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Donnerstag, 20. April 2017

Binoculers, München, 09.04.17

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Konzert: Binoculers
Ort: Kunsthof Bienenorden in München Sendling
Datum: 9. April 2017
Dauer: 65 min
Zuschauer: 25


Binoculers sind so eine Herzensband, für deren Entdeckung ich dem nuncafe auf ewig zu danken habe. Große Freude meinerseits deshalb, als klar wurde:
 1) es gibt 2017 ein neues Album
 2) es gibt dazu eine sehr ausgedehnte Tour im April.

Und im Studium der Tourstationen stellte sich gleich noch weiterer Grund zur Freude ein, denn es würde sich die Möglichkeit ergeben, die brandneue Musik mit Freunden zum ersten mal zu hören. Erst war Adorf ganz oben auf meiner Wunschliste. Mit Michael hatte ich Binoculers ja auch zuletzt beim Sound of Bronkow 2015 erlebt! Aber die freien Tage vor und nach dem Ostersonntag wurden dann von anderen Terminen belegt und so nahm ich die zweitbeste Chance in Angriff: Eine Reise nach München war seit zwei Jahren immer wieder verschoben worden und könnte doch nun endlich mit noch einem weiteren guten Anlaß Realität werden!
 

Eike hatte schließlich zusammen mit einigen gleichgesinnten für das Konzert in einen Gutshof nach Sendling eingeladen, der sich als Ort für Kunst aller Art empfiehlt. Es war ein ganz eigenes Gefühl, vom wuseligen Sendlinger Tor kommend an der Sendlinger Kirche noch im Feierabendtrubel eingebunden abzubiegen in eine Oase der Stille und des Willkommens: den Kunsthof Bienenorden.  


Dort waren auch schon genug Leute versammelt, dass über dem Schwatzen mit alten und neuen Freunden fast unbemerkt die Zeit verstrich, die Sonne unterging und schließlich das Konzert beginnen konnte (*). Vom neuen Album hatte ich bis dahin die Kostproben ignoriert und war mir doch sicher, in Fortschreibung des bisherigen einem wunderbaren Konzert entgegen zu sehen. Im Programm des Abends waren dann auch acht der 10+4 neuen Songs vom gerade erschienen Album Sun Sounds dabei und bildeten damit den musikalischen Schwerpunkt.


Als ich die am Abend erworbene CD dann eine Woche später zu Hause endlich hören konnte, war ich ganz froh drum, dass ich nicht schon so früh wie möglich - also vor dem Konzert - die CD bestellt hatte, denn die Marschrichtung ist im Vergleich zu den ersten drei CDs doch etwas anders als gewohnt und am Ende hätte ich mich (wie ich das so gut kann) gesorgt, ob mir das Konzert so recht zu Herzen gehen würde. Was - wie ich es hier so aufschreibe - eigentlich auch schon wie Unfug klingt (wahrscheinlich weil es Unfug ist...), ist die neue Musik doch in ihrer lichtdurchfluteten Melancholie wirklich so ganz besonders und wunderschön und dann doch eigentlich gar nicht so anders nach mehrerem hören.
 

Aber in der Live-Darbietung war für mich die ausgestreckte Hand zum gewohnten sehr bequem und nahm mich ganz selbstverständlich mit zu neuen Horizonten: Come with me als Eingangssong sozusagen als persönliche Einladung. Und eine Stunde unter dem Motto Who can saturate the darkness - da bin ich immer gern dabei. Und es gab ja auch die so ans Herzen gewachsenen Lieder eingestreut. Zum Beispiel vom letzten Album (2015) die Stücke Moonbeams und Where the water is black - oder Bow and Arrow - immer noch so intensiv, dass mir jedes Mal fast das Herz still stehen möchte.


Und das aufmerksame und offensichtlich sehr begeisterte Publikum erhielt auch als Zugaben bewährtes mit Agravic und dem wiegend zarten Beat - das einzige Lied vom 2012er (Kennenlern-)Album There is not enough space in the dark.

(*) Lustigerweise auch Katrin Bobek von der Müncher Moonband, die ich zuletzt am gleichen Tag wie Binoculers in Dresden gesehen hatte. Auch sie haben eine neue Platte, und feiern das ab 28. April mit einer großen Tour.


