Sonntag, 4. September 2011

Myra Lee, Concrete Knives u.a., Festival Rock en Seine, 27-29.08.11


Konzert: Myra Lee, Concrete Knives, u.a.

Ort: DomainNational de Saint Cloud, Festival Rock en Seine
Datum: 27.-29.08.2011


Ich bin erklärter Fan französischer Popmusik. Der zynische Spruch von John Lennon: "französische Musik ist wie englischer Wein, scheußlich!", gilt für mich nicht.

Auch beim diesjährigen Festival Rock en Seine bei Paris waren wieder so einige Frenchies am Start. Neben bereits etablierten und zumindest in Frankreich kommerziell erfolgreichen Acts wie Herman Dune, Hushpuppies, Lilly Wood & The Prick, Jamaica und BB Brunes, konnte man sich vor allem an jungen, frischen Bands erfreuen. Drei davon möchte ich euch etwas näher vorstellen.

Beat Mark: Ärgneris Nummer eins des Festivals: das Konzert der vielversprechenden Beat Mark konnte ich leider nicht sehen. Das ewig lange Anstehen, die zermürbenden Einlasskontrollen, das Abholen von Bändchen, all dies dauerte wieder einmal so lang, daß mein persönlicher Zeitplan mächtig durcheinandergewirbelt wurde. Schade, denn die Franzosen klingen zumindest auf Platte äußerst interessant. 60 ies Garagenpop (die Beach Boys lassen grüßen!) mit unverschämt melodiösen Gitarren und gemischten Gesängen ist angesagt. Das Ganze klingt so catchy, daß sich die Pains Of Being Pure at Hearts und andere Retrobands warm anziehen müssen. Verflucht, hätte ich den Auftritt von Beat Mark doch bloß mitbekommen! Meine Neugierde ist zumindest geweckt.





Von den Concrete Knives sah ich zumindest 2 bis 3 Lieder. Eine unfassbar quirlige und hyperkative Band aus Caen in der schönen Normandie mit einer ungemein attraktiven Frontlady an der Spitze. Meine Güte, war diese blaue Legginghose von Morgane Colas gewagt! Aber sie konnte es sich leisten, daß saumäßig enge Teil betonte ihren gut durchtrainierten Körper und ließ ihren Hintern knackig und verlockend aussehen. Zwar sang die Frau mit dem schicken Kurzhaarschnitt nicht alleine, aber sie stahl den vier Männern in der Band eindeutig die Show.

Musikalisch war französisches New Wave Revival angesagt. Indochine mit einer Frau und in gut. Oder so. Andere zitieren eher die B-52s und nennen es Power oder Sunny Pop.
Auf jeden Fall extrem frisch, wahnsinnig treibend und Laune machend. Vorne wippte das ganze Publikum und am Ende ließ es sich Morgane nicht nehmen mit ihrem Tambourin in der Hand durchs Publikum zu surfen.

Die You Can't Blame The Youth EP habe ich hinterher blind gekauft, man kann sie sich in Ruhe auf der Band Camp Seite von Concrete Knives anhören.

Myra Lee:

Maud Nadal (die Schwester von Rafael? Ähem, nein!) alias Myra Lee trat zusammen mit ihrer Band am 28.09.2011 um 15 Uhr 45 auf. Spielstätte war die Scène de L'Industrie, eine relativ kleine, dafür aber umso gemütlichere Bühne. Die Sonne schien und erfreulicherweise hatten sich Fans und Neugierige eingefunden, um eines der größten Talente der französischen Indierockszene zu bewundern.

Maud Nadal hatte schon einmal eine Band namens Choice Dainties, die in Insiderkreisen einen hervorragenden Ruf genoß. Nach dem Ende dieses Projekts startete die Sängerin dann zunächst unter dem neuen Namen Lawn Factory neu, um schließlich eine Umbenennung in Myra Lee vorzunehmen. Ihr wisst alle, daß es sich bei Myra Lee um einen Albumtitel von Cat Power handelt und dies ist auch kein Zufall. Maud bekannt sich zum Fan von Chan Marshall, wird aber auch immer mal wieder mit PJ Harvey verglichen. Sie sei eine Anhängerin roher, authentischer Musik sagte sie neulich in einem Interview und das merkte man auch beim Konzert bei Rock en Seine.

