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um
12:03
Konzert: Athlete Ort: Flex, Wien Datum: 22.10.2009 Zuschauer: so gut wie ausverkauft, also 400-500 Dauer: etwa 80 Minuten
von Julius aus Wien
Seit ihrem Auftritt am Haldern Pop im August habe ich ein tiefblaues, nebliges Bild vor Augen, wenn ich an Athlete denke. Das hat wohl damit zu tun, dass ihr spätnächtlicher Slot auf der Open Air-Bühne (als Ersatz für den erkrankten Paolo Nutini) von viel Nebel begleitet war, den die Scheinwerfer in bläuliches Licht tauchten. Eine ziemlich mystische Atmosphäre also, die bleibenden Eindruck hinterlassen hatte.Die Darbietung des Londoner Quintetts im fernen Westfalen hatte mich auch abseits der atmosphärischen Begleiterscheinungen sehr überzeugt, dennoch überlegte ich lange, ob mir eine Karte für das Konzert im Wiener Flex zulegen sollte. Einerseits mag ich das Flex als Location für Indie-Konzerte nämlich nicht sonderlich, andererseits war für diesen Donnerstag, den 22. Oktober, ein Europa League-Spiel „meiner“ schwarz-weißen aus Graz gegen Panathinaikos. Schlussendlich setzte sich im imaginären Duell aber die Musik durch und die unglücklich Niederlage gegen die Griechen gab mir im nach hinein Recht.Pünktlich um acht standen „The New Vitamin“ auf der Bühne, ein österreichisches Kollektiv, soviel wusste ich. Über deren Schaffen wusste ich dafür nichts, aber eine intensivere Beschäftigung mit ihnen drängte sich auch nicht sonderlich auf. Belangloser, teilweise äußerst nervender Electro-Pop ohne eigenständige Motive und ein unangenehm prätentiöses Auftreten vertrieb mich in Richtung Bar. Ein großes (Gratis-)Soda später war dem Treiben ein Ende gesetzt und die Bühne frei für die Roadies.Der Zuschauerraum, ein ehemaliger U-Bahn-Schacht, hatte sich auch schon ganz hübsch gefüllt, gut 400 dürften Athlete angelockt haben.Und mein hübsches, nachtblaues Bild zerschlug sich schon beim ersten Song, einem Vertreter des neuen Albums: Superhuman Touch. Denn blutrotes Licht sorgte diesmal für Erhellung und von natürlichem Nebel fehlte jede Spur. Noch dazu war es stickig heiß, so heiß, dass Sänger Joel sich schon nach drei oder vier gespielten Songs seiner Weste entledigte und dem Flex den Titel „hottest location on tour so far“ verlieh. Aber er hat ja gut reden, der Engländer, der auch im Winter von seinem Golfstrom zehren kann, während es an diesem Donnerstag nur knapp über 0°C hatte. Eisige Windböen trugen auch nicht gerade positiv zur subjektiven Wärmeempfindung bei und so war man ob der wohligen Wärme doch sehr zufrieden. Oder, um es mit Athlete zu sagen: „oh it's getting hot in here, there must be something in the atmosphere.“Meteorologisch, wenn man so will, ging es auch weiter, es folgte nämlich Hurricane, dem Hit vom ´07er-Album Beyond The Neighbourhood.Den Black Swan Song kündigte Joel, wie auch am Haldern und wohl auf der ganzen Tour, mit einer netten kleinen Widmung an seinen verstorbenen Großvater an. Seitdem wüsste er, dass der Tod nicht uneingeschränkt furchtbar sei. Wer die ganze Geschichte will muss sich schon selbst einen Abend mit den Londonern geben. Dies ist allerdings nur mehr mit Meeresüberquerung möglich, die restlichen Tour-Termine liegen ausnahmslos auf der Insel bzw. in Übersee (NY).El Salvador wird auf dieser Tour zwar nicht berücksichtigt, aber vielleicht auf der nächsten. Im Flex war es jedenfalls Bestandteil der Setlist.Um halb elf schließlich verabschiedeten sich Athlete von der Bühne, um zwei Minuten später leicht dezimiert in Person von Joel wieder zurückzukehren. Fünf Minuten hätten sie noch, meinte er und legte auch gleich los mit Love come rescue. Das ist eine der Dinge, die mich am Flex stören: Konzerte können maximal bis elf dauern, dann beginnen die Electro-Club-Formate alles niederzuwalzen. Diesmal der Übeltäter: das „Beat It“. Kein schöner Name und sympathischer wurde mir das in den Startlöchern scharrende Programm auch nicht.Eine Viertelstunde sollten Athlete aber schließlich doch noch am Werk sein und mit Wires stand dann ihr größter Hit am Programm, das dann auch die hinterste Reihe mitsingen konnte.So war letztlich auch der kritische Joel mit der Leistung des Publikums zufrieden, er käme gerne wieder, meinte er, doch das beste Konzert auf Tour wäre Luzern in Switzerland gewesen.Insgesamt also ein sehr, sehr netter Abend, zwar kein allzu besonderer, aber ich freu mich schon wieder auf das nächste Konzert der Erdbeereis-Band. Diesmal auch gern wieder woanders.