Setlist:
01: Come with me
02: Moonbeams
03: Where the water is black
04: Same sun
05: Saturate the darkness
06: The Window
07: Bow & Arrow
08: The Cities
09: Quiet Sea
10: Shine and then gone
11: Parallels
12: But Oh!

13: Agravic (Z)
14: Beat (Z)

Bericht von Gerhard

Tourdaten:

31.03. Aachen / Raststätte
01.04. Düsseldorf / Weltkunstzimmer
02.04. Hannover / Café Glocksee (w/ Radare)
04.04. Kassel / Goldgrube (w/ Radare)
05.04. Offenbach / Kapelle HFG Offenbach (w/ Radare)
06.04. Freiburg / Slowclub
07.04. Thun / Mundwerk
08.04. Ravensburg / NRVK
09.04. München / Galerie Gut
10.04. Ulm / Hauskonzert
11.04. Saarbrücken / Zing
12.04. Darmstadt / Zucker
13.04. Würzburg / Wunschlos Glücklich
14.04. Adorf / Hauskonzert
15.04. Chemnitz / Aaltra
16.04. Hof / Hauskonzert
19.05. Braunschweig / Nexus
25.05. Ulm / Hudson Bar



Aus unserem Archiv: 
Binoculers, Adorf, 14.04.17  
Binoculers, Dresden, 05.09.15
Binoculers, Karlsruhe, 06.07.15
Binoculers, Karlsruhe, 07.11.12





Montag, 17. April 2017

Binoculers, Adorf, 14.04.17

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Konzert: Binoculers
Ort: Scala Adorf
Datum: 14.04.2017
Dauer: 70 min
Zuschauer: 21


Musik direkt ins Herz



Am Nachmittag hielt ein Caddy voller Technik vor unserem Haus. Nadja und Daniel stiegen aus und bei Kaffee und Kuchen haben wir uns begrüßt und gleich ausgiebig unterhalten. Die Binoculers waren zum Abschlusswochenende ihrer Tournee nach Adorf gekommen. Für einen Karfreitag ist ein privates Wohnzimmer natürlich der beste Spielort. Am Abend waren dann 21 Besucher zu Gast in der Scala, als das Konzert pünktlich um 20:15 Uhr begann.
 


Mit den Songs erreichten uns die Strahlen der „Sun Sounds“ – des aktuellen Albums – sowie die Wellen der teilweise schattigen Songs des Vorgängerwerkes „Adapted To Both Shade And Sun“. Nadja und Daniel spielten zwei halbstündige Sets mit mehrheitlich neuen Liedern. Die kamen sehr stark in der Umsetzung für ein Livekonzert rüber, das Schlagzeug brachte den Drive in unser Wohnzimmer. Samples und Keyboardsounds haben die Lieder perfekt untermalt. „Quiet Sea“ spielte Nadja am Klavier des Hauses als DIE spezielle Nummer des Abends, begleitet von Daniel am Schlagzeug in der Ferne.
 

Insgesamt war es ein eher ruhiges Konzert, das für mich durch die verschiedenen Arrangements und Effekte bis hin zur Instrumentierung, z.B. die Melodica zur Zugabe interessant wurde. Die Musik umstrich die Seele wie eine milde Frühlingsbrise.
 

Das imposanteste Foto des Wochenendes entstand beim Einladen der Technik am nächsten Morgen. Als alle Technik bereitlag, erinnerte mich das Motiv an das Cover von Pink Floyds Ummagumma-Live-Album. Immerhin sind Binoculers damit unabhängig von den Gegebenheiten der Gastgeber. Wir begleiteten Nadja und Daniel noch nach Chemnitz in den Plattenladen unseres Vertrauens und verabschiedeten uns nach einem Cappuccino mit der Aussicht auf ein Folgekonzert in der Region.


Aus unserem Archiv:
Binoculers, Karlsruhe, 06.07.15
Binoculers, Karlsruhe, 07.11.12

Mittwoch, 23. September 2015

Sound of Bronkow Tag 2, Dresden, 05.09.15

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The Sound of Bronkow Music Festival 
Tag 2 mit den Konzerten von
  Lotta sleeps (35 min)
  Lilly among clouds (40 min)
  The Moonband (60 min)
  Binoculers (50 min)
  NovemberDecember (60 min)
  The Weather Station (50 min)
Ort: Societaetstheater Dresden
Datum: 5. September 2015
Zuschauer: knapp 300


