Samstag, 24. September 2011

H-Burns & Neal Casal, 19.09.11


Konzert: H-Burns & Neal Casal

Ort: Crêperie West Country Girl, Saint Ambroise, Paris

Datum: 19.09.2011

Zuschauer: 30-35



Diese Konzerte sind mir die liebsten! Intimes Ambiente, sympathische, musikbegeisterte Zuhörer und exquisite Künstler, die ohne Netz und doppelten Boden akustisch vom Leder ziehen.

Der gute Erwan Le Floch hatte in seine urige Crêperie West Country Girl geladen und etwa 30 Insider folgten seinem Ruf. Die Shows sind halbwegs geheim, weil der Laden nicht sonderlich groß ist und Erwan nicht überrannt werden will. Es soll ja schließlich gemütlich bleiben. Eintritt kostet das Ganze nicht, Crêpes kann man am Tag der Konzerte alleridngs auch keine essen. Ist aber egal, denn man kommt ja wegen der Musik und nicht um sich die Wampe vollzuschlagen.

Anberaumter Konzertbeginn war 21 Uhr. Als ich um diese Zeit am Ort des Geschehens eintraf, war das West Country Girl noch nicht sonderlich stark bevölkert, der von mir erwartete Massenansturm blieb aus. Allerdings war der Amerikaner Neal Casal schon da. Ich erkannte ihn kaum wieder. Er trägt inzwischen einen grauen Bart, auf den er sehr stolz ist, wie er mir schmunzelnd erzählte. Als ich ihn 2007 solo und später mit Ryan Admas und den Cardinals auf der Bühne der Maroquinerie gesehen hatte, war er noch glattrasiert. Ich fragte ihn, ob die Weiber auf seinen Bart stehen würden. Er verneinte. Daraufhin riet ich ihm: "dann mach ihn sofort wieder weg!"

15 Minuten später kam mein eigenes Weib eingetrudelt, sie war mit Freunden noch essen gewesen. Während ich hungrig auf meinem Stühlchen saß, erzählte sie mir von ihrem vollen Bauch. Gemeinheit. Zum Trost kippte ich mir einen staubtrockenen Cidre die Kehle runter und verfolgte nun ganz leicht besäuselt das Akustikkonzert des Franzosen Renaud Brustlein aka H-Burns. Seit Jahren schon bin ich Fan des erdigen Folkrockers, der hier im West Country Girl gern gesehener Gast ist. Er gehört fast zum Establishment. Während er auf "richtigen" Bühnen mit seiner mehrköpfigen Band richtig Krach machen kann, besann er sich hier auf seine ruhige Seite. Seine whiskygetränkte Stimme klang wie immer sensationell. Würde ihn sein kleiner Akzent nicht verraten, man könnte ihn für einen waschechten Ami halten. Dabei stammt der kräftige Bursche aus Valence und nicht aus Nashville.

Inzwischen ist der gute Renaud schon bei Album vier angekommen, daß er zusammen mit dem australischen Kultmusiker Chris Bailey (The Saints) eingespielt hat. Und von diesem Album brachte er auch ein paar Songs (New Sidewalks, Postcards), freilich ohne Chris Bailey. Zudem gönnte er uns We Go Back von seinem gleichnamigen dritten Album und gegen Ende mit Death Of A Salesman auch ein gelungenes Cover von Low (Album The Great Destroyer).

Die Leute (unter ihnen Michel Pamplune, der Chef des famosen Labels Fargo) hörten aufmerksam zu, belohnten H-Burns mit verdientem Applaus und waren teilweise überrascht, daß es in Frankreich so tolle Countrysänger gibt.



Etwa zehn Minuten später war Neal Casal an der Reihe. Der smarte Womanizer steht bei Frago (damals war er bei Glitterhouse) unter Vertrag und hat zuletzt 2010 das nicht kleine Café de la Danse (Fassungsvermögen etwa 500) gefüllt. Er ist als kein Unbekannter hier in Frankreich und hat sich praktischerweise gleich auch noch eine französische Freundin angelacht (ein süßes Ding!). Es dürfte ihm allerdings schwer fallen, diese regelmäßig zu sehen, denn der Singer/Songwriter wohnt in L.A, also nicht gerade um die Ecke.

Aber schwierige Liebesbeziehungen sind ja meist der ideale Nährboden für verzweifelte Lovesongs und Neal bot uns allen wirklich ein paar sehr feine Kostproben seines umfangreiches Werkes. Je nach Zählweise stehen 11 bzw 13 Alben auf der Habenseite (eine Anthlogie und ein Coveralbum könnte man eventuell abziehen) und ich besitze offengestanden kein Einziges davon. Dennoch fiel mir heute auf Anhieb der Song Lost Satellite positiv auf. Fast im Stile eine Paul Mc Cartney trug er mit fabelhafter Stimme und gekonntem Fingerpicking diese Ballade vor und gefiel mir nicht nur in dieser Phase richtig gut. Im Vergleich zu H-Burns klang bei Neal Casal alles süffiger, süßlicher, weniger erdig und trocken, allerdings auch ein klein bißchen professioneller und routinierter. Aber man schaftt es nun einmal nicht in die Begleitband von Ryan Adams (den Cardinals), wenn man nicht exzellent spielen kann.



So genoßen wir Pariser Folkfans in intimer Atmosphäre also zwei hervorragende Musiker, die sich auch hinterher sympathisch und offen präsentierten und für Schwätzchen zur Verfügung standen.

Feine Sache das!


Obiges Video von H-Burns by Le Hiboo.com, copyright. Check out their other great videos with H-Burns, click!



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