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Donnerstag, 9. Mai 2013

Art Brut, Stuttgart, 07.05.2013

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Konzert: Art Brut 
Vorband: Keith Top Of The Pops   
Ort: Club Schocken, Stuttgart   
Datum: 07.05.2013   
Zuschauer: vllt. 250 (vermutlich fast ausverkauft)   
Dauer: Art Brut 83 Minuten 
Der Charme Art Bruts lag für mich immer in der Ausfüllung der vakanten Mitte zwischen dem snobistischen Britpop von Pulp und Monty Pythons anarchischem Humor. 
Es muss um Ostern 2009 herum gewesen sein, als mich Art Brut mit ihrem dritten Album „Art Brut vs. Satan“ überzeugten, nachdem ich durch eine Themenausgabe über britische Musik in einem der nach wenigen Ausgaben eingestellten Wiederbelebungsversuche der Zeitschrift Sounds auf das englisch-deutsche Quintett um den exzentrischen Wahl-Berliner Eddie Argos aufmerksam wurde. Pixies-Mastermind Frank Black zeigte sich damals als Produzent verantwortlich und „Alcoholics Unanimous“ und vor allem „Summer Job“ gehörten rückblickend fest zu meinem Oberstufen-Soundtrack.
An Möglichkeiten, die Band live zu erleben, mangelte es seither wahrlich nicht. Die ausgedehnte Tour zum genannten Werk ließ ich mir jedoch entgehen und im September 2011 verhinderte ein Ferienjob eine Begegnung im Frankfurter Nachtleben.
Mit großen Erwartungen betrete ich das Schocken und bin von der Zuschauerflut positiv überrascht: Auf der Bühne spielt bereits Keith Top Of The Pops, ein extravertierter Engländer aus dem Umfeld des Hauptacts, mit einer achtköpfigen(!) Band. Es ist ohrenbetäubend laut, der Auftritt kurios. Musikalisch klingt ein Song wie der andere, trotzdem macht alles gehörigen Spaß. Mit einer Trompeterin, Schlagzeug, Bassisten, fünf(!!) Gitarristen mutet das alles ein wenig wie ein Schulprojekt frei nach dem Motto „Wir gründen unsere eigene kleine E-Street-Band“ an. 
Die Songs ähneln Art Brut sehr und Eddie Argos wird später behaupten, er habe sie geschrieben. Es ist ein Abend der Ironie und trotz des stupiden Gitarrengeschrammels sind die Songs ausnahmslos eingängig. Vermutlich wird mir der Refrain von „Two of the Beatles are dead“, das manch einer sicherlich als pietätslos bezeichnen würde, noch einige Zeit penetrant im Kopf umher schwirren, ebenso wie die ganzen Songs, in denen Keith mal Selbstzeugnis über sich ablegt („This is a song about how amazing I am“) oder wie in „Fuck you, I'm Keith Top of the Pops“, das Eddie Argos vom Mischpult aus mitfilmt, sich mit Jesus vergleicht.
Englischen Humor findet man in Deutschland viel zu selten und so ist der kurze Auftritt der bizarren Gruppe aus sechs Männern und zwei Frauen eine Erfrischung - gerade auch wegen der beißenden Satire auf die großkotzigen Britpop-Heroen aus Manchester, die man trotzdem lieben muss. Nur damit man mich richtig versteht, ich spreche hier in erster Linie von Morrissey und nur sekundär von Oasis. So gibt es einen Song namens „Morrissey will never forgive me“. Zum Schluss folgt „I Hate Your Band“, das Art Brut gewidmet wird.    
Der Club füllt sich immer mehr. Erstmals erlebe ich, dass die Galerie geöffnet ist und ich begebe mich nach oben, da mir nach einem anstrengenden Tag nicht nach sportlicher Betätigung zumute ist. Daran, dass es schweißtreibend wird, dass wild gepogt, ja gemosht, werden wird, zweifle ich zu keiner Zeit, da kann das typische Stuttgarter Publikum so zurückhaltend sein, wie es will. Art Brut Konzerte gelten als wilde Partys, was sich in den folgenden eineinhalb Stunden pausenlos zeigt. Nach einem kurzgehaltenen Umbau stehen Argos' Kollegen mit den skurrilen Namen Ian Catskilkin, Jasper Future (beide Gitarre), Freddy Feedback (Bass) und Mikey Breyer (Schlagzeug) auf der Bühne und spielen „Paradise City“ von Guns N' Roses an. Der Frontmann folgt und „Formed A Band“ gibt es als krachenden Einstieg. Der Schlüsselsong des frenetisch rezipierten Debütalbums lässt das Stuttgarter Indievolk jegliche Reserviertheit ablegen und in kollektive Ekstase ausbrechen. Die Ordner sind sichtlich überrascht von der wild pogenden Menge und leicht überfordert, dabei haben die Leute doch nur Spaß. 
„Hello Stuttgart, how are you“, brüllt Eddie Argos ins Publikum, bevor er anmerkt, dass man mittlerweile zehn Jahre alt und eine Classic Rockband sei, also legitimiert wäre, solch dämlichen Ansagen machen. Selten habe ich auf Indierockkonzerten so viel gelacht wie heute. „My Little Brother“, ein echter Publikumsliebling, ebenfalls vom ersten Album „Bang Bang Rock & Roll“ folgt wie auf Platte im direkten Anschluss. Was steckte doch für eine rohe Energie in diesem Erstlingswerk. Gerade wurde eine Retrospektive veröffentlicht, das Best-Of und Raritäten-Album „Top Of The Pops“ und so erwartet auch die feiernde Menge ein nostalgischer Abend voller moderner Indie-Klassikers. 
Der Bewegungsdrang Argos ist noch immer enorm, der Oberlippenbart und der Ohrring wirken noch immer deplatziert jugendlich, lediglich der etwas größere Bauchumfang zeigt, dass die Zeit nicht spurlos am Sänger vorbei ging. „And yes this is my singing voice / It's not irony / And it's not rock and roll / I'm just talking / To the kids“, heißt es schon in „Formed A Band“ und tatsächlich spricht, ja rappt Argos eher, als dass er singt. Das gelingt ihm natürlich überaus gekonnt, man mag an Mike Skinners The Streets denken, doch ist die Haltung eine ganz andere. Kombiniert mit einem Bühnengehabe, dass ihn wie eine Art Westentaschen-Jarvis-Cocker wirken lässt, besticht der 33-Jährige durch versnobte Coolness. Allein der Performance zuzuschauen macht großen Spaß, doch von einer One-Man-Show ist keinesfalls zu sprechen. Zu kongenial ist das Zusammenspiel mit der frei aufspielenden Band. Jasper Futures Gitarrengepose im Hawaiihemd gehört genauso zum Gelingen des Konzerts, wie die Riffs und Soli seines Kollegen Catskilkin. Bassistin Freddy Feedback im Polka-Dot-Kleid singt Zeile für Zeile mit und Mike Breyer spielt im Stehen Schlagzeug. 
Nach dem ungezügelten Stück Punk „Arizona Bay“ folgt „Summer Job“, das noch heute auf jeder großen Festivalbühne genauso gut wie in einem stickigen Club funktionieren würde. Vom letzten Album „Brillant! Tragic!“ gibt es „Sexy Sometimes“, bei dem Argos in bester Bernd-Begemann-Manier vollsten Körpereinsatz zeigt und sein karierten Hemd weit aufknöpft. Scheppernder Indierock erfüllt den Club unweit des Rotebühlplatzes, zu keiner Zeit hält sich die Menge im Zaum.  
   
Zu „Modern Art“, das über zehn Minuten förmlich zelebriert wird, begibt sich Argos in die Menge, während er herrliche Geschichten erzählt. Die Monty Python Vergleiche sind absolut angemessen. Während der Sänger durchs Publikum läuft und sein wunderbar abwegiges Kunstverständnis offenbart, brodelt es förmlich im stickigen Club. Nach Schilderungen eines Besuchs im Amsterdamer Van Gogh – Museum und dem Aufruf Kunst anzufassen und Gemälde zu essen, setzt die Band, wieder krachend ein und der kollektive Schlachtruf „Modern art makes me want to rock out!“ wird aus hunderten Kehlen gegrölt. 


