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Dienstag, 7. August 2007

The View, Interview

2 Kommentare
Interview: The View
Ort: Haldern, auf einem dicken Baumstamm im Pressebereich
Datum: 03.08.2007
Anwesend: Kyle Falconer (Sänger und Gitarrist) und Peter (Gitarrist)


"Die sind schwierig als Interviewpartner, entweder sie reden fast gar nichts, oder aber sie plaudern wild durcheinander und hinzu kommt auch noch der unverständliche schottische Akzent".

So in etwa war der Tenor in Musikzeitschriften, z.B. im britischen NME, wenn es um das anscheinend zweifelhafte "Vergnügen" ging, The View interviewen zu dürfen. Ich kann es gleich vorwegnehmen: Kyle und Peter von The View waren angenehme Gesprächspartner, zunächst zwar etwas reserviert und nicht sonderlich motiviert, von sich zu erzählen, am Ende aber durchaus redseelig und vor allem natürlich-sympathhisch. Wirklich nette junge Burschen, die trotz der schnellen Charterfolge (ihr Album ging in England gleich auf eins) auf dem Boden geblieben sind und einfach ihren Musikstil - schnörkellosen britischen Indie-Rock - lieben und verteidigen...

Kyle Falconer und Peter, der Gitarrist der Band kommen gerade vom Interviewstand auf dem Reitgelände vom Haldern-Pop Festival in den Pressebereich und wir vereinbaren sponatan, das Interview auf einem dicken Baumstamm auf der Wiese des vorderen Pressebereiches zu führen, da das Wetter haldernuntypisch sehr sonnig und schön ist.

Die beiden jungen Männer nehmen auf dem mächtigen Stamm Platz, wir stellen uns vor sie und erklären kurz, daß wir ein Musikblog, sind der ausschließlich auf Konzertreviews spezialisiert ist. Wir berichten desweiteren, daß Christoph sie bereits im Kölner Prime Club gesehen hat und daß ich sie in Paris zusammen mit The Enemy und Mumm-Ra erlebt habe.

An dieser Stelle setzen die Fragen ein:

Mein Blog: "Warum habt ihr eigentlich in Paris nur so kurz gespielt, wenn ich mich richtig erinnere, wart ihr gerade mal eine halbe Stunde auf der Bühne?"
Peter: "Wir mußten am gleichen Tag noch zurück, wir hatten noch eine Fähre zurück nach England zu nehmen".

Mein Blog: "Ich mochte das Konzert trotzdem sehr"
Peter: "Schön, wenn es Dir gefallen hat, wir hatten auch unseren Spaß in Paris"

Mein Blog: "Aber ihr habt leider nicht "Face For The Radio" gespielt".
The View: "Stimmt, aber wir waren in Eile und außerdem spielen wir das normalerwiese nicht live, weil es zu langsam ist." (Anmerkung: heute in Haldern haben sie es gespielt, hurra!)

Mein Blog: "Kennt ihr eigentlich irgendwelche deutschen Bands?"
Peter: "Oh, da gab es so eine deutsche Band, die uns supportet hat, oder waren das Holländer?"
Kyle: "Nein, die waren aus Deutschland, aber wie hießen die noch gleich?"

Kyle ruft nach einem Betreuer der Band: "Phil, wie hieß nochmal die deutsche Band, die bei unseren Konzerten Vorgruppe war?" - Der Betreuer weiß es selbst nicht mehr, also werden wir es wohl nie erfahren, wer sie denn nun supportet hat...

Mein Blog: "Habt ihr denn schon Festivals in Deutschland gespielt, Rock am Ring beispielsweise?"
The View: "Nein, Haldern ist unser erstes deutsches Festival überhaupt!"

Mein Blog: "Und mögt ihr es hier?"
Peter: "Ja, ist schön hier, gefällt uns!"

Mein Blog: "Und innerhalb der englischen Festivals, was war da das Größte für Euch, Glastonbury, oder T in The Park?"
The View: "Als schottische Band sagen wir ganz klar T in the Park, das war was ganz Besonderes". Es war total verrückt, selbst die Klaxons mußten schon vor uns spielen, wir hatten das Gefühl, alle seine nur für uns gekommen."

