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Donnerstag, 13. Dezember 2007

Athlete, Köln, 12.12.07

2 Kommentare

Konzert: Athlete
Ort: Prime Club Köln
Datum: 12.12.07



Wenn die Welt gerecht wäre, dann würden Athlete Stadien füllen. In Zeiten, in denen MySpace Helden das Palladium ausverkaufen oder Britgröhl-Gruppen das E-Werk füllen, sollte es einer Band, die einem guten zweiten Album ein sehr gutes drittes folgen lässt, doch vergönnt sein, grössere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und um die Verwunderung bzw. die Ungerechtigkeit komplett zu machen, die Sache mit dem guten zweiten Album ist den erstgenannteren bekanntlicherweise nicht so recht geglückt.

Doch Athlete spielen nur im kleinen Prime Club. Doch das gute Menschen einen Gerechtigkeitssinn haben zeigte sich daran, daß zum Dank der Prime Club dann ausverkauft war.

Als Vorband wurde Iain Archer verpflichtet. Ein ganz hervorragender Singer / Songwriter (Zitat Athlete Sänger Joel Pott), dem es sichtlich Spass bereitete hier aufzutretender. Zu Beginn in typischer Alleinunterhaltermentalität mit umgeschnallter Gitarre, wurde sein Set zum Ende hin immer lauter und rockiger. Was natürlich auch daran lag, dass er nun nicht mehr alleine auf der Bühne stand sondern mit Schlagzeug und Bass begleitet wurde. Thematisch passte Iain Archer sehr gut zu Athlete. Eine sinnvolle und gut ausgewählte Konzertergänzung.

Zum Athlete Auftritt fiel mir gestern Abend gegen elf Uhr folgendes ein:
Mensch, du bist gerade mittendrin, im Konzert des Jahres!!!

Zu diesem Zeitpunkt, das Konzert war gut eine dreiviertel Stunde alt, haben Athlete bereits alle grössten Hits abgespielt. Ob sie nun “Hurricane”, “I am Tokyo” oder “Airport Disco”vom neuen Album “Beyond the neighbourhood” oder “Wires”, “Half light”, “Changes” und “Tourist” vom Vorgängeralbum “Tourist” heissen. In diesem Moment wurde einem erst so richtig bewusst, wieviel excellente Songs diese Band aus dem Londoner Stadtteil Deptford auf ihren letzten beiden Alben angessammelt hat. Und die grösseren waren bis dahin noch nicht einmal dabei. Aber der Reihe nach:

Eröffnet wurde der Abend mit “I am Tokyo”, ich glaube der neuen Single. Ein Smasher, der gleich vom ersten Ton an klarstellte, was heute Abend Sache sein wird. Nämlich das es nichts wird mit einem seichten, ruhigen Vorweihnachtskonzert. Wer die Stücke auf CD hört entdeckt diese leicht melancholische Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch die Alben zieht. Man hört viel Klavier und /oder ruhig- harmonische Keyboards, seltener laute Gitarren.

Hier sind Athlete die besseren Coldplay. Was natürlich mal wieder ein grottenschlechter Vergleich ist, aber wie schon bei den Editors muss sich auch diese Band immer wieder mit Chris Martin und Co vergleichen lassen. Und alles nur wegen eines Klaviers und verwandter Songstrukuren. Das neue Album erweitert diese um leichte elektronische Sequenzen, die einen an die Post “OK Computer” Phase von Radiohead erinnern.

So erwartete ich ein ruhiges Konzert, bei dem man locker minutenlang in sein Bier weinen kann. Doch es kam anders. Die 5 Athleten ordentlich Dampf. Sänger Joel Pott ist die geborene Rampensau, der alle grossen Gesten studiert hat und sie einwandfrei beherrscht. Im Unterschied zu vielen anderen britischen Bands führte er einen regen Austausch mit dem Publikum. Hier eine Ansage, dort eine Anekdote über Dickmilch und Yoghurt. So entwickelte sich ein famoser Auftritt, der Prime Club war begeistert. Von den letzten Konzerten war dieses das mit den meisten Händen in der Luft. Live schaffen es Athlete immer wieder hervorragend, ihren Stücken eine Dynamik mitzugeben, die man beim Hören der CD nicht vermuten würde. Durch die Bank werden sie einen Tick schneller gespielt, die Gitarren treten stärker in den Vordergrund und verleihen dem ganzen einen rockigeren Anstrich. Der Mitklatsch- und Mitwippkompatibilitätsfaktor steigt enorm.

Athlete sind unbedingt eine Konzertempfehlung. Klasse vorgetragene Songs und gutes Entertainment. Ich hoffe, dass sie ihre Ankündigung wahr machen, und nächstes Jahr wiederkommen. Haldern wäre ein guter Ort zum verweilen.

Hatte ich es schon gesagt. Konzert des Jahres!!!

von Frank von Pretty Paracetamol



Dienstag, 11. Dezember 2007

Sarah Bettens, Köln, 09.12.07

2 Kommentare

Konzert: Sarah Bettens
Ort: Prime Club Köln
Datum: 09.12.2007
Zuschauer: 3/4 voller Prime Club


Vorletzter Teil der dezemberlichen Prime Club Wochen. Gestern also Sarah Bettens. Eine meiner Lieblingssängerinnen und -frauen und lange Zeit Frontfrau der belgischen Band K’s Choice.

Mitte der 1990er Jahre gab es einen Sommer, in dem auf einmal zwei von drei Beneluxländer auf die Indiebühnen dieser Welt kamen. Bettie Serveert aus den Niederlanden sowie dEUS und eben K’s Choice aus Belgien. Während Bettie Serveert eher Velvet Undergroundesken Schrammelrock produzierten und dEUS sehr experimentell daherkamen, spielten K’s Choice unter der Obhut der Geschwister Gert und Sarah Bettens lupenreinen Indiepop, wie er sonst nur englischen oder amerikanischen Bands in die Wiege gelegt wird. Mit “Not an addict” hatten sie 1995 ihren ersten kleinen Indietanzflächenhit. Bevor sie zusammen mit ihrem Bruder “The Choice” (nach namensrechtlichen Querelen wurde die Band später in K’s Choice umbenannt) gründete, hatte sie in Belgien einen kleinen Solohit.

Mit den Jahren etablierten sich K’s Choice und hatten mit dem 3. Album “Cocoon Crash” ihren grossen Durchbruch auch ausserhalb Belgiens. In Belgien waren sie zu diesem Zeitpunkt schon länger Top of the Pops. Singles wie “Believe” oder “Everything for free” (letzteres mit einem sehr schönen Video unterlegt) sind für mich zeitlose Klassiker. 2003 wurden K’s Choice für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt und Sarah Bettens begann ihre Solokarriere.

So gastierte sie gestern im Prime Club, im Rahmen der Tour zu ihrem zweiten Album Shine. Dieses wurde in Belgien übrigens kostenlos der Tageszeitung “De Morgen” beigelegt. Nach Radiohead, den Charlatans und vielen anderen wurde so auch hier ein neuer Vertriebsweg gesucht und gefunden.

Das unglükliche an Prime Club Konzerten ist die relativ späte Anfangszeit von 21 Uhr. Da der Zug heimwärts stündlich um 17 nach fährt, und man nicht immer auf den letzten Zug um 0.17 Uhr ausweichen möchte, kommt man mitunter nicht drumherum, Konzerte eher zu verlassen.

Na ja, wenn es am schönsten ist soll man ja bekanntlich gehen.

Und gestern war es schön! Sarah Bettens und Band gaben von Beginn an ein gutes Konzert.

Der Prime Club war gut gefüllt, ich würde schätzen zu 3/4 voll. Das wunderte mich ein wenig, denn weder das neue Album noch die Tour wurden hierzulande grossartig promotet. Auf die alteingesessene Stammfanschaft scheint Verlass zu sein!

Sarah Bettens ist der Typ Mensch, der sich eher unspektakulär gibt. T-Shirt und Jeans tun es. Früher war es schon mal ein Fussballtrikot zur Khaki Bermuda, wie ältere Liveaufnahmen zeigen.

Dann noch schnell die Gitarre umgeschnallt, ein kurzes “Hallo!” an alle, und los geht’s. Ohne Intro, ohne Bühnenklimbim. Schön unprätentiös.

Zu Beginn gleich ein, zwei schnellere Stücke, und das Publikum war gebannt. Und es war Textsicher. Der Refrain zu “Come over here” wurde komplett vom Publikum gesungen und auch bei “Believe” und “Not an addict” gab es keine Textaussetzer. Letztere beide kamen nach gut einer halben Stunde zum ersten Konzerthöhepunkt. Dazwischen lag eine sehr gelungene Coverversion von Snow Patrols “Chasing cars“, das sich stilistisch bestens in den Sarah Bettens- Klangkosmos einfindet und auch sonst gut zu ihr passt. Eine vortreffliche Wahl.

Da Sarah Bettens erst gegen viertel nach zehn begann, und ich nicht total übermüdet in die Woche starten wollte, musste ich das Konzert noch während des regulären Sets verlassen. Zu den Klängen von “Scream” holte ich meine Jacke ab und verliess den Prime Club.

So bin ich dann knapp nach dem schönsten Moment gegangen, um noch pünktlich am Bahnsteig zu sein. Schade eigentlich!

Bevor aber Sarah Bettens & Band die Bühne betraten, spielte dort eine mir unbekannte belgische Band Namens Hollywood Porn Stars. Die drei Jungs kommen aus Lüttich und die zwei Stücke, die ich hörte, kamen gut rüber. Hier erinnerten sie mich ein bischen an Supergrass.

von Frank von Pretty Paracetamol



Sonntag, 2. Dezember 2007

Buffalo Tom, Köln, 29.11.07

4 Kommentare

Konzert: Buffalo Tom
Ort: Prime Club Köln
Datum: 29.11.2007
Zuschauer: halb gefüllt


21 Uhr Prime Club: Buffalo Tom, College Rock stand am Morgen im Kölner Stadtanzeiger. Nun gut, das Collegealter liegt mittlerweile einige Jahre hinter den drei Buffalos Bill Janovitz, Tom Maginnis und Chris Colburne, dem guten alten Genre des College Rock, in dieser Spielart in den 80er Jahren des letzten Jahrtausends geboren und in den 90ern zum Mainstream gewachsen, sind sie wohl immer noch zuzuordnen.

