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Sonntag, 13. Oktober 2013

Annalena Bludau und Nicolai Schorr, Stuttgart, 11.10.13

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Wohnzimmerkonzert mit Annalena Bludau und Nicolai Schorr
Ort: bei Claudia in Stuttgart-Feuerbach
Datum: 11. Oktober
Zuschauer: etwa 40

Bericht und Bilder von Christine und Claudia - vielen Dank!




Richtig kalt war’s in den letzten zwei Tagen geworden. In den Alpen fiel der erste Schnee des kommenden Winters. Auch wir würden einen milderen goldenen Herbst bevorzugen, aber für diesen Freitagabend war das Wetter perfekt. Optimale Kühlschrankbedingungen vor der Tür, kuschelige Wärme bei viel Kerzenschein im gut gefüllten Wohnzimmer und dazu zarte, minimalistische Singer-Songwriter-Musik von Annalena Bludau und Nicolai Schorr. Die beiden kommen ursprünglich aus Bremen, wo Annalena nach wie vor lebt, während es Nicolai inzwischen in die Hauptstadt verschlagen hat. Seit Jahren pflegen sie eine enge Freundschafts- und Arbeitssymbiose. 

Beide veröffentlichen in den nächsten Tagen Ihre Alben auf dem von Nadja Rüdebusch (Binoculers) und Daniel Gädicke gegründeten Hamburger Label Insular und genau dies ist auch Anlass für die von Nicolai organisiere Tour.



Kurz vor neun beginnt Annalena mit ihrem Set. Nicolai hat derweil unter den Zuschauern Platz genommen. Diese hatten es sich bereits auf allen vorhandenen Sitzgelegenheiten inklusive des Bodens gemütlich gemacht. Annalena Bludau zupft ihre E-Gitarre, so zart, dass man eigentlich an ein klassisches Akustikinstrument denkt. Ihre klare, warme Stimme überzeugt nach den ersten Tönen. Im Wohnzimmer ist es mucksmäuschenstill. Das Eröffnungslied „You Were At My Bedside When I Cleared“ wird mit tosendem Applaus bedacht und Annalena freut sich sehr, dass ihre zweite Stuttgarterfahrung sehr viel besser zu werden scheint als ihr erster Auftritt vor ein paar Jahren, bei dem es aufgrund damals sehr aktueller Stuttgart 21-Aktionen viel zu hektisch zuging und keiner der wenigen Gäste die Muße mitbrachte, ihren ruhigen Tönen zu lauschen. Zwischendrin nutzt Annalena ihr kleines Keyboard, das sie mal mit den Füßen bedient, mal in die Hüfte stemmt und einhändig spielt.



Besonders gut gefallen hat uns das Schlusslied, von dem wir dringend hoffen, dass es schnellstens den Weg auf einen Tonträger findet, denn bedauerlicherweise gibt es diesen Song derzeit nur in Annalenas Kopf und ihrem persönlichen Erinnerungsarchiv. Das Debut-Album ist zwar schon fertig aufgenommen und abgemischt, momentan fehlen aber noch ein paar Euro für die Pressung, weshalb derzeit eine sehr unterstützenswerte Crowdfunding-Aktion läuft.


Bevor Nicolai Schorr die Wohnzimmer-Bühne betritt, gibt es erstmal ein Päuschen. Zeit für die auf dem Boden Sitzenden die Beine auszuschütteln, die Weingläser nachzufüllen oder sonstigen Nachschub aus dem ganz großen Außenkühlschrank zu holen und ein bisschen mit anderen Wohnzimmerkonzertgästen zu plaudern und neue kennenzulernen.  Nach fast einer halben Stunde fängt Nicolai Schorr an der Gitarre an, uns sein Erstwerk „Release“ vorzustellen. Annalena unterstützt ihn bei einigen Liedern am Schlagzeug und mit zartem Hintergrundgesang.