 
Ist das jetzt Kunst? Art Brut hassen bekanntlich die ewige Bezeichnung als Kunstband, wäre ja unkreativ und naheliegend bei ihrem Namen. Eine gänzlich unverständliche Position ist das in der jüngeren Kunstgeschichte jedoch auch nicht, man denke nur an die Fluxus-Bewegung, die im vergangenen Winter ganz in der Nähe retrospektiv in der Stuttgarter Staatsgalerie gewürdigt wurde. Anti-Kunst ist auch Kunst. Das Publikum pogt, springt, Argos ist mittendrin.
„Bad Weekend“ passt in diesem Kontext perfekt; „popular culure not longer a place to be“. Überhaupt „We make pop music, we make pop music for people who don't like people“. 
Dazwischen „St. Pauli“ mit der großartigen Zeile „We are Hamburg school“ (Argos ist bekennender Tocotronic-Fan) und dem Refrain mit dem einzigen deutschen Satz, der auf einer Art Brut Platte zu hören ist: „Sorry if my accent's flawed / I learnt my German from a 7 inch record / Punk rock ist nicht tot!“ Das Spiel mit Klischees klappt wunderbar; Fußball, Punk und Diskursrock, wem gelingt das schon?   
Für mich bleibt „Disco 2000“ einer der brillantesten Pulp-Songs und „Emily Kane“, das es direkt nach „Alcoholics Unanimous“ gibt, halte ich in seiner untypischen Liebeslyrik für Art Bruts Äquivalent zu dieser cocker'schen Sternstunde. Heute endet die Geschichte von der nie überwundenen ersten Teenagerliebe mit „There's A Light That Never Goes Out“. Dieser Smiths Refrain nach dem Wunsch, Schulkinder mögen ihren Namen in Bussen singen, ist in seiner subtilen Konsequenz bemerkenswert.
Nach einem doppelten Cover endet das reguläre Set – und wenn man so will schließt sich ein Kreis. We Are Scientists' „The Great Escape“ klingt stringenter als im Original, dann das ikonische Gitarrensolo aus „Free Bird“ von Lynyrd Skynyrd. Man sei jetzt Classic Rock. Remember. Zum Schluss die Akkordfolge, mit der stets der Californication-Vorspann endet. Jene US-Serie, in deren ersten Staffel Hank Moody mit seiner Tochter Becca jenen Song immer wieder bei „Guitar-Hero“ spielt.  Nach frenetischen Zugabenrufen folgen vier weitere Lieder, die ebenso begeistert aufgenommen werden. Bei „Brand New Girlfriend“ erreicht die Stimmung ihrem Höhepunkt. Es riecht nach Bier, Gin und Schweiß. 
„Top Of The Pops“ (inklusive „Two of the Beatles are dead“ - Zitat), „Unprofessional Wrestling“ dann endet der Abend mit „Post Soothing Out“ und einem offensichtlichen Slash-Solo von Catskilkin, der seine Gitarre auf dem Rücken spielt. Der Rahmen ist klar gesteckt: „Paradise City“ als Intro, am Schluss eine Guns N' Roses – Referenz. 
Wenn Art Brut vor sechs Jahren genauso viel Spaß gemacht haben, muss es sich um den leidenschaftlichsten Indie-Act jener Zeit gehandelt haben. Lediglich eine Frage stellen sich zwei - tatsächlich anwesende - Classic-Rockfans in passenden, schweißdurchtränkten 80s-Hair-Metal-T-Shits beim Verlassen des Clubs: "Warum haben die nicht 'Axl Rose' gespielt, wenn die schon 'nen Song haben, der so heißt." 
 Setlist, Art Brut, Stuttgart: 

01: Formed A Band (incl. Paradise City, Guns N' Roses - Cover - Intro) 
02: My Little Brother 
03: Arizona Bay 
04: Summer Job 
05: Sexy Sometimes 
06: Direct Hit 
07: Lost Weekend 
 08: Modern Art 
09: Home Altars Of Mexico 
10: Bad Weekend 
11: St. Pauli 
12: We Make Pop Music 
13: Alcoholics Unanimous 
14: Emily Kane (incl. There Is A Light That Never Goes Out - The Smiths - Cover - Refrain) 
15: The Great Escape / Free Bird (We Are Scientist - Cover / Lynyrd Skynyrd - Cover) 

16: Brand New Girlfriend (incl. Kids of America - Kim Wilde - Cover) (Z) 
17: Top Of The Pops (Z) 
18. Unprofessional Wrestling (Z) 
19. Post Soothing Out (Z)

Links:
- aus unserem Archiv:
- Art Brut, Köln, 14.05.2009
- Art Brut, Köln, 04.10.2007
- Art Brut, Frankfurt, 30.09.2007
- Art Brut, Luxemburg, 24.06.2007 (Interview)
- Art Brut, Luxemburg, 24.06.2007
- Art Brut, Köln, 05.06.2007 
- Art Brut, Paris, 18.11.2006

Freitag, 15. Mai 2009

Art Brut, Köln, 14.05.09

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Konzert: Art Brut (& The Blood Arm)
Ort: Luxor, Köln
Datum: 14.05.2009
Zuschauer: knackvoll, sicher fast ausverkauft
Dauer: Art Brut 75 min, The Blood Arm 45 min


Mit gemischtem Echo wurde Art Brut vs. Satan, die dritte Platte der Band um Eddie Argos aufgenommen. Während deutsche Medien eher zurückhaltend waren, benoteten englische Magazine das von Frank Black produzierte Album merkbar besser. Ich habe Nummer drei noch nicht häufig genug gehört, um mir ein Urteil
bilden zu können. Aber das ist ja auch alles gar nicht wichtig. Wir heißen Konzerttagebuch, nicht CD-hoerer.de. Live haben uns Art Brut bisher immer sehr viel Spaß gemacht.

Das Luxor war erstaunlich voll. Mir ist in den letzten Wochen aber ohnehin jede Fähigkeit verlorengegangen, einzuschätzen, welche Band wie viele Leute lockt. Heute hätte ich wirklich nicht mit vollem Haus gerechnet. Als um neun The Blood Arm den Abend eröffneten, war es bereits voller als bei vielen Hauptgruppen.

Vor dem Konzert der kalifornischen Vorgruppe war ich überzeugt, sie schon einmal als Art Brut Support gesehen zu haben. Mein Gedächtnis - ich hatte sie mit The Black Wire verwechselt, die Eddie vor zwei Jahren mitgebracht hatte. Mein Fehler fiel mir aber sehr schnell auf, denn diesen kleinen, erst böse guckenden Sänger mit dem rot bemalten Gesicht hätte ich sicher nicht vergessen. Außerdem besitze ich das letzte
Album der Amerikaner (von 2006!), obwohl auch das eher Buchstütze als meistgehörte CD ist.

The Blood Arm sind zu viert; neben Sänger Nathaniel Fregoso sind dies Keyboarderin Dyan Valdés (die sich schick gemacht hatte und ein wenig overdressed war), Gitarrist Zebastian Carlisle und Schlagzeuger Zachary Amos.

Die Band stammt aus LA, daher war es kein Wunder, daß in Nathaniel viel Entertainer steckt. Mit ging es allerdings so wie als Kind im Zirkus. Die, die vorne saßen, wurden immer aufgefordert, in die Manege zu kommen und irgendetwas
Peinliches zu machen. Der Blood Arm Sänger liebte dieses Konzept! Also die bewährte Anti-Clown-Strategie von früher: Weggucken, wann immer es geht! Nathaniel interessierte sich glücklicherweise aber für Frauen: "Ich habe gestern meine künftige Frau getroffen. Wie das so oft ist, war sie aber schnell wieder weg. Also suche ich sie heute. Wer will?" Eine Engländerin mit Hut und herrlichem Akzent meldete sich. "I have to ask my boyfriend!" - "Kommt beide mit! I'm from a big city. I know how things work!"

Dann bandelte er mit Christin in der ersten Reihe an, anschließend mit Jas, der er, mittlerweile den Hut der Engländerin tragend, spontan ein Lied sang ("Oh Jas, wir
heiraten, bekommen viele Kinder, und die tragen alle diesen Hut" - ein Hit!).