Doch was bewegt einen, ein Konzert einer Band zu besuchen, von der gut 10 Jahre lang nichts zu hören war (und deren CD’s zugegebenermassen im Regal Staub angesetzt haben)? Nostalgie? Studentenerinnerungen? Oder das gute Wissen darum, dass hier und heute eine Band aufspielt, die über die Jahre ihrem Stil und ihren Qualitäten treu geblieben ist? Die Antworten sind nebensächlich, ich geh da hin. Fertig. So dachten auch andere, der Prime Club war gut zur Hälfte gefüllt. Im LastFM Eventkalender gab es 10 "Da-geh-ich-hin" Einträge, der ermittelte Durchschnittsbesucher ist männlich und Mitte 30. Also eine Altherrenveranstaltung? Nicht ganz. Tatsächlich war das Publikum in deutlich männlicher Mehrzahl, das Besucherdurchschnittsalter lag wohl eher bei Anfang 30. Haarspaltereien, ich weiss.

Buffalo Tom gaben eine schnörkellose Indie-College-Rock Show zum besten. Ohne grosse Lichteffekte und ohne grosses Gehabe spielten sie ihr Set runter. So wie man das in den 90ern öfter sah, so wie man es heute kaum noch sieht. Und alles immer schön straight nach vorn. Gut garniert und angerichtet mit Höhepunkten aus 20 Jahren Bandgeschichte. Folglich sah man immer wieder ein leichtes bis starkes Grinsen bei dem ein oder anderen, wenn die alten Hits, heissen sie nun “Tangerine” oder “Kitchen door”, nach wenigen Takten erkannt wurden. Als ob der Prime Club kollektiv sprachlos sagen wollte “zauberhaft, wunderbar, deswegen bin ich hier, das wollte ich hören.” Allein “Summer”, dieser famose Smasher aus der Kategorie “TOP10 Songs des Lebens” war die 19 Euro Eintritt wert. Und so dauerte es auch gar nicht lange, und der Konzertabend entwickelte sich ganz langsam zu einer kleinen Zeitreise.

Vor gut 11 oder 12 Jahren habe ich Buffalo Tom das erste mal in Köln live gesehen. Im Theater am Rudolfplatz, im genialen Konzertdoppelpack zusammen mit Teenage Fanclub. Und es war wie damals (soweit ich mich erinnern kann). Es scheint, als bleibe die Buffalo Tom Sounduhr stehen. Hier ist das gut und zeigt, dass alte Stile nicht unbedingt über den Haufen geworfen werden müssen und man sich als Band nicht mit jeder Platte neu erfinden braucht. Geschichte leben! Der riesige Medienhype bleibt dann zwar aus, - oder in welcher Musikzeitschrift wurde schon grossartig vom neuen Buffalo Tom Album “Three easy pieces” (mp3 via tonspion) Notiz genommen - aber den braucht eine Band wie Buffalo Tom auch nicht. Sie muss sich nichts mehr beweisen. Sie gibt stattdessen lieber gute Konzerte!

Und noch ein Wort zur Vorband. Die Tiny Vipers kannte ich bis dato noch nicht. Aber ich werde sie im Auge behalten. Sie klangen spannend, und ich als alter Cat Power Verehrer sehe mich nun in der Pflicht hier am Ball zu bleiben. Richtig, die Tiny Vipers, erinnerten gestern Abend mit ihrem Akkustikset stark an Cat Power.

von Frank von Pretty Paracetamol


Donnerstag, 29. November 2007

The National, Köln, 27.11.07

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Konzert: The National
Ort: Prime Club Köln
Datum: 27.11.2007
Zuschauer: voll


The National habe ich erst im Frühjahr mit ihrem dritten Album “Boxer” kennengelernt. Etwas verspätet also, denn vor “Boxer” haben sie schon drei Alben veröffentlicht. Einige Zeit dauerte es auch, bis sich mir das Album in voller Schönheit erschlossen hat. Nun ist es eines der Alben des Jahres.


Auf den Weg in den Prime Club zuckeln die Weakerthans leise in mein Ohr. Eine Band, die im weitesten Sinne gut zu The National passt. Die guten alten Swell wäre eine andere Band. Die fiel mir spontan während des Konzertes ein. Und ich glaube, der Vergleich passt ganz gut. Denn Swell sind trotz der musikalischen Andersartigkeit The National sehr ähnlich. Der Zug ist fast leer und ich schwanke noch wegen der Rückfahrt. 23.17 Uhr oder 0.17 Uhr ist die Frage. Aber morgen ist ja nur arbeiten.

Um viertel nach zehn betraten The National angenehm unaufgeregt die Bühne. Von Beginn an wirkte alles und alle ruhig und ausgeglichen. Auffallend waren die langen Ruhepausen zwischen den einzelnen Stücken. So als ob die volle Konzentration dem nächsten Song galt. Sowohl bei der Band als auch beim Pubilikum. Von Anfang an war klar, das es ein guter Konzertabend wird. Der Prime Club, angenehm gefüllt aber wohl nicht ausverkauft, war von Anfang von der Musik gefangen. Die, die es nicht waren, wurden spätestens mit “Mistaken for strangers”, das als 2. oder 3. Stück gespielt wurde, ein The National Opfer. Das Set war klug angelegt und je später der Abend wurde desto “rockiger” wurden The National und mutierten vollends zur Indie-Rock Band. Die Bühnenpräsenz der New Yorker Band ist enorm. Ohne viel zu tun entwickelten sie eine Atmosphäre, der man nicht entkommen möchte, und die nicht viele Musiker oder Bands hinbekommen. Die staubtrockenen und mit speziellem Humor gespickten Ansagen des Sängers passten da voll ins Bild. (”Ich rechne es dir hoch an, dass du dir dieses Lied wünscht. Unter den Publikumswünschen ist es mein Favorit. Aber wir spielen ihn nicht. Warum, weiss ich eigentlich nicht so genau, denn es ist ein gutes Lied. Und das du dir dieses wünschst, spricht für dich.” So der Kommentar des Sängers Matt Berninger auf einen Zuruf aus dem Publikum.) Hier präsentierte sich ein Band, die den Eindruck hinterliess, dass sie nichts beeindrucken kann und die einfach die Ruhe weg hat. Die einzelnen Songs entwickeln live gespielt ihre eigene Dramatik und Dynamik. Anders als auf Platte, wo sich die ganze Klasse erst nach mehrmaligem Hören erschliesst und vier bis fünf Durchläufe nötig sind, bis es Klick macht und die Sperrigkeit und Dichtheit versanftet und verläuft. Da wurde ich angenehm überrascht. Denn ich war mir nicht sicher, ob es nicht ein anstrengendes Konzert werden würde. So eins mit zuviel Kopflastigkeit. Wurde es dann aber nicht. Stattdessen wurde es eine kurzweilige Veranstaltung, die richtig Spass machte. Jetzt kann ich auch verstehen, warum immer nur gutes über die Livequalitäten von The National berichtet wird.

Das Konzert dauerte gute anderthalb Stunden, in denen The National einen schönen Querschnitt aus all ihren Alben präsentierte. Höhepunkte waren das schon erwähnte “Mistaken for strangers”, “Fake empire” , “Abel” und der gesamte Zugabenblock. Das Bühnenbild bestand aus einem Lamettavorhang. Naja, ist ja bald Weihnachten.

Ich habe den Zug um 0.17 Uhr genommen. Heute ist ja nur arbeiten.

Uneingeschränkte Live-Empfehlung!!

von Frank



Freitag, 16. November 2007

The Wedding Present, Köln, 15.11.07

6 Kommentare

Konzert: The Wedding Present

Ort: Prime Club Köln
Datum: 15.11.2007
Zuschauer: halb voll


Das war keine leichte Entscheidung gestern. New Rave gegen Old School Indierock war das Tagesmotto in Köln. Im Gloria traten mit den Klaxons eine der (nach herrschender Meinung) heißesten Bands zur Zeit auf. Die Band aus London, die das Genre New Rave erfand (der Begriff war ursprünglich als Witz gedacht) und stilbildend prägt, wird von vielen anderen Musikern als grandiose Liveband beschrieben. Ihr Album "Myths of the near future" überzeugte aber auch Kritiker: es gewann den diesjährigen Mercury Preis in England. Ich wollte trotzdem lieber die auf dem Papier viel uncoolere Band sehen, The Wedding Present, die im Prime Club auftraten.

Die Gruppe um Sänger David Gedge hatte vor 20 Jahren ihr Debütalbum veröffentlicht, mit dem sie seit einiger Zeit auf Jubiläumstour unterwegs ist. Eigentlich dachte ich gelesen zu haben, sie seien damit auch nur in den Städten, in denen sie auch damals bei der Tour zur Platte aufgetreten sind, vor ein paar Tagen waren sie allerdings auch in Dresden, 1987 vermutlich nicht. Old School, wie gesagt.

Die Entscheidung, zu Wedding Present zu gehen, fiel mir leicht. Zum einen mag ich die Band schon lange sehr gerne, zum anderen gefällt mir die Idee einer Plattenjubiläumstour. Und wenn diese Platte dann noch nach einem der weltbesten Fußballer von einem der glorreichsten Clubs Europas (nein, nicht Patrick Helmes) benannt ist, macht es das viel cooler als jede New Rave Band.