Nicolai ist der Meister der Reduktion. Seine Songs sind allesamt angenehm kurz und die Melodien sehr, sehr zurückgenommen. Sie beschränken sich meist auf wenige, sich wiederholende Töne und Muster und haben dadurch etwas unglaublich beruhigendes, fast schon meditatives. Tanzbar sind sie nicht wirklich. Die Aufmerksamkeit geht fast automatisch auf Nicolais Texte. Er benutzt einfache, klare Bilder, um empfindsam und lyrisch von Beziehungen erzählen - zu sich selbst und zu anderen. Und ist dabei so universell, dass sich jeder von uns auf die ein oder andere Art angesprochen fühlt. Das Publikum lehnt sich zurück, nippt am Weinglas und lässt die Woche entspannt ausklingen. Für interessante Spannungsbögen sorgen Gitarre und hin und wieder die Drums, die sich eigenwillig, aber nicht unharmonisch gegen den Gesang stemmen.


Für die Zugabe greift Nicolai dann nochmals in die Saiten, allerdings mit einem Cover, das ihm im Lauf des gelungenen Abends in den Sinn gekommen war: „Ihr werdet’s dann schon erkennen!“ Nun gut, wir waren leider alle nicht ganz so versiert, obwohl es nahe lag. Wenn nicht Bob Dylan, dann musste es einfach der andere Altmeister Leonard Cohen sein. Ein perfekter Abschluss.  An dem Abend hatten wir zwei Musiker erlebt, denen ihre Kunst merklich am Herzen liegt und die extrem authentisch ihr Ding machen. Was blieb, waren glückliche, tiefenentspannte Gäste, von denen uns  einige - dank eines Freitagabends - noch sehr lange Gesellschaft leisteten.



Wer die beiden in den nächsten Tagen noch live erleben will, hat hier die Gelegenheit:


14. Oktober Café Haag, Tübingen
16. Oktober Zolle 11, Leipzig
17. Oktober Antje Oeklesund, Berlin
19. Oktober Tor 13 am Güterbahnhof, Bremen


Aus unserem Archiv:

Nicolai Schorr in Karlsruhe am 7. November 2012




Freitag, 9. November 2012

Binoculers, Karlsruhe, 07.11.12

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Konzert: Binoculers + Nicolai Schorr
Ort: Café Nun, Karlsruhe
Datum: 07.11.2012
Zuschauer: etwa 50 
Dauer: 30 min+50 min

Diese faszinierenden Kugeln - in unerklärlicher Leichtigkeit standen sie da auf winzigen ganz parallel ausgerichteten Stangen, die aber selbst kurz über der Erde schwebten... Das Cafe Nun ist ja bekannt dafür, jeder Band als Liebesgabe eine eigene Bühnendeko zu schenken.  Meist schaue ich, lächle, finde es gelungen und etwas später erinnere ich mich schon nicht mehr daran. Aber diesmal beschäftigte sie mich immens - dabei war es doch eine ganz simple Idee. Was aussah wie sauber auf Stile gespießte Kugeln waren aufgehängte Styroporkugeln. Von der Decke her war der Faden schwarz und dünn und damit unsichtbar und was aussah wie ein Stil, war ein dicker weißer Faden, der natürlich unter der Schwerkraft einfach nur wunderbar lotrecht hing und eine Winzigkeit über der Erde aufhörte, um diesen verstörenden Effekt zu haben.
Ich denke, die besondere Faszination der schwebenden Kugeln speiste sich aus zwei Quellen: Als Mathefreak ist es die unmöglich herzustellende Parallelität und die witzige ästhetische Idee, die mich spontan ansprach. Aber wohl erst in zweiter Linie. Denn tief in mir hatte etwas schon vorher auf die Alien-Kugeln geantwortet, was wohl nur erklärbar ist mit einem Kindheitserlebnis: mein erster Horrorfilm handelte von Globolinks (*) Außerirdischen, die Menschen erst ihr Selbst nehmen, um sie dann ganz zu entführen. Und die schwebenden Kugeln hatten irgendetwas davon in mir berührt. Spannend ist dabei, dass die einzig mögliche Rettung vor diesen schrecklichen Monstern in der Filmgeschichte ist, selbst Musik zu machen, denn Musik vertragen sie gar nicht und müssen sich dann zurückziehen.