"Seid ihr meine Freunde? Gut! Wenn ihr meine Freund seid, setzt euch jetzt mal alle hin!" Wir machten das für unseren Rockstarfreund und saßen alle auf der Luxor-Tanzfläche, und Nathaniel sang das schmachtende Angela (erste Reihe beim Konzert in Chicago, denke ich). Eines der letzten Lieder sang Nathaniel auf den Händen des Publikums.
Sehenswert! Das war ein wirklich sehr unterhaltsamer Auftritt, auch wenn ich die Platte auch künftig nicht höre, mag ich die Band jetzt aber sehr. Manchmal ist die Musik einfach auch egal... Und trotzdem hätte ich lieber wie zuletzt die Indelicates gehabt.

Ach so, um die nötige Portion Indieklatsch einzubringen... Zumindest früher waren Eddie Argos und Dyan Valdés, die Keyboarderin im Abendkleid, miteinander liiert... Auch wenn Nathaniel etwas anderes behauptete: "I love Art Brut. I have sex with the lead singer!"

Setlist The Blood Arm, Luxor, Köln:

01: Guillotine
02: Epileptic
03: Stay put!
04: Dementia
05: Angela
06: Temporary woman
07: Randy Newman
08: Lied für Jas (neu und improvisiert)
09: Attention
10: Suspicious character
11: P.S. I love you but don't miss you

Und dann begann die große Eddie Argos Show. Ich habe die Briten jetzt schon wirklich oft gesehen, sie waren aber auch heute wieder keinen Deut langweilig, weil
der "Sänger" ein brillanter Entertainer ist. Leider hatte sich Eddie verletzt: "I have a bad back since six days. Today I'm not a punk, I'm Frank Sinatra, Dean Martin, I'm Sammy Davis jr.!" Also kein Crowdsurfen, das hatte aber Nathaniel schon übernommen.

Das Konzert begann mit
Alcoholics unanimous, das sofort funktionierte. Aber es war letztlich eigentlich nicht wichtig, was die Band spielte, das Konzert würde grandios, das war sofort klar. Trotzdem war ich froh, mit Nag Nag Nag Nag einen alten Bekannten sehr früh wiederzuhören (Eddie stellte die meisten Lieder wieder vor, immer mit der gleichen Einleitung: "This is a song about...", in diesem Fall about ignoring your parents).

Art Brut pur dann aber bei Modern Art. Irgendwann sang Eddie mittendrin "traditionally this song ended here", um dann ewig lang zu erzählen, wie er sich die Rückenverletzung zugezogen hatte. Und die Band spielte Modern Art weiter. Köstlich! Es ging um einen
Museumsbesuch, der 13 € gekostet hatte, seinen Gang durch das Museum, zitternde Knie. Und es war teuer. "As I said, I paid 13 Euros!" Es ging ewig weiter, und es war urkomisch!

Richtig viel Neues spielten die Briten nicht. Daher kann ich zu den neuen Lieder auch nicht furchtbar viel sagen. Summer Job und
DC comics and chocolate milkshake funktionieren live hervorragend! Falsch, das tun ja alle. Die beiden gefielen mir live auch ganz besonders; so ist es richtiger. Neben sechs Stücken vom Satanalbum kamen ganz viele Lieblinge der ersten beiden Platten, obwohl ihr größter Hit Good Weekend, die Nummer eins in unzähligen Ländern, fehlte! Aber nicht Emily Kane, Formed a band, Bang bang rock & roll, My little brother (der, wenn ich es richtig rausgehört habe, jetzt 27 ist), Direct hit, und wie sie alle heißen. Und auch nicht der wiederholte Hinweis auf seine Rückenverletzung ("It's the last time I mention it"). Oder die vielen eingebauten Coversongs (von Leaving in a jetplane über There is a light and it never goes out oder My way).

Eddie Argos ist zwar Mittelpunkt von allem, bei weitem aber nicht einziger Garant für einen großartigen Konzertabend! Die beiden Gitarrist Ian Catskilkin und vor allem
Jasper Future sind phänomenal! Dazu die immer charmant lächelnde Bassistin Freddie Feedback (Sauerland) und der stehende Schlagzeuger Mikey Breyer (Allgäu), eine fabelhafte Band! Wenn man abendelang ausschließlich Jaspers großen Gesten zusehen würde, hätte man bessere Unterhaltung als bei jeder Samstagsabendshow!

Art Brut sind frisch wie immer. Wer etwas anderes behauptet, hat sie nicht live gesehen. Ob das Album nun gut oder schlecht ist, ist da wirklich unwichtig, solange selbst ein bewegungsgehemmter Eddie alle Glasvegasse und White Lies dieser Welt in Grund und Boden singt ähh spricht!


Setlist Art Brut, Luxor, Köln:

01: Alcoholics unanimous
02: Nag Nag Nag Nag
03: Modern art (mit neuer Stophe)
04: Moving to L.A.
05: St. Pauli
06: What a rush
07: 18,000 Lira
08: Direct hit
09: DC comics and chocolate milkshake
10: Pump up the volume
11: Summer job
12: Emily Kane
13: Fight!
14: Bad weekend
15: Demons out!
16: Bang bang rock & roll
17: My little brother
18: Slap dash for no cash

19: Formed a band (Z)
20: Post soothing out (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Art Brut, Köln, 04.10.07
- Art Brut, Frankfurt, 30.09.07
- Art Brut, Luxemburg, 24.06.07
- Art Brut, Köln, 05.06.07
- Art Brut, Paris, 18.11.06
- ein Interview mit Art Brut
- mehr Fotos aus dem Luxor
- und noch mehr Bilder von Art Brut




Freitag, 5. Oktober 2007

Art Brut & The Indelicates, Köln, 04.10.07

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Konzert: Art Brut & The Indelicates

Ort: Prime Club Köln
Datum: 04.10.2007
Zuschauer: ziemlich voll aber nicht ausverkauft


Bitter, bitter. Das Kölner Konzert der großartigen und hochgradig unterhaltsamen Art Brut aus London wurde erst von der Live Music Hall ins Bürgerhaus Stollwerck und dann kurzfristig in den Prime Club gelegt. In Frankfurt vor ein paar Tagen war der größere Mousonturm noch gut gefüllt. In Köln scheinen Art Brut nicht mehr viele Leute hinterm Ofen herzulocken, was ich absolut nicht verstehe, denn die Band um Eddie Argos spielt Konzerte, die unglaublich viel Spaß machen. Dazu gab es mit den wahnsinnig tollen Indelicates (auch aus London) eine traumhafte Vorgruppe. Ob es nur an der kurzen Distanz zum letzten Auftritt in Köln lag? Art Brut waren im Juni im rappelvollen Gebäude 9.

Auch war nichts von der zusätzlichen Vorgruppe zu sehen. Bei concertteam.de war noch zu lesen: "Nun sucht die Londoner Band um Sänger Eddie Argos für ihre deutsche Tournee jeweils lokale Vorbands, die 'formed a band' in die Tat umgesetzt haben. Gewinnen können die Bands einen 30minütigen Auftritt vor ART BRUT unter professionellen Bedingungen. Einzige Bedingung: sie sollten ihren Lieblings-Song von ART BRUT covern." Es fand sich offenbar keine, denn das Konzert begann gleich mit den Indelicates.

Die Indelicates, die Band um Simon und Julia Indelicate (nicht verwandt), die so gut zu Art Brut paßt, spielte ein ganz anderes Set als in Frankfurt - glücklicherweise. Denn im Mousonturm hatten sie uns zwei ihrer schönsten Lieder vorenthalten: "We hate the kids" und "Waiting for Pete Doherty to die." Heute war alles prima!

Die beiden zentralen Figuren in der Band aus London sind eben Sänger Simon und Sängerin und Keyboarderin Julia. Julia ist Gründungsmitglied der Pipettes gewesen und hat eine wundervolle Stimme, die auch live sagenhaft gut funktioniert! Der Gitarrist, der mir in Frankfurt vor allem dadurch aufgefallen war, daß er sich dauernd im Kreis drehte, wirkte erst sehr ruhig, taute dann aber auf - und drehte sich wie ein Kreisel.