Als die Vorgruppe um neun begann, war es vorne im Prime Club noch sehr leer. Also
schon bevor die zweiköpfige Band mit einer unfassbar lauten und langanhaltenden Rückkopplung ihr Konzert begann. Ein mit Gaffer-Tape gestaltetes Transparent in Bühnenmitte verriet den Namen der Supportband, Jolly Goods. Gestern hatte ich die beiden jungen Frauen musikalisch für Amerikanerinnen gehalten, die Band kommt aber aus Rimbach im Odenwald. Die beiden Musikerinnen sind Schwestern, Angy spielt Schlagzeug und Tanja Pippi (am Tag nach Astrid Lindgrens 100. Geburtstag! Ich bin ganz ernsthaft begeistert über diese Fügung!) singt, schreit und spielt Gitarre. Jolly Goods machen nach eigenem Bekunden Indie-, Garage house- und Punk-Musik. Das beschreibt es ziemlich gut. Tanja Pippi hat eine tiefe Stimme, die mich an Kate Jackson von den Long Blondes oder Siouxsie erinnert. Dazu aber eine viel punkigere (Low Fi, damit wir hier nicht immer so amateurhafte Begriffe verwenden) Musik, das waren quasi die Dead Jackie Os. Ich will mir die Musik der beiden noch einmal auf Platte anhören, im Prime Club hat sie mich nicht gefesselt, was ich aber darauf schiebe, daß ich anfangs sehr müde, wenig aufnahmefähig und vollkommen überrumpelt von der sehr lauten und sehr harten Musik war.

Setlist Jolly Goods folgt!

Wach gemacht hatten mich Jolly Goods auf alle Fälle! Als das Licht ausging, die junge Roadine Lichtzeichen gab und die Hauptband erschien, war ich wieder fit und - was viel wichtiger ist - der Prime Club deutlich besser gefüllt.

The Wedding Present wollten also ihr erstes Album "George Best" spielen. David
stellte allerdings gleich zu Beginn klar: "We are playing the LP, not the CD!" Vorher kamen allerdings erst ein paar Stücke zum Warmwerden. Das begann mit "Blonde" vom dritten Album der Band aus Leeds. Nach dem zweiten Stück ("Brassneck"), als die Stimmung im Raum schon richtig gut geworden war, hatte der Schlagzeuger (wie heißt der aktuelle? Drei "offiziell" anmutende Websites nennen drei unterschiedliche) ein Problem mit dem Basspedal. David, über den John Peel einmal gesagt hat "The boy Gedge has written some of the best love songs of the Rock`n´Roll Era. You may dispute this, but I`m right and you`re wrong", überbrückte die längere Pause erst einmal damit, den "dynamic start" des Konzerts zu loben. Seine Ansagen fanden mal auf Englisch, mal auf Deutsch statt, was er offenbar gut beherrscht (mit Cinerama hat er ja auch schon auf Deutsch gesungen, das fabelhafte Klee-Cover "Erinner Dich"). Er kennt sich auch gut hier aus, begrüßte uns nämlich spizbübig grinsend mit "Hallo Oberhausen". Das Pedal war immer noch nicht in Sicht, also folgte David dem Ruf aus dem Publikum, etwas Akustisches zu spielen und sang "King's Cross" von Cinerama - wundervoll!

Danach war dann die Schlagzeug Situation geklärt, es konnte im Programm weitergehen, mit einem neuen Lied namens "Don't take me home until I'm very drunk." Danach (und vor "Convertible") folgte meiner Meinung nach noch ein Lied, ich bin allerdings unsicher, ob ich das richtig notiert habe. Die Setlist sah vor, daß an
dieser Stelle "King's Cross" gekommen wäre. Vielleicht kann mir da jemand helfen.

Jedenfalls kam nach "Yeah yeah yeah yeah yeah" der Bruch, der keiner war. Die Band spielte noch den letzten Gitarrenpart des Stücks, als die Roadine mit Papptafeln auf die Bühne kam und mit denen von fünf bis eins runterzählte, um danach eine Tafel mit dem "George Best" Cover hochzuhalten. Wedding Present schrammelte da noch ein wenig am Restlied rum, um dann "
Everyone thinks he looks daft" zu starten, den Eröffnungssong des Albums von 1987. Inwieweit der Titel auf den Fußballer von Man U bezogen ist, weiß ich nicht, denn der hielt sich (und galt) als gutaussehender Playboy, der sicher nicht unterschrieben hätte, er sehe bescheuert aus. Aber die Platte ist auch sicher kein Konzeptalbum über den nordirischen Nationalspieler, der 2005 vermutlich an den gesundheitlichen Folgen seines ausschweifenden Lebens starb und durch Sprüche wie "In 1969 I gave up women and alcohol and it was the worst 20 minutes of my life", "I used to go missing a lot...Miss Canada, Miss United Kingdom, Miss World" und das legendäre "I spent a lot of my money on booze, birds and fast cars - the rest I just squandered" unsterblich geworden ist.

In den folgenden gut 35 Minuten spielte Wedding Present also die zwölf Lieder der Platte. Zum Tempo erklärte der Sänger und Gitarrist grinsend "Some of these songs
are quite fast!" Das wirkte alles so nett, so sympathisch. Die Band wirkte, als machte ihnen der Abend wirklich Freude. Bassistin Terry de Castro sah zwar meist konzentriert aus, lächelte aber auch immer mal wieder vor sich hin. Daß Wedding Present mir musikalisch genauso sympathisch sind, muß ich wohl nicht betonen. Schade, schade, daß es ihnen wohl ebenso geht wie z.B. den fabelhaften The Coral, die leider kommende Woche nicht in Köln spielen werden, daß sie nämlich für das, was sie können, viel zu wenig Aufmerksamkeit und Erfolg haben!

Nach dem Schlußlied der Platte war aber noch nicht Schluß, es folgten "Perfect blue", "Kennedy" und "Flying saucer", eine der zwölf Monatssingles, die The Wedding Present 1992 veröffentlich haben ("Flying saucer" war der Juli), als Quasi-Zugaben. Nach 85 Minuten bestem englischen Indie-Rock war das Publikum glücklich, ausgetanzt und sicher (genau wie ich) der Meinung, bei der richtigen englischen Band gewesen zu sein. Vielleicht sehe ich mir in 20 Jahren mal an, wie die Klaxons
bei ihrer Jubiläumstour gefeiert werden, ganz sicher versuche ich sie mir aber vorher mal irgendwo anzusehen, The Wedding Present waren aber eben sicher nicht die schlechtere Wahl für mich. Trotz der Kälte draußen war auch David auf Temperatur gekommen, sein schwarzes Hemd war ein wenig durchgeschwitzt. Er trug dazu - ganz rockstarunlike - eine schwarze Kletter-, Tracking-, Outdoorhose. Auch das machte es irgendwie besonders sympathisch, es fehlte jedes Gepose und jede unnötige Show. Ein schöner Abend!

Setlist The Wedding Present Prima Club Köln:

01: Blonde
02: Brassneck
03: King's Cross (David Gedge solo)
04: Don't take me home until I'm very drunk (neu)
05: King's Cross (?)
06: Convertible
07: Yeah yeah yeah yeah yeah
08: Everyone thinks he looks daft
09: What did your servant die of?
10: Don't be so afraid
11: A million miles
12: All this and more
13: My Favourite Dress
14: Shatner
15: Something and nothing
16: It's what you want that matters
17: Give my love to Kevin
18: Anyone can make a mistake
19: You can't moan, can you?
20: Perfect blue
21: Kennedy
22: Flying saucer



Samstag, 13. Oktober 2007

Broken Social Scene, Köln, 12.10.07

5 Kommentare

Konzert: Broken Social Scene

Ort: Prime Club Köln
Datum: 12.10.2007
Zuschauer: fast ausverkauft


Es waren wohl gerade Broken Social Scene Wochen in Köln. Nach den Stars und Leslie Feist war das Künstlerkollektiv in einer kleinen und rein männlichen Aufstellung im Kölner Prime Club.

Bevor es aber gut wurde, trat der Running Gag der kanadischen Bands der letzten Wochen auf: Gentleman Reg, den ich schon in Berlin und bei den Stars in Köln sehen durfte. Reginald Vermue hat mich auch beim dritten Mal ganz und gar nicht überzeugt. Der sehr blonde Sänger, der nur mit Gitarre und aufgenommenen Effekten auskommt, wird bei Wikipedia mit Rufus Wainwright oder warum auch immer den Smiths verglichen. Smithshaftes habe ich beim besten Willen nicht ausmachen können, außer daß bei beider Musik Gitarren vorkommen. Für Reg war es das letzte Konzert seiner Tour quer durch Europa, ich werde ihn also kein viertes Mal mehr sehen. Von der Tour erzählte er auch ein wenig. Er habe so viel erlebt und könne uns gerne Geschichten erzählen. So habe er beispielsweise auf dem Oktoberfest, wo sie "enormous beers" getrunken hätten, aus einer Riesenradkabine beobachtet, daß Leute in einer anderen Kabine Sex gehabt hätten. Nach einem anderen Konzert hätten, nachdem ihn in einer Kneipe Konzertgänger wegen seiner Homosexualität verspottet hätten, ihn Kevin Drew und andere Broken Social Scene Mitglieder retten müssen. Das erzählte er, als Kevin und ein anderes Bandmitglied für ein Lied auf die Bühne kamen und ihm da die Haut musikalisch retteten, das war nämlich das schönste Lied. Ansonsten war seine Musik wie seine Geschichten, sparsam vorgetragen und ziemlich pointenlos.

Die Hauptgruppe spielte dann zu sechst. Neben den beiden Kernmitgliedern der Band, Kevin Drew und Bassist Brendan Canning, gehörten heute vier weitere Musiker zum Kollektiv (vermutlich Justin Peroff, Andrew Kenny, Bill Priddle, Sam Goldberg). Kevin Drew entschuldigte sich zunächst für die sehr frühe Startzeit, den Beginn um 20.30 Uhr (Reg spielte am 19.30 Uhr!) hätten sie nicht zu verantworten. Ihm lag das so am Herzen, daß er es mehrfach wiederholte.

