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um
12:22
Konzert: New Fall Preview-Bela B. + Band
Ort: Sipgate Campus Düsseldorf
Datum: 30. 09. 2017
Dauer: 120min
Zuschauer: ca. 250
Die Festivalsaison scheint vorüber, aber nur fast. Pünktlich zur Blätterfärbung meldet sich das New Fall Festival zurück und bietet, wie schon in letzten Jahren mit Olli Schulz und Asgeir, treuen Kombi-Ticketkunden und Förderern ein intimes Preview-Konzert.
Wieder im perfekt dafür ausgelegten Firmengelände von Sipgate, einem Sponsoring, das wirklich Sinn macht. Hier scheint die Symbiose von Arbeit und Freizeit zu stimmen, so offen und freundlich wirkt die Anordnung von "Kantine", Büros und funktionalem Außengelände in einem Düsseldorfer Hinterhof.
Auf der Bühne, nicht weniger als ein Schwergewicht der deutschen Musikszene. Nachdem Bela B. zunächst seine Herbsttournee komplett ausfallen ließ, spielt er hier in kleinstem Rahmen eine sympatische Werkschau seiner Soloalben.
Begleitet wird er von einer großartigen Band (Peta Devlin & Smokestack Lightnin), alle einheitlich in Westernhemden gekleidet, wird hier nicht nur ein Standardset geboten. Trotzdem präsentiert sich Bela B. zunächst eher als eigene Vorband.
Die erste Stunde wirkt noch etwas steif und bemüht, doch als man schon das baldige Ende erwartet, kommt es besser. "Vampir mit dem Colt" läutet den zweiten und wesentlich unterhaltsameren Teil des Abends ein, alles wirkt lockerer und gelöster. Die Versionen und gefürchteten Ansagen zwischen den Songs länger, die Weißweingläser auf der Bühne leeren sich schneller.
"Bausparvertrag" und "Einer bleibt liegen" scheinen das Finale einzuleiten, aber spätestens als der Soundmann bei der nicht geplanten Zugabe des Ärzte-Klassikers "Manchmal haben Frauen" die Hände vor den Kopf schlägt, ist der Abend gerettet.
Dabei soll das alles hier doch eigentlich nur auf das im November stattfindende Festival aufmerksam machen. Mit Konzerttagebuch-Lieblingen wie Glen Hansard, Michael Kiwanuka oder Sophia wird klar, dieses Jahr wird kein schlechtes.
Die obligatorischen "schönen Orte", seit jeher ein fester Bestandteil im Konzept dürften mittlerweile bekannt sein, die Regel sind sie leider noch lange nicht, vergleicht man sie mit dem tristen Industriehallen-Charme vieler Kölner Konzerte.
Bela B. dagegen wähnt sich mittlerweile auf einer Firmen-Betriebsfeier. Von der Empore fallen Blätter der zu Beginn geforderten nackten Hinterteile vom Kopierer und nicht nur die vielen Freigetränke lassen das Ende zu einer großen Party werden.
"Streichholzmann" und die vierte Zugabe "Missgeschick und Blei" beenden dann einen unerwartet ausgelassenen Abend.
Ein ausführlicher Vorbericht, auch für das Zwillingsfestival in Stuttgart folgt in den nächsten Tagen. Es lohnt sich.
um
14:53
Konzert: New Fall Festival - Lucy Dacus
Ort: Düsseldorf, Capitol Theater
Datum: 30.10.2016
Dauer: 35min.
Zuschauer: ca.200
Lucy Dacus aus Richmond/Virginia bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland zu bewundern war ein Vergnügen. Die CD "No Burden" erschien hier bereits im September, aufgenommen wurde sie an nur einem Tag in Nashville.
Das klingt nach Punk und DIY, geboten wird aber feinster Indiepop, schließlich ist Lucy Dacus beim Matador/beggars group (Indigo) Label unter Vertrag.
Vergleiche kommen einem sehr schnell in den Sinn. Bei neuen Künstlern ist das normal. Hier sind es Courtney Barnett oder in den ruhigeren Stücken Aimee Mann, deren Stimmlage und Ausdruck ähnlich sind.
Die Texte bilden schnell einen einen kleinen, feinen eigenen Kosmos. Während zum Beispiel Barnett mit ihren ausschweifenden und burschikosen Alltagsgeschichten und ihrem punktierten Sarkasmus ganz eigene Welten entwirft und Aimee Mann oft zu zurückhaltend und kühl, manchmal gar oberlehrerhaft daherkommt (bei aller Klasse), schlägt Dacus eine ganz andere Richtung ein.
