Sonntag, 22. April 2007

The Rakes, Paris, 21.04.07

Konzert: The Rakes
Datum: 21.04.2007
Ort: Elysée Montmatre, Paris
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft

Cécile, meine Süsse, ist heute mit Easy-Jet nach Berlin gedüst und sie wünschte sich sehnlichst, dass ich sie zum Flughafen begleite. Meinen Hinweis, dass ich dann wohl die Vorgruppe des heutigen Abends The Good Shoes aus London verpasse, schlug sie in den Wind. "Blödsinn, Du kannst um sieben schon wieder Richtung City eilen, dann bist Du dicke früh genug." Hätte ich mal dagegen gewettet, ich hätte gewonnen, denn bis ich von Orly an den schmuddeligen Place Clichy gelang, wo auch das Elysée Montmartre liegt, war es zwanzig nach acht geworden und die guten Schuhe hatten schon ihre mit Sicherheit kurze Show abgezogen. Was für eine Frechheit vom Veranstalter, ein Konzert um 19 Uhr anzusetzen und das an einem Samstag! Ist das etwa ein Kindergeburtstag, oder was?

Auch Cécile's Karte wurde ich nicht los, obwohl ich - völlig legal - zum regulären Preis verkaufen wollte. Na ja, drauf geschissen, c'est la vie, wie der Franzose sagt. Schon ein wenig schade um die Good Shoes, zumal ihr Debütalbum trotz geringer Originalität (klingt nach Art Brut und den Futureheads), einige schmissige Lieder aufzuweisen hat, z.B. "Morden", oder "Never meant to hurt you".

Die Hauptgruppe des heutigen Abends, The Rakes, ebenfalls aus London, liessen dann auch nicht lange auf sich warten, anscheinend wollte der Laden heute früh schliessen.

Den Auftakt bildete "Terror!", ein alter Song von Capture/Release. Genauso wie Song Nr. 2 "Retreat". Haben die vier Burschen etwa noch kein Vertrauen in ihre neuen Stücke? Doch!, wie "We Danced Together" bewies. Fügte sich nahtlos ins Set ein, genauso wie das gelungene "Down with the moonlight", beide vom neuen Album "Ten New Messages".

Wobei die Frage erlaubt sein darf, wie neu denn diese zehn Mitteilungen wirklich sind. "The world was a mess, but his hair was perfect", ist trotz des witzigen Titels eigentlich ein alter Hut, wurde doch das Lied schon auf Konzerten Ende 2005 (!) gespielt. Auch "Down with the moonlight" bekam ich schon im August 2006 beim Festival Rock en Seine serviert. Der Verdacht, dass die Rakes bereits ihren kreativen Zenit mit ihrem guten Debütalbum erreicht haben, ist nicht ganz unberechtigt. Zumal mir bei Recherchen im Internet unangenehm aufgefallen ist, dass sie wieder mal ihre Setliste so gut wie nicht verändert haben. Da findet sich z.B. die Setlist eines Konzertes von einem Konzert in England vor circa drei Wochen und bis auf zwei Aufnahmen ist die Liste komplett unverändert! Auch die Songabfolge stimmt exakt überein. Dabei haben sie doch eigentlich einige gute B-Seiten gemacht, die sie auch mal live spielen könnten! A propos B-Seiten, eine spielten sie dann doch und zwar "Dark Clouds", eine der beiden Ausnahmen zum England-Gig. Die zweite, "Just a man with a job", entschädigte dann etwas für den mangelnden Einfallsreichtum. Hierbei handelt es sich um eine gut umgesetzte Cover-Version eines alten Serge Gainsbourg Chansons. Im Original heisst es übrigens "Le Poinçonneur des Lilas". Wenn ich gemein wäre, würde ich jetzt anfügen können, dass ich das Stück schon bei drei ihrer in Frankreich verfolgten Konzerte gehört habe, aber dann würde ich doch vielleicht ein zu schlechtes Bild von einer eigentlich ordentlichen Band zeichnen. Denn das Quartett um Sänger Alan Donohoe war gewohnt kurzweilig, zackig, unterhaltsam und auch ein paar der neuen Lieder zogen sehr gut. Hervorzuheben ist hier "Suspicious eyes" und auch "Little Superstitions", welches das reguläre Set beendete. Die Rakes sind dabei immer so ehrlich darauf hinzuweisen, dass sie natürlich gleich noch einmal wiederkommen und das der Spruch "das ist jetzt das letzte Lied" totaler Quatsch ist. Wie man überhaupt sagen muss, dass wir es hier mit einer der symphatischsten Bands der Indie-Szene zu tun haben. Allesamt extrem bescheiden-höfliche Jungs, lustig und im guten Sinne auf dem Teppich geblieben. Witzig war dann auch, dass Alan, als er zu den Zugaben zurückkam, sich dafür bedankte, dass die Leute geblieben waren. Aber, aber, wer sollte denn jetzt schon gehen? Es kamen ja schliesslich noch die Knüller "Work, work, work" und vor allem "Open Book", das den grössten Applaus des Abends provozierte.

Alles in allem eine solide Vorstellung, allerdings ohne grössere Überraschungen.

Setlist The Rakes:

01: Terror!
02: Retreat
03: We danced together
04: We are all animals
05: Just a man with a job
06: Down with moonlight
07: When Tom Cruise Cries
08: Binary Love
09: Dark Clouds
10: All too humain
11: Suspicious eyes
12: 22 Grand Job
13: Ausland Mission
14: Trouble
15: Strasbourg
16: Little Superstitions

17: Work, work, work (Pub, Club, Sleep) (Z)
18: Open book (Z)
19: The world was a mess, but his hair was perfect (Z)

Deutschlandtermine The Rakes:

01.05.07: Hamburg
02.05.07: Berlin
03.05.07: Stuttgart
05.05.07: München
06.05.07: Köln

von Oliver



5 Kommentare :

Christina hat gesagt…

Ich werde in Köln dabei sein. Aber warum kriegt ihr die Good Shoes als Vorband, und wir bloß die Bishops? Ungerecht! Aber da es mein erstes Rakes-Konzert sein wird, hoffe ich mal, dass ich von all dem noch nicht so gelangweilt bin ;)

Christoph hat gesagt…

Die Good Shoes sind drei Tage vorher in Köln, zusammen mit Ash.

Und auf die Bishops bin ich auch ganz gespannt. Ich habe die Rakes erst einmal bisher gesehen und das war toll.

Christina hat gesagt…

Ach stimmt ja, ist aber so ne komische Visions-Sache, deswegen habe ich da nie drüber nachgedacht hinzugehen...
Von den Bishops hab ich hier auch noch irgendwo die CD rumfliegen, kann mich aber nur an ein Lied namens "The only place that i can look is down" erinnern. Mmmh. Immerhin keine lokale Vorband, immerhin etwas.

Christoph hat gesagt…

Die Bands finde ich so verlockend, daß ich über den Rest nicht näher nachgedacht habe ;-)

oliver r. hat gesagt…

Wenn es Dein erstes Rakes-Konzert ist, wird es Dir bestimmt gefallen, Christina.
In dem Artikel wird es vielleicht nicht ganz deutlich:
ich mag die Rakes!
Ein wenig mehr neue "Messages" hätten dem Konzert und dem Album aber gut getan...

 

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