Broken Social Scene hat vor einigen Wochen das neue Album "Spirit if..." veröffentlich, daß die Band allerdings als eine Art Soloalbum verstanden wissen will. Es ist das erste in einer Reihe "Broken Social Scene presents", zunächst wird Bandmitgründer Kevin Drew vorgestellt. Die nächste Platte wird dann den herrlich kauzig aussehenden Brendan Canning "präsentieren".

Von "Spirit if..." stammten auch die ersten (und insgesamt die meisten) Stücke des Abends. Mich erinnerte der Auftritt ein wenig an Built to Spill, die Assoziation kommt vermutlich daher, daß bei beiden Bands viele kauzige Männer mit vielen Gitarren Krach aber eben auch fabelhafte Melodien zaubern.

Und es war laut. Sehr laut. Kevin Drew sagte auch irgendwann, daß sie heute besonders laut spielten, es schien, als wollte er die frühe Zeit durch besonders viel Krach wettmachen. Krach erweckt aber eine falschen Eindruck, das Konzert war sehr gut hörbar. Bei einer Band bzw. einen lockeren Kollektiv wie Broken Social Scene weiß man ja nicht unbedingt, wie es nun wird.

Von der offiziellen Setlist wichen die Musiker mehrmals ab. Kevin Drew sagte seinen Bandkumpels ein paar mal Änderungen an. So wurden zusätzlich zu den 14 Lieder drei weitere Stücke gespielt, eines gesungen vom Keyboarder der Band. Nach Ende des regulären Programms folgte eine Mitsingnummer: Wir alle sollten unbedingt bei "When it begins" mitmachen. Nachdem alle Bandmitglieder sich vorne aufgebaut hatten, uns den Text beigebracht hatten, stellte sich Kevin vorne auf eine der Boxen und dirigierte uns.

Ein schöner Schlußpunkt eines schönen Konzerts!

Offizielle Setlist Broken Social Scene Prime Club Köln:

01: Gangbang suicide
02: Lucky ones
03: Fucked up kid
04: Safety bricks
05: TBTF
06: Stars & sons
07: Frightening lives
08: Bodhi sappy weekend
09: Superconnected
10: Cause = time
11: Hard to find
12: Farewell to the pressure kids
13: When it begins (Abschlußlied)

14: Lover's spit



Freitag, 5. Oktober 2007

Art Brut & The Indelicates, Köln, 04.10.07

1 Kommentare

Konzert: Art Brut & The Indelicates

Ort: Prime Club Köln
Datum: 04.10.2007
Zuschauer: ziemlich voll aber nicht ausverkauft


Bitter, bitter. Das Kölner Konzert der großartigen und hochgradig unterhaltsamen Art Brut aus London wurde erst von der Live Music Hall ins Bürgerhaus Stollwerck und dann kurzfristig in den Prime Club gelegt. In Frankfurt vor ein paar Tagen war der größere Mousonturm noch gut gefüllt. In Köln scheinen Art Brut nicht mehr viele Leute hinterm Ofen herzulocken, was ich absolut nicht verstehe, denn die Band um Eddie Argos spielt Konzerte, die unglaublich viel Spaß machen. Dazu gab es mit den wahnsinnig tollen Indelicates (auch aus London) eine traumhafte Vorgruppe. Ob es nur an der kurzen Distanz zum letzten Auftritt in Köln lag? Art Brut waren im Juni im rappelvollen Gebäude 9.

Auch war nichts von der zusätzlichen Vorgruppe zu sehen. Bei concertteam.de war noch zu lesen: "Nun sucht die Londoner Band um Sänger Eddie Argos für ihre deutsche Tournee jeweils lokale Vorbands, die 'formed a band' in die Tat umgesetzt haben. Gewinnen können die Bands einen 30minütigen Auftritt vor ART BRUT unter professionellen Bedingungen. Einzige Bedingung: sie sollten ihren Lieblings-Song von ART BRUT covern." Es fand sich offenbar keine, denn das Konzert begann gleich mit den Indelicates.

Die Indelicates, die Band um Simon und Julia Indelicate (nicht verwandt), die so gut zu Art Brut paßt, spielte ein ganz anderes Set als in Frankfurt - glücklicherweise. Denn im Mousonturm hatten sie uns zwei ihrer schönsten Lieder vorenthalten: "We hate the kids" und "Waiting for Pete Doherty to die." Heute war alles prima!

Die beiden zentralen Figuren in der Band aus London sind eben Sänger Simon und Sängerin und Keyboarderin Julia. Julia ist Gründungsmitglied der Pipettes gewesen und hat eine wundervolle Stimme, die auch live sagenhaft gut funktioniert! Der Gitarrist, der mir in Frankfurt vor allem dadurch aufgefallen war, daß er sich dauernd im Kreis drehte, wirkte erst sehr ruhig, taute dann aber auf - und drehte sich wie ein Kreisel.

Das Konzert begann auch wie in Frankfurt mit den beiden Singles "
The last significant statement to be made in rock'n'roll" und "Sixteen". Nach "America" kam dann aber die spektakuläre Abweichung. Denn zum Ohrwurm "New art for the people" erschien Eddie Argos auf der Bühne, um mit Simon Indelicate gemeinsam zu singen. Ja, zu singen, Eddie Argos hat gesungen, nicht gesprochen. Kein Witz! Hätte ich das Konzert verpaßt und jetzt gelesen, daß die beiden gemeinsam "New art" gesungen hätten, ich hätte mich wahnsinnig geärgert, das verpaßt zu haben. Aber so war alles gut!

Nach dem Duett kamen noch drei Kracher: Für mich überraschend das bekannteste Lied der Band, "Waiting for Pete Doherty to die" (auf der Bühne waren nur Simon und Julia), denn das haben sie in Frankfurt nicht gespielt, "Heroin" ("my heroine is on heroin but not bad heroin - the good heroin that rock stars take") und vor allem die Single "We hate the kids."

Die Indelicates sind eine fabelhafte Band, die ich wahnsinnig gerne noch einmal länger sehen würde. Leider kollidiert ihr nächster Termin in Kaiserslautern mit iLiKETRAiNS in Köln. Menno!

Leider war die Stimmung nur ganz gut. Schade! Die nervigsten Leute im Saal, die natürlich wieder direkt in meiner Nähe standen, ein sehr verliebtes Paar, haben mir die Freude durch dauerhaftes Gequatsche auch etwas versaut. Glücklicherweise wurde es dann so laut, daß ausgequatscht war.

Setlist The Indelicates Prime Club Köln:

01: The last significant statement to be made in rock'n'roll
02: Sixteen
03: America
04: New art for the people (mit Eddie Argos)
05: Waiting for Pete Doherty to die (Julia & Simon Indelicate solo)
06: Heroin
07: We hate the kids

Und es wurde sehr laut! Wer sich auf ein Pop-Konzert eingestellt hatte, wurde heftig enttäuscht, fürchte ich. Eddie, Freddy, Jasper, Ian und Mikey lassen es live ganz mächtig krachen. Der Abend war viel mehr ein Punkkonzert. Vor vielen Jahren habe ich mal die Toy Dolls gesehen, wilder war das auch nicht.

Es gab Neues. Das Set nicht, das war das von Frankfurt. Aber hinter Freddy warf ein Beamer Texte auf die Wand. Da liefen dann die Setlist, Textauszüge (zum Mitsingen) und Anweisungen ("Applause now") mit. Vermutlich wird daher die Setlist auch gar
nicht variiert. Aber egal: Bei Art Brut-
*
Konzerten stehen ja eben andere Dinge im Fokus, nämlich der unglaubliche Spaß am Mitsingen, Rumhüpfen, an Eddies Art, seine Ansagen, da ist die musikalische Qualität (die aber mittlerweile richtig gut ist), der lausige Sound oder die fehlende Abwechslung beim Set absolut unwichtig.

Eddie sagte alle Lieder an. Durch die visuelle Unterstützung wird er noch mehr zum Entertainer. Aber auch seine Mitmusiker waren wieder in großer Form. Freddy ist ja ohnehin wegen ihrer charmanten Gestik großartig, Mikey, der stehende Schlagzeuger hat sich vollkommen verausgabt, Ian und Jasper standen am Ende auf den Boxen am Bühnenrand und spielten da die letzten Takte. Jasper war - wie immer - vollkommen aufgedreht. Ich weiß wirklich nicht, wie dieser ruhige Mensch sich so verwandeln kann. Er trug in Köln keines seiner T-Shirts, sondern ein gestreiftes Hemd, das schnell vollkommen durchgeschwitzt war.

Das Set war - wie gesagt - nicht überraschend, es ist aber hoch unterhaltend. Neben vielen Liedern vom aktuellen Album spielen Art Brut einige Hits von der ersten CD und mit "
These animal menswe@r" einen nicht-Album Titel ("we're playing everything even b-sides!"). Es kam alles prima an, der vordere Bereich des Prime Clubs hüpfte und tanzte ununterbrochen. Auch die doofen Absperrgitter vor der Bühne änderten nichts an der ausgelassenen Stimmung. Sie hinderten Eddie auch nicht daran, crowdzusurfen. Dabei kam er beängstigend nah auf mich zu, wurde dann aber wieder nach vorne gelenkt. Er war darüber offenbar enttäuscht, denn er wollte zur Bar surfen! "St. Pauli", eines der Highlights, kündigte Eddie als ihren Eurovision Song Contest Beitrag an und entschuldigte sich gleich bei uns, daß Deutschland dadurch keine Chance haben werde.