Mein Blog: "Und wie sieht es mit Leads/Reading aus, freut ihr Euch darauf?"
Kyle: "Klar, aber wir haben dort schon letztes Jahr gespielt, insofern wird es dieses Jahr nichts vollkommen Neues sein, aber klar freuen wir uns , dort wieder zu spielen".

Mein Blog: "Spielt ihr eigentlich grundsätzlich lieber Festivals, oder Solo Gigs?"
Peter: "Kann man nicht vergleichen, Festivals sind toll, aber kleine Gigs in Clubs sind intimer, also wir mögen beides".

Mein Blog: "Ich hab kürzlich gelesen, daß es bei einem Eurer Konzerte Tumulte gab, was war da los?"
Kyle: "Oh ja, das war in Falkirk, Schottland."
Peter: "Irgendjemand hat eine Flasche auf die Bühne geworfen, das war verrückt."

Wir sind lieber nicht näher daruaf eingegangen, wie die Sache ausgegangen ist und kommen zu einem anderen Thema.

Mein Blog: " Was war das schlechteste Konzert einer anderen Band, das ihr erlebt habt?"
Peter: "Das beste meint ihr, oder?"

Mein Blog: "Nein, nein, das schlechteste".
Peter: "So was gibt es nicht wirklich, mir fällt auf jeden Fall nichts ein, keine Ahnung."
Kyle: "Wenn die Band richtig scheiße ist, gehen wir einfach".

Mein Blog: "Art Brut haben auf diese Frage sponatan mit "The Fratellis" geantwortet...
Peter: " I don't care about The Fratellis".

Mein Blog: "Gibt es eigentlich eine Band, die ihr mal live erleben möchtet?"
The View: " Die Rolling Stones".

Mein Blog: "Oh, die mögt ihr, ist das etwa Eure Lieblingsband?"
The View: "Was heißt schon Lieblingsband, darauf würden wir wahrscheinlich mit The Beatles antworten, aber die treten ja nicht mehr auf, also sagen wir Rolling Stones, das wäre schon witzig."

Anderes Thema:

Mein Blog: "Schreibt ihr eigentlich schon an neuen Songs?"
Kyle: "Da gibt es schon 'ne Menge halbfertige Lieder, aber auf Tour hat man nie so richtig Zeit und auf der Straße ("on the rrroad") hat man nie seine Ruhe, da ist ständig jemand im Tourbus und will Party machen. Wir werden uns demnächst mal sechs Wochen zurückziehen, um an neuen Stücken zu feilen.

Mein Blog: "Vielleicht habt ihr ja im Dezember, also um die Weihnachtszeit etwas Ruhe zum Schreiben?"
Kyle: "Och, weißt Du, möglicherweise haben wir im Dezember schon unser neues Album fertiggestellt, kommt drauf an, wie es läuft...

Zurück zu Fragen über Konzerte:

Mein Blog: "Gibt es denn einen speziellen Ort, an dem ihr unbedingt mal spielen möchtet?"
Kyle: " Stirling Castle (Schottland) wäre toll!"
Peter: "Slane Castle in Irland wäre auch nicht übel, da wo U 2 schon gespielt haben."
Kyle: "Oder im Millenium Dome, aber ich glaube da wird nichts draus. Obwohl, ich glaube da haben doch Snow Patrol schon gespielt."

Mein Blog: "Also tretet ihr auch gerne in großen Locations, oder gar Stadien auf?"
Kyle: "Klar, haben wir kein Problem mit, wir haben erst kürzlich in Japan, in mächtigen Locations gerockt."

Mein Blog: "Glaubt ihr nicht, daß in Stadien der Indie-Spirit verloren geht?"
Kyle: "Nee, glaube ich nicht, im Gegenteil, wir hätten Bock darauf, vor sehr vielen Zuschauern aufzutreten".

Mein Blog: "Aber passt Euer Garagen-Rock wirklich in eine Stadium,,müßtet ihr dazunicht bombastischer werden?"
Kyle: "Nein, guck mal Razorlight z.B. füllen auch Wembley und die haben ebenfalls als Garagenband angefangen. Nee, wirklich jetzt, es wäre wirklich gut, in Arenen aufzutreten.