Der zweite Tag des Sound of Bronkow Musikfestivals begann traditionell im Apfelgarten und das bei schönstem Wetter. Später am Tag wurde der Garten in das Foyer umgepackt, als die Regenwolken das Regime übernahmen und ich war sehr beeindruckt wie problemlos und ruhig das klappte.  Die Dresdner Band Lotta sleeps mit fünf jungen Männern auf der Bühne und vielen Instrumenten (u.a. Geige, Trompete und eine Cigarbox-Gitarre darunter) durfte den Auftakt des Tages machen. Sie verbreiteten so viel gute Laune, dass ich mir spontan ihre zwei Tonträger mit eingepackt habe. Was für ein wunderbarer Beginn!
 

Setlist Lotta Sleeps:
01: To Rome, to Rome
02: Woods of Birnam
03: 100
04: Set a fire to your hometown
05: Pale blue dress
06: Slow down
07: Mr Bonaparte 


Weiter ging es mit Lilly among clouds, die live aus dem Soundcheck heraus das Konzert begann. Lilly Brüchner sang zunächst ihre Lieder zur Gitarre, und wechselte später ans Keyboard. Der erste (und wirklich bleibende Eindruck) war DIESE STIMME! Dann - sympathisch - dieser fränkische Dialekt... Sie nahm sich Zeit, zu ihren Songs einiges zu sagen. Z.B. bei Blood & history die ihrer Meinung nach häufig überzogenen Ansprüche an Familie und Verwandtschaft. Als müsste da alles immer eia popeia sein. Außerdem bestand sie darauf, dass doch jede und jeder auf gewissen Eigenheiten bestehen sollte, auch wenn dazu ein bisschen Mut gehört. Mein klarer Höhepunkt, der mich auch echt ein bisschen mitgenommen hat war Your hands are like home (aber auch Lilly musste hier zittern und hatte schließlich Tränen in den Augen...). Zum Ende hin durften wir schließlich auch mit-oh-en und hatten damit wohl gerade einen der Höhepunkte des Sound of Bronkow erlebt.


Tourdaten Lily among clouds
17.09. Erlangen - E-Werk
18.09. Chemnitz - Atomino
19.09. Magdeburg - Moritzhof
20.09. Berlin - Monarch
21.09. Hannover - Warenannahme
22.09. Rostock - Helgas Stadtpalast
23.09. Hamburg - Reeperbahn Festival
26.09. Düsseldorf - FFT



Anschließend füllte die Moonband die Bühne bis zum Rand. So viele Menschen - dabei fehlte sogar noch die Schlagzeugerin! Sie spielten eine sehr traditionelle Variante des Folk und z.B. einige Cover (u.a. von Bob Dylan). Ihre Verfahrensweise beschrieben sie dabei so: Man nimmt einen traurigen Text und macht eine lustige Melodie dazu. Ich fand das sympatisch und solide. Es passte gut in den Sommernachmittag, hat mich aber nicht aus den Pantoffeln gehauen.


Mein erstes herbeigesehntes Highlight des zweiten Tages war das Konzert mit Binoculers. Das stand nun im Kleinen Saal auf dem Plan. Der Saal war gut gefüllt, aber es kamen wohl diesmal noch alle herein, die dabeisein wollten. Das Set war von Anfang an toll und die Aufmerksamkeit wie die Begeisterung des Publikums hoch. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir vor allem Songs aus der zweiten Hälfte des Sets. Z.B. fand ich  Agravic ganz und gar großartig und herzbrechend. Die ganz großen Highlights des Sets waren für mich die beiden finalen Stücke Monsters und The place where you come from. Natürlich baten wir um Zugaben (und ich war mir schon etwas unsicher, ob es nach dem starken Finale so eine gute Idee war). Es gab einen Binoculers-Knaller hintendran - ich habe förmlich noch das zutiefst verlassene Bow and Arrow aimed at the horizon in meinen Ohren. Was für ein Gänsehautmoment! Wirklich ganz, ganz wunderbar war das wieder gewesen. 