Es war einfach wieder köstlich: "Rusted guns of Milan" sei mittlerweile ein Lied über Jasper. Und wenn mich nicht alles täuscht, fehlte dem Lied das Happy End. Bei "I will survive" wich Eddie am Ende auch ab und nannte es dann den Remix des Lieds! "Moving to LA" endete wieder in "Rehab" - aber anders: "They tried to make me go to rehab - that's probably a good idea!" Nach "Nag nag nag nag" war vorerst Schluß. Auf der Rückwand blinkte "Intermission" und "Applause now!", bevor die Band zu den drei Zugaben "People in love", "Direct hit" (sensationell gestern, jeder hat laut mitgebrüllt!) und ihrem größten Hit "Good weekend" (Nummer eins in Mexiko, Japan, Nord und Südkorea (!), Disneyland, Narnia und dem ehemaligen Jugoslawien) erschien.

Danach waren alle platt, auf der Rückwand erschien "Move the way you move" und "The end". Das war nicht mein letztes Art Brut Konzert, obwohl es das vierte dieses Jahr war!

Setlist Art Brut Prime Club Köln:

01: Pump up the volume
02: Bang bang rock and roll
03: Sound of summer
04: Blame it on the trains
05: These animal menswe@r
06: Jealous guy
07: Modern art
08: St. Pauli
09: Bad weekend
10: Rusted gun of Milan
11: Late sunday evening
12: 18.000 Lira
13: I will survive
14: Moving to LA
15: My little brother
16: Post soothing out
17: Emily Kane
18: Nag nag nag nag

19: People in love (Z)
20: Direct hit (Z)
21: Good weekend (Z)

* Leider mangels Kamera sehr schlechte Fotos!

Links:

- Interview mit Art Brut
- Art Brut live: in Frankfurt (30.09.07)
- in Luxemburg (24.06.07)
- in Köln (05.06.07)
- in Paris (18.11.06)
- mehr Fotos: Frankfurt
- Fotos aus Luxemburg


Donnerstag, 4. Oktober 2007

Moneybrother, Köln, 01.10.07

0 Kommentare

Konzert: Moneybrother
Ort: Prime Club Köln
Datum: 01.10.2007


Es ist 1:48h. “Wie, der kommt aus Köln?! Aber der ist doch gut!“ Seit wann haben wir eigentlich talentierte Musiker in Deutschland? Das hab ich mich zuletzt auf dem Haldern Pop während Get Well Soon gefragt und jetzt wurde ich noch mal eindringlichst an diese Frage erinnert. Ich war heute, bzw. gestern auf dem Moneybrother Konzert im Kölner Prime Club. Die Supportband hieß Franz Kasper. Oder eher, der werte Herr, der dort allein auf der Bühne Klavier und Gitarre spielte, hieß so. Und er kam aus Deutschland, aus Köln, um genau zu sein! (Wär jetzt keiner drauf gekommen, ne?!). Vor einiger Zeit hatte ich mir auf Myspace Lieder von dem sympathischen jungen Mann, der, wie ich finde, ein bisschen aussieht wie Connor Oberst, aber viel freundlicher scheint, angehört, aber war nicht so recht überzeugt von diesen. Aber nach der Live-Darbietung… Hut ab! Und noch viel mehr! Das ist toll! Das ist so toll! Wenn bei „What Had To Be Done“(ich höre seit einer Stunde immer wieder die 4 Tracks auf myspace) die Basssaiten auf der Gitarre richtig schön dumpf daherkommen. Und „Now I got her“ ist auch durchaus radiotauglich. Und das ist keinerlei negative Kritik! Das sehen nur „indies“ als negativ an, wenn ein Song im Radio gespielt wird. Aber über „indies“ will ich hier gar nicht erst anfangen zu schreiben. Sonst sind wir nächste Woche noch nicht fertig. Solis gab’s auch. Und die wurden vom Publikum unverschämterweise mit sehr mäßigem bis gar keinem Applaus anerkannt. Dieser Mensch ist toll! Also eher seine Musik. Ganz, ganz besonders einen Song fand ich wunderbar. Natürlich hab ich den Namen direkt wieder vergessen aber ich erinnere mich an die Zeile die irgendwie so in der Art lautete „I don’t like law but I’ll study to get you out of here.“ Also in dem Lied ging es um eine Frau, die eingesperrt wurde. Lock you up? Lock up? Irgendwie so.. Ach verdammt, ich fand den Song so gut und jetzt weiß ich nicht mal mehr, wie der heißt. Ich seh’s schon, morgen wird ich erstmal Franz Kasper CD’s kaufen. Hatte heute natürlich kein Geld dabei. Warum hat man eigentlich nie bei den herausragenden Musikern Geld dabei? Nicht bei Sufjan Stevens, nicht bei Damien Rice, nicht bei Franz Kasper. (Jetzt darf der Herr sich geehrt fühlen mit den anderen beiden Musikern in einem Atemzug genannt zu werden! Nimm dir das zu Herzen Franz! Es tut mir leid, ich komm einfach nicht über diesen Namen hinweg..) Nach lediglich neun Liedern, die allesamt ganz hinreißend waren, war Herr Kasper leider auch schon fertig mit seinem Set. Viel zu früh wie ich fand. Aber wie sagt man “man soll aufhören wenn’s am schönsten ist“ außerdem wohnt er ja in Köln (wuhu!) und spielt Mitte Oktober auch schon wieder einen Gig im Stadtgarten. Vorher tourt er noch mit Moneybrother durch Deutschland.

Überhaupt, Moneybrother. Also. Das Konzert war doch zugegeben um einiges besser als ich es mir vorgestellt hatte. Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich zwischenzeitlich den Gig vollkommen vergessen hatte. Ich bin ja noch nicht einmal im Besitz des neuesten Long Players „Mount Pleasure“. Aber Herr Wendin hatte gute Laune, spielte alle von mir zu hören gewünschten Lieder und betonte immer wieder, wie sehr er sich freue, in Köln zu sein und dass das Konzert ausverkauft sei. Aber…die
Lorbeeren hatte schon Herr Kasper abgeräumt. Und des öfters erwischte ich mich dabei wie ich über die oben zusammen gepflasterte Textzeile nachdachte, während Moneybrother spielten. Es tut mir ja fast schon leid für Herrn Wendin und Anhang aber… kommt der Herr Kasper sicher aus Köln?! Verdammt!! Neben den 10 auf der Setlist gelisteten Songs, welche Klassiker wie „The Pressure“, „It Ain’t Gonna Work“, „Blow Him Back Into My Arms“ und „They’re Building Walls Around Us Now“ enthielt, gab es insgesamt, glaube ich, 5 oder 6 Zugaben. Also auf jeden Fall wurde die Bühne 3 Mal verlassen und wieder betreten. Passendes Schlussstück des Abends war „Feelings Getting Stronger In The Dark“, welches größtenteils von Anders Wendin allein auf der Akkustikgitarre gespielt wurde. Aber wie zum Teufel ging denn diese Zeile nochmal..“I don’t like law but I’ll..“ ach spätestens am 13.10 weiß ich auch das. Es ist 2:35h.

von Magali. Vielen Dank!



Freitag, 7. September 2007

The Twang, Köln, 07.09.07

1 Kommentare

Konzert: The Twang

Ort: Prime Club Köln
Datum: 07.09.2007
Zuschauer: keine 100


Wenn Köln in England läge, wäre ich eben mit einigen Tausend begeisterten Fans aus irgendeiner großen Arena gekommen, noch vollkommen aufgedreht vom Konzert der Twang aus Birmingham. In dem Köln im Rheinland fanden kaum hundert Leute den Weg in den Prime Club, in dem eine der englischen Neuentdeckungen des Jahres heute ihr erstes Clubkonzert auf deutschem Boden gaben. Das bis heute einzige deutsche Konzert hatten The Twang beim Highfield-Festival gespielt.

Die wenigen Zuschauer waren wohl auch der Grund, warum die Vorgruppe viel später begann, als das zu erwarten war. Vorher, als ich zum Prime Club gekommen war, hatte ich aus der Ferne den Soundcheck dieser Vorgruppe gehört. Eines der Lieder kam mir bekannt vor, ohne daß ich direkt wußte, wer die Band war. Drinnen
erfuhr ich dann, daß Leo Can Dive aus Duisburg The Twang supporten würden. Die Duisburger Band hatte ich schon im vergangenen Jahr als Vorgruppe von den Subways im Pulp gesehen und gut gefunden. Auch heute gefiel mir der sehr englisch klingende Sound der Gruppe, die kommende Woche ihr Album veröffentlicht, sehr gut. Ein Lied wie "Amazing" z.B. könnte in England ein Hit sein. Auch wenn wirklich sehr wenige Leute im Prime Club waren, war die Stimmung, die Leo Can Dive erzeugte schon einmal sehr ordentlich. Allerdings muß man auch sagen, daß vor und zwischen den Bands sensationell gute Musik aus der Konserve kam!

Setlist
Leo Can Dive Köln:

01: Happy end
02: Gatecrasher
03: Amazing
04: Go ahead
05: TT R (?)
06: Lonely plan
07: Bored
08: You're stereo

Aber ich war ja wegen anderer Hits aus England da.

Das heutige Konzert war wie gesagt das erste Clubkonzert von The Twang in Deutschland. Zumindest von den Twang, die ich mag. Mein erstes Ticket für ein The Twang Konzert in Köln ist mir auch als eines für die Band aus Birmingham verkauft worden. Weil ich aber skeptisch war und nachgefragt habe, hatte ich noch rechtzeitig erfahren, daß es sich bei diesem Konzert im Juli um die Hamburger Country-Band The Twang handelte. Heute habe ich es zwar nicht kontrolliert, aber bis vor kurzem zumindest haben iTunes, CD- und Tickethändler und last.fm beide Twangs zusammengeschmissen, da tauchen immer gemeinsam die Country- und die englischen Alben auf. Bei meinem Tickethändler hatte ich dann kräftig Wind gemacht, daß ich auf seine schlechte Recherche reingefallen sei, seit der Zeit (ich bin allerdings nicht so verwegen, mich als Urheber dafür zu sehen) firmieren die englischen Twang in Deutschland unter The Twang (UK). Jedenfalls hatte ich vor ein paar Tagen bemerkt, daß ich das falsche Ticket nicht zurückgeschickt hatte, was mir ein schönes Souvenir und der Band (UK) einige Lacher brachte ("Phil, he's got a ticket from the wrong Twang!").

