Dienstag, 13. November 2012

DIIV, Berlin, 11.11.12


Konzert: DIIV + Parakeet
Ort: Berlin, BiNuu
Datum: 11.11.2012
Zuschauer: ca. 150
Dauer: ca. 45 Minuten


von Markus aus Berlin

Ein typischer Berliner Abend - die Berliner Straßenbahnen haben mal wieder Pendelverkehr eingerichtet und mein Vorhaben auch noch die Vorband Parakeet in voller Länge erleben zu dürfen, wird zunichte gemacht. Wie heisst es so schön: Hunde die bellen, beißen nicht. So ist es wohl auch der langmutigen Berliner Seele zu verdanken, dass dieses durchgängige Berliner Verkehrschaos wohl kaum gelöst werden wird. Im Gegensatz zu den vielen Schimpftriaden, die man überall wahrnimmt.

Als ich dann doch noch endlich im BiNuu ankomme, sind Parakeet längst auf der Bühne und zu meinem Erstaunen ist das BiNuu kaum gefüllt. Die Musik der Londoner Band Parakeet macht wirklich Laune. Schlagzeug, Bass und Gitarre. Einfach und rund. Die Band rund um Sängerin Mariko Doi, welche auch zugleich den Bass zupft, schafft mich zu elektrisieren. Ich musste sofort an die Throwing Muses denken, als ich Stimme und Musik hörte - aber so richtig passend ist es nicht. Eine tolle Alternative-Rockband von der ich hoffentlich noch mehr hören werde. Ich erinnere mich dabei gerne an vergangenes Jahr im November, als ich mit Veronika Falls eine andere Londoner Band für mich entdeckte, deren Musik mich seit dieser Zeit nicht mehr loslässt.

 

Die Umbauzeit nutze ich, um mich weiter im BiNuu umzusehen. Es hat sich nicht wesentlich mehr gefüllt, was mich wirklich wundert, denn DIVV, die Hauptattraktion des Abends, hatten zuletzt an zwei Abenden hintereinander das Monarch ausverkauft.

In der Umbauphase erhasche ich auch einen ersten Blick auf die Mitglieder von DIIV, die auf mich den Charme einer College Band verströmen. Der pudelbemützte Sänger werkelt mit seinen Bandkollegen eifrig herum. Irgendwie fühle ich mich in der Zeit zurückversetzt - als ich Anfang der 90er nach Berlin kam und es viele solche Bands in den damals noch vielen „illegalen“ Bars und Clubs der besetzten Häuser gab. Nur war damals das Publikum ein anderes. Das sieht heute Abend im Vergleich dazu eher bieder aus, nämlich nach guten Bildungsabschlüssen und wenn Alkohol dann nur soviel, dass man auch am nächsten Tag noch fit ist. Ich will mich da nicht ausschließen, auch wenn ich meine Bildungsabschlüsse lange hinter mich gebracht habe, so bin ich doch einer dieser biederen Langweiler, die auf diesen Konzerten eher Zuschauer einer sich austobenden Menge sind.

Als das Konzert beginnt, schiebt sich die überschaubare Zuschauerschar weiter nach vorne, aber Gedränge gibt es kaum. Der Indie-Rock ist solide und die noch jungen New Yorker agieren ambitioniert und engagiert auf der Bühne hin und her. Einzig der Bassist bleibt mit gesenktem Kopf, die Locken ins Gesicht fallend, versunken stoisch an einem Punkt stehen. Er erinnert mich stark an Kirk Hammett von Metallica. Keine schlechte Referenz für einen Musiker.

Die Lieder klingen live deutlich krachiger, was aber nicht schlecht ist. Die Punk-Attitüde steht der Band. Leider überträgt sich das nicht wirklich auf das recht steife Publikum. Statt wie auf anderen Konzerten durchaus üblich, kommt es hier weder zum Stage-Diving noch zum Pogo-Geschubse. Das ist schade. Die bürgerlich Vernünftigen sind an diesem Abend leider in der Mehrheit und so verpufft die Energie der Band wie an einer unsichtbaren Wand.

 

Nach doch recht unaufgeregten 45 Minuten, endet das überschaubare Repertoire der Band, darunter auch ein Nirvana-Cover. Als Resümee bleibt für mich, dass DIIV die richtige Band am falschen Ort sind. Ihnen würde ein klassischer Punkrock-Schuppen deutlich mehr liegen als das doch recht langweilige BiNuu. Dort wäre das Publikum sicherlich deutlich mehr in Fahrt gekommen und die Musik hätte ihre ganze Kraft und Größe austoben können.

Ein durchaus gelungener Abend, bei dem mir Parakeet aber nachhaltiger in Erinnerung bleiben werden.


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