Das Konzert begann auch wie in Frankfurt mit den beiden Singles "
The last significant statement to be made in rock'n'roll" und "Sixteen". Nach "America" kam dann aber die spektakuläre Abweichung. Denn zum Ohrwurm "New art for the people" erschien Eddie Argos auf der Bühne, um mit Simon Indelicate gemeinsam zu singen. Ja, zu singen, Eddie Argos hat gesungen, nicht gesprochen. Kein Witz! Hätte ich das Konzert verpaßt und jetzt gelesen, daß die beiden gemeinsam "New art" gesungen hätten, ich hätte mich wahnsinnig geärgert, das verpaßt zu haben. Aber so war alles gut!

Nach dem Duett kamen noch drei Kracher: Für mich überraschend das bekannteste Lied der Band, "Waiting for Pete Doherty to die" (auf der Bühne waren nur Simon und Julia), denn das haben sie in Frankfurt nicht gespielt, "Heroin" ("my heroine is on heroin but not bad heroin - the good heroin that rock stars take") und vor allem die Single "We hate the kids."

Die Indelicates sind eine fabelhafte Band, die ich wahnsinnig gerne noch einmal länger sehen würde. Leider kollidiert ihr nächster Termin in Kaiserslautern mit iLiKETRAiNS in Köln. Menno!

Leider war die Stimmung nur ganz gut. Schade! Die nervigsten Leute im Saal, die natürlich wieder direkt in meiner Nähe standen, ein sehr verliebtes Paar, haben mir die Freude durch dauerhaftes Gequatsche auch etwas versaut. Glücklicherweise wurde es dann so laut, daß ausgequatscht war.

Setlist The Indelicates Prime Club Köln:

01: The last significant statement to be made in rock'n'roll
02: Sixteen
03: America
04: New art for the people (mit Eddie Argos)
05: Waiting for Pete Doherty to die (Julia & Simon Indelicate solo)
06: Heroin
07: We hate the kids

Und es wurde sehr laut! Wer sich auf ein Pop-Konzert eingestellt hatte, wurde heftig enttäuscht, fürchte ich. Eddie, Freddy, Jasper, Ian und Mikey lassen es live ganz mächtig krachen. Der Abend war viel mehr ein Punkkonzert. Vor vielen Jahren habe ich mal die Toy Dolls gesehen, wilder war das auch nicht.

Es gab Neues. Das Set nicht, das war das von Frankfurt. Aber hinter Freddy warf ein Beamer Texte auf die Wand. Da liefen dann die Setlist, Textauszüge (zum Mitsingen) und Anweisungen ("Applause now") mit. Vermutlich wird daher die Setlist auch gar
nicht variiert. Aber egal: Bei Art Brut-
*
Konzerten stehen ja eben andere Dinge im Fokus, nämlich der unglaubliche Spaß am Mitsingen, Rumhüpfen, an Eddies Art, seine Ansagen, da ist die musikalische Qualität (die aber mittlerweile richtig gut ist), der lausige Sound oder die fehlende Abwechslung beim Set absolut unwichtig.

Eddie sagte alle Lieder an. Durch die visuelle Unterstützung wird er noch mehr zum Entertainer. Aber auch seine Mitmusiker waren wieder in großer Form. Freddy ist ja ohnehin wegen ihrer charmanten Gestik großartig, Mikey, der stehende Schlagzeuger hat sich vollkommen verausgabt, Ian und Jasper standen am Ende auf den Boxen am Bühnenrand und spielten da die letzten Takte. Jasper war - wie immer - vollkommen aufgedreht. Ich weiß wirklich nicht, wie dieser ruhige Mensch sich so verwandeln kann. Er trug in Köln keines seiner T-Shirts, sondern ein gestreiftes Hemd, das schnell vollkommen durchgeschwitzt war.

Das Set war - wie gesagt - nicht überraschend, es ist aber hoch unterhaltend. Neben vielen Liedern vom aktuellen Album spielen Art Brut einige Hits von der ersten CD und mit "
These animal menswe@r" einen nicht-Album Titel ("we're playing everything even b-sides!"). Es kam alles prima an, der vordere Bereich des Prime Clubs hüpfte und tanzte ununterbrochen. Auch die doofen Absperrgitter vor der Bühne änderten nichts an der ausgelassenen Stimmung. Sie hinderten Eddie auch nicht daran, crowdzusurfen. Dabei kam er beängstigend nah auf mich zu, wurde dann aber wieder nach vorne gelenkt. Er war darüber offenbar enttäuscht, denn er wollte zur Bar surfen! "St. Pauli", eines der Highlights, kündigte Eddie als ihren Eurovision Song Contest Beitrag an und entschuldigte sich gleich bei uns, daß Deutschland dadurch keine Chance haben werde.

Es war einfach wieder köstlich: "Rusted guns of Milan" sei mittlerweile ein Lied über Jasper. Und wenn mich nicht alles täuscht, fehlte dem Lied das Happy End. Bei "I will survive" wich Eddie am Ende auch ab und nannte es dann den Remix des Lieds! "Moving to LA" endete wieder in "Rehab" - aber anders: "They tried to make me go to rehab - that's probably a good idea!" Nach "Nag nag nag nag" war vorerst Schluß. Auf der Rückwand blinkte "Intermission" und "Applause now!", bevor die Band zu den drei Zugaben "People in love", "Direct hit" (sensationell gestern, jeder hat laut mitgebrüllt!) und ihrem größten Hit "Good weekend" (Nummer eins in Mexiko, Japan, Nord und Südkorea (!), Disneyland, Narnia und dem ehemaligen Jugoslawien) erschien.

Danach waren alle platt, auf der Rückwand erschien "Move the way you move" und "The end". Das war nicht mein letztes Art Brut Konzert, obwohl es das vierte dieses Jahr war!

Setlist Art Brut Prime Club Köln:

01: Pump up the volume
02: Bang bang rock and roll
03: Sound of summer
04: Blame it on the trains
05: These animal menswe@r
06: Jealous guy
07: Modern art
08: St. Pauli
09: Bad weekend
10: Rusted gun of Milan
11: Late sunday evening
12: 18.000 Lira
13: I will survive
14: Moving to LA
15: My little brother
16: Post soothing out
17: Emily Kane
18: Nag nag nag nag

19: People in love (Z)
20: Direct hit (Z)
21: Good weekend (Z)

* Leider mangels Kamera sehr schlechte Fotos!

Links:

- Interview mit Art Brut
- Art Brut live: in Frankfurt (30.09.07)
- in Luxemburg (24.06.07)
- in Köln (05.06.07)
- in Paris (18.11.06)
- mehr Fotos: Frankfurt
- Fotos aus Luxemburg


Montag, 1. Oktober 2007

Art Brut & The Indelicates, Frankfurt, 30.09.07

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Konzert: Art Brut & The Indelicates

Ort: Mousonturm Frankfurt
Datum: 30.09.2007
Zuschauer: recht viele


Wenn sonntags bei einem Konzert drei Bands spielen, die nach 21 Uhr anfangen, ist das schon eine Herausforderung, noch dazu, wenn das Konzert eine Stunde vom Bett entfernt stattfindet und montags der Wecker sehr früh klingelt. Weil aber Art Brut und die Indelicates, auf die ich mich freue, seit ich Anfang August die ersten Lieder von ihnen gehört habe, angesetzt waren, nahm ich das gerne auf mich.

Erste Gruppe im schönen Frankfurter Mousonturm waren nicht, wie bei myspace behauptet, die Subliminal Girls aus London, sondern eine Mainzer Band namens Auletta. Für einige ihrer Konzerte hatten Art Brut lokale Bands gesucht, die als Gegenleistung für ihren Auftritt einen Art Brut Song covern sollten. Das galt nicht für
Frankfurt - oder Auletta hat das Konzept falsch verstanden, die Band schien nämlich nicht Art Brut sondern die Libertines zu covern. Selbst die beiden Gitarristen Martin Kloos und Alexander Zwick (der Sänger) glichen in Aussehen (Martin), Outfit und Verhalten (beide) Carl Barât. Musikalisch war das auch überhaupt nicht schlecht, ich mag die Libertines, ich mag die Dirty Pretty Things, ich halte die neue Babyshambles Platte für extrem gelungen und ich mag The View sehr gerne (eines der Auletta Lieder klang sehr nach den jungen Schotten) - es gefiel mir also. Fraglich ist allerdings, ob Libertines Lieder mit deutschen Texten funktionieren ("Wer ist König, wer ist Dieb, ein König stiehlt und nennt es Sieg, Walhalla ist nicht nur für Krieger, auch für Diebe auch für Lieder. Dort regiert ein Engel und kein König, der tausend Lieder in tausend Sprachen singt. Ein Engel, kein König wie du, wie du"). Falsch, das ist nicht fraglich, das funktioniert meiner Meinung nach nicht, zumindest nicht so. Texte, in denen Regenbögen vorkommen, sind auf deutsch einfach nicht rotzig genug für die Art Musik. Ich will jetzt nicht unfair sein, denn mir hat die Musik der Mainzer ja gefallen, daher bemühe ich keinen Vergleich mit Pur-Lyrics. Denn - und darum geht es ja - Stimmung haben Auletta gemacht.