.

Irgendwann war es dann auch endlich soweit, daß alles für die Hauptgruppe vorbereitet war. Alles heißt dabei vor allem die beiden Mikros der Sänger Phil und
Martin. Schon bei meinen ersten (drei) Konzerten hatte ich mich köstlich über die Wanderungen der beiden über die Bühne amüsiert. Dabei hat Phil, der blonde Sänger, ein drahtloses Mikro, Martin, der deutlich mehr wandert eines mit Kabel. Martin nimmt dann gleich Mikro mit allem incl. Mikroständer mit auf seine Ausflüge. Weil die beiden dafür Platz brauchen, stand sonst kein unnützer Schnickschnack auf der Bühne rum: Das Schlagzeug, rechts und links am Rand der (kleine) Platz für Gitarrist Stu und Bassist Jon und dazwischen viel Platz für die Sänger.

Was mir auch wieder aufgefallen ist, die Band wirkt zwar wie eine der vielen
coolen und schnodderigen englischen Gruppen, allerdings nur auf den ersten Blick, vermutlich eben auch durch ihre Musik, die Assoziationen zu Stone Roses, Oasis oder den Happy Mondays nahelegt. Wenn man sie sich dann auf der Bühne ansieht, merkt man aber, wie unglaublich viel Spaß die fünf Kumpels bei dem haben, was sie da machen. Gitarrist Stu hatte mir vorher gesagt, das sei für sie ja alles noch so neu. Vor Dezember habe er noch auf der anderen Seite der Bühne gestanden. Genau das merkt man den Jungs aus den Midlands auch an. Auch in Highfield, mit denkbar undankbaren Bedingungen (frühe Ansetzung, keiner kannte ihre Musik), hat die Band Spaß verbreitet. Trotz der irren Erfolge in England, Auftritten bei allen wichtigen Festivals, Konzerten in ausverkauften riesigen Hallen, Platz drei in England, genießen die Fünf auch so Abende wie heute vor vielleicht 80 bis 100 Zuschauern. Wobei die, die da waren, Stimmung für 500 gemacht haben. Schade nur, daß die Band von vorne sehen konnte, wie leer es hinten war und daß sie vorher durch den Saal gekommen war. Man hätte ihnen vermutlich sonst verkaufen können, es wären einige hundert da gewesen.

Die Platte ist ein (Achtung! Journalistendeutsch:) Grower. Mit jedem Hören gewinnt sie. Ich habe die Band zweimal live gesehen, bevor ich die CD hatte, kannte außer den Hits "Either way" und "Wide awake" nichts in der Studioversion und habe daher meine Begeisterung zu The Twang durch deren
Auftritte aufgebaut. Nach dem zigsten Hören der CD, mit dauernd wechselnden Lieblingsliedern (aktuell "Reap what you sow"), liebe ich die auch abgöttisch. Trotzdem sind The Twang live noch um Klassen besser!

Da die Platte keine schwachen Stücke enthält, war auch das Konzert ein einziges Hitmedley. Es fing an mit "The neighbour" mit den herrlichen "Oh oh" Mitgröhlstellen, dann "Loosely dancing", dann "Either way", und und und, ohne irgendeine Verschnaufpause, außer kleineren Ansagen von Phil, die Martin meist nutzte, sich in der ersten Reihe Zigaretten zu schnorren - allerdings mit schlechtem Gewissen, so wirkte
es zumindest. Bassist Jon, eines der Gründungsmitglieder (er und Phil kennen sich seit ihrer Kindheit), der immer furchtbar schüchtern wirkt, bot dagegen Bonbons an, was ich aber erst zu spät kapierte. Alles ganz schrecklich nett, eine wahnsinnig sympathische Band, die so ungekünstelt wirkt!

Wie gut das alles beim Publikum ankam, habe ich schon erwähnt. Vorne hat sich jeder bewegt, jeder mitgesungen, viele getanzt. Ich glaube
absolut, daß die Jungs aus Birmingham keine Eintagsfliege sein werden, ich denke vielmehr, daß sie in eine Größenordnung und Bedeutung von Bands wie Oasis vordringen können. Aber Oasis in nett, wie wir hinterher festgestellt haben. Die Gruppe hat ein riesiges Potential, leider scheint nur die Vermarktung in Deutschland schrecklich schlecht zu sein. Wenn die Rakes den Prime Club füllen, sollten es The Twang an einem Samstagabend auch. Es waren noch nicht mal Leute mit Cowboy-Hüten da, die sich die anderen Twang gewünscht hätten...

Nach dem Wahnsinnshit "Wide awake" folgte mit "Your beats" das einzige nicht auf dem Album befindliche Stück. Ich glaube, daß das eine B-Seite von "Either way" ist. Den Schluß bildete dann das komplexeste Lied "Cloudy room". Leider gab es keine Zugaben, wir haben aber auch so sehr
viel für unser Geld bekommen. Für mich sind The Twang neben Los Campesinos!, Polarkreis 18 und The Taste die Entdeckung des Jahres. Leider werde ich die Engländer sicher eine Weile nicht sehen können, da sie wenige Deutschland-Termine haben. Wer allerdings die Chance hat, eines der Konzerte der Mini-Tour zu sehen, sollte sie auf keinen Fall verpassen. Wer hätte nicht gerne die ganz jungen Oasis zum Beispiel live gesehen!

Setlist The Twang Köln:

01: The neighbour
02: Loosely dancing
03: Either way
04: Reap what you sow
05: Push the ghosts
06: Ice cream sundae
07: Don't wait up
08: Two lovers
09: Wide awake
10: Your beats
11: Cloudy room




Links:

- The Twang als Support von James in Dublin
- The Twang beim Wireless Festival im Hyde Park
- erster Auftritt in Deutschland beim Highfield Festival
- mehr Fotos






Freitag, 8. Juni 2007

Les Rita Mitsouko, Köln, 07.06.07

2 Kommentare

Konzert: Les Rita Mitsouko

Ort: Prime Club Köln
Datum: 07.06.2007
Zuschauer: ca. 3/4 voll


Wenn man zu Konzerten britischer Bands in den Kölner Prime Club geht, kann es schon einmal passieren, daß einem davor britische Besucher feiernd und mit runtergezogener Hose über den Weg laufen. Sicher ist, daß im Club Englisch mindestens zweite Sprache des Abends ist. Donnerstag abend lief mir ein Mann mit Vollbart und Baskenmütze in die Quere und im Prime Club wurde Französisch gesprochen: Die Punk-, Wave- und was nicht noch alles-Helden von Les Rita Mitsouko waren nämlich auf Tour in Köln. Gut, die Baskenmütze war vermutlich Zufall (denn die trägt ja jeder zweite Lehrer der älteren Generation), ungewöhnlich war (neben den Franzosen) das Publikum schon. Laut lastfm war ich der einzige Besucher des Konzerts, ich hatte also nicht mit riesigem Zulauf gerechnet. Langsam (sehr langsam) kam der Zulauf dann doch, das war allerdings keine Web 2.0 Publikum, ich kam mir ziemlich jung vor!

Der Soundcheck dauerte ungewöhnlich lange. In aller Seelenruhe stimmten die Helfer immer wieder die Instrumente und Mikros (die wurden sicher fünfmal geprüft). Ob diese akribische Vorbereitung Grund für die lange Karriere des Pariser Duos ist? Ich hatte Les Rita Mitsouko kennengelernt, als ich anfing, mich für Wavemusik zu interessieren. Die drei ersten Platten "Les Rita Mitsouko", "The no comprendo" und "Marc et Robert" habe ich sehr geliebt, meine Favoriten waren lange Zeit "Les histoires d'a" und die beiden großen Hits "Singing in the shower" und "C'est comme ça". Vor ein paar Wochen habe ich dann die neue Platte "Variéty" gekauft und gestern auf der Fahrt noch einmal gehört. Und mir kam das alles sehr sehr popig vor. Ist die Band weniger punkig geworden oder war das früher schon purer Pop, der eben nur Punk hieß, so wie Blondie oder Hazel O'Connor? Besonders unsicher war ich, ob mir "Ding ding dong" gefällt...

Irgendwann war der Soundcheck beendet, der Helfer signalisierte endlich, daß es losgehen könnte. Neben den beiden Ur Rita Mitsoukos Catherine Ringer und Fred Chichin gehörten heute abend ein Keyboarder, der von weitem wie Henri Leconte als Hochzeitsalleinunterhalter aussah, ein relativ junger Bassist, ein Schlagzeuger (Catherine stellte ihn als "at the taktaktak Herr Kerr" (oder so) vor) und ein Gitarrist mit Lesebrille. In der Mitte standen Catherine in einem roten gemusterten Kleidchen und Fred mit dunkler Sonnenbrille und normaler Gitarre. Bei den ersten Takten war gleich klar, daß sich der ewige Aufbau gelohnt haben sollte, der Sound des Konzerts war vorzüglich. Aber das war nicht das einzig Bemerkenswerte. Catherine (ich verrate natürlich aus Respekt ihr Alter nicht - aber zehn Tage vor ihrer Geburt regierte die SPD noch Bayern) tanzte und bewegte sich, wie manch junge Künstlerin es gerne könnte (und sie spielte Mundharmonika!). Ihre Stimme war brillant, selbst die regelmäßigen Schreieinlagen saßen tongenau. Es war ein ganz großes Vergnügen, der live absolut jung wirkenden Band zuzuhören und zuzusehen.

