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Donnerstag, 11. April 2013

Mumford & Sons, Kopenhagen, 08.04.2013

2 Kommentare
Konzert: Mumford & Sons
Ort: Falconer Hall, Kopenhagen
Datum: 08.04.2013
Support: Half Moon Run, Mystery Jets
Zuschauer: 10.000+ (?); ausverkauft
Dauer: Mumford & Sons (90min), Mystery Jets (40min), Half Moon Run (30min)



Man wünsche sich zurück in das Jahr 2007. Beneidenswerte Mitmenschen werden vielleicht das Glück gehabt haben, irgendwo in London an der richtigen Straßenecke vorbeigekommen zu sein oder in dem richtigen Pub gesessen zu sein, als Marcus Mumford und seine Jungs ihre ersten musikalischen Gehversuche in der Londoner Musikszene unternahmen. Heute sind Mumford & Sons lange kein Geheimtipp mehr – vor allem in der britischen Heimat und den Staaten füllen sie riesige Stadien und ihr erst zweites Album „Babel“ errang wie erwartet im letzten Herbst global Spitzenpositionen. Vermeintlich clevererweise beschlossen eine Freundin und ich die kleinstmögliche Venue der bereits im letzten Herbst verkündeten Europatour auszuwählen und so verschlug es uns nach Kopenhagen. So wie das im Leben häufiger mal ist, wurden unsere Pläne durchkreuzt, als die zunächst geplante „kleine“ Venue mit etwa 2.500 Leuten auf ein im Internet mit einer Kapazität von 21.000 Menschen ausgewiesenes Konferenzzentrum hochverlegt wurde. Schön für die, die noch keine Karte hatten – für uns doch eher schade. Nichtsdestotrotz machten wir uns hochmotiviert morgens um 5 Uhr auf den Weg gen Norden und waren auch schnelle 11h49min später schon mit dem Zug in Kopenhagen und wurden erstmal mit Schnee begrüßt. Noch ziemlich fertig von der umständlichen Anreise, beschlossen wir es am nächsten Tag, dem Tag des Konzerts, etwas ruhiger angehen zu lassen, wurden aber dann doch früher als geplant von den Sonnenstrahlen nach draußen gelockt. Kopenhagen präsentierte sich von seiner schönsten Seite und wir durchquerten trotz bevorstehendem Konzert die halbe Stadt und vertrieben so effektiv die Pre-Gig-Nervosität. Laut wie gewohnt eher undekorativem Musicglue-Ticket-Voucher sollte der Einlass um 20Uhr stattfinden – glücklicherweise waren wir bereits kurz nach 19 Uhr an der Falconer Hall, um dann feststellen zu müssen, dass die Türen bereits weit offenstanden – kurze Verwirrung bzw. Bestürzung, aber nachdem es ausnahmsweise beim Einlass keine Probleme gab – außer das uns schon wieder das Ticket abgenommen wurde – standen wir dann relativ entspannt in der zweiten Reihe. Kleiner Funfact: in Dänemark ist es nicht einmal gestattet seine Jacken über die Absperrung zu hängen – allerdings wurde ich noch nie zuvor so höflich darauf hingewiesen. Diese höfliche und freundliche Art der Dänen machte sich allgemein positiv während des Konzerts bemerkbar. Man hätte annehmen können, dass es deshalb sehr ruhig zu gehen würde, aber ganz im Gegenteil ging es spätestens bei Mumford & Sons ordentlich ab – und das ganz ohne nerviges Drängeln oder Schubsen. Eine meines Erachtens ebenso berichtenswerte Anekdote ist die, das das dänische Publikum es schaffte, mit höflicher Bestimmtheit zwei vermutlich amerikanische Vordrängler einfach wieder zum Gehen zu bewegen, da diese sich vollkommen zu recht schämten, als sie merkten, dass sie mit der „Wir suchen ja nur nach unseren Freunden, bleiben aber dann einen Meter neben oder noch besser direkt vor euch stehen“-Nummer hier nicht durchkommen. Chapeau!


Da meine Begleitung bereits ein Mumford & Sons-Konzert der aktuellen Tour mitgemacht hatte, wusste ich leider schon, dass uns 2 Vorbands bevorstehen. Nichts gegen Vorbands im Allgemeinen, denn prinzipiell hat jeder eine Chance verdient, aber meine Konzentrationsspanne ist einfach nach einer Vorband schon leicht strapaziert, von meiner Geduld und meinen schmerzenden Füßen mal ganz abgesehen. Die erste Supportband des Abends waren „Half Moon Run“ aus Montreal. Sympathische Jungs, die ihre Musik mit viel Begeisterung vortrugen und Sänger Devon mit seiner Stimme schlichtweg beeindruckte – insgesamt wirklich unterhaltsam und es folgte verdienter Zuspruch aus dem Publikum. Meiner Meinung nach auch gut passend zum Hauptprogramm, was für mich grundsätzlich schon einmal Grund zur Begeisterung ist, da man so oft Supportbands überstehen muss, die einfach so ganz und gar nicht zum Hauptact passen. Für mich bemerkenswert, wenn auch nicht genau überprüfbar – aber anscheinend wechselt man bei Mumford & Sons fast bei jeder Show das Vorprogramm – sehr lobenswert!


