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Donnerstag, 18. Oktober 2007

Good Shoes, Operator Please, u.a., Paris, 17.10.07

2 Kommentare

Konzert: Good Shoes, Operator Please & Hatcham Social
Ort: La Flèche D'or, Paris
Datum: 17.10.2007
Zuschauer: am Ende voll, also 500


An einem Tag, an dem viele Pariser Brit-Rock Fans vergeblich auf einen Gästelistenplatz für das Fernseh - Konzert von Pete Doherty und seinen Babyshambles hofften, gab es auch jenseits der Studios von Canal + interessante Musik zu hören. Ohne Eintritt zahlen zu müßen, kam man nämlich in der Flèche d'or in den Genuß eines ungemein guten und abwechslungsreichen Programms. Die jungen britischen Waver Hatcham Social (Namen merken!) waren als erste vorgesehen, danach die noch jüngeren Australier von Operator Please und zum Abschluß, die bereits recht etablierten Good Shoes.

In der Flèche d'or standen um halb neun aber lediglich ein paar Leutchen rum, die wie ich gar nichts verpassen wollten. Und die Zuspätgekommenen wurden in der Tat vom Leben bestraft, denn das Trio Hatcham Social hatte so einiges zu bieten! Als erstes stach der Look der jungen Typen ins Auge: Schlagzeuger Finn war schon vorher mit langem Trenchcoat und Poppertolle durchs Publikum geschlurft, sein singender Bruder Toby Kidd trug graue Skinny Jeans, die dazu passenden spitzen Schuhe und ebenfalls einen Seitenscheitel. Auch Bassist Dave war mit seinem 20er Jahre Tennispullover und seiner ebenfalls hautengen Jeans sehr fesch. Das Styling war also schon einmal perfekt, aber es sollte sich schnell herausstellen, daß Hatcham Social auch musikalisch interessant sind. Meine erste Assoziation waren die legendären Talking Heads, wegen des artpunkigen Einschlags, aber auch Clap Your Hands Say Yeah! hörte ich heraus. Wenn man aber die MySpace Seite der Newcomer anguckt, liest man da vor allem den Namen der Insidern bekannten Band Orange Juice, von denen es in den letzten Jahren ein interessantes Reissue gab. Aber ganz egal wo man das Ganze stilistisch verorten will, es klang aufregend und auch eigenständig. Jammerschade, daß so wenige Leue den extrem kurzen Auftritt mitbekommen haben; nach circa. einer handvoll Lieder und geschätzten 15-20 Minuten war nämlich schon Schluß. Wahrscheinlich hatten die Engländer einfach noch nicht mehr Lieder im Repertoire...

Setlist Hatcham Social (mit Dank an Philippe von Soundofviolence!):

01: Alice (Intro)
02: Jojo Happy Making
03: Till The Dawn
04: Berlin
05: Snap My Hands
06: Penelope (Under My Hat)

Links: Video, Hatcham Social, Live @ Barfly
mehr Bilder von Hatcham Social

Ein Weilchen später durften Operator Please aus Australien zeigen was sie können. Und das war eine ganze Menge! Fast unmittelbar verwandelte sich die merklich voller gewordene Flèche D'or in einen Dancefloor. Kein Wunder, dem Charme und reichlich vorhandenen Talent der so unglaublich jung aussehenden Band konnte sich keiner entziehen. An der Spitze der Truppe agierte die recht füllige Amandah, die aber ein solch kraftvolle und soulige Stimme hatte, daß ich gleich an Shingai Shoniwa von den Noisettes denken mußte. Blickfang war vor allem die extrem niedliche blonde Violinistin Taylor, die zur Freude des Publikums die meisten Lieder auf französisch ansagte. Hierbei schlug sie sich beachtlich, obwohl sie behauptete, sie könne eigentlich kein französisch. Dritte Dame im Bunde war die zierliche und quicklebendige Sarah am Keyboard, die ihr Instrument oft hüpfend spielte. Komplettiert wurde die Besetzung durch den wavig aussehenden Ashley (ein Junge!) am Bass und den mordsagilen Schlagzeuger Timmy, der aussah, als sei er 14, aber wohl schon 17 war. Oft kam mir der Spruch mit dem "Sack Flöhe hüten" in den Sinn, die Rasselbande war wirklich in ihrem Elan nicht zu bremsen.