Leise Ironie und das Scheitern im täglichen Alltag mit all seinen kleinen und großen Problemen sind ihr Thema. Wie sie das hier im schönen Club des Capitol Theaters auf die Bühne bringt, ist für eine so junge Künstlerin außergewöhnlich.
Immer wieder hält sie die riesige Gitarre wie einen Ritterschild senkrecht vor sich und gibt dem Set damit viel Ruhe und Raum, den die Band dann nutzen kann.
"I don`t wanna be funny anymore", die Single mit dem bisher größten Hitpotential ist dann auch textlich ein guter Indikaton für ihre Sicht auf die Dinge:
"I got too short skirt, mybe i can be the cute one.
Is there room in the band ?. I don`t need to be the front man.
If not, Ì`ll be the biggest fan."
Während sie solche Sätze singt, schaut sie mit ihrem immer etwas traurigen, zugleich aber auch verschmitzten, kleinen Lächeln und ihren knallrot geschminkten Lippen ins Publikum.
Eine junge Frau, die schon viel zu erzählen hat und dies in nicht alltägliche Worte und Geschichten zu kleiden vermag.
Hoffentlich sehen wir Lucy Dacus nächstes Jahr auf einem der vielen Festivals wieder. Musiker, die Songtitel wie "Troublemaker Doppelgänger" hervorbringen, können gar keine schlechten Menschen sein.
Mehr davon.
Fotos: New Fall Festival
um
13:08
Konzert: New Fall Festival - Kate Tempest
Ort: Düsseldorf, Capitol Theater
Datum: 29.10.2016
Dauer: 60 min
Zuschauer: ca. 1.200
Wohl kaum ein Künstlerin war in den letzten Wochen so oft in den Medien anzutreffen wie Kate Tempest. Erst gab es überall Lobeshymnen für ihren Debütroman, dann folgte vor kurzem noch das neue Album "Let them eat Chaos".
Wie viele Feuilletonleser sich aber wirklich schon mit dem sperrigen Werk auseinander gesetzt haben, bleibt unklar. Das Capitol war jedenfalls in sehr gespannter Erwartung, schließlich handelte es sich um eines der allerersten Konzerte zur neuen Platte.
Wer Kate Tempest schon einmal erleben durfte, konnte sich die berechtigte Frage stellen, wie die Intensität der letzten Auftritte denn nun noch gesteigert werden sollten. Wenn die Messlatte an Emotionen und Tempo so hoch liegt, werden viele Erwartungen geweckt.
Ein Problem, das wohl auch Tempest erkannt hat. Daher beginnt sie vor dem eigentlichen Start zunächst mit einer kleinen Bedienungsanleitung: Handys sind bitte in der Tasche zu lassen. Wir sollen "bei ihr" und "mit ihr" sein. Auch die Bestuhlung soll bitte keine Distanz zum Geschehen auf der Bühne zulassen.
Punkt eins sollte kein Problem werden, bei der Distanz wurde es etwas komplizierter. Kate Tempest präsentiert in Folge nämlich kein Konzert, sondern ein einstündiges, verbales Musical ohne Showbeilage.
Alles spielt sich im Kopf der Künstlerin und der Zuschauer ab. Band und Licht, sowie das Auftreten von Tempest sind reines Mittel zum Zweck und völlig unprätentiös.
Und so folgt man ihren ständigen Themen von Jugend und Kapitalismus, von Großstädten und Einsamkeit, falschen Träumen und nicht erfüllten Wünschen.
Einmal gefangen in diesem Sog der Worte und den derben, unterkühlten Beats, gibt es kein Entrinnen mehr. Keine Pause, keine Chance innezuhalten, um das Gehörte zu reflektieren. Nicht einmal Applaus oder Zwischenrufe sind möglich.
Dabei bleibt manchmal unklar, in wie weit Kate Calvert (ihr richtiger Name) hier nur ihr Alter Ego "Kate Tempest" präsentiert, und ob das Ganze nicht doch nur eine Kunstfigur ist. Calvert jedenfalls äußerte in einem Interview kürzlich, sie sei eigentlich eine "Optimistin".
"Das Leben ist wundervoll, manchmal stimmt nur eben die Balance nicht".
