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Dienstag, 3. September 2019

Haldern Pop Festival, 1. Festivaltag, 8.08.19

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Haldern Pop Festival, 1. Festivaltag

Datum. 08.08.2019

Ort: Rees-Haldern, Niederrhein

Zuschauer: etwa 7000







Nach Paris mit dem Zug nach Haldern ! An jenem sonnigen 8. August 2019 war es mal wieder soweit. Wie schon in den Vorjahren kam ich auf dem Schienenwege von der Stadt des Lichts an den Niederrhein. Kein ganz so bequemes Unterfangen, denn zunächst ging es mit dem Thalys nach Köln, bevor mich ein alter IC nach Oberhausen brachte und schliesslich ein kleiner Regionalzug von Oberhausen nach Haldern die Reststrecke absolvierte. Bis ich da war, war es 18 Uhr, ich war also insgesamt 6 Stunden unterwegs. Vom Haldern Pop hatte ich deshalb schon ein paar Acts verpasst, denn im Dorfkern hatten die Festivitäten bereist gegen 13 Uhr begonnen. Sea Girls aus England hätte ich schon gerne gesehen, aber auch die psychedelischen, japanischen Experimentalmusiker Kikagaku Moyo hätten mir sicherlich gefallen. Sei's drum, man kann nicht immer alles haben! Hätte ich etwa um 7 Uhr morgens in Paris losfahren sollen? Dann wäre ich schon am ersten Tag platt gewesen. Ein alter Mann wie ich braucht seinen Schlaf! Und ein Hotel, denn Zelten geht für mich mit 48 Jahren nun wirklich nicht mehr.





Mein Hotel lag in Kalkar-Appeldorn, in einer alten Burg. Dort musste ich zunächst einmal hin, bevor ich mich in Haldern ins Getümmel stürzen konnte. Letztlich ging es für mich dann erst mit dem Schotten Gerry Cinnamon auf der Hauptbühne los. Netter Kerl, ganz allein unterwegs mit seinen hymnischen Songs, die den Haldernern gut gefielen.






Um 20 Uhr standen die jungen und sehr gehypten Briten Black Midi im Spiegeltent auf dem Programm. Eine der Bands der Stunde, die mit Schlagenheim im Juni ihr Debütalbum veröffentlicht hatten. Ausgerechnet auf Rough Trade, einem der britischen Kultlabels schlechthin!




Entsprechend voll war es im Spiegelzelt, aber ich als akkreditierter Fotograf hatte die Chance ganz vorne zu sein und alles gut zu sehen. Die Band präsentierte sich als Quartett. Allesamt junge Burschen, mit einem eher unscheinbar aussehenden Sänger. Am auffälligsten war zweifelsohne der sehr explosive Drummer Morgan Simpson, der in manchen Passagen aus allen Rohren schoss. Die gespielte Musik war nicht gerade leicht konsumierbare Kost. Noiserock, Mathrock, Experimental Rock, wie immer man es nennen mag, konventionell und sich an klassischen Songstrukturen orientierend war es jedenfalls nicht. Eher frei und wild, teilweise auch wirr, immer jedoch sehr laut. Schwer zu sagen, an wen sie mich musikalisch erinnerten. Battle würde ich sagen, oder Pere Übu, auch ein wenig The Fall war drin in dem wüsten Mix aus verzerrten Gitarren, kauzigem Gesang und plötzlich einsetzenden Schlagzeugsalven.



Sie spielten ihr Album quasi komplett runter und waren am Ende nassgeschwitzt und platt. Das Publikum war auf seine Kosten gekommen, die meisten Leute fanden den Auftritt sehr gut. Ich auch.

Setlist Oslo: (Quelle: setlist. fm)

Speedway
953
Of Schlangeheim
Near DT, Mi
Crows' Perch
Talking Heads
bmbmbm
Ducter


Dann ging es rüber für mich zur Hauptbühne, wo Kadavar nun loslegten. Eine deutsche Band, die aber auch schon auf französischen Festivals gespielt hat. Typen mit saulangen Mähnen wie in den 80 er Jahren, den Hochzeiten des Heavy Metal. Kadavar sind aber eher Stoner Rock oder Old School Metal der 70er. Schwerer Sound, Gesang der ein wenig an Robert Plant erinnerte und Riffs die einen in Mark und Bein trafen. Es gab definitiv auch eine psychedelische Note und damit lagen die Berliner natürlich im Trend. War handwerklich wirklich gut gemacht, entsprach aber nicht dem was ich mir zur Zeit so anhöre. Zu hart für mich. Oder ich bin zu weich.


