Freitag, 9. November 2012

Binoculers, Karlsruhe, 07.11.12


Konzert: Binoculers + Nicolai Schorr
Ort: Café Nun, Karlsruhe
Datum: 07.11.2012
Zuschauer: etwa 50 
Dauer: 30 min+50 min

Diese faszinierenden Kugeln - in unerklärlicher Leichtigkeit standen sie da auf winzigen ganz parallel ausgerichteten Stangen, die aber selbst kurz über der Erde schwebten... Das Cafe Nun ist ja bekannt dafür, jeder Band als Liebesgabe eine eigene Bühnendeko zu schenken.  Meist schaue ich, lächle, finde es gelungen und etwas später erinnere ich mich schon nicht mehr daran. Aber diesmal beschäftigte sie mich immens - dabei war es doch eine ganz simple Idee. Was aussah wie sauber auf Stile gespießte Kugeln waren aufgehängte Styroporkugeln. Von der Decke her war der Faden schwarz und dünn und damit unsichtbar und was aussah wie ein Stil, war ein dicker weißer Faden, der natürlich unter der Schwerkraft einfach nur wunderbar lotrecht hing und eine Winzigkeit über der Erde aufhörte, um diesen verstörenden Effekt zu haben.
Ich denke, die besondere Faszination der schwebenden Kugeln speiste sich aus zwei Quellen: Als Mathefreak ist es die unmöglich herzustellende Parallelität und die witzige ästhetische Idee, die mich spontan ansprach. Aber wohl erst in zweiter Linie. Denn tief in mir hatte etwas schon vorher auf die Alien-Kugeln geantwortet, was wohl nur erklärbar ist mit einem Kindheitserlebnis: mein erster Horrorfilm handelte von Globolinks (*) Außerirdischen, die Menschen erst ihr Selbst nehmen, um sie dann ganz zu entführen. Und die schwebenden Kugeln hatten irgendetwas davon in mir berührt. Spannend ist dabei, dass die einzig mögliche Rettung vor diesen schrecklichen Monstern in der Filmgeschichte ist, selbst Musik zu machen, denn Musik vertragen sie gar nicht und müssen sich dann zurückziehen.


Sehr schön lässt sich deshalb in meinen Konzertbericht einbinden, dass es sowohl Nicolai Schorr als auch den Binoculers mit ihrer Musik gelang, jeweils einen der Aliens vom Himmel zu holen und sozusagen mit ihrer schönen Musik zu besiegen... 

Das Cafe Nun war für das Konzert von Binoculers gut gefüllt, aber nicht  voll bis auf den letzten Quadratzentimeter. Eine gemütliche und erwartungsfrohe  Atmopshäre herrschte, als 21 Uhr Nicolai Schorr an der Gitarre den Abend eröffnete. Er spielte später für Binoculers an den Keyboards und Gitarre. In seinen 30 min machten seine Lieder einen interessanten Eindruck, aber vielleicht bedingt durch eine gewisse Nervosität wirkte manches nicht so recht. Es kann auch sein, dass ich seinen Liedern einfach ein bisschen mehr Zeit geben müsste (z.B. hier möglich), um sie richtig mögen zu können. So war es ein freundliches Aufmerken, aber auch nicht mehr.

Gegen 21:45 Uhr betraten dann die drei Musiker von Binoculers die Bühne. Neben Nadja Rüdebusch und Nicolai Schorr war es Daniel Gädicke am Schlagzeug. Sie präsentierten vor allem die Songs vom gerade erschienen Album: There is not enough space in the dark

Es begann mit Najdas Stimme begleitet nur durch schwebende Klänge von Xylophon und E-Orgel sehr sparsam und intensiv und erst im zweiten Song durfte das Schlagzeug den upbeat Charakter unterstützen helfen. Schön eingängig für mich war der Dreiertakt von Großmutters Haus und die intensive Steigerung am Schluss von Sparks. In manchen Aspekten erinnerte mich die Musik an Sea of Love aus Dresden.
 

Und schließlich kam auch das Set auf mein Anfangsgefühl zurück: Where there are children there are monsters. 

Wie wahr! Mein persönlicher Höhepunkt war wohl aber das Lied für den Fluss, in dem man die Wellen förmlich vorbeiziehen sah und sich ihnen anvertrauen konnte und das Lied vom Autofahren (The place you come from), was irgendwie schafft, melancholisch und unbeirrt optimistisch zu sein. Gegen 21:30 Uhr sollte schon Schluss sein, aber das Publikum erbat sich noch eine Zugabe, die in Form eines Schlafliedes gewährt wurde. 

Seit dem Abend habe ich die zwei CDs von Binoculers immer wieder gehört und bin dem leisen Zauber der Musik erst richtig erlegen. Alle Menschen, die diesen Bericht lesen, sollten schauen, ob sie nicht noch Binoculers unterwegs treffen wollen (Termine finden sich unten). Ganz unverbindlich hineinhören und sich selbst bezaubern lassen kann man auch auf bandcamp.


Und nicht vergessen: immer ein Lied auf den Lippen haben, um die Monster auf Abstand zu halten! 

Setlist:
1 Windbreak
2 Bricks/Walls
3 Grandmother's House
4 Sparks
5 Endless Tides
6 Beat
7 About Travelling
8 Monsters
9 Old Mind
10 Song for a river
11 The Place you come from
12 Mirrorball (vom ersten Album)

Zugabe: Sister

(*) Wer dem link folgt, sieht die Monster in der ersten Einstellung. Erst als Erwachsene bin ich die Globolinks mal suchen gegangen und war dann total überrascht, dass es sich um eine Oper handelt!

Tourdaten:
10/11/12   Buchcafé – Bad Hersfeld*
11/11/12   Die Gesellschaft – Hamburg*
15/11/12   Gelegenheiten – Berlin**
16/11/12   England, England – Dresden**
17/11/12   Dr. Seltsam – Leipzig**
18/11/12   Prinz Willy – Kiel**
19/11/12   Bismarck 106 – Bremen**
20/11/12   SissiKingKong – Dortmund**
21/11/12   Weltempfänger – Köln**
22/11/12   Pools – Göttingen**
24/11/12   Bands Privat (Haus auf der Mauer) – Jena**

* with band and Nicolai Schorr
** Duo, with Nicolai Schorr

 

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