Setlist Binoculers:
01: Shine And Then Gone
02: Repeller Boat
03: Where The Water Is Black
04: Moonbeams
05: Islands
06: Black/White Bird
07: Contrails
08: Agravic
09: Monsters
10: The Place You Come From


11: Bow & Arrow (Z)


Im Großen Saal ging es weiter mit den Dänen NovemberDecember. Das war prima poppig und entspannt, aber letzlich nicht so mein Fall, zumal sie sich in ihrer Attitüde meiner Meinung nach auch ein bisschen zu ernst nahmen. So nutzte ich die Zeit, um ein bisschen zu essen und am Merchstand nach dem Neusten zu sehen und vielleicht auch ein paar Schwätzchen zu machen. Denn ich wusste ja, im nächsten Slot wollte ich pünktlich und ganz und gar aufmerksam sein können!

(c) Michael Reich
Denn ich hatte sehr große Erwartung an The weather Station aus Kanada. Seit ich David Simard zu Gast gehabt hatte, der mir von seiner Landsmännin Tamara Lindemann vorgeschwärmt hatte, war ich neugierig darauf gewesen, sie auch einmal live zu erleben. Zum Glück war die Tour durch Deutschland so gelegt, dass ich sie in Dresden sehen konnte, denn alle Stationen waren schrecklich weit weg von Karlsruhe. Für die Tour hatte sie aus der Band Ben Whiteley am Bass mitgebracht und Erik Heestermans aus den Niederlanden für die Drums gewonnen. Das war eine prima Besetzung und sie spielten wunderbar zusammen auf. Die Stimme von Tamara stand im Mittelpunkt, wurde aber gut gestützt durch Drums und Bass und die Gitarre. 

(c) Michael Reich
Leider war Tamara ein bisschen erkältet (für das nächste Konzert war dann die Stimme endgültig weg) und so war sie ein bisschen unschlüssig, ob sie uns mit einer Zugabe wirklich eine Freude machen könnte. Sie sagte in etwa ihr singen würde sich heute so anfühlen wie wohl für dem Drummer, wenn er keine Sticks nehmen kann, woraufhin es natürlich eine kleine Einlage von den Drums ohne Sticks gab. In Erinnerung geblieben ist mir außer den wunderschönen und filigranen Liedern auch ihre ruhige und doch bestimmte Art, über ihre Songs zu reden.

There’s this song – this one song called ‘Shy Women’ – it’s about a little moment – a friend and I meet, and she doesn’t feel that she can reveal her own darkness to me – so we talk about nothing.  It stuck with me.  In the end I wrote that it would be a ‘luxury to be not so ashamed’.  I meant that – I didn’t realise I did till the record was done and I was home.  But I meant that.  It is a luxury, though.  To allow yourself to not disappear.  To allow someone else that as well.

Das Ende dieses Konzertes war für mich das Ende des zweiten Tages und des Festivals (den Sonntag musste ich mir schenken). Aber wie hatte sich das wieder gelohnt nach Dresden zu kommen. Alle erhofften Highlights hatten meine Erwartungen übertroffen und gleich mehrer andere Bands hatten mein Herz erobert. Vielen Dank an die kumpels and friends für all die Liebe und die Arbeit!
(c) Michael Reich
 
Setlist The Weather Station:
01: Don't understand
02: Flood Plain
03: Shy women
04: All of it was mine
05: Like Sisters
06: It came so easy (solo)
07: I mined (solo)
08: Personal eclipse (solo)
09: Nobody 

10: Way it is way it could be (Z)


Tourdaten in/um Deutschland:
04.09. München, Hauskonzerte.com
05.09. Dresden, Sound of Bronkow Festival
10.09. Berlin, Privatclub
11.09. Hamburg, Aalhaus 

20.11. Brüssel, Botanique 

Alle Bilder vom Festival:

 

 

Mittwoch, 12. August 2015

Binoculers, Karlsruhe, 06.07.15

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Konzert mit Binoculers
Datum: 6. Juli 2015
Dauer: 70 min
Zuschauer: 20

 

All die wunderbaren Fotos sind von Helge (vielen Dank!)

Manchmal habe ich das Glück, dass ich mir einen Traum erfüllen kann. Vor zwei Jahren war das ein Besuch in Neuseeland. Leider stellte ich kurz vor dem Abflugdatum fest, dass ich viel lieber dageblieben wäre, weil genau in meine zwei Wochen am anderen Ende der Welt ein Konzert von Binoculers in Karlsruhe fiel. Leider sind die Konzerte von Binoculers nämlich fast so selten wie meine Reisen nach Neuseeland... Und ich hatte mich doch im Café Nun so verliebt!