Mein Blog: "Denkt ihr eigentlich, daß Euer Stil noch gefragt ist, im Moment ist doch New-Rave schwer im Kommen?"
Peter: " Klar ist der noch gefragt, Indie-Rock wird nie verschwinden und außerdem finden wir Bands wie z.B. die Klaxons gut, wir haben kein Problem damit.

Mein Blog:: "Also gibt es bei The View nie elektronische Elemente?"
Peter: "Nein, nein, wir lieben Dundee-Rock n' Roll, das wird sich auch nicht ändern, fertig".
Kyle: "Es sei denn wir ticken nicht mehr ganz richtig (alle lachen sich kaputt)"

Mein Blog: "Aber gibt es nicht für all diese neuen Elektro-Bands jetzt nicht viel mehr signings bei den Platten-Labels?"
Kyle: Mag sein, aber wir bleiben unserem Stil treu, unser Label-Chef James Endeacott hat uns auch dazu ermutigt.

Mein Blog: "Kyle, Du erwähnst gerade James Endeacott, ihr hattet wirklich Glück, gleich mit guten Leuten zusammenzuarbeiten, oder?"
The View: "Stimmt genau, das hat uns schnell vorangebracht, wir haben auch einen Produzenten, der schon mit Oasis und The Verve zusamnnen war...

Mein Blog: "Fühlt ihr Euch eigentlich einer schottischen Musikszene verbunden?"
Peter: "Nicht unbedingt, aber es ist schon gut, wenn schottische Bands, den Durchbruch schaffen, das freut uns natürlich."

Mein Blog: "Ist euer Akzent denn eigentlich ein Vorteil?"
Peter: Na ja, manchmal eher ein Nachteil, kommt ganz drauf an, vor allem unsere Interviewpartner verstehen uns nicht immer (alle Grinsen, stimmt schon, die Jungs sind nicht so leicht zu verstehen...)

Mein Blog: "Wir mögen Schottland sehr gerne, ich war mal im August da, da waren es nur 13 Grad, da hab ich verstanden, warum die Leute dort Whiskey so mögen. Mögt ihr eigentlich Whiskey und wenn ja, was sind eure Lieblingsmarken?"

Peter: "Jameason" (ist der nicht irisch?)
Kyle: Famous Groose (er macht hierzu ein Genießer-Geräusch mit dem Mund!)

Mein Blog: Und die Isle Of Skye ist super, oder?"
Peter: "Ja, da habe ich neulich ein Hotel gemietet, um eine Geburtstagsfete zu machen, das war klasse":

O.K., genug über Schottland geplaudert...

Mein Blog: "Gibt es denn eine Band, mit der ihr gerne mal auf der Bühne stehen möchtet?
Beide einstimmig: "Oasis", ganz klar.

Mein Blog: "Und ich dachte, ihr sagt jetzt, die Libertines..."
The View: "Die mögen wir natürlich auch, aber wir würden uns eben für Oasis entscheiden."

So, wir haben lange genug die Vorbereitung auf ihren Auftritt gestört (insgesamt 15 Minuten), jetzt lassen wir sie in Ruhe und wünschen einen guten Auftritt.

Danke Kyle, danke Peter und weiterhin viel Erfolg!



The View, Haldern, 03.08.07

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Konzert: The View

Ort: Rees-Haldern (Haldern-Pop Festival)
Datum: 03.08.2007
Zuschauer: einige Tausend vor der Hauptbühne


"The View, The View are on fire", dieser Schlachtruf wird bei jdem Auftritt der blutjungen Schotten angestimmt, wenn sie im Vereinigten Königreich auftreten. In Haldern, am Niederrhein gibt es so etwas nicht, da ist man nüchterner, obwohl die Shooting-Stars wie jede Band gebührend vorgestellt und angekündigt wird.

Der Applaus hält sich in Grenzen, wenn man bedenkt, daß hier eine Band auf der Hauptbühne steht, die mit ihrem Debütalbum "Hats Off To The Buskers" mal so eben Nummer eins in den britischen Charts war.