Setlist Auletta Mousonturm Frankfurt:

01: Zirkus
02: Walhalla
03: Neonlicht
04: Liebhaber
05: Meilenweit
06: Karmamasow
07: Zinnsoldaten

Auf die nächste Band hatte ich mich besonders gefreut. Die Indelicates könnten auch wieder eine Coverband sein. Im Prinzip. Denn die Band aus London gleicht in vielem schon dem Hauptact Art Brut. Sänger Simon Indelicate könnte ein Bruder von Eddie Argos sein, die Texte der Bands untereinander ausgetauscht werden (wobei die Indelicates politischer sind). Auch die Musik paßt wirklich gut zu einander, sodaß die Londoner die perfekte Supportband für Art Brut sind.

In den letzten Tagen habe ich einige neue Lieder der Gruppe entdeckt. Vor allem Sängerin Julia Indelicate (geborene Clark-Lowes,
geschiedene Pipette) hat auf ihrer Website eine Fülle an Demos (u.a. der aktuellen Single), die allesamt toll sind. Vom gestrigen Set der Band kannte ich daher immerhin drei Lieder, "Sixteen", die erste Single "New art for the people" und "Julia, we don't live in the 60s", obwohl das Album erst im Frühjahr erscheinen wird. Den letzten Titel, der auf der Setlist stand ("Heroin") hatte ich erst für den Ohrwurm der Band "Waiting for Pete Doherty to die" gehalten. Leider haben die Indelicates diesen Hit aber nicht gespielt, "Heroin" (my heroine uses heroin oder so) war allerdings auch fabelhaft.

Die Indelicates bestehen wie erwähnt aus den beiden Sängern Simon Indelicate (der auch Gitarre spielt) und Julia, einem Gründungsmitglied der Pipettes. Julia spielt
Keyboard (und bedient das Pedal dabei barfuß, denn sie zog gleich zu Beginn einen ihrer schweren Motorradstiefel aus) und keltische Flöte (7 € in Dublin - aber schwer zu spielen). Vor allem hat Julia aber eine fast schon operettenhafte Stimme. Für mich war nach all den Demos sehr fraglich, ob diese Stimme live auch funktionieren würde. Sie tat! Und wie! Die beiden wechseln sich ab, es gibt Lieder, die nur einer der beiden singt und andere mit beiden, "New art for the people" zum Beispiel. Dazu kommen Schlagzeuger (Ed van Beinum), Bassistin (Kate Newberry) und der wahnsinnig aktive Gitarrist Alastair Clayton. Alastair drehte sich unzählige Male um die eigene Achse und legte eine wilde Show hin, einmal flog sein Funkohrhörerzeugs in hohem Bogen über die Bühne.

Da wo ich stand (sehr weit vorne - meine Kamera ist kaputt, der Ersatz läßt keine große Entfernung zum zu fotografierenden Objekt zu), war der Soung sehr mäßig. Bei Art Brut sollte das noch schlimmer werden. Aber das lag vielleicht an meinem Platz. Ansonsten haben die Indelicates meine hohen Erwartungen erfüllt. Ob die Band in Deutschland große Erfolge haben wird, wage ich allerdings zu bezweifeln, dafür ist die Musik (wie auch Art Brut) zu nischenhaft. Im da schon recht gut gefüllten Saal kam auch keine besonders große Stimmung auf. Schade! Vielleicht ist das in Köln Ende der Woche besser!


Setlist The Indelicates Mousonturm Frankfurt:

01: The last significant statement to be made in rock'n'roll
02: Sixteen
03: America
04: Unity Mitford
05: New art for new people
06: Julia, we don't live in the 60s
07: Heroin

Pünktlich zu Art Brut strömten dann viele Leute nach vorne in die Mitte, die vielleicht nicht genau wußten, was auf die zukommt. Daß Konzerte der Engländer trotz der Popsongs auf der aktuellen Platte (Art Brut sind schließlich die "Masters of Pop Hits"), wild und laut sind, hätte sich nämlich eigentlich rumgesprochen haben können. So wurde dann schon beim ersten Lied ("Pump up the volume") heftig vor der Bühne getanzt, daß viele ganz schnell wieder in "sichere" Regionen gingen. Auch sonst war vieles so, wie bei meinen beiden anderen Art Brut Konzerten dieses Jahr. Eddie, der große Entertainer, kündigte jedes Lied an, die meisten mit "This next song is..." Schlagzeuger Mikey (aus dem Allgäu) spielte sein Schlagzeug stehend mit enorm viel Einsatz, Bassistin Freddy Feedback (in einer farblichen Variation ihres Luxemburg-Kleids) macht lustige Gesichter, singt ab und zu stumm mit (sie hat kein Mikro) und scheint das alles sehr zu genießen, Gitarrist Ian (wie immer ganz in schwarz gekleidet) spielt und läuft viel rum - und singt die "huhuuuu"-Passagen. Tja und Jasper...

Gitarrist Jasper ist ein wirklich netter und schüchtern wirkender Mensch - außerhalb der Bühne. Als wir die Band in Luxemburg interviewt haben, wirkte er so ruhig, seriös und nett, daß
wirklich unfassbare Dinge passieren müssen, wenn er aus dem Backstagebereich nach vorne kommt. Der Engländer hatte ein hellblaues Shakira T-Shirt an und jagt über die Bühne, als liefe Shakiras wütender Bruder hinter ihm her. Bei Singen hat er oft einen so herrlich irren Blick, daß man froh um jeden Zentimeter Abstand zu ihm ist.

Ich bin übrigens sehr sicher, daß Jaspers T-Shirt ernst gemeint ist ("It's no irony"). Da Justin Timberlake zu seinen Lieblingskünstlern gehört, wird er die Kolumbianerin vermutlich auch mögen.

Eddie machte das, was Eddie so bei Konzerten macht. Er sprang Seil mit dem Mikrokabel, er hüpfte ins Publikum, er rief auf, Bands zu gründen. Allerdings haben
Art Brut ihr Programm auch verändert. In Luxemburg hatte er Oliver und mir - als wir ihm gesagt haben, wie oft wir die Band schon jeweils gesehen haben - entsetzt gesagt "dann kennt Ihr ja all meine Sprüche und Witze". Viel Neues war nicht dabei, sein Aufruf nach "Emily Kane", auf gar keinen Fall den Ex-Partnern nachzutrauern, fehlte aber zum Beispiel (oder er ging im Soundbrei unter).

Auch war das Set im Vergleich zum Konzert in Köln deutlich erweitert. Vier zusätzliche Lieder spielten Art Brut. Ich bin allerdings nicht sicher, ob sie dafür mehr Zeit brauchten, denn sie spielten schon sehr schnell. Neu im Programm sind "Sound of summer", "Blame it on the trains" und das fabelhafte
"People in love" vom aktuellen Album, wieder im Set ist das alte "These animal menswe@r". Die Kritik des sich wiederholenden Witzes gilt also nur bedingt (nicht, daß mich die bisher gestört hätte). Eddie und Co. ändern ihr Programm aber dabei nicht ihre Wirkung, denn die war wieder ausgezeichnet. Das Publikum im voll wirkenden Mousonturm sah prächtig unterhalten aus. Wenn der Ton so laut und schlecht wie vorne war, war das zwar ein Manko, im Gegensatz zu den Stars vor ein paar Tagen schadet das einem Art Brut Konzert aber nicht.

