Sonntag, 15. März 2009

Franz Ferdinand, Köln, 14.03.09


Konzert: Franz Ferdinand
Ort: Palladium Köln
Datum: 14.03.2009
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: Franz Ferdinand 80 min, Kissogram 40 min


Seit meinem
letzten Franz Ferdinand Konzert ist nicht furchtbar viel Zeit vergangen - aber viel passiert. Im November hatte ich die Schotten bei einem ihrer Vorabkonzerte im Debaser in Stockholm gesehen. Sie hatten damals einige der Lieder ihres da noch unveröffentlichten dritten Albums (Tonight: Franz Ferdinand) vorgestellt. Da ich sie beim Melt! Festival leider verpasst hatte, waren Ulysses, Bite hard oder No you girls echte Neuheiten für mich, die ich unterschiedlich wahrnahm. Vor allem Ulysses und Turn it on gefielen mir auf Anhieb nicht so richtig. Dann erschien das Album, ich hörte es einmal, ein paarmal, immer wieder und war begeistert. Vor allem irgendwann auch von Ulysses.

Keine Frage also, daß ich die Jungs aus Glasgow in Köln nicht verpassen durfte. Das Palladium hatten sie sehr schnell ausverkauft (ok, langsamer als Michael Jackson 50x die O2 Arena in London), und ein ausverkauftes Palladium bedeutet ja grundsätzlich viel Ekliges, lange Schlangen beim Einlaß, keine Parkplätze, Gedrängel... Wir hatten daher mit miesen Plätzen gerechnet, als wir deutlich nach Öffnen der Türen ankamen. Wieso auch immer gab es keinen Stau, Parkplätze, kein Anstellen 500 m vor dem Eingang entfernt und trotzdem noch jede Menge Platz drinnen. Wie
angenehm! Wenn mal der Hypefaktor (wie bei den White Lies) weg ist, die Band aber noch da, können auch Palladium Abende Spaß machen.

Vom Band liefen ausschließlich elektronische Lieder, bevor es losgeht. Das passte schon einmal gut, ist doch Tonight: Franz Ferdinand keyboardintensiver als seine beiden Vorgänger. Wer Vorgruppe sein würde, hatte ich gelesen, allerdings hatte ich mir nichts von Kissogram angehört. Kissogram kommen aus Berlin und bestehen bereits seit 1999. 2009 erscheint ihr drittes Album Rubber & Meat, produziert von Pelle Gunnerfeldt, der schon verantwortlich für Platten u.a. der Hives war. Die Band besteht aus Sänger und Gitarrist Jonas Poppe, Sebastian Bassé, der hinter einem eindrucksvollen Turm aus Keyboards und Synthies stand, und Schlagzeuger Joe Dilworth. Die ersten Sekunden ließen Furchtbares ahnen, da
Sebastian einen unglaublichen Bass-Krach erzeugte, der alles vibrieren ließ. Das war aber wohl nur ein Hallo-Wach-Ruf, denn anschließend begann ein wirklich sehr gutes Lied (ich kenne leider keinerlei Titel), das perfekt zu Franz Ferdinand passte. Mir gefielen die ersten drei Stücke ganz ausgezeichnet. Die Berliner Gruppe war die perfekte Wahl als Support. In der Mitte des 40 minütigen Sets wurde es etwas weniger aufregend, das letzte Stück gefiel mir aber wieder richtig gut. Interessant fand ich besonders die Balkanrhythmen, die ab und an durchkamen.

Eine halbe Stunde Umbau später, das Palladium sah auch am Rand endlich ausverkauft aus, begannen dann die Schotten ihr Programm. Auch wenn glücklicherweise bei Franz Ferdinand Keyboards aufgebaut waren, begann Nick
McCarthy neben Alex Kapranos an der Gitarre. Und wie die beiden begannen! Matinée und Do you want to sollten die Stimmung wohl noch einmal aufheizen. Daß das vollkommen sinnlos war, zeigte die Reaktion auf Matinée. Als wäre ein Schalter umgelegt worden, hüpfte und sang das ganze Palladium mit, sobald die ersten Gitarrentöne kamen. Gigantisch - ohne Abstriche!