Die von meiner Begleitung aufgestellte Theorie, dass bisher die zweite Supportband immer (jedenfalls in Barcelona und Luxemburg) schlecht war, sollte sich auch für mich persönlich an diesem Abend wieder bestätigen. Die „Mystery Jets“ waren mir schon länger ein Begriff, da ich sie vor einigen Jahren bereits im Vorprogramm sehen/ertragen durfte. Ich bin mir nicht genau sicher, wann oder wo das war, aber es blieb ein negativer Nachgeschmack. Nichtsdestotrotz war ich der zweiten Begegnung offen gegenüber getreten und war leider dieses Mal auch ganz und gar nicht begeistert. Das Publikum zeigte sich in der Mehrheit auch nach ein paar Songs ziemlich gelangweilt. Rein musikalisch möchte ich die „Mystery Jets“ gar nicht zu sehr kritisieren, auch wenn es textlich und melodisch eindeutig Einfallsreicheres gibt – das Schlimmste für mich die gefühlten 4 Mitklatsch-/Mitsingsongs bei etwa 8 Liedern insgesamt – und die geschmacklich strittigen Bühnenoutfits in fragwürdigem Cowboy-/Amerikalook. Da bleibt mir persönlich nur eine Frage: „Warum?!“


Die Stimmung in der Falconer Hall war erstaunlicherweise ungetrübt – vermutlich wieder dank der Tatsache, dass die Dänen einfach unerschütterlich freundlich sind oder vielleicht auch dank der tollen Bühnendekoration. Neben Banner und Satellitenschüsselscheinwerfern war der gesamte Saal Little-Lion-Man-getreu reihenweise mit Lichterketten dekoriert, die sich bis zu den Rängen hin über das Publikum erstreckten und bevor die Show überhaupt begonnen hatte, für die passende Atmosphäre sorgten.



 Erfreulicherweise wurden die Umbaupausen auch möglichst kurz gehalten und kurz nachdem das Publikum kollektiv durch Rufe und Klatschen signalisierte, dass wir jetzt bereit waren, ging es auch schon los. Ohne großes Gehabe betraten Marcus und seine 3 „Sons“ die Bühne, begleitet von diversen Musikern, die eine Streichersektion auf der einen Seite und eine Bläsersektion auf der anderen Seite bilden sollten. Trotz der Vielzahl von Musikern, die sich nun auf der Bühne befanden, waren immer noch einige Instrumente unbesetzt – dieses Mysterium sollte sich aber im Laufe des Konzerts aufklären. Selten wurde ich direkt von Anfang an so in ein Set hineingezogen und war selten direkt so abgrundtief begeistert, wie bei Mumford & Sons an diesem Abend. Als die ersten Töne der Gitarre erklungen und spätestens als Marcus die ersten Worte des Openers „Babel“ mit seiner fast schon magischen Stimme vortrug, war ich wie weggetreten und vollkommen bei dem, was sich auf der Bühne abspielte. Mumford & Sons waren von Beginn an mit voller Energie und voller Begeisterung da und brachten ihre Lieder genauso energetisch und kraftvoll auf die Bühne, wie sie es verdient haben. Sämtliche dänische Zurückhaltung des Publikums war verflogen und alle sangen jede einzelne Silbe so mit, als ging es um ihr Überleben. Als dann bereits als zweiter Song „I will wait“ den Raum erfüllte, war bei mir einfach alles zu spät und ich war so hin und weg, dass es mir zum zweiten Mal in meinem Leben passierte, dass ich meine Kamera vor Begeisterung mit voller Wucht aus meiner Hand schleuderte. Zum Glück ist nichts passiert, aber ich denke das beschreibt den Moment sehr treffend und eben diese Stimmung hielt bei mir den Großteil des Sets an. Mumford & Sons verstanden es kunstvoll erst das hohe Tempo des Anfangs mit „Below my Feet“ und „White Blank Page“ zu erhalten, mit „Holland Road“ etwas herauszunehmen und das Publikum zu einem wundervollen Moment der Stille bei „Timshel“ inspirieren. Dramaturgische Perfektion, da danach mit „Little Lion Man“ wiederum vollkommene Ekstase im Saal ausbrach und so die Stimmung des Publikums perfekt gelenkt wurde.


 
Das Set bot eine ausgewogene Mischung von älteren Songs des Debüts „Sigh No More“ und den Songs des letzten Albums „Babel“ und enthielt einfach alles, was ein gutes Konzert ausmachen sollte. Musikalische Perfektion von „Thistle & Weeds“, über „Roll away your stone“ zu „The Cave“, pure Spielfreude und Begeisterung von grundauf sympathischen Alleskönnern (souveräner Wechsel von Keyboard zu Klavier, von Kontrabass zu Drums etc.) , die trotz ihres enormen Erfolgs am Boden geblieben zu sein scheinen. Obwohl meiner Meinung nach nach „The Cave“ hätte bereits Schluss sein können, wurde dem Publikum noch eine gemeinsame Performance des The Band Songs „The Weight“ geboten, zu dem sich beide Supportbands auf der Bühne einfanden, Ein gelungener Abschluss eines tollen Konzerts, der den „Mumford & Sons-Spirit“ treffend auf den Punkt brachte.