Machen wir es kurz: Operator Please sind für mich die große Entdeckung des Jahres. Ähnliche Begeisterung bezüglich einer Nachwuchsband kam bei mir nur bei Los Campesinos! in London auf. Wenn die Australier nicht durchstarten und spätestens 2008 das große Ding werden, verstehe ich den Musikzirkus wirklich nicht. Das Album würde ich jedenfalls blind vorbestellen!

Von der handgeschrieben Setlist von Operator Please entziffere ich folgendes:

01: Get What You Want
02: Ghost
03: Terminal Disease
04: Two For My Seconds
05: Yes! Yes! Vindic
06: 6/8
07: Cringe
08: Leave It Alone
09: Pantomime
10: Just A Song About Ping Pong
11: Zero! Zero!

Links: Video zu Crash Magic
Video: die Band stellt sich vor

Viel mehr Bilder von Operator Please

Operator Please hatten also für mächtig Stimmung gesorgt, die auch durch die sehr lange Pause danach nicht abriß. Die stylishen Jungen und Mädchen im Publikum schienen jedenfalls bester Laune. Was konnten die Good Shoes da noch draufsetzen, sind sie nicht inzwischen fast schon wieder out im Vergleich zum dem was da so nachkommt? - Nein sind sie nicht, auch ca. 10 Monaten nachdem ich sie das erste Mal erlebt habe, wirken sie noch frisch, flott und euphorisierend. Lediglich Sänger sah wesentlich fülliger, fast aufgedunsen auf. Vielleicht sollte er das Biersaufen etwas einschränken? Seine langen Haare hat er sich gestutzt und so kamen deutlich sichtbare Geheimratsecken zum Vorschein. Hinderte ihn aber mitnichten daran, Dampf zu machen. Gleich mit dem an zweiter Stelle gebrachten "Never Meant To Hurt" kam die Party in Gang. Die ersten Leute fingen an Pogo zu tanzen und im Laufe des Sets wurde der Raum vor der Bühne zu einer einzigen wilden Tanzfläche. Entsprechend motiviert trauten sich die Good Shoes auch ein neues Lied miteinzubauen, es hieß "Talk" war aber nicht ganz so gut wie der Rest der Stücke, z.B. "Nazanin" ("I love my insecurities"), oder "Small Town Girl" ("Everything is ok. everything is alright"). Die absolut beste Stimmung kam jedoch mit "Morden", ihrem Wohnort auf. Phasenweise wurde es so wild, daß ich um meine Kamera fürchtete, aber den Spaß mitzutanzen, wollte ich mir auch nicht nehmen. Spaßig war danach auch das anfängliche "Gitarrenduell" bei "We Are Not The Same", einem weiteren Highlight. Mit "All In My Head" beendete die junge Band dann ihr - nach eigenen Worten- bestes Paris-Konzert. Ich kann dem nur beipflichten. So steppte bei den guten Schuhen wirklich noch nie der Bär!

Setlist Good Shoes, Paris:

01: The Photos On My Wall
02: Never Meant To Heart You
03: Wait
04: Talk
05: Ice Age
06: Blue Eyes
07: Nazanin
08: Everybody's Talking
09: Small Town Girl
10: Morden
11: We Are Not The Same
12: All In My Head



Samstag, 23. Juni 2007

Good Shoes, London, 17.06.07

0 Kommentare

Konzert: Good Shoes (Wireless Festival)
Ort: Hyde Park, London
Datum: 17.06.2007
Zuschauer: ca. 2000 (Zelt voll)

Einer der ersten Höhepunkte des Wireless Festivals war der Auftritt der Good Shoes aus Morden, einem Südlondoner Vorort. Ich hatte die Band beim Visions Spring Break schon einmal in Köln gesehen, Oliver hatte sie zweimal (?) in Paris als Vorgruppe erlebt. Und uns beiden hatte der abgehackte Stil der Band sehr gefallen. Sänger Rhys sieht zwar nicht unbedingt nach einem Rockstar aus, macht aber auf der Bühne einen so sicheren Eindruck, als wäre die Band seit Jahren solch große Zuschauermengen gewohnt. Das XFIrgendwas Zelt war randvoll mit Leuten, bei denen ich sicher war, daß sie nicht zufällig, sondern sehr gezielt in das stickige, übelriechende zirkuszeltähnliche Dings gekommen waren. Als Rhys nach dem ersten Lied (dem tollen "Nazanin") sagte: "I'm Rhys from Morden", brüllten ein paar Jungs neben mir besonders laut. Da stand wohl ihr local hero auf der Bühne.