Aber zum Glück konnte ich mir den Traum vom Binoculers-Konzert nun zwei Jahre später doch noch erfüllen. Im Zuge der Finanzierung des nigelnagelneuen dritten Albums Adapted To Both Shade And Sun hatte ich mich auf einen Tauschhandel eingelassen, der mir die allergrößte Freude machte. Wohnzimmerkonzertversprechen gegen finanzielle Unterstützung für die neue Platte (die ich ja auch unbedingt in der Welt sehen wollte!). Zum Glück war dann auch die zeitliche Planung recht fix und unkompliziert und ich konnte mich so schon lange darauf freuen.


In der Zwischenzeit hatte ich schon fast so etwas das Gefühl, dass wir uns gut kennen, obwohl wir uns wirklich nur einen Abend im Nuncafe gesehen hatten. Aber dann hatte ich mit Annlena Bludau über lange Zeit über ein Wohnzimmerkonzert bei uns verhandelt, die beim Label Insular von Nadja veröffentlicht und wir hatten zusammen die beiden Konzerte von Plumes 2014 in Karlsruhe eingefädelt. Und nun, also auch erfolgreich das Konzert bei uns eingetütet. Fast ein bisschen unheimlich kam mir das kurz vorher noch vor. So wie ich mich auf diesen Abend freute, da musste noch was schief gehen. Tat es aber zum Glück nicht. 


Statt dessen ließen sich unsere Freunde an diesem Sommerabend mitnehmen. In das alte Haus, in dem die Aufnahmen zum Album entstanden waren. Wo das Leben raunt, das schon vergangen ist und damit noch in unsere Zeit hineinreicht, wo sich unsere Träume melden und der Alltag zurücktreten muss und das hier und heute nur als unsere Erinnerungen daran lebt. Alles mit dieser wohldosiert zerbrechlichen und ruhig bestimmten Stimme von Nadja, ein bisschen Keyboard und einem soliden aber sich zurück nehmenden Gerüst von Daniel Gädike. 

Was für ein wunderbarer und absolut unbezahlbarer Abend das wurde! Vom Abendlicht durchflutet - aber mehr noch vom Zauber der Musik erhellt, die ja für die meisten anderen an diesem Abend zum ersten Mal ihr Herz berühren durfte.
 
Interview mit Binoculers im Juni 2015 

Aus unserem Archiv:
Binoculers, Karlsruhe, 07.11.12 


Freitag, 9. November 2012

Binoculers, Karlsruhe, 07.11.12

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Konzert: Binoculers + Nicolai Schorr
Ort: Café Nun, Karlsruhe
Datum: 07.11.2012
Zuschauer: etwa 50 
Dauer: 30 min+50 min

Diese faszinierenden Kugeln - in unerklärlicher Leichtigkeit standen sie da auf winzigen ganz parallel ausgerichteten Stangen, die aber selbst kurz über der Erde schwebten... Das Cafe Nun ist ja bekannt dafür, jeder Band als Liebesgabe eine eigene Bühnendeko zu schenken.  Meist schaue ich, lächle, finde es gelungen und etwas später erinnere ich mich schon nicht mehr daran. Aber diesmal beschäftigte sie mich immens - dabei war es doch eine ganz simple Idee. Was aussah wie sauber auf Stile gespießte Kugeln waren aufgehängte Styroporkugeln. Von der Decke her war der Faden schwarz und dünn und damit unsichtbar und was aussah wie ein Stil, war ein dicker weißer Faden, der natürlich unter der Schwerkraft einfach nur wunderbar lotrecht hing und eine Winzigkeit über der Erde aufhörte, um diesen verstörenden Effekt zu haben.
Ich denke, die besondere Faszination der schwebenden Kugeln speiste sich aus zwei Quellen: Als Mathefreak ist es die unmöglich herzustellende Parallelität und die witzige ästhetische Idee, die mich spontan ansprach. Aber wohl erst in zweiter Linie. Denn tief in mir hatte etwas schon vorher auf die Alien-Kugeln geantwortet, was wohl nur erklärbar ist mit einem Kindheitserlebnis: mein erster Horrorfilm handelte von Globolinks (*) Außerirdischen, die Menschen erst ihr Selbst nehmen, um sie dann ganz zu entführen. Und die schwebenden Kugeln hatten irgendetwas davon in mir berührt. Spannend ist dabei, dass die einzig mögliche Rettung vor diesen schrecklichen Monstern in der Filmgeschichte ist, selbst Musik zu machen, denn Musik vertragen sie gar nicht und müssen sich dann zurückziehen.


