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Samstag, 21. Juli 2007

The Bishops, Sushimob & Superpunk, Rüsselsheim, 20.07.07

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Konzert: The Bishops, Sushimob & Superpunk (Phono Pop Festival)

Ort: Festung Rüsselsheim
Datum: 20.07.2007
Zuschauer: 40 (Sushimob) bis 150 (Superpunk)


 
Bis vor ein paar Wochen wußte ich nicht, daß es in Rüsselsheim ein Indiefestival gibt. Als ich nach Thermals-Konzerten gesucht habe, fand ich da ein "Phono-Pop Festival" in der Festung Rüsselsheim. Als ich dann noch die Bishops im Line-Up fand, war klar, daß ich da hin mußte. Das Phono-Pop ist ein Zweitagesfestival, das eben in der Rüsselsheimer Festung stattfindet. Als jemand, der oft auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz war, müssen Festungen schon sehr groß sein, um mich zu beeindrucken. Die in Rüsselsheim ist nicht schrecklich beeindruckend aber sehr schön und familär - und perfekt für ein kleines Festival. Schon vor dem Betreten war ich angenehm überrascht, denn unmittelbar vor dem Zugang zur Feste fand ich einen Parkplatz. Sehr entspannt alles.

Drinnen hatte
gerade mit Sushimob schon das erste Konzert begonnen. Sushimob kommen aus Frankfurt und haben in ihrem Buch der guten Taten schon Supports der Libertines, von Blackmail und von Ash (nicht Äsh) stehen. Die dreiköpfige Band spielte vor noch sehr wenigen Zuschauern in einem kleinen Seitenhof, der von hohen Mauern begrenzt ist und der als Konzertfläche wirklich perfekt ist. Mitten auf dem Hof steht ein großer Baum, der dann auch bei den gelegentlichen Regentropfen guten Schutz bot.

Das, was Sushimob spielte, gefiel mir ganz gut. Genervt hat mich nur ein wenig das Gepose des Bassisten. Nicht, daß zappelnde Musiker immer lästig sind. Der Sushimann übertrieb es aber. Sein Gitarrist (und Sänger) ließ sich auch während eines Stücks auf die Knie fallen und kam prompt aus dem Takt. Die kleinen Sünden... Wahrscheinlich fehlt mir einfach der Heavyhintergrund in der Jugend, um kniefallende Musiker toll zu finden, so recht bereuen mag ich das aber nicht. Der Bassist wäre übrigens auch fast fürs Hampeln bestraft worden, bei einer besonders albernen Tanzeinlage am Ende rutschte er fast (und dann sicher sehr schmerzhaft) aus.

Musikalisch war das aber eben nicht albern, sondern ein guter Auftakt. Allerdings hätte das vorletzte Stück ("Always") auch von Ash stammen können. Selbst die Stimme klang da extrem nach den Nordiren.


Setlist Sushimob Phono Pop Festival:

01: Antiplastic
02: The big astro
03: The brakes don't work
04: Yes please
05: Costume for Kelly
06: I go robot
07: Always
08: Worst case scenario


Nach Ende des Auftritts kamen von der einen Seite Superpunk mit ihren Instrumenten auf die Bühne, während die Bishops Brüder und ihr "durchgeknallter
schottischer Schlagzeuger" von der Backstageseite ihren Kram aufbauten. Sänger Mike Bishop hatte wieder seine Sporttasche dabei, die auf der Bühne stand und alle Wertgegenstände enthielt.

Kurz nach acht legten die so schüchtern wirkenden Londoner los. Ich wußte nach zwei Konzerten der Bishops
schon, was mich erwartete, die meisten der mittlerweile sicher knapp 100 Zuschauer (damit war der Bereich der Konzertfläche ziemlich gut gefüllt), waren aber sicher überrascht, was für eine Energie vor allem in Mike Bishop steckt. Schon beim ersten Lied "Higher now" hatten die Engländer das Publikum. Ich denke wirklich nicht, daß viele die Platte kennen aber viele tanzten und wippten mit und ließen sich von dem extrem unterhaltsamen Auftritt mitreißen. Natürlich klingt die Musik so, als käme sie frisch aus den 60ern. Ich finde die Bishops aber trotzdem hochgradig originell.

