wohl auch mehr Ironie als Höflichkeit, als Joel das Ergebnis mit einem trockenen "Beautiful" kommentierte.

"Beautiful" ist auch mein Fazit. Die Rifles leben von ihren aufregenden Hits der ersten Platte. Sollten sie nicht die besten Lieder des Nachfolgers noch bewußt zurückhalten, wird Album zwei deutlich schlechter. In Wiesbaden waren sie solide. Die alten Songs funktionieren live gut, der musikalische Headliner waren an diesem Abend aber ganz sicher die Futureheads.

Philippe: Oliver va traduire!

Setlist The Rifles, Schlachthof, Wiesbaden:

00: Intro: Be my baby (The Ronettes)
01: Talking (neu)
02: She's got standards
03: One night stand
04: She's the only one
05: Hometown blues
06: Toe rag (neu)
07: Spend a lifetime
08: Peace & quit
09: Fool to sorrow (oder Romeo & Juliet?) (neu)
10: The great escape (neu)
11: Repeated offender
12: I could never lie (neu)
13: Robin Hood

14: Narrow minded social club (Z)
15: Local boy (Z)

Links:

- The Rifles 2006 in Köln (einer unserer ersten "Konzertberichte")
- die Futureheads vergangenen Mittwoch in Köln
- mehr Fotos von den Rifles, den Futureheads und Die Mannequin

Konzertbesucher von den Rifles könnten auch mögen:

- The View (ein paarmal)
- vielleicht die Dirty Pretty Things (in Paris)

Konzertbesucher von den Futureheads könnten auch mögen:

- die Maccabees (in Haldern)
- die Good Shoes (mehrfach)
- die Gang of Four in Paris
- die Rakes hier und da (leider immer gleich)



Donnerstag, 3. April 2008

The Futureheads, Köln, 02.04.08

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Konzert: The Futureheads
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 02.04.2008
Zuschauer: recht voll, aber bei weitem nicht ausverkauft
Konzertdauer: 55 Minuten


Vermutlich war das mein erstes Konzert, bei dem ich weder im Saal war, der auf meinem Ticket stand, noch eine der da genannten Bands gesehen habe. Aber das war alles andere als verkehrt.

Ursprünglich sollte die Kölner Station der Visions Spring Tour in der Live Music Hall und ohne die Futureheads stattfinden. Obwohl ich schon eine Karte hatte, wollte ich dann viel lieber nach Wiesbaden, um da im schöneren Schlachthof (Animal Peace: Nur als Konzertsaal) das bessere Lineup zu sehen. Erst wurde dann das Kölner Programm um die Futureheads erweitert, dann von der großen Live Music Hall ins viel kleinere aber schönere Gebäude 9 verlegt, zwei gute Gründe, die Karte nicht weiterzugeben.

Mit Mut zur Lücke kamen wir passend zu den letzten Aufbauarbeiten der Futureheads im Gebäude 9 an. Ich habe die Band aus Sunderland noch nie gesehen, nur mindestens einmal knapp verpasst, freute mich aber schon sehr über die drei
Mikros, die dau aufgebaut standen. Daß mehrere Bandmitglieder singen (wie etwa die "oh ohoh oh" Passagen beim Kate Bush Cover "Hounds of Love" ähh, "Hounds of luv" natürlich), macht einen der vielen Reize der vollkommen zu unrecht unterschätzten Band aus. Die beiden ersten Alben erreichten in England nur Platz 11 und 12, dabei ist vor allem das erste "The Futureheads" ganz hervorragend. Wenn man damit viele der Nummer eins Alben in den englischen Charts vergleicht, überkommt einen ein Gefühl von Ungerechtigkeit.

Um zehn vor zehn blinkte der Roadie mit der Taschenlampe und es konnte losgehen. Das Gebäude 9 war zu dem Zeitpunkt recht gut gefüllt, es war aber nirgendwo richtig gedrängt, also richtig angenehm (außer den unvermeidbaren Dingen, daß die kettenrauchendsten und die lautest quatschenden Leute immer in meiner Umgebung stehen). Ohne Anlauf begannen die vier Engländer mit dem Hit "Decent days and nights" vom Debütalbum. Gitarrist Ross Millard hatte dabei ein paar Probleme mit der Gitarre, die gegen Ende des Lieds ausgetauscht war (das ist das Problem bei schnellen und kurzen Stücken - bei Built to Spill hätte man vermutlich das Gebäude 9
während eines Lieds neu anstreichen können - es, funktionierte aber). Die zweite Gitarre gab dem ganzen dann doch den richtigen Sound.

Die Futureheads sind zu viert. Sänger und Gitarrist Barry Hyde, sein Bruder Dave am Schlagzeug, Gitarrist Ross Millard und Bassist David Craig. Barry trug eine schwarze Anzugweste über einem grauen T-Shirt und eine Frisur, die ich in den jungen Sting erinnerte. Als er dann etwas geschwitzt hatte, wurde sie zu
der Frisur, die Morrissey auf seinen ersten ersten Soloplatten hatte, später war das dann eine typische nordenglische Männerfrisur (in Köln sagt man beim Frisör, wenn man das will: "tuste mich einmal Fassong bitte").

Viel geredet wurde nicht, also vorne, hinter uns schon (Walker, überall). Aber Ansagen wie "We are the Futureheads from Northeast England" reichen ja auch als Programm. Und wenn dann bei Kontaktversuchen mit den Natives ("how do you call 'heart' in German?") als lauteste Antwort ein von überall gebrülltes "Yeah!" kommt, ist das auch keine schlechte Idee.

Nach "Decent days" folgte mit "Broke up the time" ein erstes Lied von der im Mai erscheinenden dritten Platte. Der Song ist einer der wenigen neuen, die ich schon kannte. Und klasse ist er. Mein neuer Liebling ist aber das nach "A to B" und dem als EP veröffentlichten "Area" gespielte neue "Think tonight". Gut, jetzt ist das Gebäude 9 nicht das Konzerthaus Dortmund, jedenfalls klanglich, also nicht der beste Ort, um ein neues Lied innerhalb
von zweieinhalb Minuten objektiv zu bewerten. Was aber verflucht egal ist, "Think tonight" ist eines der Lieder des Jahres, ganz sicher!

Danach folgte mit "
Skip to the end" das einzige Lied von "News and tributes", der zweiten Platte der Futureheads. Mögen die die nicht? Sie spielten gleich viele Lieder von der ersten und der dritten Platte, Area und "Skip to the end", irgendwie also sehr ausgewogen.

Zu den anderen mir neuen Sachen kann ich noch nicht viel Substantielles sagen, außer, daß sie sich nahtlos zu den sonst gespielten Stücken einpaßten. Wenn also auf
"This is not the world" schon einmal sieben so gute Lieder sind, kann die Platte nicht schlecht werden. Juchu!

Nicht gut war, daß es nach 55 Minuten vorbei war. "Man ray" war der Abschluß. Mich hat die Band live vollkommen überzeugt. Danach noch die Rifles zu sehen, wäre nicht nur aus Vernunftgründen (sie hätten erst um kurz nach elf begonnen, wenig vor dem Klingeln meines Weckers) falsch gewesen. Für deren neue Platte habe ich ja den Schlachthof in Wiesbaden. Die Futureheads haben gesonderte Aufmerksamkeit verdient - und bekommen, leider allerdings nicht vom kompletten Publikum, das wohl doch eher wegen der Rifles oder wem auch immer da war.

Setlist The Futureheads, Gebäude 9, Köln:

01: Decent days and nights
02: Broke up the time (neu)
03: A to B
04: Area
05: Think tonight (neu)
06: Skip to the end
07: Everything's changing (neu)
08: Meantime
09: Stupid and shallow
10: Hard to bear (neu)
11: Hounds of love
12: This is not the world (neu)
13: The girl with the radio heart (neu)
14: He knows
15: The beginning of the twist (neu)
16: Man ray

Links:

- mehr Fotos von den Futureheads in Köln

Konzertbesucher von den Futureheads könnten auch mögen:

- die Maccabees (in Haldern)
- die Good Shoes (mehrfach)
- die Gang of Four in Paris
- die Rakes hier und da (leider immer gleich)



 

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