Jeglicher Skepsis aufgrund der Hallengröße, den 2 Vorbands und der Gefahr zu trotz, dass Mumford & Sons mittlerweile den Pfad der größenwahnsinnigen Stadionbands beschritten haben könnten, lieferten Marcus und seine Jungs eine grandiose Show, die mir Tage später noch Ohrwürmer und wohlige Schauer in Erinnerung an die unglaubliche Stimme Mr. Mumfords beschert. Fuck yeah, Mumford & Sons, fuck yeah.

Setlist: Mumford & Sons, Falconer Hall, 08.04.2013 


01: Babel
02: I will wait
03: Below my feet
04: White Blank Page
05: Holland Road
06: Timshel
07: Little Lion Man
08: Lover of the light
09: Thistle & Weeds
10: Ghosts that we knew
11: Awake my soul
12: Roll away your stone
13: Dust Bowl Dance

14: Whispers in the dark (Z)
15: The Cave (Z)
16: The Weight (Z) (The Band Cover)


Dienstag, 18. November 2008

The Kooks, CSS, u.a., Paris, 17.11.08

1 Kommentare

Konzert: The Kooks & CSS (Mystery Jets, White Lies)

Ort: Le Zénith, Paris
Datum: 17.11.2008
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft
Konzertdauer: White Lies: 28 Minuten (trotzdem noch zu lange!), Mystery Jets ca. 35 Minuten (viel zu kurz), CSS: 55 Minuten, The Kooks ca. 85 Minuten



Ob sie sich heute nicht alt gefühlt haben, möchte ich von zwei Konzertfreundinnen* nach dem Auftritt der Kooks im Pariser Zénith wissen. Schon Sekundenbruchteile nachdem ich den Satz ausgesprochen habe, ist mir die Frage peinlich, denn so etwas ist ja nicht gerade sehr galant, zumal eine der beiden schon eine 4 vor der Altersangabe hat. Die andere ist 31, also eigentlich noch jung, dennoch aber fast doppelt so alt, wie die anderen Mädels hier. Die sind nämlich größtenteils nicht älter als 16!

Ich selbst fühlte mich mit meinen 37 ja auch schon wie ein Tattergreis, empfand jedoch das jugendliche Publikum als sehr erfrischend.

Los ging das Ganze bereits um 19 Uhr. Vor dem Zénith versuchten noch ein paar Schwarzhändler ein Geschäft zu machen, obwohl die Veranstaltung heute das einzige Event im Rahmen des Festival des Inrocks war, für das es noch bis zum Schluss reguläre Karten gab. Schon witzig diesen Schwarzhändlern zuzusehen! Stellen sie da mit einem Schild mit der Aufschrift "Cherche 2 places", also suche Karten, auf die Straße, obwohl doch eh jeder weiß, daß sie ihre eigenen Tickets verhökern wollen. Aber so kann ihnen die Polizei nichts, obwohl die die Kerle auch bestens kennen müßte, es sind nämlich immer die gleichen, sei es bei Musikveranstaltungen wie heute, oder dem Tennisturnier in Roland Garros im Mai.

Ich begegne auf dem Weg meinem Freund Philippe. Der Bursche hat es eilig und hetzt strammen Schrittes Richtung Eingang, weil er auf keinen Fall etwas von den Engländern White Lies verpassen möchte. Ich versuche ihn zu beruhigen, indem ich ihm sage, daß Hetze hier fehl am Platze sei, White Lies seien nämlich alles anders als gut, ich wisse das vom Haldern Pop Festival. Er reagiert eingeschnappt: "Dich sollte man in die deutsche Provinz zurückschicken, Du hast die White Lies nicht verdient!"

Soll mir Recht sein, denn ich verdiene in der Tat Besseres als junge englische Klone der Killers. In aller Ruhe drinnen angekommen, schallt mir schon diese eklige Brandon Flowers Imitator-Stimme entgegen und der Sound ist auch entsprechend bombastisch und schwülstig. Fehlende musikalische Qualität scheint man hier durch Lautstärke ersetzen zu wollen, denn der Lärm im Zénith ist kaum auszhalten. Die zwei blonden Mädchen neben mir halten sich zu Recht die Ohren zu. Ein schlechter Auftakt, aber zum Glück ist nach gut 25 gräßlichen Minuten schon alles vorüber.

Der Saal füllt sich ganz langsam, längst sind noch nicht alle Girlies angekommen, da die Kooks ja auch schließlich erst um 22 Uhr beginnen.