Die Stimmung war fantastisch. Von Beginn an tauchte ein Crowdsurfer nach dem anderen auf. In dem engen Zelt fanden die perfekte Bedingungen. Allerdings hat Crowdsurfen in England, zumindest beim Wireless Festival, einen höheren Preis als bei uns. Die rausgezogenen Surfer wurden nämlich dermaßen ruppig von den Ordnern empfangen und durch den Fotografengraben geschubst, wie ich es noch nirgends gesehen habe. Ok, die nerven ja auch wirklich. Aber am Hals nach draußen geschoben werden? Das war mir neu. Abschreckende
Wirkung hatte das nicht, die Leute machten munter weiter, was die Ordner offenbar auch immer mehr anpisste.

Zu der Musik der Good Shoes muß ich wohl nicht mehr viel sagen. Das Album und die Liveauftritte der Band begeistern mich immer wieder sehr leicht. Entsprechend großartig war die Stimmung im Zelt.
Wenn ich ein Haar in der Suppe dieses tollen Konzerts suchen wollte, wäre das die wenige Variation der Setliste im Vergleich zu Köln. Es wurde mit "Small town girl" zwar ein zusätzliches Lied gespielt, ansonsten aber das gleiche Set in der gleichen Reihenfolge gebracht. Aber auch, wenn sie im Oktober wieder gleich spielen, wenn sie nach Köln kommen, ich werde mir das ansehen, weil das (wenn die nötige Menge Engländer da ist) ein aufregendes Konzert wird. Denn nach zwei Konzerten bin ich sicher, daß die Good Shoes ein Garant für einen kurzweiligen Abend sind.

Setlist Good Shoes Wireless Festival:

01: Nazanin
02: The photos on my wall
03: Wait
04: Ice age
05: Blue eyes
06: Small town girls
07: Everybody's talking
08: Never meant to hurt you
09: Morden
10: We are not the same
11: All in my head

Links:

- Good Shoes in Paris
- Good Shoes in Köln




Mittwoch, 6. Juni 2007

Kaiser Chiefs & Good Shoes, Paris, 05.06.07

4 Kommentare

Konzert: Kaiser Chiefs & Good Shoes

Datum: 05.06.2007
Ort: L'Olympia, Paris
Zuschauer: ausverkauft


Wenn man wie ich im Falle der Kaiser Chiefs eine Gruppe zum neunten Male live sieht, muß sie einfach gut sein! Und dass es mir immer noch nicht langweilig wird, spricht auch für die Band um Leadsänger Ricky Wilson... "Neun mal, das ist doch gar nicht so viel, habe Klee schon 173 mal gesehen", werden vielleicht jetzt einige Leser entgegnen,o.k. mag sein, für mich ist es aber ein persönlicher Rekord!

Um die gute Vorgruppe Good Shoes aus London nicht zu verpassen, hatte ich mich sehr frühzeitig auf den Weg zum altehrwürdigen Olympia in der Nähe der Opera Garnier gemacht. "Altehrwürdig" heißt aber - wie so oft - auch ein wenig verstaubt, denn wenn nicht gerade die Kaiser Chiefs oder Bloc Party für neuen, frischen Wind sorgen, spielen hier auch gerne mal Oma-Lieblinge wie Julio Iglesias, oder Mireille Mathieu...

Das Viertel ist aber auch wirklich stockkonservativ, nicht selten begegnen einem Junganwälte oder Investmentbanker mit Brille und Aktenköfferchen, vor dem Eingang.

Drinnen war es hingegen zum Glück bunt gemischt, das vornehmlich französische und englische Publikum war schätzungweise zwischen 14 und 44 Jahre alt. Mit Sicherheit schon gegen Ende vierzig war allerdings der Herr am Merchandising-Stand der Kaiser Chiefs. Erstaunlicherweise immer der Gleiche, ich erkannte ihn sofort wieder, hatte ihn schon in Frankfurt und zahlreiche Male in Paris gesehen. In seinem schönen "Laden" hatte er so einige neue Kaiser Chiefs T-Shirts zu bieten, unter anderem eines mit dem Schriftzug "Run KC", in Anspielung auf die Rap-Band Run-DMC. Mir stehen die Dinger allerdings wirklich nicht, ich besorgte lieber für Cécile das Grüne mit dem "I read The Angry" Aufdruck. Der anschließende Plausch mit dem netten Herren war sehr herzlich und endete mit einem Handschlag und der Bemerkung: "See you very soon"...