Setlist Saint-Nollf, France (Quelle: setlist. fm)

Skeleton Blues
Creature For The Demon
Doomsday Machine
Into The Wormhole
Goddess Of Sawn
Living In Your Head
Die Baby Die
Come Back Life
All our Thoughts


Ich lief rüber Richtung Spiegeltent und hörte mir von draussen (es war noch so herrliches Wetter!) Robocobra Quartett an. Eine spannende Formation irgendwo zwischen Jazz (es gab viel Saxofon) und Indierock, voller Finessen und Ideen. Der Schlagzeuger war auch gleichzeitig der Sänger. Und der hatte eine tolle Stimme, mal krächzig, mal weich, mal völlig verzweifelt, dann wieder sehr ruhig. Ist natürlich alles ziemlich spezielle Musik, nicht sehr massentauglich. Gebucht werden sie meistens auf Insiderfestivals wie dem Reeperbahn , dem Eurosonic, SXSW, oder dem Great Escape. Und natürlich...auf dem Haldern! Danke an die Programmgestalter dafür!


Ich wanderte nun rüber Richtung Hauptbühne, um Giant Rooks zu sehen und zu fotografieren. In den ersten Reihen standen fast nur junge Mädchen, warum wohl? Weil die Musik so gut war? Oder die Jungs auf der Bühne so süss? Eher Letzteres. Das Ganze klang nach einem Aufguss der Kooks (Rooks, Kooks, welch ein Zufall!) und war eher etwas für Teenager als für grantige alte Säcke wie mich.

Ich ging nun in das oft sehr volle Niederrheintent. Zum Set von Tereza ging es aber, ich kam gut rein und stand weit vorne. Tereza ist eine sogenannte DJane, also ein weiblicher Dj, hatte aber mit Marushka nicht viel zu tun. Das war kein Techno, sondern eher Retrosound, R'n B und Funk. Ansprechend, aber nicht süchtig machend. Ich war nach 3 Liedern wieder draußen.

Gegen Ende des Tages gab ich mir noch ein wenig Gewalt. Keine körperliche Gewalt, die Band im Spiegelzelt hiess nur so. Angeführt von dem charismatischen Hünen Patrick Wagner gab es auch zwei fesche Damen an Bass (Rabea Errate) und Gitarre (Helen Henfling). Alle waren sie komplett weiss gekleidet, die Klamotten des Sängers waren allerdings extrem schmutzig, als hätte er sich im Schlamm gewälzt. Man sah aber auf Anhieb, dass die (Blut)Flecken extra auf die Klamotten gespritzt wurden.

Das Trio spielte Artpunk mit deutschen Texten, in der Presse las ich auch oft den Begriff existentialistischer Rock. Was das Ganze mit Camus zu tun haben sollte erschloss sich mir jedoch nicht so ganz und waren die Existentialisten in Paris nicht immer schwarz gekleidet und nicht weiss?

Sei's drum, ich mochte das Minimalistische in ihre Musik, den schwarzen Humor, den brummenden Bass, die schrägen Gitarren, den Krach.


Die Texte waren kurios und scheinbar absurd. So hiess es etwa in Wir sind sicher: "Eine Mutter, Verkleidung / Vergeltung, ein Glaube, eine Umarmung / Eine Stadt, eine Wissenschaft / Ein Ofen, ein Baum, Betäubung." Wie sollte man daraus schlau werden? Leider kann ich euch keine Setlist bieten, aber das enorm düstere Szenen einer Ehe wurde auf jeden Fall gespielt. Ein diabolisch lautes, aggressives Stück voller Wut und keifendem Gesang: "Was denn, was willst du denn von mir?" Viel Geschrammel, viel Krach und eine fast klaustrophobe Atmosphäre. Die Ehe dürfte nicht gut gewesen sein!

Danach hiess es für mich: Schluss für heute, zurück in die Burg. Mein Taxifahrer durfte sich freuen, er machte gute Geschäfte mit mir. Und der Burgherr fragte mich am nächsten Morgen etwas pikiert: "Na, gut geschlafen? Sie sind ja erst gegen 2 Uhr nach Hause gekommen".






Samstag, 10. Juni 2017

Orange Blossom Special 2017, Beverungen,

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Konzert: Orange Blossom Special 2017
Ort: Beverungen
Datum: 02.-04.06.2017
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: voller Garten-ausverkauft


Was ist nicht schon alles geschrieben worden über das "beste kleine Open-Air Festival der Welt" (Rolling Stone), bei dem man "Fehler und Verbesserungspotential...mit der Lupe suchen muss, um überhaupt etwas zu finden" (Intro). 



Und was soll ich sagen - alles ist wahr! In Beverungen, im wunderschönen Weserbergland in der Mitte Deutschlands, dort, wo Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen aufeinander treffen, trifft sich seit nunmehr 21 Jahren im Garten von Glitterhouse Records eine treue Fangemeinde und (neu)gierige Genießer zu einem musikalisch auserlesenem Finish.

Die Karten sind alljährlich nach Verkaufsstart innerhalb weniger Stunden vergriffen und Glück wird dann nicht selten an der erfolgreichen Bankabbuchung gemessen. 

Auch im siebten Jahr beteiligte sich meine halbe Familie am Run auf die Karten. Und als wäre es das selbstverständlichste überhaupt, passiert dies ohne jegliche Kenntnis des kommenden Line-Ups`s. Es bleibt so also auch immer etwas überraschendes und Besonderes! 

Eine wirkliche Enttäuschung habe ich in den zurückliegenden sieben Jahren noch nie erlebt. Da scheinen also Menschen mit musikalischem Verstand und jeder Menge Menge Herzblut zu wirken, und ich liebe es so mit Profis zu arbeiten! 

Aber nicht nur die Organisatoren des OBS, Mitbegründer "Rembert" und die emsige OBS Crew bescheren den Besuchern ein phantastisches Wochenende, es ist wie so oft in so kleinen beschaulichen Gemeinden - der halbe Ort ist involviert. 

Das Rahmenprogramm, vom Lauftreff bis hin zu den Aftershow´s im Saloon, im "Marleys" oder ganz besonders im "Stadtkrug" ist herzlichst einladend. Einzelhändler verschwören sich zu OBS Preisrabatten und die kulinarische Versorgung war nur noch lecker. 

Während am Anfang vor 21 Jahren noch eine Grillparty stand, kann der geneigte Besucher inzwischen auf dem Festivalgelände verteilten Leckereien aus aller Herrgottländer wählen. Traditionell wird aber die Mini-Calzone gereicht. Mit dem neapolitanischen Original hat diese Festival-Spezialversion nichts mehr gemeinsam und ist schon gar nix für Punktezähler...

Die kurzen Nächte verbringt die Mehrzahl der Musikliebhaber im Zelt einen Steinwurf vom Festivalgelände entfernt, direkt am Weserufer. Wem diese jugendorientierte Schlafsackaktion zu anstrengend ist, darf sich in einem eher beruhigten Bereich einrichten oder gleich auf das eigene Wohnmobil oder Wohnwagen und auf die doch ausreichend vorhandenen Stellplätze ausweichen.

Mein diesjähriges OBS beginnt allerdings mit der größtmöglichen Katastrophe ever! Meine Frau und ich im WoMo irgendwo auf der Bahn und - unsere Karten zu Hause. Dem ersten Anflug von Panik folgte ein Anruf beim Sohn. Dieser war noch am packen fürs OBS (Die Jugend hat halt die Ruhe weg!) und die Karten wurden quasi ein zweites Mal geliefert.

Im Kreis der Erwartungsvollen hieß es entrüstet: "Karten vergessen? Alles kann man(n) vergessen, Wohnwagen, Wohnmobil, Angehörige, aber nicht die Festivalkarten!" Danke Roland, für diese aufbauenden Zeilen. 

Und so verstrich die Eröffnung des "besten kleinen Open-Air Festivals der Welt" mit Remberts "Ihr Lieben!" und den Lyrics "...Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst..." (Absolute Giganten) ohne mich. Wenn man aber dabei ist, lässt sich ein Festival eigentlich schöner eröffnen?

