Freitag, 1. November 2013

Erdmöbel, Frankfurt, 30.10.13


Konzert: Erdmöbel
Ort: Mousonturm, Frankfurt
Datum: 30.10.2013
Dauer: 120 min
Zuschauer: ca. 150



von Dirk von Platten vor Gericht

Bin ich also der Versuchung doch erlegen! Eigentlich wollte ich keinen weiteren Auftritt der Band Erdmöbel mehr besuchen, damit meine eigentliche Lieblingsband Oasis, von denen ich in näherer Zukunft keine weiteren Konzerte erwarte, nicht in meiner persönlichen Konzertstatistik von diesen überholt wird. Mein Hilferuf bei der Vorstellung von Kung Fu Fighting von Platten vor Gericht wurde nicht erhört, niemand lud mich gestern zu sich nach Hause oder auf ein alternatives Konzert ein, so dass ich der Dreifachverlockung (keine Champions League im Fernsehen, Erdmöbel im 100-km-Umkreis und ein Platz auf der Gästeliste) nicht widerstehen konnte. 


Über Facebook hatten Erdmöbel noch am gleichen Tag mit den Worten „Kommt alle und bringt alle mit!“ zum Besuch ihres Konzertes aufgefordert. Also habe ich mein Bestes gegeben, um mein kleines Auto bis unters Dach mit Konzertwilligen zu füllen. Die Ausreden lauteten jedoch: Grippe, aufs Kind aufpassen (gleich zweimal) und zu viele Erdmöbel-Konzerte in den letzten Jahren. Bis auf letztere konnte ich alle Argumente akzeptieren, aber meine Freundin steht aktuell bei 3 besuchten Erdmöbel-Konzerten und ist von meinen 14 noch so weit entfernt, wie der Kölner Dom vom Frankfurter Messeturm. 

Beim Betreten des im letzten Jahr neu gestalteten Mousonturms hatte ich große Bedenken, dass es den anderen Besuchern bei der Begleitungsakquise ähnlich ergangen war wie mir, denn 20 Minuten vor dem eigentlichen Konzertbeginn versammelten sich gerade einmal 10 Personen in der Konzerthalle. Doch die Besucher des Künstlerhauses Mousonturm scheinen an die Abläufe der Theaterproduktionen dieses Hauses gewöhnt, strömten erst kurz vor 21 Uhr in den Konzertsaal und füllten ihn noch angemessen. 


Nahezu pünktlich betraten die Musiker die Bühne, deren Hintergrund ein Ausschnitt aus dem aktuellen Plattencover zierte. Passend dazu waren alle Bandmitglieder (größtenteils) rosa gewandet. Diesen Dresscode trieb Wolfgang Proppe (Keyboards) mit seinen rosa Stricksocken auf die Spitze – dachte ich, bis ich seinen pinken Glitzerring sah, der ihm auch prompt den Beinamen „Liberace“ einbrachte. Aber auch Markus Berges (Gesang, Gitarre) Plektrum sowie Ekki Maas’ (Bass) Button waren in dieser Farbe gehalten - eine Liebe zum Detail, die sich auch in der Musik der Band widerspiegelt. 

Das Konzert wurde mit Peng eröffnet, was wirklich kein Knaller-Auftakt war. Danach (oder zumindest nach dem bald folgenden Cardiff) „ging es“ - gegensätzlich zu einem Erdmöbel-Text - „immer bergauf“. Den Großteil des Sets bestritten Erdmöbel mit Songs aus den letzten beiden Alben: Kung Fu Fighting wurde bis auf Zollstockbad komplett dargeboten, Krokus mit immerhin sechs Titeln bedacht. 


Von den neuen Titeln gefielen mir in ihren Live-Versionen vor allem Gefäße, das mit einem langen instrumentalen und sehr rhythmischen Intro zelebriert wurde, so dass Markus das Publikum zum Ausdruckstanz aufforderte, und Henning Beckmann und Christa Becker, die erstmals mit Erdmöbel auf Tour ist, ausreichend Raum für Solos an Posaune bzw. Querflöte gab, sowie Club der senkrecht Begrabenen, das die Besucher zum Mitklatschen und –singen animierte (was weniger fürchterlich war als es hier klingt). 

Bei Kung Fu Fighting wurde das Publikum in Anlehnung an das dazugehörige Video zum Knutsch-Contest aufgefordert, den auf der aktuellen Tournee Münster, die Heimatstadt der Band, mit einer Rate von 70-80% anführte. Da konnte Frankfurt nicht mithalten - vielleicht aber bei der Reaktion des Publikums auf der nach oben offenen Entzückungsäußerungsskala, wenn die Wahl-Kölner ältere Titel wie Dawai Dawai oder In den Schuhen von Audrey Hepburn ankündigten. 