Natürlich treffen die Ferdinands nicht jeden Ton in Studioqualität. Sie legten aber einen mitreißenden Liveauftritt hin, deutlich besser als zuletzt in Stockholm. No you girls, das dritte Lied, war das erste vom neuen Album. Man merkte aber keinen Unterschied zu den beiden älteren Hits, No you girls ist auch zu catchy, um vor einem feier- und singwilligen Palladium zu verpuffen. Erstes neues Stück hieß auch, daß das Keyboard zum ersten Einsatz kam. Nicholas spielte dabei abwechselnd Gitarre und Keyboard. Und dann - schon sehr früh - das schönste Lied des Abends. Mein alter Liebling Walk
away war noch nie so schön wie heute! Die Band spielte den Titel sehr zurückgenommen, und das Publikum spielte mit und sang und sang! Die wundervollste Szene des Abends war die kleine Stille vor dem Refrain - unbeschreibbar schön und so vollkommen ungewöhnlich im ungeliebten Palladium! Danach hätte ich gehen können, ich wäre mit dem Konzertabend schon voll und ganz zufrieden gewesen!

The fallen, ein anderer Liebling, war zwar auch schön, stand aber total im Schatten des Vorgängers! Danach, begleitet von naja Bildern auf der Leinwand (Tauben!), das für mich schönste Lied der neuen Platte:
Live alone (Anm. in eigener Sache: der Song mit Love aus der Mitte).

Als dann anschließend Take me out (sensationell wieder!) gespielt wurde, hatte ich das Gefühl, das Konzert werde anderthalb Stunden dauern. Mindestens. So viele alte Lieder hatten sie da bereits gespielt (bzw. so wenige alte). Aber schon ein paar Stücke weiter - nach 50 Minuten - war Schluß. Gut, die paar Lieder waren immerhin mit 40
ft, Michael, Ulysses, sowie Bite hard und Turn it on nicht irgendwelche Trällereien sondern ausgewachsene Hits. Trotzdem hätte dieses Konzert noch eine Menge weiterer Titel vertragen!

Nach sehr kurzer Pause spielten Franz Ferdinand dann leider nicht Eleanor, wie ich gehofft hatte, sondern weiter flott und laut. What she came for folgte das nächste Highlight, das großartige Outsiders, bei dem an Ende wieder alle Bandmitglieder plus Tourmanager (oder Soundmann) auf Paul Thomsons Schlagzeug spielten. Ein langes Lucid dreams und This fire beendeten das Konzert, das sehr viel Spaß gemacht hat und mit ein oder zwei Änderungen perfekt gewesen wäre (Eleanor und eine halbe Stunde mehr). Franz Ferdinand sind sicher weit von einer Schaffenskrise weg, wie sie die Kaiser Chiefs gerade durchleben. Sie waren die wichtigste Band ihrer Musikgeneration und werden das noch eine Weile bleiben!


Setlist Franz Ferdinand, Palladium, Köln:

01: Matinée
02: Do you want to
03: No you girls
04: Walk away
05: The fallen
06: Live alone
07: Take me out
08: Turn it on
09: 40 ft
10: Bite hard
11: Michael
12: Ulysses

13: What she came for (Z)
14: Outsiders (Z)
15: Lucid dreams (Z)
16: This fire (Z)

Links:

- Franz Ferdinand, Stockholm, 15.11.08
- Franz Ferdinand, Melt!, 19.07.08





6 Kommentare :

oliver r. hat gesagt…

Tolles Lego-Foto :-)

Jana hat gesagt…

Auf Eleanor hab ich auch gehofft,das Lied ist einfach zu schön.Ansonsten hat mir das Konzert auch sehr gut gefallen nur Darts of Pleasure hat mir noch gefehlt.

stiller hat gesagt…

Wurde Katherine Kiss Me nicht auch gespielt? *grübel* Ansonsten unterschreib ich einiges in deinem Bericht. :)

Anonym hat gesagt…

stiller, du meinst wohl eher no you girls, was teilweise (oder wars doch ganz?) den gleichen text wie katherine kiss me hat. nur eben rockiger ;)

mir hat darts of pleasure eindeutig gefehlt, und ich finde, da hätten ruhig noch 3,4 songs mehr reingemusst! ansonsten aber echt super.

stiller hat gesagt…

Stimmt, das wars, völlig verplant. Shame on me! :)

Anonym hat gesagt…

http://franz-ferdinand-blog.blogspot.com/

 

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