Das diesjährige LineUp war herausragend. Der Freitag hielt für mich nach dem verpassten Einstieg mit "The Builders & The Butchers" (USA) und "Steve Waitt" (USA) noch "Odd Couple" (D), "Louis Berry" (UK) und "OVE" (D) bereit. Während "ODD Couple" die Bühne noch dezibelgeschwängert Rock`n`Rollt, schafft "Louis Berry" mit eindringlichem Sound und Stimme kraftvoll einen irgendwie gelingenden Übergang zu "AMK".

Henning, Severin, Christopher und Malte von "Annenmaykantereit"  haben sich wohl irgendwie verliebt in diese Bühne. Diese Bühne, die mit schönstem Kronleuchter und in bordeauxrotem Samt eingeschlagen einfach nur da ist, als wäre es das Normalste dieser (Musik)Welt und in dieses Publikum, welches (fast) immer dem Motto folgt "Reden ist hinten! Schweigen ist vorn!



"AMK" selbst wollten diesen dritten Gig, bevor sie zum "RaR" weiterreisten. Es ginge also auch anders. Aber dieser Garten, diese Bühne und dieses Publikum.... Dennoch bleibt ein Haar in der Suppe. Wer "AMK" in den letzten Jahren aus nah und fern im Blick und im Ohr hatte, der würde sich mittlerweile etwas mehr wünschen, als professionell neu arrangierte "alte" Songs. Wenngleich es doch ein Genuss war! 

Eine der absoluten Überraschungen waren am Samstag auf der Bühne. "Wayne Graham" (USA). Bester entspannt fußwippender Alt-Country. Mit "Christine Owman" (S) konnte man eintauchen in das eigene düstere Psychedelic-Kopfkino. Sehr fein! 

Über "John Blek & The Rats" (IRL) und Messer, einem wahren Soundkraftpaket näherte sich "Moddi". Der Norweger erhebt mit seinem Konzeptalbum "Unsongs" zensierte Künstler. Leben einhauchende Arrangements für in ihren Heimatländern verbotene Lieder u.a. von "Kate Bush", "Vikto Jara" oder den "Pussy Riot`s" machen das Album äußerst hörenswert. 

Auf der Publikumsbühne traf mit "Jörkk Mechenbier" (Love A) und "Lasse Paulus" das Akustik-Punk-Duo "Schreng Schreng & La La" den richtigen Nerv. Jörkk: "Und ich Weiß auch, dass niemand, wirklich niemand, ein weiteres Duo alternder Punkrocker braucht..." Zwei Alben später wissen alle, was wir brauchen: den Esel und seinen Anwalt.

Eine wirkliche geile Show liefern die Finnen von "Teksi-TV 666". Wahnsinn! Für mich das Konzert, was unglaublich Spaß gemacht hat und jeden Fotografen nur noch draufhalten lies. Hier stand nichts mehr still.

Normalerweise mit sechs Gitarren auf der Bühne statt "nur" mit fünf, lässt erahnen was auf der Bühne los war. Und dann stimmte "Wintersleep" das geneigte Publikum mit tragend dynamischem Indie-Rock ein, auf dass was in den letzten Jahren zu einem absoluten Topact gereift ist: "Blaudzun" (NL) alias "Johannes Sigmond", den charismatischen Frontman der Formation fängt sein Publikum mit den ersten Riff ein und entlässt es erst mit dem Schlussakkord aus seinen Fängen. 



Komplexe Kompositionen mit einer instrumentalen Bandbreite gehüllt in stimmungsvolles Licht, der eigentlich schon zu klein gewordenen wunderschönen OBS-Bühne, lassen die ein oder andere Träne verdrücken.

Herrlich war`s! Nachdem der Samstag gerade erst verklungen ist, kündigt sich der Sonntag mit einem Surprise Act der Sonderklasse an, zu einem grandiosen Festivaltag zu werden. Mit "The Dead South" betritt die kanadische Bluegrass/-Folkband den Festivalplatz. Wer diese Combo im vergangenen Jahr verpasst hat, darf sich zu Recht ärgern. 

Ein Trost bleibt - er hat "The Dead South" vielleicht schon im Vorjahr auf dem OBS hören und umjubeln dürfen. Auch "Desoto Caucus" (DK) sind im Glitterhouse Garten keine unbekannten und liefern eine wirklich grundsolide und bindende Performance mit ihrer groovenden Mixtur aus Indie, Country und Amerikana. 



