Mittwoch, 6. Juni 2007

Art Brut, Köln, 05.06.07

Konzert: Art Brut
Ort: Gebäude 9 Köln
Datum: 05.06.2007
Zuschauer: ausverkauft


Puh, ich weiß nicht recht, womit ich anfangen soll. Vielleicht mit meinem Dauergrinsen, das ich seit Beginn des heutigen Konzerts im Gebäude 9 nicht mehr loswerde...

Also los: Das Gebäude 9 war endlich wieder ausverkauft. Zuletzt hatte ich da ja eher überschaubare Zuschauermengen erlebt. Als Black Wire, die Vorgruppe, auftrat, war der Saal schon sehr gut gefüllt. Nur mittig vor der Bühne war noch etwas Platz. Vielleicht ahnten die Leute schon etwas. Black Wire sind eine Band aus Leeds (Kaiser Chief Nick schätzt sie sehr), bestehend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und einem Sänger ohne Instrument. Die Bandmitglieder sahen ein wenig wie Kellner in irgendeinem selbsternannten Society-Lokal in Koblenz aus. Falls Ihr Euch solche Läden nicht vorstellen könnt, denkt sie Euch so schlimm, wie es klingt (Black Wire trugen einheitlich schwarze enge Jeans, schwarze spitze Schuhe und schwarze Hemden).

Ein wenig stutzig machte mich, daß eine Statikprüfung Teil des Soundchecks war. Der Black Wire Sänger testete sehr genau, wie stabil der Bühnenboden war.

Die Musik der Black Wires hat mir gut gefallen. Es war zwar live sehr rauh, ich kann mir aber vorstellen, daß mir das auf Platte gefallen könnte (das Aber ist quatsch). Das, was man bei myspace hören kann, gefällt mir jedenfalls auch.

Dan Wilson, der Sänger, fuchtelte von Anfang an mit den unbeschäftigten Händen wild in der Gegend rum. Bis dahin sah das noch nach den Rakes aus. Ziemlich schnell begann Dan aber, durch die Gegend zu wandern. Er kletterte von der Bühne und sang zwischen den Zuschauern weiter. Dann legte er sich auf den Boden - und sang weiter. Dann machte er Liegestütze im Zuschauerraum - und sang weiter. Er war wieder eine Weile auf der Bühne, um später wieder runterzuklettern und diesmal unter der Bühne zu verschwinden - und sang weiter. Ich kann mir nicht viele ekligere Plätze als den unter der Bühne des Gebäude 9 vorstellen. Dan machte das offenbar nichts aus. Wieder oben, hüpfte er wie wild auf der Bühne rum (Paul Smith auf Dauerfeuer). Daher die vorherige Prüfung des Bodens.

Nachdem Dan uns noch gefragt hatte, wer für uns der sexieste Art Brut Musiker sei ("anyone?" - keine Antwort - "for me it's Jasper"), gingen Black Wire und stellten sich an den Bühnenrand, um Art Brut zu sehen. Black Wire war für mich nicht die beste Vorgruppe des Jahres (ich denke, es wird dem regelmäßigen Leser nicht entgangen sein, daß das für mich nur die Bishops, The Twang oder natürlich The Taste sein können), Black Wire war aber auf alle Fälle die durchgeknallteste und spektakulärste Supportband!

Setlist Black Wire Köln:

01: Hang up
02: Brother
03: See the blood
04: Crime
05: Authentic
06: Hard to love easy to lay
07: Both your houses
08: Braindead


Und dann kam Art Brut.

Die Band um Eddie Argos habe ich bisher leider erst einmal gesehen, Anfang 2006 im Bürgerhaus Stollwerck. Als ich vor einiger Zeit gelesen hatte, daß die Band nach Köln kommt, vor allem ins Gebäude 9, habe ich sofort ein Ticket bestellt, denn damals war, obwohl ich es von der Empore aus sah, das Konzert gigantisch.

Eddie zog erst einmal die Schuhe aus und begann ein für mich neues Lied ("Pump up the volume"). Das fand ich ungewöhnlich, weil es für eine Band ja viel sicherer ist, mit etwas Bekanntem zu beginnen. Hier war das egal, die Stimmung passte. Neben Eddie gehören bekanntlich Jasper Future (wie Eddie ohne Schnauzbart), Freddy Feedback, Ian Catskilkin (offenbar armenischer Abstammung) und Mikey Breyer zur Band. Die Namen klingen zwar nach einer Überraschungsei Figurenserie, gehören aber zu fabelhaften Musikern. Ich hatte das große Glück gleich vor Bassistin Freddie Feedback zu stehen, die unfassbar toll ist. Ich fürchte, jetzt wirklich objektophil zu sein, denn heute habe ich mich in Freddies Mimik verliebt.* Es ist herrlich, der deutschen Musikerin zuzusehen. Die Stars auf der Bühne sind aber schon Eddie und Gitarrist Jasper (Job laut myspace: Stage craft). Ich möchte hier eigentlich nicht bis ins Detail beschreiben, was genau auf der Bühne passiert, wie die beiden hin und herhampeln, das wäre so, als wollte ich ein Bild beschreiben - und das mochte ich noch nie. Seht Euch Art Brut an. Wer sich für Indie interessiert (und das unterstelle ich den Lesern, es sei denn, sie suchten hier Fotos von Kate Moss), muß meiner Meinung nach Art Brut live gesehen haben.