Das Set in Rüsselsheim enthielt in erster Linie die Albumstücke aber auch Lieder wie "House in a desert" oder "Raindance", die sie schon in London gespielt hatten, und
zwei für mich neue Stücke ("For now" und "Heart full of pain"). In ihrem knapp fünfzig minütigem Auftritt spielten die Bishops zwanzig Lieder. Zwanzig!

Musikalisch war es eben toll und unterhaltsam und hochgradig kurzweilig. Aber zu den Bishops gehört auch der unglaubliche Bühnenauftritt von Mike. Bassist und Zwillingsbruder Peter ist während eines Konzerts meist verhaltensunauffällig. Mike dagegen hüpft hin und her, pumpt die Backen auf, reißt den Mund auf, geht in (nicht
auf) die Knie - köstlich! Alleine das lohnt einen Besuch eines Auftritts der Engländer. Kombiniert mit den eingängigen, flotten Melodien und dem sehr sicheren Spiel, wird daraus eben ein top Konzert. Die gute Laune der Brüder (beim Schlagzeuger bin ich mir da nie so sicher) war unverkennbar. Als sie irgendwann mal die Plätze tauschten (weil Mike wieder quer über die Bühne gerannt war) und Peter überrascht am Gitarrenplatz stand, tat er so, als wollte er eines von Mikes Pedalen treten. Beide hatten einen riesigen Spaß daran!

Im November sind die Bishops auf eigener Tour in Deutschland, eine gute Gelegenheit, sich diese Perle unter den neuen britischen Bands anzusehen.

Setlist The Bishops Phono Pop Festival:

01: Higher now
02: Back and forth
03: Life in a hole
04: House in the desert
05: Raindance
06: Breakaway
07: Heart full of pain
08: I can't stand it anymore
09: Slow river
10: Menace about town
11: The only place I can look is down
12: So high
13: Lies and indictments
14: Sun's going down
15: In the night
16: Carousel
17: For now
18: Travelling our way home
19: Will you ever come back again?
20: She said bye bye


Als dis Bishops nach ihrem Konzert eilig abbauten, weil sie anschließend noch nach Frankreich weiterreisen mußten, war Gelegenheit, durch den Rest der Festung zu gehen. Neben dem Hof, in dem die Konzerte stattfinden, gibt es den Haupt-Innenhof, an dem das Festungscafé und ein Museum liegen. Während des Festivals wird dieser Bereich für Getränke- und Essensstände genutzt. Auch bei den Getränken zeigen die Veranstalter guten Geschmack, denn es gibt Afri Cola und Bluna! In dem Hauptinnenhof war auch eine zweite Bühne aufgebaut, auf der nach Mitternacht Pele Caster (Ex-Astra Kid und jetzt Klee) solo auftreten sollte. Leider war mir das (wie auch Robocop Kraus) wegen frühen Arbeitsbeginns Samstag zu spät.

Meine letzte Band des Abends sollte also Superpunk sein. Bekannter Superpunk Fan ist Sarah Kuttner, in deren letzten Sendung die Band auftrat. Bei 1live erzählte sie
irgendwann, daß sie danach davon geträumt habe, mit dem Sänger geknutscht zu haben. Sachen gibt es... Bevor die Band um Sarahs Traummann Carsten Friedrichs anfangen konnte, gab es aber größere Probleme. Der Soundcheck dauerte immer länger, einige Kabel waren wohl falsch rum angeschlossen, irgendwie passte es nicht. Da gab es dann Dialoge wie "Jetzt mal die 18 bitte" - "Die 18 ist jetzt da drüben." Sie waren dann irgendwann fertig, Sänger Carsten war unsicher, ob es wirklich losgehen sollte, fing dann aber doch an. Mein laienhaftes Ohr merkte aber schnell, daß der Sound schlecht war. Der Gesang war kaum zu verstehen, worunter meine Lust auf das Konzert schnell litt. Den Leuten, die mittig vor der Bühne standen, machte das nichts, da wurde viel getanzt. Der Hof war noch deutlich voller als vorher bei den Bishops, und das Publikum (zumindest vorne) schien deutlich jünger.