Was sich anschloss, war eine ganz heikle Kiste. Mit geschlossenen Augen dem wirklich guten Folk lauschend, malt man sich den Typen aus, der diese tiefgehenden Texte zelebriert. Und dann öffnest du die Augen und siehst den fast blutjungen Schweizer "Faber". 

Und du denkst dir - What the f***? Aber was steht auf seiner Webseite "..die jungen Alten sind natürlich die besten Alten, die wir haben." Sei ein "Faber" im Wind. Auf der "Publikumsbühne" schickt sich eine junge Band aus Hamm in NRW an, eine ganz große Fangemeinde hinter sich und vor der Bühne zu versammeln. 

Die 2014 gegründet Band gewann 2016 den vom "NRW KULTURsekretariat "gestifteten "popNRW-Preis" in der Kategorie Newcomer. Finn T., Jonathan, Luca, Finn S. und ihr Frontmann Frederick sind allesamt noch so jung und haben in Ihrer Musik bereits eine Reife entwickeln können, dass einem schnell der Gedanke kommt, was mag da noch alles entstehen. 



Die Band steht mit Haldern Pop Recordings bei einem Independent Label unter Vertrag, das für seinen feinen Instinkt und einer den Künster sehr wertschätzenden Förderung auszeichnet. Wer im Glitterhouse Garten steht, kann verstehen was ich meine.



Eine Geschichte am Rande. Vor einigen Jahren ersteigerte ein Paar eine Snaredrum, damals signiert von allen beim OBS aufgetretenen Künstlern, bei der alljährlichen Versteigerung zu Gunsten von Viva con Aqua Hamburg. Auf die Fragen von Rembert für wen Sie diese Snare ersteigert hätte, bekam er als Antwort: "Für unseren Sohn". Er macht auch Musik. 

Rembert dazu: Wer weiß, vielleicht spielt er ja auch mal hier... Die Ersteigerer waren die Eltern von "Giant Rooks" Frontman Frederick. So schließt sich der Kreis. 



"Julia Jacklin" (AUS) scheint sich gerade zu einem Liebling, nicht nur der Musikpresse zu entwickeln. Ein erstes Album und das Publikum hängt dem Sound hinterher. Das wird was! Mit "HEIM" wird aus dem OBS Garten kurzzeitig Palm Beach. Mit dem Ort des Titel dieser Platte hat die Musik von "HEIM" irgendwie aber so gar nichts gemein.

Sentimentaler Rock mit brutalem Lärm gemixt. Nix für schwache Nerven und wer den sich annähernden OBS Höhepunkt herbeisehnt darf mit zarten Melodien gemixt aus athmosphärischen Gitarrenklängen, Streichern, Synthesizer und Samples von "Yes We Mystic" (CAN) wieder ein wenig runterfahren bevor mit "Immanu El" (S) das Festival ausklingen musste.

Mit schwelgenden Dream Pop schloss das Line-Up des OPS 2017. Es war episch und ein wenig fühlte man mit dem diesjährigen OBS Maskottchen.

Etwas desolat, schwimmender Blick, leicht sabbernd aus dem Mundwinkel aber noch gerade stehend um den Ausklang zu vernehmen "...Und an der Stelle, wo es am aller schönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment."

Danke, Danke, Danke und auf ein Neues in 2018! 

Bericht und Fotos von Denis Schinner 


Sonntag, 30. Oktober 2016

New Fall Festival, Tag 2, Düsseldorf, 28.10.2016

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Konzert: New Fall Festival Tag 2
Ort: Düsseldorf
Datum: 28.10.2016


Am zweiten Abend des New Fall Festivals gab es gleich zwei Premieren. Nicht nur, dass mit der Verpflichtung von Regina Spektor ein einmaliger Coup gelungen war, auch die CCD Stadthalle wurde zum ersten Mal Mittelpunkt eines Konzertabends beim New Fall.

Glück hatte allerdings, wer in den beiden Mittelblöcken saß, am Rand sollte durch den zentral aufgebauten Flügel die Sicht auf die Künstlerin doch sehr eingeschränkt bleiben. 