Als Aufwärmer für die Band aus Leeds mühten sich die Good Shoes dann redlich ab, ohne allerdings die verdiente Aufmerksamkeit und den Applaus für ihr unterhaltsames Set zu bekommen, daß mit zahlreichen kleinen Indie-Pop Hits gespickt war. Einer dieser Hits war das zackige "Morden", das gegen Mitte des Konzerts gebracht wurde. Da kam zum ersten Mal so etwas ähnliches wie Stimmung auf, zumindest ansatzweise. Das Pariser Publikum schien gewohnt zurückhaltend und trantütig zu sein. Dabei war das doch wirklich äußerst tanzbarer Stoff, der hier geboten wurde, ich ging jedenfalls ab wie wild. Schließlich war ich gekommen, um Spaß zu haben und nicht dumm herumzustehen, oder gar auf einem Sessel zu sitzen, wie die Langweiler auf den oberen Rängen. Hiermit schwöre ich mir selbst, noch im Alter von siebzig Jahren - tanzbare Musik vorausgesetzt - auf Sitzplätze bei Konzertbesuchen zu verzichten (es sei denn, ich hatte in der Zwischenzeit einen Schlaganfall, oder etwas ähnlich Schreckliches...)! Es lebe die Euphorie! Die packte mich bei "Never meant to hurt you", aber auch "We are not the same", mit den gelungenen schnellen Gitarrenriffs zum Eingang, kam gut. Aber es half irgendwie alles nichts, die meisten Leuten verharrten wie angewurzelt auf ihren Plätzen. Ich empfehle den Herrschaften, demnächst auf die Einnahme von Valium vor Konzerten zu verzichten!

Setlist Good Shoes Paris:

01: Nazanin
02: The Photos On My Wall
03: Wait
04: Ice Age
05: Small Town Girl
06: Everybody Is Talking
07: Never Meant To Hurt You
08: Morden
09: We Are Not The Same
10: All In My Head

In der Pause trat dann eine junge Frau auf die Bühne, die mit einem entsprechenden schwarzen T-Shirt bekleidet, Werbung für die Aids-Hilfe und das im Juli stattfindende Festival "Solidays" machte. Auch ihr fiel auf, daß das Publikum kaum Reaktion zeigte und machte deshalb in der Folge mehrmals Kommentare diesbezüglich: "Oh, ich sehe, ihr seit unglaublich ausgeschlafen heute abend" ( "Vous êtes vachement reveillé ce soir"). Aber eine Message kam zumindest an: die Kaiser Chiefs werden auch bei den Solidays spielen und da bin ich natürlich auch wieder dabei!

Die nachfolgenden Umbauarbeiten waren dann ganz unterhaltsam, weil ein Schlagzeug-Set hereingetragen wurde, auf dem man das Konterfei von Bruce Lee (ja, ja, der Karate-Kämpfer) sehen konnte und auch das Keyboard, auf dem später Peanut spielen sollte, war schon zu erkennen. Auf der rückwärtigen Wand sah man in einem sehr amerikanisch aussehenden Schriftzug "Kaiser Chiefs" prangen. Um Punkt 21 Uhr konnte es dann endlich losgehen. Und wie es losging, gleich zum Einstieg wurde einem "Everyday I love you less and less" um die Ohren geknallt. Das Pariser Publikum schien endlich aufgewacht zu sein, die Wirkung des Valiums ließ wohl nach... Es war aber auch wirklich nicht die Zeit wegzudämmern, zu Kaiser Chiefs kommt man schließlich um sich zu amüsieren wie Bolle. "When the heat dies down" konnte das hohe Anfangstempo spielerisch halten und Ricky Wilson war auch schon wieder auf hundertachtzig. Wie hält der Mann das durch? Ist er hyperaktiv? Eines seiner Geheimrezepte soll angeblich sein, vor den Gigs in voller Lautstärke Panterra oder Metallica zu hören, denn "Mit Coldplay kommt man einfach nicht wild drauf", so Ricky...