Vorher gibt es eine andere englische "Boygroup" zu hören und zu sehen. Die Mystery Jets habe ich noch von einem gelungenen Debütalbum in guter Erinnerung und auch ihr damaliger Auftritt in der Maroquinerie - zu der Zeit sogar noch mit dem weißhaarigen Vater des Sängers- war richtig gut. Vor ein paar Monaten haben mich die sehr sympathischen und höflichen Jungs von den Mystery Jets im Vorprogramm von Kate Nash allerdings weniger begeistert. Nicht, daß ihr Kurzauftritt da schelcht gewesen war, aber der Funke wollte irgendwie nicht richtig überspringen. Das ist auch heute leider nicht großartig anders. Die ersten vier Lieder, darunter Young Love, das auf CD mit der famosen Laura Marling eingespielt wurde, plätschern an mir und dem Publikum weitestgehend vorbei. Erst mit Alas Agnes, das Sänger Blaine mit "A dancing song" angekündigt hatte, kommt mehr Bewegung in die Geschichte. Zum ersten Mal spürt man so etwas ähnliches wie Stimmung. Das Konzert ist jetzt besser in Fahrt gekommen, flacht aber immer mal wieder ab, obwohl Flakes ziemlich schön ist. Überhaupt halte ich die Engländer, die auch gut französisch sprechen, für sehr talentiert, aber ihre Musik ist für den riesigen Zenith denkbar ungegeignet. Und dies obwohl sie inzwischen viel mehr Keyboardparts und tanzbare Element einbauen. Richtig gut gefällt mir zum Schluß Behind The Bunhouse, was dazu führt, daß ich den erneut kurzen Auftritt der netten Briten als insgesamt brauchbar einstufe.

Sännger Blaine verlässt als letzter die Bühne. Er ist bekanntermaßen gehandicapt und kann nicht ohne Krücken laufen. Ich bewundere seinen Mut und Optimismus und finde es toll, daß er trotz seiner Behinderung eine solch große körperliche Anstrengung wie das Geben von Konzerten bravourös meistert!

Flink auf den Beinen ist hingegen Stimmungskanone Lovefoxx, die dralle Sängerin der brasilianischen Fast-Girlgroup (der männliche Bassist versaut die Einstufung als 100%ige Mädchenband) CSS. Wie ein Wilde hüpft sie regelmäßig über die Bühne, das war bei den früheren Konzerten die ich von den Südamerikanerinnen geshen habe so und ist auch heute nicht anders. Dennoch hat es Veränderungen gegeben. Die Bassistin von früher ist nicht mehr dabei. Man hat sie aussortiert, angeblich weil sie ihr Instrument nicht richtig beherrschte, nach ihrer eigenen Ausage aber weil sie sich nun um ein Modestudium kümmere. Wie dem auch sei, der bärtige und tätowierte Kerl im Bunde, spielt jetzt halt eben Bass und nicht mehr Schlagzeug, wie das vorher der Fall gewesen war. Dafür sitzt ein anderer Typ hinter dem Schlagzeug, so daß das Verhältnis Männlein zu Weiblein zumindest bei Liveshows 4:2 beträgt. Die extrem dürre Keyboarderin vor mir kenne ich noch von meinen damaligen 3 CSS Konzerten. Sie war immer schon so mager, da ist alles beim Alten geblieben. Neu ist allerdings, daß Lovefoxx selbst wesentlich schlanker erscheint. Ich hatte sie noch als ziemliche Wuchtbrumme in Erinnerung. Sie dürfte mindestens 7 Kilo seit Rock en Seine abgenommen haben, ihr Bauch ist wesentlich flacher. Nach wie vor aber presst sie ihren Körper in hautenge Ganzkörperanzüge, die meistens grellbunt gemustert sind. Heute hat sie allerdings ein schlichtes schwarzes Teil mit imitierter weißer Knopfleiste und einer dazu passenden schwarzen Fliege an. Ein tolles Outfit, das ihr wirklich gut steht, keine Frage! Wenn man genau hinguckt, kann man erkennen, daß ihre Augen sehr stark geschminkt sind und auch ihre Lippen schimmern bläulich-schwarz. Sie läuft diesbezüglich im Partnerlook zusammen mit dem Bassisten, der mit seinem geschminkten Gesicht fast wie ein Clown aussieht.

Clownereien lesiten sich CSS sowieso am laufenden Band. Die Texte sind hochgradig vulgär und dürften Klosterschülerinnen die Sprache verschlagen, aber viele junge Leute im Zénith stehen auf solche derben Lyrics. "The bitch said yeah, the bitch said yeah, the bitch said yeah yeah yeah yeah yeah", viele singen den Text des Liedes Paris Hilton lauthals mit. Die Stimmung ist gut, das kann man nicht anders sagen, auch wenn der Sound fürchterlich übersteuert aus den Boxen kommt. Verantwortlich für die Bewegung bei den Zuschauern ist eindeutig Lovefoxx, die wie für die Bühne geschaffen ist. Hyperaktiv, manchmal vulgär, rotzfrech und quirlig wie ein Flügelflitzer. Man hat große Probleme sie mit der Kamera einzufangen, sie entgleitet einem wie ein Aal in der bloßen Hand. Die neuen Songs von zweiten Album Donkey ziehen gar nicht mal so übel und dies obwohl Musikkritiker das Werk weitestgehend verissen hatten. Beim Debüt hatten sie noch fast alle geschwärmt und jetzt lassen sie die Band fallen, wie eine heiße Kartoffel, seltsam! Schon klar, daß CSS möglicherweise maximal drei Alben machen werden, bevor Schluss mit lustig und vulgär ist, aber die Energie von Lovefoxx kann keiner leugnen. Und Left Behind und Rat Is Dead sind eigentlich ziemlich cool und keinesfalls schlechter als das Material vom Erstling. Dennoch zieht natürlich das sehnlich erwartete Lets Make Love And Listen To Death From Above am besten. Überraschenderweise kommt dann mit Alala noch ein weiteres Stück von Cansei de Ser Sexy und die Sache ist gelaufen. Zwischenzeitlich hatte sich Lovefoxx ihres schwarzen Ganzkörperanzugs erledigt und ein gewohnt buntes, darunter befindliches Integralteil gezeigt. Wenn ihre Meinung dazu wissen wollt: Schwarz stand Lovefoox deutlich besser!