Fred wirkte mit seinem dünnen Bart, der dunklen Sonnenbrille und der Gitarre wie ein Straßenmusiker. Aber auch wie ein Musiker, der zwar souverän aber auch mit viel Spaß seinem Job nachgeht (nicht, daß das Straßenmusiker nicht täten - vermute ich, ich kenne keine näher). Das Publikum (das nicht sehr konzerterfahren wirkte, zumindest nicht in den letzten Jahren) nahm die Musik begeistert auf. Die Energie, die Catherine vor allem versprühte, übertrug sich sofort auf die Zuhörer (ich weiß, das ist eine eklige Musikjournalistenfloskel, leider paßt die hier aber so gut).

So wie die Musik der Band sagte Catherine die Stücke auch an, mal auf Französisch, mal auf Englisch, mal mit ein paar Brocken Deutsch. Gleich am Anfang unterbrach sie unseren euphorischen Beifall mit "Pssscht, vous êtes a little bit nervous. Das ist nicht gut. Calm down!"

Die Musik war, das habe ich schon gesagt, perfekt vorgetragen. Die Band spielte anfangs nur Lieder der neuen Platte (auch in der Reihenfolge, in der sie auf der Platte vorkommen). "Eleganto" war das erste Lied, das nicht von "Variéty" stammt. Ich glaube, daß das eine B-Seite war. Danach weiter Aktuelles, u.a. das von mir nicht einschätzbare "Ding ding dong" (bzw. "Ding-e ding-e dong-e"), bevor die ersten Lieder der frühen Jahre kamen (u.a. "Live in Las Vegas", das urprünglich mit den Sparks aufgenommen wurde und "My love is bad", auf Platte mit Iggy Pop). Beendet wurde das reguläre Programm nach 55 Minuten mit einem Cover von den "Pierres roulantes" (Catherine), mit "Under my thumb". "Under my thumb" ist mein Lieblingslied der Stones, mit dem zarten französischen Akzent von Catherine war das aber noch ein besonderer Genuß.

Natürlich war der Lärm riesig, als die Band in der Garderobe verschwand. Sehr kurz danach kamen die sechs Musiker auch wieder und spielten mit "Andy" gleich einen der großen Hits vom zweiten Album. Danach gab es etwas Verwirrung. Catherine sagte der Band, jetzt solle "Même si", eines der sehr ruhigen aber wundervollen Lieder des neuen Albums folgen. Man wies sie wohl darauf hin, daß aber laut Setlist "Bad luck queen" käme. Sie sagte noch einmal "Même si", offenbar einigte man sich dann aber doch auf "Bad luck queen", ein fabelhaftes Lied (mein Liebling) von "Variéty" über Marie Antoinette, das einen herrlichen Marschrhythmus hat. Danach spielten Les Rita Mitsouko leider nicht "Les histoires d'a" sondern "Chanson d'a". Schade, den Allzeitliebling hätte ich gerne gehört. Aber "entschädigt" wurde ich (wie der Rest) mit "C'est comme ça". Großartig, wie das Publikum hierbei mitgröhlte. So laut habe ich so was lange nicht erlebt. Wenn man mir da gesagt hätte, hinter mir stünde ein Palladium-Publikum, hätte ich das anhand des Krachs gerne geglaubt. Ich liebe Lieder mit "La la la"-Passagen. Heute weiß ich wieder warum!

Tja, und dann sollte wirklich Schluß sein. Die Helfer schalteten schon alle Verstärker aus, aus den Boxen kam wieder Fremdmusik. Das Publikum wollte das aber so nicht akzeptieren. Der laute und anhaltende Beifall führte bei den Roadies zu kollektivem Schulterzucken. Einer ging dann in die Garderobe, es änderte sich aber erst einmal nichts - auch nicht am Applaus. Dann kam - etwas derangiert - Catherine zurück. Sie hatte statt des Kleidchens nur ein Tuch über den Schultern und trug darunter einen BH. Sie war also offenbar sehr überrascht, noch einmal zurück zu "müssen". Sie nahm das Mikro, und stieg mit improvisiertem Text in das laufende Lied (ich denke, das war ein mir unbekanntes Blondie-Stück) ein. Der Text enthielt dann "merci", "au revoire", "auf Wiedersehen" und ähnliche Sätzchen. So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt!

Und mit Blondie schloß sich der Kreis ja auch wieder. Das Konzert war weit weniger popig (böse wäre an der Stelle "seicht") als die Musik der aktuellen Platte auf CD. Das ist zwar wirklich kein Punk, "Singing in the shower" ist das nach heutigen Maßstäben ja auch nicht. Aber auch "Ding ding dong" hat mich live überzeugt. Das Lied kann viel, obwohl es auch ibizatauglich ist (ich war da noch nie, diese Vorurteile!). Les Rita Mitsouko waren definitiv Helden von damals, die sich nicht demontiert haben. Ganz im Gegenteil, bei mir haben sie große Lust erzeugt, den alten Kram zusätzlich zur neuen Platte wieder auszupacken!

Setlist Les Rita Mitsouko Köln:

01: L'ami ennemi
02: Communiqueur d'amour
03: Berceuse
04: Rendez-vous avec moi-même
05: Eleganto
06: Terminal beauty
07: Ding ding dong
08: Perfect eyes
09: Amnésie
10: Live in Las Vegas
11: My love is bad
12: Yaktagan
13: Under my thumb

14: Andy (Z)
15: Bad luck queen (Z)
16: Même si (Z)
17: Chanson d'a (Z)
18: C'est comme
ça (Z)

Links:

- mehr Fotos

Les Rita Mitsouko live:

12. - 14.06.07: Brüssel
22.06.07: Hurricane Festival



Montag, 7. Mai 2007

The Rakes, Köln, 06.05.07

5 Kommentare

Konzert: The Rakes & The Bishops
Ort: Prime Club Köln
Datum: 06.05.2007
Zuschauer: ausverkauft


Viele der englischen Bands, die vor zwei Jahren mit unglaublichen Debüt-CDs aufgetaucht sind, haben in den vergangenen Wochen ihre zweiten Platten veröffentlicht, Bloc Party, Maximo Park, die Arctic Monkeys, demnächst die Editors und eben auch die Rakes aus London. "Ten new messages" erschien Mitte März in Deutschland und die Rakes waren damit in den letzten Tagen auf einer kleinen Clubtour unterwegs, deren letzte Station der Prime Club in Köln war.

Vor dem Club standen kartensuchende Leute, denn das Konzert war restlos ausverkauft. Nach den letzten leeren Sälen war das schon fast beruhigend. Einen großen Anteil daran hatten (wie so oft bei englischen Bands in Köln) die Fans, die von der Insel angereist waren. Der Veranstalter hatte das auch vorab honoriert und eine echte Vorgruppe engagiert: Die Bishops, eine Band, die hochgelobt, in Deutschland aber noch sehr wenig bekannt ist. Wegen der guten Kritiken war ich wirklich sehr gespannt auf die junge Band.

Die Bandmitglieder waren vorher schon schüchtern durch die Menge gegangen, mit schwarzen Kommunionsanzügen und dünnen schwarzen Krawatten. Die Schüchterheit war dann auf der Bühne aber ganz flott weg, denn nachdem sie sich
mit "Wir sind die Bischofs aus London" vorgestellt hatten, spielten die Brüder Bishop und ihr dritter Mann von Beginn an schnelle, großartige Lieder, die auch sofort bei den Nicht-Engländern punkten konnten. Als Stil der Bishops wird oft der Stil der jungen Beatles genannt. Vollkommen zu recht. Allerdings war das für mich kein billiger Abklatsch der Platten, die die beiden bei Eltern Bishop sicher oft gehört haben, sondern eher so, als hätten die jungen Beatles in ihrer Jugend die Arctic Monkeys z.B. gehört. Dazu kam ab und zu ein leichter Ska-Rhythmus, der die Musik der Briten noch weiter aufpeppte. Ohne hier in zu viel Euphorie ausbrechen zu wollen: Das war schlicht fantastisch, was die drei Bishops gespielt haben. Leadsänger Mike hampelte dazu über die Bühne, verzog das Gesicht, hüpfte hin und her und feuerte das Publikum an wie ein kleiner Derwisch. Im Kindergarten wäre er damit wahrscheinlich als verhaltensauffällig eingestuft worden (wobei ich gestern gelernt habe, daß solch wildes Verhalten bei Kindern keine Störung sein muß, sondern die Kinder auch Indigo-Kinder sein können, die von einem anderen Planeten stammen - das ist zwar hochinteressant, führt aber jetzt zu weit). Auf der Bühne jedenfalls war das hochunterhaltsam und störte vor allem die Stimmleistungen nicht. Immer wenn die Bishop-Zwillinge gemeinsam sangen (das ist eine der Beatles-Ähnlichkeiten), waren die Lieder ganz besonders gut.

Ich glaube, ich habe wirklich keine Vorgruppe erlebt, die ähnlich viel Jubel nach etwa 40 Minuten Konzert erzeugt hat. Das war wirklich prima und hat irre viel Spaß gemacht.

Nach erstaunlich langem Aufbau (30 Minuten mindestens) begann das Hauptkonzert dann um kurz nach zehn. Der Prime Club war schon bei den Bishops
gerammelt voll. Durch die gute Vorarbeit hatten die Rakes mit dem Publikum leichtes Spiel. Da mußte nichts an Stimmung mehr mühsam aufgebaut werden, es reichte, das Standardset zu spielen, um die Leute eine Stunde zum Tanzen zu bringen. Daß die Rakes live so wenig überraschend sind, ist zwar ärgerlich, stört aber ja nur dann, wenn man die Band häufiger sieht. Die Londoner spielten mit einer Änderung das Set, das sie bei verschiedenen Konzerten in Europa gespielt haben. Statt Ausland Mission (ob sie Angst vor der deutschen Textzeile "mit keine Illusion" hatten?) spielten sie "Violent". Und leider scheint das fabelhafte Gainsbourg-Cover "Just a man with a job" wirklich den Franzosen vorbehalten zu sein.