Allerdings sind sie in Deutschland, abgesehen von einigen Clubauftritten, noch nicht sonderlich in Erscheinung getreten, Haldern ist sogar ihr erstes deutsches Festival überhaupt. Für mich steht aber außer Frage, daß sie auch in Germany sehr erfolgreich werden können, wenn, ja wenn, ihnen ihre jugendlich-ungestüme Art keinen Strich durch die Rechnung macht.

Aber gerade diese Unbekümmertheit und Frische ist es, die ihren Charme ausmacht. Mit "Coming Down" legen sie gleich los wie die Feuerwehr und verwandeln zumindest die vorderen Reihen, wo die ganzen kleinen Mädchen stehen, in einen Dance-Floor. Dieses hohe Tempo werden sie dann auch mit einer einzigen Ausnahme bis zum Schluß halten, aber dazu später...

Nach einem neuen Titel kommt ganz früh schon der Hit "Wasted Little DJs", The View scheinen nie viel Zeit auf der Bühne vergeuden zu wollen, mein letztes Konzert mit der Band aus Dundee dauerte gar nur 30 Minuten, heute werden es immerhin 10 mehr.

Das hohe Tempo hat allerdings den Vorteil, daß nie Leeräume entstehen, britischer Indie-Rock ist halt eben kurz und knackig und überdies gerade im Falle von The View höllisch catchy.

"Cheers", bedankt sich Frontmann und Sänger Kyle Falconer nach fast jedem Lied artig, bevor es flugs weitergeht, lange Ansagen sind nicht nach dem Geschmack der Schotten, sie lassen lieber ihre melodischen, aber dennoch schön schrammeligen Gitarren sprechen. Gutes Beispiel hierfür: "Gran's For Tea". Wer kann sich schon dem Charme eines solch flotten und mitreißenden Songs entziehen? Ich jedenfalls nicht und ich wüßte auch nicht warum ich mich verschließen sollte. Bestimmt nicht, weil The View wie die Libertines und viele andere englische Bands klingen, wie böse Zungen ständig behaupten. Für mich machen sie einfach ungemein spontane und authentisch wirkende Musik, ganz egal welcher Trend im Moment gerade gespielt wird. Eine aktuelle feststellbare Bewegung Richtung New-Rave ein Problem für The View? - Keineswegs wie uns Kyle im vorher stattfindenden Interview berichtete, "Indie-Rock will never be dead!", so seine entschieden Aussage.

Recht hat er, was wollen die Raver eigentlich schon groß ausrichten? Die Einzigen, die The View aufhalten können, sind wohl sie selbst, mit all den Faxen, die sie so anstellen.

"Has anybody here got any problems?", fragen sie irgendwann das Publikum. "We have a lot of them!"

Dagegen hilft eigentlich nur, sich auf die Musik zu konzentrieren. Nach der Singleauskopplung "Skag Trendy" kommt dann auch ein neuer Titel zum Einsatz, wie der hieß, habe ich allerdings trotz der Ansage nicht richtig verstanden, der schottische Akzent ist halt nicht leicht zu verstehen...

Das treibende "Wasteland" im Anschluß kenne ich dann aber wieder, obwohl es keine Überraschung für mich ist, den Song zu hören, schließlich haben sie den auch schon in Paris gebracht.

Eine faustdicke Überraschung ist allerdings das eher langsame "Face For The Radio". Hatten sie nicht vorher im Interview noch gesagt, daß sie das nie spielen würden, weil es einfach zu lahm sei?

Ich bin positiv überrascht und erfreue mich an der Ballade mit der schönen Textzeile: "You have a face for the radio, but you would like to see it in a show". Danach mit "Same Jeans" ("I have the same jeans on for four days now") und "Superstar Tradesman" noch einmal zwei schnelle Smasher und vorbei ist der erste Festivalauftritt der jungen Schotten auf deutschem Boden.

Schön war's, sehr frisch und kurzweilig, allerdings erneut etwas kurz...