Ich bin und bleibe ganz überzeugter Art Brut Fan, egal wie kurz die Nacht dadurch ist - und ich freue mich schon jetzt wieder auf Donnerstag in Köln!

Setlist Art Brut Mousonturm Frankfurt:

01: Pump up the volume
02: Bang bang rock and roll
03: Sound of summer
04: Blame it on the trains
05: These animal menswe@r
06: Jealous guy
07: Modern art
08: St. Pauli
09: Bad weekend
10: Rusted gun of Milan
11: Late sunday evening
12: 18.000 Lira
13: I will survive
14: Moving to LA
15: My little brother
16: Post soothing out
17: Emily Kane
18: Nag nag nag nag

19: People in love (Z)
20: Direct hit (Z)
21: Good weekend (Z)

Links:

- Interview mit Art Brut
- Art Brut live: in Köln (04.10.07)
- in Luxemburg (24.06.07)
- in Köln (05.06.07)
- in Paris (18.11.06)
- mehr Fotos: Frankfurt
- Fotos aus Luxemburg



Donnerstag, 28. Juni 2007

Interview: Art Brut

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Interview: Art Brut

Ort: Rock A Field Festival, Luxemburg
Datum: 28.06.07

Nach dem Auftritt von Juli ist es soweit: wir werden von einem Offiziellen abgeholt und zum Backstage-Gelände geführt, wo sich auch die Musiker von Art Brut aufhalten sollen. Das Zelt, in dem die überaus unterhaltsame Band campiert, scheint aber zunächst verlassen zu sein. Art Brut? Die haben wir hier schon lange nicht mehr gesehen, bekommt unser Begleiter zu hören? Hmm... Sind sie etwa schon abgereist? Nein, zum Glück nicht, denn Eddie Argos guckt kurz später etwas verschlafen aus dem Zelt hinaus, einen Becher Rotwein in der Hand. Wir gehen zu ihm herüber und plaudern draußen sehr gelöst über Konzerte, die wir schon von Art Brut gesehen haben und über Aussetzer, die der übermäßige Genuß von Alkohol mit sich bringt. An das von der Zeitschrift Trax organisierte Konzert in einem Pariser Technikmuseum im letzten Dezember kann sich Eddie zum Beispiel nicht mehr so recht erinnern. "I was very drunk this night" vertraut er mir an und grinst...

Dann überlegt er kurz und sagt: "Wenn Du schon auf sechs Art Brut Konzerten warst, kennst Du bestimmt schon meine ganzen Sprüche, oder?" Er wirkt fast ertappt, als er das sagt. "Ja, schon, aber das macht nichts, ich find's immer wieder komisch", sage ich und ergänze: "außerdem war heute die Einlage mit der eingebauten Songzeile von Amy Winehouse ("they want me send to rehab, I said no, no, no" ), klasse." Christoph stimmt zu. Alle lachen. Eddie, ganz der gute Gastgeber, führt uns in ihr Bandzelt, wo Jasper gerade hinter seinem Apple-Laptop sitzt und Freddy uns gewohnt herzlich begrüßt. Freddy Feedback kann sich sogar noch an das Konzert in besagtem Technik-Museum in Paris erinnern. "Stimmt, wir haben doch noch an der Seite ein wenig geplaudert und ich habe Euch noch die Setlist gebracht". Freddy hat wirklich ein tolles Gedächtnis, Hut ab! Damals sprach die deutsche Bassistin davon, daß das zweite Album, wenn alles gut läuft, im März erscheinen soll. "Warum kam es erst im Juni in die Läden?", will ich wissen. "Keine Ahnung," entgegnen die drei Musiker, "wir waren jedenfalls pünktlich fertig!" Also doch nicht so kompliziert, wie es der Albumtitel ("It's a little bit complicated") erahnen lässt? "Nein, nein, der Titel ist eher eine Anspielung auf die Geometrie" erfahren wir. "Warst Du gut in Mathe?", will ich von Eddie wissen. "Nein", antwortet er schnell. "Ich auch nicht," gebe ich zu und erwähne, daß mir mein Mitblogger Christoph damals Nachhilfe in Mathematik gegeben hat. Da wir ja einen auf Konzerte spezialisierten Blog haben, frage wir in der Folge Dinge, die in erster Linie Gigs betreffen:

Frage: Der beste Ort, an dem ihr ein Konzert gespielt habt?
Antwort (Jasper): Wir haben mal in einem umgebauten Einkaufszentrum in Mexico gespielt, da waren noch die Rolltrepppen drin..

Frage: Spielt ihr lieber auf Festivals, oder Solo Gigs?
Antwort (alle): Kommt drauf an, kann man so nicht sagen...

Frage: Welches war das schlechteste Konzert einer anderen Band, das ihr gesehen habt?
Antwort(alle): ein Konzert der Fr.... (schottische Band mit italienischem Namen), grauenhaft!
Wir lachen laut auf, zumal ich den gleichen Eindruck von jener Band gewonnen hatte, Christoph aber ein tolles Konzert in Erinnerung hatte...

Frage: Kennt ihr eine Band aus Luxemburg?
Antwort (Eddie): Nein, aber es gibt da doch eine Band, die heißt Luxemburg, oder?-Stimmt.

Frage: Welche Eurer Lieder spielt ihr am liebsten live?
Antwort: Move To L.A. und Pump Up The Volume

Frage: Und welche Songs kommen beim Publikum am Besten an?
Antwort (alle) : My Little Brother

Frage: Viele Eurer Titel enthalten Anspielungen auf Cover-Versionen, wollt ihr nicht mal ein richtiges Cover machen?
Antwort: Wir mögen einfach Popmusik, deshalb die Anspielungen, ein richtiges Cover ist zur Zeit nicht geplant, wir bauen die Sachen lieber stückchenweise ein.

Frage: Mit wem würdet ihr gerne einmal auf der Bühne performen?
Antwort (Eddie): Madonna!

Frage: Welche Eurer Supporting-Acts mochtet ihr am liebsten?
Antwort (alle): We Are The Physics und Robocop Kraus.

Frage: Mögt ihr noch andere deutsche Bands?
Antwort (Eddie): ja, Tocotronic

Frage: Kannst Du eigentlich Deutsch Eddie?
Antwort: Nö, leider nur wenige Brocken... (Punkrock ist nicht tot, in: "St. Pauli")

Frage: Welche Musik hört ihr denn selbst so?
Antwort: Eddie: Hold Steady und amerikanische Sachen, auch The Blood Arm. Jasper: Pop, vor allem Justin Timberlake! Freddie: Grunge, Nirvana z.B.

Frage (Christoph): Did you drink Hennessy with Morrissey, yet?
Antwort (Eddie): No, because he is no longer in L.A., he is in Rome now.

Frage: Magst Du L.A. besonders, Eddie?
Antwort: Ja, ich liebe diese Stadt!

Frage: Da gibt es doch auch diese Band The Blood Arm, oder?
Antwort (alle): Ja, die mögen wir (Jasper und Freddie schmunzeln, warum wohl?)

Ich bleibe bei dem Thema: "The Blood Arm habe ich schon in Paris live gesehen, die sind toll, der Sänger hat eine unglaubliche Energie, aber der Typ müffelt etwas! Alle lachen. "Und die Keyboarderin ist heiß, oder Eddie?", bleibe ich am Ball. "Das ist meine Freundin!", entgegnet Eddie. Echt? Hmm, Christoph und ich wissen nicht, ob das jetzt stimmt, aber auf jeden Fall scheint Herr Argos der Musikerin gegenüber nicht abgeneigt zu sein...

Andere, eher neutralere Fragen waren:

Frage: Was haltet ihr von der New-Rave Entwicklung, glaubt ihr, euer Post-Punk, Brit-Pop Stil ist jetzt out?
Antwort (Eddie): Nö, wen gibt es denn überhaupt als New Rave Band? Mir fallen nur die Klaxons ein und die machen ganz einfach gute Popmusik, fertig!