Setlist Athlete, Flex, Wien: 01: Superhuman touch 02: You got the style 03: Half life 04: Shake those windows 05: Hurricane 06: Black swan song 07: Tourist 08: El Salvador 09: One million 10: Magical mistakes 11: Westside 12: The outsiders 13: Twentyfour hours 14: The getaway 15: Love come rescue (Joel Pott solo) (Z) 16: Light the way (Z) 17: Wires (Z)Links:
- aus unserem Archiv:
- Athlete, Köln, 14.10.09
- Athlete, Haldern, 14.08.09
- Athlete, Köln, 12.12.07
um
23:58
Konzert: Athlete
Ort: Luxor, Köln
Datum: 14.10.2009
Zuschauer: so gut wie ausverkauft
Dauer: gut 85 min
Wenn ich ganz ehrlich bin, wäre ich vor ein paar Monaten an einem solchen Abend ganz sicher nicht
zu Athlete gegangen. Da hätte ich seit Ewigkeiten keine Platte der Band mehr gehört gehabt. Ich wäre zwar irgendwie sicher gewesen, Athlete zu mögen, aber ich mag auch Erdbeer-Eis und esse es sehr selten. Vermutlich hätte ich mich, wenn ich schon in einer solch anstrengenden Woche zu einem Konzert gegangen wäre, dann für Julie Doiron oder die Felice Brothers entschieden. Auf die Idee, Athlete zu sehen, wäre ich im Leben nicht gekommen.
Und dann war Haldern. Bei einem Festival sieht man sich ja eher einmal solche Erdbeer-Eis-Bands an, wenn nicht gerade parallel etwas Spannenderes passiert. Auf der Bühne unseres Lieblingsfestivals lösten die Engländer dann den gleichen Effekt bei mir aus, wie vorher nur Travis oder I Am Kloot, sie überraschten mich mit einem sensationell guten Konzert, das ich so nie erwartet hätte. So ein Auftritt, bei dem ich mir immer wieder dachte "ach, das Stück gibt es ja auch noch, das ist großartig!" Athlete reihten sich
also in die Liste der zu unrecht unterschätzten Bands ein, denn mit ihrer Hitdichte und ihrer mitreißenden Art, die vorzutragen, gehören sie in größere Läden als das Luxor.
Ich konnte natürlich auch nicht einschätzen, wie viele Leute wohl an solch einem Dienstag zu Athlete kommen würden. Auf der Straße vor dem Club stand kaum jemand, als ich ankam, bei der Kälte aber eigentlich kein Wunder. Drinnen füllte es sich aber schnell recht gut. Als der Roadie mit dem Foo Fighters Shirt gegen neun Lichtzeichen
gab, daß es gerichtet wäre, war der Club voll.
Athlete besteht eigentlich aus vier Musikern. Auf Tour kommt ein zweiter Gitarrist dazu; ich glaube, es war Johnny Pilcher. Zur Stammbesetzung der Band aus London gehören Sänger und Gitarrist Joel Pott, Bassist Carey Willets, Keyboarder (wichtig!) Tim Wanstall und Schlagzeuger Stephen Roberts. Gemeinsam haben alle fünf, daß sie nicht sonderlich nach Musikern aussehen, zumindest nicht nach der Sorte, die sich als schlechte Vorbilder eignen. Sie wirken sehr sympathisch, eher gemütlich. Der wildeste Mann auf der Bühne war der Roadie, der das auch später
noch beweisen sollte. Für eine Band, die auch in den aktuell schwierigen Zeiten für Musiker, sicher gutes Geld verdient hat, macht auch Frontmann Joel einen verflucht bescheidenen Eindruck. Ich nehme den fünfen hundertprozentig ab, daß ihnen auch Dienstagabend-Auftritte in einem kleinen düsteren Club in Köln mächtig Spaß machen. Da war keine Routine oder großspuriges Runterjammern der Stücke zu spüren. Und das verbindet sie eben mit Bands wie Travis oder auch Coldplay. Mir ist es dann doch vollkommen egal, ob es indie ist, zu solchen Radiobands zu gehen, wenn
deren Auftritte so viel glaubwürdiger sind, als die von irgendwelchen Glasvegassen. So indie wie Athlete werden die nie sein.