Setlist The View Haldern-Pop:

01: Comin' Down
02: Screaming
03: Wasted Little DJs
04: Don't Tell Me
05: Street Lights
06: The Don
07: Gran's For Tea
08: Skag Trendy
09: Fireworks and Flowers
10: Wasteland
11: Typical Time
12: Face For The Radio
13: Same Jeans
14: Superstar Tradesman





Freitag, 18. Mai 2007

The View, The Enemy & Mumm-Ra, Paris, 17.05.07

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Konzert: The View, The Enemy & Mumm-Ra
Datum: 17.05.2007
Ort: La Maroquinerie, Paris
Zuschauer: höchstwahrscheinlich ausverkauft

Hat jemand meinen Konzertbericht über The Sunshine Underground und The Automatic in der Maroquinerie Paris gelesen? Das Konzert fand Anfang des Jahres statt und zum damaligen Zeitpunkt lief auch eine Tournee des NME durch England, bei der Vertreter des Indie-Rock gegen solche des Indie-Rave (oder auch Nu-Rave) antraten. The Automatic gehörten der ersten Kategorie an, während The Sunshine Underground all ihr Gewicht für die Raver in die Waagschale warfen (soll jetzt keine Anspielung auf die Figur des Sängers sein...). Mit The View und Mumm-Ra standen nun gleich zwei damalige Verfechter des Indie-Rock auf dem heutigen Programmzettel. Zusätzlich hatten die Veranstalter des "Inrocks-Indie Clubs" mit The Enemy aus Coventry eine weitere gehypte britische Band an Land gezogen.

Schade, daß ich die einzige französische Band des Abends, die ebenfalls geladenen Cocoon verpasste. Die Gewinner des von der Zeitschrift "Les Inrocks" ins Leben gerufenen Talentwettbewerbs (CQFD), spielen nämlich wundervollen, modern interpretierten Folk-Pop. Dieses Versäumnis werde ich demnächst nachholen.

Zu The View kam ich zum Glück gerade noch pünktlich, denn als ich die schwere Tür des Kellerraums aufstieß, lief gerade schon der Hit "Wasted Little DJs". Auffällig war sofort, dass hier jedes Lied im Schnelldurchlauf gespielt wurde, so ungefähr so, als hätte man beim Plattenspieler fälschlicherweise die Taste für die Single-Funktion für ein Album eingestellt...

Die blutjungen Schotten hatten anscheinend keine Zeit zu verlieren, oder wollten noch eine Maschine für Brighton bekommen, wo sie demnächst beim Great Escape Festival spielen werden. Der Veranstalter hatte ihren Auftritt extra auf 20 Uhr 15 vorverlegt, Headliner des Abends waren somit Mumm-Ra. Dass sie aber auch in maximal 40 Minuten für Begeisterung sorgen können, bewiesen die Jungspunde um Sänger Kyle Falconer eindrucksvoll. Von Anfang an war nämlich "Crowdsurfing" und lautes Mitsingen der Texte angesagt. Einen wichtigen Anteil daran hatten mit Sicherheit die angereisten Engländer (und Schotten), die, wie so oft, Paris unsicher machten. Zum Glück gibt es diese Form des Konzerttourismus, ansonsten würden wohlmöglich selbst beste Bands außerhalb von Großbritannien vor halbleeren Rängen spielen! The View waren mit ihrem Album in England immerhin Nummer Eins, das ist doch was, oder etwa nicht?

Von ihrem Debüt stammte dann auch die neue Single "The Don", ein tolles Stück, das in den Charts des NME ebenfalls bereits den Gipfel erklommen hat. Schade nur, dass die Lieder so kurz waren, ich und die meisten anderen im Saale hätten gerne mehr von den Thronfolgern der Libertines gesehen. Diese Burschen sind nämlich so knackig und mitreißend, daß es eine wahre Freude ist! Nah an der Grundidee des Punk sind sie dran, die Boys aus Dundee, die da lautet, spiele laut, schnell und hart. Insofern vertreten sie auch sehr würdig das Erbe der legendären The Clash, von denen sie mit Sicherheit jede Platte im Schrank haben. Toll ist aber, daß sie auch jede Menge Eigenes einbringen, vor allem den Sinn für so manche schöne Melodie, die man nicht so leicht vergisst und natürlich das jugendlich Ungestüme. Man merkt einfach, daß die Bock haben, Konzerte zu spielen und wild drauf loszurocken. Besonders schön: "Same jeans" und das unnachahmliche Rollen des "R". Man muß wohl in Schottland aufgewachsen sein, um das so perfekt hinzukriegen. Mit "Superstar Tradesmen" war dann aber auch schon Schluss...