Diese Sichtweise ist hier und heute, wenn überhaupt, weit unter allen Parolen, der Wut sowie den tiefsten Industrialbässen vergraben.
"We are lost, we are lost..." ist das Mantra des Abends. Nicht ganz klar wird, ob es trotz der ganzen Probleme des aktuellen Kapitalismus nicht auch noch andere Schauplätze auf der Welt gibt, denen man seinen Pessimismus der Menschheit aufdrücken könnte.
Das Konzert ist jedenfalls in vielerlei Hinsicht ein Schlag in die Magengrube. Tempest seziert das Leben der sieben Londoner um 04:18 am Morgen aus ihren Sichtweisen, und hier wird ein großer Unterschied zu meiner Jugend schnell klar.
Während es bei uns nur um die Selbstfindung innerhalb einer der Jugendkulturen ging, sind es heute die verschiedenen ethnischen Gruppen, die die Unterschiede der Kultur des Landes definieren. London als Schmelztiegel ist dafür die perfekte Kulisse.
Der Stil ihres Vortrags bleibt einzigartig. So wahnwitzig wie hier Wortfetzen, Poems und Lyrics verbunden werden, ist es eine völlige Reizüberflutung durch Sprache, die ohnegleichen ist.
Wahrscheinlich sind auch die besonders starken Bilder in ihren Texten der Kunstform des Rap, die sie ja eigentlich hier vorträgt, entliehen. Tempest macht des dem Zuhörer hier nur schwerer, da sie nie in völlige Überhöhung abgleitet, sondern die Szenarien immer einen realen Hintergrund haben.
Nach fast 60 Minuten begrüßt man fast erleichtert das Saallicht. Tempest verbeugt sich kurz mit ihrer Band am Bühnenrand und verlässt dann grußlos das größtenteils überforderte Publikum.
Im Foyer wird danach angeregt diskutiert: "Darf ein Konzert durchweg schlechte Laune verbreiten ?, war Tempest arrogant im Umgang mit ihrem Publikum ?, ist es Kunst ?, oder doch nur ein Lichtblick im sonst so unpolitisch gewordenen Kulturalltag des Pop ?".
Ich finde es wird sich bald entscheiden, ob Tempest auch andere Themen für sich in dieser Qualität besetzten kann als die, die sie durch ihre Sozialisation selber durchlebt hat. Erst dann wird sich zeigen, zu was die Autorin Tempest, neben ihrer fantastischen Bühnenpräsenz, noch fähig ist.
Fotos: FotoSchiko/New Fall
um
12:41
Konzert: New Fall Festival Tag 2
Ort: Düsseldorf
Datum: 28.10.2016
Am zweiten Abend des New Fall Festivals gab es gleich zwei Premieren. Nicht nur, dass mit der Verpflichtung von Regina Spektor ein einmaliger Coup gelungen war, auch die CCD Stadthalle wurde zum ersten Mal Mittelpunkt eines Konzertabends beim New Fall.
Glück hatte allerdings, wer in den beiden Mittelblöcken saß, am Rand sollte durch den zentral aufgebauten Flügel die Sicht auf die Künstlerin doch sehr eingeschränkt bleiben.
Der von außen sehr kühl und außerhalb der Stadt liegende Bau, innerhalb der Messe Düsseldorf, bietet im Saal für seine Größe allerdings eine schöne Atmosphäre mit perfektem Klang.
Mehr zu Regina Spektor folgt in den nächsten Tagen noch ausführlich von Christoph und Gudrun (Konzert in Stuttgart). Vorab nur soviel: Regina Spektor waren die lange Live-Pause und der Jet-Lag bei einigen Aussetzern anzumerken. Die charmante und liebevolle Art wie sie mit diesen Problemen umging, waren jedoch beeindruckender als ein perfekt durchgeplanter Abend.
Danach war etwas Hektik angesagt. schließlich wollten viele noch um 22:30 Uhr zu Dillon in den Robert-Schumann-Saal. Gut beraten war, wer sich schon vorab den Weg zum Parkautomaten gemerkt hatte...
Am Ende aber klappte alles hervorragend. Dillon begann einfach etwas später und der ebenfalls fast vollständig gefüllte Saal blickte auf einen recht bizarren Bühnenaufbau.
Neben den erwarteten Mikrofonen für den angekündigten Chor und einem Keyboard gab es noch einen der üblichen "Apple"-Arbeitsplätze für die Beats und eine Art riesige Satellitenschüssel als Lichtinstallation in der Mitte der Bühne.