Athlete haben im Sommer in England ihr mittlerweile viertes Album veröffentlicht. Black swan (schwarze Schwäne sind das Tier des Jahres...) erreichte eine Top 20 Plazierung in den britischen Charts. Die erste Single der Platte Superhuman touch eröffnete den Abend. Auch wenn die Platte in Deutschland bisher nur als Download erschienen ist, sang der Saal auch bei den neuen Sachen sehr
textsicher mit. "Ihr habt euch das Album bestimmt von einem Freund in England besorgen lassen..," bestätigte Joel das.
Auch wenn ich unter den neuen Liedern, die ich mangels Freund in England noch nicht besitze, keine Ausfälle gehört habe, kommen sie nicht an die Knüller der ersten drei Platten ran. Titel wie Twentyfour hours oder Shake those windows sind da unerreicht. Aber Magical mistakes oder The getaway sind schon gut...
Als Athlete nach geschätzten 40 Minuten von der Bühne gingen, waren in Wahrheit 70 Minuten vorbei - scheinbar ein extrem kurzweiliger Abend!
Natürlich war Wires, der größte Hit bisher, letzte Zugabe dieses wirklich sehr guten Konzerts. Eine
extrem sympathische und ulterhaltsame Band, diese fünf karohemdentragenden Jungs aus England!
Und dann war da noch der Auftritt des Roadies, der laut Joel am längsten "Yeaaaah" schreien könnte. Also kam der am ehesten nach Rockstar aussehende Mann des Abends ans Mikro und brüllte. Eigentlich eine schrecklich doofe Szene. Aber heute nicht...
Setlist Athlete, Luxor, Köln:
01: Superhuman touch
02: You got the style
03: Half life
04: Shake those windows
05: Hurricane
06: Black swan song
07: Tourist
08: El Salvador
09: One million
10: Magical mistakes
11: Westside
12: The outsiders
13: Twentyfour hours
14: The getaway
15: Love come rescue (Joel Pott solo) (Z)
16: Light the way (Z)
17: Wires (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Athlete, Haldern, 14.08.09
- Athlete, Köln, 12.12.07
- fremde Federn: Pretty Paracetamol über Athlete im Luxor
- mehr Fotos
um
09:25
Konzert: AthleteOrt: Haldern-FestivalDatum: 14.08.2009Zuschauer: Platz sehr gut gefülltDauer: 77 min
Das hatte ich nicht erwartet! Der Paolo Nutini Ersatz (haha!) Athlete, diese Band, die ich eigentlich in den letzten Jahren vergessen hatte, spielte Schön-Wetter-Pop der allerbesten Sorte, erledigte den Headliner-Job dermaßen souverän und sympathisch, als hätte die Band nie etwas anderes getan. Dabei spielen Athlete sonst anderswo im Lineup. "So spät treten wir sonst nie auf!" Solltet ihr aber, das steht euch ausgezeichnet.
Auch wenn wir Paulo Nutini mögen würden, müsste man die Haldern Macher untertänigst beglückwünschen, solch gutes Händchen kurzfristig zu haben. Wir mögen ihnen aber auch noch danken für dieses zusätzliche Konzert!
Setlist Athlete, Haldern-Festival:01: neu02: You got the style03: Half light 04: Shake those windows05: Hurricane06: Black swan song (neu)07: Tourist08: Westside09: Love come conquer (?) (neu)10: One million11: Magical mistakes (neu)12: The outsiders13: Twenty four hours14: The battery (neu)15: Wires16: El Salvador
Links:
- Athlete am 12.12.07 in Köln
- Fotos von Athlete vom Haldern-Festival
um
22:56
Konzert: Athlete
Ort: Prime Club Köln
Datum: 12.12.07
Wenn die Welt gerecht wäre, dann würden Athlete Stadien füllen. In Zeiten, in denen MySpace Helden das Palladium ausverkaufen oder Britgröhl-Gruppen das E-Werk füllen, sollte es einer Band, die einem guten zweiten Album ein sehr gutes drittes folgen lässt, doch vergönnt sein, grössere Aufmerksamkeit zu erhaschen. Und um die Verwunderung bzw. die Ungerechtigkeit komplett zu machen, die Sache mit dem guten zweiten Album ist den erstgenannteren bekanntlicherweise nicht so recht geglückt.