Zwar hat sie inzwischen eine hochprofessionelle Band am Start (Olivier Marguerit von Syd Matters am Bass, Jean Thevenin von The Rodeo am Schlagzeug), aber dennoch kommt die ungehobelter Seite von Maud immer wieder zumVorschein. Sie macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube, besticht durch ihren ungefilterten, hohen, sehnsuchtsgetränkten Gesang und ihre direkten englischen Texte. Stilistisch liegt das Ganze zwischem modernen Folk (Old Man, The Flame In The Eye), Indierock (Big Catch All) und melodramatischem Popsong à la Blonde Redhead (Be Sure).

Auch ihre Bühnenpräsenz ist jetzt schon beeindruckend.
Sie bewegte sich charmismatisch und ausdrucksvoll und sah mit ihrem gertenschlanken Ballettänzerinnen-Körper darüber hinaus auch umwerfend aus. Gut für sie, daß sie mit ihrer famosen männlichen Begleitband (Olivier Marguerit und Jean Thevenin spielen in unzähligen Bands, haben unglaublich viel Erfahrung) eine Truppe um sich hatte, die die komplexen, aber dennoch ohrwurmigen Songs perfekt rüberbringen konnte. Mit The Flame In The Eye (wunderbar die Akkordzither!) und Big Catch All hatte sie richtige Knaller im Set, die aber nur beispielhaft genannt werden sollen, da es keinerlei Aussetzer in dem Konzert gab.

Das Publikum war hinterher entzückt und selbst die gegenüber ihren Landsleuten so kritischen Franzosen hatten nur lobende Worte parat.

Merkt euch also Myra Lee!

Pour nos lecteurs français:

Je suis fan de la musique pop française. Les paroles de John Lennon: "la musique française, c'est comme du vin anglais, dégueulasse," ne s'applique pas pour moi.

Pour l'édition de 2011 de Rock en Seine il y avait, comme toujours, pas mal de groupes français au programme. À coté des groupes confirmés comme les Hushpuppies, Herman Dune ou Lilly Wood & The Prick, il y avait heureusement également de la place pour des nouveaux talents comme Beat Mark, Concrete Knives et surtout Myra Lee.

Myra Lee, c'est le projet de Maud Nadal (soeur de Rafael? non!) qui avait déja fait parler d'elle, lorsqu'elle jouait dans le groupe Choice Dainties. Après le split de ce projet prometteur, elle s'est lancé en solo sous le nom de Lawn Factory et a sorti un très chouette EP trois titres. Puis elle a changé de nom et s'est entourée d'un nouveau groupe sous le nom de Myra Lee. Comme vous le savez tous, Myra Lee est le titre d'un album de Cat Power. Et ce n'est pas un hasard. Maud est fan de Chan Marshall et également de PJ Harvey (dont elle a repris la chanson le piano), mais ne se contente pas de copier ces fameuses chanteuses. Elle aime simplement le côté brut, authentique et un peu torturé de Chan et de Polly Jean, caractéristiques qu'on retrouve aussi dans le son de Myra Lee.

Mais la jolie Maud a progressé depuis ses débuts et élargi son spectre musical. Désormais c'est plus puissant, électrique et riche, sans perdre son charme lofi d'avant. Avec son groupe formidable, entre autre constitué de Jean Thévenin à la batterie (The Rodeo, Tahiti Boy et pleins d'autres) et Olivier Marguerit (Syd Matters, Chicros, Fugu, etc.) à la basse et au clavier, elle dispose des musiciens pros et experimentés, qui ont contribué à un concert carré, dense, bien rodé, sans être trop parfait et lisse.

Variant entre folk, rock indé et pop melodramatique à la Blonde Redhead, Myra Lee a donné plein de preuves de son grand talent. Elle n'a pas seulement une jolie voix sensuelle et touchante, mais également une présence sur scène remarquable. Avec son corps de danseuse elle bougeait d'une manière fluide et souple et ne séduisait pas seulement le public masculin.

Et Maud a déjà de véritables tubes. Son premier EP Flame In The Eye régorge de pépites de musique indé et le titre éponyme est tout simplement imparable:

"I tell you I'm not afraid, I tell you I'm not shy, that don't matter to me if you are afraid or if you are shy, flame in the eye"...

La pop francaise a un bel avenir, Myra Lee en est un bel exemple. Son concert a envoûté tout le monde, même les français dans le public, qui sont parfois très durs avec les groupes de leur pays.









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