Der von außen sehr kühl und außerhalb der Stadt liegende Bau, innerhalb der Messe Düsseldorf, bietet im Saal für seine Größe allerdings eine schöne Atmosphäre mit perfektem Klang. 

Mehr zu Regina Spektor folgt in den nächsten Tagen noch ausführlich von Christoph und Gudrun (Konzert in Stuttgart). Vorab nur soviel: Regina Spektor waren die lange Live-Pause und der Jet-Lag bei einigen Aussetzern anzumerken. Die charmante und liebevolle Art wie sie mit diesen Problemen umging, waren jedoch beeindruckender als ein perfekt durchgeplanter Abend. 



Danach war etwas Hektik angesagt. schließlich wollten viele noch um 22:30 Uhr zu Dillon in den Robert-Schumann-Saal. Gut beraten war, wer sich schon vorab den Weg zum Parkautomaten gemerkt hatte...

Am Ende aber klappte alles hervorragend. Dillon begann einfach etwas später und der ebenfalls fast vollständig gefüllte Saal blickte auf einen recht bizarren Bühnenaufbau.



Neben den erwarteten Mikrofonen für den angekündigten Chor und einem Keyboard gab es noch einen der üblichen "Apple"-Arbeitsplätze für die Beats und eine Art riesige Satellitenschüssel als Lichtinstallation in der Mitte der Bühne.

Ansonsten von einer echten Licht-"show" zu sprechen wäre wohl zuviel verlangt. Fast durchgängig schwarz blieb die Bühne während des ganzen Konzerts. Nur einzelne Spots, meist wie Suchscheinwerfer angeordnet, durchzuckten den dunklen Saal. 



Passend zur Musik war das allemal, und hier zeigte sich schnell das riesige Potential der immer noch sehr jugendlich wirkenden brasilianischen Sängerin, die ja schon seit längerem in Berlin ihr zu Hause gefunden hat.

Mit ihrer tiefen, und zutiefst souligen Stimme sorgt sie für eine unglaublich emotionale Performance inmitten der düsteren und schleppenden Beats. Der Chor ist präsent aber nicht zu sehr im Mittelpunkt und gibt den besten Songs der beiden Alben eine zusätzliche Intensität. 

Ein paar der besten Stücke kommen etwas früh im Set. Das immer noch bezaubernde "You are my winter" sowie eine wundervolle Version von "Tip Tapping", in der das Publikum im Kanon gegen den Chor singt, sind die Highlights des späten Abends. 

Vor den Zugaben wird es dann etwas beatlastiger und heller auf der Bühne, endlich kommt auch die "Sat"-Schüssel als Kaleidoskop zum Einsatz. 

Nach Ende des regulären Chor-Sets dann noch Dillon Solo am Keyboard mit ruhigeren Songs, die einen nach 24:00 Uhr in die Nacht entlassen.

Schluss war damit aber immer noch nicht...Im Club des Capitols wartete noch der Rest des NRW-Abends. Also rein in die gute Stube des Clubs, der eigentlich eine wunderschöne Halle ist.

Fünf Bands spielen hier auf, der NRW-Abend ist seit Jahren fester Bestandteil des Programms und auch an diesem Abend sehr gut besucht. Immerhin gab es hier bereits vor Jahren Perlen zu entdecken die bereits jetzt die großen Hallen füllen. 

Die "Giant Rooks" sind gerade auf der Bühne, und genau wie beim Haldern Pop können sie auf ganzer Linie punkten. Eine Band die ihren Weg machen wird. Toller Indiepop, gerade noch als Support für "The Tamper Trap" unterwegs, der einfach Spaß macht. Klaus Fiehe (1Live) hält sie für die beste Band aus Hamm seit 30 Jahren. Da hat er wohl wie immer recht.  

Die abschließenden "Moglebaum" sind dann leider gar nicht mein Geschmack. Gefälliger Elektropop mit Saxophon regt zwar grundsätzlich immer zum Tanzen an, weder die Songs noch das etwas anstrengende Bühnengehabe der Band wirken aber besonders einladend.

Doch das soll nicht den Abend voller toller Momente und erstaunlicher musikalischer Bandbreite schmälern. Bald mehr zum dritten Tag mit "Kate Tempest". 

Fotos Dillon: Michael Graef



 

Konzerttagebuch © 2010

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