Doch Athlete spielen nur im kleinen Prime Club. Doch das gute Menschen einen Gerechtigkeitssinn haben zeigte sich daran, daß zum Dank der Prime Club dann ausverkauft war.
Als Vorband wurde Iain Archer verpflichtet. Ein ganz hervorragender Singer / Songwriter (Zitat Athlete Sänger Joel Pott), dem es sichtlich Spass bereitete hier aufzutretender. Zu Beginn in typischer Alleinunterhaltermentalität mit umgeschnallter Gitarre, wurde sein Set zum Ende hin immer lauter und rockiger. Was natürlich auch daran lag, dass er nun nicht mehr alleine auf der Bühne stand sondern mit Schlagzeug und Bass begleitet wurde. Thematisch passte Iain Archer sehr gut zu Athlete. Eine sinnvolle und gut ausgewählte Konzertergänzung.
Zum Athlete Auftritt fiel mir gestern Abend gegen elf Uhr folgendes ein:
Mensch, du bist gerade mittendrin, im Konzert des Jahres!!!
Zu diesem Zeitpunkt, das Konzert war gut eine dreiviertel Stunde alt, haben Athlete bereits alle grössten Hits abgespielt. Ob sie nun “Hurricane”, “I am Tokyo” oder “Airport Disco”vom neuen Album “Beyond the neighbourhood” oder “Wires”, “Half light”, “Changes” und “Tourist” vom Vorgängeralbum “Tourist” heissen. In diesem Moment wurde einem erst so richtig bewusst, wieviel excellente Songs diese Band aus dem Londoner Stadtteil Deptford auf ihren letzten beiden Alben angessammelt hat. Und die grösseren waren bis dahin noch nicht einmal dabei. Aber der Reihe nach:
Eröffnet wurde der Abend mit “I am Tokyo”, ich glaube der neuen Single. Ein Smasher, der gleich vom ersten Ton an klarstellte, was heute Abend Sache sein wird. Nämlich das es nichts wird mit einem seichten, ruhigen Vorweihnachtskonzert. Wer die Stücke auf CD hört entdeckt diese leicht melancholische Grundstimmung, die sich wie ein roter Faden durch die Alben zieht. Man hört viel Klavier und /oder ruhig- harmonische Keyboards, seltener laute Gitarren.
Hier sind Athlete die besseren Coldplay. Was natürlich mal wieder ein grottenschlechter Vergleich ist, aber wie schon bei den Editors muss sich auch diese Band immer wieder mit Chris Martin und Co vergleichen lassen. Und alles nur wegen eines Klaviers und verwandter Songstrukuren. Das neue Album erweitert diese um leichte elektronische Sequenzen, die einen an die Post “OK Computer” Phase von Radiohead erinnern.
So erwartete ich ein ruhiges Konzert, bei dem man locker minutenlang in sein Bier weinen kann. Doch es kam anders. Die 5 Athleten ordentlich Dampf. Sänger Joel Pott ist die geborene Rampensau, der alle grossen Gesten studiert hat und sie einwandfrei beherrscht. Im Unterschied zu vielen anderen britischen Bands führte er einen regen Austausch mit dem Publikum. Hier eine Ansage, dort eine Anekdote über Dickmilch und Yoghurt. So entwickelte sich ein famoser Auftritt, der Prime Club war begeistert. Von den letzten Konzerten war dieses das mit den meisten Händen in der Luft. Live schaffen es Athlete immer wieder hervorragend, ihren Stücken eine Dynamik mitzugeben, die man beim Hören der CD nicht vermuten würde. Durch die Bank werden sie einen Tick schneller gespielt, die Gitarren treten stärker in den Vordergrund und verleihen dem ganzen einen rockigeren Anstrich. Der Mitklatsch- und Mitwippkompatibilitätsfaktor steigt enorm.
Athlete sind unbedingt eine Konzertempfehlung. Klasse vorgetragene Songs und gutes Entertainment. Ich hoffe, dass sie ihre Ankündigung wahr machen, und nächstes Jahr wiederkommen. Haldern wäre ein guter Ort zum verweilen.
Hatte ich es schon gesagt. Konzert des Jahres!!!
von Frank von Pretty Paracetamol