Sehr schön lässt sich deshalb in meinen Konzertbericht einbinden, dass es sowohl Nicolai Schorr als auch den Binoculers mit ihrer Musik gelang, jeweils einen der Aliens vom Himmel zu holen und sozusagen mit ihrer schönen Musik zu besiegen... 

Das Cafe Nun war für das Konzert von Binoculers gut gefüllt, aber nicht  voll bis auf den letzten Quadratzentimeter. Eine gemütliche und erwartungsfrohe  Atmopshäre herrschte, als 21 Uhr Nicolai Schorr an der Gitarre den Abend eröffnete. Er spielte später für Binoculers an den Keyboards und Gitarre. In seinen 30 min machten seine Lieder einen interessanten Eindruck, aber vielleicht bedingt durch eine gewisse Nervosität wirkte manches nicht so recht. Es kann auch sein, dass ich seinen Liedern einfach ein bisschen mehr Zeit geben müsste (z.B. hier möglich), um sie richtig mögen zu können. So war es ein freundliches Aufmerken, aber auch nicht mehr.

Gegen 21:45 Uhr betraten dann die drei Musiker von Binoculers die Bühne. Neben Nadja Rüdebusch und Nicolai Schorr war es Daniel Gädicke am Schlagzeug. Sie präsentierten vor allem die Songs vom gerade erschienen Album: There is not enough space in the dark. 

Es begann mit Najdas Stimme begleitet nur durch schwebende Klänge von Xylophon und E-Orgel sehr sparsam und intensiv und erst im zweiten Song durfte das Schlagzeug den upbeat Charakter unterstützen helfen. Schön eingängig für mich war der Dreiertakt von Großmutters Haus und die intensive Steigerung am Schluss von Sparks. In manchen Aspekten erinnerte mich die Musik an Sea of Love aus Dresden.
 

Und schließlich kam auch das Set auf mein Anfangsgefühl zurück: Where there are children there are monsters. 

Wie wahr! Mein persönlicher Höhepunkt war wohl aber das Lied für den Fluss, in dem man die Wellen förmlich vorbeiziehen sah und sich ihnen anvertrauen konnte und das Lied vom Autofahren (The place you come from), was irgendwie schafft, melancholisch und unbeirrt optimistisch zu sein. Gegen 21:30 Uhr sollte schon Schluss sein, aber das Publikum erbat sich noch eine Zugabe, die in Form eines Schlafliedes gewährt wurde. 

Seit dem Abend habe ich die zwei CDs von Binoculers immer wieder gehört und bin dem leisen Zauber der Musik erst richtig erlegen. Alle Menschen, die diesen Bericht lesen, sollten schauen, ob sie nicht noch Binoculers unterwegs treffen wollen (Termine finden sich unten). Ganz unverbindlich hineinhören und sich selbst bezaubern lassen kann man auch auf bandcamp.


Und nicht vergessen: immer ein Lied auf den Lippen haben, um die Monster auf Abstand zu halten! 

Setlist:
1 Windbreak
2 Bricks/Walls
3 Grandmother's House
4 Sparks
5 Endless Tides
6 Beat
7 About Travelling
8 Monsters
9 Old Mind
10 Song for a river
11 The Place you come from
12 Mirrorball (vom ersten Album)

Zugabe: Sister

(*) Wer dem link folgt, sieht die Monster in der ersten Einstellung. Erst als Erwachsene bin ich die Globolinks mal suchen gegangen und war dann total überrascht, dass es sich um eine Oper handelt!

Tourdaten:
10/11/12   Buchcafé – Bad Hersfeld*
11/11/12   Die Gesellschaft – Hamburg*
15/11/12   Gelegenheiten – Berlin**
16/11/12   England, England – Dresden**
17/11/12   Dr. Seltsam – Leipzig**
18/11/12   Prinz Willy – Kiel**
19/11/12   Bismarck 106 – Bremen**
20/11/12   SissiKingKong – Dortmund**
21/11/12   Weltempfänger – Köln**
22/11/12   Pools – Göttingen**
24/11/12   Bands Privat (Haus auf der Mauer) – Jena**

* with band and Nicolai Schorr
** Duo, with Nicolai Schorr

 

 

Konzerttagebuch © 2010

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