Frage: Ihr werdet also auch in Zukunft keine elektronischen Elemente in Eure Musik einbauen?
Antwort (Eddie): Sollen wir etwa Sirenen verwenden? Ich glaube kaum... (alle lachen)

Auch über einige ander Dinge wurde noch in entspannter Atmosphäre geplaudert, irgendwann stieß auch noch Ian dazu, verschanzte sich aber schnell hinter seinem Laptop. Ebenfalls ein netter Kerl, dieser Ian, nur ein wenig schüchtern. Logischerweise hat dann auch Eddie, als sehr gesprächiger Mensch im Verlaufe des Interview am häufigsten geantwortet, aber auch Jasper und Freddy haben sich ab und zu eingebracht.

Besonders angetan zeigte sich die Band von Christophs Legofigurenbild, auf dem er die Band stilecht nachgestellt hat. "Das könnte man glatt auf unserer MySpace Seite verwenden", meint Eddie uund die anderen nicken. Christoph bekommt zum Dank eine Signatur von allen Art Bruts (nur der Schlagzeuger fehlte, weil er eine Runde schlief) auf das Foto mitsamt Eddies Kommentar: "This is amazing!" Danke Eddie, danke Art Brut, das Kompliment geben wir gerne zurück:

Art Brut, you are amazing!

von Oliver

Links:


- Art Brut live: in Köln (04.10.07)
- in Frankfurt (30.09.07)
- in Luxemburg (24.06.07)
- in Köln (05.06.07)
- in Paris (18.11.06)
- mehr Fotos: Frankfurt
- Fotos aus Luxemburg



Montag, 25. Juni 2007

Konzert: Art Brut, Luxemburg, 24.06.07

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Konzert: Art Brut

Ort: Bettembourg bei Luxemburg (Rock A Field Festival)
Datum: 24.06.2007
Besucher: vielleicht 3.000


Das Line-Up des "Rock A Field" Eintagesfestival auf einer Wiese zwischen Luxemburg Stadt und der französischen Grenze las sich wie ein musikalischer Gemischtwarenladen: Die Queens of the Stone Age mit den Hives und Billy Talent (das paßte ja gut), als Headliner die Killers und dazu Juli und Art Brut... Zumindest für mich war Art Brut der ausschlaggebende Grund, das Festival zu besuchen. Allerdings war der Schrecken dann groß, als der Zeitplan veröffentlich wurde, denn Art Brut war um 13.40 Uhr angesetzt. Für eine Band, deren jetzt erscheinendes zweites Album im NME hoch gelobt und besser als die zweiten Platten der anderen 2005 aufgetauchten Bands bewertet wurde, erschien uns das viel zu früh. Für unsere Anreiseplanung auch. Anhand der T-Shirts (und sonstigen Outfits), die auf dem Gelände vertreten waren (die Mädchen trugen fast ausschließlich ihre Ausgeh-Killers-Shirts, bei den Jungs waren Billy Talent Hemden und Heavy Shirts aller Art vertreten, gerne ACDC, Iron Maiden, Slipknot und artverwandte), war die Ansetzung aber wohl zielgruppenorientiert. Auf dem großen Sammelparkplatz dominierten Kennzeichen aus Deutschland, es waren zwar auch vereinzelte französische Wagen da, in erster Linie aber deutsche - und die meist dreistellig. Die Heavy-Shirt-Träger kamen also zu einem großen Teil aus Deutschland.

Also gut, 13.40 Uhr war nun mal so. Das Gelände war zu dem Zeitpunkt noch so wenig gefüllt, daß man bequem hin und her gehen konnte. Als Eddie Argos und
Kollegen dann pünktlich auftraten, hatten sich aber doch verhältnismäßig viele Zuschauer vor der Bühne versammelt. Wie schon in Köln vor ein paar Wochen begann die Band mit dem neuen "Pump up the volume". Auch wenn neben mir ein verbittert guckender 15jähriger stand, der meinte, die angemessene Reaktion auf die "Masters of pop hits" seien seine ausgestreckte Mittelfingerchen, kam das Lied recht gut an (es war unbekannt und die Leute nicht wegen Art Brut da). Ich fand es glänzend. Wie ich auch das ganze Konzert glänzend fand. Es macht mir einfach unfassbar viel Spaß, der Band zuzusehen und Eddie zuzuhören. Gitarrist Jasper Futures (verwandt mit Cpt. Future???) Verrenkungen und Hüpfereien sind allein schon köstlich. Allerdings bekam der blonde Engländer, der ein Playboy T-Shirt trug, schnell einen Dämpfer seines Sängers. Nach dem ersten Stück sagte Eddie: "Mr. Soundman, please turn down Jaspers microphone. He's got a disgusting voice!" Mir ist allerdings aufgefallen, daß bei vielen der neuen Lieder Jasper und Gitarrist Ian den Backgroundgesang machen. Es geht also irgendwie...

A propos neue Songs: Wie schon in Köln spielte Art Brut einiges vom neuen Album. Neben den schon länger
bekannten "St. Pauli" und "Nag nag nag nag" waren das "Pump up the volume", "Late sunday evening", "I will survive", "Jealous guy" (das Gegenteil von "Rusted guns of Milan" laut Eddie) und die besonders guten "Post soothing out" und "Direct hit". Dazu die vielen großen Hits des ersten Albums und Eddies herrliche Ansagen ergaben ein großartiges Konzert. Glücklicherweise kam das dann doch auch viel besser an als befürchtet. Vor allem "My little brother" wurde von vielen mitgebrüllt. Da war dann trotz der doofen Uhrzeit schon ordentliche Festivalstimmung.

Die meisten Lieder der Band handeln von Beziehungen. Eddie konkretisierte das nach "Post soothing out"
dann noch: "This song was like most of our songs about an ex girlfriend. The next song is about my favourite ex girlfriend." Im Publikum brüllte dann jemand "Emily Kane", worauf Eddie verwundert antwortete: "Ah! You know her!"

Nach "Emiliy Kane" kamen die beiden riesigen Kracher "Nag nag nag nag" und "Direct hit" (für mich der Indiesong des Jahres!) und zum Abschluß der Nummer 1 Hit (in der Türkei, Mexiko, Brasilien, Disneyland, Narnia & dem ehemaligen Jugoslawien) "Good weekend".

Wie jedes meiner Art Brut Konzerte war es glänzend, trotz der Uhrzeit. Art Brut macht mir live unglaublich viel Spaß, weil die Lieder sitzen, weil Eddie ein Entertainer von Format ist, weil es Vergnügen bereitet, der fabelhaften und scheinbar immer gut gelaunten Bassistin Freddy Feedback zuzusehen und weil auch Schlagzeuger Mikey, Gitarrist Ian und vor allem Gitarren-Kollege Jasper eine wilde Show abliefern.Vielleicht kommen Art Brut im Herbst noch einmal nach Deutschland. Da bin ich ganz sicher wieder dabei.

Mein Zuhause. Mein Blog. Fragebogen: Art Brut





Setlist Art Brut Rock A Field:

01: Pump up the volume
02: Bad weekend
03: Bang bang rock and roll
04: Modern love
05: St Pauli
06: Rusted gun of Milan
07: Late sunday evening
08: 18000 Lira
09: I will survive
10: Moving to LA
11: Jealous guy
12: My little brother
13: Post soothing out
14: Emily Kane
15: Nag nag nag nag
16: Direct hit
17: Good weekend

Links:

- Interview mit Art Brut
- Art Brut live: in Köln (04.10.07)
- in Frankfurt (30.09.07)
- in Köln (05.06.07)
- in Paris (18.11.06)
- mehr Fotos: Frankfurt
- Fotos aus Luxemburg




Mittwoch, 6. Juni 2007

Art Brut, Köln, 05.06.07

3 Kommentare
Konzert: Art Brut
Ort: Gebäude 9 Köln
Datum: 05.06.2007
Zuschauer: ausverkauft


Puh, ich weiß nicht recht, womit ich anfangen soll. Vielleicht mit meinem Dauergrinsen, das ich seit Beginn des heutigen Konzerts im Gebäude 9 nicht mehr loswerde...

Also los: Das Gebäude 9 war endlich wieder ausverkauft. Zuletzt hatte ich da ja eher überschaubare Zuschauermengen erlebt. Als Black Wire, die Vorgruppe, auftrat, war der Saal schon sehr gut gefüllt. Nur mittig vor der Bühne war noch etwas Platz. Vielleicht ahnten die Leute schon etwas. Black Wire sind eine Band aus Leeds (Kaiser Chief Nick schätzt sie sehr), bestehend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und einem Sänger ohne Instrument. Die Bandmitglieder sahen ein wenig wie Kellner in irgendeinem selbsternannten Society-Lokal in Koblenz aus. Falls Ihr Euch solche Läden nicht vorstellen könnt, denkt sie Euch so schlimm, wie es klingt (Black Wire trugen einheitlich schwarze enge Jeans, schwarze spitze Schuhe und schwarze Hemden).