Nachdem CSS abgezogen waren, warteten alle gespannt auf die Kooks, denn dafür waren die meisten Zuschauer hier schließlich gekommen. Zuschauer? Eher Zuschauerinnen, denn das Publikum war wirklich zu 70-80% weiblich, so etwas sieht man selten!

Voller Vorfreude und in gespannter Erwartung auf das Kommende, rückten die Girlies ganz nah an die Bühne ran, um mit ihrem Handy Fotos von Luke, Paul und wie sie auch immer heißen, zu schießen. Auch ein großer Pulk an Fotografen hielt sich bereit, um so gut wie möglich positioniert zu sein.

Die Kooks im riesigen Zénith (6.400 Plätze), wer hätte das vor 2-3 Jahren gedacht! Ich erinnere mich noch genau an ihr allererstes Konzert, das sie in der recht kleinen (500 Plätze) Maroquinerie gegeben haben. Damals war noch nicht einmal ihr Debütalbum Inside In Inside Out auf dem Markt und am Merchandising- Stand verschenkten sie Promo- CDs von dem Sofa Song, um auch außerhalb von England, wo man bereits sehr früh Notiz von ihnen genommen hatte, bekannter zu werden. Mit Paris verbindet die Band aus Brighton aber auch noch ein anderer Umstand. Die Weiberhelden haben nämlich das Video zu ihrem tollen Hit Ooh La ("Your pretty pretty petticoat") in der Stadt der Liebe gedreht und darauf wiesen die Wuschelköpfe während des Konzertes auch noch einmal hin. Auch live ist Ooh La nach wie vor eine der großen Zugnummern, das war schon zu Beginn ihrer Karriere so und auch heute nicht anders. "Go to Hollywood and pay the price", die Mädels neben mir sangen wirklich jede Songzeile lauthals mit und trafen dabei oft nicht die richtigen Tönen. Es ist heutzutage kaum noch möglich, ein Konzert von den Kooks zu sehen, bei dem die Fans nicht schon die gesamten Strophen komplett selbst singen.Im Grunde genommen könnte sich Luke Pritchard, der mich nach wie vor an eine Miniaturausgabe von Thomas Gottschalk erinnert, als Dirigent betätigen und seinerseits eine ruhige Kugel schieben. Allerdings würde das Ergebnis dann wohl wirklich sehr schief werden, weshalb es besser ist, wenn er ins Geschehen eingreift und den eingängigen Songs seine leicht soulige Stimme verleiht. Das Lobenswerte an den Kooks ist, daß sie keinen wuchtigen Gitarrensound brauchen, um auch große Konzerträume zu beschallen, sondern mittels packender Melodien und einem hyperagilen Sänger es schaffen, eine riesige Stimmung zu machen. Und ihr jetzt schon beeindruckendes Material an guten Songs kann ihnen niemand mehr nehmen. Auch auf dem zweiten Album Konk, daß bei den Musikkritikern deutlich schlechter bewertete wurde als der Erstling, finden sich einige Perlen. Sway zum Beispiel ist ein beschwingtes, mitreißendes Stück britpopscher Prägung, das ich schon von früheren Konzerten her kannte. Auch Mr. Maker ist ausgezeichnet und steht in der Tradition der Beatles, wie das so oft bei englischen Bands anzutreffen ist. Wahrscheinlich würden Paul Mc Cartney und John Lennon heutzutage wie die Kooks klingen, wenn sie noch zusammen auf der Bühne stehen könnten...

Besonders gut gefällt mir das sonnige Element in den Stücken der Brightoner, die Songs klingen oft so, als seien sie bei strahlendem Wetter in Kalifornien und nicht unter englischem Regen entstanden. Logischerweise war dann auch die Laune bei den entzückten Mädchen im Publikum bestens. Belustigt verfolgte ich, wie eine junge Brünette mit ihrer Freundin ausgelassen zu jedem Lied mittanzte, während ihr Freund schmollend und stocksteif in der Ecke stand. Vielleicht war er eifersüchtig auf Luke und konnte es nicht ertragen, daß seine Freundin nur noch Augen für den wuschelköpfigen Sänger hatte. Irgendwann fiel ihr dann auf, daß ihr Freund sauer war und als Reaktion darauf hatte sie wirklich einen cleveren Schachzug parat: Nach jdem gespielten Stück lief sie zu ihrem gekränkten Lover rüber, gab ihm ein Küsschen und verschwand wieder tanzenderweise in der Menge. So hatte sie sich ganz geschickt ihres schlechten Gewissens entledigt. Ich amüsierte mich köstlich darüber, auch deshalb, weil das Mädel unzählige Male erfolglos versuchte, ihren Typen zum Tanzen zu bringen.

