Sonntag, 25. November 2012

Dillon, Paris, 21.11.12


Konzert: Dillon (& Mesparrow)
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 21.11.2012
Zuschauer: geschätzte 300
Konzertdauer: eine Stunde


Musiker aus Deutschland sieht man in Paris nicht sehr häufig. Das schreibe ich jedes Mal, wenn wieder un allemand/une allemande à Paris ist, aber der Spruch passt einfach auch immer. Aber zählen wir doch mal ohne nachzugucken auf, welche deutschen Acts Paris in den letzten Jahren konzerttechnisch beehrt haben: Get Well Soon, Norman Plam, Wir Sind Helden, Stereo Total, Masha Qrella (Foto), Contriva, Sorry Gilberto, Noel, Garda, The Notwist, Anika, Mediengruppe Telekommander, Pubculies & Rebecca, Mohna, Haruko, Jack November, Bettina Köstner, Jack Beauregard, Hauschka, Nils Frahm, Body Bill, The Robocop Kraus, Kissogram, Nina Hagen, Einstürzende Neubauten, Die Sterne, Cluster, Faust, Tangerine Dream fallen mir spontan ein und die meisten dieser Konzerte habe ich gesehen. Lieber vertuschen sollte man, daß Tokio Hotel und Rammstein riesige Hallen gefüllt haben und die Killerpilze, La Fee, Silbermond und die fürchterlichen Beatsteaks schon da waren. Auf die Schulter kann ich mir hingegen klopfen, Entertainment For The Braindead und Karo in die Stadt der Liebe bzw. mein Wohnzimmer gelockt zu haben.



Heute also Dillon, die allerdings schon mindestens zwei Mal zuvor in Paris gespielt hatte. Kein unbeschriebenes Blatt in Frankreich also und dank guter Promoarbeit und einem Album, daß es irgendwie geschafft hat, die Landesgrenzen zu überschreiten, zumindest in Indiekreisen den Parisern ein Begriff ist.

Ohnehin ist ihr Stil, düsterer Elektropop, in Mode, Künstlerinnen wie Fever Ray, Likke Li, Soap & Skin und Zola Jesus haben dem Genre in den letzten Jahren neues Leben eingehaucht und ihren Labels Gewinne beschert.



Zielgruppe von Dillon sind junge, sehr hübsche und höchstwahrscheinlich aus begüterten Verhältnissen stammende Mädchen. Das schien mir zumindest so, als ich das Publikum im Pariser Nouveau Casino inspizierte. Da standen wirklich viele süße Lämmchen rum und warteten darauf, daß die nette Französin Mesparrow mit ihrem ungemein nervigen Set fertig wird.


Um 21 Uhr dann aber endlich Dillon. Zu gerne hätten wir Zuschauer sie auch mal richtig gesehen, aber die Musikerin hatte alles dafür getan, nicht enttarnt zu werden und so blieben sogar in den kurzen Pausen zwischen den Songs die Lichter komplett aus. Sie performte zusammen mit ihrem stoischen Keyboarder durchgängig im Dunkeln und im Halbschatten sah sie genau aus wie Soap & Skin bei ihrem Gig für France Inter. Gothische Mode und Düsterniss scheinen wieder sehr angesagt zu sein und so passte zur Erscheinung von Dillon die schwarze Kutte und die globigen schwarzen Plateauschuhe.


Die Musik selbst war so finster nicht. Nachdem ich kürzlich so richtig krasse Neo Gothik Künstler wie Bestial Mouths und Animal Bodies gesehen hatte, klang das heute fast poppig. Früh gebrachte Tracks wie Thirteen Thirtyfive und From One To Six Hundred Kilometers könnten auch noch auf einem Kindergeburtstag laufen. Aber ich blödele wieder zu viel rum, zumal ich Kindergeburtstage immer gemocht habe.


Nein, ernsthaft jetzt mal. Probleme bereitet mir in gewisser Weise die soulige Stimme von Dillon, weil sie mich immer wieder an Duffy erinnert. Das war mir schon bei früheren Konzerten von ihr aufgefallen, traf aber auch heute wieder zu. Kann man sich aber letztlich dran gewöhnen, genau wie an das Kindliche in ihrem Gesang. Und wenn man sich drauf einlässt, ist der infantile Singsang sogar ziemlich berührend.

Störender war aber die permante Dunkelheit (sollten wir uns gruseln oder was?) und die gewollte Kühle der Performance. Erst als sich die deutsche Künstlerin zur Mitte des Sets bei Contact Us ( "if you don't dance i dont sing") mal an den Bühnenrand wagte und ihre Hüften schüttelte, kam mehr rüber. Als dann kurze Zeit später ihr größter Hit Tip Tapping erklang, hatte das Set seinen Höhepunkt erreicht.

Nach einer weiteren Viertelstunde und einer Gesamtspielzeit von nur einer Stunde war das Konzert aber auch schon wieder beendet.

Dillon hatte insgesamt einen passablen Auftritt hingelegt und die deutsche Indiemusik im französischen Ausland auch recht würdig vertreten. Unvergesslich wird mir dieser Abend aber nicht bleiben, wenngleich die langen blauen Fingernägel der Musikerin ja schon ein Hingucker waren...



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