Also zum Set: Neben "Pump up the volume" spielten Art Brut einige neue Sachen, allem voran das grandiose "Direct hit", das eine der Zugaben war. Die anderen neuen Stücke klangen sehr vielversprechend. Zwei der für mich neuen Lieder, "I will survive" und "Jealous guy" kündigte Eddie jeweils mit "It's not a cover" an. Herrlich. Cover haben Art Brut natürlich auch nicht nötig, wobei kleinere gecoverte Stückchen mehrfach vorkamen. "Rusted gun of Milan", das Lied über sexuelles Versagen, endete Eddie Argos mit "I believe in miracles, you sexy thing", "Moving to LA" ging über in "Leaving on a jetplane" - fabelhaft! Zwischendurch sprang der Sänger mit dem Mikrokabel Seil, knöpfte das Hemd auf und wieder zu, crowdsurfte ein wenig, lief durchs Publikum und sagte die meisten Lieder gewohnt großartig an. "Emily Kane", die Hymne an eine verflossene Liebe, darf er wohl nicht mehr unkommentiert lassen, also erklärte er danach ausführlich, warum man auf gar keinen Fall zu den Exfreunden oder Exfreundinnen zurückkehren darf!

Das großartigste unter vielen großartigen Liedern war für mich "Nag nag nag nag", das live noch um Nummern besser als auf Platte war. Ein unglaublich tolles Lied! "Nag nag nag nag" beendete auch das reguläre Set. Als erste Zugabe spielte die Band eben "Direct hit". Eddie war dabei wohl danach, Black Wire (zurecht), seine Anerkennung auszusprechen. Er machte das, indem er Black Wire Sänger Dan coverte, nämlich Liegestütze auf der Bühne machte. Dan und Kollegen standen wie gesagt am Rand und grinsten um die Wette!

Der größte Hit der Band, "Good weekend", der mittlerweile auch in Brasilien, der Tschechoslowakei, Serbien, Schweden, Disneyland, Narnia und dem früheren Jugoslawien (Eddie) ein Nummer eins Hit war, war der Abschlußsong. Ich tue mich ein wenig schwer, von Konzerten des Jahres zu sprechen, weil ich viele tolle Sachen sehen konnte (James, Maximo Park, Klee und und und), an die Show heute werde ich mich aber sicher lange erinnern!

Natürlich werde ich mich auch an Freddies Mimik noch lange erinnern! Die Bassistin wirkte sehr charmant und extrem sympathisch. Das brachte einen sehr großen Fan dazu, sich mit Edding Botschaften auf den Arm zu schreiben, die er ihr dann zeigte ("Einen trinken?"). Ein schöner, vor allem sehr romantischer Versuch, finde ich!**

Setlist Art Brut Köln:

01: Pump up the volume
02: Bad weekend
03: Bang bang rock and roll
04: Modern art
05: St Pauli
06: Rusted gun of Milan
07: Late sunday evening
08: 18000 Lira
09: I will survive
10: Moving to LA
11: Jealous guy
12: My little brother
13: Post soothing out
14: Emily Kane
15: Nag nag nag nag

16: Direct hit (Z)
17: Good weekend

Links:

- Interview mit Art Brut
- Art Brut live: in Köln (04.10.07)
- in Frankfurt (30.09.07)
- in Luxemburg (24.06.07)
- in Paris (18.11.06)
- mehr Fotos aus Köln
- mehr Fotos: Frankfurt
- Fotos aus Luxemburg


Termine Art Brut:

06.06.07: Berlin (Lido)
10.06.07: Amsterdam (Melkweg)
20.06.07: Paris (Trabendo)
23.06.07: Southside Festival
24.06.07: Rock A Field Festival Luxemburg

* Hmm, bei näherem Betrachten, ist Mimik wohl kein Gegenstand... Sei's drum
** Nein, das war nicht ich!


3 Kommentare :

oliver r. hat gesagt…

Wo liegt denn Narnia, Christoph?

Christoph hat gesagt…

Im Bücherschrank bzw. DVD Regal!

Die Chroniken von Narnia sind Fantasy-Romane von C. S. Lewis. Eine Mischung aus Herr der Ringe, Fünf Freunden und dem Zauberer von OZ.

Nicole hat gesagt…

"Disneyland, Narnia, former Yugoslavia" kommt so in einem Song von Carter USM vor. Hab Art Brut gerade auf dem Southside gesehen, da hat ers auch so gesagt....

http://www.carterusm.co.uk/songs/music.html

 

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