Bei der Songzeile "Do you wann make love with me", ist er sicherlich innerlich vor Eifersucht geplatzt, denn direkter hätte die Anspielung ja nicht sein können. Zugegeben: dieses Lied (Do You Wanna) und auch die solo vorgetragene Zugabe Jackie Big Tits wirken schon reichlich pubertär, aber die Kooks sind ja selbst noch jung und da ist so etwas normal. Und auch mit meinen 37 Jahren konnte ich dem Konzert musikalisch etwas abgewinnen, auch ohne für einen der süßen Boys auf der Bühne zu schwärmen.

Bei alten Hits wie She Moves In Her Own Way, Naive oder dem den regulären Teil abschließenden You Don't love me... hielt es ohnehin nur noch Miesmuffel auf den Sitzen. Die ersten drei balladesken Zugaben trug dann Luke ganz allein auf der Gitarre vor, bevor die Band wieder mit hinzustieß und noch einmal mächtig Dampf machte. Es gab sogar einen nagelneuen Track (Titel wird nachgereicht) und zum krönenden Abschluß den Sofa Song. Ausgerechnet jenes Lied also, daß ich auf einer Promo- CD vor zwei Jahren geschenkt bekommen hatte...

Setlist Mystery Jets, Le Zénith, Paris:

01: Hideaway
02: Half In Love With Elizabeth
03: Young Love (ohne Laura Marling)
04: Alas Agnes
05: Flakes
06: Hand Me Down
07: Veiled In Grey
08: Two Doors Down
09: Behind The Bunhouse

Setlist CSS, Le Zénith, Paris:

01: Jager Yoga
02: Meeting Paris Hilton
03: Left Behind
04: Off The Hook
05: Rat Is Dead
06: Move
07: Music Is My Hot, Hot Sex
08: Give Up
09: Beautiful Song
10: Alcohol
11: Air Painter
12: Jamaican Flag
13: Let's Make Love And Listen To Death From Above
14: Alala

Setlist The Kooks, Le Zénith, Paris:

01: Always Where
02: Matchbox
03: Eddie's Gun
04: Ooh La
05: Sway
06: Time Awaits
07: I Want You
08: One Last Time
09: She Moves In Her Own Way
10: Mr. Maker
11: Do You Wanna
12: Naive
13: Shine On
14: You Don't Love Me...

15: Seaside (Luke solo akustisch) (Z)
16: Jackie Big Tits (Luke solo akustisch) (Z)
17: Princess Of My Mind (akustisch) (Z)
18: Stormy Wheater (Z)
19: Sofa Song (Z)

Merci beaucoup à Stéphane et Marguerite pour les setlists!

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Kooks, Rock A Field, Luxemburg
- The Kooks, Palladium Köln, 17.06.08
- The Kooks, KulturKirche Köln, 12.04.08
- The Kooks, Olympia Paris, 02.07.07
- The Kooks, E-Werk Köln, 03.12.06
- The Kooks, La Cigale Paris, 10.11.06

- Fotos von den Kooks hier
- Fotos von den (meist weiblichen) Kooks Fans, der Atmosphäre und der Aftershow hier
- Fotos von CSS hier
- Fotos von den Mystery Jets hier
- Fotos von den White Lies hier

- Voici une chronique de ce concert en anglais, chez nous amis de rockerparis. com avec quelques très belle photos et des vidéos.
- Lire une chronique amusante et personelle en francais sur le concert des Kooks. L'auteur se sentait un peu mal à l'aise...
- Photos magnifiques chez Photosandgigs.vom
- Video The Kooks - See The Sun live, Le Zénith Paris, 17/11/2008
- Video The Kooks - Jackie Big Tits live, Le Zénith Paris, 17/11/2008 (witzig sind die "I love you-Rufe der Mädchen)
- Video CSS - Jager Yoga live Le Zénith Paris, 17/11/2008, keine dolle Qualität, aber man bekommt einen Eindruck von der Stimmung
- Video Mystery Jets - Flakes live in München 16.11.2008, der Sänger hat den gleichen Glitzerfummel wie in Paris an.




Dienstag, 1. April 2008

Kate Nash, Paris, 31.03.08

5 Kommentare

Konzert: Kate Nash (Vorgruppe: Mystery Jets)
Ort: La Cigale, Paris
Datum: 31.03.2008
Zuschauer: ausverkauft!
Konzertdauer: 75 Minuten (Mystery Jets 30 Minuten)


Hat ausgerechnet eine junge Frau aus England - dem Land des permanenten Regens - den Frühling nach Paris gebracht?

Es schien fast so. Nach morgendlichen Schauern lachte in Paris endlich mal die Sonne vom Himmel. Die Touris vor dem Eiffelturm hatten ihre Jacken ausgezogen und manche nahmen auf einer Parkbank gar ein kleines Sonnenbad.

Vielleicht liegt es an der frischen und beschwingten Musik, die Kate Nash macht, daß sich Petrus gnädig zeigte. Möglichweise aber hatte es auch mit der Bühnendeko von Miss Nash zu tun, den diese bestand aus einem blauem Himmel mit friedlichen Wölkchen.