Bei Jede Nacht übernahm Christian Wübben (Schlagzeug) - zumindest im Refrain - den Gesangspart der in Los Angeles weilenden Gastsängerin Désirée Nosbusch. Vielleicht hätte man hier Christa Becker fragen können, ob sie singen und die Flöte einmal zur Seite legen kann. Auch das ursprünglich sehr gitarrige Wurzelseliger war mit diesem Instrument doch etwas gewöhnungsbedürftig. 

Bewegliche Ferien wurde den – wenn auch nicht so titulierten – Assi-Punks von Eisenpimmel gewidmet. Über einen Artikel („Currywurst mit Vollidioten“) in der Intro über die Band musste ich vor Jahren Tränen lachen – hier lohnt sich die Internetrecherche. Die Liedtitel der Duisburger wollte Ekki bei der Ansage nicht preisgeben, so dass ein Zuschauer mit Komma lecka bei mich unten bei aushelfen musste. Ich hätte noch Bier zu mir hinzufügen können. Bier ist ein gutes Stichwort, denn Erdmöbel wollten nach dem Konzert noch alle im „Moseleck“ treffen und fragten sich und uns, ob es in Frankfurt auch ein Oktoberfest gebe und ob dort Äppelwoi getrunken werde. 


Doch zuvor sollten noch Blinker, dessen „blinkt, blinkt, blinkt...“-Textpassagen, die noch deutlich länger ausfielen als auf Platte und die Vorstellungsrunde der Bandmitglieder sehr gelungen integrierte, von Stroboskop-Flackern untermalt wurden, sowie Das Leben ist schön das Hauptset beschließen. 

Auf der Setliste standen zunächst 17 nummerierte Titel und danach noch acht weitere in loser Reihenfolge. Erster Erster wurde noch in den Hauptteil integriert, und man durfte gespannt sein, welche der noch ausstehenden, vermutlich zur Auswahl gedachten Titel, noch gespielt würden. Bis auf Arbeiten alle! Mit gleich zwei Blocks zu je drei Songs belohnten Erdmöbel die lauthals nach Zugabe rufenden Frankfurter. Wobei mir persönlich der erste mit Anfangs Schwester heißt Ende, Vergnügungslokal mit Weinzwang und Dreierbahn besonders gut gefiel. 



Den Abschluss eines schönen Konzertabends bildete die unvermeidliche Coverversion Nah bei dir, die sicherlich allen Anwesenden auch noch auf dem Nachhauseweg im Kopf herumgegeistert ist. 

Am 18. Dezember geben Erdmöbel ein Konzert in der Kulturkirche in Nippes, das liegt auch innerhalb der 100-km-Grenze und Fußball wird dann vermutlich auch nicht gespielt. Selbst wenn ich nicht auf der Gästeliste stehen sollte (gestern habe ich dies zumindest mit dem Kauf von zwei Schallplatten ausgeglichen), so war ich doch noch nie auf einem Weihnachtskonzert von Erdmöbel.... 


Setlist Erdmöbel, Mousonturm, Frankfurt:

01. Peng 
02. Ausstellung über das Glück 
03. 77ste Liebe 
04. Cardiff 
05. Bewegliche Ferien 
06. Jetzt 
07. Kung Fu Fighting 
08. Vivian Maier 
09. Wurzelseliger 
10. Dawai Dawai 
11. Wort ist das falsche Wort 
12. Gefäße 
13. Jede Nacht 
14. Club der senkrecht Begrabenen 
15. In den Schuhen von Audrey Hepburn 
16. Erster Erster 
17. Blinker 
18. Das Leben ist schön

19. Anfangs Schwester heißt Ende 
20. Vergnügungslokal mit Weinzwang 
21. Dreierbahn

22. Die Devise der Sterne 
23. Snoopy T-Shirt 
24. Nah bei dir 



Weitere Erdmöbel-Konzerte: 

01.11.13: Tübingen, Sudhaus Tübingen 
02.11.13: Karlsruhe Durlach, Festhalle Durlach 
07.11.13: Hannover, Musikzentrum Hannover 
08.11.13: Krefeld, Kulturfabrik Krefeld 
18.12.13: Köln, Kulturkirche Köln 
15.02.14: Lage, Evangelische Dorfkirche Heiden


0 Kommentare :

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates