Freitag, 26. November 2010

Tokyo Police Club & Trumans Water, Paris


Konzerte: Tokyo Police Club & Trumans Water
Orte: La Maroquinerie & L'International
Datum: 25.11.2010
Zuschauer: jeweils recht viele, aber es gab noch Luft zum Atmen

Konzertdauer: Tokyo Police Club 75 Minuten


Im November geht konzerttechnisch so tierisch die Post ab, daß man als Gigfreak gar nicht mehr weiß, wo man denn nun hingehen soll. Allein am heutigen 25. November gab es schon wieder ein nahezu unüberschaubares Programm in Paris. Two Door Cinema Club im Olympia, Foals im Elysée Montmartre, Imogen Heap im Divan Du Monde, My Bee's Garden in der Flèche d'or, Eliza Doolittle (die neue Lily Allen) chez Moune, Poney Express im Reservoir, Battant im Point Ephémère, OMD im Casino de Paris, Phantom Buffalo & Truman Water im International und Tokyo Police Club in der Maroquinerie.

Am meisten interessierten mich die beiden letztgenannten Konzerte. Aber beide gleichzeitig gucken ging wohl schlecht, oder? Ich entschied mich also für Phantom Buffalo und Trumans Water im International. Als ich dort ankam, spielte aber erst noch der Kanadier Moran und der war enorm zäh und lahm. Um viertel vor zehn hatte er immer noch nicht fertig. Ich langweilte mich wie Sau. Da kam plötzlich mein Freund Yves angeschneit, der mir erzählte, daß Tokyo Police Club in der nicht sehr weit entfernten Maroquinerie erst um 22 Uhr 10 angesetzt waren. Spontan wie ich bin, verließ ich kurzerhand das International, setzte mich in den blöden Bus und fuhr den Berg Richtung Maroquinerie hoch. Ein Ticket oder einen Gästelistenplatz für die Show hatte ich nicht, aber man ließ mich trotzdem umsonst rein, schließlich bin ich Oliver Peel!

Drinnen angekommen, sah ich noch das Ende des Sets der Engländer Little Comets. Sie spielten sehr frisch, flott und Laune machend auf. Ihr Sound war typisch für die ganzen jungen britischen Bands der 2000er Jahre. Hibbeliger Punk-Pop, absolut tanzbar, melodisch und catchy. Vergleiche zu den Good Shoes, Los Campesions! Maccabees etc, drängten sich förmlich auf, aber es gab auch einen gewissen Afro-Einschlag à la Vampire Weekend zu bemerken. Mit One Night In October hatten sie zudem einen veritablen Indie-Hit zu bieten.

Nicht schlecht also, diese Little Comets! Wir werden noch von ihnen hören.

Etwa zwanzig Minuten später dann der Einmarsch von Tokyo Police Club. Das unglaublich junge und in den meisten Fällen weibliche Publikum war entzückt, als der schelmisch grinsende Bandleader Dave Monks die Bühne betrat. Ein lustiger, absolut sympathischer Typ, der mit seiner verschmitzten Art extrem gut ankam. Er wirkt wie der typische Slacker, so etwa wie ein Thurston Moore in jung. Ich könnte mir gut vorstellen, daß er in zwanzig Jahren fast noch genauso aussieht. Auf jeden Fall hatte er sich kaum verändert, seitdem ich ihn im Februar 2007 das erste Mal mit seiner Band gesehen hatte...

Seit 2007 ist viel Zeit ins Land gegangen. Die erste EP von Tokyo Police Club, A Lesson In Crime und auch das erste richtige Album Elephant Shell habe ich seitdem immer mal wieder mit Freude laufen lassen,
mit dem neuen Werk bin ich allerdings noch nicht vertraut. Von Champ (2010) kannte ich rein gar nix. Das war bei dem jungen Publikum in der Maroquinerie anders. Vor allem die Mädels sangen die Parolen komplett mit. Manche hatten ein Dauerginsen im Gesicht, daß bis zum Ende des Konzertes anhielt. War ja auch wirklich unterhaltsam, dieses flott abgeschossene Set der Kanadier! Da wurde nicht lange gefackelt und gezaudert. Stattdessen haute einem die Band die melodiösen Gittarenhits nur so um die Ohren und die Zeit verging wie im Fluge. Bei mir persönlich gab es immer wider aha- Momente, wenn die alten Sachen wie Tesselate oder Be Good geschmettert wurden, aber gegen Ende machte ich auch Anhieb einen Kracher vom neuen Album aus: Boots Of Danger. Eine Nummer, die auch die Strokes nicht besser hinbekommen hätten! Lässig aus der Hüfte geschossen, ungemein euphorisierend und mit einem Refrain ausgestattet, den man nicht mehr vergisst ("wait up, you never get nervous anymore"). So lange Julian Casablancas und Co. Tokyo Police Club die Bühne überlassen, vertrösten wir uns gerne mit so einem natürlichen Stimmungaufheller!

Die einzige Zugabe dann auch noch einmal ohrwurmig: Cheer It On ("operator give my the president of the world! this is an emergency!") hatte nichts von seiner Anziehunsgkraft verloren und begeisterte mich noch genauso wie im Februar 2007! An Christoph: Heute wurde seit langer Zeit mal wieder ausziehen (à poil) und David Bowie reingerufen!



Setlist Tokyo Police Club, La Maroquinerie, Paris:
01: Favorite Colour
02: Nature Of The Experiment
03: Graves
04: Top 5
05: Spark
06: In A Cave
07: Tessellate
08: Hands Reversed
09: Big Difference
10: Not Sick
11: Be Good
12: Bambi
13: Favourite Food
14: Citizens Of Tomorrow
15: Breackneck Speed
16: Wait Up (Boots Of Danger)
17: Your English Is Good

18: Cheer It On

Im Anschluß an die Show von Tokyo Police Club ging es für mich gleich munter weiter. Ich nahm meine Beine unter den Arm und rannte in einem Affenzahn den Berg der Rue de Menilmontant runter. Ich wollte ja schließlich noch ins International. Konzertjunkies wie ich kriegen schließlich nie den Hals voll genug. Vor der Tür des International hingen noch Freude und Bekannte von mir ab, die bei Labels oder Bookingagenturen arbeiten. Wenn solche "Profis" vor Ort sind, verheißt das oft ein Konzert für Insider. Ich war gespannt, schlug die Tür auf und hoppelte die Treppenstufen zum Kellgergeschoß runter, wo die Gigs hier stattfinden. Schon etwas angegraute Musiker spielten noisige, aggressive und hundsgemeine Indiesongs mit Hardcore Einschlag. Die Meute war aufgestachelt und johlte. Anscheinend kannten sie alle Trumans Water und hatten sich keineswegs zufällig hierhin verlaufen. Unter den Gästen war auch mein Freund Pascal, der die Band in den 1990er Jahren einmal in einem besetzten Schuppen im 12. Pariser Arrondissement gesehen hatte. Heldenhafte Dinge erzählte er von dieser kultigen Show, was meine Neugierde noch weiter anstachelte.

Dummerweise hatte aber mein Abstecher in die Maroquinerie so viel Zeit gekostet, daß ich nur noch die letzten beiden Lieder des Sets zu hören bekam. Plötzlich kam es zu einem lautstarken Wortwechsel zwischen dem Sänger von Trumans Water und einer Zuschauerin in der ersten Reihe. Sie gifteten sich auf englisch an und er gestikulierte im Stile eines John McEnroe, wenn dieser nicht mit dem Schiedsrichter zufrieden ist. Ich denke aber, es war nur Spaß, denn kurze Zeit später grinste der Heißsporn schon wieder. Normalerweise gibt es im International selten bis nie Zugaben, aber heute war das anders. Motiviert durch die am Ende Pogo tanzenden Zuschauer, verlängerten Trumans Water ihren Auftritt um satte 15 Minuten und drei bis vier Lieder. Was gespielt wurde, konnte ich beim besten Willen nicht sagen, da ich mich mit der Diskografie der Band null auskenne. Berichten kann ich allerdings, daß die Leute weiterhin abpogten wie verrückt und damit die aufgepeitsche Atmosphäre weiter verstärkten. Dann war aber wirklich Schluß.

Am Merch gab es einen reichen Gabentisch mit allerlei CDs und Vinylplatten der Band zu bewundern. Trumans Water haben mehr als ein Dutzend CDs veröffentlicht, darunter eine Peel Session (nein, keine Oliver Peel Session)! Mein Freund Pascal schlug wie immer herzhaft zu und trug 3 CDs und eine sehr schön aufgemachte Platte (das neue Werk O Zeta Zunis) aus dem Laden.

Eine coole Sache! Ist was für Fans von Sebadoh, Wire, Sonic Youth, etc. Pussies draußen bleiben!

Setlist Trumans Water, L'International, Paris:

01: ?
02: ...own Bo..
03: Janellopy
04: We Fish
05: 5-7-10 Split
06: 665
07 Bev Toxin
08: ... New Rise + Fall
09: Long End Of A Firearm
10: Gibraltar
11: Sorry About The Blood


Ausgewählte Konzerttermine Trumans Water:

27.11.2010: Friese, Bremen
28.11.2010: Magasin 4, Brüssel
30.11.2010: Bang Bang Club, Berlin
01.12.2010: Kiel, Schaubude

Aus unserem Archiv:

Tokyo Police Club, Latitude-Festival, 16.07.10
Tokyo Police Club, Brüssel, 05.06.08
Tokyo Police Club, Frankfurt, 25.06.07
Tokyo Police Club, Köln, 25.02.07
Tokyo Police Club, Köln, 25.02.07
Tokyo Police Club, Paris, 16.02.07



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