Sonntag, 23. September 2012

Hurray for the Riff Raff, Karlsruhe, 20.09.12


Konzert: Hurray for the Riff Raff & Sam Doores
Ort: Karlsruhe
Datum: 20.09.12 
Zuschauer: 15 
Konzertdauer: 100 Minuten



Ich liebe intime Shows! Durch gute Beispiele konnte ich mir auch schon länger ein Privatkonzert in meinem eigenen Wohnzimmer vorstellen. So hatte ich schon zweimal Konzerte zugesagt, die dann nicht zustande gekommen waren, aber Anfang August zeichnete es sich ab, dass es mit Hurray for the Riff Raff nun vielleicht ernst würde. Ab da wohnten zwei Seelen ach in meiner Brust:
1) Das wird bestimmt gut und ich lade alle Freunde ein, die sonst nie zu solchen Konzerten kommen und  
2) ich kenne die doch gar nicht und es sind gleich so viele, wie werden sie mit den beengten Schlafplätzen zufrieden sein können und überhaupt, was hat mich nur geritten, so etwas verrücktes anzufangen! 

Am Tag zuvor hatte ich furchtbares Muffensausen. Am eigentlichen Tag klappte dann zum Glück unser Zeitplan fast ohne Stress und als die Band gerade noch so rechtzeitig für eine Essen vor der Show ankam und schon beim Hallo sagen nur einfach total sympatisch war, fiel mir die größte Last vom Herzen. Ab da war es einfach nett und eigentlich einfach. Erst sammelte ich sie alle um den Tisch mit Federweißem, Rotkohl und Schweinebraten, was ziemlich gute Noten bekam (*SchweißvonderStirnwisch*). 

Dabei trafen zum Ende hin schon die ersten Zuhörer ein. Mit einigen wenigen Handgriffen war schließlich der Tisch im Garten geparkt und das Wohnzimmer mit vielen Sitzplätzen bereit - die Gäste in der Küche bezüglich der Getränke eingewiesen. Es herrschte eine neugierige und vorfreudige Atmosphäre. Dass man beim Kommen die Band schon vorfand zum ansprechen und Hallo sagen ist schon etwas besonderes - sicher auch, dass die Band freundlich und zum schwatzen bereit ist! Es gab einige Gäste, die nach eigenen Erfahrungen in den USA sofort alle möglichen Geschichten zu teilen hatten und so kam gleich eine Nähe zustande, die auch auf die Atmosphäre des Konzertes zurück wirkte. 

Die große Frage im Raum: wie kommen die Musiker dazu, ausgerechnet hier aufzutreten, bzw. woher kenne ich sie und andere Fassungen der immer gleichen Frage. Dabei stellte ich fest, dass ich das gar nicht so kurz und bündig beantworten konnte. In dieser Kette gab es mindestens zwei Verbindungen, die auf recht blindem Vertrauen zueinander basierten und auf dem musikalischen Umfeld, das sich mir über soziale Netze in den letzten zwei Jahren geöffnet hat. Und genau genommen hätte es mit kühler Planung nicht dazu kommen können. Darüber hatte ich in der Vorbereitung des Abends gar nicht nachgedacht. Aber nun, im Moment, dass ich das anderen erklären sollte, was mir selbst selbstverständlich vorkam, merkte ich, wieviel Magie und Zufall hier am Werk gewesen war und wie dankbar ich dafür war, dass alle sich auf dieses Experiment eingelassen hatten. 

Und sobald Hurray for the Riff Raff begannen, war klar, dass auch der letzte im Raum nur einfach froh war, hier dabeisein zu können. Das Wohnzimmer wurde musikalisch nach New Orleans gebeamt und dort gefiel es uns sehr gut. Die Band hatte sich entschieden, ganz akustisch aufzutreten mit Kontrabass, 1-2 Gitarren, Geige und Schellen. Wichtiges Utensil auch ein Dutzend Mundharmonikas. Es herrschte kein Zweifel, dass hier Vollblutmusiker am Werk waren, die überall, wo sie ihre Instrumente auspacken problemlos eine Bühne entstehen lassen. Da die Show recht informell lief, wechselte traditionelles Liedgut (sozusagen Cover Songs) mit Hurray for the Riff Raff Material und Sam Doores Material auf Zuruf. Mit etwas mehr Platz hätte sicher auch ein Tänzchen zu manchem Lied gepasst - andere waren eher traurig und/oder nachdenklich. Aber alle anwesenden waren über die Interpreten an eine Quelle angeschlossen, aus der in den Tiefen der vermischten Volksmusiken geschöpft wurde. 

So kam es mir ein bisschen auch wie eine Zeitreise vor, wenn im Herbst und Winter sich die Familie in der warmen Stube zusammensetzt, sich Gruselgeschichten erzählen und ihre liebgewordenen Lieder zusammen singen. 

Es ergab sich die wohl eher seltene Situation, dass Hurray for the Riff Raff vor einem Publikum spielten, dass sehr überwiegend aus Mathematikern bestand: "As for tonight, we had a lovely house show in Karlsruhe and played to a room of mathematicians! Thank you to our new friends, the smart ones like Hurray for the Riff Raff obviously..."  

Nach diesem Abend bleibt mir nur eine besonders herzliche Empfehlung, eines der noch folgenden Konzerte zu besuchen und ein großer Dank an Sebastian, der hier die zentrale Figur im Hintergrund war und natürlich an Hurray for the Riff Raff, die sich auf Leute wie Sebastian und mich fast blind verlassen haben.

Tour Sam Doores und Hurray for the Riff Raff:
Sep 22 Sparte 4 Saarbrücken 
Sep 23 Gute Stube Darmstadt 
Sep 24 Silver Future Ortsteil Neukölln 
Sep 26 Lockengelöt Hamburg 
Sep 26 Hasenschaukel Hamburg 
Sep 27 House Show - http://www.youareawesome.de Bremen 
Sep 28 Heeren van Alede Aalden, Netherlands 
Sep 29 Roode Haan Warfhuizen, Netherlands 
Sep 30 Lokaal42 Helmond, Netherlands 
Oct 01 House Show http://homespunbooking.wordpress.com/ Paris 
Oct 02 Les Balades Sonores Paris 
Oct 03 Les Musicophages Toulouse 
Oct 04 House Show La Sauvetat 
Oct 07 La triperie Lyon 
Oct 08 Thunderbird Lounge Saint-Etienne 
Oct 09 O'brother Grenoble 
Oct 10 Condorito Club Cuneo, Italy 
 Oct 11 ARCI Ohibò Milano 
Oct 12 Bookique Trento 
Oct 14 La Mela di Newton Padua 
Oct 15 Osteria Da Filo (formerly knows as La Poppa) Venice

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