Ansonsten von einer echten Licht-"show" zu sprechen wäre wohl zuviel verlangt. Fast durchgängig schwarz blieb die Bühne während des ganzen Konzerts. Nur einzelne Spots, meist wie Suchscheinwerfer angeordnet, durchzuckten den dunklen Saal.
Passend zur Musik war das allemal, und hier zeigte sich schnell das riesige Potential der immer noch sehr jugendlich wirkenden brasilianischen Sängerin, die ja schon seit längerem in Berlin ihr zu Hause gefunden hat.
Mit ihrer tiefen, und zutiefst souligen Stimme sorgt sie für eine unglaublich emotionale Performance inmitten der düsteren und schleppenden Beats. Der Chor ist präsent aber nicht zu sehr im Mittelpunkt und gibt den besten Songs der beiden Alben eine zusätzliche Intensität.
Ein paar der besten Stücke kommen etwas früh im Set. Das immer noch bezaubernde "You are my winter" sowie eine wundervolle Version von "Tip Tapping", in der das Publikum im Kanon gegen den Chor singt, sind die Highlights des späten Abends.
Vor den Zugaben wird es dann etwas beatlastiger und heller auf der Bühne, endlich kommt auch die "Sat"-Schüssel als Kaleidoskop zum Einsatz.
Nach Ende des regulären Chor-Sets dann noch Dillon Solo am Keyboard mit ruhigeren Songs, die einen nach 24:00 Uhr in die Nacht entlassen.
Schluss war damit aber immer noch nicht...Im Club des Capitols wartete noch der Rest des NRW-Abends. Also rein in die gute Stube des Clubs, der eigentlich eine wunderschöne Halle ist.
Fünf Bands spielen hier auf, der NRW-Abend ist seit Jahren fester Bestandteil des Programms und auch an diesem Abend sehr gut besucht. Immerhin gab es hier bereits vor Jahren Perlen zu entdecken die bereits jetzt die großen Hallen füllen.
Die "Giant Rooks" sind gerade auf der Bühne, und genau wie beim Haldern Pop können sie auf ganzer Linie punkten. Eine Band die ihren Weg machen wird. Toller Indiepop, gerade noch als Support für "The Tamper Trap" unterwegs, der einfach Spaß macht. Klaus Fiehe (1Live) hält sie für die beste Band aus Hamm seit 30 Jahren. Da hat er wohl wie immer recht.
Die abschließenden "Moglebaum" sind dann leider gar nicht mein Geschmack. Gefälliger Elektropop mit Saxophon regt zwar grundsätzlich immer zum Tanzen an, weder die Songs noch das etwas anstrengende Bühnengehabe der Band wirken aber besonders einladend.
Doch das soll nicht den Abend voller toller Momente und erstaunlicher musikalischer Bandbreite schmälern. Bald mehr zum dritten Tag mit "Kate Tempest".
Fotos Dillon: Michael Graef
um
16:06
Konzert: New Fall Festival
Ort: Düsseldorf
Datum: 27.10.2016
Tag 1 - ohne Worte
Bereits um 18:00 Uhr begann das erste Konzert am Donnerstag. Eine Zeit, in der in Düsseldorf normalerweise die gegenüberliegende Börse gerade erst ihre Halbtagskräfte in die Abendsonne entlässt. Trotzdem füllte sich der Platz vor der mächtigen Johanneskirche bereits früh.
Grandbrothers bespielten das Gotteshaus, und das passte einfach. Die großartig restaurierte Kirche mitten auf dem Martin-Luther-Platz gelegen, wird nach den weiteren Umbauten im Stadtbild einen noch präsenteren Platz erhalten. Weniger Autos und mehr Ruhe könnten dann für das New Fall Festival ein zentraler Anlaufpunkt sein.
Schon dieses Jahr finden diverse Konzerte hier statt, unter anderem zwei ausverkaufte Abende mit Agnes Obel.
Grandbrothers jedenfalls machen laut Zeitungen mit viel Text und wenig Bildern "kontemporäre Klaviermusik". Das klingt langweilig und bemüht, und sollte als Bezeichnung für moderne Musik verboten werden. Denn schon der Aufbau, vor dem großen Jesuskreuz ist beeindruckend.
Ein schwarzer, geöffneter Flügel, aus dem gefühlt hunderte Kabel, befestigt mit Krokodilklemmen, herausragen und in ein Wirrwarr aus elektronischen Geräten münden. Unter zwei Stunden Aufbau ist das wohl nicht zu machen.