Und genau vor dieser Kulisse sollten dann auch die Mystery Jets um 19 Uhr den Ball eröffnen. Die britische Band um den charismatischen Sänger Blaine Harrison hatte ich vor geraumer Zeit mal in der Pariser Maroquinerie gesehen und für sehr gut befunden. Damals noch mit dabei: Henry Harison, der ergraute Vater von Blaine am Keyboard und der Gitarre. Der Senior gehört aber nicht mehr zur Band und auch sonst gab es Veränderungen. Blaine zum Beispiel hatte schwarz (gefärbte?) Haare, damals waren sie noch blond. Noch auffallender war aber, daß er mit Krücken auf die Bühne gehumpelt kam. Was ist da passiert? Ein schlimmer Reitunfall? Ich weiß es nicht, Tatsache war aber, daß der Lockenkopf den Gig sitzenderweise absolvierte. Toll, daß er überhaupt auftritt! Weniger toll fand' ich allerdings vor allem das allererste Lied. Erneut fragte ich mich, was denn da passiert sei. Das klang ja fast nach den Klaxons und die kann ich nun einmal nicht leiden! Stampfende Beats, ein elektronischer Sound und eunuchenhaft hohe Gesänge. Ich glaubte gar, Ähnlichkeiten mit diesem scheußlichen "Golden Skans" auszumachen. Es handelte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Stoff von dem neuen Album "Twenty One", das in England bereits vor kurzem erschienen ist. Vielleicht lag es aber einfach nur an dem ziemlich stark übersteuerten Sound in der Cigale. Es dröhnte und schepperte, daß mir vorne fast die Ohren wegflogen. Ansonsten hätte ich mit Sicherheit Lied Nummer 2, das neue "Young Love" gemocht, denn es wurde zusammen mit der jungen Laura Marling eingespielt, von der ich eine Menge halte. Laura war aber leider nicht mit dabei. Stattdessen gab es aber immerhin einen perfekt französisch sprechenden Bassisten (Kai Fish), der sich im Namen der Gruppe erfreut zeigte, in der Cigale auftreten zu dürfen. Im Laufe des Sets wurde der Sound etwas besser und der leicht altmodische Charme, der dem ersten Album "Making Dense" innewohnte, blitzte an der ein oder anderen Stell auf. Auch das neue "Flakes" wußte zu gefallen und mit "Diamonds In The Dark" einer Singleauskopplung von "Making Dens" bekamen die vier Jungs nach einer halben Stunde Spielzeit auch noch einen ordentlichen Abgang hin. Ich hatte mir allerdings mehr von dieser eigentlich sehr guten Band versprochen. Was wohl Jack Penate von dem Auftritt hielt? Der überaus sympathische Engländer stand nämlich zusammen mit einer hübschen Brünetten im Publikum und blickte amüsiert auf die Bühne, auf der er selbst im letzten November beim Festival des Inrocks aufgetreten war.

War Jack Penate nicht sogar schon einmal mit Kate Nash zusammen? Ich glaube ja, zumindest gab es einmal ein Titelbild im NME, auf dem Jack und Kate gemeinsam posierten. Inzwischen turtelt Miss Nash aber wohl mit Ryan "The Cribs" Jarman. Und Herr Penate halt eben mit seiner neuen Flamme, die im Leopardenmantel erschienen war. Ich denke Jack hat eine gute Wahl getroffen, seine Neue ist ein steilerer Zahn als Kate. Klar, Kate ist süß und extrem nett, aber ich habe irgendwie den Verdacht, daß sie später aufgehen wird wie ein Hefekloß. Ihre Mutter stelle ich mir zumindest kugelrund vor und sie bestellt bestimmt diese geblümten Kleidchen auf den Shopping-Kanälen, wo mollige Models über den Catwalk laufen und die Moderatorin dann immer wiederholt, wie schlank doch diese Kleider machen würden. Hach, ich bin aber auch wirklich ein gemeines Arschloch! Dabei mag ich Kate Nash doch, mit der kann man bestimmt Pferde stehlen, die ist bestimmt superlocker und lustig! Und sie hat so ein charmantes Lächeln!

Zunächst einmal bringt mich die liebe Käthe aber in Rage, denn sie läßt sich fast eine geschlagene Stunde Zeit, bis sie endlich die Bühne mit dem himmelblauen Hintergrund betritt. Zuvor hatte ein grimmig dreinblickender Roadie ewig lange sämtliche Instrumente gestimmt. Wo blieb die Hauptperson des Abends? Mußte sie sich noch die Nägel lackieren? Oder die Frisur richten?

Möglich ist das. Um 21 Uhr 30 war dann aber endlich der Nagellack (dessen Farbe ich nicht mochte) getrocknet und Kate hatte auch die Haare schön (sie wuschelte diese während des Konzertes immer wieder durcheinander, vielleicht um wilder auszusehen?). Nach einem langgedehnten Intro: "Stop In The Name Of Love" (Before you break my heart) von den Supremes konnte es losgehen und zwar zunächst am Piano. Ausreichend gestimmt war dieses ja. Auch die anderen Instrumente, an denen sich ihre rein männliche Begleitband austobte. Die Herren blieben aber während des Gigs meist vornehm im Hintergrund und das war auch gut so. Wer war schon wegen ihrer Band gekommen? Aufgefallen ist mir aber der Schlagzeuger, der aussah, als sei er höchstens 18, dafür aber sein Instrument ordentlich vermöbelte.