Musikalisch möchte ich den Auftritt von Superpunk nicht zu kritisch bewerten, weil der Ton eben so schlecht war. Aber es hat den Leuten eben großen Spaß gemacht, also war das Konzert auch gut.

Setlist Superpunk Phono Pop Festival:

01: Ehrlicher Mann
02: Ich find alles gut
03: Eisige Tiefen
04: Partys in München
05: Raus aus dieser Stadt
06: Ich mag den Mann nicht
07: Hamburg ist der Platz für Dich
08: Bon Scott
09: Seele
10: Bitte verlass mich
11: Right back
12: Baby, ich bin zu alt
13: Rock'n Roll
14: Carsten ist mein Name
15: Ignorant, Idiot
16: Ich trinke
17: Ich kann nicht Nein sagen
18: Tu einfach Dein Bestes
19: Weigere mich, aufzugeben
20: Neue Zähne
21: Freunde
22: Schärfere Welt
23: Matula
24: Auf Tape


Samstag folgt dann Teil 2 dieses tollen Festivals mit den Thermals und Tele zum Beispiel. Das Phono-Pop ist ein echter Überraschungs-Hit, ein kleines Haldern, vollkommen entspannt, sehr familiär (es waren auch einige Familien da), ohne all die Ekligkeiten, die große Festivals mit sich bringen. Und das für 20 Euro. Ich denke, daß ich da auch im kommenden Jahr sicher hingehen werde.

Links:

- The Bishops in Köln (Support The Rakes)
- The Bishops in London
- Fotos von den Bishops
- Fotos von Superpunk und
- Fotos von Sushimob (die Band möchte nicht, daß diese Fotos weiter gezeigt werden - 09.08.13)


Sonntag, 17. Juni 2007

The Bishops & The Kissaway Trail, London, 16.06.07

2 Kommentare

Konzert: The Bishops & Kissaway Trail
Ort: The Luminaire, London
Datum: 17.06.2007
Zuschauer: 50 - 70



Als wir Tickets für den Sonntag des diesjährigen Wireless Festivals im Hyde Park gebucht haben, habe ich ab und zu nachgesehen, ob vielleicht auch am Samstag schon irgendeine interessante Band in London spielt. Das einzige, was ich fand, war Muse im Wembleystadion (über mehrere Tage - oder Wochen, keine Ahnung). Vor ein paar Tagen kam dann bei myspace ein Bulletin der Bishops, daß sie einen Secret Showcase des Clash Magazins in Kilburn spielten. Ich war sehr sicher, daß wir dafür keine Tickets bekommen würden, habe aber das Clash Magazin angemailt und die Adresse einer online-Buchmöglichkeit genannt bekommen. Und da gab es Tickets für überschaubare sieben Pfund. Und da stand dann auch, daß neben den Bishops, die in Köln als Support den Rakes mächtig die Show gestohlen hatten, auch The Kissaway Trail aus Dänemark auftreten sollten.

Einlass sollte um acht sein, da wir aber Tickets hatten, fuhren wir erst kurz nach acht mit einem Taxi los Richtung Nord London. Ich hatte dem Taxifahrer Straße und den Namen des Clubs nennen können, wir fuhren dann aber im Schrittempo durch die nicht besser werdende Gegend, ohne irgendetwas zu entdecken, bis schließlich ein kleines Schild neben einem Pub auftauchte. "The Luminaire". Nachdem der 1,50 mal 1,70 m große Türsteher (1,70 m war die Breite) uns sagte, daß die erste Band um viertel nach neun auftreten sollte, gingen wir noch in eine der unzähligen Dönerbuden.