Aber es gibt ja einen Trost. Wir sehen uns in Haldern am 2. August wieder!

Setlist The View, Paris:

01: Wasted Little DJs
02: Don't Tell Me
03: The Don
04: Grans For Tea
05: Skag Trendy
06: ?
07: Same Jeans
08: Superstar Tradesman

Mit den anschließend auftreten The Enemy aus Coventry wurde dann mitnichten der Fuß vom Gaspedal genommen, im Gegenteil! Das ebenfalls sehr junge Trio ist gerade dabei, in England immer größer und größer zu werden und wenn man sie da so wild losrocken sieht, bekommt man auch eine Ahnung davon, warum das so ist. Im Gegensatz zu The View ist der Hang zu netten Melodien nicht besonders ausgeprägt. Vielmehr heißt es hier wirklich "Hau den Lukas", Schmalz ist für Weicheier. Erinnerte mich fast an die legendären Sex Pistols, oder auch Shame 69. Punk will ursprünglich nun einmal nicht gefallen, soll hart und fies sein. Gerade diese Attitüde aber sprach mich persönlich an, für Fans des sogenannten Punk-Pop ist das hingegen wohl weniger geeignet. Dem Publikum gefiel es übrigens anscheinend auch sehr gut, was die junge Band um den spitzgesichtigen Sänger Tom Clarke da so veranstaltete. Ich denke von der Gruppe wird man 2007 noch so einiges hören, zumal sie oft als Missing Link zwischen Oasis und eben den Sex Pistols bezeichnet werden.

Mit Mumm-Ra kamen schließlich die Freunde von melodiöserem Indie-Rock wieder auf ihre Kosten. Mit dem Opener "Song B" wurde gleich die Richtung vorgegeben. Spacige Gitarren, ein flottes Schlagzeug und schnelle Bassläufe bestimmten von nun an das Bild. Der Sänger Noo zeigte von Beginn an vollen Einsatz, baute sich vor dem Publikum auf, stieg auch schon einmal auf die Drums und gegen Ende gar auf eine seitlich positionierte Box. Kein Wunder, daß sich die vorderen Reihen der Maroquinerie in einen Dancefloor verwandelten...

"Sick Deal" war dann eine weitere Punkpop-Perle, die gut zog. Auch hier wieder wunderbar melancholische Gitarren, ein signifikanter Bass und der leicht schräge Gesang von Noo. "So stay" heißt es da unter anderem in einer Songzeile, was eine Selbstverständlickeit war, klar wollte hier niemand vorzeitig gehen! Kamen ja noch so einige Knüller unter anderem ein Lied mit dem lustigen Titel "Cheese got you high"! Als dieses Stück verklungen war, verließen die anderen fünf Musiker die Bühne und der Sänger trug die wundervolle Ballade "Light Up The Room" unplugged vor. Das war für mich das Highlight des Sets, denn hier wurde schön deutlich, daß die Band nicht nur ungestüm drauflosspielen kann. Anrührig hier der Text: "I'm drinking myself to the floor" heißt es da unter anderem. Danach aber wieder deutlich schnellere Musik mit "Cute as". Das Tempo wurde bis zur Hitsingle "Out Of The Question" beibehalten, die noch einmal richtig abräumte. Mit "Now oder Never" wurde dann auch noch eine Zugabe gegeben. Mehr Lieder hatten sie dann schlicht und einfach nicht mehr im Repertoire...

Setlist Mumm-Ra Paris:

01: Song B
02: What Would Steve Do?
03: Sick Deal
04: Song E
05: These Things
06: Starlight
07: This Is Easy
08: Cheese Got You High!
09: Light Up This Room
10: Cute AS
11: Clocks Tick
12: Out Of The Question

13: Now Or Never? (Z)

von Oliver






www.theviewareonfire.de

Samstag, 24. Februar 2007

The View, Köln, 24.02.07

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Konzert: The View
Ort: Primeclub, Köln