Lalala, summten ich und tausend andere Kehlen den Refrain mit, es war wie immer köstlich. Wem das nicht gefällt, der hat einfach keinen Humor, denn Kaiser Chiefs sind Fun und Extase pur! "Ruby Ruby Ruby" schrie dann im Anschluß das ganze Olympia mit. Wer da noch auf seinen Sesseln kleben blieb, war wirklich schon scheintod. Klar ist das keine ausgefeilte Songwriterkunst, aber: "Who cares?" Bei "Na na na" gefiel mir wie immer der Text des Refrains ausgezeichnet, da muß man nämlich erst mal drauf kommen! Die Dampfwalze Kaiser Chiefs war auf jeden Fall gut geölt, Ricky sprang und heizte an, als hätte er dieses Showtalent schon mit der Muttermilch aufgesogen. Aber auch Peanut, heute ohne Hütchen, durfte mal nach vorne ans Mikro. Ein kurzes "Bonsoir" war aber auch schon alles, was er hervorbrachte.

Er fühlt sich halt hinter seinem Keyboard wohler. Ein weiterer Herr hatte einen kurzen Auftritt, ich glaube, es war ein Roadie mit Namen David, dem die Ehre zu Teil wurde, mit der Band vor großem Publikum mit Champagner auf seinen Geburtstag anstoßen zu dürfen. Ricky knallte hierbei, gewohnt verrückt, den Champagnerkorken weit ins Publikum, bevor er David ein Gläschen eingoß. Danach schenkte er aber nur noch dem Publikum ein, dafür aber gewaltig! Nach dem zum ersten Mal vor meinen Augen live gespieltem "My kind of guy", wurde nämlich der Aufruhr nicht nur vorausgesagt, sondern auch in die Tat umgesetzt. "I predict a riot" knallte noch genauso gut wie in der Boule Noire im März 2005, bei meinem ersten Konzert mit der Band aus Leeds. Zu Zeiten, als es nur das erste Album "Employment" gab, wäre damit das Beste fast schon gelaufen. Auf dem neuen Opus findet sich aber ein Stück mit ähnlichem Potential: "The angry mob"! Sensationell hieran ist, daß das Stück in zwei Teile aufgeteilt ist, der erste wird besungen mit Zeilen wie: "I can prove anything", der zweite noch wesentlich bessere Part enthält den prägnanten Satz: "We are the angry mob, we read the papers everyday". Mit Sicherheit handelt es sich um das komplexeste, möglicherweise auch das stärkste Lied der Band bisher...

Damit wurde auch perfekt das offizielle Set nach circa einer Stunde Spielzeit beschloßen. Das Olympia war endlich zum erhofften Hexenkessel geworden, es wäre auch gelacht gewesen, wenn es die Engländer nicht geschafft hätten, die Franzosen aus der Reserve zu locken.

Die Zugabe wurde dann mit "Highroyds" und standesgemäß mit "Oh my god" bestritten. Leider konnte Ricky wegen der Absperrung vor der Bühne kein Crowdsurfing betreiben, was ihn aber nicht davon abhielt, das Geländer zu stürmen und den Leuten vor ihm stehenderweise einzuhetzen.

Fazit: Geil wie immer!

Setlist Kaiser Chiefs Paris:

01: Everyday I love you less and l
ess
02: Heat dies down
03: Ruby
04: Learnt my lesson well
05: Na na na na na
06: Thank you very much
07: I can do it without you
08: The modern way
09: Everything is average nowadays
10: My kind of guy
11: I predict a riot
12: Take my temperature
13: The angry mob

14: Highroyds (Z)
15: Oh my god (Z)

Links:

- mehr Fotos
- Kaiser Chiefs in Paris
- Kaiser Chiefs in Wuppertal

von Oliver


Freitag, 4. Mai 2007

Ash, Good Shoes & Muff Potter, Köln, 03.05.07

1 Kommentare

Konzert: Ash, Good Shoes & Muff Potter (Visions Spring Tour)

Ort: Bürgerhaus Stollwerck, Köln
Datum: 03.05.2007
Zuschauer: sehr dürftig besucht


Man kann über diese Musikzeitungs-Konzerte sagen, was man will: Das Line-Up der Visions Spring Tour, die gerade durch Deutschland zieht, ist unbestritten exzellent. Neben den jungen, sehr gehypten englischen Bands The Enemy und Good Shoes waren Muff Potter und Ash aus Irland für die Mini-Tour angekündigt.