Schon nach wenigen Minuten versuchen Erol Sarp und sein alter Studienkollege aus Düsseldorf (Lucas Vogel), den Prozess zur Erzeugung der Töne zu erläutern, ganz gelingt das nicht.
Egal, die Musik in diesem Raum klingt jedenfalls erhaben und druckvoll. Grandbrothers spielen auch diverse Stücke aus einem noch nicht fertig gestellten, zweiten Album. Ein Bruch entsteht dadurch nicht. Es ist sowieso vielmehr der Sound als solcher, der hier beeindruckt.
Das Organische des Flügels, neben den verfremdeten Geräuschen des gleichen Instruments aus den Laptops. Ein wirklich interessanter und neuer Ansatz, der hier viel besser zum Ausdruck kommt als auf Platte.
Die Musik ist weder zu rhythmisch und beatlastig, noch zu melodisch um zu langweilen.
Ein toller Start in den Abend, begleitet durch das Lichtspiel der untergehenden Sonne an den bunten Kirchenfenstern.
Dann schnell weiter zu Düsseldorfs Kunstmeile. Der Robert-Schumann-Saal befindet sich im Komplex des Museum Kunstpalast. Direkter Zugang zum Rhein mit Blick auf die komplette Altstadt machen den Park vor dem Museum schon zu einer Attraktion.
Im mit Holz vertäfelten, voll bestuhlten Saal, betritt die Vorgruppe von Explosions in the Sky die Bühne. Oft ist es ja der eilig verpflichtete Lokal-Support, (also eine Band aus der Nähe des Ortes, die der Veranstalter dazubucht, um dem ganzen einen Rahmen zu geben) der einem den Musikabend gründlich vermiesen kann, doch das ist hier ganz anders.
Shipwrecks aus Köln, eine wirklich fabulöse Post-Rock Band, hätte wohl keinen besseres Publikum finden können, um diesen Abend zu eröffnen. Melodische Wall of Sounds, perfektes Timing und eine Ausnahmekünstler am Schlagzeug bieten ein durchweg großartiges Set ohne Schwächen. Unbedingt merken.
Explosions in the Sky konnten dann, mit besserem Licht (es gab eine wunderschöne Choreografie aus nur am Boden drehenden LED-Batterien und Nebel) und merklich lauterem und noch druckvollerem Sound, doch noch nachlegen. Allerdings klang das alles sehr professionell und ein wenig zu abgeklärt.
Die Band ist allerdings auch schon seit über einem halben Jahr auf Tour, eventuell war da auch etwas Müdigkeit im Spiel.
Trotzdem gab es einen bunten Mix mit Schwerpunkt vom neuen, auf CD ja eher ruhigeren Album. Nach nur ca. 70 Minuten war dann allerdings auch schon ohne weitere Zugabe Schluss.
Drei Bands ohne "Worte" (Gesang) an einem Abend hatte ich auch noch nie. Geschadet hat es gestern überhaupt nicht. Voller großer Melodien ging es durch den kühlen Nachthimmel zurück nach Hause. New Fall halt.
Setlist:
Explosions in the Sky
01: Wilderness
02: The Birth and Death of the Day
03: Yasmin the Light
04: The Ecstatics
05: First Breath after Coma
06: The only Moment we were alone
07: Catastrophe and the Cure
08: Your Hand in mine
09: Colors in Space
10: Disintegration Anxiety
11: The moon is down.
Fotos: Explosions in the Sky/Michael Graef
um
14:12
Neben dem hervorragenden Lineup sind die besonderen Säle die Hauptargumente für diese Festivals, welches dieses Jahr am gleichen Wochenende auch erstmals in Stuttgart stattfindet.
Für Düsseldorf sind sowohl die Johanneskirche, als auch der auf der anderen Seite des Ehrenhofs gelegene Robert-Schumann-Saal, Glücksgriffe für Konzerte. In Stuttgart werden sogar das Schloss sowie alle drei Säle der Liederhalle bespielt.
Das New Fall Festival ist kein klassisches Indie-Musikfestival. Es ist eher mit Veranstaltungen wie dem Montreux Jazz Festival vergleichbar. Ein bis drei Konzerte pro Tag mit jeweils ein bis zwei Künstlern, kein Ganztagsprogramm. Wem Gummistiefel und Bier in Bollerwagen wichtiger sind als Konzerte, wird keinen großen Gefallen am New Fall Festival finden, für Musikliebhaber ist es perfekt.