Datum: 24.02.2007

Zuschauer: Sehr voll, wohl aber nicht ganz ausverkauft


Heute war Premiere für mich. Zum ersten Mal war ich auf der Gästeliste eines Konzerts. Auf der Suche nach der Anfangszeit des Konzerts (auf dem Ticket stand nämlich Einlaß 18.30 Uhr) hatte ich im Internet gefunden, daß die Vorgruppe "Replico" heiße. Mir sagte das nichts. Ein Blick auf deren myspace-Seite verriet dann, daß die Band blutjung und aus Koblenz ist. Obwohl mich das nach der schrecklichen Band, die vor Madsen auftrat, abgeschreckt hat, habe ich weitergelesen und die teilweise euphorischen Lobeshymnen von Musikzeitungen über "Replico" zur Kenntnis genommen. Also wurde ich ihr Freund und sah dann auch schnell ein Bulletin, in dem zehn Gästelistenplätze verlost wurden. Und einen bekam ich.

18.30 Uhr Einlaß stimmte übrigens. Schon auf dem Weg zum Primeclub sahen wir, daß wieder viele Engländer da sein würden. Durch die Luxemburger Straße liefen ein paar junge, etwas angeschickerte Typen, von denen einer die Hose runterzog und den anderen seinen nackten Hintern zeigte. Ganz sicher Engländer. Auch im Primeclub sprachen die meisten Gäste Englisch. Da die Platte von The View erst im März erscheint, war das nicht verwunderlich. Obwohl in Köln immer viele Engländer bei Konzerten sind, war die Quote heute besonders hoch.

Um 19.30 Uhr traten dann vier sehr junge Musiker auf die Bühne, Replico eben. Und
gleich das erste Lied zeigte, daß das Lob der Musikpresse nicht zu unrecht kommt. Replico spielen einen verdammt reif wirkenden Alternative Rock, so als wären sie seit Jahren eine feste Größe in Deutschland. Dabei sind die Bandmitglieder laut myspace zwischen 16 und 17 Jahre alt. Den Namen sollte man sich unbedingt merken. Die Koblenzer Band spielte etwa eine halbe Stunde und hatte einige sehr gute Lieder im Programm. Leider war die Reaktion des Publikums sehr lahm. Außerdem schmiß wohl irgendwer noch irgendetwas auf die Bühne, was Sänger Felix ziemlich anpisste.

Nach einiger Zeit Umbau erschienen dann zu schrecklichen Prollklängen (wahrscheinlich AC/DC) The View. Die Schotten waren vorher schon ein paarmal durchs Publikum gelaufen und sehen auch noch jünger aus als in den Videos, die ich bisher gesehen hatte.

Tja, und was soll ich sagen... So ungefähr stelle ich mir Libertines-Konzerte vor. Die Band spielte eine Ecke roher als auf dem Album aber trotzdem melodisch. Das war
sicher kein Abend für musikalische Feingeister, aber es war ein Abend mit ganz hohem Unterhaltungswert, mit riesiger Stimmung, mit tanzenden und crowdsurfenden Leuten, mit schnell und laut vorgetragenen Hits, also ein großes Vergnügen.

Gleich als drittes Lied spielten The View ihren bisher größten Hit "Wasted little DJs". Danach folgte mit "The Don" einer meiner Lieblinge. Ich habe nicht mitgezählt, ich glaube aber, daß die Band 13 Lieder spielte. Von der CD fehlte leider die schöne Ballade "Claudia", dafür spielten die Schotten die B-Seite der "Wasted little DJs"-Maxi "Posh Boys". Leider
endete mit "Superstar Tradesman" das kurze aber intensive Konzert schon nach 40 Minuten um zehn nach neun (!). Die Band kam auch nicht mehr für eine Zugabe auf die Bühne, obwohl das Publikum (wie nach jedem Lied während des Auftritts) "The View are on fire" gegröhlt hatte.

The View sind in meinen Augen eine Band, die man auf der Bühne gesehen haben muß. Vermutlich wird der kompetente Musikexpress-Redakteur, der über das Automatic-Konzert geschrieben hatte, es sei ein Abend ohne Stimmung gewesen, auch hier nicht auf seine Kosten gekommen sein, die Zuschauer, die ich gesehen habe, haben sich aber prächtig amüsiert.



www.theviewareonfire.de


 

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