Sehr schön lässt sich deshalb in meinen Konzertbericht einbinden, dass es sowohl Nicolai Schorr als auch den Binoculers mit ihrer Musik gelang, jeweils einen der Aliens vom Himmel zu holen und sozusagen mit ihrer schönen Musik zu besiegen... 

Das Cafe Nun war für das Konzert von Binoculers gut gefüllt, aber nicht  voll bis auf den letzten Quadratzentimeter. Eine gemütliche und erwartungsfrohe  Atmopshäre herrschte, als 21 Uhr Nicolai Schorr an der Gitarre den Abend eröffnete. Er spielte später für Binoculers an den Keyboards und Gitarre. In seinen 30 min machten seine Lieder einen interessanten Eindruck, aber vielleicht bedingt durch eine gewisse Nervosität wirkte manches nicht so recht. Es kann auch sein, dass ich seinen Liedern einfach ein bisschen mehr Zeit geben müsste (z.B. hier möglich), um sie richtig mögen zu können. So war es ein freundliches Aufmerken, aber auch nicht mehr.

Gegen 21:45 Uhr betraten dann die drei Musiker von Binoculers die Bühne. Neben Nadja Rüdebusch und Nicolai Schorr war es Daniel Gädicke am Schlagzeug. Sie präsentierten vor allem die Songs vom gerade erschienen Album: There is not enough space in the dark. 

Es begann mit Najdas Stimme begleitet nur durch schwebende Klänge von Xylophon und E-Orgel sehr sparsam und intensiv und erst im zweiten Song durfte das Schlagzeug den upbeat Charakter unterstützen helfen. Schön eingängig für mich war der Dreiertakt von Großmutters Haus und die intensive Steigerung am Schluss von Sparks. In manchen Aspekten erinnerte mich die Musik an Sea of Love aus Dresden.
 

Und schließlich kam auch das Set auf mein Anfangsgefühl zurück: Where there are children there are monsters. 

Wie wahr! Mein persönlicher Höhepunkt war wohl aber das Lied für den Fluss, in dem man die Wellen förmlich vorbeiziehen sah und sich ihnen anvertrauen konnte und das Lied vom Autofahren (The place you come from), was irgendwie schafft, melancholisch und unbeirrt optimistisch zu sein. Gegen 21:30 Uhr sollte schon Schluss sein, aber das Publikum erbat sich noch eine Zugabe, die in Form eines Schlafliedes gewährt wurde. 

Seit dem Abend habe ich die zwei CDs von Binoculers immer wieder gehört und bin dem leisen Zauber der Musik erst richtig erlegen. Alle Menschen, die diesen Bericht lesen, sollten schauen, ob sie nicht noch Binoculers unterwegs treffen wollen (Termine finden sich unten). Ganz unverbindlich hineinhören und sich selbst bezaubern lassen kann man auch auf bandcamp.


Und nicht vergessen: immer ein Lied auf den Lippen haben, um die Monster auf Abstand zu halten! 

Setlist:
1 Windbreak
2 Bricks/Walls
3 Grandmother's House
4 Sparks
5 Endless Tides
6 Beat
7 About Travelling
8 Monsters
9 Old Mind
10 Song for a river
11 The Place you come from
12 Mirrorball (vom ersten Album)

Zugabe: Sister

(*) Wer dem link folgt, sieht die Monster in der ersten Einstellung. Erst als Erwachsene bin ich die Globolinks mal suchen gegangen und war dann total überrascht, dass es sich um eine Oper handelt!

Tourdaten:
10/11/12   Buchcafé – Bad Hersfeld*
11/11/12   Die Gesellschaft – Hamburg*
15/11/12   Gelegenheiten – Berlin**
16/11/12   England, England – Dresden**
17/11/12   Dr. Seltsam – Leipzig**
18/11/12   Prinz Willy – Kiel**
19/11/12   Bismarck 106 – Bremen**
20/11/12   SissiKingKong – Dortmund**
21/11/12   Weltempfänger – Köln**
22/11/12   Pools – Göttingen**
24/11/12   Bands Privat (Haus auf der Mauer) – Jena**

* with band and Nicolai Schorr
** Duo, with Nicolai Schorr

 

 

Konzerttagebuch © 2010

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