Das Luminaire liegt im ersten Stock über einem Pub. Die (höchstens acht) Käufer von online Tickets waren auf einer Liste vermerkt, sodaß wir ohne Probleme in den winzigen Club kamen. Vor der kleinen Bühne war eine Bar, an der die meisten Besucher standen. Links von der Bühne war eine Mauer, die sie vom Gang zu den Toiletten und der Garderobe trennte. Die Mauer hatte eine Durchreiche, die so groß war, daß wir da gemütlich stehen konnten und einen Logenblick auf die nahe Bühne hatten. Dahinter schlossen sich einige Sitzecken an, die aber keine Sicht hatten und daher während des Konzerts verwaist waren. Weil wir fast schon backstage standen (denn neben der Durchreiche war direkt der Bühnenzugang), sahen wir die Musiker und die dazugehörenden Frauen (WAGS, wie wir seit der WM wissen, "Women and Girlfriends", drei davon (also von den WM WAGS) sind gestern innerhalb des WAG Status von Girlfriend zu Woman gewechselt aber das ist ein anderes Thema, das ich auf Anfrage gerne erläutere) bei ihren Vorbereitungen.

Die erste Band des Abends trat gegen halb zehn auf: The Radar. Die englische Gruppe, bestehend aus zwei Gitarristen, Bassist und Schlagzeuger macht ruhige, manchmal nach Ska klingende Musik, die nett war, allerdings nicht mehr. Ich fürchte, die werden wir nicht in Deutschland erleben.

Nächste Band war dann die hochgelobte dänische Gruppe The Kissaway Trail. Deren Debütalbum wird in englischen Zeitungen mit Arcade Fire verglichen und gefeiert. Ich hatte die Platte auf der Fahrt zum Flughafen erstmals gehört, da das zwischen drei und vier Uhr morgens war, war ich allerdings nicht furchtbar aufnahmefähig. Mir fiel nicht ein, an was mich der Stil erinnert. Aber gefallen hatte mir die CD sehr. Auf der Minibühne stellten sich dann drei Gitarristen, ein Bassist und ein Schlagzeuger mit sehr stylishen Frisuren auf. Der Hauptsänger trug einen Schal, bzw. eine Art Palästinensertuch um den Hals gewickelt, was nicht nach guter Stimme aussah. Aber das war wohl nur Staffage, denn von Stimmproblemen war nichts zu merken, als die fünf Dänen loslegten. Die Musik erinnert zwar ganz entfernt (und auch nur bei ein zwei Liedern) an Arcade Fire, wohl vor allem, weil teilweise alle Musiker singen, die Leadstimme wechselt und viel auf der Buehne passiert, sie ist aber doch sehr originell und macht viel Spass.

Herrlich war vor allem die Gestik des Bassisten, der - obwohl sehr groß - aussah wie Ernie von Stromberg und enorm intensiv die Musik in seinem Gesicht mitlebte. Sehenswert! Der Auftritt von The Kissaway Trail war toll, die leider wenigen Zuschauer (in den Club hätten nochmal 50 gepasst) waren begeistert. Leider sagte Ernie hinterher, daß keine Auftritte in Deutschland geplant sind. Sehr schade!

Setlist The Kissaway Trail London:

01: Intro
02: 61
03: La la song
04: Tracy
05: It's close up far away
06: Smother + evil = hurt
07: Sometimes I'm always black
08: Soul assassins
09: Outro

10: Bleeding hearts (Z)

Wie auch die anderen Bands bauten die Brüder Bishop ihre Instrument selbst auf. Das passierte ganz unaufgeregt und in aller Ruhe. Quasi zur Einstimmung lief von Band viel alte Musik, die die beiden Leute am Ton wild tanzen ließ. Einer der Bishop-Zwillinge (vor dem Konzert waren die nicht auseinander zu halten) machte sein Handy aus, steckte es in eine Sporttasche, packte die Setlisten aus seinem Konfirmationsanzug, klebte die auf, alles sehr gewissenhaft und ruhig. Der Schlagzeuger ("Unser verrückter schottischer Drummer") schleppte währenddessen seine Trommeln rein. Er trug keinen Anzug sondern ein schwarz-weiss gestreiftes T-Shirt.

Wenn dann die ersten Takte erklingen, ist zumindest einer der Bishops wie verwandelt. Der Gitarrist verwandelt sind nämlich in ein Rumpelstielzchen und hüpft ueber die Bühne, als spielte er in einer Heavy-Band. Der Sound der Band - das hatten wir in Köln bei ihrem Rakes-Support gemerkt - ist live viel mehr als nur 60s Musik, weil es flotter und roher ist. Sicher spielt dabei die Optik auch eine Rolle, der wild rumrennende Gitarrist vor allem. Aber die Band ist eben auch musikalisch sehr unterhaltsam, auch wenn man das alles schon einmal gehört zu haben glaubt. Der Stil wird aber so überzeugend vorgetragen, daß es Spaß macht, zuzusehen. Leider war die Stimmung weniger wild als im Prime Club, es gab eben weniger Zuschauer - und die waren auch erstaunlicherweise nicht so textsicher wie die Kölner (Engländer).

Nicht nur wir hatten große Freude am Getanze des Gitarristen. Sein bassspielender Zwilling sah immer wieder rüber und grinste!

Die Bishops haben einige echte Hits, vor allem natürlich "The only place I can look is down", "I can't stand it anymore" und "Life in a hole", aber auch die B-Seite "She said bye bye" z.B. ist ein richtig tolles Lied. Gemeinsam haben die Songs der Brüder, daß sie kurz sind. "House in a desert" sagte Sänger Bishop dann auch mit "Our songs are short. This one is even shorter. It's only 1:20" an.

Leider war das Set nach einer knappen Stunde und ohne Zugabe vorbei. Nach der Show konnte man die beiden Brüder dann gut unterscheiden, denn nur der Bassist hatte noch einigermaßen trockene Haare! Die Bishops waren trotz schlechterer Stimmung wieder toll, Stars des Abends waren aber die herausragenden Kissaway Trail.

Setlist The Bishops London:

01: Menace about town
02: Back and forth
03: Higher now
04: House in the desert
05: Rain dance
06: Breakaway
07: Life in a hole
08: Slow river
09: The only place I can look is down
10: I can't stand it anymore
11: Lies Lies and indictments
12: Suns going down
13: Travelling our way home
14: She said bye bye

Links:

- Mehr Fotos
- Weitere Fotos von den Bishops (sogar in Farbe!)
- Mehr Fotos von Kissaway Trail
- The Bishops in Köln 2007



Montag, 7. Mai 2007

The Rakes, Köln, 06.05.07

5 Kommentare

Konzert: The Rakes & The Bishops
Ort: Prime Club Köln
Datum: 06.05.2007
Zuschauer: ausverkauft


Viele der englischen Bands, die vor zwei Jahren mit unglaublichen Debüt-CDs aufgetaucht sind, haben in den vergangenen Wochen ihre zweiten Platten veröffentlicht, Bloc Party, Maximo Park, die Arctic Monkeys, demnächst die Editors und eben auch die Rakes aus London. "Ten new messages" erschien Mitte März in Deutschland und die Rakes waren damit in den letzten Tagen auf einer kleinen Clubtour unterwegs, deren letzte Station der Prime Club in Köln war.

Vor dem Club standen kartensuchende Leute, denn das Konzert war restlos ausverkauft. Nach den letzten leeren Sälen war das schon fast beruhigend. Einen großen Anteil daran hatten (wie so oft bei englischen Bands in Köln) die Fans, die von der Insel angereist waren. Der Veranstalter hatte das auch vorab honoriert und eine echte Vorgruppe engagiert: Die Bishops, eine Band, die hochgelobt, in Deutschland aber noch sehr wenig bekannt ist. Wegen der guten Kritiken war ich wirklich sehr gespannt auf die junge Band.

Die Bandmitglieder waren vorher schon schüchtern durch die Menge gegangen, mit schwarzen Kommunionsanzügen und dünnen schwarzen Krawatten. Die Schüchterheit war dann auf der Bühne aber ganz flott weg, denn nachdem sie sich
mit "Wir sind die Bischofs aus London" vorgestellt hatten, spielten die Brüder Bishop und ihr dritter Mann von Beginn an schnelle, großartige Lieder, die auch sofort bei den Nicht-Engländern punkten konnten. Als Stil der Bishops wird oft der Stil der jungen Beatles genannt. Vollkommen zu recht. Allerdings war das für mich kein billiger Abklatsch der Platten, die die beiden bei Eltern Bishop sicher oft gehört haben, sondern eher so, als hätten die jungen Beatles in ihrer Jugend die Arctic Monkeys z.B. gehört. Dazu kam ab und zu ein leichter Ska-Rhythmus, der die Musik der Briten noch weiter aufpeppte. Ohne hier in zu viel Euphorie ausbrechen zu wollen: Das war schlicht fantastisch, was die drei Bishops gespielt haben. Leadsänger Mike hampelte dazu über die Bühne, verzog das Gesicht, hüpfte hin und her und feuerte das Publikum an wie ein kleiner Derwisch. Im Kindergarten wäre er damit wahrscheinlich als verhaltensauffällig eingestuft worden (wobei ich gestern gelernt habe, daß solch wildes Verhalten bei Kindern keine Störung sein muß, sondern die Kinder auch Indigo-Kinder sein können, die von einem anderen Planeten stammen - das ist zwar hochinteressant, führt aber jetzt zu weit). Auf der Bühne jedenfalls war das hochunterhaltsam und störte vor allem die Stimmleistungen nicht. Immer wenn die Bishop-Zwillinge gemeinsam sangen (das ist eine der Beatles-Ähnlichkeiten), waren die Lieder ganz besonders gut.

Ich glaube, ich habe wirklich keine Vorgruppe erlebt, die ähnlich viel Jubel nach etwa 40 Minuten Konzert erzeugt hat. Das war wirklich prima und hat irre viel Spaß gemacht.

Nach erstaunlich langem Aufbau (30 Minuten mindestens) begann das Hauptkonzert dann um kurz nach zehn. Der Prime Club war schon bei den Bishops
gerammelt voll. Durch die gute Vorarbeit hatten die Rakes mit dem Publikum leichtes Spiel. Da mußte nichts an Stimmung mehr mühsam aufgebaut werden, es reichte, das Standardset zu spielen, um die Leute eine Stunde zum Tanzen zu bringen. Daß die Rakes live so wenig überraschend sind, ist zwar ärgerlich, stört aber ja nur dann, wenn man die Band häufiger sieht. Die Londoner spielten mit einer Änderung das Set, das sie bei verschiedenen Konzerten in Europa gespielt haben. Statt Ausland Mission (ob sie Angst vor der deutschen Textzeile "mit keine Illusion" hatten?) spielten sie "Violent". Und leider scheint das fabelhafte Gainsbourg-Cover "Just a man with a job" wirklich den Franzosen vorbehalten zu sein.

Die Rakes sind eine tolle Liveband, weil sie das Publikum zum Tanzen und Wildsein bekommen. Wenn nur die Stimmqualität als Kriterium für gute Livebands zählte, wären sie das nicht, denn Sänger Alan klingt auf Platte schon deutlich besser. Aber das ist eben eine Frage der Erwartungen. Man darf sicher von Rakes-Konzerten nicht die Live-Musik einer Band wie Maximo Park erwarten. Aber das macht den Spaß an den Rakes nicht kleiner. Was ich mir neben ein paar Abwechslungen für das nächste Mal wünschte, wär weniger Arm-Gehampel von Alan.


Setlist The Rakes:

01: Terror!
02: Retreat
03: We danced together
04: We are all animals
05: Down with moonlight
06: When Tom Cruise cries
07: Binary love
08: Dark clouds
09: All too human
10: Supicious eyes
11: 22 grand job
12: Violent
13: Trouble
14: Strasbourg

15: Little superstitions (Z)
16: Work, work, work (pub, club, sleep) (Z)
17: Open book (Z)
18: The world was a mess but his hair was perfect (Z)

Links:

- mehr (wenig mehr) Fotos
- Video "Suspicious eyes" (kommt später)
- The Rakes live in Paris (2007)



 

Konzerttagebuch © 2010

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