Ein wenig stutzig machte mich, daß eine Statikprüfung Teil des Soundchecks war. Der Black Wire Sänger testete sehr genau, wie stabil der Bühnenboden war.

Die Musik der Black Wires hat mir gut gefallen. Es war zwar live sehr rauh, ich kann mir aber vorstellen, daß mir das auf Platte gefallen könnte (das Aber ist quatsch). Das, was man bei myspace hören kann, gefällt mir jedenfalls auch.

Dan Wilson, der Sänger, fuchtelte von Anfang an mit den unbeschäftigten Händen wild in der Gegend rum. Bis dahin sah das noch nach den Rakes aus. Ziemlich schnell begann Dan aber, durch die Gegend zu wandern. Er kletterte von der Bühne und sang zwischen den Zuschauern weiter. Dann legte er sich auf den Boden - und sang weiter. Dann machte er Liegestütze im Zuschauerraum - und sang weiter. Er war wieder eine Weile auf der Bühne, um später wieder runterzuklettern und diesmal unter der Bühne zu verschwinden - und sang weiter. Ich kann mir nicht viele ekligere Plätze als den unter der Bühne des Gebäude 9 vorstellen. Dan machte das offenbar nichts aus. Wieder oben, hüpfte er wie wild auf der Bühne rum (Paul Smith auf Dauerfeuer). Daher die vorherige Prüfung des Bodens.

Nachdem Dan uns noch gefragt hatte, wer für uns der sexieste Art Brut Musiker sei ("anyone?" - keine Antwort - "for me it's Jasper"), gingen Black Wire und stellten sich an den Bühnenrand, um Art Brut zu sehen. Black Wire war für mich nicht die beste Vorgruppe des Jahres (ich denke, es wird dem regelmäßigen Leser nicht entgangen sein, daß das für mich nur die Bishops, The Twang oder natürlich The Taste sein können), Black Wire war aber auf alle Fälle die durchgeknallteste und spektakulärste Supportband!

Setlist Black Wire Köln:

01: Hang up
02: Brother
03: See the blood
04: Crime
05: Authentic
06: Hard to love easy to lay
07: Both your houses
08: Braindead


Und dann kam Art Brut.

Die Band um Eddie Argos habe ich bisher leider erst einmal gesehen, Anfang 2006 im Bürgerhaus Stollwerck. Als ich vor einiger Zeit gelesen hatte, daß die Band nach Köln kommt, vor allem ins Gebäude 9, habe ich sofort ein Ticket bestellt, denn damals war, obwohl ich es von der Empore aus sah, das Konzert gigantisch.

Eddie zog erst einmal die Schuhe aus und begann ein für mich neues Lied ("Pump up the volume"). Das fand ich ungewöhnlich, weil es für eine Band ja viel sicherer ist, mit etwas Bekanntem zu beginnen. Hier war das egal, die Stimmung passte. Neben Eddie gehören bekanntlich Jasper Future (wie Eddie ohne Schnauzbart), Freddy Feedback, Ian Catskilkin (offenbar armenischer Abstammung) und Mikey Breyer zur Band. Die Namen klingen zwar nach einer Überraschungsei Figurenserie, gehören aber zu fabelhaften Musikern. Ich hatte das große Glück gleich vor Bassistin Freddie Feedback zu stehen, die unfassbar toll ist. Ich fürchte, jetzt wirklich objektophil zu sein, denn heute habe ich mich in Freddies Mimik verliebt.* Es ist herrlich, der deutschen Musikerin zuzusehen. Die Stars auf der Bühne sind aber schon Eddie und Gitarrist Jasper (Job laut myspace: Stage craft). Ich möchte hier eigentlich nicht bis ins Detail beschreiben, was genau auf der Bühne passiert, wie die beiden hin und herhampeln, das wäre so, als wollte ich ein Bild beschreiben - und das mochte ich noch nie. Seht Euch Art Brut an. Wer sich für Indie interessiert (und das unterstelle ich den Lesern, es sei denn, sie suchten hier Fotos von Kate Moss), muß meiner Meinung nach Art Brut live gesehen haben.

Also zum Set: Neben "Pump up the volume" spielten Art Brut einige neue Sachen, allem voran das grandiose "Direct hit", das eine der Zugaben war. Die anderen neuen Stücke klangen sehr vielversprechend. Zwei der für mich neuen Lieder, "I will survive" und "Jealous guy" kündigte Eddie jeweils mit "It's not a cover" an. Herrlich. Cover haben Art Brut natürlich auch nicht nötig, wobei kleinere gecoverte Stückchen mehrfach vorkamen. "Rusted gun of Milan", das Lied über sexuelles Versagen, endete Eddie Argos mit "I believe in miracles, you sexy thing", "Moving to LA" ging über in "Leaving on a jetplane" - fabelhaft! Zwischendurch sprang der Sänger mit dem Mikrokabel Seil, knöpfte das Hemd auf und wieder zu, crowdsurfte ein wenig, lief durchs Publikum und sagte die meisten Lieder gewohnt großartig an. "Emily Kane", die Hymne an eine verflossene Liebe, darf er wohl nicht mehr unkommentiert lassen, also erklärte er danach ausführlich, warum man auf gar keinen Fall zu den Exfreunden oder Exfreundinnen zurückkehren darf!

Das großartigste unter vielen großartigen Liedern war für mich "Nag nag nag nag", das live noch um Nummern besser als auf Platte war. Ein unglaublich tolles Lied! "Nag nag nag nag" beendete auch das reguläre Set. Als erste Zugabe spielte die Band eben "Direct hit". Eddie war dabei wohl danach, Black Wire (zurecht), seine Anerkennung auszusprechen. Er machte das, indem er Black Wire Sänger Dan coverte, nämlich Liegestütze auf der Bühne machte. Dan und Kollegen standen wie gesagt am Rand und grinsten um die Wette!

Der größte Hit der Band, "Good weekend", der mittlerweile auch in Brasilien, der Tschechoslowakei, Serbien, Schweden, Disneyland, Narnia und dem früheren Jugoslawien (Eddie) ein Nummer eins Hit war, war der Abschlußsong. Ich tue mich ein wenig schwer, von Konzerten des Jahres zu sprechen, weil ich viele tolle Sachen sehen konnte (James, Maximo Park, Klee und und und), an die Show heute werde ich mich aber sicher lange erinnern!

Natürlich werde ich mich auch an Freddies Mimik noch lange erinnern! Die Bassistin wirkte sehr charmant und extrem sympathisch. Das brachte einen sehr großen Fan dazu, sich mit Edding Botschaften auf den Arm zu schreiben, die er ihr dann zeigte ("Einen trinken?"). Ein schöner, vor allem sehr romantischer Versuch, finde ich!**

Setlist Art Brut Köln:

01: Pump up the volume
02: Bad weekend
03: Bang bang rock and roll
04: Modern art
05: St Pauli
06: Rusted gun of Milan
07: Late sunday evening
08: 18000 Lira
09: I will survive
10: Moving to LA
11: Jealous guy
12: My little brother
13: Post soothing out
14: Emily Kane
15: Nag nag nag nag

16: Direct hit (Z)
17: Good weekend

Links:

- Interview mit Art Brut
- Art Brut live: in Köln (04.10.07)
- in Frankfurt (30.09.07)
- in Luxemburg (24.06.07)
- in Paris (18.11.06)
- mehr Fotos aus Köln
- mehr Fotos: Frankfurt
- Fotos aus Luxemburg


Termine Art Brut:

06.06.07: Berlin (Lido)
10.06.07: Amsterdam (Melkweg)
20.06.07: Paris (Trabendo)
23.06.07: Southside Festival
24.06.07: Rock A Field Festival Luxemburg

* Hmm, bei näherem Betrachten, ist Mimik wohl kein Gegenstand... Sei's drum
** Nein, das war nicht ich!


 

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