Als ich vollkommen abgehetzt im Bürgerhaus Stollwerck ankam, folgte gleich eine Ernüchterung: "The Enemy fällt krankheitsbedingt aus", stand auf einem Zettel am Eingang. Das war bitter, weil ich die jungen Engländer gerne gesehen hätte - und weil auf einmal eine Stunde zu überbrücken war.

Nach irre langem Warten ging es dann laut Zeitplan pünktlich um zehn vor neun mit den Good Shoes los. Die Debüt-Platte der Londoner (sie stammen aus Morden, einem Londoner Vorort) "Think before you speak" habe ich einige Male gehört, seit ich Sie bei iTunes gekauft habe - und sie gefällt mir außerordentlich gut. Also war ich sehr gespannt, ob die Band live hält, was ich mir von ihr versprach. Und das tat sie. Auch meine wenigen Mithörer hatten sichtbar Spaß am Auftritt der Good Shoes, denn die Stimmung war trotz des leeren Saals prima. Die Zuschauermenge war aber wirklich frustrierend. Ich denke, jede Schülerband hat bei Auftritten an ihrer Schule mehr Zuhörer. Traurig, daß eine Band, die im vergangenen Jahr (ohne bis dahin eine Platte veröffentlicht zu haben) beim Reading and Leeds Festival gespielt hat, vor 50 Leuten spielen muß. Aber das scheinen die vier Jungs um Sänger Rhys Jones erfolgreich verdrängt zu haben, denn sie spielten, als stünden sie auf einer großen Bühne. Man mag jetzt über die vielleicht wenig originelle Musik streiten, mir hat der Auftritt aber viel Spaß gemacht. Der 30-Minuten Auftritt begann wie die Platte mit dem herausragenden "Nazanin", gefolgt von "The photos on my wall." Weitere Highlights waren natürlich die Single "Mo-hor-den, Morden, Mo-hor-den" und "Never meant to hurt you." Sänger Rhys sagte mir hinterher, daß die Band im September, Oktober noch einmal in Deutschland ist, in Köln werden sie im Prime Club auftreten.

Setlist Good Shoes:

01: Nazanin
02: The photos on my wall
03: Wait
04: Ice age
05: Blue eyes
06: Everybody's talking
07: Never meant to hurt you
08: Morden
09: We are not the same
10: All in my head

Sehr angenehm war, daß der Tonmann (so wie ich) das neue Modest Mouse Album toll findet, denn das lief in jeder Pause, mindestens dreimal komplett. Die folgende Umbaupause für Muff Potter war dann auch aufwendiger, denn da mußte nicht nur ein riesiges Transparent hinter der Bühne aufgehängt werden, sondern auch die Bühne liebevoll mit gemütlichen Wohnzimmerlämpchen dekoriert werden. Zu Muff Potter hatte ich vorher keine rechte Meinung, ich kannte nur ein paar Lieder, war aber bisher nicht neugierig genug, mich damit intensiver auseinander zu setzen. Der Großteil des Publikums war aber wohl wegen Muff Potter da, denn so voll (nicht voll, nur voller) war es vor- und nachher nicht.

Mit Bands aus Münster scheine ich mich schwer zu tun. Samba und Ghost of Duweißtschonwer hatten mich dieses Jahr schon ziemlich wenig begeistert. Muff Potter gehört natürlich nicht in die gleiche Liga, wie die Nachbarn. Ich kann schon verstehen, daß die Band eine große Anhängerschaft hat. Aber mich haben sie nicht vom Hocker gerissen. Schade. Ich will jetzt auch nicht behaupten, daß die Band das schuld ist, mir gefällt dieses Virginia Jetzt! in gitarrenlastiger einfach nicht so gut wie anderes. Aber der Großteil des Publikums war restlos begeistert, tanzte, sang mit und hatte Spaß. Und der Auftritt war hochprofessionell und gut.