Die Rakes sind eine tolle Liveband, weil sie das Publikum zum Tanzen und Wildsein bekommen. Wenn nur die Stimmqualität als Kriterium für gute Livebands zählte, wären sie das nicht, denn Sänger Alan klingt auf Platte schon deutlich besser. Aber das ist eben eine Frage der Erwartungen. Man darf sicher von Rakes-Konzerten nicht die Live-Musik einer Band wie Maximo Park erwarten. Aber das macht den Spaß an den Rakes nicht kleiner. Was ich mir neben ein paar Abwechslungen für das nächste Mal wünschte, wär weniger Arm-Gehampel von Alan.


Setlist The Rakes:

01: Terror!
02: Retreat
03: We danced together
04: We are all animals
05: Down with moonlight
06: When Tom Cruise cries
07: Binary love
08: Dark clouds
09: All too human
10: Supicious eyes
11: 22 grand job
12: Violent
13: Trouble
14: Strasbourg

15: Little superstitions (Z)
16: Work, work, work (pub, club, sleep) (Z)
17: Open book (Z)
18: The world was a mess but his hair was perfect (Z)

Links:

- mehr (wenig mehr) Fotos
- Video "Suspicious eyes" (kommt später)
- The Rakes live in Paris (2007)



Dienstag, 13. März 2007

Anna Ternheim, Köln, 12.03.07

3 Kommentare
Konzert: Anna Ternheim
Ort: Primeclub Köln
Datum: 12.03.2007
Zuschauer: rappelvoll

Wer jetzt von mir einen objektiven Bericht über das Konzert der schwedischen Songwriterin Anna Ternheim erwartet, wird enttäuscht werden. Das hat die Schwedin in anderthalb Stunden unmöglich gemacht. Aber der Reihe nach:

Vor dem Primeclub hatte sich schon eine Schlange gebildet, als ich ankam. Und wie das dann oft so ist, stellte sich niemand mehr nach mir an. Das passiert auch im Supermarkt oder bei anderen Schlangen so oft, ohne daß ich verstehe, warum das so ist. Es vergingen sicher zehn Minuten, bis die Türen aufgingen und erst kurz vorher stellten sich ein paar Leute noch hinter mir an.

Der Primeclub füllte sich schnell - mit einem ganz anderen Publikum als beim letzten Konzert in dem schmalen und irgendwie vollkommen verbauten Schlauch. Meine letzte Liveband im Primeclub war The View, da war das Publikum jung, englisch und betrunken; die, die zu Anna kamen, erwarteten das, was ich auch erhoffte, einen schönen, sehr akustischen Liederabend mit einer von Talent überschütteten Schwedin. Und diejenigen, die das so erwarteten, waren deutlich älter und gesetzter, viele hatten sicher einen anstrengenden Schultag hinter sich, um dann mit der Ehefrau einen ruhigen Abend zu erleben. Der Bühnenaufbau sah auch passend aus: Vorne standen einige klapprige Holzstühle, vor denen Mikros aufgebaut waren. Eben für einen Liederabend. Ein wenig stutzig machten mich eine große Menge Gitarren und ein ausgewachsenes Schlagzeug
im Hintergrund.

Punkt neun setzte sich ein sehr schüchtern wirkender Mann hinter eines der Keyboards und stellte sich als Oren Lavie vor. Seiner myspace-Seite hatte ich schon
am Wochenende entnommen, daß er aus London, New York, Berlin & Israel stamme und akustischen Indie mache. Das, was dann kam, war sehr sehr ruhig, vermutlich schön, für mich aber auch sehr langweilig. Irgendwie fehlte mir zu der Musik eine Hotelbar als Ambiente. Unterstützt wurde Oren bei einige Liedern von einer Cellistin (Charlotte), die auf einem der klapprigen Stühle saß. Der Liedermacher setzte sich für zwei Stücke neben sie und spielte dann auf der Gitarre. Schön waren einige der Ansagen des Sängers. Auf seiner CD befindet sich eine Songtrilogie mit dem Motiv "The early bird". Er spielte alle drei Songs "The early bird is late", "The early bird is later" und "The early bird is lost." Nach einer halben Stunde schloß die Hotelbar und mit Oren verschwanden auch alle Stühle von der Bühne.

Aufgebaut wurde dann eine nach einem Rockkonzert aussehende Szene: Da stand plötzlich ein Bass, da war der Platz eines Gitarristen, es wurden mehrere Keyboards installiert. Und in der Mitte wurde ein Mikro sehr sehr hoch montiert.

Kurz vor zehn ging das Licht aus und es erklang von Band das wundervolle Intro der vor kurzen erschienenen zweiten Platte der Schwedin. In die Bandmusik stiegen
dann ein Gitarrist und eine Keyboarder ein. Bassist und Schlagzeuger und die riesengroße, in ein schwarzes Cape mit Kaputze gehüllte Anna komplettierten die Band. Es hatte schon etwas Unwirkliches, wie die Frau, die man sich so zierlich vorstellt, wie in einem französichen Fantasy-Film gekleidet auf die Bühne trat. Ich war hin und weg.

Das Konzert begann mit "Girl laying down". Spätestens hier war klar, daß nicht die naked versions, die spärlich instrumentierten Interpretationen der Lieder, die auf
einer zweiten CD zum jeweiligen Album erschienen sind, sondern rockige, schnelle, teilweise deutlich härtere Versionen der Stücke gespielt wurden. Das zweite Lied war die Mottomusik des Abends - "Today is a good day". Das Set war bunt gemischt aus Stücken von beiden Alben, Liedern der Naked versions CDs, einem unveröffentlichen Lied.

Vieles war - wie gesagt - sehr viel härter als erwartet. Die Band - und auch Anna - rockten richtig und schienen dabei viel Spaß zu haben. Oliver hatte von den diversen Paris-Shows der Schwedin berichtet, daß sie da ohne Begleitung (aus Kostengründen) aufgetreten sei (und auch im Billigflieger gekommen sei, vor dem Primeclub stand ein ausgewachsener schwedischer Tourbus). Weil ich daher nicht mit einer kompletten Band gerechnet hatte, war es so vielleicht besonders reizvoll. Ich kann mir allerdings auch vorstellen, daß einige im Publikum entsetzt waren, denn es war auch viel lauter als gedacht.

Anna selbst schien sich dessen auch bewußt zu sein. Nach irgendeinem Lied, das sehr
unnaked gespielt wurde, sagte sie hinterher, sie sei ja "Singer/Songwriter." Eine herrliche Entschuldigung, auch wenn sie sich wirklich für nichts rechtfertigen mußte.

In der Mitte des Konzerts fragte Anna, ob sie ein schnelleres neues oder ein ruhigeres altes Stück spielen solle. Sie entschied sich dann für das unveröffentliche (alte) "Trouble mind", das nur wenige im Publikum zu kennen schienen. Ralf aus Bielefeld kannte es wohl, denn er tanzte eifrig mit. Einen anderen Zuschauer erkannte Anna: "You were here last year."

Es ist überflüssig, irgendetwas hervorzuheben, da das Konzert keine Schwächen hatte. Der Wechsel aus (hauptsächlich) härteren Liedern und (ab und zu) ruhigen, akustischen Stücken war perfekt, jedes Lied zog. Der Abschluß des regulären Sets war aber ein besonderer Höhepunkt: Mit "Tribute to Linn", "Lovers dream", "Feels like
sand" und "Halfway to fivepoints" kamen vier echte Kracher am Ende. Entsprechend begeistert war das Publikum, wobei die Stimmung von Anfang an sehr sehr gut war. Es war offenbar wenig Laufkundschaft da, die Zuschauer kannten Annas Musik, zumindest das aktuelle Album sehr gut. "Halfway to fivepoints", das letzte Lied des aktuellen Albums, sollte ursprünglich das Eröffnungslied der Platte sein. Anna erzählte, sie habe es als erstes geschrieben und man habe es dann mit 32 Flötenspielern arrangieren wollen, um damit die CD beginnen zu lassen. "But it sounded like shit" und so kam die aktuelle Version ans Ende der Platte.

Gesteigert wurde der Abschluß des regulären Teils durch die Zugaben. Anna und Band (alle schwarz gekleidet und damit gut zu ihrem Outfit passend) kamen für "My secret" und "Shoreline" zurück auf die Bühne. "My secret" ist ein gutes Beispiel für die Art, wie die Band die Songs interpretierte. Man hört auf der Studioversion, daß da Gitarre und Bass eine Rolle spielen und das Lied nach einem ruhigen Start (mit Glöckchen) rockiger und intensiver wird. Das wurde live aber erst richtig deutlich. Nach der Klingglöckchen-Phase wurde es immer gitarriger. Anna und der schwedische Gitarrist liefen über die Bühne und rockten, als hätten sie die Band gewechselt. Es war herrlich.

Obwohl ich vom ersten Augenblick an in Anna verliebt war (und damit jeder Objektivität verlustig war), ist wohl unbestritten, daß der Abend ganz ganz nah am perfekten Konzert war. Insofern war ich wohl doch objektiv. Nutzt die Chance, Anna noch in Deutschland zu sehen, sonst verpaßt Ihr eines der Konzerte des Jahres.

Setlist Anna Ternheim:

01: Intro
02: Girl laying down
03: Today is a good day
04: Better be
05: I'll follow you tonight
06: Such a lonely soul
07: Bring down like I
08: A french love
09: Nothing to me
10: Trouble mind
11: Nights in Goodville
12: To be gone
13: One to blame
14: Tribute to Linn
15: Lovers dream
16: Feels like sand
17: Halfway to fivepoints

18: My secret (Z)
19: Shoreline (Z)

Livevideos:

Today is a good day
Such a lonely soul
To be gone
Feels like sand

Links:

- Anna in: Köln (26.09.07)
- Heidelberg (25.09.07)
- Paris, im Dezember 06
- in Paris im Mai 07
- Fotos aus Köln (Stadtgarten) und aus Heidelberg


 

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