Auch Kate selbst vermöbelte ihr Instrument regelrecht. So etwas sieht man ja am Piano eher selten. Die junge Frau tobte aber daran, daß man den Eindruck hatte, sie wolle es zum Zerbersten bringen. Wow, die Frau hat schon Temperament und Feuer! Jedes Lied wurde wesentlich schneller als auf dem Album "Made Of Bricks" gespielt und das gefiel einem Typen gleich hinter mir so gut, daß er permanent johlte und "yeaaaahhhh!" schrie. Der Kerl war mir ohnehin vorher schon unangenehm aufgefallen, weil er sich in eine nicht vorhandene Lücke gedrängelt hatte. Ein seltsamer Zeitgenosse, dabei schon mit Sicherheit über 30. Da schwärmt man doch nicht mehr so, oder? Ich meine, wir sind ja keine Schüler mehr und schreiben auch nicht mehr : "Ich liebe Simone, oder Iris" auf unser Mäppchen und malen Herzchen daneben, oder? Er wohl schon! Ich fragte mich, ob er nicht jeden Moment ein Schild mit "Kate I love you" nach oben halten würde. Dazu kam es aber nicht. Dafür hatte der Bursche aber allen Ernstes Blümchen für die Käthe dabei. Wie süß! Der alte Romantiker! Stehen Frauen auf so etwas? Der Kerl hat bestimmt damals den Mädchen auf dem Schulhof erzählt, daß er Pferde ganz toll findet, weil alle Mädchen Pferde irgendwie toll fanden. Insgeheim hat er sich bestimmt gedacht: "Ich mag die Viecher nicht, die machen mir Angst und riechen streng!" Was tut man(n) nicht alles, um Weiber rumzukriegen! Vielleicht hätte er lieber einen Vibrator mitbringen sollen? Die Blumen, die der Kerl nach "Mariella" auf die Bühne warf, bemerkte die Engländerin nämlich anfänglich gar nicht! Dumm gelaufen für den Romantiker! Die Masche zog wohl nicht. Oder doch?: "Paris is the most romatic city, you should be lucky!" Sagte die Käthe und sie klang aufrichtig dabei. Und als sie nach einem fulminanten "Foundations" die Bühne zum ersten Mal verließ, fand sie sogar die Blümchen. Hach, wie süß...

Zuvor hatte sie auch einige Neuheiten vorgestellt, "Seagulls" zum Beispiel. Bei der Ankündigung dieses Titels zeigte sie sich aber gar nicht von ihrer romatischen Seite. "The next song is called: I hate seagulls!" - "I fucking hate them" - "Me too, they are flying rats!", ruft eine Engländerin aus dem Publikum zurück. In dem Lied geht es auch noch um andere Dinge, die Kate nicht mag: " I hate being sick" beispielsweise, oder "rude ignorant bastards". Grobe, ignorante Scheißkerle mag sie also nicht, aha... Aber das sagen Frauen immer und nehmen sich dann prompt den größten Macho!

Auch das Lied nach "Seagull", die Ballade "Pick Pocket" ist neu und klingt nicht übel. Zumindest gefällt mir das Stück, das auch von den Kooks stammen könnte, besser als die etwas kitschige Ballade "Nicest Thing". Nach der ruhigen Passgae im Mittelteil wird aber wieder Gas gegeben. Im Grunde genommen ist es einfach: Wenn die Sängerin hinter dem Piano sitzt, wird es flott, hält sie die Gitarre (akustische, oder elektrische) in der Hand wird das Tempo gedrosselt. Ich bevorzuge ganz eindeutig die fetzigen Songs. Und davon gibt es am Ende gar drei hintereinander weg. "Mariella", "Moutwash" und der Riesenhit "Foundations", der schon an den ersten Klängen erkannt und frenetisch aufgenommen wird, beschließen nach knapp einer Stunde ein druckvolles Programm, bei dem Kate Nash wirklich alles gegeben hat und auch stimmlich überzeugen konnte. Oft mußte sie zwischen den Liedern erst einmal verschnaufen und sich die Haare richten (was in ihrem Fall durcheinanderwuscheln bedeutete), so hatte sie sich verausgabt. "Noch nie hätte sie sich so sehr wohlgefühlt und amüsiert während eines Konzertes" und ich glaube ihr aufs Wort. Romantische Frauen stehen nun einmal auf Paris und wenn das Publikum so sensationell gut mitgeht wie heute, läuft natürlich alles wie von selbst.

Kate Nash war da und mit ihr ist die gute Laune nach Paris gekommen. Und auch ein Hauch von Frühling. Wird er länger dauern als die fünfzehnminütige Zugabe?

Setlist Kate Nash, La Cigale, Paris:

01: Pumpkin Soup
02: Shit Song
03: Stitching Leggings
04: We Get On
05: Birds
06: Nicest Things
07: Seagulls
08: Pick Pocket
09: Paris
10: Skeleton Song
11: Mariella
12: Mouthwash
13: Foundations

14: Don't You Want To Share The Guilt (Z)
15: Merry Happy (Z)

Links:

- Kate Nash im Dezember 07 in Köln
- mehr Fotos von Kate Nash hier



 

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