Und sie haben mich dann doch noch bekommen... Sänger Thorsten fragte irgendwann, ob Express-Leser da seien. Sein Schlagzeuger Brami wolle nämlich
dringend wissen, was aus Frank Fussbroich nach all dem Scheiß geworden sei. Sehr schön! Ich werde nachher mal recherchieren, denn das interessiert mich auch. Der Junge hat ja so viel Pech gehabt. Thorsten bedankte sich auch noch bei den anderen Bands und bedauerte, daß The Enemy schon abgereist seien. Aber er hätte die auch nicht kennengelernt, denn die seien 16 und hätten wohl Angst vor älteren Herren. In der Halle war übrigens striktes Rauchverbot. Das habe ich bisher nur einmal im Gebäude 9 erlebt, als The Wedding Present das gewünscht hatten. Hier liefen dann wirklich Ordner rum, die mit "Hier wird nicht geraucht" (was ja so sprachlich nicht ganz korrekt war), auf Kippenjagd gingen. Muff Potter fragten dann auch, ob das toll oder scheiße sei, daß es ein Rauchverbot gebe, sie fänden das eher scheiße. Aber ich schweife ab. Toller Auftritt von Muff Potter, auch wenn es nicht ganz meine Musik ist.

Setlist Muff Potter:

01: Punkt 9
02: Wunschkonzert
03: Wenn, dann das hier
04: Elend 16
05: Take a run at the sun
06: Bitter Lemon
07: Born blöd
08: Wir sitzen so vor Molotow
09: Fotoautomat
10: Den Haag
11: Allesnurgeklaut

Um elf kam dann der Hauptgrund meiner Anwesenheit, Ash (ausgesprochen Ash wie Asche und nicht Ash wie Esche, Thorsten!). Ich hatte die Band, die ich seit Jahren liebe, bisher erst einmal gesehen, bei einem der spektakulärsten Line-Ups, die ich bisher erlebt habe. Damals trat (ich schreibe das jetzt ganz leise) Robbie Williams im Müngersdorfer Stadion auf. Vorgruppen waren Ash und New Order. Unabhängig davon, daß es immer schon mein Traum war, im Innenraum des FC-Stadions zu stehen, traten damit zwei meiner Helden auf. Ash kannten (hatte ich den Eindruck) außer einer Freundin und mir kaum Leute und New Order verlebten sicher einen der schrecklichsten Abende ihrer Karriere. Nach einer Weile kündigte Sänger Sumner fast jedes Lied an mit "Das werdet Ihr auch wieder nicht kennen, es war aber Hit in England." Ich habe mitgelitten.

Die Tour jetzt ist die erste nach dem Ausstieg der Gitarristin Charlotte. Ash traten also in Besetzung Gitarre & Gesang, Bass und Schlagzeug auf. Und es klang wirklich gut. Die Band spielte einige liebgewonnene Lieder von den Alben "1977" und "Free all angels" und "Meltdown", vor allem aber einige neue Titel, die auf der im Juli erscheinenden CD enthalten sein werden. "You can't have ist all" ist bei iTunes bereits als Vorabveröffentlichung erhältlich, "Ritual", "Polaris", "Twilights of the innocents" und die Zugabe "I started a fire" waren neu für mich. Stilistisch bewegen die sich in der 1977-Ecke, denke ich, "You can't have it all" ist sogar eine Ecke poppiger als vieles andere, ich denke, daß darin ein großes Hitpotential liegen wird. Meine Vorfreude auf die CD hat die Band in Köln massiv erhöht.

Leider, das ist wieder der rote Faden, war es wieder merklich leerer als bei Muff Potter. Ein so tolles Konzert vor solch jämmerlicher Kulisse ist wirklich eine Verschwendung. Ash sind eine brillante Live-Band. Der Gesang ist top, die sehr retroaussehenden Instrumente bedienen die Ashs perfekt. Es war ein ganz großes Vergnügen, den Verrenkungen des Bassisten zuzusehen. Schade, daß das nicht mehr Leute erlebt haben.

Setlist Ash:

01: Burn baby burn
02: Orpheus
03: You can't have it all
04: Goldfinger
05: Ritual
06: Walking barefoot
07: Polaris
08: A life less ordinary
09: Oh yeah
10: Girl from Mars
11: Twilight of the innocents

12: I started a fire (Z)
13: Kung Fu (Z)



 

Konzerttagebuch © 2010

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