Zusätzlich gab es am Sonntag in Düsseldorf für einige, frühzeitige Kartenkäufer (hier: "Believer" genannt) wieder mal ein besonderes Extra: "Olli Schulz" spielte ein kleines, geheimes Gratiskonzert vor circa 150 Gästen. Auch das ist das New Fall Festival.
Über das Konzert einen separaten Bericht zu schreiben wäre schwierig. Es klang wirklich wie ein Wohnzimmerkonzert unter Freunden. Viel kauziger Witz, verstimmte Gitarren und Freibier waren aber viel schöner als ein weiteres Konzert von der Stange. Olli Schulz ist immer dann am besten wenn die Umstände widrig sind, der Abend war da keine Ausnahme.
Der offizielle Teil der diesjährigen Bestätigungen für beide Städte wirkt da weitaus seriöser: "Wilco", "Regina Spektor" und "Agnes Obel" dürften mit ihren Instrumenten keinerlei Probleme haben und versprechen durchweg grandiose Live-Abende.
"Kate Tempest" und "Explosions in the Sky" (beide nur Düsseldorf) haben wir bereits mehrfach als Pflichttermine empfohlen. Diesmal, in bestuhlten Hallen, dürfte es keine Ausreden mehr geben.
Beim NRW-Abend im Capitol-Club spielen dieses Jahr gleich fünf aufstrebende Bands, wobei die "Giant Rooks" bereits Haldern erprobt sind.
"Roosevelt" ist ja in aller Munde, sein Kölner Konzert ist bereits ausverkauft,
für Düsseldorf sind noch Tickets zu haben.
Besonders, und eine der letzten Bestätigungen ist der Support der "Silversun Pickups" am Sonntag: "Lucy Dacus" ist noch ein echter Geheimtipp.
Als weitere Neuerung gibt es dieses Jahr noch zwei Aftershow-Konzerte in einem neuen Düsseldorfer Hotel: "Sarah & Julian" sowie "Wyoming" spielen ab 23:00 Uhr im "Me and All Hotel".
Das Line-Up im Überblick mit Zeitplan und Orte
In Düsseldorf
26.10. Eröffnungskonzert: Jain | New Fall Düsseldorf 2016
27.10. Grandbrothers | New Fall Düsseldorf 2016
27.10. James Vincent McMorrow | New Fall Düsseldorf 2016
27.10. Explosions in the Sky – Support: Shipwrecks | New Fall DUS 2016
27.10. Brandt Brauer Frick | New Fall Düsseldorf 2016
28.10. NRW-Abend | New Fall Düsseldorf 2016
/w Blackberries, Goldroger, Moglebaum, The Day, Giant Rooks
28.10. Sarah & Julian | New Fall Festival 2016
28.10. Dillon & Chor | New Fall Düsseldorf 2016
28.10. Regina Spektor | New Fall Düsseldorf 2016
28.10. James Rhodes | New Fall Düsseldorf 2016
28.10. All The Luck In The World | New Fall Düsseldorf 2016
28.10. Agnes Obel l New Fall Düsseldorf 2016 l Zusatztermin
29.10. Agnes Obel | New Fall Düsseldorf 2016
29.10. Kate Tempest | New Fall Düsseldorf 2016
29.10. Roosevelt | New Fall Düsseldorf 2016
29.10. John Grant – Support: Frances | New Fall Düsseldorf 2016
29.10. Adam Green | New Fall Düsseldorf 2016
29.10. Wilco | New Fall Düsseldorf 2016
30.10. Silversun Pickups – Support: Lucy Dacus | New Fall Düsseldorf
30.10. Deine Freunde & RheinBrass | New Fall Düsseldorf 2016
In Stuttgart
27.10. Dillon | New Fall Stuttgart 2016
28.10. Wanda | New Fall Stuttgart 2016
28.10. BOY | New Fall Stuttgart 2016
28.10. Grandbrothers | New Fall Stuttgart 2016
29.10. Brandt Brauer Frick | New Fall Stuttgart 2016
29.10. Regina Spektor | New Fall Stuttgart 2016
30.10. Wilco | New Fall Stuttgart 2016
30.10. Agnes Obel – Support: Frances | New Fall Stuttgart 2016
30.10. James Rhodes | New Fall Stuttgart 2016
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